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am 5. Januar 2012
'Indem ich von mir selbst in der ersten Person schrieb, hatte ich mich lahmgelegt, mich unsichtbar gemacht" (Zitat: Paul Auster)
Ein Erfolgsschriftsteller erhält von einem ehemaligen Jugendfreund überraschend den literarischen Nachlass, im dem dieser, scheinbar schonungslos, seine Erlebnisse als Student in New York und Paris offenbart.
Auf einer Party im Frühjahr 1967 lernt der Student Adam Walker, der sich als Lyriker profilieren möchte, den Gastprofessor Born aus Frankreich kennen. Es folgt eine Einladung zum Essen, die ihm auch Gelegenheit zum Wiedersehen mit der Freundin des Professors, Margot, bietet. Born macht das großzügige Angebot, auf seine Kosten eine Literaturzeitschrift zu gründen. Adam gerät in den Bann Borns und beginnt eine Affäre mit Margot. Bei einem nächtlichen Spaziergang werden Born und Adam von einem Jugendlichen mit einer Pistole bedroht. Unvermittelt und eiskalt sticht Born diesen nieder.
Hier endet der erste Teil des Romans. In den nächsten Teilen ändert sich mehrmals die Erzählperspektive und die Geschichte wird immer rätselhafter.
Aufzeichnungen und Erzählungen der einzelnen Betroffenen wiedersprechen sich. Ganz zum Schluss kommt es noch zu einer überraschenden Enthüllung, die aber die alten Rätsel nicht löst, sondern zur weiteren Verunsicherung beiträgt. Auster verwendet neben dem literarischen Manuskript, Briefe, Tagebuchaufzeichnung, Indizien und Aussagen von zweifelhaften Zeugen, um einen eine Geschichtel zu rekonstruieren. 'Jeder würde in ihrer Situation lügen, alle würden lügen. Lügen wären die einzige Möglichkeit.' (Zitat:Paul Auster) Es geht also um Lüge und Wahrheit.
Jeder Leser aber weiß: Die Erfindung (Sprich Lüge) ist der Stoff für den Autor.
Wer als Leser nichts als die Wahrheit vorgegaukelt bekommen möchte, wird durch den Roman 'Unsichtbar' verstört, verunsichert, ja verärgert. Die Freude an der Lektüre liegt in der besonderen Art des Erzählens selbst, in der Teilhabe an der Spurensuche ohne wirkliches Ziel, denn Wahrheit kann auch immer Lüge sein. Es ist jedoch nicht jedermanns Sache, dass die Wahrheit des Erzählten im Nacheinher immer wieder in Frage gestellt wird.
Die Macht des Autors liegt darin, unsichtbar zu sein. Durch Austers souveräne Erzählkunst geraten wir in den Sog einer Geschichte, die so ziemlich alles bietet, was das Leserherz begehrt: einen literarisch ambitioniertem Helden; einen Hauch von Spionage in Zeiten des Kalten Krieges; einen Entwicklungsroman, in dem der Held die Verderbtheit der modernen Gesellschaft erlebt, sexuelle Abenteuer, vor allem aber die Geschichte einer unerhörten, verbotenen Geschwisterliebe. Austers Roman zerstört Illusionen: Der Vorgang des Erzählens rückt in den Mittelpunkt.
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Nachdem ich vor geraumer Zeit Mann im Dunkel - meine erste literarische Berührung mit Paul Auster - von meiner Buchhändlerin empfohlen bekam, war für mich nach Beendigung der Lektüre klar, dass ich es hier mit einem sehr interessanten Autoren zu tun habe. Darum fiel mir der Entschluss den neuesten Paul Auster Roman "Unsichtbar" käuflich zu erwerben, nicht sonderlich schwer.

Paul Auster erzählt auf diesen 316 Seiten in erster Linie aus dem Leben des Adam Walker.
Warum in erster Linie?
Der Roman ist in insgesamt vier Abschnitte von jeweils 70-80 Seiten gegliedert, bei dem der erste Part das verhängnisvolle Treffen von Adam Walker und Rudolf Born im Jahre 1967 schildert. Adam Walker ist zu diesem Zeitpunkt ein Literatur-Student und schreibt nebenbei Gedichte - natürlich träumt er davon, ein berühmter und gefeierter Dichter zu werden. Auf einer Party trifft er dann auf diesen reichen, etwas exzentrisch wirkenden Franzosen, der ihm das Angebot macht, mit ihm zusammen eine Kultur-Literatur-Zeitschrift zu gründen: Born stiftet die finanziellen Mittel und Adam Walker schreibt die Beiträge.
Sämtliche Ideen und Pläne werden von Adam unfreiwillig über Bord geworfen, als sich Rudolf Born von einer gefährlichen und erschreckenden Seite zeigt.

Diese oben angedeutete menschliche Facette Borns ergießt sich in einer brutalen Tat, die die Ausgangslage für sämtliche der nachfolgenden Kapitel darstellt.
Das Aufeinandertreffen von Walker und Born wird in der Perspektive des Ich-Erzählers Adam Walker geschildert, im zweiten Kapitel wechselt Auster die Erzählstruktur und ein Du-Erzähler führt den Leser durch das Geschehen. Im darauffolgenden Abschnitt tritt der Er-Erzähler auf, um im vierten Part wieder vom Ich-Erzähler - nicht derselbe wie in Kapitel 1 - abgelöst zu werden.

Paul Auster erzählt das Leben von Adam also aus vielen verschiedenen Blickwinkeln, so dass sich ein detaillierter Charakter entwickelt. Nach ungefähr der Hälfte des Buches macht Auster seinem Ruf alle Ehre und schmeißt wieder sämtliches bestehendes Personal raus und lässt zum Großteil neue Personen die Bühne betreten.

Der Autor bietet in den einzelnen Kapitel unterschiedliche Möglichkeiten der Erzählweise - mal werden Briefe und Tagebücher der Personen abgedruckt, Telefonate wiedergegeben oder Manuskriptbestandteile präsentiert. Das alles ist in einer solch mitreißenden und tollen Sprache geschrieben, dass das Lesen eine reine Freude war.
Paul Auster bombardiert den Leser mit vielen kulturellen und literarischen Querverweisen, was den Lesefluss aber in keinster Weise einschränkt.

Der Titel des Buches lädt - neben vielen anderen Anspielungen Austers - ebenfalls zur Spekulation ein. Abgesehen von einem einzigen Satz im zweiten Abschnitt wird kein weiteres Mal auf die Unsichtbarkeit hingewiesen.

Tauchen auch Sie in einen Roman ein, der Sie mit skurrilen Charakteren, verstörenden Momenten und interessanten - vielleicht autobiografischen ? - Erlebnissen eines Schriftstellers einfangen wird.
Auster ist und bleibt ein großartiger, hintergründiger Autor! Wer natürlich lediglich einfache Unterhaltung erwartet, wird von ihm höchst enttäuscht sein.
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am 17. November 2010
Artikel seit 4 Wochen in Gebrauch.

Einleitung:
Zum Einschlafen habe ein längeres, qualtitativ hochwertiges Hörbuch gesucht. Gekauft habe ich das Produkt, da ich zum Beispiel Paul Austers "Mond über Manhatten" sehr mag und die Kritiken des Buches "Unsichtbar" sehr positiv waren.

Vorteile:
Die Geschichte ist von Paul Auster herausragend erzählt. Zweifellos gehört er zu den größten Erzählern der heutigen Zeit. Die Geschichte entwickelt sich recht langsam, ohne große "Effekthascherrei", läuft aber unaufhaltam von einer Katastrophe auf die Nächste zu. Der Grundton der Erzählung ist typisch für Paul Auster, düster, etwas deprimierend, und an vielen Tabus kratzend. Dennoch: Genial! Die Umsetzung als Hörbuch ist sehr gut gelungen. Die Stimme von Burghart Klaußner ist angenehm, passend zum Inhalt und die unterschiedlichen Charaktere sehr gut darstellend. Insgesamt inhaltlich und technisch ein sehr gutes Hörbuch.

Nachteile:
- Relativ hoher Preis.
- Schade finde ich, dass der Text gekürzt wurde. Zwar fällt dies nicht so ohne weiteres auf, aber es ist meiner Meinung nach unschön und unnötig. Bei dem hohen Kaufpreis wären 8 anstatt 6 CDs auch okay gewesen.
- CD2 und CD5 sind mit einem Kopierschutz versehen. Dadurch war es mir mit Standardprogrammen NICHT möglich sie auf meinen MP3-Player zu kopieren. Das war super ärgerlich, da ich gar keinen CD-Player besitze und beim Kauf der CD nicht darauf hingewiesen wurde. Ich bin mir sicher es wird einem Großteil der Käufer ähnlich gehen und verstehe die rückwärtsgerichtete Politik von DAV nicht. Davon abgesehen, dass es absurderweise illegal wäre den Kopierschutz einer für viel Geld gekauften CD zum privaten Gebrauch zu umgehen, ist es natürlich trotzdem,z.B. mit dem "VLC Player", möglich.

Alternativen:
n.a.

Fazit:
Ein sehr gutes Buch von Paul Auster, hier in der Hörbuchversion sehr gut umgesetzt. Leider deutliche Punktabzüge für die unnötige Kürzung und nervigen Kopierschutz.
44 Kommentare| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Der junge Adam Walker, ein Student mit literarischen Ambitionen, lernt auf einer Party in New York den faszinierenden Rudolf Born sowie seine aufreizende Geliebte Margot kennen. Der unsichere Adam kann sich dem eloquent-intellektuellen Charme Borns nicht entziehen. Doch schon bald merkt er, was sich für ein Charakter hinter dieser Fassade versteckt: "But Born wasn't good. He was witty and eccentric and unpredictable, but to contend that war is the purest expression of the human soul automatically excludes you from the realm of goodness" (14). Born wird wie kein andere das Leben Adam Walkers bestimmen. Im Cental Park begeht Born vor den Augen Walkers einen kaltblütigen Mord und setzt sich anschließend nach Paris ab. Doch es ist nicht das letzte Mal, dass sich die Wege der beiden kreuzen sollen.

Der neue Auster ist so gut wie eh und je. Wie schon beim unmittelbaren Vorgänger The Man in the Dark überwiegt auch bei "Unsichtbar" ein düsterer Grundton, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Neben einer spannenden Geschichte ist es bei Auster immer die philosophische Auseinandersetzung mit der Möglichkeit des Menschen, in einer mehr und mehr beschleunigten und unfassbareren Welt Sinn und Halt zu finden, die fasziniert und begeistert. Seit seinem Debut-Roman The New York Trilogy ist es in diesem Zusammenhang vor allem die Rolle der Sprache, welcher Auster eine zentrale Rolle zuweist. Dabei kommt im Roman der Gedanke zum Ausdruck "that thought cannot exist without language, and since language is a function of the brain, we would have to say that language - the ability to experience the world through symbols - is in some sense a physical property of human beings, which proves that the old mind-body duality is so much nonsense, doesn't it?" (197).

Mit "Unsichtbar" bestätigt Auster seinen Ruf als einer der wirkungsmächtigsten Vertreter der literarischen Postmoderne. Dabei haben seine Romane in den vergangenen 20 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren. Seit den Attacken vom 11. September 2001 sind seine Geschichten düsterer und nachdenklicher geworden, womit er sich wieder seinen literarischen Anfängen nähert. In dieser Form kann man sich nur auf den nächsten Auster-Roman freuen.
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am 18. Februar 2015
...steht definitiv, wie bei den meisten Auster-Büchern auch, im Mittelpunkt. Unsichtbar war mein erstes Buch von dem amerikanischen Bestseller, der in Deutschland relativ wenig Beachtung geschenkt bekommt. Und ich habe mich mit diesem Buch wirklich ein Stück in Paul Auster verliebt ;)

Eins vorweg: Das Buch ist wahrscheinlich nicht für jüngere Leser geeignet. Zum einen ist es doch recht sexuell (und inzestuös), zum anderen ist es einfach von der ganzen Art her sehr kompliziert.

Zusammenfassung:
Auf einer Party im Jahre 1967 lernt der junge Student Adam Walker den aus Frankreich stammenden Gastprofessor Born kennen. Adam möchte zukünftig als Lyriker arbeiten und ist Born überaus dankbar, als er ihm das Angebot macht, mit ihm eine Literaturzeitschrift zu gründen.
Born wird jedoch wie kein anderer das Leben des jungen Schriftstellers bestimmen. Bei einem nächtlichen Spaziergang begeht Born einen kaltblütigen Mord vor Adams Augen, droht Adam ihn nicht zu verraten und setzt sich nach Paris ab. Doch es soll nicht das letzte Mal sein, dass sie sich treffen...

Meine Meinung:

Das Buch ist in vier Teile gegliedert, die sich wiederum in Binnen- und Rahmenhandlung einteilen lässt. Perspektivwechsel (Ich-, Du-, Er-Perspektive, Vergangenheit und Zukunft), sich widersprechende Teile der Geschichte, viele Dinge machen das Buch zu einem großen Rätsel, bei dem man von Auster alleine gelassen wird.
Es gibt keine klassische Auflösung des Rätsels. Es gibt nur subjektive Eindrücke, die der Leser selbst für sich zusammenbauen muss. Und genau das macht das Buch für meine Empfinden so spannend! Immer, wenn man gerade glaubt, dass man es verstanden hat, bricht der Roman diese Illusion, sodass das Erzählen selbst in den Vordergrund rückt. Es konfrontiert uns mit der Frage, ob all dem überhaupt zu trauen sei.
Auch erzähltechnisch bietet Auster uns eine bunte Palette: Briefe, Erzählungen, Manuskripte, Tagebücher und noch mehr.
Als wäre das nicht schon bunt genug, mischt Auster auch verschiedene Genre. Man kann von einem Entwicklungsroman mit Thrillerelementen und Liebesgeschichten reden.
Und all das soll uns zeigen:
"Indem ich von mir selbst in der ersten Person schrieb, hatte ich mich lahmgelegt, mich unsichtbar gemacht, mir die Möglichkeit genommen, das zu finden, wonach ich suchte."
Denis Scheck verspricht uns unter dem Klappentext einen "genial konstruieren Roman über Geld und Kunst, Liebe, Verbrechen und Moral." Vor allem ersten und letzten Punkt kann ich da zustimmen. Es ist ein Buch, das nicht nur erzählt, sondern den Leser irgendwie in sich mit einbezieht. Man wird unweigerlich mit der eigenen Moral, den Moralvorstellungen der Gesellschaft und der Moral im Buch konfrontiert.
"Jeder würde in ihrer Situation lügen, alle würden lügen. Lügen wären die einzige Möglichkeit."
Ich denke, dass das Buch eben doch schon ziemlich anstrengend sein kann. Eben genau deswegen. Nicht jeder Leser möchte zwangsläufig mit diesen Dingen konfrontiert werden. Ich habe auch überraschend lange für dieses Buch gebraucht. Es ist nicht ganz ohne.

Die Charaktere, übrigens, sind durch diese Vielschichtigkeit sehr detailliert und authentisch, wenn sie auch von sich aus ein wenig absurd sind. Allerdings kann man wirklich gut die Gedanken und Taten nachvollziehen. Es wirkt bodenständig, nachvollziehbar und wirklich liebevoll ausgearbeitet. Paul Auster sagte einmal in einem Interview, er würde ungefähr 5 Jahre mit seinen Charakteren zusammenleben, bevor er überhaupt anfängt zu schreiben. Und genau das merkt man bei diesem Buch sehr. Auf eine ganz komische Art und Weise wirken die Figuren sehr menschlich und unheimlich gut beschrieben.

Fazit:

Paul Austers Buch ist für mich ein herausragendes postmodernes Buch, das durch seine Facetten wirklich erfrischend wirkt. Man merkt, es ist kein 0815-Buch. Paul Auster zeigt wirklich sein Talent im Erzählen.
Wer Lust auf ein ruhiges und anspruchsvolles Buch hat, das mehr als nur eine einfache Geschichte erzählt, kann wirklich zu diesem Buch greifen.
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am 8. März 2013
Paul Auster hatte schon immer das Talent, seine Geschichten mit allerhand Merkwürdigkeiten und überraschenden Wendungen auszustatten, bei "Unsichtbar" ist dies glücklicherweise nicht anders. Auch hier wird der Leser binnen weniger Seiten in den Handlungsverlauf eingesogen, verfolgt gebannt die Geschehnisse, um kurz vor der erhofften Auflösung eine Wendung präsentiert zu bekommen, welche einen selbst ins Grübeln bringt. Auster fordert seine Leser wie gewohnt und geizt auch diesmal nicht mit interessanten sprachlichen Einfällen. Sicherlich kein Roman für jedermann, aber Auster-Fans kommen hieran nicht vorbei!
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am 28. Juli 2010
Als Adam Walker, Literaturstudent an der Columbia-Universität und Protagonist des neuen Romans von Paul Auster, die Bekanntschaft des schillernden, zwielichtigen und undurchsichtigen Rudolf Born macht, fällt ihm dessen Namensvetter Bertran de Born ein, Troubadour im 12. Jahrhundert, welcher in seinen Liedern den Krieg verherrlichte und Aufruhr unter Regenten stiftete. Deshalb hat ihm Dante in seiner Göttlichen Komödie ein literarisches Denkmal gesetzt und ihn in sein Inferno verbannt.

Damit ist bereits zu Beginn des Romans der düstere Grundton des Romans angeschlagen. Bedrohung und Ahnung von Abgründigem schweben über der wechselvollen Handlung und fesseln von da an den Leser. Walker lässt sich trotz schwerer Zweifel - er nennt Born geistreich, exzentrisch, unberechenbar - auf ein verlockendes Angebot dieses Mephisto ein. Doch ein dramatischer Zwischenfall stürzt ihn bald in tiefe Zweifel an sich selbst.

Wie ein virtuoser Regisseur inszeniert Paul Auster die spannende Handlung, die sich auf unterschiedlichen Zeitebenen abspielt. Nach Abschluss des ersten Kapitels, Handlungsort New York, erkennt der Leser, dass Walker die Ereignisse von 1967 erst nach 40 Jahren niedergeschrieben hat, aber nun den Mut zur Fortsetzung verloren hat. Er hat das Empfinden, "gegen eine Wand gelaufen zu sein". James Freeman, alias Jim, ein ehemaliger Freund und Kommilitone, ebenfalls Schriftsteller, löst seine Blockade, hilft ihm, Distanz zum Gegenstand seiner Erzählung zu finden und als Schriftsteller aus seiner Unsichtbarkeit herauszutreten. Von nun an tritt im Roman Jim als Ich-Erzähler auf, und Walker setzt seinen Bericht in der zweiten und später in der dritten Person fort.

Walker gewinnt im Dialog mit Jim die Möglichkeit, über sein Werk zu reflektieren und dem Freund, zu dem er bis dahin keinen Kontakt mehr hatte, sein Leben zu schildern. Wir erfahren, dass er sich bereits als Zwölfjähriger geschworen hatte, bis ans Ende seines Lebens ein guter Mensch zu sein. Musste Walker, nachdem seine Absicht durch die Ereignisse seines Lebens derart erschüttert wurde, erst mit Dante durch die Welt der Toten wandern, um Läuterung und den rechten Weg zu finden? Als er erkennt, dass er sein Ziel, ein großer Dichter zu werden, nicht erreicht, wird er Jurist und widmet sich - besessen von der Idee der Gerechtigkeit - der Verteidigung der Unterprivilegierten, der Unsichtbaren dieser Gesellschaft.

Im nun folgenden Kapitel seines Romans, den Walker als dreiteiliges Werk mit dem Titel "1967" plant und dessen Kapitel er mit Frühling, Sommer und Herbst überschreibt, kann sich der Leser bei einer hinreißenden Liebesgeschichte von der bisher bedrohlichen Stimmung erholen. Diese Episode des Romans, Sommer überschrieben, dürfte allerdings von den bigotten, sexfeindlichen Moralaposteln Amerikas als Provokation empfunden werden.

Im Kapitel "Herbst", Handlungsort Paris, begegnet der Erzähler, wie zu erwarten, aufs Neue seinem Kontrahenten Rudolf Born. Von seinem Gerechtigkeitswahn getrieben verfolgt er nun diesem gegenüber eine, wie er sagt, teuflische, grausame, hinterhältige Idee, die jedoch an der haushohen Überlegenheit und Raffinesse seines Gegners kläglich scheitern muss.

Am Schluss des Romans kehren wir in die Gegenwart zurück, begegnen erneut Adams Schwester Gwyn und Cécile Juin. Letztere hatte sich vor 40 Jahren als Achtzehnjährige in Paris in Adam Walker verliebt. Geschehnisse, die vorher unzweifelhaft als Tatsachen geschildert wurden, gelten nun möglicherweise als Fantasieprodukte des Erzählers. Mit Céciles Tagebuchnotizen endet der Roman. In einer völlig fremdartigen Szenerie erleben wir eine überraschende und erneut spannende Coda.

Der Roman behandelt vielfältige Themen. Politisches Zeitgeschehen, soziale Probleme, Liebe und Sexualität verbinden sich mit den Schicksalen der Romanfiguren. Aber das zentrale Thema kreist um das ureigenste Metier des Schriftstellers, das Schreiben und die Dichtkunst.

Paul Auster erweist sich in "Unsichtbar" wieder einmal als brillanter Erzähler. Geschickt spinnt er die Fäden der Handlung, virtuos spielt er mit den Schicksalen seiner Protagonisten. Seine Sprache ist wie gewohnt bildreich, originell, immer treffend und prägnant.
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am 7. August 2011
Der junge Student Adam Walker gerät auf einer Party in die Fänge des undurchsichtigen Franzosen Rudolf Born und dessen Freundin Margot. Aus dieser Konstellation ergeben sich dramatische Verwicklungen zwischen den Figuren inklusive sexueller Verstrickungen und grausamem Mord, den Adam nicht verhindern kann. Als Adam dann ein Studienjahr in Paris verbringt, setzt er es sich zum Ziel, Rache an Rudolf Born zu üben...

Die Handlung ist in eine komplexe Erzählweise eingebunden; eine Rahmenhandlung packt vier ganz unterschiedlich aufgebaute Geschichten zusammen, die sich über Dekaden erstrecken. Dennoch bzw. gerade deshalb fand ich den Roman fesselnd - die Art und Weise, wie das Buch aufgebaut ist, ist faszinierend. Auch vom Inhalt war ich gebannt; unerwartete Wendungen hielten mich gefesselt, und die Suche nach der letztendlichen Wahrheit ist spannend und erweist sich schließlich auch durch die verschachtelte Erzählstruktur als nicht komplett greifbar - und damit über weite Strecken herrlich ambivalent.

Mich hat der Roman nicht mehr losgelassen. Ein brillanter Wurf! 5 Sterne.

P.S. Paul Auster selbst liest das Hörbuch in englischer Sprache - super!
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am 1. September 2012
Ja, Auster profiliert sich nicht mit einer überdurchschnittlichen hohen Quntität an Fäkal-Wortschatz oder dumpfem Krakeele, Auster kann einfach schreiben.
Surreal, authentisch und umwickelt mit einem mystischen Schleier...
Die Geschichte ist absolut clever komponiert (So sind wir es von ihm ja gewohnt), spielt mit den Erzählperspektiven und hat die ein oder andere sprachliche Raffinesse parat.
Sonst hasse ich alle oberschlauen Feuilletonisten, aber bei diesem Roman gibt es eine Menge an Übereinstimmung.
Einfach intelligente Unterhaltung - facettenreich und auf mehreren Ebenen.
Irgendwie fängt Auster das Vakuum auf - und seziert es zugleich, in dessen Agonie sich viele Intellektuelle in dieser Nachzeit befinden.
Der beste Auster? Macht Euch ein eigenes Bild.
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am 23. März 2012
Inhalt:
1967: Der junge Literaturstudent Adam Walker möchte Dichter werden und bekommt völlig überraschend auf einer Party das Angebot, für den wohlhabenden Franzosen Rudolf Born eine literarische Zeitschrift herauszugeben. Das Angebot erweist sich zunächst als ernsthafte Chance für Walker sein Leben neu zu ordnen, doch entwickelt sich schnell zu einer furchtbaren Katastrophe, denn Born erweist sich nicht nur als geistreich und großzügig, sondern auch als exzentrisch und unberechenbar. Als Born verreist ist, beginnt Walker zudem eine Affäre mit Borns Freundin Margot, die mit Borns Rückkehr jedoch abrupt endet und dazu führt, dass Born sich von Margot trennt und sie nach Paris zurückgeht. Born hält dennoch an der Idee der Zeitschrift fest, bis er bei einem abendlichen Spaziergang mit Walker einen Dieb kaltblütig ersticht. Walker will daraufhin mit Born nichts mehr zu tun haben, doch ihre Wege führen sie völlig unerwartet wieder zusammen...

Kritik:
Während die grundlegende Story des Romans verwirrend klingt, erweist sich der Plot im Roman selbst als spannend und höchst interessant. So beschreibt der Roman nicht nur Walkers Lebensweg, sondern vermittelt auch einen interessanten Eindruck der Zeit und lässt tief in das amerikanische Selbstverständnis blicken.
Spannend sind insbesondere die Figuren, deren Facettenreichtum nicht nur für zahllose Überraschungen sorgt, sondern einen großen Teil der Faszination des Romans ausmacht. So entwickeln sich die Charaktere unheimlich stark und sorgen dabei für viele Wendungen: Der großzügige Born, der zunächst zum sarkastischen Exzentriker und dann zum kaltblütigen Mörder wird; der schüchterne, unsichere Walker, der sich zum depressiven, aber sexgeilen Mann entwickelt oder die zurückhaltende Margot, die sich als selbstbewusste Verführerin präsentiert. Dabei bleibt die Entwicklung der Figuren trotz aller Wendungen jederzeit plausibel und nachvollziehbar.
Ein beeindruckender Kniff ist aber auch die Erzählweise Austers: So ist der Roman mit verschiedenen zeitlichen Sprüngen und Rückblenden gespickt, so dass sich die Handlung des Romans über gute 40 Jahre hinzieht. Dabei enthalten diese Sprünge nicht nur wichtige Informationen über das Ende Walkers, sondern begründen seine Entwicklung auch psychologisch anschaulich. So zeigt sich, dass sein Leben sowohl durch die sexuelle Anziehungskraft seiner eigenen Schwester Gwyn, die zum Inzest führt, als auch den frühen Tod des kleinen Bruders und die dadurch entstandenen Schwierigkeiten im Elternhaus bestimmt worden ist. Diese verschiedenen Informationen und Eindrücke, die im Laufe des Romans vermittelt werden, fügen sich am Ende zu einem plausiblen Gesamtbild zusammen und sorgen so für eine klare Konzentration auf die Entwicklung Walkers.
Hinzu kommt die Multiperspektivität, die in diesem Roman als postmodernes Element eingesetzt wird. So wird der Roman mal aus der Sicht Walkers, mal aus der Sicht eines alten Freundes von Walker geschildert. So liest dieser nicht nur stellvertretend für den Leser das erste Kapitel aus Walkers Autobiographie, sondern schreibt diese auf Basis von Walkers Notizen nach dessen Tod auch zu Ende. Diese verschiedenen Perspektiven sorgen für eine zusätzliche Variation des Bildes, das von den Figuren entsteht, da die einzelnen Elemente nur mosaikartig zum Vorschein kommen. Die zahllosen Erzählerkommentare bringen dabei zusätzliche Spannung in die Handlung.
Der einzige wirkliche Schwachpunkt ist die Episode, wo Walker selbst nach Paris geht. So ist Walker zunächst scheinbar antriebslos in Paris, landet dann zufällig doch wieder mit Margot im Bett, will dann plötzlich doch Born für seinen Mord bestrafen, um schließlich fast mit Borns Stieftochter im Bett zu landen. Diese Passage ist als einzige nur ansatzweise plausibel und viel zu grob erzählt, um nachvollziehbar zu sein. Doch dieser Schwachpunkt ist zum Glück nur ein kleiner...

Fazit:
Alles in Allem ist Austers Unsichtbar" ein Roman, der ersten Güteklasse: Eine anspruchsvolle, intelligent gemachte Geschichte wird auf unterschiedlichste Art und Weise im Roman erzählt und präsentiert, bleibt dabei aber jederzeit spannend und glaubwürdig. Die höchst interessanten und facettenreichen Figuren sind dabei extrem faszinierend und fesseln auf diese Weise den Leser. Wer postmoderne Romane (wie auch andere Werke von Paul Auster wie Moon Palace) mag, wird auch mit diesem Roman glücklich werden. Wer hingegen weniger anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur sucht, sollte sich einen Kauf gut überlegen. Aus meiner Sicht ist der Roman aber top!
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