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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein sehr aufschlussreiches Buch.,
Von Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Broschiert)
Der Psychoanalytiker Fritz Riemann (1902-1979) befasst sich in dieser tiefenpsychologischen Studie mit den Grundformen der Angst. Es handelt sich hierbei um:1) Die Angst vor Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt; 2) Die Angst vor Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt; 3) Die Angst vor Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt; 4) Die Angst der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt. Riemann hält gleich zu Anfang seiner Studie fest, dass Erwachsen-Werden und Reifen einhergehen mit Angstüberwindung. Jedes Alter hat seine entsprechenden Reifungsschritte mit den dazugehörenden Ängsten, die gemeistert werden müssen, wenn der Schritt gelingen soll. Der Autor verdeutlicht, dass diese Ängste gleichsam organisch zu unserem Leben gehören, weil sie mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsschritten zusammenhängen. In der Folge stellt Riemann Persönlichkeiten vor, die Angst überwertig erleben und zeigt jeweils auf, wodurch diese überzogenen Ängste in der Kindheit entstehen. Ich erlaube mir die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensmuster an dieser Stelle festzuhalten, damit die potentiellen Leser einen Überblick bekommen, worum es hier eigentlich geht. Die schizoide Persönlichkeit: Schizoide Personen haben ein übersteigertes Empfinden hinsichtlich der Selbstbewahrung und Ich- Abgrenzung. Kennzeichnend für diesen Personenkreis ist eine übersteigerte Angst vor Nähe. Sie möchten auf niemand angewiesen und niemanden verpflichtet sein. Der Schizoide strebt überhöhte Distanz an, weil er sich dauernd in seinem Lebensraum bedroht fühlt. Auf die Umwelt wirkt ein solcher Mensch fern, kühl, unpersönlich und kalt. Auch wenn man diese Leute schon lange kennt, kennt man sie nicht wirklich. Selbst, wenn man heute einen guten Kontakt zu ihnen haben mag, verhalten sie sich morgen so als hätten sie uns nie gesehen. Mangels des Nahkontaktes entsteht eine krankhafte Eigenbezüglichkeit, wahnhafte Einbildungen und Wahrnehmungstäuschungen. Das Gefühlshafte bleibt bei solchen Menschen oft unterentwickelt. In der Liebe wird der Partner nur als "Sexualobjekt" gesehen, das der Befriedigung der Sinne dient, darüber hinaus allerdings nicht interessiert. Wenn die Gefühlskälte weiter fortgeschritten ist, kann es geschehen, dass auf den Partner unverarbeitet Hassgefühle und Rachehaltungen unbewusst projeziert werden, die einer ursprünglichen Person in der Kindheit gegolten haben. Schizoide Personen reagieren beim Überschreiten ihres Schutzkreises- ihrer imaginären Grenze - durch andere mit Panik, die in wilden Angriff umschlägt. Der Angst folgt die Aggression. Schroffheit, plötzliche verletzende Schärfe, eisige Kälte, Unerreichbarkeit und sekundenschnelles Umschlagen von Zuwendung in feindselige Ablehnung sind die häufigsten Ausdrucksmöglichkeiten der Aggression. Riemann zeigt an Beispielen schizoide Erlebnisweisen auf, wobei er darauf hinweist, das schizoides Verhalten ein geisteskrankes Verhalten ist. Gefühlsabläufe und Verstandeserfahrungen laufen gleichsam getrennt, verschmelzen nicht zu einheitlichem Leben. Mit wachsendem Autismus verliert der schizoide Mensch immer mehr das Interesse an der Welt und den Menschen. Die Schwerstgestörten machen sich selbst zum Maßstab aller Dinge. Dies Kann zu größenwahnsinniger Überheblichkeit und Selbstvergottung führen. Ethik und Moral sind für Schizoide fragwürdig. Nicht selten entwickeln diese Menschen eine "Herrenmoral", für deren Angehörige andere Regeln gelten als für in ihren Augen "Schwache". Menschen mit stark schizoider Struktur leiden nicht an ihrem Wesen, sondern sie fühlen sich gesund. Oft ist es ihr Umfeld, das lernen muss sich abzugrenzen, um psychisch nicht auf der Strecke zu bleiben. Die depressive Persönlichkeit: Dieser Personenkreis hat Angst ein eigenständiges Ich zu werden. Den Depressiven quält die trennende Kluft zwischen Ich und Du. Alleingelassenwerden und Verlassenwerden kann ihn in tiefe Depression und Verzweiflung stürzen. Um sich vor Verlustängsten zu schützen, müssen diese Personen lernen viel Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu entwickeln. Distanz bedeutet für den Depressiven Bedrohung. Um anderen uneingeschränkt nahe sein zu können unterdrücken diese Menschen gerne Kritik und Zweifel am Nächsten. Ihr Persönlichkeitsbild weist überwertig Tugenden, wie etwa Bescheidenheit, Überangepasstheit, Unterordnung bis zur Selbstaufgabe, im Extremen masochistisches Hörigkeitsverhalten auf. Für sich selbst fordern diese Personen nichts. Riemann lässt den Leser wissen, dass es kennzeichnend für Depressive ist, dass sie schwer etwas merken können, schnell vergessen, oft Lernschwierigkeiten haben und nicht selten teilnahmslos und müde erscheinen. Aggression bei Depressiven äußert sich in Jammern, Klagen und Lamentieren. Aggression und Angst vor Liebesverlust führen oft zu Selbsthass und zur bewussten und unbewussten Selbstbestrafung und Selbstzerstörung. Auch hier macht Riemann das Krankheitsbild an Beispielen deutlich. Depressive versetzen sich in die Situation des anderen. Sie identifizieren sich mit ihm soweit, dass sie den eigenen Standpunkt und die eigenen Interessen darüber weitgehend vergessen. Da sie zu wenig Eigenimpulse und Eigenwünsche haben, die sie den Wünschen anderer entgegensetzen können, unterliegen sie den Impulsen und Wünschen anderer. Immer sind sie gewohnt die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wenn ein solcher Mensch sich für alles verantwortlich fühlt, geschieht dies nicht aus Größenwahn, sondern aus fehlender Ich-Stärke, die ihn mehr den anderen leben lässt als sich selbst. Dies kann bis zur völligen mentalen Selbstaufgabe führen. Die zwanghafte Persönlichkeit: Dieser Personenkreis hat eine übergroße Angst vor Vergänglichkeit. Dadurch kommt es zum starren Festhalten an Überkommenem auf allen möglichen Gebieten. Tradition, familiärer , gesellschaftlicher, moralischer, politischer, wissenschaftlicher und religiöser Art führen nicht selten zu Dogmatismus, Konservatismus, Prinzipien, Vorurteilen und zu verschiedenen Formen von Fanatismus. Je starrer diese vertreten werden, desto intoleranter sind diese Menschen anderen gegenüber, die sie angreifen oder auch nur eine Frage stellen. Je mehr diese Personen an altem festzuhalten suchen, um so mehr empfinden sie die Angst vor Vergänglichkeit. Das hartnäckige Zwingenwollen und Bändigenwollen der Gewalten des Lebens ist hier typisch. In einer Liebesbeziehung will der Zwanghafte seinen Partner nach seinem Willen formen. Geld, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Machttrieb, Pedanterie und Starre lassen solche Beziehungen verkümmern. Das Liebesleben ist insgesamt erosfeindlich. Aggressionen sind hier zwanghaft, weil sie mit Machtwillen verbunden sind. Die Aggressionen der Zwanghaften dienen der Macht und die Macht der Aggression. Formen der Aggression sind Verschlagenheit, hinterhältige- feige, versteckte Aggression, die aus dem Hinterhalt zuschlägt. Auch hier erhält man wieder lebensgeschichtlich Hintergrundinformationen. Perfektionismus, Unduldsamkeit gegenüber anderen, die sich zu diktatorischen und dogmatischem Verhalten vertiefen sind bezeichnend. Die hysterische Persönlichkeit: Dieser Personenkreis hat Angst vor dem Unausweichlichen, vor der Notwendigkeit und vor der Begrenztheit unseres Freiheitsdranges. Grenzüberschreitendes Erleben zieht ihn an. Platzangst, Staßenangst, die Angst sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten , auch Tierphobien sind im Grunde verschobene Ängste. Die Angst, die dahinter steht, ist die Angst vor Freiheitsbeschränkung. Hysteriker sind in ihren Liebesbeziehungen leidenschaftlich, intensiv und fordernd. Sie sind Meister der Erotik, der Verführung, des Flirts und der Koketterie. Diese Menschen sind genussfroh, phantasiereich und verspielt. Treue ist ihnen nicht so wichtig, zumindest die eigene nicht. Heimliche Liebschaften haben einen besonderen Reiz für sie und geben ihrer romatischen Fantasie freien Raum. Das Bedürfnis bestätigt werden zu wollen nimmt bei diesen Menschen überwertige Formen an. Ihr Narzissmus, ihre Eigenliebe bedarf immerwährender Bestätigung. Einen Partner benötigten sie vor allem , damit dieser sie ihres Charmes, ihrer Schönheit, ihrer Bedeutung und sonstiger Vorzüge versichert. Schürzenjäger und Männerverbraucherinnen (so die Worte Riemanns!) sind typische Hysteriker. Aggressionen leben Hysteriker in der Intrige aus. Abwertungen eines anderen bis hin zur Vernichtung kommen seiner ausgeprägten Rachehaltung entgegen. Flammende Entrüstung, pathetische Gesten und leidenschaftliche Anklagen sind typische Aggressionsäußerungen. Auch hier wieder werden lebensgeschichtliche Hintergründe aufgezeigt. Das zentrale Problem hysterischer Persönlichkeiten ist, dass sie die Identität mit sich selbst nicht finden. Problematisch ist, dass scheinbar ergänzende Persönlichkeitsstrukturen oft eine instinktive Anziehung aufeinander ausüben, weil sie durch den Gegentyp zur Ganzheit zu gelangen beabsichtigen. Der Schizoide ahnt von der Liebesfähigkeit des Depressiven, seiner Opferbereitschaft, seinem Sich-Selbst-zurückstellen, seinem einfühlenden Sich-bemühen. Er ahnt die Erlösung aus seiner Isolation,die Möglichkeit am Partner etwas nachzuholen. Anderseits fasziniert den Depressiven am Schizoiden, dass dieser etwas lebt, was er nicht zu leben wagt. Zudem spürt er hier jemand, der seine Liebesbereitsschaft dringend braucht. Im Zusammenleben spitzen sich dann allerdings Abhängigkeits- und Unabhängigkeitsdrang dramatisch zu. Es folgt endloses Missverstehen. Endsprechend verhält es sich zwischen zwanghaften und hysterischen Persönlichkeiten. Auch hier enden Beziehungen in der Regel in Auseinandersetzungen. Gegensätzliches stößt sich am Ende ab, wenn nicht die Bereitschaft zur Erkenntnis und Reifung beidseitig vorhanden ist. Sehr empfehlenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
116 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch, das nichts von seiner Aktualität verloren hat.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)
Kein Wunder, dass es dieses Buch schon in der 36. Auflage gibt, wobei der Leser den Eindruck hat, als spräche der Autor in unaufgeregter, erklärender Weise in einem intimen Dialog mit einem selbst. So ist es auch weiterhin nicht verwunderlich, dass es dieses Buch auch als Audio CD gibt. Es ist der geglückte und immer noch hochaktuelle Versuch, unsere menschlichen Ängste in eine übersichtliche Form zu bringen. Riemann beschreibt vier Formen der Angst, die uns Menschen eigen ist. Dabei geht er von einem Ansatz aus, der uns als irdische Wesen in ein kosmisches Wirken von Kräften, von Grundimpulsen, stellt, denen wir uns nicht entziehen können. Folglich hat er noch ein anderes Buch geschrieben: ‚Astrologie als Lebenshilfe'. Nun ist dieses aber nichts Spinnertes, sondern sehr Reales. Es geht darum, wie wir uns als Menschen in dieser Welt zurechtfinden, in einem gegebenen Kräftefeld konstellieren, wie er sagt. In einer Schlussbetrachtung setzt Riemann dann die entsprechenden Paare zusammen, warum sie sich intuitiv anziehen, die Schizoiden mit den Depressiven und die Zwanghaften mit den Hysterischen, und zeigt auf, wie sie sich ergänzend nachreifend heilen oder sich das Leben zur Hölle machen können. Ergänzend dazu lässt er noch einmal die Ängste in den verschiedenen Lebensabschnitten, von der Kindheit bis zum Greisenalter, Revue passieren, um auch dort wieder auf den Prozess der eigenverantwortlichen Überwindung vorhandener Deformationen aufmerksam zu machen. Dabei sind die Ängste die besten Alarmzeichen, auf die wir lernen sollten, genauer zu achten. Obwohl es um individuelle Ängste geht, weist Riemann darauf hin, dass diese Ängste sowohl anlagebedingt sind, von der Erziehung verstärkt oder gemildert sein können, dass sie aber letztendlich von dem gesellschaftlichen oder ideologischen Umwelt eingespurt werden. Er spart nicht mit Hinweisen auf ‚ecclesiogene Neurosen', die die christliche Religion zu verantworten hat, oder die Deformierung, denen Frauen sich unter dem Diktat des Patriarchats ausgesetzt sahen. Diese Einflüsse sieht er (glücklicherweise) schwinden und wünscht sich eine Gesellschaft, in denen wir uns als Individuen unseren Anlagen gemäß zu gesunden Menschen entwickeln, um nicht fortzufahren ‚Schäden zu setzen aus der Trägheit des Herzens' heraus . Riemann erweist sich als großer Humanist und Vordenker einer neuen Gesellschaft, die er im Positiven wie im Negativen heraufziehen sieht - und das schon 1961, als das Buch zum ersten Mal erschien. Wer sich selber einmal aufrichtig unter die Lupe nehmen will, um die eigenen gesunden oder krankmachenden Ängste aufzuspüren, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
94 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Grundlagenmathematik menschlicher Persönlichkeitsstrukturen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)
Die ersten Seiten zwangen mich mit der auf mich als pauschalisierende Typologisierung und der sehr bildhafte Metapher der Planetenmechanik schon etwas zum schmunzeln und ließen in mir zuerst Skepsis an der Qualität dieses Klassikers entstehen.Nur ein Kapitel später muß ich Riemann meinen vollen Respekt aussprechen. Zwar auch für psychologisch unbedarfte verständlich, aber in vollem Maße erst mit leichten Vorwissen vollständig zugänglich, schildert er sehr anschaulich vier prototypische Persönlichkeitsstrukturen und deren Agieren im Alltag. Sehr plastisch beschreibt er typische Verhaltensmuster schizoider, depressiver, zwanghafter und hysterischer Persönlichkeiten und ist daher ein hervorragendes Werkzeug für eine tiefgreifende Selbstanalyse. Kleine Tips und Kommentare zu jeder Persönlichkeitsstruktur geben dem nicht krankhaft gefärbtem Leser einfache Starthelfer auf den Weg zur Selbstfindung. Sowohl als fachliche Argumentation als auch als interessante Veranschaulichung seiner prototypischen Persönlichkeitsstrukturen dient die jeweilige Betrachtung des lebensgeschichtlichen Hintergrunds und deren tiefenpsychologischen Auslöser der einzelnen Charakteren. An abschließenden Fallbeispielen werden Ausprägungen dieser Persönlichkeiten nochmals vertieft, und damit die Brücke vom abstrakten Modell zum plastischen Beispiel gezogen. Kein Ratgeber; keine leichte Kost; aber ein Muss jeden reflektierenden Menschen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
185 von 198 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Klassiker der Psychologie,
Von Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)
Der Psychoanalytiker Fritz Riemann ( 1902-1979) befasst sich in dieser tiefenpsychologischen Studie mit den Grundformen der Angst. Es handelt sich hierbei um:1) Die Angst vor Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt; 2) Die Angst vor Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt; 3) Die Angst vor Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt; 4) Die Angst der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt. Riemann hält gleich zu Anfang seiner Studie fest, dass Erwachsen-Werden und Reifen einhergehen mit Angstüberwindung. Jedes Alter hat seine entsprechenden Reifungsschritte mit den dazugehörenden Ängsten, die gemeistert werden müssen, wenn der Schritt gelingen soll. Der Autor verdeutlicht, dass diese Ängste gleichsam organisch zu unserem Leben gehören, weil sie mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsschritten zusammenhängen. In der Folge stellt Riemann Persönlichkeiten vor, die Angst überwertig erleben und zeigt jeweils auf, wodurch diese überzogenen Ängste in der Kindheit entstehen. Ich erlaube mir die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensmuster an dieser Stelle festzuhalten, damit die potentiellen Leser einen Überblick bekommen, worum es hier eigentlich geht. Die schizoide Persönlichkeit Schizoide Personen haben ein übersteigertes Empfinden hinsichtlich der Selbstbewahrung und Ich- Abgrenzung. Kennzeichnend für diesen Personenkreis ist eine übersteigerte Angst vor Nähe. Sie möchten auf niemand angewiesen und niemanden verpflichtet sein. Der Schizoide strebt überhöhte Distanz an, weil er sich dauernd in seinem Lebensraum bedroht fühlt. Auf die Umwelt wirkt ein solcher Mensch fern, kühl, unpersönlich und kalt. Auch wenn man diese Leute schon lange kennt, kennt man sie nicht wirklich. Selbst, wenn man heute einen guten Kontakt zu ihnen haben mag, verhalten sie sich morgen so als hätten sie uns nie gesehen. Mangels des Nahkontaktes entsteht eine krankhafte Eigenbezüglichkeit, wahnhafte Einbildungen und Wahrnehmungstäuschungen. Das Gefühlshafte bleibt bei solchen Menschen oft unterentwickelt. In der Liebe wird der Partner nur als " Sexualobjekt" gesehen, das der Befriedigung der Sinne dient, darüber hinaus allerdings nicht interessiert. Wenn die Gefühlskälte weiter fortgeschritten ist, kann es geschehen, dass auf den Partner unverarbeitet Hassgefühle und Rachehaltungen unbewusst projeziert werden, die einer ursprünglichen Person in der Kindheit gegolten haben. Schizoide Personen reagieren beim Überschreiten ihres Schutzkreises- ihrer imaginären Grenze - durch andere mit Panik, die in wilden Angriff umschlägt. Der Angst folgt die Aggression. Schroffheit, plötzliche verletzende Schärfe, eisige Kälte, Unerreichbarkeit und sekundenschnelles Umschlagen von Zuwendung in feindselige Ablehnung sind die häufigsten Ausdrucksmöglichkeiten der Aggression. Riemann zeigt an Beispielen schizoide Erlebnisweisen auf, wobei er darauf hinweist, das schizoides Verhalten ein geisteskrankes Verhalten ist. Gefühlsabläufe und Verstandeserfahrungen laufen gleichsam getrennt, verschmelzen nicht zu einheitlichem Leben. Mit wachsendem Autismus verliert der schizoide Mensch immer mehr das Interesse an der Welt und den Menschen. Die Schwerstgestörten machen sich selbst zum Maßstab aller Dinge. Dies Kann zu größenwahnsinniger Überheblichkeit und Selbstvergottung führen. Ethik und Moral sind für Schizoide fragwürdig. Nicht selten entwickeln diese Menschen eine "Herrenmoral", für deren Angehörige andere Regeln gelten als für in ihren Augen "Schwache". Menschen mit stark schizoider Struktur leiden nicht an ihrem Wesen, sondern sie fühlen sich gesund. Oft ist es ihr Umfeld , das lernen muss sich abzugrenzen, um psychisch nicht auf der Strecke zu bleiben. Die depressive Persönlichkeit Dieser Personenkreis hat Angst ein eigenständiges Ich zu werden. Den Depressiven quält die trennende Kluft zwischen Ich und Du. Alleingelassenwerden und Verlassenwerden kann ihn in tiefe Depression und Verzweiflung stürzen. Um sich vor Verlustängsten zu schützen, müssen diese Personen lernen viel Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu entwickeln. Distanz bedeutet für den Depressiven Bedrohung. Um anderen uneingeschränkt nahe sein zu können unterdrücken diese Menschen gerne Kritik und Zweifel am Nächsten. Ihr Persönlichkeitsbild weist überwertig Tugenden, wie etwa Bescheidenheit, Überangepasstheit, Unterordnung bis zur Selbstaufgabe, im Extremen masochistisches Hörigkeitsverhalten auf. Für sich selbst fordern diese Personen nichts. Riemann lässt den Leser wissen, dass es kennzeichnend für Depressive ist, dass sie schwer etwas merken können, schnell vergessen, oft Lernschwierigkeiten haben und nicht selten teilnahmslos und müde erscheinen. Aggression bei Depressiven äußert sich in Jammern, Klagen und Lamentieren. Aggression und Angst vor Liebesverlust führen oft zu Selbsthass und zur bewussten und unbewussten Selbstbestrafung und Selbstzerstörung. Auch hier macht Riemann das Krankheitsbild an Beispielen deutlich. Depressive versetzen sich in die Situation des anderen. Sie identifizieren sich mit ihm soweit, dass sie den eigenen Standpunkt und die eigenen Interessen darüber weitgehend vergessen. Da sie zu wenig Eigenimpulse und Eigenwünsche haben, die sie den Wünschen anderer entgegensetzen können, unterliegen sie den Impulsen und Wünschen anderer. Immer sind sie gewohnt die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wenn ein solcher Mensch sich für alles verantwortlich fühlt, geschieht dies nicht aus Größenwahn, sondern aus fehlender Ich-Stärke, die ihn mehr den anderen leben lässt als sich selbst. Dies kann bis zur völligen mentalen Selbstaufgabe führen. Die zwanghafte Persönlichkeit Dieser Personenkreis hat eine übergroße Angst vor Vergänglichkeit. Dadurch kommt es zum starren Festhalten an Überkommenem auf allen möglichen Gebieten. Tradition, familiärer , gesellschaftlicher, moralischer, politischer, wissenschaftlicher und religiöser Art führen nicht selten zu Dogmatismus, Konservatismus, Prinzipien, Vorurteilen und zu verschiedenen Formen von Fanatismus. Je starrer diese vertreten werden, desto intoleranter sind diese Menschen anderen gegenüber, die sie angreifen oder auch nur eine Frage stellen. Je mehr diese Personen an altem festzuhalten suchen, um so mehr empfinden sie die Angst vor Vergänglichkeit. Das hartnäckige Zwingenwollen und Bändigenwollen der Gewalten des Lebens ist hier typisch. In einer Liebesbeziehung will der Zwanghafte seinen Partner nach seinem Willen formen. Geld, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Machttrieb, Pedanterie und Starre lassen solche Beziehungen verkümmern. Das Liebesleben ist insgesamt erosfeindlich. Aggressionen sind hier zwanghaft, weil sie mit Machtwillen verbunden sind. Die Aggressionen der Zwanghaften dienen der Macht und die Macht der Aggression. Formen der Aggression sind Verschlagenheit, hinterhältige- feige , versteckte Aggression, die aus dem Hinterhalt zuschlägt. Auch hier erhält man wieder lebensgeschichtlich Hintergrundinformationen. Perfektionismus, Unduldsamkeit gegenüber anderen, die sich zu diktatorischen und dogmatischem Verhalten vertiefen sind bezeichnend. Die hysterische Persönlichkeit Dieser Personenkreis hat Angst vor dem Unausweichlichen, vor der Notwendigkeit und vor der Begrenztheit unseres Freiheitsdranges. Grenzüberschreitendes Erleben zieht ihn an. Platzangst, Staßenangst, die Angst sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten , auch Tierphobien sind im Grunde verschobene Ängste. Die Angst, die dahinter steht, ist die Angst vor Freiheitsbeschränkung. Hysteriker sind in ihren Liebesbeziehungen leidenschaftlich, intensiv und fordernd. Sie sind Meister der Erotik, der Verführung, des Flirts und der Koketterie. Diese Menschen sind genussfroh, phantasiereich und verspielt. Treue ist ihnen nicht so wichtig, zumindest die eigene nicht. Heimliche Liebschaften haben einen besonderen Reiz für sie und geben ihrer romatischen Fantasie freien Raum. Das Bedürfnis bestätigt werden zu wollen nimmt bei diesen Menschen überwertige Formen an. Ihr Narzissmus, ihre Eigenliebe bedarf immerwährender Bestätigung. Einen Partner benötigten sie vor allem , damit dieser sie ihres Charmes, ihrer Schönheit, ihrer Bedeutung und sonstiger Vorzüge versichert. Schürzenjäger und Männerverbraucherinnen( so die Worte Riemanns!) sind typische Hysteriker. Aggressionen leben Hysteriker in der Intrige aus. Abwertungen eines anderen bis hin zur Vernichtung kommen seiner ausgeprägten Rachehaltung entgegen. Flammende Entrüstung, pathetische Gesten und leidenschaftliche Anklagen sind typische Aggressionsäußerungen. Auch hier wieder werden lebensgeschichtliche Hintergründe aufgezeigt. Das zentrale Problem hysterischer Persönlichkeiten ist, dass sie die Identität mit sich selbst nicht finden. Problematisch ist, dass scheinbar ergänzende Persönlichkeitsstrukturen oft eine instinktive Anziehung aufeinander ausüben, weil sie durch den Gegentyp zur Ganzheit zu gelangen beabsichtigen. Der Schizoide ahnt von der Liebesfähigkeit des Depressiven, seiner Opferbereitschaft, seinem Sich-Selbst-zurückstellen, seinem einfühlenden Sich-bemühen. Er ahnt die Erlösung aus seiner Isolation,die Möglichkeit am Partner etwas nachzuholen. Anderseits fasziniert den Depressiven am Schizoiden , dass dieser etwas lebt, was er nicht zu leben wagt. Zudem spürt er hier jemand , der seine Liebesbereitsschaft dringend braucht. Im Zusammenleben spitzen sich dann allerdings Abhängigkeits- und Unabhängigkeitsdrang dramatisch zu. Es folgt endloses Missverstehen. Endsprechend verhält es sich zwischen zwanghaften und hysterischen Persönlichkeiten. Auch hier enden Beziehungen in der Regel in Auseinandersetzungen. Gegensätzliches stößt sich am Ende ab, wenn nicht die Bereitschaft zur Erkenntnis und Reifung beidseitig vorhanden ist. Sehr empfehlenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Genuss,
Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)
In diesem Buch findet sich jeder selbst wieder. Das Lesen ist ein Genuss - auch beim 3. Mal!
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Komplexität verständlich gemacht,
Von Daydream (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)
Das Buch "Grundformen der Angst" gehört zu jenen Werken, die eigentlich jeder Erwachsene gelesen haben sollte, denn es kann dabei helfen, im zwischenmenschlichen Bereich Missverständnisse zu vermeiden bzw. Wiederholungszwängen (z. B. bei der Partnerwahl) zu erliegen.Mir selbst fiel es erst in diesem Jahr in die Hände, nachdem ich hier alle Rezensionen dazu gelesen hatte. Da schon einige aussagekräftige vorliegen, will ich mich kurz fassen: Riemann stellt mit seinen vier Grundformen der Angst uns alle mehr oder weniger überspitzt und überzogen dar, und das ganz bewusst. So lässt sich die komplexe menschliche Seele besser erklären und verstehen als mit Mischtypen (welche wir alle sind). Als Laie mit erst kürzlich erwachtem Interesse an der Psychologie staunte ich darüber, wie oft meine Beobachtungen und Vermutungen mit dem von ihm geschilderten menschlichen Verhalten übereinstimmten. Was mich vor allem interessierte, war, was Menschen dazu bewegt, sich immer wieder auf diese oder jene Art zu verhalten, also eingefahrenen, z. T. destruktiven Verhaltensmustern zu folgen und warum manche Menschen an gewissen Punkten im Leben sich immer wieder zurück ziehen, anstatt sich den anfallenden Herausforderungen zu stellen, z. B. in Beziehungen. Riemanns Klassiker beantwortete meine Fragen verständlich und zeigte mir gleichzeitig die Sinnlosigkeit meines Bemühens in dem einen oder anderen "Fall" auf, in dem ein Mensch in seinen Ängsten stecken geblieben war. Die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung sind bei Riemann trotz allen Tiefgangs nachvollziehbar erläutert, ohne unnötige Wiederholungen, Schnörkeleien oder gar Anklagen. Er besticht durch Sachlichkeit und Präzision, wo andere Psychologen gern vom roten Faden abschweifen und sich in Gefühlsduseleien oder narzisstischer Selbstdarstellung verlieren. Erwachsenwerden, so der Autor, geht mit der Überwindung unserer individuellen Ängste einher. Wer Angst vor der Selbsterkenntnis und somit auch vor Veränderungen hat, sollte lieber die Finger von diesem Buch lassen, denn es kann etwas bewegen, nicht nur auf der rationalen Ebene. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Lebensbegleiter,
Von
Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)
Ich lese dieses Buch seit 20 Jahren. Und ich kann mit diesem Buch seit 20 Jahren meine Entwicklung verfolgen. Es ist (für einen Naturwissenschaftler) eine grandiose Erschließung des Themas. Zu Beginn verwendet Fritz Riemann das äußerst eindrucksvolle Bild eines sich harmonisch bewegenden Planeten um das Zentralgestirn, leitet daraus die Grundimpulse für Verhalten und Lebensängste ab, und interpretiert sie schließlich psychologisch. Dieses uns allen bekannte Bild hat sich mir tief eingeprägt und erlaubt es auch, das gesamte Thema sicher zum Beispiel in Seminaren einzuführen oder eben Interessenten zu erklären.Das Thema ist in vier Hauptkapitlel eingeteilt, entsprechend der vier Grundimpulse oder Grundängste. Man beginnt dann zu lesen und findet es interessant - aber nicht besonders berührend. Und plötzlich fragt man sich "Wieso kann der ein Kapitel über mich schreiben?" Man ist bei seiner "Angst" angekommen. Wie gesagt, ich benutze dieses Buch seit mehr als 20 Jahren als Lebens-Begleiter, markiere immer neue Stellen farbig (es ist schon ganz bunt) und es tut unendlich gut zu spüren, dass Evolution auch in unserer hektischen und technischen Welt möglich ist. Unbedingt lesen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Lässt viele Fragen offen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)
Dieses Buch ist erstmals 1961 unter dem Titel: "Grundformen der Angst und die Antinomien des Lebens" publiziert worden. Das Alter merkt man bei den Beispielen und der Schreibstil ist für heutiges Empfinden etwas sperrig.Auch inhaltlich ist das Werk nicht auf dem heutigen Stand. Die von Riemann hier vorgeschlagenen Typologie ist von ihrem Wesen her zuschreibend. Sie beschreibt, wie ein Mensch ist, bleibt aber jede Entwicklungsperspektive schuldig. Das halte ich für einen großen Nachteil. Riemann berücksichtigt auch Sternzeichen in der Therapie. Da das im vorliegenden Buch kein Thema ist, will ich mal offen lassen, ob dies wissenschaftlich oder nützlich ist. Sternzeichen sind aber ebenfalls eine statische Typologie. Zuschreibende Modelle mögen hilfreich sein, um Menschen zu verstehen, zu kategorisieren und um sie zu selektieren. Es hilft aber weniger einen Weg aus einem konkreten Problem zu finden. Ebenfalls nachteilig ist, dass alle vier Begriffe (Schitzoid, Depressiv, Zwanghaft und Hysterisch) eine negative Wertung enthalten. Riemann sagt es nicht explizit, aber gesund ist für ihn nur, wer sich in keinen der vier Typen einordnen lässt. Das ist stigmatisierend und wenig hilfreich. Die Übertragung von den 'Grundformen der Angst' auf konkrete Formen von Ängsten geschieht nur ansatzweise. Das relativiert auch den praktischen Nutzen, den der Titel eigentlich erwarten lässt. Mir fehlt auch die Auseinandersetzung mit der Frage ob und welche Mischformen aus den vier Grundformen es geben kann. Man kann ableiten, dass es wohl keine Personen geben kann, die sowohl depressiv als auch schitzoid sind. Gleiches gilt für die Pole Hysterisch und Zwanghaft. Riemann selber schweigt sich hier aber aus. Positiv ist, dass die Dynamik die Riemann beschreibt wirklich treffend ist. Man findet sich selber sofort wieder und man versteht manchen Zeitgenossen besser. Fazit: Nicht ganz zu unrecht ein Standartwerk, aber eben nicht mehr auf dem neuesten Stand. Sicher noch ein Muss für Leser in therapeutischen Ausbildungen. Wer aus reinem Interesse liest sollte sich etwas neueres suchen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
51 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Pflichtlektüre für den menschlichen Umgang miteinander.,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)
Fritz Rieman, dieser weise alte Mann, leider lebt er nicht mehr, nimmt dich bei der Hand und erklärt dir, wie die Menschen sind und wieso sie so sind. Er tröstet, zeigt die Fallstricke auf und kann einem die Augen öffnen - für die Fehler anderer und für die eigenen. Das ist der Weg um zu verzeihen. Obwohl Professor der Psychologie und in seinem Fach maßgebend in der Typologie der Charaktere schreibt er auf eine anheimelnde Art verständlich und für die Allgemeinheit zugänglich. So ist er ein wichtiger Anwalt für die Menschlichkeit geworden. 4 Grundängste des Menschen, die existentiell jeden von uns betreffen, erkennt Riemann. Er beleuchtet dabei besonders die einseitig gelebte Angst einer dieser Richtungen, die Wurzeln dieser Angst in früher Kindheit und die Charakterausprägung, die sich überwertig daraus ergibt. Wer je einem extremen Menschen verfallen ist - und wer ist das nicht, den Eltern vielleicht, dem Partner oder manch Kollegen - und sich in merkwürdiger Verstrickung mit ihnen wiedergefunden hat, findet die Erklärung für die magische Anziehung, die Gegentypen zueinander- oder gegeneinander bringen. Das Verstehen ist der Schlüssel zur Heilung der mitmenschlichen Wunden, die wir uns alle unwissend und deshalb unnötig zufügen. Ich erhebe dieses Buch zum Buch der Bücher. Es hat mir sehr geholfen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Psychoanalytische Temperamentenlehre,
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Rezension bezieht sich auf: Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie (Taschenbuch)
Schon im 5. Jhd. v.Chr. hat Hippokrates eine Lehre von den Temperamenten geschaffen, die von Galen (2. Jhd. n.Chr.) aufgegriffen und verfeinert wurde. Die Lehre vom Choleriker, Melancholiker, Sanguiniker, Phlegmatiker. In dieser Tradition steht Riemanns "Grundformen der Angst". Denn das Buch ist nicht einfach eine Studie über "Angst", sondern eine Charakterologie, eine moderne, psychoanalytisch inspirierte Temperamentenlehre. Man könnte also sagen, dass Riemann die klassischen Temperamente unter dem Aspekt des je-spezifischen Angsterlebens neu formuliert hat. Er selbst erwähnt dieses historische Erbe allerdings mit keinem Wort (!) Das ist interessant. Denn es ist völlig ausgeschlossen, dass Riemann mit der klassischen Temperamentenlehre nicht vertraut war. Es ist mühsam, darüber zu spekulieren, warum er diese Tradition verschwiegen hat, sie hätte den Wert seiner eigenen Arbeit keineswegs gemindert.Der klassische Sanguiniker (sanguis, Blut) war verspielt, gesellig, extravertiert, kindlich. Unter dem Aspekt des Angsterlebens entspricht ihm nun die "hysterische Persönlichkeit" mit der Angst vor der Notwendigkeit. Der klassische Phlegmatiker (phlegma, Schleim) war vernünftig und prinzipientreu, beherrscht und standhaft. Ihm entspricht in Riemanns Temperamentenlehre die "zwanghafte Persönlichkeit" mit der Angst vor Veränderung. Der klassische Melancholiker (melas + chole, schwarze Galle) war grüblerisch und schwermütig. Ihm entspricht Riemanns "depressive Persönlichkeit" mit der Angst vor der Selbstwerdung. Und schließlich der egozentrische und hitzköpfige Choleriker (chole, gelbe Galle). Hier ist die Zuordnung nicht ganz so eindeutig, aber dem Choleriker entspricht doch über weite Strecken Riemanns "schizoide Persönlichkeit" mit der spezifischen Angst vor der Hingabe. Was die klassische Temperamentenlehre - und mit ihr Riemanns Neufassung - der herkömmlichen psychotherapeutischen Krankheitslehre voraus hat, ist ihr mehrdimensionaler Ansatz. Bei Riemann gibt es nicht einfach ein binäres Schema gesund/krank, sondern es gibt eben unterschiedliche Temperamente. Jedes dieser Temperamente hat einen "gesunden" Bereich und einen eher problematischen Bereich. Diese uralte Einsicht ist erst unter dem Einfluss einer moralisierenden und pädagogisierenden Therapeutengeneration verloren gegangen, die einen bestimmten (ihren eigenen?) Typus zur Normalität erklärt hat. Nämlich den depressiv-abhängigen Typus mit seinen spezifischen Eigenschaften (Treue, Liebe, Bindungsfähigkeit, Empathie, altruistischer Grundhaltung, aber auch versteckter Aggressivität, Neid, Ichschwäche). Die Ideen des Hippokrates sind nun fast 2.500 Jahre alt, Riemanns Buch ist fast 50 Jahre alt. Vielfach gilt die Temperamentenlehre als wissenschaftlich überholt (siehe z.B. den wikipedia Artikel) oder esoterisch. Das ist sie sicherlich auch, wenn man auf die Begründungen fokussiert (die Säfte). Das ist sie aber ganz und gar nicht, wenn man den mehrdimensionalen Ansatz im Auge hat. Die Arbeiten von Theodore Millon, dem Doyen der modernen Persönlichkeitsforschung, gehen wieder ganz genau in diese Richtung. Riemanns Buch steht hier in der Mitte. Es integriert v.a. psychoanalytisches Wissen um die frühen Objektbeziehungen in die Temperamentenlehre, ohne dabei die Bedeutung konstitutioneller Faktoren unter den Tisch fallen zu lassen. Er bringt viele Fallbeispiele, die so manche Thematik gut illustrieren. Aber er bringt keine Beispiele aus der klassischen Therapiesituation, aus der Übertragungsdynamik, in der sich die spezifischen Ängste ja manifestieren müssten. Für den einen mag dies daher zu "unwissenschaftlich" oder zu "untherapeutisch" sein. Für mich ist es ein ausgezeichnetes Buch, das sich in die ehrwürdige Tradition der "Temperamentenlehre" einordnet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Grundformen der Angst. Eine tiefenpsychologische Studie von Ruth Riemann (Gebundene Ausgabe - August 2007)
EUR 19,90
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