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Kundenrezensionen

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am 1. August 2009
Das Buch "Grundformen der Angst" gehört zu jenen Werken, die eigentlich jeder Erwachsene gelesen haben sollte, denn es kann dabei helfen, im zwischenmenschlichen Bereich Missverständnisse zu vermeiden bzw. Wiederholungszwängen (z. B. bei der Partnerwahl) zu erliegen.

Mir selbst fiel es erst in diesem Jahr in die Hände, nachdem ich hier alle Rezensionen dazu gelesen hatte. Da schon einige aussagekräftige vorliegen, will ich mich kurz fassen:

Riemann stellt mit seinen vier Grundformen der Angst uns alle mehr oder weniger überspitzt und überzogen dar, und das ganz bewusst. So lässt sich die komplexe menschliche Seele besser erklären und verstehen als mit Mischtypen (welche wir alle sind). Als Laie mit erst kürzlich erwachtem Interesse an der Psychologie staunte ich darüber, wie oft meine Beobachtungen und Vermutungen mit dem von ihm geschilderten menschlichen Verhalten übereinstimmten.

Was mich vor allem interessierte, war, was Menschen dazu bewegt, sich immer wieder auf diese oder jene Art zu verhalten, also eingefahrenen, z. T. destruktiven Verhaltensmustern zu folgen und warum manche Menschen an gewissen Punkten im Leben sich immer wieder zurück ziehen, anstatt sich den anfallenden Herausforderungen zu stellen, z. B. in Beziehungen. Riemanns Klassiker beantwortete meine Fragen verständlich und zeigte mir gleichzeitig die Sinnlosigkeit meines Bemühens in dem einen oder anderen "Fall" auf, in dem ein Mensch in seinen Ängsten stecken geblieben war.

Die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung sind bei Riemann trotz allen Tiefgangs nachvollziehbar erläutert, ohne unnötige Wiederholungen, Schnörkeleien oder gar Anklagen. Er besticht durch Sachlichkeit und Präzision, wo andere Psychologen gern vom roten Faden abschweifen und sich in Gefühlsduseleien oder narzisstischer Selbstdarstellung verlieren.

Erwachsenwerden, so der Autor, geht mit der Überwindung unserer individuellen Ängste einher.

Wer Angst vor der Selbsterkenntnis und somit auch vor Veränderungen hat, sollte lieber die Finger von diesem Buch lassen, denn es kann etwas bewegen, nicht nur auf der rationalen Ebene.
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am 2. Juni 2008
Ich lese dieses Buch seit 20 Jahren. Und ich kann mit diesem Buch seit 20 Jahren meine Entwicklung verfolgen. Es ist (für einen Naturwissenschaftler) eine grandiose Erschließung des Themas. Zu Beginn verwendet Fritz Riemann das äußerst eindrucksvolle Bild eines sich harmonisch bewegenden Planeten um das Zentralgestirn, leitet daraus die Grundimpulse für Verhalten und Lebensängste ab, und interpretiert sie schließlich psychologisch. Dieses uns allen bekannte Bild hat sich mir tief eingeprägt und erlaubt es auch, das gesamte Thema sicher zum Beispiel in Seminaren einzuführen oder eben Interessenten zu erklären.
Das Thema ist in vier Hauptkapitlel eingeteilt, entsprechend der vier Grundimpulse oder Grundängste. Man beginnt dann zu lesen und findet es interessant - aber nicht besonders berührend. Und plötzlich fragt man sich "Wieso kann der ein Kapitel über mich schreiben?" Man ist bei seiner "Angst" angekommen.
Wie gesagt, ich benutze dieses Buch seit mehr als 20 Jahren als Lebens-Begleiter, markiere immer neue Stellen farbig (es ist schon ganz bunt) und es tut unendlich gut zu spüren, dass Evolution auch in unserer hektischen und technischen Welt möglich ist. Unbedingt lesen!
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am 27. September 2004
Kein Wunder, dass es dieses Buch schon in der 36. Auflage gibt, wobei der Leser den Eindruck hat, als spräche der Autor in unaufgeregter, erklärender Weise in einem intimen Dialog mit einem selbst. So ist es auch weiterhin nicht verwunderlich, dass es dieses Buch auch als Audio CD gibt. Es ist der geglückte und immer noch hochaktuelle Versuch, unsere menschlichen Ängste in eine übersichtliche Form zu bringen.
Riemann beschreibt vier Formen der Angst, die uns Menschen eigen ist. Dabei geht er von einem Ansatz aus, der uns als irdische Wesen in ein kosmisches Wirken von Kräften, von Grundimpulsen, stellt, denen wir uns nicht entziehen können. Folglich hat er noch ein anderes Buch geschrieben: ‚Astrologie als Lebenshilfe'. Nun ist dieses aber nichts Spinnertes, sondern sehr Reales. Es geht darum, wie wir uns als Menschen in dieser Welt zurechtfinden, in einem gegebenen Kräftefeld konstellieren, wie er sagt.
In einer Schlussbetrachtung setzt Riemann dann die entsprechenden Paare zusammen, warum sie sich intuitiv anziehen, die Schizoiden mit den Depressiven und die Zwanghaften mit den Hysterischen, und zeigt auf, wie sie sich ergänzend nachreifend heilen oder sich das Leben zur Hölle machen können. Ergänzend dazu lässt er noch einmal die Ängste in den verschiedenen Lebensabschnitten, von der Kindheit bis zum Greisenalter, Revue passieren, um auch dort wieder auf den Prozess der eigenverantwortlichen Überwindung vorhandener Deformationen aufmerksam zu machen. Dabei sind die Ängste die besten Alarmzeichen, auf die wir lernen sollten, genauer zu achten.
Obwohl es um individuelle Ängste geht, weist Riemann darauf hin, dass diese Ängste sowohl anlagebedingt sind, von der Erziehung verstärkt oder gemildert sein können, dass sie aber letztendlich von dem gesellschaftlichen oder ideologischen Umwelt eingespurt werden. Er spart nicht mit Hinweisen auf ‚ecclesiogene Neurosen', die die christliche Religion zu verantworten hat, oder die Deformierung, denen Frauen sich unter dem Diktat des Patriarchats ausgesetzt sahen. Diese Einflüsse sieht er (glücklicherweise) schwinden und wünscht sich eine Gesellschaft, in denen wir uns als Individuen unseren Anlagen gemäß zu gesunden Menschen entwickeln, um nicht fortzufahren ‚Schäden zu setzen aus der Trägheit des Herzens' heraus . Riemann erweist sich als großer Humanist und Vordenker einer neuen Gesellschaft, die er im Positiven wie im Negativen heraufziehen sieht - und das schon 1961, als das Buch zum ersten Mal erschien.
Wer sich selber einmal aufrichtig unter die Lupe nehmen will, um die eigenen gesunden oder krankmachenden Ängste aufzuspüren, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.
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am 10. März 2012
Ein zeitloses Werk der Persönlichkeitspsychologie hat Fritz Riemann geschrieben, das mittlerweile 50 Jahre alt ist. Mag der Sprachstil manchmal auch antiquiert anmuten, von seiner Aktualität hat das Buch nichts verloren. Grundformen der Persönlichkeit müsste es eigentlich heißen, denn um die vier Persönlichkeitstypen schizoid, depressiv, zwanghaft und hysterisch geht es. Vielleicht hätte Fritz Riemann, wenn er heute das Buch schreiben würde, den vierten Persönlichkeitstyp eher als "narzisstisch" (statt hysterisch) bezeichnet. Und im Angesicht der Konsum- und Mediengesellschaft würde er auch manche Persönlichkeitszüge bei diesem Typus sicher anders darstellen. Damit wäre er jedenfalls auf dem Stand der heutigen Fachdiskussion in der wissenschaftlichen Psychologie, Psychotherapie und Psychiatrie. Diese kleine Kritik schmälert aber keineswegs die hohe Qualität dieses Buches.
Das Buch ist ein psychologisches Fachbuch (Psychotherapeuten werden damit auch heute noch ausgebildet), aber es erfordert vom Leser keine Fachkenntnis, denn es ist allgemeinverständlich. Es ein theoretisch Buch, aber zugleich doch praxisrelevant. Es ist ein kein Ratgeber, aber es enthält indirekt doch viele Hinweise für die eigene Lebensgestaltung. Es bleibt einmalig in seiner kreativen Verbindung von Psychoanalyse und Astrologie und integriert damit viele Persönlichkeitslehren, die es weltweit gab und gibt. Mit einem Wort: ein unnachahmlich brilliantes Buch.
Ich habe die 30. Jubiläumsauflage gelesen. Darin befindet sich eine Biografie Fritz Riemanns, die seine Ehefrau und Kollegin Ruth Riemann verfasst hat. Es lohnt sich, eine Auflage zu lesen, die diese Biografie enthält. Sie macht deutlich, wie sehr dieses Werk mit den eigenen Lebenserfahrungen Fritz Riemanns verknüpft ist.
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am 5. Dezember 2013
Angst. Angst ist ein starkes Wort und zugleich ein Zustand, mit dem jeder Mensch leben muss. Neben der negativ konnotierten Seite der Angst, gibt es durchaus auch eine positive, schützende Seite. Wie wir erfahren werden spielt die Ausprägung der einzelnen Ängste eine zentrale Rolle.

Wenn der Autor, Fritz Riemann, von Angst redet, meint er nicht die einzig existierende Angst. Die gibt es nämlich gar nicht. Mit Angst meint er immer eine bestimmt der Form der Angst. Jeder Mensch hat nun mal seine persönliche, individuelle Form der Angst, die zu seinem Wesen gehört, wie er seine Form zur Liebe hat und seinen eigenen Tod sterben muss.

Der eine hat Angst vor er Hingabe, der andere hat Angst vor der Bindung und ein dritter widerum wird geplagt von Verlustängsten. Diese Ängste sind normal, sie gehören zu unserem Menschsein dazu, jedoch so macht Riemann in einem Gleichnis deutlich, dass die Ängste immer in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen sollten. Das Gleichnis der Bewegungen der Erde. Wer zu viel Ängst auf einer Seite entwickelt, lässt ein Ungleichgewicht entstehen, das sich bis hin zu Phobien und ähnlichen entwickeln können.

Ein geniales Gleichnis

Erstens dreht sich die Erde um die Sonne: Riemann nennt es die “Revolution” oder “Umwälzung”. Dieser Fakt zeigt uns, dass das Zentrum der Rotation außerhalb der Erde liegt. Würde die Erdrotattion ausfallen, so müßte die Sonne selbst zur Sonne werden, um Mittelpunkt der Welt zu sein.
Zweitens dreht sich die Erde um die eigene Achse. Sie besitzt also eine “Eigendrehung” und hat somit das Zentrum der Rotation in sich. Wenn diese aufgegeben werden würde, wäre die Erde nur noch der Mond von der Sonne und würde vollkommen abhängig von ihr werden.
Drittens: Die Schwerkraft, das Zentripetale. Hier wird die Kraft, die zur Mitte strebt, beschrieben. Gäbe es diese nicht, würde die Erde auseinanderbrechen.
Viertens: Die Fliehkraft, das Zentrifugale. Hier herrscht die Kraft, die der Mitte entflieht, nach außen strebt. Ohne diese würde die Erde erstarren und wäre zur Unveränderlichkeit verdammt.

An diesem Gleichnis wird deutlich, dass eine vielzahl von Kräften und ihre Ausgewogenheit ein Leben auf der Erde möglich machen. Das Ausfallen einer Kraft hätte zur Folge, dass das ganze System erodieren würde. Schlimmer noch: Bereits eine gestörtes Verhältnis zwischen der Flieh- und der Schwerkraft kann fatale Auswirkungen auf das ganze System haben.

Grundformen der Angst

Überträgt man diese oben genannten vier Bewegungen auf die Ängste, die unser Leben dominieren zu scheinen, kommen wir zu den vier Grundformen der Angst.

die Angst vor der Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt
die Angst vor der Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt
die Angst vor der Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit empfunden
die Angst vor der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt

Anhand dieser Ängste gelangt der Autor zu vier verschiedenen Persönlichkeitensstrukturen. Riemann postuliert, dass man alle existenten Persönlichkeitsstrukturen auf vier einzelne Typen herunterbrechen kann. Zum einen gibt es demzufolge den schizoiden Menschen, der das Zentrum der Rotation in sich trägt. Das bedeutet, dass dieser Typus mit seinen Gedanken und Gefühlen um sich selbst kreist. Andere Menschen sind ihm dabei oft im Weg. Diesen Typus ist oftmals bei Einzelgängern zu finden.

Dem schizoiden Menschen steht der depressive Mensch entgegen. Er ist kein Einzelgänger, sondern eher ein Gruppenmensch. Dem Gleichnis ist das Zentrum der Rotation bei diesem Typus außerhalb der Erde. Diese Menschen rotieren, kreisen gerne um andere Menschen.

Die anderen beiden, sich gegenüberstehenden Typen sind zum einen der zwanghafte Mensch und zum anderen der hysterische Mensch. Während der zwanghafte Mensch sich auf seine Altbewährtheit verlässt und die Zukunft als etwas gefährliches und riskantes fürchnet, zeichnet sich beim hysterischen Mensch ein gegensätzliches Bild ab. Der hysterische Typus sieht in jedem Wandel, in allem in der Zukunft liegendem etwas Positives, an dem er Halt finden kann, den er an seinem jetzigen Ort vergebens sucht. Die Zukunft spiegelt für ihn ein Meer an Möglichkeiten wider – nicht selten verliert er sich in ihm.

Die Mischung machts

Das 1961 in der Erstauflage erschienene Buch ist keine Anleitung, wie man mit seinen Ängsten umzugehen hat. Dafür sind Ängste, die individuellen, persönlichen Ängste viel zu verschieden. Vielmehr versucht Fritz Riemann ein Gerürst der vier Grundformen zu errichten, an dem der Leser die klaren Unterschiede der vier Typen erkennen kann. Allein schon die Erkenntnis, dass Angst ein Normalzustand ist und die Ausgeglichenheit der vier Kräfte eine zentrale Rolle einnimmt, kann den Leser dabei helfen, seinen Typus zu finden – und wie man dagegensteuern kann.

Leserliche Einblicke in Psychologenalltag

Nicht selten bekommt der Leser einen Schwank, einen interessanten Bericht aus seiner Praxis zu Augen. Beim Vorstellen der vier Grundtypen gibt es jeweils reichlich Lese- und Erklärstoff aus eigener Erfahrung. Das 244-Seiten leichte Buch ist mittlerweile in seiner 40. Auflage – insgesamt wurden 932.000 Bücher verkauft. “Grundformen der Angst” – ein Klassiker, der jedem zu empfehlen ist, der Interesse über die Bedeutung der Angst und deren Wirken bekundet.
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am 2. Januar 2002
Die ersten Seiten zwangen mich mit der auf mich als pauschalisierende Typologisierung und der sehr bildhafte Metapher der Planetenmechanik schon etwas zum schmunzeln und ließen in mir zuerst Skepsis an der Qualität dieses Klassikers entstehen.
Nur ein Kapitel später muß ich Riemann meinen vollen Respekt aussprechen.
Sein Buch hat mich unerwartet tief getroffen!
Zwar auch für psychologisch unbedarfte verständlich, aber in vollem Maße erst mit leichten Vorwissen vollständig zugänglich, schildert er sehr anschaulich vier prototypische Persönlichkeitsstrukturen und deren Agieren im Alltag. Sehr plastisch beschreibt er typische Verhaltensmuster schizoider, depressiver, zwanghafter und hysterischer Persönlichkeiten und ist daher ein hervorragendes Werkzeug für eine tiefgreifende Selbstanalyse. Kleine Tips und Kommentare zu jeder Persönlichkeitsstruktur geben dem nicht krankhaft gefärbtem Leser einfache Starthelfer auf den Weg zur Selbstfindung.
Sowohl als fachliche Argumentation als auch als interessante Veranschaulichung seiner prototypischen Persönlichkeitsstrukturen dient die jeweilige Betrachtung des lebensgeschichtlichen Hintergrunds und deren tiefenpsychologischen Auslöser der einzelnen Charakteren. An abschließenden Fallbeispielen werden Ausprägungen dieser Persönlichkeiten nochmals vertieft, und damit die Brücke vom abstrakten Modell zum plastischen Beispiel gezogen.
Kein Ratgeber; keine leichte Kost; aber ein Muss jeden reflektierenden Menschen!
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am 4. November 2007
Schon im 5. Jhd. v.Chr. hat Hippokrates eine Lehre von den Temperamenten geschaffen, die von Galen (2. Jhd. n.Chr.) aufgegriffen und verfeinert wurde. Die Lehre vom Choleriker, Melancholiker, Sanguiniker, Phlegmatiker. In dieser Tradition steht Riemanns "Grundformen der Angst". Denn das Buch ist nicht einfach eine Studie über "Angst", sondern eine Charakterologie, eine moderne, psychoanalytisch inspirierte Temperamentenlehre. Man könnte also sagen, dass Riemann die klassischen Temperamente unter dem Aspekt des je-spezifischen Angsterlebens neu formuliert hat. Er selbst erwähnt dieses historische Erbe allerdings mit keinem Wort (!) Das ist interessant. Denn es ist völlig ausgeschlossen, dass Riemann mit der klassischen Temperamentenlehre nicht vertraut war. Es ist mühsam, darüber zu spekulieren, warum er diese Tradition verschwiegen hat, sie hätte den Wert seiner eigenen Arbeit keineswegs gemindert.

Der klassische Sanguiniker (sanguis, Blut) war verspielt, gesellig, extravertiert, kindlich. Unter dem Aspekt des Angsterlebens entspricht ihm nun die "hysterische Persönlichkeit" mit der Angst vor der Notwendigkeit. Der klassische Phlegmatiker (phlegma, Schleim) war vernünftig und prinzipientreu, beherrscht und standhaft. Ihm entspricht in Riemanns Temperamentenlehre die "zwanghafte Persönlichkeit" mit der Angst vor Veränderung. Der klassische Melancholiker (melas + chole, schwarze Galle) war grüblerisch und schwermütig. Ihm entspricht Riemanns "depressive Persönlichkeit" mit der Angst vor der Selbstwerdung. Und schließlich der egozentrische und hitzköpfige Choleriker (chole, gelbe Galle). Hier ist die Zuordnung nicht ganz so eindeutig, aber dem Choleriker entspricht doch über weite Strecken Riemanns "schizoide Persönlichkeit" mit der spezifischen Angst vor der Hingabe.

Was die klassische Temperamentenlehre - und mit ihr Riemanns Neufassung - der herkömmlichen psychotherapeutischen Krankheitslehre voraus hat, ist ihr mehrdimensionaler Ansatz. Bei Riemann gibt es nicht einfach ein binäres Schema gesund/krank, sondern es gibt eben unterschiedliche Temperamente. Jedes dieser Temperamente hat einen "gesunden" Bereich und einen eher problematischen Bereich. Diese uralte Einsicht ist erst unter dem Einfluss einer moralisierenden und pädagogisierenden Therapeutengeneration verloren gegangen, die einen bestimmten (ihren eigenen?) Typus zur Normalität erklärt hat. Nämlich den depressiv-abhängigen Typus mit seinen spezifischen Eigenschaften (Treue, Liebe, Bindungsfähigkeit, Empathie, altruistischer Grundhaltung, aber auch versteckter Aggressivität, Neid, Ichschwäche).

Die Ideen des Hippokrates sind nun fast 2.500 Jahre alt, Riemanns Buch ist fast 50 Jahre alt. Vielfach gilt die Temperamentenlehre als wissenschaftlich überholt (siehe z.B. den wikipedia Artikel) oder esoterisch. Das ist sie sicherlich auch, wenn man auf die Begründungen fokussiert (die Säfte). Das ist sie aber ganz und gar nicht, wenn man den mehrdimensionalen Ansatz im Auge hat. Die Arbeiten von Theodore Millon, dem Doyen der modernen Persönlichkeitsforschung, gehen wieder ganz genau in diese Richtung. Riemanns Buch steht hier in der Mitte. Es integriert v.a. psychoanalytisches Wissen um die frühen Objektbeziehungen in die Temperamentenlehre, ohne dabei die Bedeutung konstitutioneller Faktoren unter den Tisch fallen zu lassen. Er bringt viele Fallbeispiele, die so manche Thematik gut illustrieren. Aber er bringt keine Beispiele aus der klassischen Therapiesituation, aus der Übertragungsdynamik, in der sich die spezifischen Ängste ja manifestieren müssten.

Für den einen mag dies daher zu "unwissenschaftlich" oder zu "untherapeutisch" sein. Für mich ist es ein ausgezeichnetes Buch, das sich in die ehrwürdige Tradition der "Temperamentenlehre" einordnet.
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am 6. Januar 2009
Ängste sind bekanntlich fester Bestandteil jeden menschlichen Lebens und so vielfältig wie Menschen und ihre Probleme vielfältig sind. Riemann hat mit diesem Werk ein System geschaffen, in dem er alle Ängste auf vier Grundformen reduziert. Diese Grundformen sind sehr nahe an das Freudsche Model der kindlichen Entwicklungsphasen angelehnt. Die Persönlichkeiten, welche typische Repräsentanten dieser 4 Angstformen sind, werden als "schizoide Persönlichkeit", "depressive Persönlichkeit", "zwanghafte Persönlichkeit" und "hysterische Persönlichkeit" bezeichnet. Riemann betont mehrfach, dass diese vier Persönlichkeiten mit ihrer typischen Grundform der Angst in Reinform nicht existent sind, sondern dass sich Elemente aller 4 Persönlichkeiten in jedem Menschen finden. Aber alle Ängste lassen sich eben doch mehr oder weniger einer Grundform zuordnen, weil wir einer der korrespondierenden 4 Persönlichkeiten näher stehen als anderen. Die Gründe warum ein Mensch sich zu einer bestimmten Persönlichkeit mit typischen Ängsten entwickelt sieht Riemann trilinear: Es spielen anlagebedingte Gründe (Konstitution), Erziehung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine Rolle.
Die Grundformen der Angst mit ihrer Entstehung und den typischen Persönlichkeiten werden sehr logisch erklärt. Der Buchaufbau ist genau dem entworfenen Model angepasst und wirkt geradezu mathematisch korrekt, was bereits beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses ins Auge sticht. Die Grundformen werden mit vielen Patientenbeispielen verdeutlicht. Es bestehen zwar viele Wiederholungen in den Erklärungen und Fallbeispielen, aber das erleichtert das flüssige Lesen und Verstehen. Manche Rezensenten monieren, das Buch sei keine echte Lebenshilfe. Das stimmt, es sind gar keine Therapievorschläge in das Werk eingearbeitet, sondern nur das Model ist dargestellt. Vielleicht können einzelne Leser dennoch eine Lebenshilfe für sich aus diesem Buch ziehen, indem sie sich ihre Ängste bewusst machen und versuchen in das System einzuordnen. Allerdings sollte hier nicht vergessen werden, dass es auch andere Systeme gibt, die versuchen Ängste zu kategorisieren. Alles in allem ist Riemanns Grundformen der Angst ein für Laien verständlich und interessant geschriebenes Fachbuch der Psychologie, das trotz seines Alters nicht an Aktualität verloren hat.
Am wenigsten gefallen haben mir das Format des Buches und die Titelblattgestaltung. Beiden merkt man das Alter an. Eine "Renovierung" des Buches, unter Umständen sogar mit Einflechtung eines Kommentars der modernen Psychologie zum Thema hätte ich gut gefunden.
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am 3. April 2011
Ich bin die Partnerin eines Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung.
Zufällig habe ich das Buch in seinem Regal gefunden und hineingeschaut. Und ich muss sagen, dass es mich nahezu schockiert hat, wie exakt die Beschreibungen von Bziehungen auch auf unsere passt. Und wie sehr Herr Riemann auch das Verhalten meines Partners treffend beschrieben hat.
Es war im ersten Moment furchtbar, doch es hat mir auch sehr viel geholfen, in die Gedanken- und vor allem Gefühlswelt meines Partners zu schauen. Das ist ein Teil, der einem Außenstehenden leider meist verborgen bleibt, was zu Missverständnissen führt.
Später habe ich auch das Gespräch mit meinem Partner gesucht. Ich habe ihm Passagen vorgelesen, die auf uns zutreffen. So musste ich nicht lange nach Worten suchen. Und wir sind uns dadurch wesentlich näher gekommen. Das ist schön, es gibt einem Grund zu hoffen.

Also kann ich das Buch wärmstens an Angehörige empfehlen.
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am 4. Januar 1999
Fritz Rieman, dieser weise alte Mann, leider lebt er nicht mehr, nimmt dich bei der Hand und erklärt dir, wie die Menschen sind und wieso sie so sind. Er tröstet, zeigt die Fallstricke auf und kann einem die Augen öffnen - für die Fehler anderer und für die eigenen. Das ist der Weg um zu verzeihen. Obwohl Professor der Psychologie und in seinem Fach maßgebend in der Typologie der Charaktere schreibt er auf eine anheimelnde Art verständlich und für die Allgemeinheit zugänglich. So ist er ein wichtiger Anwalt für die Menschlichkeit geworden. 4 Grundängste des Menschen, die existentiell jeden von uns betreffen, erkennt Riemann. Er beleuchtet dabei besonders die einseitig gelebte Angst einer dieser Richtungen, die Wurzeln dieser Angst in früher Kindheit und die Charakterausprägung, die sich überwertig daraus ergibt. Wer je einem extremen Menschen verfallen ist - und wer ist das nicht, den Eltern vielleicht, dem Partner oder manch Kollegen - und sich in merkwürdiger Verstrickung mit ihnen wiedergefunden hat, findet die Erklärung für die magische Anziehung, die Gegentypen zueinander- oder gegeneinander bringen. Das Verstehen ist der Schlüssel zur Heilung der mitmenschlichen Wunden, die wir uns alle unwissend und deshalb unnötig zufügen. Ich erhebe dieses Buch zum Buch der Bücher. Es hat mir sehr geholfen.
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