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4.0 von 5 Sternen Von der Oekoeffizienz zur Oekoeffektivität, 12. Mai 2014
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Grünes Denken hat längst im gesamten politischen Spektrum Einzug gehalten und wer etwas auf sich hält lässt sich auch im Kleinen, im Alltag davon leiten, fährt weniger Auto, isst weniger Fleisch, wäscht tensidfrei und kauft Gemüse aus der regionalen Landwirtschaft. Doch wie sinnvoll ist all dies wirklich? Die landläufig bemühte „Ökoeffizienz“, so die Autoren, setzt darauf, weniger schädlich zu sein: Man versucht bspw. den Benzinverbrauch um die Hälfte zu reduzieren, verdreifacht aber die weltweite Autoproduktion. Die Autoren hingegen mahnen ein radikales Umdenken - „Ökoeffektivität“ - an, was in diesem Fall bedeuten würde, Emissionen einzufangen und für neue Produkte oder Brennstoffe zu verwenden (Upcycling). Ökoeffizient mag sein, dass man Bremsbeläge entwickelt, die weniger Schadstoffpartikel abgeben. Es müsse aber darum gehen, Bremsbeläge aus einem Material herzustellen, das unbedenklich in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden kann (biologische Abbaubarkeit).

Normalerweise haben Produktmaterialien einen Lebenszyklus, der - auch wenn ein mehrfaches Recycling, dass nach herkömmlicher Methode immer nur ein Downcycling sein kann, dazwischen geschaltet ist - mit ihrer "Entsorgung" endet. Der Begriff ist freilich irreführend, denn in Wahrheit gehen mit dem Problem einer nur begrenzten Nutzbarkeit von Ressourcen sowie einer gigantischen Müllbeseitigungs- bzw. Endlagerungsindustrie erst die Sorgen los. Michael Braungart und William McDonough setzen dem ein faszinierendes Konzept entgegen: Cradle to Cradle - es gilt beim Produktdesign nicht mehr an Zyklen „von der Wiege bis zur Bahre“ zu denken, sondern eine echte und nie endende Wiederverwertung anzustreben - „von der Wiege zur Wiege“.

Was sich zunächst einleuchtend und einfach anhört, ist in der praktischen Umsetzung allerdings mit enormen Herausforderungen verbunden. Ein großes Hindernis stellen „Sandwichmaterialien“ dar. So sind Bsp. bei Wärmedämmverbundsystemen Materialien verklebt und lassen sich bei einer Wiederaufbereitung nicht sauber trennen. Andere Lösungen zu finden erfordert viel Kreativität.

Auch werden viele Rohmaterialien chemisch behandelt, um ihre Qualität und Haltbarkeit zu verbessern. Sie können damit aber nicht mehr ohne weiteres als vollwertiges Ausgangsmaterial für andere Produkte genutzt werden. Dazu kommen andere negative Faktoren. Farben und Einrichtungsgegenstände werden mit antibakterieller Ausstattung sowie mit Antipilzmitteln versehen. Dadurch würden Pilze und Keime jedoch immer resistenter. Azofarben, Nanopartikel, Monomere, Biozide machen Textilien pflegeleicht, knitterfrei und gut waschbar, sind jedoch der Gesundheit alles andere als zuträglich.

Viele Kunststoffe, so Braungart und McDonough, seien nach dem Recycling nur noch für „Lowtech“-Gegenständen wie Bodenschwellen und Parkbänken zu gebrauchen. Getränkedosen aus Metall-Legierungen sind stellen nur noch minderwertiges Material dar. „Obwohl Rohstoffe anfänglich durch Nutzung dieser recycelten Teile gerettet worden sind, befinden sich solche Materialien in einem unvermeidlichen Abstieg in Richtung Nutzlosigkeit. Im besten Fall hat man den Materialien vor der Entsorgung nur noch einen oder zwei Lebenszyklen hinzugefügt, da jede weitere Vermischung ihre Nutzbarkeit weiter reduziert.“

Die Devise muss also lauten, Materialien möglichst unvermischt, umweltfreundlich aufgewertet und gut trennbar einzusetzen. Die Autoren regen deshalb den Aufbau einer Art „Materialbank“ an, die ebenso Produktrohstoffe wie auch Daten zu den entsprechenden Materialien und Verarbeitungsprozessen beherbergt. Die Substanzen werden an die Produzenten auf Zeit abgegeben: „Diese Materialbank reicht die Substanzen im Leasingverfahren an teilnehmende Unternehmen weiter, die sie wiederum in Produkte umwandeln und diese dann den Verbrauchern im Rahmen eines Dienstleistungsplans zur Verfügung stellen. Nach einem festgelegten Nutzungszeitraum wird das Material eingesammelt und an die Materialbank zurückgegeben.“ Auch Erzeugnisse sollen also nicht mehr verkauft, sondern nur noch an die Kunden verliehen werden.

Soweit so gut und höchst bedenkenswert. Kritisiert wird jedoch, dass man den Ansatz geradezu zum Gegenkonzept zur herkömmlichen ökobewussten Produktionsweise stilisiert. Wirft man einen Blick auf den durchschnittlichen ökologischen Fußabdruck eines Menschen, ergeben sich folgende Proportionen: Ein Drittel ergibt sich aus der Ernährung, ein Viertel aus dem Wohnen, ein Fünftel ist für Mobilität zu veranschlagen, ein Sechstel für Konsum. Der Bereich, in dem C2C in der Hauptsache mit wirklich alternativen Ansätzen aufwartet, ist also der kleinste. Auch hier ist eine konsequente Umsetzung des Konzeptes bislang jedoch eine Utopie, von der unklar ist, inwieweit sie je realisiert werden kann. Zudem gibt es beim Thema Energiegewinnung kaum Differenzen zur Strategie der Umstellung auf erneuerbare Energien – die Autoren favorisieren Solartechnik. Beim Komplex Nahrungsmittelproduktion können auch Braungart und McDounough nur nahelegen, sich zu vergegenwärtigen, dass ein hoher Fleisch- insbesondere Rindfleischkonsum doch eher gesundheitsschädlich sei.

So sehr man dem Buch, dem innovativen Konzept nur alle Aufmerksamkeit wünschen kann, so deutlich muss man doch auch Bedenken anmelden, wenn die Sache zu einer Art Heilsvision stilisiert wird, bei der eine Welt Realität wird, in der die Menschheit verschwenderisch konsumierend auf sonnigen hedonistischen Pfaden wandelt. Wenn Ressourcen kein Problem mehr seien, weil ja alles in einem endlosen Kreislauf wiederverwertet werden kann, gäbe es keinen Grund mehr für grüne Askese. Material- und Produktkosten würden zudem erheblich sinken, weil ja nur noch geleast würde und weniger Knappheiten bestünden.

So versteigt sich Braungart denn auch immer wieder dazu, seinen Zeitgenossen das mühsam angeeignete Umweltbewusstsein im herkömmlichen Sinne ausreden zu wollen: „Wer jetzt Sparen, Verzichten, Vermeiden predigt, der sorgt dafür dass das bestehende falsche System nur gründlich falsch wird.“ Das ist nicht nur aus den genannten Gründen in dieser Pauschalität grob fahrlässig und unsinnig, sondern auch kurzsichtig, was die gegenwärtigen gesellschaftlichen Probleme betrifft. Möglicherweise würden Menschen im C2C-Utopia noch mehr als bislang im ökonomischen Hamsterrad leben, weil Nachfrage und Konsum die Produktionskapazitäten erheblich erweitern würde. In der verbleibenden freien Zeit würde man dann noch suchthafter konsumieren und die zwischenmenschliche Bezüge würden noch mehr verarmen als bisher.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren, 7. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren (Taschenbuch)
Braungart ist es gelungen zu zeigen, dass es nicht nur nötig, sondern auch möglich ist, unser Verhalten zur Umwelt so zu ändern, dass wir sie nicht schädigen. Und zwar ohne unser zivilisatorisches Niveaux aufgeben zu müssen. Ein hervorragender Ansatz, dem grösste Verbreitung zu wünschen ist.
Dr. Michael Brestowsky
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4.0 von 5 Sternen Cradle to Cradle, 21. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren (Taschenbuch)
Endlich der Mut einer neuen Sichtweise.
Was nützen neuentwickelte Kunstoffflugzeuge, die halb soviel Kerosin verbrauchen,
wenn nachhaltig nicht geklärt ist wie dieses dann entsorgt werden kann.
Der Rat - einfach nur lesen und Gedanken machen.
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Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren
Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren von William McDonough (Taschenbuch - 17. Februar 2014)
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