Fashion Sale Hier klicken Strandspielzeug reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen
46
4,5 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:12,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Joachim Käppner, studierter Historiker, beschreibt das Lebenswerk von Berthold Beitz und das ist beeindruckend. Beitz ist in einfachen Verhältnissen in einem Dorf in Pommern aufgewachsen. Der Krieg führte ihn nach Boryslaw, in den damaligen Grenzen von Polen gelegen (heute Ukraine), wo er als Direktor de Karpathen-Öl AG tätig war und unter Einsatz seines Lebens der dortigen jüdischen Bevölkerung geholfen hat. Für seinen Einsatz wurde er 1990 mit der höchsten Auszeichnung geehrt, die Israel an Ausländer vergeben kann.

In der Nachkriegszeit machte er zunächst in Hamburg bei einem Versicherungsunternehmen Karriere. Auf persönliche Intervention von Alfried Krupp wurde er 1953 Generalbevollmächtigter des Krupp- Konzerns. Er wechselte von Hamburg nach Essen. Nach dem Tod von Alfried Beitz wurde er Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach- Stiftung, die er im Geist und Andenken an den Stifter Alfried Krupp seit über 40 Jahren leitet.

Autor Käppner beschreibt zahlreiche Facetten aus dem Leben von Berthold Beitz. Hierzu gehören seine humanitären Leistungen, seine Unternehmenspolitik, sein Verhältnis zu Alfried Krupp, sein ostpolitisches Engagement und sein Einsatz für die Olympischen Spiele. Seine menschlichen Qualitäten haben dazu beigetragen, dass er sich zu einer der großen Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte entwickelt und Zeitgeschichte geschrieben hat. Beitz ist ein freiheitsliebender charismatischer Mensch mit dem intuitiven Gefühl für das Mögliche und dem Mut zum raschen, entschlossenen Handeln.

Das Buch ist nicht primär chronologisch, sondern themenbezogen aufgebaut. Das führt zu manchen Wiederholungen. Es ist verständlich geschrieben, macht neugierig und fesselt die Leser. Zudem enthält es zahlreiche Fotos und ein umfangreiches Quellenverzeichnis. Ich hätte mir mehr Stellungnahmen von anderen Menschen (außerhalb von Boryslaw) über Berthold Beitz gewünscht. Wie haben ihn Mitarbeiter, Angehörige aus der Unternehmerfamilie Krupp von Bohlen und Halbach, Gewerkschafter, Politiker, Manager und seine Gegner gesehen? Warum haben andere Menschen ihn so gesehen, wie sie ihn gesehen haben?

Berthold Beitz steht für verantwortliches Handeln unabhängig vom Mainstream, für die Versöhnung mit den Völkern Osteuropas, für soziales Engagement und für einen menschlichen Kapitalismus. Helmut Schmidt bringt es auf den Punkt: "Ich verbeuge mich vor seiner Lebensleistung und freue mich sehr, dass Joachim Käppner dieses mit der vorliegenden Biographie eines großen Mannes für die breite Öffentlichkeit ebenso tut." Dem ist nichts hinzuzufügen.
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 5. März 2011
Das Leben von Berthold Beitz benötigt eigentlich mehr Raum als eine einzelne Biographie. Auch deshalb ist es beachtenswert, dass diese Biographie die wesentlichen Punkte sensibel herausarbeitet und eine hervorragende Lebensbeschreibung abbildet.

Joachim Käppner hat dieses Buch aus der Sicht eines Biographen mit geschichtswissenschaftlichem Hintergrund geschrieben. Sicherlich bewertet und sieht ein Volkswirt das Leben von Berthold Beitz anders als ein Historiker, ein Kruppianer anders als ein Banker der Deutschen Bank, aber Käppner versteht es den unterschiedlichen Blickwinkeln genügend Raum zu lassen. Dieses Leben eines mächtigen Industriemanagers ist so gelungen auf 668 Seiten dargestellt, das man einfach dem Werk Lob zollen muss.

Das Leben von Berthold Beitz beginnt natürlich früher als seine Tätigkeit während des 2.Weltkriegs im Generalgourvernement in Polen, aber damit nimmt sein Leben eine Dimension an, die sich heute nur noch erahnen lässt. Beitz Handeln, seine Menschlichkeit stellt Käppner dar, ohne dabei in eine Beitz Euphorie zu verfallen. Obwohl die Gefahr, darin zu verfallen, sicherlich gegeben ist, wenn man die Beschreibung dieses Lebensabschnittes von Berthold Beitz liest. Käppner verfällt darin nicht und das ist eine besondere Stärke eines guten Biographen.

Beitz Leben ist eines der Geschichte, das nahezu untrennbar mit dem Namen und dem Unternehmen Krupp und damit der deutschen Nachkriegsgeschichte verbunden ist. Es führt durch das deutsche Wirtschaftswunder, die neue Ostpolitik und die Stahlkrisen bis in die Geschichte der letzten Jahre. Und genau das stellt der promovierte Historiker Käppner sachlich und spannend dar. Begegnungen und Konflikte - wie mit dem einst mächtigsten Banker der Republik Hermann Josef Abs genauso wie mit Arndt von Bohlen und Hallbach. Über das bekannte Leben von Berthold Beitz hinaus gelingt es jedoch immer wieder, klar auf die Frage einzugehen, was diese Biographie interessant macht. Es ist die Person Beitz, sein Leben und seine Handlungen. Und es ist die Prägung eines Abschnitts der Geschichte.

Wenn es etwas gibt, was ich kritikwürdig finde, dann hätte ich mir von Beitz und Käppner eine noch stärkere Erklärung dafür gewünscht, wie Beitz aus den Verhandlungen aus der Nazi-Zeit geprägt wurde für kommende Entscheidungen in seinem Leben. Denn eine solche Biographie: Als Mensch zu handeln, wenn sich einem die hässliche Fratze einer der schlimmsten Diktaturen offenbart, hat sehr geprägt. Aber das ist mehr eine Randnotiz an einem sehr gelungenen Buch.

Wenn man diese Biographie liest, dann ärgert man sich Seite um Seite über die unwiderlegbare Tatsache, dass dieses Buch irgendwann zwangsläufig sein Ende finden muss. Joachim Käppner und Berthold Beitz ist ein Werk gelungen, das weit mehr ist als das Leben eines deutschen Stahl-Managers. Es ist die hervorragend gelungene Darstellung eines wichtigen Stücks deutscher Geschichte.

Ich kann mich nur dem letzten Absatz in Helmuts Schmidt Vorwort anschließen: Man verbeugt sich vor der Lebensleistung von Berthold Beitz und freut sich, dass Käppner diese Biographie vorgelegt hat.
0Kommentar| 32 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 100 REZENSENTam 2. Dezember 2010
Obwohl er über Jahrzehnte einer der wichtigsten Industriellen Deutschlands war, stand Berthold Beitz bisher wenig im Focus der Öffentlichkeit. Dies lag vor allem auch an ihm selbst. Denn er gab wenig Interviews und erzählte wenig über sich selbst. Joachim Kappner berichtet nun erstmals über sein faszinierendes Leben.

Seine Tätigkeit während des 2.Weltkriegs im damaligen Generalgourvernement in Polen hat ihn für sein ganzes Leben geprägt, wie Helmut Schmidt in seinem Vorwort feststellt. Mit 27 ist er verantwortlich für eines der wichtigsten Ölgebiete des deutschen Herrschaftsbereiches und lernt dabei die Schrecken des Krieges kennen.

Es gibt hier z.B. ein Kapitel: "Hätte ich noch mehr tun können" Schon diese Worte deuten den inneren Konflikt an, in dem er sich während der ganzen NS-Zeit befand. Als Leiter eines kriegswichtigen Betriebes gelingt es ihm, viele vor allem jüdische Arbeiter vor dem sicheren Tod zu bewahren. Natürlich unterliegt er dabei vielen Zwängen. Je mehr die Judenverfolgung fortschreitet, je schärfer die Kontrollen werden, desto geringer wird sein Spielraum zu helfen. Besonders wird dies deutlich bei Kindern. Ihnen kann er kein rettendes "R" ausstellen- dem Zeichen für Rüstungsproduktion. Trotzdem rettet er viele Kinder, indem er sie in seinem Haus versteckt - auch für ihn und seine Familie nicht ungefährlich. Er selbst sagt im Rückblick darüber: "Ich war kein Held, ich habe einfach nur als Mensch gehandelt".

Seine Erlebnisse im Krieg gaben auch den Ausschlag dafür, dass er an der Spitze von Krupp dem Konzern ein neues Gesicht gab. War Krupp viele Jahre als "Kanonenkönig" bekannt, stellte er den Konzern komplett auf zivile Produktion um. Beitz selbst sagte dazu: "Warum in aller Welt sollen wir denn Kanonen produzieren - welcher Krieg wird heute noch mit Kanonen ausgetragen?"

Für das Image des Unternehmens war dieser neue Kurs Gold wert. Und Beitz selbst gab er die Möglichkeit, sich als Vorreiter der Entspannungspolitik mit den damaligen Staaten des Ostblocks zu beweisen. Helmut Schmidt schreibt dazu im Vorwort: " Als Diplomat ohne staatlichen Auftrag hat er der deutschen Nation als Vorreiter der Verständigung mit Polen und Rußland gedient." Beitz war auch dabei, als Willi Brandt in Warschau vor dem Denkmal der Opfer des Ghettos niedergekniet ist.

Fazit: Es ist erstaunlich, dass einem Mann mit einem solch facettenreichen Leben erst jetzt eine Biografie gewidmet wird. Dafür ist die nunmehr vorliegende umso umfassender und aufschlussreicher - dem Autor Joachim Kappner sei dank.
0Kommentar| 48 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. August 2014
Ich bin als Unternehmer, aber auch als Mensch beeindruckt von der Lebensleistung von Berthold Beitz. Die Biografie zeigt die unglaublich vielen Facetten dieses Unternehmers und Managers auf und beschreibt nebenbei ein wichtiges Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte. Dazu ist es auch noch sehr gut geschrieben, was das Lesen sehr angenehm macht.

Sehr zu empfehlen!

David Wenger, Wenger Engineering GmbH, Ulm
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Mein Vater, mein Onkel und ich waren bei Krupp beschäftigt. Als Berthold Beitz Anfang der fünfziger Jahre von Alfried Krupp nach Essen geholt wurde, war mein Vater in verantwortlicher kaufmännischer Position an dem Wiederaufbau des Unternehmens beteiligt. Er hat die ersten Jahre von Berthold Beitz in nächster Nähe erlebt und mir später immer wieder aus dieser Zeit erzählt. Mein Onkel war als Jurist mehr als zwei Jahrzehnte in der Zentrale von Krupp tätig und hat Berthold Beitz in vielen Themen beraten und unterstützt, so z. B. in den Jahren 1974 und 1976 hinsichtlich des Verkaufs von Anteilen der Hüttenwerke und später des Mutterkonzerns an den Iran, einem hervorragenden Deal, der Krupp unabhängig von den Banken gemacht hat. Oder auch bei der Gründung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

Ich selbst habe mit Berthold Beitz in den achtziger Jahren ein längeres persönliches Gespräch führen können, das mir bis heute in sehr guter Erinnerung ist. Mein Vorgesetzter war damals Gerhard Cromme, dessen gut überlegte Konzepte und Maßnahmen und dessen konsequente Führung mich stark beeindruckt haben. Das gute Verständnis und die Vertrauensbasis zwischen Beitz und Cromme ist, so wurde mir schon damals klar, ein entscheidender Schlüssel für den Weg des Unternehmens seit den achtziger Jahren bis zu dem heutigen Konzern ThyssenKrupp, dessen größter Einzelaktionär mit über 25 % der Aktien die Stiftung ist, der Berthold Beitz auch heute noch im Alter von 97 Jahren vorsitzt.

Mit außerordentlicher Freude habe ich die Biographie über Berthold Beitz gelesen. Aus meinen Kenntnissen heraus glaube ich urteilen zu können, dass sie als ein Meisterwerk bezeichnet werden kann. Joachim Käppner ist es hervorragend gelungen, den entscheidenden Einfluss von Berthold Beitz auf die Entwicklung von Krupp seit den fünfziger Jahren spannend und zugleich unterhaltend zu schildern und dabei alle wichtigen Ereignisse zu behandeln. Besonders aufregend empfand ich die Schilderungen, wie Berthold Beitz es gelang, den Krupp-Sohn Arndt von Bohlen und Halbach vom Erbverzicht zu überzeugen, wie er die Krupp-Krise 1967, in der die Banken die Macht über das Unternehmen erhielten, überwand, wie er den Iran-Deal einfädelte und wie er die Verfügungsgewalt über die Stiftung, die Alfried Krupp ihm testamentarisch einräumte, bis heute ausübt und zum Wohle des Unternehmens und seiner Beschäftigten einsetzt. Stets wird deutlich, wie geschickt Berthold Beitz im Umgang mit den Gewerkschaften, den Beschäftigten, mit Politikern und Führungspersönlichkeiten wie z. B. Günter Vogelsang, Hermann Josef Abs, Gerhard Cromme, Ekkehard Schulz und natürlich mit Alfried Krupp war. Man lernt Berthold Beitz als einen sehr offenen, kommunikativen, sympathischen, lebensfrohen, sozial verantwortlichen Menschen kennen.

Aber nicht nur wegen seiner Zeit bei Krupp ist dieses Buch äußerst lesenswert. Auch seine Leistungen als Mitglied des Olympia-Organisationskomitees für 1972 und Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee werden gewürdigt. Es ist beeindruckend wie es Berthold Beitz gelang, dass bei der Olympiade 1972 die Wasserdisziplinen in dem von ihm bevorzugten Kiel und nicht in Lübeck stattfanden.

Und dann geht Joachim Käppner natürlich auch auf die Zeit vor Krupp ein. Jeder Leser wird mit Hochachtung den Ausführungen über die Zeit von Berthold Beitz in Polen und über die Rettung vieler jüdischer Bewohner in der Nähe von Lemberg folgen. Dieser Teil des Lebens von Berthold Beitz war mir bisher unbekannt. Die damaligen Rettungstaten von Berthold Beitz haben mich tief beeindruckt, die Schilderungen durch den Autor dieser Biographie geben die moralisch vorbildliche Leistung exzellent wieder.

Die Biographie ist ein Meisterwerk.
0Kommentar| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 5. Dezember 2010
Nicht ohne Grund lässt Joachim Käppner die gut 500 Seiten der Biographie, nach dem Vorwort von Helmut Schmidt, 1990 in Jerusalem beginnen. Genauer in Yad Vashem. Dort wird Berthold Beitz als 'Gerechter unter den Völkern' geehrt. Als einer, der wie Oskar Schindler und nur wenige andere den Mut bewiesen hat, in dunkelster Zeit unter Gefahr für das eigene Leben anderen das Leben zu retten.

Nicht ohne Grund, weil in diesen Taten des jungen Bertold Beitz während der Jahre des zweiten Weltkrieges erkennbar ist, welcher Charakter, welche Persönlichkeit mit welchen Werten verhaftet sich nach den Kriegsjahren aufmachte, seinen Weg durch die Bundesrepublik zu gehen.

Einen Weg, der nicht nur untrennbar mit dem Namen Krupp, dem Vorsitz der Krupp Stiftung und damit der deutschen Wirtschaft durch die Wirtschaftswunderjahre, die Krisen der 70er und 80er Jahre bis hin in die jüngste Gegenwart hinein seinen Stempel verliehen hat. Stationen und inhaltliche Neuausrichtungen gerade des Krupp Konzerns, die Beitz federführend initiiert hat und die Kläppner minutiös im Buch nachvollzieht. Eine Persönlichkeit wie Bertold Beitz hat stets über seinen engeren Wirkungsbereich hinaus Spuren gezogen. Sei es in der Politik, wo er als einer der wenigen Wirtschaftsführer die Ostpolitik der Regierung Brandt unterstütze, sei es aber auch in vielen Gesprächen, Vorträgen und gesellschaftlichen Verbindungen, gerade auch in der ständig in seinem Sinne stehenden Annäherung und Aussöhnung mit dem Osten Europas. Immer stand und steht bei all seinem Schaffen das Wertesystem sozialer Ausprägung im Mittelpunkt des Handelns von Bertold Beitz. Eines Handelns, dass wie kaum ein anderes zu einem höchst erfolgreichen Wirtschaftens, auch in schwierigen Zeiten, geführt hat. Diese Vielfalt der Verbindungen und diese klare Ausrichtung der Person spiegelt sich in der biographischen Abfolge des Buches ebenfalls klar erkennbar wieder.

Die fundiert recherchierte und hervorragend geschriebene und im Buch präsentierte Lebensschau durch Joachim Käppner hätte zudem kaum zu einem besseren und wichtigeren Zeitpunkt erscheinen können. Steht mit Berthold Beitz doch der Mann im Mittelpunkt, der ganz im Sinne Afried Krupps die soziale Verpflichtung unternehmerischen Eigentums nicht nur auf diplomatischen Lippen, sondern stets auch im Handeln als zentral benannt und gelebt hat. Wie es Helmut Schmidt im Vorwort auf den Punkt genau ausdrückt, hatte "die Erfüllung der moralischen Pflicht stets Vorrang vor der Mehrung des eigenen Wohlstandes".

Ein wichtiger Zeitpunkt der Veröffentlichung in einer Zeit gesellschaftlicher Diskussionen um die Werte des Wirtschaftens und ein leuchtendes Lebensbeispiel dafür, dass nachhaltiges Wirtschaften und soziale Verantwortung miteinander in bester Weise erfolgreich einhergehen können.

Joachim Käppner versteht es, immer wieder auch durch die Zeilen hindurch, diese Werteorientierung in ihrer Entstehung zu zeichnen und in ihrer gelebten Umsetzung in allen Etappen des Werdeganges von Beitz zu benennen. Zudem ergibt sich durch die Biographie Seite für Seite ein ebenso intensives Bild deutscher Nachkriegsgeschichte.
Neben diese Kernbereichen der Lebensschau finden sich zudem Einblicke in die eher private Person Berthold Beitz. Den Patriarchen, den Förderer, den Reisenden, der lieber alles aus eigener Anschauung in sich hinein nimmt als nur davon zu hören. Der mit dem "einfachen Mann" oft besser ins Gespräch kam als mit den hochgelehrten Professoren, die ihm oft zu abstrakt dachten und redeten. Neben dem großen Bereich der Arbeit für Krupp und die intensive Verbindungspflege in das östliche Europa hinein bieten gerade diese Kapitel und Einschübe noch einmal eine gute Gelegenheit, das Bild des Mannes zu festigen und zu bereichern.
Einige Bilder ergänzen am Ende das geschriebene Wort. Ein umfangreicher Anhang schließt das Buch ab.

Joachim Käppner ist eine tatsächliche Lebensschau im umfassenden Sinne gelungen, die ebenso ein Stück Zeitgeschichte darstellt, wie sie wesentliche Werte menschlichen Handelns und wirtschaftlichen Denkens eindeutig zu benennen versteht. Ein großer Wurf.
0Kommentar| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Oktober 2012
Dieses Biographie macht einiges richtig und eine Menge falsch.

Richtig ist, dass Beitz ein sehr interessanter Mann ist und einer der herausragenden Deutschen des 20. Jahrhunderts. Die Lebensgeschichte zeigt Seiten unseres Landes, die zwiespältiger nicht sein könnten, und einen bemerkenswerten Menschen, der sich darin bewegt.

Allerdings stehen dem einige Mankos gegenüber. Zunächst einmal misslingt der Versuch des Autors die Biographie in Themen zu strukturieren. Dies führt zu einer Durchbrechung der Chronologie, die in diesem Fall nicht dem Lesefluß zuträgt. Häufig hatte ich das Gefühl keinen roten Faden in den Schilderungen zu erkennen. Dieses Hin und Her in der Geschichte wirkte auf mich sprunghaft. Warum der Autor es dem Leser so erschweren musste?

Beitz muss ein Mann sein, an dem es vieles zu bewundern gibt. Dass jedoch keinerlei Schwächen zutage treten, wird einem Menschen sicher nicht gerecht. Der Autor erwähnt ab und an ein aufbrausendes Verhalten, rechtfertigt dies aber direkt. Dadurch wirkt das Gesamtwerk unglaubwürdiger. Ich habe nicht das Gefühl aus einer sachlichen Biographie zuverlässig informiert zu werden, sondern vielmehr die Beigeisterung des Autors über Beitz selbst einordnen zu müssen.

Fazit: Übrig bleibt ein zwiespältiges Gefühl. Die Lebensgeschichte von Berthold Beitz und dessen Charakter sind spannend und bewundernswert. Die Umsetzung durch den Autor ist aber zweifelhaft und teilweise misslungen.
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 22. November 2013
Eine geschichtlich, politisch, wirtschaftlich höchst interessante Biographie
Mit seinen 536 Seiten ist Käppners Biographie über Berthold Beitz ganz schön dick. Allerdings wird hier ein Leben beschrieben, das in einer höchst ereignisreichen Epoche gelebt wurde und fast 100 Jahre währte. Beitz ist ein Phänomen. Ein Mann, aus eigentlich kleinen Verhältnissen stammend, der aus Geldmangel nicht studieren konnte, sondern ‚nur‘ eine Banklehre absolvierte. Der aber enorm ehrgeizig war, keinen sicheren, ruhigen Posten anstrebte, sondern immer nach höchster Selbständigkeit und Verantwortungen strebte, keinen Partner neben sich und schon gar keine Positionen über sich wünschte. Ein Mensch, der keine Seilschaften brauchte, keinen Organisationen beitrat, sondern der absolut nur auf sich selbst setzte.
Eigentlich durch Zufall kam er, von der Wehrmacht freigestellt, im Auftrag der Shell nach Galizien. Dort erlebte er die kaum fassbaren Grausamkeiten der SS und wurde mit einer unglaublichen Tapferkeit, kein Risiko scheuend, zum Retter sehr vieler Juden. Er befreite sie selbst im letzten Augenblick aus Transportzügen, in dem er ihre Herausgabe als unbedingt wichtig für seinen Betrieb und damit für die Rüstung forderte. Er erklärte aber auch viele zur Deportation bestimmte zu Mitarbeitern, die eigentlich gar keine waren, allein aus dem dringenden Bedürfnis, Menschlichkeit zu beweisen in einer Zeit der Unmenschlichkeit. Und vielen bot er sogar in seinem Haus Schutz. Dafür wurden er und seine Frau nach den überaus strengen Kriterien von Yad Vashem zu ‚Gerechten der Völker‘ erklärt. Beitz hat selbst darüber nur ganz selten gesprochen. Erstaunlich, wie akribisch Käppner hier recherchiert, Zeitzeugen aufgespürt und befragt hat.
Nach einer Zwischenstation im Versicherungswesen wurde er dann von Alfried Krupp zum Generalbevollmächtigten ernannt. Beide waren eng miteinander verbunden, als Freundschaft kann man aber diese Beziehung nicht bezeichnen. Beitz fühlte sich in Treue an Krupp gebunden, man kann diese Beziehung am besten vergleichen wie die Beziehung im Mittelalter zwischen Lehensherrn und Lehensmann. Und diese Beziehung blieb für Beitz verpflichtend über den Tod des letzten Krupp hinaus.
Der Leser erfährt viel über die enge Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik, und manchmal hat man das Gefühl, eigentlich wird das, was geschieht, eher zwischen den Spitzenleuten der Politik, der Wirtschaft, der ‚Gesellschaft' geregelt als von den Politikern in den Parlamenten Auch hier hat Käppler seine Beitz Biografie sorgfältig erarbeitet, 60 Seiten Belegstellen beweisen das.
Dieses Buch ist zeitgeschichtlich äußerst informativ. Natürlich gibt es auch Auskunft über die Entwicklung der Firma Krupp, deren Krisen und deren Bewältigung. Der wirtschaftlich nicht so stark interessierte Leser wäre ihre froh, wenn Käppler in diesem Bereich etwas straffer berichtet hätte.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Dezember 2010
Diese Biographie von Berthold Beitz ist ein publizistisches Meisterwerk. Denn sie nähert sich einem Mann, dessen Leben so reich, so vielfältig ist, dass es nur schwer zwischen zwei Buchdeckel zu pressen ist.

Das Leben von Berthold Beitz ist ein Teil deutscher Zeitgeschichte. Einflussreicher Wirtschaftsboss an der Spitze des Krupp-Konzerns war er und hatte aber anders als die vielen heutigen Manager, die nur an ihr schnelles Geld und an die Rendite denken, immer das Gesamte im Blick.

So war, wie Helmut Schmidt in einem Vorwort zu diesem Buch dankbar und mit Hochachtung hinweist, Berthold Beitz in den sechziger Jahren schon gegen viele Widerstände in seiner Zunft ein leidenschaftlicher Vorreiter und Kämpfer für eine neue Ostpolitik. Sehr oft hat Beitz in seinem Leben mutig und entschieden gehandelt, was ihn zeitweise zu einem einsamen Mann machte, der jedoch aus einer großen inneren Freiheit heraus sich nicht beirren ließ und seinem Weg vertraute.

Sein Engagement hat vieler Entwicklungen befördert und er hat mit seinem Leben seinem Land gedient und sich um es verdient gemacht.
Erst spät etwa wurde bekannt, dass er während des Krieges Hunderte von verfolgten Juden das Leben gerettet hat, wofür er in Israel als "Gerechter unter den Völkern" geehrt wurde.

Man spürt beim Lesen, wie wichtig solche freien und unabhängigen Unternehmerpersönlichkeiten für unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg waren. Sehr lange allerdings hat ein gegen das Unternehmertum alten Stils gerichteter Zeitgeist die Würdigung solcher Persönlichkeiten erschwert. Dass das nun in diesem Jahr in mehreren Büchern geschieht, (vgl. auch: Berthold Leibinger, Wer wollte eine andere Zeit als diese, Murmann 2010) begrüße ich sehr.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. November 2013
Ich habe das Buch meinem Mann geschenkt- seine Firma ist gleich um die Ecke bei der Villa Hügel uns sein Vater war ein großer Verehrer von Berthold Beitz. Er liest jede freie Minute und das darin geschilderte Geschehene ist so unfassbar, dass man es nie vergessen darf. und es ist eine Hommage an einen großartigen Menschen, der wohl auf der Welt nie seinesgleichen finden wird.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden