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Kundenrezensionen

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am 28. Januar 2014
Diesen Worten von Günter Wallraff ist nichts hinzuzufügen. Sie sprechen für sich und dieses Buch.

Ich danke der Autorin für dieses Buch und dem Verlag für seine Herausgabe; inmitten einer durch und durch verlogenen bundesdeutschen Wirklichkeit, die keinen Raum lässt für bittere Wahrheiten zwischenmenschlicher Beziehungen.

Das Buch macht mich im Moment oft nur wütend auf das von mir selbst Erlebte, aber es soll mir helfen, diesen Abschnitt meiner Kindheit aufzuarbeiten und meinen Frieden zu machen mit diesem Teil meiner Biographie. Und ich bin zuversichtlich, dass dies gelingen wird.

Behandelt wird die Situation kindlicher Erziehung in vielen deutschen Elternhäusern der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dabei werden die damaligen Eltern nicht pauschal verurteilt, sondern es werden Ursachen für die Nötigungen aufgezeigt, die diese ihren Kindern haben angedeihen lassen. Dies hilft einem, die eigenen Eltern zu "verstehen". An sehr konkreten Fällen wird geschildert, was los war in den Elternhäusern. Gerade in diesen Schilderungen findet man sich oft selbst wieder als Kind. Und man empfindet den kindlichen Schmerz mit der "Weisheit des Alters" und dem nötigen historischen Abstand (zu sich selbst) noch einmal.

Eine Kindheit, wie in diesem Buch beschrieben, mag wohl nichts im Verhalten des späteren Erwachsenen zu entschuldigen, aber sie vermag sehr vieles zu begründen und auch zu erklären.

Ich empfehle dieses Buch allen, die damals von ihren Eltern gezüchtigt wurden von ganzem Herzen, aber auch den Partnern dieser Menschen, für die die Kindheit so grausam war. Es hilft, denjenigen zu verstehen, der als Kind von den eigenen Eltern geprügelt wurde; oft wegen Nichtigkeiten.

All denen, die das im Buch Geschilderte nicht erlebt haben, sei ein "Glück gehabt!" mit auf den Weg gegeben und gesagt: verschont mich mit euren abwertenden Kommentaren zu dieser Rezension; es ist für mich ein sehr persönliches Buch. So wird es von mir gelesen und so habe ich es auch rezensiert.
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am 12. Juli 2012
Per Zufall bin ich auf dieses Sachbuch von Ingrid Müller-Münch durch eine Anzeige in einer Zeitschrift aufmerksam geworden. Als Kind von Eltern dieser Generation sowie als Ärztin, die häufig mit Patienten der Nachkriegsgeneration zu tun hat, habe ich mir dieses Buch gekauft, in der Hoffnung ein bisschen besser zu verstehen, welche Beweggründe es für manche Verhaltensweisen von Menschen dieser Generation gibt.

Der Inhalt insbesondere die Fallbeispiele haben mich zum Teil sehr berührt und auch erschreckt. Die Tatsache, daß Prügel sowie seelische Gewalt als legitime Erziehungsmassnahmen angesehen wurden, die in dieser Generation fast täglich und überall zur normalen Erziehung, sowohl zuhause als auch in der Schule gehörten, ist für mich immer aufs neue schockierend.

Über die Folgestörungen inklusive posttraumatischer Belastungsstörungen, Lernschwäche sowie Angst und Panikattacken wird meiner Meinung nach unzureichend berichtet. Diese Probleme haben viele Menschen bis heute. Gerade in helfenden Berufen wird diese Thematik leider oft unterbewertet, so daß ich eine Akzentuierung auf die Probleme im Hier und Jetzt gut gefunden hätte.

Insgesamt fand ich, daß das Buch von Frau Ingrid Müller-Münch ein sehr gelunger Versuch der Aufarbeitung eines Themas ist, das über viele Jahre Tod geschwiegen wurde. Es zeigt meiner Meinung sehr klar, wie die Traumatisierung der Kriegsgeneration sich so augewirkt hat, daß ein nicht geringer Anteil der Nachkriegsgeneration aufgrund von mangelndem Wissen beziehungsweise fehlender Verarbeitung des Erlebten von Ihren Eltern selbst traumatisiert wurde.

Ich kann dieses Buch nur uneingeschränkt allen Lesern empfehlen, die sich mit dem Thema näher auseinander setzen. Mich hat es zu einem Nachdenken und teilweise anderem Umgang mit meinen Patienten geführt.
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am 24. Dezember 2012
Kann ich keine 6 Sterne geben? Jetzt wäre es an der Zeit! Das Buch ist sensationell!
Ich war immer in dem Glauben, dass die strenge Konfession meine Erziehung so stark beeinflusst habe. Bibelstellen wie "Wer seine Rute schonet, der hasset seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn bald" wurden ins Feld geführt, bevor ich Schläge bekam, gelegentlich gab es dieses Zitat auch nach den Schlägen - als verbale Wiedergutmachung. In dem Buch wird deutlich, gewaltlose Erziehung war in den 50er und 60er Jahren die Ausnahme. So habe ich es auch erfahren. Lehrer schlugen, meine Kumpels bekamen Senge, einer fast regelmäßig, wenn ich ihn morgens zum Schulweg abholte. Die Erwachsenen nahm ich oft grinsend wahr, wenn ich versohlt wurde, ihnen war die Genugtuung ins Gesicht geschrieben, dass ich als Rotzlöffel mal die Leviten gelesen bekam.
Das Buch macht deutlich, wie und mit welchen Werten unsere Eltern aufwuchsen. Es zeigt, wie verlogen der äußere Schein von Wohlanständigkeit und Bürgerlichkeit vieler Familien dieser Zeit war. Und das es tatsächlich unter der Oberfläche brodelte.
Ich habe so oft mein Milieu aus Kindheitstagen wieder erkannt: "Entweder du spurst, oder es knallt - entweder du parierst, oder es setzt was" Oder: "Entweder du isst den Teller sofort leer, oder du bleibst hier sitzen, bis du schwarz wirst".
Bis heute sehe ich die Auswirkungen des "emotionalen Hungers", wie es im Buch formuliert wird. Der ständige Bedarf nach Anerkennung, das starke Konsumverhalten scheinen Ausdruck davon zu sein, in den Kindheitsjahren stets als störend, frech und unzulänglich betrachtet worden zu sein. Das Gefühl, den Eltern nie richtig zu genügen, hinterlässt bis heute seine Spuren. Ich verstehe jetzt, dass durch den damaligen Erziehungsstil die Generation der heute 50jährigen durch Schläge darauf getrimmt wurde, so anpassungsfähig wie nur möglich zu werden. Die heutige übergroße Anstrengungsbereitschaft, immer wieder an seine Grenzen zu gehen, scheint damit zu tun zu haben, es allen recht machen zu wollen und unbedingt ein gutes Ergebnis abliefern zu wollen. Das wurde früh eingeprügelt. Mit dem Buch wird mir deutlich, die Erziehung mit Mattenklopper, Kochlöffel und Lineal damals war eine schlichte Machtausübung. Wer sich auf Spurensuche begibt, um herauszufinden, warum im Leben so viele Störungen auftreten, dem sei dieses Buch dringend empfohlen. Allen, die glauben, Prügel habe ihnen nicht geschadet, sollten das Geld für dieses Buch sparen und weiter mit schnelllebigen Konsumartikeln ihre angekratzten Seelen streicheln.
Nachtrag August 2014: Mein Familienname hat sich durch Heirat geändert. Daher sind Rückschlüsse zwischen meiner erlebten und später praktizierten Erziehung und dem angezeigten Namen nicht zulässig.
1313 Kommentare|45 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. März 2012
Es ist noch nicht allzu lange her (auch wenn es vorsintflutlich erscheint), da gehörte der Rohrstock, der Gürtel, die flache Hand zur Kindererziehung ganz selbstverständlich dazu. Nicht nur im Elternhaus, auch in den Schulen und anderen Orten öffentlichen Lebens (die Diskussion um 'Erziehungsformen' in katholischen Kirchen, neben dem sexuellen Missbrauch, zeigen auf, wie selbstverständlich und verbreitet es war, dass ein Kind letztlich 'Nichts' war). Ganz öffentlich an diesen Orten bis weit in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein. Dass das Kind 'pariert' war (fast) einhellig und breit vorherrschendes 'Grunderziehungsziel', zumindest der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. An nicht wenigen Orten, liest man die Berichte mancher Jugendämter, hält sich dies um Übrigen im heimischen Bereich bis heute, nicht nur in speziellen Migrationsfamilien.

Ingrid Müller-Münch versteht es, gerade auf ihre ihr eigene unprätentiöse und dennoch eindeutig parteiische Art, diese Form der 'Erziehung' für die nun dem Ruhestand entgegengehende Generation endlich einmal sachlich und präzise zu beschreiben und aufzuzeigen. Dem Geschehen eine 'Sprache zu geben'. Und die nachfolgende Frage zu stellen und zu beantworten: Was diese rüden Methoden bewirkten, wie es den später Erwachsenen mit dieser Art des Aufwachsens erging. Ganz hervorragend arbeitet die Autorin auf diesem Weg heraus, dass vor allem Gefühle von Angst und Einsamkeit, von einem 'sich nicht (wirklich) angenommen' wissen mit geprägt haben.

'Zu meiner Kindheit gehörte der Kochlöffel. Nicht als Küchenutensil, sondern als Schlaginstrument'. Wobei in vielen Familien diese 'Strafe' noch gesteigert und herausgezögert wurde durch jenen wohlbekannten Satz: 'Warte, bis Dein Vater nach Hause kommt'. Väter als 'Familienoberhaupt' und damit als jene, die in der Regel die Strafe zu vollziehen hatten. Aber auch Mütter oder ältere Geschwister waren an dieser 'Grunderziehung' beteiligt. Mit Folgen. 'Irgendwie war dieser Vertrauensbruch meiner Eltern, den ich bei jeder Tracht Prügel empfand, nie mehr aus meinem Leben wegzudenken'.

Es ist gut, noch einmal, trotz der inzwischen vielen vergangenen Jahre und der doch im allgemeinen zumindest offiziell anderen Form der Erziehung, die mittlerweile herrscht, dass Ingrid Müller-Münch die Dinge thematisiert, die sie, wie fast alle anderen, bis dato nie wirklich angesprochen und ausgesprochen haben. Gut vor allem, dass dies mit Sensibilität und nicht marktschreierisch geschieht, dass eine Beschreibung und der Versuch, zu verstehen im Mittelpunkt des Buches stehen. Gut auch, dass die Autorin durchaus vielfach persönliches mit einfließen lässt und zudem die Linie nach hinten verlängert, einen Blick auf die Kriegsgenerationen und deren Prägung ermöglicht, welche den Rohrstock fast logischerweise nach sich zogen.

Mit einem Grundgefühl dann vielleicht leben zu müssen, wie es im Buch auch beschrieben wird: 'Keiner sieht mich, keiner mag mich, ich bin böse, ich bin ein Nichts'. Erfahrungen vor allem der Ohnmacht, die so manche Aggressivität, die ein vielfaches Auflehnen dieser Generation gegen dumpfe Autoritäten tief verständlich macht, gegen 'Muff und Mief' laut zu Felde ziehen. Ein hochinteressantes Kapitel ist es, in dem Müller-Münch jenen Wurzeln der '68er' auf ihre Art nachgeht und überzeugende Schlüsse aus den Prügeln der Kinderjahre dieser Generation zieht.

Nach der Lektüre des Buches und dem Gang durch alle Schichten und alle Formen von körperlicher Bestrafung kann man der Autorin nur uneingeschränkt zustimmen, die das 'Prügeln von Kindern zu Anschlägen gegen die Menschlichkeit' deklariert. Etwas, was so manche Soziologen und kirchliche Würdenträger bis jetzt noch nicht wirklich verstanden zu haben scheinen. Und es stimmt, womit die Autorin endet: 'Noch ist es nicht vorbei'. Und darum ist das Buch wichtig (und zudem gut zu lesen).
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am 12. März 2012
Ausgerechnet die Generation der Revolten und Bewegungen, die Generation von Sex&Drugs&Rock'n`Roll: Eine geprügelte Generation. Kinder wurden nicht nur in der Wilhelminischen Ära oder in konfessionellen Internaten verdroschen und misshandelt. Sondern auch noch in den Fünfziger-, Sechziger-, Siebzigerjahren - von den eigenen Eltern. Und all das war so 'normal', so weit verbreitet und alltäglich, dass bis heute kaum jemand darüber sprach. Weder über den seelischen und körperlichen Schmerz der Kinder, die Kochlöffel und Rohrstock zu spüren bekamen. Noch über die Spätfolgen, die sich heute noch bemerkbar machen. Die renommierte Journalistin Ingrid Müller-Münch bringt dieses Thema, das auch ihr ganz eigenes ist, nun an das Licht der Öffentlichkeit. Und so bedrückend die Tatsachen sind, so lebendig, klug und verblüffend erzählen die Autorin und ihre Interviewpartner/inn/en davon. Ein sehr empfehlenswertes Buch, nicht nur für 'Betroffene'.
Ingrid Strobl
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am 11. April 2012
Es ist sicher nicht das erste Buch, welches die "Erziehung" von 80% der Kinder in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts beleuchtet. Darauf weist auch die Autorin Ingrid Müller-Münch in ihrem ausführlichen Literaturverzeichnis zu diesem Thema hin. Doch für mich war es das erste auf das ich aufmerksam wurde.
Die Autorin lässt viele Betroffene zu Worte kommen, die sehr offen über ihre unterschiedlichen Misshandlungen sprechen und auch von ihren heutigen Verhältnissen ihren Eltern gegenüber berichten. Hierbei machen die unterschiedlichen Misshandlungsformen den
uninformierten Leser sehr betroffen, als Leser mit gleichartigen Erfahrungen hat man solidarische Emotionen den Betroffenen gegenüber und merkt, dass man gar kein Einzelfall war.
Die Einzelfalldarstellungen werden von der Autorin durch wissenschaftliche Untersuchungen hinterlegt. Dabei scheut sich Ingrid Müller-Münch auch nicht davor wissenschaftliche Forschungergebnisse zu erwähnen, deren Meinung und Interpretation sie nicht teilt. M.E. gelingt es der Autorin daher durchweg einen sehr sachlichen Standpunkt beizubehalten. Sie lässt die Taten und Handlungen der Misshandler für sich sprechen, so dass Buch per se ein einzige Anklage ist.
Dabei wird nicht nur die familiäre Misshandlung thematisiert, sondern auch die von Lehrern und anderen Betreuungspersonen, die eigentlich eine Fürsorgepflicht gegenüber den betroffenen Kindern zu erfüllen hatten.
Die Autorin eröffnet Einblicke sowohl in die geschichtliche, juristische als auch wissenschafltiche Entwicklung der Pädagogik. Hierbei wird deutlich, dass sich die Menschen erst seit einem verhältnismäßig geringen Zeitraum mit der Frage nach der vermeintlich richtigen Erziehung beschäftigen.
Fazit:
Das Buch wird sowohl allen geprügelten Opfern empfohlen, die hier auf wirkliche Leidensgenossen treffen, als auch gegenwärtigen bzw. zukünftigen Eltern, um sich die Entwicklung der Erziehung und insbesondere die Taten und deren Folgen von gewaltätigen Eltern als mahnendes Abschreckungsverhalten vor Augen zu führen.
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am 27. September 2012
Der Gegenstand des Buches erstreckt sich über ein wesentlich weiteres Feld, als die Überschrift zunächst vermuten lässt. Die Autorin zeigt Gewalt in der Erziehung der 1950er und 1960er-Jahre und ihre Folgen anhand von vielen Gesprächen, die sie mit Betroffenen und auch mit Fachleuten geführt hat. Da sie die Menschen reden liess und deren sehr verschiedene Schilderungen recht breit wiedergibt, ergibt sich eine grosse Anschaulichkeit. Das Buch wird aber nie voyeuristisch. Wer Schilderungen von Prügelorgien amüsant und erregend findet, wird enttäuscht. Solche finden sich kaum. Vielmehr geht die Autorin (zusammen mit ihren Gesprächspartnern) den Hintergründen nach: Prägung der Eltern durch den nationalsozialistischen Ordnungsstaat, durch die unmittelbare Nachkriegszeit (Wiederaufbau eines bürgerlichen Lebens), Traditionen, Überforderung, in das Kind projizierte eigene enttäuschte Hoffnungen, usw., um einfach einige Stichworte zu nennen. Dabei bleibt die Autorin nicht bei der körperlichen Gewalt stehen, sondern zieht die seelische / psychische Gewalt mit ein. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Ausführungen im Buch mit Erziehung begründete / gerechtfertigte Gewalt von Eltern (auch Lehrern) gegenüber Kindern allgemein betreffen, unabhängig in welcher Form diese ausgeübt wird. Gewalt gegenüber Kindern kraft elterlicher / lehrerlicher Autorität und Überlegenheit ist in jeder Form verletzend. Das Buch zeigt und erklärt einen bedeutenden Teil der deutschen Zeitgeschichte nach dem zweiten Weltkrieg mit Auswirkung bis in die Gegenwart. Obwohl das Buch die Verhältnisse in Deutschland zum Gegenstand hat, erkenne ich als Schweizer auch viele Verhaltensmustern, welchen ich in meinem Land begegnet bin.
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am 3. März 2014
Ich selber bin Jahrgang 1973, meine Eltern 1940er. Vieles meine ich noch aus eigenem Erleben nachempfinden zu können.
Meine Eltern schlugen nicht bzw. ganz, ganz selten, aber viele der "Sprüche", die im Buch zitiert werden, bekam ich auch zu hören, wenn ich "frech" war. Diese verfolgen mich teilweise bis heute. Die Autorin schafft es, mich in den Bann der teilweise furchtbaren Lebensgeschichten zu ziehen.
Warum Eltern ihre Kinder schlagen beschäftigt mich selber schon lange, sowohl beruflich als auch privat. Es geht immer um das Bild des Kindes in der Gesellschaft und wie wir dem Kind Dinge nahe bringen, die uns wertvoll und wichtig erscheinen.
Will man etwas in das Kind "hinein prügeln" oder vertraut man den Fähigkeiten des Kindes, sich nach eigenem positiven Vorbild Verhaltensweisen anzueignen und (sich) selber weiter zu entwickeln?
Es lohnt sich, das Buch zu lesen und sich seine eigenen, ganz persönlichen, Gedanken zum Thema zu machen.
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am 1. Dezember 2013
Nachdem Bettina Alberti in Seelische Trümmer: Geboren in den 50er- und 60er-Jahren und Sabine Bode in Die vergessene Generation erhellende und teilweise erschreckende Blicke auf und in die Generation der in den 1950ern und 1960ern geborenen Kinder geworfen haben, widmet sich Ingrid Müller-Münch dieser Generation unter dem speziellen Gesichtspunkt der Gewalterfahrung in der Familie oder im nahen Umfeld. Der normalen Kindheit zur damaligen Zeit also.

Die Autorin hat viele Interviews geführt und verdichtet die daraus gewonnen Geschichten zu Berichten von einigen Betroffenen. Und immer wieder zeigt sich die Konsequenz der erlebten Erziehungsmethoden: das Gefühl, 'keiner liebt mich', ist nicht ungewöhnlich, sondern (leider) weit verbreitet. Müller-Münch beschreibt einfühlsam die im wahrsten Sinne des Wortes prägenden Erfahrungen ihrer Gesprächspartner und -partnerinnen. Sie sucht aber auch nach Gründen für das Verhalten der schlagenden Eltern, deren Umfeld, Vorbilder, Ideale. Sie zitiert Alice Miller, die beiden oben erwähnten Autorinnen und andere; verweist auf und hinterfragt so manche wissenschaftliche Untersuchung und liefert nachvollziehbare Erklärungen. Kinder sollten durch Prügel zur Räson gebracht, vor Schlimmerem geschützt werden; Eltern »glaubten, ihrem Kind damit etwas Gutes zu tun«. Eine Auswirkung von »verinnerlichten nationalsozialistischen Erziehungsprinzipien, die eine physische und emotionale Distanz zwischen Eltern und Kindern installierten«?

Ingrid Müller-Münch zeigt ebenso schockierend die Auswirkungen dieser drastischen Erziehungsmethoden. Wie heutzutage noch Menschen mit den »Dämonen kämpfen müssen, die ihnen die Eltern mithilfe von Kochlöffeln und Rohrstöcken eingebläut haben«. Dass »familiäre Probleme der Ausgangspunkt für den Terrorismus [waren] und nicht etwa politische Motive«. Wie die schlimmen Erfahrungen mit familiärer Gewalt weitergegeben wurden und werden. Wie sich »Unsicherheit, Vertrauensschwund, mangelndes Selbstbewusstsein, Depressionen und Verlustängste als langanhaltende Folgeschäden der Misshandlungen, die diese Menschen als Kinder erlitten», manifestierten.

Insgesamt ist dies ein sehr subjektives und doch wissenschaftliches Buch, das ausgezeichnet in die wachsende Reihe der neuen Sichten auf die Gegenwart und jüngere Vergangenheit in Deutschland passt. Durch die sehr persönlichen und doch verallgemeinerbaren Porträts sind die teilweise aufwühlenden Aussagen und Erzählungen fassbar und nachfühlbar. Zu kurz kam mir nur der Vergleich der Verhaltensweisen der Deutschen mit denen aus anderen Ländern; denn geschlagen wurde nicht nur in Deutschland (BRD wie DDR)!

Müller-Münch beschließt ihr Werk mit einer Betrachtung der positiven Veränderungen der letzten Jahre und der klaren Erkenntnis: »Gewaltlose Erziehung fördert den aufrechten Gang«.
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am 28. Juli 2012
Das Buch verdeutlicht mir folgendes :

1.) Jede Form von Gewalt hinterläßt Spuren/Risse im Kind : von "ich bin dem anderen zuviel" über "ich bin allein schuldig" bis "ich bin grundsätzlich falsch".
Das widersprüchliche Beziehungsklima trägt mit dazu bei : "Ich liebe Dich, indem ich dich demütige". In Beziehungen kann dies zur Folge haben, dass man Liebe mit Gewalt verwechseln muß.

2.) In Deutschland (West wie Ost) wurde bis in die 90iger Jahre physische Gewalt gegenüber Kindern angewandt. Diese Tradition war so verbreitet, dass sie als normal galt.
Ich selbst habe bis heute weder von Gleichaltrigen, noch damals in psychosozialen Ausbildungen noch in meiner langjährigen Arbeit mit Kindern hiervon kaum etwas mitbekommen. Wenn doch, habe ich es rückblickend bagatellisiert oder wurde als Unruhestifter ausgeschlossen.

3.) Ursache hierfür waren
a. unserer kulturellen Wurzeln, die von Luthers Beitrag hierzu bis zum Erziehungsideal der Abhärtung reichten.
b. Kriegstraumata der Eltern, die unbewußt weitergegeben wurden.

4.) Je weiter sich der Krieg entfernte und die Generation 68 wirkte umso mehr nahm physische Gewalt ab. "In unserer Gesellschaft wird mehr aufeinander geachtet" (S. 252) "Anders als früher haben die meisten heute ein schlechtes Gewissen" (S. 259)

Das Buch ist daher für folgende Leserinteressen geeignet :

1.) Betroffene, mit evtl. unerklärlichen Problemen
Diese können verursacht sein durch
a. den Versuch den "Riß zu kitten" (z.B. von "mit gutem Essen streicheln" über "Berührung oder Enge meiden" bis "nur wenn die Fetzen fliegen spüre ich mich")
b. durch die unbewußte Übernahme der Traumata der Eltern, was sich in von Hemmungen/Apathie über Getriebenheit/Impulsivität bis zu posttraumatischen Symptomen wie Panikzustände äußern kann.

2.) Fachleute, die an dieser Stelle einen blinden Fleck haben

3.) gegenwärtige und zukünftige Elterngenerationen zur Warnung
(vor rückwärtsgerichteten Tendenzen der Gegenwart).

4.) Leser die einen psychohistorischen Überblick zum Thema erhalten wollen.

Ich hoffe, das dieses einzigartige Buch zum Thema eine Standardlektüre in psychozozialen Ausbildungen und der Ratgeberlandschaft wird.
Eine Stärke des Buches sind die Beispiele, die eine große Bandbreite von physischer Gewalt und ihre biographischen Bewältigungsversuche aufzeigen.

Einzelne familiäre Muster, die zur Gewalt führen können; z.B. das Kind als Sündenbock in einem Konflikt mit Groß-/Schwiegereltern, bescheibt aus einer (mehrgenerationalen) systemischen Perspektive das Buch St. Cirillo u.a. "Familiengewalt" (m.W. das einzige seiner Art).
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