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Kundenrezensionen

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am 2. September 2011
Schon auf der zweiten Seite des Buches wir nicht nur dem Leser, sondern auch den Beteiligten des Romans unmissverständlich klar, dass Fabrizio Collini den fünfundachtzigjährigen Jean-Baptiste Meyer in seinem Hotelzimmer in Berlin ermordet hat. Nach der grausam ausgeführten Tat stellt sich Collini sofort der Polizei und steht zu der Tat. Ansonsten äußert sich der stille Collini nicht. Auch der ihm zugteilte junge Pflichtverteidiger Caspar Leinen, der seinen ersten Prozess mit diesem Fall erhält, kann seinem Mandanten keine Angaben zu dessen Motiv für das Kapitalverbrechen entlocken. Zudem muss sich Caspar Leinen die Frage nach der Aufrechterhaltung seiner Pflichtverteidigung stellen, als er erkennen muss, dass er persönlich näher mit dem Fall verbunden ist, als es ihm lieb ist.
Doch als die an sich unumstrittene Sachlage vor Gericht eine klare Entscheidung vorausahnen lässt, hat Anwalt Leinen eine Initialzündung, der er während einer zehntägigen Verhandlungspause nachgeht.
Die erschütternden Ergebnisse der Recherche bringen eine Wendung im Prozess.

Obwohl der Leser als auch alle Beteiligten von Anbeginn den Mörder kennen, bleiben der Fall und dessen Ermittlungen über den gesamten Verlauf spannend.
Die ungeklärte Frage nach dem "Warum?" muss beantwortet werden und treibt den Leser und die Ermittler weiter voran, während Collini indes freundlich aber still bleibt.
Als Leser wird man förmlich in den Roman hineingezogen und begleitet den Anwalt Leinen bei seiner Arbeit.

Fazit: Ein lesenswertes Buch, was neben Einblicken in die Abläufe und Aufgaben der Justiz, aber auch die Frage nach den Hintergründen legislativer Entscheidungen und deren moralische und ethische Rechtfertigung aufwirft. In letzter Konsequenz zeigt der beschriebene und dahinter stehende Sachverhalt das schreiende Unrecht und den Wahnsinn dieser fallbezogenen realen Gesetzgebung.
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am 12. Januar 2012
Eigentlich habe ich ja auf von Schirachs dritten Kurzgeschichten-Band mit dem Titel "Strafe" gewartet, doch nach zwei Büchern mit Kurzgeschichten, gespeist aus den langjährigen Erfahrungen eines Rechtsanwalts, sollte es nun ein Roman werden. Aber es ist doch wieder nur eine Kurzgeschichte geworden, auch wenn weit auseinander liegende Zeilen auf vielen Seiten einen anderen Eindruck vermitteln sollen. Schaut man genau hin, hat die hier erzählte Geschichte eines Mordprozesses sogar weniger Substanz als etwa "Der Äthiopier", einer der besten Texte in dem Band Verbrechen.

Ferdinand von Schirach reichert die in dem Prozess aufgerollte Geschichte des italienischen Einwanderers Fabrizio Collini, der - wer sich die Spannung erhalten möchte, liest jetzt bitte im dritten Absatz weiter - als Junge Ende 1943 Zeuge von NS-Kriegsverbrechen im Raum Genua wurde und seinen Vater durch ein SS-Erschießungskommando verlor, durch die seiner Hauptfigur, des jungen Strafverteidigers Caspar Leinen an, der erst seit einem Monat als Anwalt zugelassen ist und mit der Vertretung Collinis seinen ersten großen Fall hat. Nun ist das durchaus keine schlechte Idee gewesen, den ermordeten Großunternehmer Hans Meyer zum väterlichen Freund aus Leinens Vergangenheit zu machen und in Rückblenden dessen Jugendfreundschaft mit dem Enkel und vor allem mit der Enkelin des getöteten ehemaligen SS-Sturmbannführers zu enthüllen, eine Freundschaft, die durch einen tragischen Unfall jäh endete; aber wie wahrscheinlich ist das alles? Und wie wahrscheinlich ist es, dass Leinen diesen Fall, nachdem ihm die Identität des Opfers klar geworden ist, ohne größere Hemmungen weiterführt? Und wenn er ihn schon weiterführt, warum ist der Konflikt, in den ihn dies zwangsläufig mit seiner Jugend- und irgendwie immer noch Liebe Johanna bringt, nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas? Die klassisch tragische Konstellation eines Mannes zwischen Berufsethos und Familienehre verschenkt der Autor geradezu fahrlässig: Johanna geht mal kurz schmollend aus dem Bild; und nachdem Leinen Licht in den Fall gebracht und des Großvaters mörderische SS-Vergangenheit enthüllt hat, löst sich alles so rasch in Wohlgefallen auf, dass man sich fragt: Wozu brauchte dieser Roman Johanna überhaupt? Welche emotionalen Abgründe man mit so einem Stoff aufreißen kann, zeigen Costa-Gavras' Music Box - Die ganze Wahrheit oder Bernhard Schlinks Der Vorleser. Ferdinand von Schirach verschanzt sich hingegen im entscheidenden Abschnitt seines Romans hinter Paragraphen. Da kennt er sich besser aus.

Schon in Schuld ist überdies ein gewisser Hang des Autors zum Trivialen, genauer gesagt, zur Befriedigung von Sensationsgier unangenehm aufgefallen. Für die unnötig anstößige Darstellung einer Vergewaltigung im Hause Collini und die detaillierte Beschreibung der Obduktion des Mordopfers, welche sogar dem Protagonisten Übelkeit bereitet, darf man als Hauptmotiv wohl ebenfalls annehmen: Verkauft sich gut. Auch mit der Schilderung der Bluttat im ersten Kapitel ist die Grenze zur Trivialliteratur klar überschritten. Sie hätte so auch in einem Romanheftchen der Reihe Kommissar X stehen können.

Die andere Seite dieses berechnend wirkenden Schielens auf die Wirkung beim Leser ist freilich, dass von Schirach sich alle Mühe gibt, Langeweile gar nicht erst aufkommen zu lassen. Sein Stil ist präzise und schnörkellos, immer konzentriert auf das Wesentliche. Nahezu skeletthaft muten manche Passagen an. Selbstverliebte sprachästhetische Fingerübungen oder protzige Satzkaskaden, die oft genug in Langeweile münden oder dazu führen, dass einem ein Buch einfach aus der Hand fällt, sind ihm fremd. Und doch - etwas mehr Fleisch hätte dieses Gerippe einer Geschichte gut vertragen.

Fazit: ein Buch, das ich mit 3,5 Sternen bewerten würde, aber das ist hier ja nicht möglich. Und im Zweifel - für den Angeklagten!
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am 8. April 2013
Caspar Leinen hat vor vier Wochen sein 2. Staatsexamen absolviert. Sein erster Fall ist die Pflichtverteidigung des unauffälligen Rentners Fabrizio Collini, der einen angesehenen deutschen Industriellen geradezu hingerichet hat. Für alle Beteiligten sieht es nach einem klaren Fall aus, der schnell abgewickelt werden wird, besonders, weil der Angeklagte sich über sein Motiv hartnäckig ausschweigt. Leinen, ein idealistischer aber der unerfahrener junger Anwalt hat so gut wie keine Chance den Fall zu gewinnen. Als sich noch dazu herausstellt, dass der Tote ein enger Freund seiner Familie war, will Leinen die Pflichtverteidigung niederlegen. Doch dann kommt alles anders. Er behält den Fall und macht eine Entdeckung, die nicht nur sein Leben verändern wird.
Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, denn die Story hatte mich nach den ersten drei Sätzen gepackt. Der knappe und schnörkellose Schreibstil von Schirachs passt zu diesem Gerichtskrimi, der nicht nur Einblicke in die Arbeit von Gerichten und Anwälten bietet, sondern auch erhellt, nach welchen Prinzipien Rechtsprechung bei uns funktioniert. Die Geschichte wartet mit vielen überraschenden Wendungen auf und spielt im Grunde auf zwei Ebenen, der Gegenwart und der Vergangenheit, die meisterhaft miteinander verknüpft werden. Ein Happy End gibt es nicht, eher ein nüchtern verhaltenes Ende, aber etwas anderes hätte auch nicht gepasst.
Sehr negativ ist mir aufgefallen, dass im Ebook nahezu jede Silbentrennung falsch war und den Lesefluss erheblich gestört hat. Außerdem ist der am Ende zitierte Gesetzestext voller doppelter Satzfragmente. Hier hätte ich von einem großen Verlag mehr Professionalität erwartet. Da ich das aber nicht dem Autor und seiner großartigen Geschichte anlasten möchte, bleibt es bei 5 Sternen.
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am 14. Oktober 2011
Die Schreibe von Ferdinand von Schirach hat mir schon bei seinen Kurzgeschichtenbänden gefallen, so dass mich auch sein erster Roman brennend interessierte. Und der Leser bekommt wieder genau das was er von Schirach erwartet: einen spannenden Fall, präzise, einfach und klar geschildert.

In Schirachs ersten Roman geht es um den Junganwalt Caspar Leinen, der seinen ersten Fall als Strafverteidiger an Land gezogen hat. Die Freude ist groß, denn ein erster Erfolg könnte ihn gleich Unmengen Klienten bringen. Doch eins war Leinen zwischen die Lappen gegangen. Sein Mandant hat einen sehr guten Freund, beinahe ein geliebtes Familienmitglied, nämlich den Großvater seines besten Freundes, umgebracht. Zunächst versucht er den Fall wieder los zu werden, doch so ganz erlaubt ihm das nicht seine Ehre als frischgebackener Anwalt. Und so macht er sich an die Lösung des Falls. Problem nur, dass sein Mandant Hr. Collini eigentlich gar nicht verteidigt werden will.

Für mich ein unheimlich spannender Fall, der mit einem erschütternden Ende aufwartet.

Fazit: Wieder sehr lesenwert, da Schirachs einfache, klare Sprache den Leser fesselt und in seinen Bann zieht. Es gibt nur wie immer ein kleines Manko: Das Buch ist viel zu kurz, man will mehr.
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am 4. Oktober 2011
"Ein grossartiger Erzähler!" steht auf dem Rücken des Buches, ein Zitat aus einer Spiegel-Rezension. Leider stimmt das nicht. Ferdinand von Schirach ist Rechtsanwalt und mag Interessantes aus seinem Fachgebiet und seinem Erfahrungsschatz zu berichten haben. Zu Literatur machen kann er das nicht.

Der Inhalt des Buches klingt vielversprechend: Caspar Leinen, ein junger Anwalt, der die Pflichtverteidigung für einen brutalen Mörder übernimmt, der nie straffällig war und dessen Motive völlig unklar sind. Das Opfer: Der Großvater von Caspar Leinens bestem Freund. Und schließlich führt alles zurück "in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte", wie der Bucheinband verspricht. Man fragt sich fast, wie all das auf nur 193 Seiten entwickelt werden soll. Man erwartet die atemlose Lektüre eines Krimis, der nicht nur spannend ist, sondern auch einen bislang unbeachteten Sachverhalt der jüngeren deutschen Justizgeschichte interessant verarbeitet.

Letzteres tut von Schirach auch, aber erst nach 120 Seiten. Hier, wenn schon mehr als die Hälfte des Buches vorüber ist, wird es interessant. Davor: Viel Langeweile statt Atemlosigkeit. Schirach schien hier das dringende Bedürfnis gehabt zu haben, die eigene Berufserfahrung zu verwursten. Er hätte sich nur manchmal fragen müssen, ob das, was er schreibt, dem Roman überhaupt dient. Immer wieder völlig unnötige Beschreibungen wie diese: "Unten, aus dem Geschäft gegenüber, kam ein Mann mit seinen Einkäufen, er rutschte aus, fing sich, musste die Tüten loslassen, kleine orangene Schachteln fielen in den Schnee." An einer Stelle liest man: "Der Justiziar sagte immer weiter Sätze, die in solchen Besprechungen immer gesagt werden: 'Da bin ich ganz bei Ihnen', 'Das entscheiden wir zeitnah' und 'Wir bleiben in Kontakt'."
Warum lässt er seine Figuren dann solche Sätze nicht in guten Dialogen sagen? Schirachs 'großartige Erzählkunst' erschließt sich mir nicht. Man kann ihm zwar nicht vorwerfen, dass er nicht wüsste, wie man schreibt. Aber ein großartiger Erzähler hätte aus diesem Stoff mehr gemacht.
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am 29. August 2012
Auch dieses Buch von Ferdinand von Schirach, der Enkel eines Nazi-Verbrechers, ist sehr spannend geschrieben. In der Geschichte geht es um einen Mord, dessen Ursache lange in der Vergangenheit zurück liegt.
F. V. Schirach ist ein großartiger Erzähler.
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am 16. September 2011
... ist einfacher zu lösen, als es zunächst vielleicht den Anschein hat. Schirach ist ein knapper, lakonischer Erzähler, der dort am effektivsten ist, wo die gewählte literarische Form dem Inhalt entspricht. Kein Wunder, dass er mit seinen beiden Kurzgeschichtenbänden groß herauskommen konnte.

Mit dem jetzt vorliegenden Roman hat er sich nicht unbedingt einen Gefallen getan. Das Genre liegt Schirach nicht besonders. Zu merken ist dies an vielen Einzelheiten. Da sind zum einen die Figuren, die seltsam flach und reißbrettartig wirken. Natürlich hat jeder seine eigene Kontur und die altmodische Patina, die über allem liegt, hat (mir zumindest) recht gut gefallen. Aber wirkliche Menschen aus Fleisch und Blut sind diese Überbleibsel des 19. Jahrhunderts allesamt nicht. Hier agieren Prinzipien und keine Charaktere mit Widersprüchen und Kanten. Besonders sinnfällig wird dies bei der Person des Täters Fabricio Collini. Er ist einfach kein Henker. Und was man als Leser eines kürzeren Textes möglicherweise als Aufgabe noch akzeptieren würde, nämlich sich die Beweggründe des Täters z. T. selbst zu denken, ist für den Roman als Gattung keine Lösung. Hier wollen wir ja gerade in die gern auch komplizierte Psyche eines Täters eintauchen.

Bliebe also noch die juristische Komponente des Falls. Die Sache mit der kleinen unauffälligen Gesetzesänderung, die so viele Straftäter des NS Regimes saniert hat, ist interessant. Leider vergibt Schirach aber auch hier eine Chance. Ausgerechnet diesen Umstand handelt er fast nebenbei ab. Als Nicht-Jurist hat man Mühe, die Zusammenhänge ganz zu verstehen.

So bleibt nach der Lektüre die Frage, warum man diesen Roman eigentlich gelesen haben sollte.
Ich weiß es nicht.
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am 10. Oktober 2011
Ich habe mich auf den ersten Roman von Schirach gefreut und ihn als eines der ersten Bücher überhaupt auf meinen Reader herunter geladen. Doch obwohl der Autor was Stil und Handlung betrifft, auf den ersten Blick eigentlich alles richtig gemacht hat, kam dennoch keine rechte Freude bei mir auf. Ich habe einige Zeit lang darüber nachgedacht weshalb, und kann nur sagen, dass mich zuletzt der Handlungsverlauf nicht wirklich überzeugte.
Obwohl dieses Buch ganz sicher über dem Durchschnitt des Krimigenres rangiert, fehlt ihm dennoch die kühle Härte und Objektivität der beiden ersten Schirach Bücher. Dennoch hat "Der Fall Collini" bestimmt seine vier Sterne verdient.
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Fabrizio Maria Collini ist ein höflicher Mann, geboren und aufgewachsen in Italien und seit über 30 Jahren in Deutschland beim Automobilhersteller Daimler tätig. Fabrizio Maria Collini ist über siebzig Jahre alt, als er in der Brandenburg Suite im Berliner Hotel Adlon den Industriellen Jean-Baptiste Meyer ohne viele Worte erschießt und dann auf die Polizei wartet. Ihm wird als Pflichtverteidiger der junge Anwalt Caspar Leinen zur Seite gestellt, der hungrig und neugierig auf seinen ersten Fall wartet - nichtsahnend, dass es ausgerechnet um den Mordfall an seinem alten Familienfreund Meyer geht. Doch obwohl ihm davon abgeraten wird und die Schuld so klar erscheint, obwohl Collini sich schuldig bekennt und keine weiteren Angaben zu seinem Motiv machen möchte - Caspar Leinen spürt, dass hier etwas nicht stimmt und gräbt immer tiefer in der Vergangenheit von Opfer und Täter. Er kommt in seinen Ermittlungen Ereignissen auf die Spur, die den eigentlichen Mord völlig verblassen lassen ...

Ferdinand von Schirach ist selbst hauptberuflich Strafverteidiger in Deutschlands Hauptstadt. Nach zwei Kurzgeschichtensammlungen wartet er nun mit einem längeren Fall auf, der es allerdings in sich hat und die deutsche Schuldfrage erneut aufwirft. Schirach weiß mit wenigen und klaren Worten zu erschüttern und reißt den Leser mit jeder Seite tiefer in den Abgrund der menschlichen Machenschaften. Er spart sich als Autor jegliches unnötige Wort, jedes Ausschmücken und trifft uns trotzdem dank sprachlicher und inhaltlicher Präzision bis ins Mark!

Der deutsche Philosoph Manfred Hinrich hat geschrieben: "Schuld stirbt in Vergebung oder tötet." Ferdinand von Schirach hat sich für die letzte Möglichkeit entschieden und weiß damit den Leser in einem spannenden und stilistisch nahezu perfekten Kriminalroman zu begeistern. Einer der für mich größten deutschen Autoren der gegenwärtigen Kriminalliteratur, was er auch mit diesem Roman wieder bewiesen hat.
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am 31. Dezember 2011
Lakonie (Wortkargheit) ist der erste Begriff, der mir zu den Büchern von Ferdinand von Schirach einfällt. Lakonisch erzählt der Autor von den schrecklichsten Verbrechen - diese einfache Grundrezeptur scheint mir der Grundstein seines Erfolges zu sein.

Diese Rezeptur ist aber auch die einzig echte originelle Leistung von Schirachs. Ansonsten schöpft er aus dem Erfahrungsfundus seiner beruflichen Praxis und (hier) aus der Historie des dritten Reichs, was sich (für ihn) scheinbar durch seinen Namen zu ergeben scheint (Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger in Berlin und Enkel der NS-Größe Baldur von Schirach).

Die oben genannte Grundrezeptur hat gut funktioniert für die kleinen Texte, die von Schirach in den Bänden "Schuld" und "Verbrechen" veröffentlicht hat. Der "Leser der ersten Ordnung" (Umberto Eco) gruselt sich ob der in den Texten dargestellten Verbrechen, die in einfachen Worten geschildert werden, der "Leser der zweiten Ordnung" erfreut sich an den vielen Leerstellen, die von Schirachs Lakonie mit sich bringen. Insofern ist jene Skizzen- und Chiffrenhaftigkeit eine extrem verführerische Sache - sowohl für den Leser als auch den Autor.

Indes: Lakonie als Stilmittel kaschiert geschickt erzählerische Defizite, die bei Kurztexten nicht weiter ins Gewicht fallen. Gleichzeitig ermöglicht sie dem Leser ein hohes Lesetempo und damit auch eine gewisse (Lese-)Oberflächlichkeit: Man ist sehr schnell "fertig" mit von Schirachs Texten. Die "Füllung" der o.g. Leerstellen sind abhängig von dem Lese- und Erfahrungsschatz des jeweiligen Lesers - es entsteht eine gewisse Beliebigkeit.

Nun wagt sich von Schirach mit "Der Fall Collini" an die Großform Roman. Mir will Lakonie als Stilmittel für einen Roman nicht hundertprozentig einleuchten. So gibt es Stellen im Buch, bei denen ich mir detaillierte Schilderungen gewünscht hätte: z.B. bei den Recherchen der Hauptfigur Leinen in Ludwigsburg oder bei der Charakterzeichnung der Figur des Fabrizio Collini (man erfährt eigentlich nur, dass er sehr groß ist und von Beruf Werkzeugmacher).

Dennoch ist von Schirach ein lesenswerter und spannender Justizroman gelungen, der darüber hinaus juristische Fragen hinsichtlich des Umgangs mit Kriegsverbrechen berührt. Indes: Obwohl ich den Roman mit einigem Vergnügen gelesen habe, bin ich nach der Lektüre auch komplett "fertig" mit der darin erzählten Geschichte.
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