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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Recht und Gerechtigkeit bei Verbrechen im Dritten Reich
Der Fall Collini: Roman

Bibliographisches:
' erschienen im September 2011 im Piper Verlag
' umfasst 199 Seiten, Hardcover Ausgabe

Zum Autor:
Ferdinand von Schirach wurde 1964 in München geboren. Schirach studierte in Bonn. Sein Referendariat absolvierte er in Köln. Nach erfolgreichem Abschluss ließ er sich als Anwalt...
Vor 22 Monaten von kerstin schulz veröffentlicht

versus
30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein großartiger Erzähler! Aber ein wichtiges Buch
"Ein grossartiger Erzähler!" steht auf dem Rücken des Buches, ein Zitat aus einer Spiegel-Rezension. Leider stimmt das nicht. Ferdinand von Schirach ist Rechtsanwalt und mag Interessantes aus seinem Fachgebiet und seinem Erfahrungsschatz zu berichten haben. Zu Literatur machen kann er das nicht.

Der Inhalt des Buches klingt vielversprechend: Caspar...
Veröffentlicht am 4. Oktober 2011 von Stefan


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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Recht und Gerechtigkeit bei Verbrechen im Dritten Reich, 13. Juni 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Fall Collini: Roman

Bibliographisches:
' erschienen im September 2011 im Piper Verlag
' umfasst 199 Seiten, Hardcover Ausgabe

Zum Autor:
Ferdinand von Schirach wurde 1964 in München geboren. Schirach studierte in Bonn. Sein Referendariat absolvierte er in Köln. Nach erfolgreichem Abschluss ließ er sich als Anwalt 1994 nieder. Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger und gilt als Anwalt von Prominenten. Zu seinen Klienten zählen solche Persönlichkeiten wie Schabowski und Klaus Kinski. Besonders seine Strafanzeigen gegen den BND und den Berliner Datenschützer machten Ferdinand von Schirach auch in den Medien bekannt.
Sein erstes Buch, das er 2009 herausbrachte, wurde sofort ein Erfolg. Es ist eine Sammlung von Fällen aus seiner Kanzlei, die er in Form von Kurzgeschichten zusammengetragen hat. Bereits ein Jahr später folgte sein zweites Buch. Auch in diesem widmet er sich wiederum dem Alltag eines Strafverteidigers.
Mit seinem bisher letzten Buch 'Der Fall Collini' gelang es dem Autor auch in der Bundesrepublik einen Anstoß zum Umdenken einzuleiten. So wurde unmittelbar nach dem Erscheinen seines Buches eine Kommission im Bundesjustizministerium ins Leben gerufen, die sich explizit mit der Aufarbeitung von NS-Verbrechen beschäftigen soll. Von der Bundesjustizministerin selbst wurde bei dieser Entscheidung auf von Schirachs Buch verwiesen.

Zum Inhalt:
Im Berlliner Hotel Adlon wird ein deutscher Industrieller auf brutale Weise ermordet. Der Täter Fabrizio Collini wartet nach seiner Tat auf seine Festnahme durch die Polizei im Foyer des Hotels. Er gesteht die Tat, schweigt jedoch über sein Motiv. Der junge und noch unerfahrene Anwalt Caspar Leinen soll die Pflichtverteidigung des Beschuldigten übernehmen. Doch schon kurz nach Beginn der Ermittlungen gerät der junge Anwalt in Gewissenskonflikte, als er erfährt, dass das Opfer der Großvater seines besten Freundes ist, bei dem er auch die schönsten Jahre seiner Kindheit und Jugend verbracht hatte. Dennoch stellt er sich der Herausforderung. Der Angeklagte schweigt sich vehement über sein Motiv aus. Doch der Fall scheint eine Wendung zu nehmen, als Caspar Leinen eine Verbindung zum Nationalsozialismus herstellen kann. Der scheinbar so klare Mordfall wird im Laufe der Verhandlungstage mehr und mehr zum Politikum, das zum Umdenken aller Verfahrensbeteiligten führt. Doch ein endgültiges Urteil kann nicht gefällt werden, da sich Fabrizio Collini kurz vor der Urteilsverkündung in seiner Zelle das Leben nimmt.

Sprachliche Gestaltung und Umsetzung der Thematik:
Der Autor überzeugt mit seiner erzählerischen Meisterschaft. Er führt den Leser detailgetreu in den Fall ein. Der Leser wird zum Teil der Ermittler. Ungeschönt beschreibt er sowohl die Obduktion der Leiche als auch die Vorkommnisse im zweiten Weltkrieg. Da braucht es schon eine recht harte Schale, um nicht einfach mit dem Lesen abzubrechen. Doch auch wenn man an seine Grenzen als Leser gerät, man muss einfach wissen, wie sich der Fall weiter entwickelt. Auch wenn der Mord auf den ersten Blick sehr brutal erscheint, so wird im Laufe des Buches die Sympathie für den Verbrecher größer, da die ganze menschliche Tragödie des Falles Schritt für Schritt dargestellt wird. Dem Autor geht es anscheinend nicht vorwiegend um die Lösung und Aburteilung eines Mörders, sonder vielmehr steht das Motiv des Mordes im Vordergrund. Der Leser selbst wird durch den Schreibstil Schirachs zum eigenen Standpunkt geführt. Wie urteile ich über einen Menschen, dem keine Gerechtigkeit zu Teil wurde? Was ist Selbstjustiz? Ist Selbstjustiz in jedem Fall zu verurteilen? Diese und viele andere Fragen werden beim Leser ausgelöst. Eine Antwort darauf zu finden ist bei der Fülle der Fakten, die der Fall hervorbringt, kaum möglich. Der Selbstmord des Täters lässt ein Urteil offen und ein jeder Leser mag selbst ein Urteil fällen.
Obwohl es sich hier um einen Justizroman handelt, versteht es der Autor, den Fall so zu erzählen, dass der Leser sich gut eindenken kann und Teil der Handlung wird. Durch seinen Stil drängt Schirach den Leser geradezu zu einer persönlichen Position in diesem Fall. Und wie auch bei dem Anwalt, der Richterin und dem Staatsanwalt erfolgt beim Leser ein Wechsel des Standpunktes. Der eigentlich offene Schluss, der recht abrupt erfolgt, führt zu einem weiteren Nachdenken über die Frage der Gerechtigkeit in unserem Staat, ja über die gerechte Urteilsfindung nach dem zweiten Weltkrieg.

Persönliche Meinung :
Von der ersten bis zur letzten Zeile des Romans stand ich unter Schock. Grausamkeit auf jeder Seite. Oftmals an die Grenzen des Erträglichen konnte ich dennoch das Buch kaum aus der Hand legen. Selten habe ich so viel Mitleid mit einem Angeklagten empfunden, auch wenn die Tat zu verurteilen ist. Doch wie lange kann ein Mensch rechtliche Ungerechtigkeit ertragen und das auch noch immer im Namen des Volkes. Ist es nicht vom menschlichen Standpunkt her nachvollziehbar, dass sich Opfer ' und als solches muss Fabrizio Collini gesehen werden ' irgendwann zum Täter wandeln, wenn ihnen der Justizapparat Gerechtigkeit und Sühne verwehrt?
Thematik und Erzählweise machen das Buch zu einem in jedem Falle lesenswerten Buch. Auch das Weiterdenken nach dem Buch ist garantiert und in unserer Gesellschaft durchaus vonnöten.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen (UN)SCHULD?, 31. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
In einem Berliner Luxushotel erschiesst der Rentner Fabrizio Collini einen alten Mann in dessen Zimmer und zertritt dessen Gesicht beinahe bis zur Unkenntlichkeit. Völlig grundlos, wie es scheint. Anschliessend lässt er sich widerstandslos festnehmen und gesteht die Tat, schweigt sich jedoch beharrlich über sein Motiv aus. Der junge Anwalt Caspar Leinen bekommt die Pflichtverteidigung zugewiesen, obwohl der Täter diese ablehnt, da er von der Justiz nichts erwartet. Was für Leinen wie eine vielversprechende Karrierechance aussieht, wird zu einem Alptraum, als er erfährt, dass er praktisch mit der Familie des Toten - einem der reichsten Unternehmer Deutschlands - aufgewachsen ist und der Ermordete für ihn wie eine Vaterfigur war. Trotz schwerer Gewissenskonflikte, seiner Befangenheit und wohl wissend, dass er mit der Verteidigung seine wunderbare Kindheit zerstört, übernimmt Leinen das Mandat. Ihm ist klar, dass er den Prozess verlieren wird, bis er anhand der Tatwaffe auf eine Spur stösst, die weit über den Fall hinausgeht und eine erschreckende Phase deutscher Justizgeschichte aufdeckt.

Fazit: Der kurze, linear erzählte Gerichtskrimi beruht auf einem wahren Fall, den der Autor verfremdete und literarisch verdichtete. Von Schirachs Sprache ist karg, schmucklos und von sachlicher Distanz - beinahe protokollartig. Seine Erzählweise kommt ohne Tiefgang, mäandernde Nebenhandlungen und Ausschmückungen aus - mit Ausnahme der unnötig detaillierten Schilderung bei der Obduktion. Auch die Figurenzeichnungen beschränken sich aufs Notwendigste. Umso mehr erstaunt es deshalb, wie es dem Autor trotz seines betont minimalistischen rhetorischen Gestus' gelingt, eine gewisse Anteilnahme und Atmosphäre zu erzeugen, aus staubtrockenen Gerichtsakten eine berührende Lebensgeschichte zu schaffen und mit seiner unterkühlten, emotionslosen Sprache dem Leser Sätze von bestürzender Amoralität wirkungsvoll einzuhämmern.
Obwohl Collini der Mörder ist, tritt er im Verlaufe des Romans kaum in Erscheinung und bleibt Nebenfigur. Leinen bekommt als einziger einige Konturen. Wie von Schirach in einem Interview erklärt, wollte er wissen, ob sich eine so komplizierte juristische Sache überhaupt interessant erzählen lässt, denn es geht ihm nicht um die Suche des Mörder, sondern um die Frage des Motivs. Vor allem aber wollte er auf ein dunkles Kapitel deutscher Justizgeschichte hinweisen. Die Hälfte des Romans nehmen die Vorbereitungen zum Prozess ein. Erst im Zuge der Auflösung steigt die Spannung etwas. Interessant wird es vor allem, wenn von Schirach das Prozedere im Gerichtssaal und die Feinheiten der Gesetzgebung schildert. Dabei macht er keine Wertungen und ergreift auch nicht Partei, weist jedoch darauf hin, dass Rechtsauffassung und gesellschaftliche Moral nicht starr sind, sondern sich im Lauf der Zeit verändern. Die zentrale Frage jedoch nach Schuld und Unschuld, Recht und Unrecht überlässt der Autor ganz dem mündigen Leser.
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52 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegend, rührend und aufrüttelnd, 2. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schon auf der zweiten Seite des Buches wir nicht nur dem Leser, sondern auch den Beteiligten des Romans unmissverständlich klar, dass Fabrizio Collini den fünfundachtzigjährigen Jean-Baptiste Meyer in seinem Hotelzimmer in Berlin ermordet hat. Nach der grausam ausgeführten Tat stellt sich Collini sofort der Polizei und steht zu der Tat. Ansonsten äußert sich der stille Collini nicht. Auch der ihm zugteilte junge Pflichtverteidiger Caspar Leinen, der seinen ersten Prozess mit diesem Fall erhält, kann seinem Mandanten keine Angaben zu dessen Motiv für das Kapitalverbrechen entlocken. Zudem muss sich Caspar Leinen die Frage nach der Aufrechterhaltung seiner Pflichtverteidigung stellen, als er erkennen muss, dass er persönlich näher mit dem Fall verbunden ist, als es ihm lieb ist.
Doch als die an sich unumstrittene Sachlage vor Gericht eine klare Entscheidung vorausahnen lässt, hat Anwalt Leinen eine Initialzündung, der er während einer zehntägigen Verhandlungspause nachgeht.
Die erschütternden Ergebnisse der Recherche bringen eine Wendung im Prozess.

Obwohl der Leser als auch alle Beteiligten von Anbeginn den Mörder kennen, bleiben der Fall und dessen Ermittlungen über den gesamten Verlauf spannend.
Die ungeklärte Frage nach dem "Warum?" muss beantwortet werden und treibt den Leser und die Ermittler weiter voran, während Collini indes freundlich aber still bleibt.
Als Leser wird man förmlich in den Roman hineingezogen und begleitet den Anwalt Leinen bei seiner Arbeit.

Fazit: Ein lesenswertes Buch, was neben Einblicken in die Abläufe und Aufgaben der Justiz, aber auch die Frage nach den Hintergründen legislativer Entscheidungen und deren moralische und ethische Rechtfertigung aufwirft. In letzter Konsequenz zeigt der beschriebene und dahinter stehende Sachverhalt das schreiende Unrecht und den Wahnsinn dieser fallbezogenen realen Gesetzgebung.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Parabel mit kleinen Schwächen, 30. Januar 2012
Von 
Susanne Preusker "SP" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Fall Collini - nach meinem Verständnis und Empfinden eher eine Parabel als ein Roman, wirft das Buch vor historischem Hintergrund doch Fragen auf, die den Leser nachhaltig beschäftigen können: Fragen nach dem Verhältnis von Schuld und Vergeltung, Fragen nach der Fehlbarkeit des Rechtssystems und seiner Protagonisten, Fragen nach der Legitimation unrechten Verhaltens. Und der Verfasser entlässt den Leser nicht aus der Verantwortung, die Anworten selber zu erdenken und Stellung zu beziehen. Dennoch bleibt angesichts des Endes ein ratlos fader Nachgeschmack; ich zumindest als juristischer Laie hätte mir eine abschließende richterliche Wertung sehr gewünscht. Auch einige Nebengleise der Handlung wären für meinen Geschmack entbehrlich gewesen. Von Schirachs sprachlich-stilistische Stärke ist, wie seine Kurzgeschichten eindrucksvoll belegen, die präzise, nüchterne Sachverhaltsschilderung, weniger das schmückende Beiwerk, seine Stärke ist die kühle Beschreibung, nicht die emotionsgeladene Dichtung oder gar die feinsinnige Zeichnung von Charakteren. Aber trotz dieser Schwächen: Den Fall Collini zu lesen, lohnt allemal.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Fall Collini, 29. August 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
Auch dieses Buch von Ferdinand von Schirach, der Enkel eines Nazi-Verbrechers, ist sehr spannend geschrieben. In der Geschichte geht es um einen Mord, dessen Ursache lange in der Vergangenheit zurück liegt.
F. V. Schirach ist ein großartiger Erzähler.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein spannender Kriminalroman, 18. November 2011
Von 
J. Winterfeldt (Bielefeld) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Der Roman wird auf spannende Art und Weise vorgetragen. Man bekommt das Gefühl der Unmittelbarkwit vermittelt, wobei der Schauspieler nicht außen vor bleibt. sondern den Roman interpretierend vorliest.
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30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein großartiger Erzähler! Aber ein wichtiges Buch, 4. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Ein grossartiger Erzähler!" steht auf dem Rücken des Buches, ein Zitat aus einer Spiegel-Rezension. Leider stimmt das nicht. Ferdinand von Schirach ist Rechtsanwalt und mag Interessantes aus seinem Fachgebiet und seinem Erfahrungsschatz zu berichten haben. Zu Literatur machen kann er das nicht.

Der Inhalt des Buches klingt vielversprechend: Caspar Leinen, ein junger Anwalt, der die Pflichtverteidigung für einen brutalen Mörder übernimmt, der nie straffällig war und dessen Motive völlig unklar sind. Das Opfer: Der Großvater von Caspar Leinens bestem Freund. Und schließlich führt alles zurück "in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte", wie der Bucheinband verspricht. Man fragt sich fast, wie all das auf nur 193 Seiten entwickelt werden soll. Man erwartet die atemlose Lektüre eines Krimis, der nicht nur spannend ist, sondern auch einen bislang unbeachteten Sachverhalt der jüngeren deutschen Justizgeschichte interessant verarbeitet.

Letzteres tut von Schirach auch, aber erst nach 120 Seiten. Hier, wenn schon mehr als die Hälfte des Buches vorüber ist, wird es interessant. Davor: Viel Langeweile statt Atemlosigkeit. Schirach schien hier das dringende Bedürfnis gehabt zu haben, die eigene Berufserfahrung zu verwursten. Er hätte sich nur manchmal fragen müssen, ob das, was er schreibt, dem Roman überhaupt dient. Immer wieder völlig unnötige Beschreibungen wie diese: "Unten, aus dem Geschäft gegenüber, kam ein Mann mit seinen Einkäufen, er rutschte aus, fing sich, musste die Tüten loslassen, kleine orangene Schachteln fielen in den Schnee." An einer Stelle liest man: "Der Justiziar sagte immer weiter Sätze, die in solchen Besprechungen immer gesagt werden: 'Da bin ich ganz bei Ihnen', 'Das entscheiden wir zeitnah' und 'Wir bleiben in Kontakt'."
Warum lässt er seine Figuren dann solche Sätze nicht in guten Dialogen sagen? Schirachs 'großartige Erzählkunst' erschließt sich mir nicht. Man kann ihm zwar nicht vorwerfen, dass er nicht wüsste, wie man schreibt. Aber ein großartiger Erzähler hätte aus diesem Stoff mehr gemacht.
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53 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Fall Schirach ..., 16. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
... ist einfacher zu lösen, als es zunächst vielleicht den Anschein hat. Schirach ist ein knapper, lakonischer Erzähler, der dort am effektivsten ist, wo die gewählte literarische Form dem Inhalt entspricht. Kein Wunder, dass er mit seinen beiden Kurzgeschichtenbänden groß herauskommen konnte.

Mit dem jetzt vorliegenden Roman hat er sich nicht unbedingt einen Gefallen getan. Das Genre liegt Schirach nicht besonders. Zu merken ist dies an vielen Einzelheiten. Da sind zum einen die Figuren, die seltsam flach und reißbrettartig wirken. Natürlich hat jeder seine eigene Kontur und die altmodische Patina, die über allem liegt, hat (mir zumindest) recht gut gefallen. Aber wirkliche Menschen aus Fleisch und Blut sind diese Überbleibsel des 19. Jahrhunderts allesamt nicht. Hier agieren Prinzipien und keine Charaktere mit Widersprüchen und Kanten. Besonders sinnfällig wird dies bei der Person des Täters Fabricio Collini. Er ist einfach kein Henker. Und was man als Leser eines kürzeren Textes möglicherweise als Aufgabe noch akzeptieren würde, nämlich sich die Beweggründe des Täters z. T. selbst zu denken, ist für den Roman als Gattung keine Lösung. Hier wollen wir ja gerade in die gern auch komplizierte Psyche eines Täters eintauchen.

Bliebe also noch die juristische Komponente des Falls. Die Sache mit der kleinen unauffälligen Gesetzesänderung, die so viele Straftäter des NS Regimes saniert hat, ist interessant. Leider vergibt Schirach aber auch hier eine Chance. Ausgerechnet diesen Umstand handelt er fast nebenbei ab. Als Nicht-Jurist hat man Mühe, die Zusammenhänge ganz zu verstehen.

So bleibt nach der Lektüre die Frage, warum man diesen Roman eigentlich gelesen haben sollte.
Ich weiß es nicht.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannendes Buch, 10. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Kindle Edition)
Dieser Roman wird ohne Kitsch und Schnörkel gerade heraus erzählt. Man erkennt deutlich die klaren Linien eines Anwalts. Die gerade einmal 200 Seiten habe ich an einem Nachmittag aufgefressen. Das Thema ist und bleibt spannend und aktuell. Definitiv ein Buch, dass man gelesen haben sollte. Klassiker-verdächtig!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schnörkellos und packend, 8. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Kindle Edition)
Caspar Leinen hat vor vier Wochen sein 2. Staatsexamen absolviert. Sein erster Fall ist die Pflichtverteidigung des unauffälligen Rentners Fabrizio Collini, der einen angesehenen deutschen Industriellen geradezu hingerichet hat. Für alle Beteiligten sieht es nach einem klaren Fall aus, der schnell abgewickelt werden wird, besonders, weil der Angeklagte sich über sein Motiv hartnäckig ausschweigt. Leinen, ein idealistischer aber der unerfahrener junger Anwalt hat so gut wie keine Chance den Fall zu gewinnen. Als sich noch dazu herausstellt, dass der Tote ein enger Freund seiner Familie war, will Leinen die Pflichtverteidigung niederlegen. Doch dann kommt alles anders. Er behält den Fall und macht eine Entdeckung, die nicht nur sein Leben verändern wird.
Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, denn die Story hatte mich nach den ersten drei Sätzen gepackt. Der knappe und schnörkellose Schreibstil von Schirachs passt zu diesem Gerichtskrimi, der nicht nur Einblicke in die Arbeit von Gerichten und Anwälten bietet, sondern auch erhellt, nach welchen Prinzipien Rechtsprechung bei uns funktioniert. Die Geschichte wartet mit vielen überraschenden Wendungen auf und spielt im Grunde auf zwei Ebenen, der Gegenwart und der Vergangenheit, die meisterhaft miteinander verknüpft werden. Ein Happy End gibt es nicht, eher ein nüchtern verhaltenes Ende, aber etwas anderes hätte auch nicht gepasst.
Sehr negativ ist mir aufgefallen, dass im Ebook nahezu jede Silbentrennung falsch war und den Lesefluss erheblich gestört hat. Außerdem ist der am Ende zitierte Gesetzestext voller doppelter Satzfragmente. Hier hätte ich von einem großen Verlag mehr Professionalität erwartet. Da ich das aber nicht dem Autor und seiner großartigen Geschichte anlasten möchte, bleibt es bei 5 Sternen.
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Der Fall Collini: Roman
Der Fall Collini: Roman von Ferdinand von Schirach (Taschenbuch - 15. Januar 2013)
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