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5.0 von 5 Sternen Wunderbar negatives Weltbild, 15. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Hier kommt Michelle: Ein Campusroman (Taschenbuch)
Schon der Klappentext sagt, wie es um diesen Roman steht: Er ist

"larmoyant, verbittert, arrogant, ungerecht und unpsychologisch; er enthält Stereotypen, Versatzstücke, Gesellschaftskritik, Verhöhnungen, Polemik und ein negatives Weltbild."

In der Tat, Michelle, eine „reizende junge Abiturientin mit einem schmalen, flinken Körper, einer raschen Auffassungsgabe und einer ausgeprägten Schwäche für Katzen“ könnte es in vielfacher Ausführung geben. So wie sie sich durch die – analog zum modernen Unibetrieb „Module“ genannten – vier Kapitel arbeitet, ist sie der papiergewordene studentische Input in eine Universität, wo die Studenten nach credit points schnappen, die wissenschaftlichen Mitarbeiter nach Drittmitteln, ein Mensch in der Verwaltung nach Entlassungsgründen für Vertreter unrentabler Fachbereiche und der Rektor nach dem Titel „Elite-Universität“. In so einem sozialen Gehäuse muss doch eine Entwicklung der Heldin drin sein, und die Erzählerin verpasst sie ihr prompt: Michelle wird brav studieren, dennoch einiges verschlampen, ihre erste Arbeit „fußnoten- und kommafrei“ abgeben, sich bei ihren Eltern und einem flaumweicher, jugendlicher Haut zugetanen älteren Professor ausweinen, wenn die Note nicht in ihrem Sinne war, sie wird eine Liebeskrise erleben und schließlich doch noch lernen, wie man Essays über ungelesene Bücher schreibt. Als sie gar eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft ergattert, ändert sich auch ihr Streben: Wollte sie vorher „was mit Kindern“ machen, so findet sie jetzt in der Uni „einen Sinn im Leben, jedenfalls vorübergehend“. Der Bologna-Prozess frisst seine Kinder.

Oder liegt die Lesefreude an der Erzählerin, die sich „die Hände reibt“ angesichts ihrer Simplifizierung der eigenen Heldin? Die es überdies schafft, neben Michelle, diesem „liebenswerten, verletzlichen Mädchen“ einen herrlichen Kosmos an Unipersonal zu zeichnen - stellvertretend sei hier der Keltologe Georg Hahnel genannt, der als Vertreter einer Orchideenwisssenschaft mit ganzen siebzehn Studenten als erster entlassen wird und sich in einer köstlich geschriebenen Sexszene (keine halbe Seite lang) mit der Kollegin aus der Anglistik tröstet.

Das negative Weltbild passt zur (Uni-)Welt, und die Larmoyanz ist wunderbar ausgeschrieben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pnin nach der Bologna-Reform, 28. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hier kommt Michelle: Ein Campusroman (Taschenbuch)
Die Fortschreibung des Campusromangenre ist ins Stocken geraten. Bei Nabokov ("Pnin"), David Lodge ("Changing Places"), Javier Marías ("Aller Seelen") und selbst bei Schwanitz ("Der Campus") zeichnet sich das Leben an der Universität vor allem durch Narrenfreiheit aus: die Dozenten reiten ihre eigenen Hobby-Horses, Forschungsverbund ist noch ein Fremdwort, während die Studenten vor allem damit beschäftigt sind, die letzten entwicklungspsychologischen Stufen Richtung Erwachsenenalter zu bewältigen (erste Liebe, erste Drogen, erste echte Einsamkeit). All das gehört inzwischen ins Regal für "historische Fiktion". In Annette Pehnts Roman ist von den historischen Vorläufern lediglich die erotische Aufladung hierarchieübergreifender Beziehungen übrig geblieben. Die restliche Ausstattung des Genres ist der Wirklichkeit der Post-Bolognia-Universtät angepasst. In diese herzlose Welt, in der Narrenfreiheit ein Fremdwort ist, wird Michelle geworfen, eine junge schöne Studentin, die die Frage aufwirft, ob es vielleicht sie war, die Universität verdorben hat, oder ob der kausale Zusammenhang doch umgekehrt ist. Ein schöner, sehr lustiger Roman.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum reinlegen und drin suhlen, 16. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Hier kommt Michelle: Ein Campusroman (Taschenbuch)
"Hier kommt Michelle", was für ein hundsgemeiner Titel angesichts einer Michelle, die vom Ankommen so weit entfernt ist, dass ihr noch nicht einmal aufgefallen ist, dass sie noch gar nicht aufgebrochen ist. Und hundsgemein ist auch dieses Buch.
Die Michelles der deutschen Unis, die sich durch die Welt, durch ihr Leben führen lassen, ihre Gegenspieler, die lieber selbstbestimmt sitzenbleiben statt unfrei durchs Leben geschoben zu werden, die ekelerregend unterwürfigen und karrieregeilen Nachwuchsakademiker - bei Annette Pehnt kommt keiner ungeschoren davon. Wenn ihre Sprache die Maschinerie unserer Universitäten in Kleider aus bösem, hintergründigem Sarkasmus hüllt, kann ich nicht anders, als mich an dem Abgrund zu erfreuen, den sie uns vor Augen hält, und mich zu suhlen in dieser meisterhaften Verzerrung.

"Hier kommt Michelle" zählt mit Sicherheit zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe.
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Hier kommt Michelle: Ein Campusroman
Hier kommt Michelle: Ein Campusroman von Annette Pehnt (Taschenbuch - 12. November 2012)
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