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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krankheit, Tod und Leben
'Dein ganzes Leben, Shepherd, dreht sich doch nur um Geld!'.

Ein relativ vernichtendes Urteil, welches umso massiver im Raume steht, da es von der eigenen Ehefrau, Glynis, in den Raum geworfen wird. Und vor allem hat sie Recht. Einerseits. Andererseits auch nicht. Denn Shepherd hat einen Entschluss gefasst. Er will etwas stehlen. Er will etwas aus seinem...
Veröffentlicht am 15. April 2011 von M. Lehmann-Pape

versus
10 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Typisch amerikanisch
Ich habe das Buch aufgrund der Tatsache gekauft, dass durchgängig 5 Sterne vergeben worden sind und mich die Themtatik sehr interessiert. Ich kann mich der guten Kritik aber leider nicht anschliessen. Viele Male wollte ich das Buch aus der Hand legen, da es sich außerordentlich zäh las. Aus Neugier habe ich dann durchgehalten und immerhin die letzten...
Veröffentlicht am 26. Dezember 2011 von Ignaz


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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krankheit, Tod und Leben, 15. April 2011
'Dein ganzes Leben, Shepherd, dreht sich doch nur um Geld!'.

Ein relativ vernichtendes Urteil, welches umso massiver im Raume steht, da es von der eigenen Ehefrau, Glynis, in den Raum geworfen wird. Und vor allem hat sie Recht. Einerseits. Andererseits auch nicht. Denn Shepherd hat einen Entschluss gefasst. Er will etwas stehlen. Er will etwas aus seinem eigenen Leben stehlen. Sich selbst.

Die Firma verkauft, keine immensen Reichtümer gesammelt, doch genug, um an einem dritte Welt Ort auf dieser Welt gut zu leben, nichts mehr schaffen zu müssen, Zeit zu haben, Zeit zu finden. Drei Tickets hat er gekauft. Auch seine Frau und seinen Sohn hat er, nach außen hin, mit bedacht. Nur nach außen hin, denn er geht davon aus, dass er alleine gehen wird, seine Familie diesen Weg nicht mittragen will (wie so manches nicht mitgetragen wurde innerlich).

Und er hat recht vermutet. Und wieder auch nicht. Nein, seine Frau wird ihn nicht begleiten. Würde sie auch bei bester Gesundheit nicht. Aber sie ist nicht gesund, sondern auf den Tod erkrankt und das Geld, was auf dem Konto liegt, in Amerika mit seinem teuren Gesundheitssystem reicht es wohl gerade für die notwendigen Behandlungen.

Mit diesen sprachlich mitreißend, ironisch, wundervoll geschriebenen Einblicken in das Innenleben Shepherds, einen kurzen Blick auf seine Geschichte und die nun neu sich ergebenden Umstände einer Ehe und Familie, die in Sprachlosigkeit und innerer Distanz schon längst angelangt war, setzt Lionel Shriver den Leser unmittelbar und umgehend mitten hinein in einen Roman der gemeinsamen Entwicklung ihrer Protagonisten par excellence.

Der nun beginnende Kampf um das Leben und gegen die Krankheit, die Veränderung aller äußeren Pläne, führt vor allem zu einem ganz anderen Innenerleben. Knirschend erwachen Räder des Miteinanders, der eigenen Gedanken, der eigenen Unzulänglichkeiten, die im bisher wie geölt laufenden äußeren Leben der Figuren nie wirklich Platz hatten. Ungeschminkt, ohne Abstand oder Ummäntelungen gelingt es Shriver, ein nicht kalt lassendes Psychogramm ihrer Figuren samt deren Freunde und Bekannten in den Raum zu setzen, dass einerseits die moderne Welt mit ihren vielfachen Egoismen und Entfremdungen lebendig vor Augen stellt und andererseits auch das Altertümliche des Findens zueinander und des Entfaltens starker Gefühle zu beschreiben weiß. Gerade die Figur der Glynis trägt einen immer stärker werdenden Part im Buch. Nicht als verhuschte und verweinte Todkranke, sondern als direkte, spitzzüngige, fast boshaft zu nennende Frau, die nun kein Blatt mehr vor den Mund nimmt. Und doch auch eine Entwicklung zur Versöhnung hin erfahren wird.

In einem Umfeld, in dem eine schlechte Nachricht nun die nächste jagt und die glatten Fassaden der Familie und der Freunde so brüchig werden, dass das wahre Leben hinter den Fassaden sich brachial Bahn bricht. Ein Umfeld und Umstände, die den Leser dennoch (aber auf die harte Weise) am Wachsen des Mannes Shepherd teilnehmen lassen und damit in den Raum setzt, zu welch Umwälzungen und Wachstum der Mensch im guten Sinne auch fähig ist- Wohl aber tatsächlich nur, wenn das Leben mit Macht die gewohnten Lebensrichtungen aus der Bahn bringt. Und vielfach Kontakte einfach versickern.

Auch wenn die Geschichte eine der Krankheit, des Abbrechens, des Sterbens, des Betruges und der Enttäuschungen ist, gelingt es Shriver im Kern doch, ein sprachlich hervorragendes und bestens den Menschen beobachtendes, gewichtiges Buch über das Leben zu schreiben mit einem bewegenden hoffnungsfreudigen Ende, nachdem die letzte Schaufel Erde in die Gräber des Lebens geworfen wurde. Gelingt ihr gerade deshalb, weil sie all die Tabus von Krankheit, Sterben und Tod, von Abwendung und Glaube, von rein materieller Welt und inneren Gefühlen direkt, klar und fassbar schildert. Wunderbar.
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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sensationell gut, 8. Mai 2011
Von 
Susanne Preusker "SP" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit "Dieses Leben, das wir haben" erzählt Lionel Shriver eine ungemein mutige Geschichte, die ihrem sensationellen Vorgänger "Wir müssen über Kevin reden" in nichts nachsteht. Sprachlich brillant, teilweise ironisch, aber nie albern, konfrontiert sie den Leser mit Fragen: Wie wertvoll sind unsere Träume? Wie verändern sich Menschen, wie Beziehungen unter dem Eindruck schwerster Schicksalsschläge? Wie verändert sich die Liebe? Ist glücklich, wer gesund ist? Ist unglücklich, wer krank ist? Wie kann man mit der Krankheit Krebs am besten umgehen? Gibt es ein "am besten" überhaupt, ein "richtig", ein "falsch"? Gelten diese Kategorien für den Erkrankten, seine Familie, seine Freunde? Gelten sie für diejenigen, die behandeln? Und schließlich: Was ist die richtige Behandlung? Wie sieht sie aus? Wie könnte sie aussehen? Und noch viele andere Fragen wären zu ergänzen. Wie gesagt - es ist ein mutiges Buch. Shriver traut sich, der schwerst Erkrankten despotische, gemeine, zynische, unsympathische Züge zu verleihen. Sie traut sich, Suizid als nachvollziehbare Flucht ins Jenseits zu beschreiben. Sie traut sich, die Egozentrik und Verlogenheit, aber auch die Hilflosigkeit einzelner Protagonisten und eines ebenfalls schwerst erkrankten Gesundheitssystems beim Namen zu nennen. Sie traut sich an Tabus, ohne ins pastoralpsychologische Lamentieren zu verfallen. Shriver verzichtet auf einen moralisch erhobenen Zeigefinger und greift statt dessen auf eine feine und dadurch unmißverständliche Beobachtungsgabe zurück. Sie beobachtet und beschreibt so fein im Sinne von detailgetreut und sachlich, dass es weh tut. Ein sensationelles Buch zum Lachen und Weinen und Nachdenken über ein Thema, das uns alle angeht: unser Leben.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das so dicht und facettenreich, so dramatisch und schön, so voller tiefer Erfahrungen steckt wie das Leben selbst, 13. Mai 2011
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Hier ist ein Buch anzuzeigen und zu würdigen, das so dicht und facettenreich, so dramatisch und schön, so voller tiefer Erfahrungen steckt wie das Leben selbst. Die amerikanische Autorin Lionel Shriver, die schon mit ihren letzten Büchern am deutschen Markt überzeugen konnte, teilt in ihrem neuen Roman den Lebensalltag und die Lebensträume, die enttäuschten Hoffnungen und die Seelenqualen von zwei Familien und ihren Mitgliedern und beschreibt in einer faszinierenden und sprachlich meisterhaften Weise ihre schlussendlich erfolgreichen Versuche, ihrem Leben und ihrem Lebensschicksal einen tieferen Sinn abzugewinnen, ohne ins Religiöse auszuweichen.

Da geht es um Shep und seine Frau Glynis. Shep hat vor vielen Jahren eine kleine Firma gegründet, in der von Anfang an auch sein bester Freund, Jackson mitgearbeitet hat. Nachdem Shep die Firma für eine Million Dollar verkauft hat, arbeiten beide als Handwerker weiter unter dem neuen Eigentümer Pogatchnik, der sie quält und piesackt, wo er kann. Während Shep ein eher ruhiger Mann ist, hört Jackson kaum einmal auf zu schimpfen über Gott und die Welt und vor allem über die schlechte Regierung, die den Leuten das Geld aus der Tasche zieht. Seine über ganze Absätze sich hinziehenden Tiraden hat Lionel Shriver zu einer subtilen Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen in den USA ausgebaut und sind gar köstlich zu lesen.

Shep hat den Verkaufserlös bei Merryl Lynch angelegt, selbstverständlich nachdem er eine Menge Steuern bezahlen musste. Mit seiner Frau Glynis, die eher weniger erfolgreich als Kunsthandwerkerin arbeitet, hat er schon seit Jahren immer wieder Reisen unternommen in die unterschiedlichsten Ländern der Welt um zu prüfen, in welchem sie nach einer Auswanderung einmal leben könnten. Während Glynis diese Reisen eher als Spaß sah, war es Shep all die Jahren sehr ernst damit. Und nun will er nach Pemba auswandern, einer Insel vor Tansania. Als er Glynis damit konfrontiert, sie zwingen will, sich sofort zu entscheiden, ob sie mitkommt oder nicht, erzählt sie ihm, dass sie eine schlimme, möglicherweise unheilbare Krankheit hat.
Sie leidet an einer jüdisch-degenerativen Erbkrankheit namens familiäre Dysautonomie. Die Erkrankung - auch als Riley-Day-Syndrome bekannt, nach den Entdeckern der Krankheit Riley und Day in 1949 - ist autosomal rezessiv vererbbar und betrifft fast ausschließlich ashkenasische Juden.

Shep ist sofort klar dass sein Traum vorbei ist, dass er die fast 800.000 Dollar auf seinem Konto verwenden muss für die erheblichen Behandlungskosten für seine Frau. In diesem Zusammenhang wird dem deutschen, rundum krankenversicherten Leser von der Autorin immer wieder aufgezeigt, mit welchen Forderungen seitens der Ärzte und Krankenhäuser selbst normal krankenversicherte Arbeitsnehmer in den USA bei einer solchen Krankheit sich konfrontiert sehen.

Sheps Konto schmilzt und auch sein Freund Jackson übernimmt sich finanziell weit über seine Grenzen hinaus und zerstört mit einer misslungenen, aber sündhaft teuren Penisvergrößerung nicht nur sein Sexualleben, sondern auch seine Ehe- und Familienleben. Sehr geschickt verwebt Lionel Shriver die Schicksale der beiden Familien, die am Ende auf eine Weise verschmelzen, wie man das nicht für möglich gehalten hätte.

Doch während die finanziellen Ressourcen abnehmen und der Traum vom 'Paradies' auf Eis gelegt ist, wächst etwas anderes, langsam und leise, gegen Ende dann noch einmal sehr konfliktreich, aber klärend und bereichernd. Durch die Pflege seiner Frau wird Shep zu einem anderen Menschen und ihre Beziehung wird tiefer. Während ein solches Leid eher eine Ehe zerstört - hier zeigt Shriver auf beeindruckende Weise, wie Menschen sich tapfer und mutig einem schweren Lebensschicksal stellen und mitten drin sogar noch so etwas hinbekommen wie eine positive Persönlichkeitsveränderung, die die Beziehung wachsen lässt.

"Dieses Leben, das wir haben" ist eine literarische Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben und Tod. Es ist ein Roman, der genau beobachtet und beschreibt, was mit Menschen geschieht, die mit einem solchen Schicksal konfrontiert sind. Besonders ihre Charakterisierung von Glynis, die im Laufe der Handlung immer mehr Raum gewinnt, als einer Frau , die, nüchtern und an manchen Stellen fast boshaft geworden durch ihre Krankheit, kein Blatt mehr vor den Mund nimmt. Doch auch sie, wie fast alle an der Handlung beteiligten Figuren, erfahren im weiteren Verlauf bis zu dem am Anfang unvorstellbaren, fast an ein Märchen erinnernden Ende, eine Art versöhnende Erlösung, diesseitig und absolut säkular.

"Dieses Leben, das wir haben" ist eine Lektüre, die einen fesselt, die einen mit hineinzieht in die Qualen, die Hoffnungen und die Enttäuschungen von Menschen, die mit schweren, letztlich unheilbaren Krankheiten konfrontiert sind. Und es ist eine Art Parabel auf die Bedeutung und den Stellenwert von Lebensträumen.

Lionel Shriver erzählt eine bewegende Geschichte mit viel Zärtlichkeit und Anteilnahme, sie ist immer ganz nah dran an ihren unterschiedlichen Figuren und lässt sie alle zu ihrem Recht kommen. Ihr Humor und ihr trockener Witz, mit dem sie die meisten ihrer Protagonisten ausgestattet hat, machen das Buch zu einem unterhaltsamen Vergnügen, das aber auf fast jeder Seite gepaart ist mit stummen Angeboten an den Leser, sich auch persönlich mit dem auseinanderzusetzen, was die handelnden Figuren erleben, erleiden und erträumen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Offen und ehrlich..., 8. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
...und deswegen nie trivial.

Das Buch hat mich bewegt - nicht wegen der Thematik einer heftigen Krankheit, die zum Tod führt oder der damit einhergehenden Dramatik.

Nein, es hat mich bewegt, weil es so schonungslos zeigt, wie wichtig es ist, einen Traum im Leben zu haben, auch manchmal von ihm loslassen zu können, ihn weiterzuleben, ihn gegen andere zu verteidigen oder ihn anderen zu ermöglichen. Dabei wird man durchaus auch durch Tiefen des Buches gezogen; manches erscheint langatmig, mithin nervig, aber es erzeugt dann genau die Stimmung, die man benötigt, um die Hauptpersonen zu verstehen oder man erkennt gerade, wie leicht man sich im ersten Moment ein Urteil erlaubt hat.

In Summe:
Das Buch hebt sich wohltuend ab von der Reihe der Werke über Krebs und seine Folgen für Familie und Erkrankten - es geht tiefer und erlaubt dem Leser, tief in sich hineinzuschauen und sich zu fragen, wie man es selbst getan hätte.

Wundervolles Zitat:
"Entscheidungen werden in Bruchteilen von Sekunden gefällt. Das Nicht-Entscheiden ist es, was so lange dauert."
Allein schon für solche Sätze ist das Buch die Anschaffung wert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die ungeschönte Wirklichkeit des Sterbens begleiten, 29. Dezember 2013
Von 
R.E.R. "R.E.R." - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Dieses Leben, das wir haben: Roman (Taschenbuch)
Das Jenseits bezeichnet den Ort außerhalb der Welt, in den man nach dem Tod eintritt. Als gläubiger Christ sagt man auch Himmelreich dazu. Für Shep Knacker ist das Himmelreich der Ort wo er den Rest seines Lebens verbringen will. Er hat sparsam gelebt, seine Firma mit Gewinn verkauft und jahrelang "Recherchereisen" unternommen um das richtige "Jenseits" zu finden. Mit Pemba, einer Insel vor der afrikanischen Küste von Sansibar, scheint er endlich fündig geworden zu sein. Die Tickets sind gebucht, die Koffer gepackt, der Job gekündigt als seine Frau ihn mit einer tragischen Diagnose konfrontiert.

Ich bin durch einen Tipp aus der Süddeutschen Zeitung auf das Buch gestoßen. Auf einer Doppelseite empfahlen SZ Autoren Weihnachtsgeschenke. Der kurz skizzierte Inhalt machte mich neugierig. In "Das Leben das wir haben" geht es um zwei Paare, die auf ganz unterschiedliche Weise mit Krankheit und Tod konfrontiert werden. Dazu kam, dass ich die Autorin bereits von ihrem beeindruckenden Roman "Wir müssen über Kevin reden" kannte.

Shep hat durch den Verkauf seiner Firma ein Vermögenskonto angelegt, dessen Wert sich am Anfang der Geschichte auf knapp 800.000 Dollar beläuft. Der Krankheitsverlauf seiner Frau wird anhand der sinkenden Zahlen auf diesem Konto verdeutlicht. Sheppard ist zwar durch seinen Arbeitgeber, vor dem er zu Kreuze kriecht um seinen Job wieder zu bekommen, krankenversichert. Allerdings ist die Versicherung eine "jener Albträume" bei denen nur die notwendigste Grundversorgung abgedeckt ist und jede Sonderbehandlung zuzahlungspflichtig. In Glynis Fall einer äußerst seltenen und schwer behandelbaren Krebsform, kommt dies dem persönlichen Ruin gleich.

Carol und Jackson, die Freunde von Shep und Glynis, haben ein unheilbar krankes Kind. Ihre Tochter Flicka ist an familiärer Dysautonomie erkrankt. Hauptmerkmale dieser seltenen Gen-Erkrankung sind extreme Blutdruckschwankungen, fehlende Tränenflüssigkeit und die mangelnde Koordination des Verdauungssystems. Dazu kommen das Fehlen von Heiß-, Kalt und Schmerzempfinden, Kleinwuchs, Unterentwicklung und Sprachschwierigkeiten. Die Pflege der Tochter hat Mutter Carol übernommen, die dafür ihren eigentlichen Beruf als Gartenarchitektin aufgegeben hat und für die Computerfirma IBM von zu Hause aus arbeitet. Der Hauptgrund war auch hier die Krankenversicherung.

Obwohl naheliegend zeichnet das Buch anhand der Krankengeschichten kein exemplarisches Bild der Ungerechtigkeit des amerikanischen Gesundheitssystems. Beide Familien können sich die medizinische Versorgung leisten, ohne (zunächst) größere persönliche Einbußen in Kauf nehmen zu müssen. Man möchte sich nicht vorstellen, wie es den beiden Patientinnen ergehen würde, wenn sie nicht durch Eltern oder Ehemann abgesichert wären.

Das Buch ist in jedem Fall nichts für schwache Nerven. Die Drastik mit der Shriver den Verfall von Glynis beschreibt, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Von Haarausfall bis Appetitlosigkeit und vom körperlichem Verfall bis zum kompletten Aussetzen der Vitalfunktionen. Glynis ist dennoch keine Figur mit der man Mitleid hat. Vielleicht das stärkste Argument für dieses Buch. Die ungeschönte Wirklichkeit einer Sterbenden zu begleiten.

"So much for that" heißt das Buch im Original. Ein passender Titel für ein Werk, dass einen trotz des ernsten und (oft) wenig schönen Inhalts hoffnungsvoll stimmt. "Soviel dazu" ist das unprätentiöse Grundmotto, das sich einem, neben den Figuren, nachhaltig einprägt. Am Ende kommt es nicht darauf an, große Worte zu machen. Es sind die kleinen Gesten die bleiben. Und die darüber entscheiden wie man lebt hat und wie man stirbt. Eindringlicher habe ich das noch nie gelesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Würde eines Lebens, 24. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dieses Leben, das wir haben: Roman (Taschenbuch)
Ich habe gerade dieses Buch von Lionel Scrivener beendet. Sie ist schon seit meinem Lesen des Buches "Wir müssen über Kevin reden" zu meiner Lieblingschriftstellerin aufgestiegen. Ihre Bücher sind schonungslos offen. Sie schafft sie es auch in Situationen, die so grenzwertig erscheinen, dass man sich normalerweise schaudernd abwenden würde, so etwas wie Schönheit und Würde zu finden. Und sie kommt ohne Schwarz und Weiss aus. Alle ihre Figuren haben komplexe Charaktere in denen genau so viel Gutes wie Böses steckt. Der Janus Kopf des menschlichen Charakters ist bei ihr überall zu erfahren! Mit ihrer Sprachgewandheit und genauen Beobachtung leuchtet sie alle Facetten menschlichen Verhaltens aus. Und sie löst ihre Themen am Schluss immer meisterhaft mit einem Schuss Optimismus und Lebensweisheit auf.

In "Dieses Leben was wir haben" geht um das eine Leben, das uns zur Verfügung steht und von dem wir alle wissen, dass es endlich ist. Nur wird diese Einsicht in unserer Zivilisation heute oft zurückgedrängt. Wir leben das Leben oft wie in einen Film, der am Ende mit einem Filmriss abreisst, weil wir ignorieren, dass es auch auf das Ende noch ankommt. So endet das Leben für manche in einsamer Bitterkeit, weil sie sich am Ende ausgeschlossen fühlen und es auch sind. Die Kommunikation am Lebensende versiegt oft, weil man sich zu früh trennt und versäumt sich der Dramatik am Schluss zu stellen. Dabei gäbe es eigentlich noch bis zum Ende etwas zu sagen, wenn die Beteiligten nur genau hinsehen würden und die Nähe weiterhin aushielten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bücher wie dieses....., 25. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Dieses Leben, das wir haben: Roman (Taschenbuch)
...haben nur einen Nachteil: Wenn man sie ausgelesen hat, kommt einem jedes andere Buch, das man danach liest, fade, lebensfremd und eben nur "ausgedacht" vor.

Bei diesem Buch kann man sich kaum vorstellen, daß es nur ein Roman ist - und tatsächlich hat Lionel Shriver darin anscheinend die Erkrankung einer Freundin "verarbeitet", die an dem im Buch beschriebenen Krebs gestorben ist.

Ich habe das Buch noch nicht ganz ausgelesen, aber kann jetzt schon sagen, daß es zu den besten Büchern gehört, die ich je gelesen habe, und ich kenne bestimmt über tausend Bücher.

Auf fast jeder Seite steht irgendein Satz oder mehrere Sätze, die einen umhauen - so ehrlich, schneidend klug und gnadenlos sind diese Sätze, oft auch von einem grimmigem Humor, der klarsichtig menschliche Verhaltensweisen und die Abgründe, die in uns allen liegen, beschreibt.Und dabei absolut unsentimental und völlig kitschfrei - was bei diesem Thema eigentlich fast keinem Autor gelingt.

Ich kann nur sagen: Volle Punktzahl! Uneingeschränkt zu empfehlen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbeschreiblich, 6. Oktober 2011
Lionell Shriver hat hier wieder bewiesen, wie tiefgründig sie ihre Figuren durch die Bücher agieren lassen kann. Ich finde, ihre russischen Wurzeln sind zu spüren, denn die Sensibilität, mit der sie die Personen beschreibt ist einfach einzigartig. Ein wunderbares Buch, aber keine leichte Kost.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hollywood-Ende, 9. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
ja, was sollte ich denn jetzt noch lesen wollen, nachdem alles gesagt wurde?
vor den letzten 150 Seiten habe ich mich tagelang gedrückt ...
und dann doch im Sinne von Shep, "dem Tiger ins Auge geschaut";
-> bin Frau eines Krebsbetroffenen

das Hollywood-Ende hat mich dann doch etwas enttäuscht/irritiert zurück gelassen,
"alles wird irgendwie gut"??? wasn da mit Shriver passiert?
nichts wird niemals mehr gut; die Diagnose Krebs zerschlägt das Zeitkontinuum;
es wird nie nichts mehr gut; anders, ja

trotzdem sehr lesenswert; das Beste, was mir zum Thema je begegnet ist
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ja, so ist das Leben, 22. März 2014
Von 
Mona Frick (Stuttgart, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Dieses Leben, das wir haben: Roman (Taschenbuch)
ergreifend, mal traurig, mal komisch, mal ernsthaft, mal informativ.
Ein wunderbares Buch über ein paar interessante Personen, die alle das Leben meistern müssen mit mehr oder weniger tragischen Schicksalen. Verbunden durch den liebenswerten und immer hilfsbereiten Shep.
Das Ende befreit, und man kann nur hoffen, auch so ein Ende zu finden.
Empfehlenswertes Buch für dejenigen, die sich nicht scheuen, dem Leben in all seiner Tragweite entgegen zu sehen.
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Dieses Leben, das wir haben: Roman
Dieses Leben, das wir haben: Roman von Lionel Shriver (Taschenbuch - 18. Juni 2012)
Gebraucht & neu ab: EUR 2,12
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