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5.0 von 5 Sternen Schirachs Denkanstöße
von Schirachs Denkanstöße
Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger. Die Frage nach Schuld und Unschuld, der Blick in die Abgründe menschlichen Seins, das Nachdenken über die Justiz faszinieren immer. In diesem Buch trägt er in knapper Sprache, zuweilen fast skizzenhaft, Fälle vor, bei denen man sich immer wieder fragt, ob hier...
Veröffentlicht am 15. April 2012 von Jaroschek

versus
43 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verbrechen und Strafe, Schuld und Sühne
Dass sich bei einem so rasch nachgeschobenen Buch der gleichen Manier das Niveau halten lassen würde, das der Autor in seinem Erstling "Verbrechen" adhoc erreichte, das haben wohl selbst Autor und Verlag nicht erwartet. "Schuld" wirkt wie eine Zusammenstellung derjenigen Geschichten, die man aus "Verbrechen" zunächst ausgeschlossen hat, weil sie qualitativ nicht...
Veröffentlicht am 7. Februar 2011 von film-o-meter


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43 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verbrechen und Strafe, Schuld und Sühne, 7. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Dass sich bei einem so rasch nachgeschobenen Buch der gleichen Manier das Niveau halten lassen würde, das der Autor in seinem Erstling "Verbrechen" adhoc erreichte, das haben wohl selbst Autor und Verlag nicht erwartet. "Schuld" wirkt wie eine Zusammenstellung derjenigen Geschichten, die man aus "Verbrechen" zunächst ausgeschlossen hat, weil sie qualitativ nicht ganz an die dort veröffentlichten Geschichten heranreichen. Die besten Geschichten in "Schuld" sind jedenfalls nicht besser als die schwächeren in "Verbrechen".

Die lakonisch-schroffen Sätze des erfolgreichen Strafverteidigers wirken nun, bei der zweiten Begegnung mit ihnen, schon etwas gekünstelt und lassen die Texte, die keinen so starken Inhalt haben, ins Banale abdriften. Als wollte er sich vorauseilend vor diesem Vorwurf schützen, hat von Schirach auch einen banalen Aristoteles-Satz zum Motto dieses Buches erkoren: "Die Dinge sind, wie sie sind." Viele Geschichten, die sind, wie sie sind, sind so kurz und knapp skizziert, dass sie kaum nachwirken. Auch hat sich der Verlag von dem Werbebanner mit der Aufschrift: "Es ist alles wahr!" verabschiedet, was wohl das Eingeständnis sein soll, dass der Autor nun häufiger das Terrain der puren Fiktion betreten hat (etwas, das man mit Blick auf die Schweigepflicht schon bei "Verbrechen" gemutmaßt hat). Das Ausgedachte merkt man einzelnen Geschichten auch an - eine Polizistin, die sich bei Fotografien von Leichen ("Der Koffer") gleich übergibt, das ist wohl mehr Filmklischee als Realität -, allerdings - und das versehe ich mit einem Ausrufezeichen - gereichen diese Momente den Erzählungen eher zu ihrem Vor- als zu ihrem Nachteil. So ist die durch eine Reihe komischer Zufälle geprägte Geschichte "Der Schlüssel", die eher an "Pulp Fiction" trifft "Soul Kitchen" erinnert als an einen authentischen Vorfall, ein Höhepunkt der Sammlung. Man hat das Gefühl eines entfesselt und von der Last der Authentizität befreit auftrumpfenden Autors, der sich jede erzählerische Freiheit nimmt, um die aberwitzige, schwarzhumorige Geschichte zweier Drogenhändler zu erzählen, deren verfressene Dogge den Schlüssel zu einem Schließfach mit 250.000 Euro verschluckt und damit eine Reihe folgenschwerer Vorkommnisse auslöst. Eine Dogge, die nach Verabreichung eines Abführmittels einen Maserati mit flüssigem Kot besudelt - wenn das keine filmreife Szene ist!
Die zweite längere Geschichte, "Die Illuminaten", sticht ebenfalls heraus. Auch hier ertappt man von Schirach dabei, wie er sich beim freien Fabulieren auf dünnes Eis begibt: Die Kunstlehrerin, die beim Anblick einer Folterszene tödlich verunglückt und der an sich schon dramatischen Geschichte um Internatszöglinge, die als Exekutivorgane eines selbst gebildeten Geheimbundes einen pickelgesichtigen Mitschüler quälen, eine ganz neue Wendung gibt: arg konstruiert, aber eben auch arg unterhaltsam.

Schließlich - und dieser Vorwurf wirkt schwerer als alle bisher vorgebrachten Einwände - fällt an "Schuld" ein Übermaß an geschilderten Sexualdelikten oder Akten des Sadismus auf, was das etwas ungute Gefühl im Leser hervorruft, dass Autor und Verlag sich der "Sex sells"-Maxime ein bisschen über das sittlich Vertretbare verschrieben haben. Wenn nach hundert Seiten ironischerweise unter dem Titel "Verlangen" der erste Text erscheint, der frei von den dunklen animalischen Trieben ist, weil nur ein paar Socken geklaut werden, wirkt das fast wie ein Feigenblatt.

Der Verlagslogik folgend wird es dieser Kritik zum Trotz bestimmt auch noch einen dritten Band dieser Art geben, der dann wahrscheinlich "Strafe" oder "Sühne" heißt. Oder wie wär's mit "Gericht"? Anschließend dürfte der Pfad aber wirklich ausgetreten sein und von Schirach wird mit einem epischeren Werk unter Beweis stellen müssen, dass er auch andere Erzählformen beherrscht. Er wird das schaffen. Ein kleiner Philip Marlowe ist der schreibende Anwalt, der sich in dem pointierten Schlusspunkt "Geheimnisse" mit dem Ich-Erzähler gleichsetzt, ja schon jetzt.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schirachs Denkanstöße, 15. April 2012
Von 
Jaroschek - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Taschenbuch)
von Schirachs Denkanstöße
Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger. Die Frage nach Schuld und Unschuld, der Blick in die Abgründe menschlichen Seins, das Nachdenken über die Justiz faszinieren immer. In diesem Buch trägt er in knapper Sprache, zuweilen fast skizzenhaft, Fälle vor, bei denen man sich immer wieder fragt, ob hier Wirklichkeiten beschrieben werden oder ob der Verfasser Fälle konstruiert hat, um auf bestimmte Probleme aufmerksam zu machen Da gibt es den Fall der widerlichen Vergewaltigung einer jungen Frau durch eine Musikergruppe, die kostümiert auftrat. Die schwer misshandelte Vergewaltigte konnte keinen der Täter identifizieren, und alle leugneten jegliche Schuld ab, so dass Freisprüche das Ergebnis waren und somit eine Untat ungesühnt blieb.
Fragwürdig auch der Fall des jungen Paares, das als junge Menschen asozial lebte und in dieser Zeit einen Mord beging, der den beiden nicht nachzuweisen war. Sie fanden dann endlich in eine normal bürgerliche Existenz, lebten 19 Jahren völlig einwandfrei. Aber durch die fortschrittlicheren Möglichkeiten der Spurensicherung wurden sie nun als Täter der früheren Untat überführt, zu einer Zeit also, in der sich nichts mehr mit ihrer Vergangenheit gemein hatten. Vor Gericht geladen, blieb ihnen nur die Selbsttötung als letzte Möglichkeit.
Wie schwierig ist die Situation für den Juristen, den Richter, wenn er Recht sprechen muss, weil er an die strikte Einhaltung von Gesetzen gehalten ist, obwohl er weiß, dass dieses Recht einem Menschen nicht gerecht wird. Das wird sehr deutlich am Beispiel der Frau, die über Jahre von ihrem sadistischen Mann misshandelt wird, bis sie ihn im Schlaf tötet. Dass dieser Fall in Wirklichkeit dann anders war, erfuhr Schirach später und der vernünftige Richter vielleicht nie.
Das Buch ist sprachlich ausgezeichnet. Schirach gibt Denkanstöße, Mehr nicht. Aber die sind sehr wichtig.
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106 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beachtlicher Erzähler, 3. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Ferdinand von Schirach, Strafverteidiger mit renommierter Kanzlei in Berlin, schildert in seinem zweiten Erzählband "Schuld" erneut reale Fälle aus dem anwaltlichen Alltag, erzählt Geschichten aus der juristischen Praxis, die sich zumindest in ihren Grundzügen auch in der Realität so abgespielt haben.

Das ist spannend. Und unterhaltsam. Aber es ist viel mehr als das. Denn von Schirach erzählt nicht einfach nur kuriose und absurde, in irgendeiner Form spektakuläre Fälle, sondern all seine Geschichten führen uns etwas vor Augen: den oftmals unauflösbaren Widerspruch zwischen Recht und Gerechtigkeit, zwischen Recht und Rechtsempfinden. Von Schirachs Geschichten führen uns an die Grenzen und in die Grenzbereiche unseres Rechtssystems, dorthin, wo moralisch-sittliches Empfinden und im Gesetz verankerte Gebote, Verbote und Regeln sich konträr gegenüber stehen; dorthin, wo sich die Unzulänglichkeiten unseres Rechtssystems in aller Deutlichkeit offenbaren - und davon ausgehend stellt sich unwillkürlich die Frage nach der Schuld.
Nach der Schuld der Täter, die wegen Verfahrensfehlern oder anwaltlicher Cleverness freisgesprochen werden müssen; und auch nach jener der Anwälte, die dem Täter seinen Freispruch erst ermöglicht haben. Die Erzählungen machen also deutlich, was unser Rechtssystem leisten kann, insbesondere aber auch, was es nicht leisten kann, an welchen Stellen es versagt oder versagen muss.
Alle Geschichten schildern uns diese Problematik, aber jede einzelne tut dies aus einem anderen Blickwinkel. Und einige der Geschichten zählen zweifelsohne zu den beeindruckendsten Kurzgeschichten, die in den letzten Jahren in deutscher Sprache veröffentlicht wurden.

Denn von Schirach ist ein überaus beachtenswerter Erzähler. Das Geheimnis seines Erzählstils heißt Reduktion. Bei allem philosophischen Gehalt seiner Stories beschränkt er sich doch nur auf die wesentlichen Konflikte und Gedanken. Diese schildert er in meist kurzen Hauptsätzen, prägnant und präzise, ohne jede Weitschweifigkeit. Er erspart uns ästhetische Ergüsse, er lässt aus und spart ein, was ihm unnötig erscheint - ohne dass die Geschichten an erzählerischer Dichte verlieren würden. Sein Stil ist leicht und flüssig zu lesen, allerdings keineswegs simpel.
Im Gegenteil, sein raffinierter Lakonismus und seine Schnörkellosigkeit erinnern an keinen Geringeren als Ernest Hemingway, den Meister des sprachlichen Understatements.
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38 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Goldesel, streck dich!, 8. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Der erste Band "Verbrechen" schlug (zu recht) ein wie eine Bombe. Ein Jurist schildert lakonisch tatsächliche Verbrechen, deren Vorgeschichte, die Folgen ... bei jeder Story verschlug es mir den Atem; mein Glauben an die Echtheit der Fälle verbuchte allerdings den größten Anteil daran. Im zweiten Band "Schuld" ist sein Stil noch lakonischer - eine Spur zu viel: die Faszination, die sich beim Lesen des Vorgängers einstellte, bleibt diesmal aus: mit seiner typisch "männlichen" Krimi-Schreibe vermag der Verfasser maximal zwei Zentimeter in das Seelenleben der Protagonisten vorzudringen. Einige Vertreter der Fortsetzung kriegen einen ordentlichen Schuß Fiktion draufgekippt, eh sie zu tragbaren Geschichten geschüttelt und gerührt werden. In "Verbrechen" dachte man noch, der Juristenautor würde pure Informationen vom jeweiligen Mandanten schöpfen - in "Schuld" tauchen bei einzelnen Plots Nebenschauplätze auf, die der Schreiber entweder aus anderen Fällen entlehnte oder aber seiner Phantasie entspringen ließ; falls der Mandant diesen irrelevanten Unfug selbst mit ins Spiel brachte, kümmert das längst kein Schwein mehr, da bereits jeder Satz bemüht klingt.
Samt dem Umstand, daß erst durch Verwendung gigantischer Schrifttypen und beliebiger Leerseiten die Buchausgabe eine annehmbare Dicke erreicht, schlußfolgert man, die Herren vom Piper-Verlag haben ihre Geldgeilheit einfach nicht zügeln können und Von Schirach gedrängelt, sich angesichts des Erstlings Riesenerfolg so schnell wie möglich ein Sequel aus den Rippen zu leiern.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurz. Stark. Verstörend, 29. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Taschenbuch)
Die 15 kurzen Erzählungen (eher: Skizzen)dieses Büchleins haben es in sich. Es geht gleich los mit einer üblen Vergewaltigungsgeschichte, und da muss man sich entscheiden: Will man sich der Mannigfaltigkeit des Bösen, der Gewalt, der menschlichen Abgründe, die hier vor einem ausgebreitet werden, wirklich aussetzen? Oder ist die Faszination, die brutale, gemeine, heimtückische, manchmal auch: skurrile Verbrechen auf uns Leser ausüben, nicht auch ein Indiz für die dunklen Abgründe in uns, die wir besser nicht zu genau ausloten sollten?

Ferdinand von Schirach bleibt in allen Geschichten sprachlich knapp, sachlich, präzise. Wie in einem inneren Kopfkino erzeugen die mit vielen Auslassungen und Gedankenstrichen erzählten Stories in mir beim Lesen starke, verstörende Bilder, die auch nach dem Lesen nicht so schnell wieder aus meinem Kopf weichen wollen. Am besten hat mir eine relativ lange Geschichte in der Mitte des Buches gefallen: Der Schlüssel, 32 Seiten. Da geht es zu wie in einem Quentin-Tarantino-Film oder wie in einem Film der Coen-Brothers: Alles geht irgendwie schief. Das Blut fließt in Strömen. Eine überraschende Wendung folgt auf die andere. Manchmal verliert man wegen des rasanten Tempos den Überblick; dann aber hat wieder alles seine Logik. Und immer ist da ein rabenschwarzer Humor in und hinter dem geschriebenen Wort, dass man fast auflachen möchte. Aber das Lachen blieb mir dann doch im Halse stecken; dafür war das alles etwas zu heftig. Und zu realistisch. Bei fast allen Stories kann ich mir gut vorstellen, dass es so etwas tatsächlich gibt. Und kann gleichzeitig nur hoffen, dass ich selber nie, nie etwas mit so etwas zu tun bekomme. Sehr passend daher das vorangestellte Motto von Aristoteles: "Die Dinge sind, wie sie sind." Ja, das menschliche Leben ist voller Abgründe und dunkler Seiten, und Ferdinand von Schirach weiß sprachlich packend, stark und verstörend davon zu erzählen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugend, 31. August 2013
Von 
matheelfe - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Taschenbuch)
„...Wir wussten, dass wir unsere Unschuld verloren hatten...“

Ein 17jähriges Mädchen kellnert auf dem Volksfest. Mitglieder der Kapelle vergehen sich an ihr. Der Autor wird gefragt, ob er als Verteidiger mitwirken will.
Mit dieser einen von 15 Geschichten beginnt das Buch. Der Autor arbeitet Kriminalfälle auf, sachlich, nüchtern, kein Wort zu viel, keines zu wenig. Er spricht über die Tat, die Vorgeschichte, das Urteil, die Folgen.
Es geht um Schuld und Unschuld. Es sind keine einfachen Fälle, die der Autor beschreibt. Fehlurteile ändern Lebensläufe.
Es ist das erste Buch, das ich von diesem Autor lese. Qualitativ fand ich alle Geschichten gelungen. Doch emotional am meisten berührt hat mich die erste, die ich oben angeführt habe. Ursache dafür war nicht in erster Linie das Urteil, sondern die wenigen Sätze, mit denen der Autor nach dem Prozess das Geschehen vor dem Gericht skizziert – punktgenau und treffend. Das angeführte Zitat kennzeichnet das Innenleben der Verteidiger.
So unterschiedlich wie die Geschichten, so unterschiedlich wird das Empfinden des Lesers sein. Schuld haben heißt nicht immer auch schuldig gesprochen zu werden. Leider gilt auch, dass Unschuld nicht vor Strafe schützt.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fesselt, 14. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Taschenbuch)
Anscheinend ist es gut, dass ich erst "Schuld" gelesen habe und "Verbrechen" noch vor mir habe (wenn ich hier so die anderen Rezensionen lese...).
Die erzählten Geschichten in "Schuld" fesseln aber doch und das liegt vor allem am (meist) recht neutralen Stil des Autors. Gefühlsduselei würde die Fälle/Storys kaputt machen, und auch das selbst darüber Reflektieren wäre schlichtweg zu eingeschränkt. Ein paar Emotionen blitzen ab und an ein bisschen durch, aber das ist ok. Mich haben die Geschichten jedenfalls sehr berührt oder manchmal auch verstört. Man fragt sich selbst: Will ich das eigentlich? Will ich das wissen? Aber man hat halt einen Drang, etwas über menschliche Abgründe zu erfahren, wahrscheinlich damit man was über sich selbst lernt... (?)
Manches wirkt konstruiert, das stimmt, was manche Rezensenten ja auch hier schreiben. Aber andererseits: wer schon so einige (und leider manchmal auch ziemlich extreme) Lebenserfahrung gemacht hat, weiß, dass die Realität tatsächlich die verrücktesten und schlimmsten Geschichten schreibt.
Ich fand das Buch fesselnd und habe mich gezwungen, abends nicht weiterzulesen, sondern es mir für den hellen Tag aufgehoben (um nichts mit in den Schlaf zu nehmen) und schnell zu Ende gelesen. Man kann es nicht weglegen.
Was mir fehlt, sind Erläuterungen, ein Vor- oder Nachwort... z.B. sind Namen und Orte geändert? Man nimmt es an, aber ansich gehört so eine Info ins Buch rein.
Ich sage: Lesen.
Und bin gespannt auf den anderen Band von v. Schirach.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lapidar, kurz, nicht wertend, 14. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Kindle Edition)
Der Autor ist Anwalt, Strafverteidiger.
Daher kann und darf er keine einszu eins Geschichten berichten.
Er verfremdet eigene Mandate, er erzaehlt auch frei Storys vom Hoerensagen, und er erfindet ganz sicher auch viel.
Ich finde die Kurzgeschichten sehr bewegend,gerade der eher lapidare Stil, der die teilweise sehr brutalen, deprimierenden Plots wiedergibt, unterstreicht das Beilaeufige des Verbrechens, das den meisten schweren Straftaten inne wohnt.

Besonders positiv fuer mich als Juristin: die korrekte Darstellung der Organe der Justizpflege: kein Staatsanwalts- Bashing, im Gegenteil, die Sta wird als objektiv und neutral sogar herausgestellt, keine Polemik, kein Anbiedern bei dem rechtsunkundigen Leser nach dem Motto: boese Richter, gute Anwaelte.

Kurzgeschichten, die viel offen lassen und zum Nachdenken anregen
Danke, Herr Kollege, fuer so viel Geschick und Empathie, Sie zeichnen ein korrektes Bild eines Berufstandes und koennen daruber hinaus richtig gut schreiben!!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geht unter die Haut, 3. März 2012
Von 
Nefret - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Taschenbuch)
Sind die Fälle, von denen Ferdinand von Schirach erzählt, wirklich wahr? Eigentlich ist es egal, denn der nüchterne Erzählstil erweckt auf jeden Fall diesen Eindruck. Und darin liegt vor allem die Kraft dieses Buchs. Während ich bei einem fiktiven Thriller noch verdrängen kann, wie die Realität aussehen mag, geht "Schuld" unter die Haut.

Ferdinand von Schirach zeigt, dass es kein Schwarz-Weiß gibt. Wir sollten uns hüten, Opfer und Täter nur nach einer Pressemitteilung zu beurteilen bzw. zu verurteilen.

Besonders berührt hat mich die Kurzgeschichte "Kinder", in der ein Mann zu Unrecht wegen Kindesmissbrauch verurteilt wird.

"Schuld" liest sich sehr schnell. Ich hatte das Buch während der Wartezeit beim Tierarzt fast komplett durchgelesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gruselgeschichten, 8. Juni 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Taschenbuch)
Ferdinand von Schirach kann schreiben, keine Frage. Er ist auch ein guter Erzähler, der meist mit einem guten Timing seine Geschichten herunterspult. Doch in dem vorliegenden Buch wirkt alles, manches mehr, manches weniger routiniert und meist auch mit Distanz zu seinen Klienten reportiert. Doch es sind nicht mehr die kühlen und klugen Formulierungen wie in Verbrechen oder Der Fall Collini, manche Geschichten wirken sehr konstruiert oder auch nicht wirklich authentisch . Der Fall "Die Schlüssel" steht geradezu beispielhaft für diese andere Art des Erzählens. Als Leser hat man den Eindruck einen Krimi zu lesen, aber nicht die wahre Geschichte eines Verbrechens. Sicher ist es immer noch unterhalted aber nicht mehr der gewohnt professionelle von Schirach, der hier erzählt.
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Schuld: Stories
Schuld: Stories von Ferdinand von Schirach (Taschenbuch - 1. März 2012)
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