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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter Rundumschlag gegen die Welt der Werbung
Ein Abgrund tut sich auf hinter den glänzenden Fassaden der Pariser Werbeagentur Rossery & Witchcraft, genannt "Rosse". Hier arbeiten erfolgreiche Kreative wie Marc, Charlie, Jean-Francois und Octave. Dank ihrer enormen Gehälter können sich die Werber ein sorgloses Leben voller Luxus leisten.
Trotzdem ist das Leben nicht immer so einfach: einige suchen...
Veröffentlicht am 29. Dezember 2003 von Christoph Walter

versus
64 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Dackel im Pitbull-Kostüm
Beigbeder ist ein sympathischer Mensch. Schüchtern wirkt er, nett, liebenswürdig, Nase und Kinn ragen weit aus den Skilehrerlocken hervor. Das hat zwar mit seinem Buch nichts zu tun, aber das sind die positiven Eindrücke - gesehen bei einer Lesung in Wien. Durch seine Erscheinung und sein Aufreten nimmt man ihm nichts übel - zumindest ich nicht - ein...
Am 31. März 2001 veröffentlicht


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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter Rundumschlag gegen die Welt der Werbung, 29. Dezember 2003
Ein Abgrund tut sich auf hinter den glänzenden Fassaden der Pariser Werbeagentur Rossery & Witchcraft, genannt "Rosse". Hier arbeiten erfolgreiche Kreative wie Marc, Charlie, Jean-Francois und Octave. Dank ihrer enormen Gehälter können sich die Werber ein sorgloses Leben voller Luxus leisten.
Trotzdem ist das Leben nicht immer so einfach: einige suchen in perversen Pornovideos aus dem Internet ein Ventil für ihre Unzufriedenheit, andere täuschen ihren Tod vor, um aus der Hölle des Agenturalltags zu fliehen und wiederum andere entgehen der Welt aus Unmenschlichkeit und Oberflächlichkeit, indem sie sich Kokain und Prostituierten hingeben.
Mittendrin in diesem Sumpf befindet sich Octave Parango, ein 33-jähriger Werber mit einem unverschämt hohen Einkommen und einem rasanten Lebensstil. Er hat alles (außer seine Freundin Sophie, die ihn verlassen hat und der er nachtrauert), aber vor allem hat er die Nase voll von der Scheinwelt, in der alles käuflich ist. Aus diesem Grund beschließt er, ein kritsches Buch zu veröffentlichen, um so seine Kündigung zu provozieren.
Vorher soll er aber für seine Agentur noch eine Kampagne für das Magerjoghurt eines potenten Kunden fertigstellen. Dabei lassen sich Octave, sein Kollege Charlie und Model/Prostituierte Tamara im Paradies aller Werber, in Miami, zu einer brutalen Gewalttat an einer reichen Rentnerin hinreißen...
Ein Rundumschlag gegen die zunehmend kommerzialisierte, herzlose moderne Welt ist Frédéric Beigbeder mit diesem Roman gelungen, der sich erstaunlich leicht liest.
Meist trifft der Franzose dabei mit seiner Kritik den Nagel auf den Kopf. Um eine (eher unwichtige) Begleithandlung spinnt Beigbeder eine fast schon apokalyptische Vision von einer Welt, die im Argen liegt.
Ganz so schlimm sieht die Welt in Wirklichkeit noch nicht aus (oder ist man schon so abgestumpft? Wahrscheinlich...). Aber etwas Übertreibung gehört ja zu jeder ernstzunehmenden Kritik dazu.
Ohne jeden Zweifel ist "Neununddreißigneunzig" einer der besseren Romane, die in den letzten Jahren erschienen sind, geschrieben von einem Autor, der Zukunft hat.
Dieses Buch wird sicherlich einen Platz finden neben anderen kritischen Romanen wie "Schöne neue Welt" oder "1984".
Überdurchschnittlich gut!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Verkaufen Sie die Leute nicht für blöd, aber vergessen Sie nie, dass sie es sind" (33)., 27. Mai 2009
Frédéric Beigbeder hat zehn Jahre lang recht erfolgreich als Werbetexter gearbeitet. Doch irgendwie scheint ihn diese Tätigkeit nicht so wirklich mit Freude erfüllt zu haben. Sein im 2000 erschienener Roman "39,90" ist eine brutal-zynische Abrechnung mit der Werbeindustrie, die an Illusionslosigkeit und sprachlicher Direktheit selbst einem Michel Houllebecq in nichts nachsteht.

Der Werbetexter Octave hat eigentlich alles, was ein Mann sich nur wünschen kann: Geld ohne Ende, schnelle Autos und Frauen. Doch er kann sein Leben und seinen Ekel vor seiner Umwelt nur noch mit jeder Menge Zynismus und im zugekoksten Zustand ertragen: "Seit zweitausend Jahren war nie ein verantwortungsloserer Idiot so mächtig wie ich" (18) urteilt er über sich selbst zu Beginn des Romans. In der Werbeindustrie, die den potentiellen Konsumenten einen schönen Schein und die Illusion von Glück und Selbstverwirklichung durch den Kauf bestimmter Produkte vorgaukelt, ist die Verachtung der Massen eine Grundvoraussetzung der Arbeit: "Verkaufen Sie die Leute nicht für blöd, aber vergessen Sie nie, dass sie es sind" (33) lautet das Credo der Branche. Glück und Zufriedenheit stellen in dieser Welt eine große Gefahr dar, da glückliche Menschen nicht, oder zumindestens weniger, konsumieren, da sie ihre Persönlichkeit nicht über den Besitz bestimmter Artikel definieren. Doch diese Gefahr besteht in den Augen der Werbeindustrie, dem Himmel sei Dank, nicht, da der Mensch von Natur aus nicht zum Glück geschaffen sei: "Die Arbeitslosen sind unglücklich, weil sie nicht arbeiten dürfen, die Arbeitenden, weil sie müssen. Träumt süß, vergesst euer Prozac nicht. Und stellt vor allem keine Fragen. Hier ist kein Warum" (71).

"39,90" ist eine Mischung aus einem Roman und einer ideologiekritischen Abrechnung mit den Mechanismen der Werbeindustrie und der Pervertierung des Menschen in einer Kultur, die Konsum und Gewinnstreben zum Endziel erklärt hat. Dazu wimmelt es im Buch nur so von zynischen Sprüchen, von denen die meisten hier nicht zitiert werden können, da sie das automatische Amazon-Zensur-System zum Kollabieren bringen würden. Der Leser kann sich der zynischen Kraft des Buches auf keiner Seite entziehen und verfolgt den Weg des Protagonisten bis zum finalen Gewaltausbruch mit einer Mischung aus Faszination und Ekel. Was bleibt ist eine illusionslos-naturalistische Antwort auf die Frage nach dem Sinn unserer Existenz: "So ist das Leben: Du wirst geboren, du stirbst, und dazwischen hast du Bauchweh. Leben heißt Bauchweh, die ganze Zeit: mit 15, weil du verliebt bist; mit 25, weil du Angst vor der Zukunft hast; mit 35, weil du trinkst; mit 45, weil die Arbeit dich auffrisst; mit 55, weil du nicht mehr verliebt bist; mit 65, weil du Angst vor der Vergangenheit hast; mit 75, weil der Krebs dich auffrisst" (237).
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64 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Dackel im Pitbull-Kostüm, 31. März 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Neununddreißigneunzig (Gebundene Ausgabe)
Beigbeder ist ein sympathischer Mensch. Schüchtern wirkt er, nett, liebenswürdig, Nase und Kinn ragen weit aus den Skilehrerlocken hervor. Das hat zwar mit seinem Buch nichts zu tun, aber das sind die positiven Eindrücke - gesehen bei einer Lesung in Wien. Durch seine Erscheinung und sein Aufreten nimmt man ihm nichts übel - zumindest ich nicht - ein netter Kerl und was er sagt, stimmt auch irgendwie, jaja, ganz ok der Bursche, ganz ok, nichts einzuwenden (Aber???). Und in Frankreich: angeblich ist er der neue 'Skandalautor' nach Houellebecq. Mit diesem Ruf verknüpfen sich Erwartungen. Löst er sie ein?
2 Dinge: Erstens - sein Buch verspricht gnadenlose Aufdeckung - allerdings bin ich von Aufdeckungsjournalismus in guten Magazinen bereits anderes gewohnt. Zweitens: literarisch ist das alles wenig anspruchsvoll - der Stil paßt durchaus ins Feuilleton einer Zeitung, die Frage ist, ob den Redakteuren dann die Geschichte nicht zu zahm wäre.
Vorgeblich geht es um eine 'Abrechnung mit der Werbebranche', in der der Autor selbst jahrelang tätig war. Tatsächlich ist es aber eine Aneinanderreihung von Anekdoten aus dem daily business des Werbefritzen - die aber kaum überraschend sind. Es ist genauso, wie ich mir die Branche immer vorgestellt habe. Aber der Autor unterstellt mir, daß ich tatsächlich noch an die Glitzerwelt der Models und die Seriosität von Werbeagenturen geglaubt habe. Damit erinnern seine Aufklärungsversuche ein wenig an eine Filmszene aus Ang Lee's 'Der Eissturm', als der Vater - sozusagen in einem Gespräch von Mann zu Mann - sich verlegen bemüht, seinem bereits 16-jährigen Sohn die Nachteile des Onanierens beizubringen, der aber naturgemäß längst andere Sorgen hat. Beigbeder, der Insider, präsentiert mir zum Beispiel als sensationelle Enthüllung, daß alle Schauspieler in TV-Spots, in denen Nahrung beworben wird, die Nahrung nicht schlucken sondern ausspucken. Na sowas, wer hätte das gedacht.
Insgesamt: es ist sicher kein großer Verlust, das Buch zu kaufen und zu lesen, vielleicht ist es zwischendurch ganz vergnüglich. Aber die Erwartung sollte lieber nicht auf Houellebecq-Ebene angesiedelt sein. Andernfalls wäre es eine Riesenenttäuschung. Letzterer ist ein Schriftsteller mit literarischem Anspruch, Beigbeder wenig. Mit Houellebecq verbindet ihn also private Freundschaft und die 'Konsumkritik' mit B.E.Ellis. Letzterer versteht es diese Thematik literarisch mit seinem fanatischen Sil umzusetzen, Beigebeder wirkt dagegen extrem harmlos und fast affirmativ in der Darstellung einer zwar 'bekleckerten' aber dennoch irgendwie interessanten Branche - denn schließlich kann man dort so schön unappetitliche Geschichten erleben. Das Pitbull-Kostüm wird dem lieben Dackel wohl eher von der Presse angelegt. Der literarische Stoff selbst hat nicht wirklich Biss, bestenfalls zwickt er spielerisch ein bisschen ins Wadel.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Selbst 0,99 sind noch zuviel, 9. Juni 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Neununddreißigneunzig (Gebundene Ausgabe)
Die Vorfreude auf dieses Buch war enorm - schließlich wurde es seit Monaten als DIE provokante Abrechnung mit der (Werbe-)Wirtschaft angepriesen, und zugegeben, die ersten Seiten lasen sich wirklich vielversprechend. Doch oberflächliches Werbe-blabla und ein Slogan - pardon Claim - nach dem anderen machen noch lange keine gute Geschichte. So etwas ist weitaus günstiger zu haben, beispielsweise nehme man die nächstbeste Postwurfsendung, verbinde die Slogans gedanklich mit den Headlines von Explosiv Weekend oder der Bild-Zeitung - et voilà: Nichts anderes tat Beigbeder. Er vermischte monoton-zynische, extrem langweilige, im 90er-Jahre-Stil beschriebene Einfallslosigkeiten (wie der allmächtige Glaube an die Marke, ein kleiner Mord unter Freunden, ein paar Sex&Drugs-Szenen hie und da, und natürlich jede Menge Reiche und Schöne) mit der Widerwärtigkeit des jungen Jahrtausends genannt Infotainment. Die Rechnung wäre vielleicht auch aufgegangen, wäre Beigbeder etwas subversiver vorgegangen, und hätte er uns seine Fakten-Fiktion-Mischung nicht derart platt aufgedrückt. Und jetzt, nachdem ich mich durch 272 Seiten gequält habe, behaupte ich einfach: Dieses Buch würde seinem mageren (fettfreien?) Inhalt eher gerecht werden, wäre es mit 0,99 betitelt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drastisch, provokant, rotzfrech. Extraklasse!, 29. März 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wie viele Menschen haben kein Telefon? Wie viele keinen Strom. Wer sind die wirklichen Machthaber auf der Welt? Und wie kriegt man Menschen dazu, Sachen zu kaufen, die sie weder brauchen noch haben wollen? Können faschistische Parolen Grundlagen für Werbeslogans sein? Welche Macht hat ein Kreativer, dessen koksgepeitschtes Gehirn sich mit nichts anderem beschäftigt, als einen Slogan zu entwickeln? Okay, mit fast nichts anderem...schöne Frauen, Alkohol, Geld und einige weitere Ausnahmen können wir da schon gelten lassen.

All diese Fragen beantwortet uns Frederic Beigbeder. Oder besser gesagt, sein Alter Ego im Roman, Octave Parango. Octave ist jung, hip, kokainabhänig, verdammt clever und unglaublich kreativ. Er besitzt große Macht über andere und erstickt in einer fassungslosen Ohnmacht gegenüber sich selbst. Octave ist ein Macher, einer der mit Riesenschritten dem Olymp der Werber entgegenstrebt. Aber vom vielen Koksen bekommt er Nasenbluten und dann verliebt er sich auch noch in Sophie. Aber eine Frau und womöglich ein Kind? Das geht überhaupt nicht. So besucht Octave weiterhin die Prostituierte Tamara, verschafft ihre eine Rolle in einem Spot und versucht den hochdotierten Werbevertrag mit dem Joghurthersteller Madone unter Dach und Fach zu bringen. Das gestaltet sich jedoch äußerst schwierig. Denn Madone-Chef Alfred Duler ist ein alter Knasterkopf und den Ideen von Octave und seinem Kumpel Jef gegenüber alles andere als aufgeschlossen. Der ultimative Dreh des Werbespots entscheidet über Octaves Wohl und Wehe, aber dann explodiert seine Welt in einem gewaltigen Aussetzer.

Frederic Beigbeder ist ein begnadeter Schreiber. Er lockt uns mit Fakten, provokativen Thesen und einer knallharten, sachlich klaren Schreibe, die trotz aller Schwermut auch verdammt witzig sein kann. Dazu gibt es reichlich Stoff zum Nachdenken, wie zum Beispiel diesen Satz: Che Guevara war nicht der größte Revolutionär des Zwanzigsten Jahrhunderts; das war Michael Gorbatschow. Stimmt; das würde ich unterschreiben. Aber Gedanken habe ich mir darüber noch nie gemacht. So ist Beigbeders 39,90 eine Fundgrube für Gedankenansätze aller Art. Schließlich weiß der Mann, wovon er schreibt. Er war selbst jahrelang im Werbebusiness beschäftigt. Egal ob Just do it, Wir haben verstanden oder Alle Köstlichkeit der Tropen, wir werden beherrscht, gelenkt, manipuliert und wie Vieh in die Geschäfte getrieben. Octave Parango zeigt uns, wie das funktioniert und wir lesen mit offenem Mund und staunenden Augen Satz für Satz. 39,90. Eine Geschichte der absoluten Extraklasse!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Späte Pubertät, 16. Januar 2011
Abgesehen von dem Einblick in die Werbebranche kann ich diesem Buch nichts abgewinnen.
Die ewigen Aufzählungen sind ziemlich ermüdend. Zusammenfassend fällt mir nur das Bild "Klagelied und Kreisen um den eigenen Bauchnabel" ein. Am Ende lege ich das Buch mit einem Schulterzucken in die Ecke. Sehr dünne Story, die das prinzipiell interessante und wichtige Thema nicht trägt. Nichts für mich.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die verdrehte Welt der Werbung, 1. August 2005
Von 
Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Der Schriftsteller, Kreative und Intellektuelle Beigbeder hat in einer der bekanntesten Werbeagenturen in Paris gearbeitet. Doch schon nach kurzer Zeit widerte ihn sein Job an, und er schrieb dieses Buch. Es ist sicher nichts Neues, dass Werbung Illusionen von einer perfekten und glücklichen Scheinwelt erschafft mit Träumen, die man kaum bezahlen kann. Doch es ist sehr interessant, hier aus erster Hand Einblicke in die Denke der Werbebranche zu erhalten.
Der Normalbürger ist heutzutage ca. 4000 Werbebotschaften täglich ausgesetzt. Beigbeder kritisiert, dass Werbung das alleinige Ziel hat, Bedürfnisse nach immer neuen Produkten zu wecken - Konsumprodukte, die die Menschen vorher nicht brauchten. Es wird Unzufriedenheit gesät: um Teil der großen, glücklichen Welt zu werden, muss man sich mit Marken schmücken, Klischees erfüllen, wie ein Model aussehen - und das dazu nötige Geld ausgeben. Der Mensch wird zum zahlenden Konsumenten reduziert und mit einer Werbe-Propaganda bearbeitet, deren Regeln zum Teil schon von Hitler und Goebbels entwickelt und erfolgreich angewandt wurden. Mit Werbung wird das Volk gesteuert.
Sein Insider-Wissen hat Beigbeder nun in die Geschichte von Octave Parango gepackt, der in einer Pariser Werbeagentur arbeitet. Das Buch startet halbwegs normal mit der Planung einer Werbekampagne für den Joghurt-Konzern "Madone" (alle Namen sind verfälscht, "um die Schuldigen zu schützen" :-), doch ein bombastisches Einkommen, Drogenkonsum, gescheiterte Beziehungen und Ausraster bis hin zu einem Mord erinnern zum Ende hin stark an die abgehobene, sinnlose Welt eines Bret Easton Ellis - einen Stil, den man allerdings mögen muss. Immer wieder kommt auch die Frage nach dem Sinn des Lebens. Das Buch ist gespickt mit rauen Sprüchen, also Vorsicht, sowie guten Zitaten, eigene und aus der Weltliteratur. Beigbeder ist zweifellos sehr belesen. Nach Erscheinen dieses Buches wurde Beigbeder - wie im Buch angekündigt - sofort entlassen. Seinen Schnitt wird er trotzdem gemacht haben: das Buch war in Frankreich Monate lang ein Bestseller.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mäßig bis mittel, 28. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Neununddreißigneunzig (Gebundene Ausgabe)
Zugegeben: Die Einleitung des Buches ist genial, und Beigbeder spickt es mit zahlreichen interessanten schockierenden Fakten, die inzwischen ein Pflichtaccessoire des 'Böser-Bube-spuckt- auf-Gesellschaft'-Genres geworden sind - er schaft es allerdings - abgesehen von der Strukturierung der 6 Teile, unterbrochen von albtraumhaften Werbepausen - nicht, das Genre weiterzuentwickeln.
Dass sich das Buch in einer Dauerwiederholung ohne wirkliche Intensität mit Sex beschäftigt, die gelegentlich Ekel, meistens aber schlicht und einfach Langeweile hervorruft (insbesondere am offensichtlich von The Prisoner inspirierten Schluß auf der Insel der vermeintlichen Toten), ist ja schon schlimm genug. Schlimmer ist jedoch, dass der Story jeglicher Stil fehlt. Sie verläuft im Sand. Für ein Buch, das derart fulminant startet: Sehr schade.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahnwitziger kann Kritik an der Werbung nicht sein, 24. September 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Neununddreißigneunzig (Gebundene Ausgabe)
Man liebt es oder man hasst es, für mich ein Buch zum Kreischen - habe mich selten so amüsiert. Eine schonungslose Abrechnung mit unserer Gesellschaft und dem, was sie unterbewusst am stärksten beeinflußt, der Werbung. Ein Muss und gleichzeitig abschreckendes Beispiel für jeden Werber, der noch auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist. Eine Hilfe für Freunde und Partner von Werbern, die den Arbeitsalltag im ältesten Gewerbe der Welt so manches Mal nicht nachvollziehen können. Beigbeder berichtet schamlos und freizügig über (zugegeben manchmal schon sehr abgehobene) Szenen aus seinem Leben und macht doch irgendwie definitiv Lust auf einen Job in der Werbung...
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vorsicht hier kommt ein Skandal!, 18. Mai 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Neununddreißigneunzig (Gebundene Ausgabe)
Frederic Beigbeder hat einen netten Roman über die Werbeindustrie geschrieben. Der Ich-Erzähler Octave ist Werbetexter und verfolgt mit seinem Buch das Ziel entlassen zu werden. Ganz im Gegensatz zu Beigbeder, der dies eigentlich nicht beabsichtigt hatte, dessen Agentur in der realen Welt ihn jedoch tatsächlich entlassen hat. Schon allein aus diesem Grund ist "Neununddreißigneunzig" lesenswert. Amüsant und kurzweilig ist es allemal. Beigbeder beschreibt in seinem Buch vieles Bekannte über die Werbung und deren Mechanismen. Man wird jedoch den Eindruck nicht los, dass es sich doch um eine eher oberflächliche Auseinandersetzung handelt. Für meinen Geschmack ist er etwas zu marktschreierisch; der Skandal ist mir einen Tick zu gewollt. Dennoch muss man sagen, dass es nicht genug kritische Bücher über die Werbung geben kann, und allein dafür dem Autor zu danken wäre.
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Neununddreißigneunzig: 39,90<BR>Roman
Neununddreißigneunzig: 39,90<BR>Roman von Frédéric Beigbeder (Taschenbuch - 10. November 2011)
EUR 9,99
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