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am 14. Oktober 2010
"Der Tod eines depressiven Menschen ist niemals eine freie Entscheidung. Die Krankheit verengt die Wahrnehmung so sehr, dass der Leidende nicht mehr versteht, was es heißt zu sterben. Er glaubt es hieße nur, die Krankheit loszuwerden. (...) Robert Enke war am Dienstag, den 10. November 2009, acht Stunden in der Nähe von Empede umhergefahren. (...) Dann fuhr er an Empede vorbei zum nächsten Bahnübergang in Eilvese. (...) Er wußte, dass um 18.15 Uhr der Regionalexpress aus Bremen ohne Halt durch Eilvese hindurchraste."

Ronald Reng schildert auf knapp über 400 Seiten das Leben und die Fußballkarriere von Robert Enke bis zu jenem verhängnisvollen regnerischen Tag vor einem Jahr. Enkes Familie, Freunde und Weggefährten kommen zu Wort und man merkt ihnen an, wie erleichtert sie waren, sich das Geschehene von der Seele reden zu können. Der Leser erfährt von ersten Angstzuständen des jugendlichen Zweitligatorhüters von Carl Zeiß Jena, vom Ausbrechen einer massiven klinischen Depression während der Zeit beim FC Barcelona, die Enkes Karriere bereits 2003 fast beendet hätte. Es folgte die mühsame, schrittweise Rückkehr in die Normalität eines Profisportlers und nach dem Comeback in der Bundesliga für Hannover 96 und für die deutsche Nationalmannschaft der nächste schwere private Rückschlag.

Die Schilderungen über die Monate während der zwei akuten depressiven Schübe 2003 und 2009 sind schockierend. Die Auszüge aus Robert Enkes "Depri-Ordner", Tagebuchaufzeichnungen eines zutiefst verzweifelten Menschen, haben mich seitenlang nur mit Gänsehaut weiterlesen lassen.

Trotz der Tragik dessen, was Ronald Reng zu schildern hat, schafft er es auch die glücklichen Zeiten im Leben Robert Enkes in Erinnerung zu rufen. So streut Reng eine Vielzahl wunderbar skurriler Begebenheiten aus der Welt des Fußballs ein. Dennoch ist "Robert Enke - Ein allzu kurzes Leben" natürlich kein Buch nur für Fußballfans. Einige Kapitel sind so packend geschrieben, dass ich mich daran erinnern mußte, dass es sich nicht um einen Roman handelt.

Es bleibt die Frage nach dem Warum. Reng führt die Frage, wie Enke zu retten gewesen wäre, nicht zu einer expliziten Antwort. Er nimmt die Familie und Freunde, die über Enkes Erkrankung Bescheid wußten und das jahrelange Versteckspiel erst ermöglicht haben, ausdrücklich in Schutz. Zurecht weist Reng darauf hin, dass auch die direkt betroffenen Familienangehörigen und Freunde mit Extremsituationen konfrontiert worden sind, die nachträgliche moralische Bewertungen vermeintlich unverantwortlichen Handelns nicht zulassen. Und doch wird deutlich, dass Reng genauso wie so viele andere, die diesem ganz besonderen Menschen die rettende Hand von Herzen gewünscht hätten, beim Schreiben fast daran verzweifelt ist, wie wenig es gebraucht hätte, um den 10. November 2009 zu verhindern.

"Robert Enke - Ein allzu kurzes Leben": Ein bewegendes, großartiges Buch über einen Menschen, der unvergessen bleibt.
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am 13. Dezember 2010
Dieses Buch hat mich dazu bewogen, meine erste Rezension zu schreiben...
Ich habe es gerade ausgelesen und jetzt große Mühe, mich davon wieder zu lösen.
Ganze Passagen habe ich meiner fußballinteressierten Familie vorgelesen. An manche Begebenheiten konnte ich mich noch erinnern.
Ich habe mitgelitten, mitgefiebert und später mitgetrauert.
Der Autor hat ein dickes Buch geschrieben, manche Szene akribisch und detailliert aufgedröselt, und trotzdem wird es nie langweilig oder geschwätzig.
Das Buch ist vieles und trotzdem ist es nicht überlastet. Es ist ein Buch für Menschen, die gerne Biographien lesen.
Es ist ein Buch für Menschen, die einmal hinter die Kulissen des Profifußballs schauen möchten.
Es ist ein Buch für Menschen, die erfahren und verstehen möchten, was im Kopf eines Depressiven vorgeht.
Es ist ein Buch über den Ausnahmetorhüter Robert Enke, der leider krank wurde, sich als Gefangener seiner Lebenssituation fühlte und keinen Ausweg mehr sah.

Ein großes Lob an den Autor, von dem ich schon den "Traumhüter" gelesen habe; ein Buch, welches ich genauso weiterempfehlen kann.
Herr Reng, Sie haben Robert Enke ein literarisches Denkmal gesetzt. Sie schaffen es zu erschließen, was im Kopf eines Fußballprofis bei Erfolg und Misserfolg vorgeht. Wir Zuschauer benehmen uns oft genug im Fußballstadion wie die Gladiatoren in der Arena und werfen die Spieler bei Misserfolgen verbal den Löwen vor.
Sie behandeln das Thema Depression mit großer Sensibilität und den Lesern unter uns, die wir uns mit dem Thema nicht so sehr beschäftigt haben, wird ein bisschen verständlicher, warum ein Kranker nur noch den Suizid als letzten Ausweg sieht.
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am 6. November 2010
Nicht das erste Buch von Ronnie Reng das ich gelesen habe, aber sicherlich sein "Ungewöhnlichstest".
Wie andere Rezensoren schon ausführen, hat man beim Lesen das Gefühl dass es sich um einen Roman handelt, wird aber durch Erinnerungen immer wieder "gemahnt" dass es leider die Realität ist, die hier beschrieben wird.
Man erfährt im Laufe des Buches, wie stark die (Jugend-)Liebe von Teresa und Robert Enke sein muss, um all die Schicksalsschläge und depressiven Phasen über die Jahre zu überstehen. Einfühlsam führt Ronald Reng in die Krankheit "Depression" ein und zeigt die Zusammenhänge auf die zum Auslöser werden. Aber er erklärt auch deutlich durch viele Beispiele warum Enke sich letztlich nicht outen konnte (wollte ?) und den Gewissenskonflikt in dem er bis zum Schluß stand. Ausserdem ist das Buch das, was Enke und Reng vor Jahren schon verabredet hatten: Ein Rückblick auf die sportliche Karriere von Robert Enke, die - trotz allem - alleine schon lesenswert ist.
Nicht alle Trainer, Spieler und Betreuer kommen dabei gut weg ohne dass Reng dabei andere bloßstellt oder sogar verantwortlich macht für das Geschehene. Auch hier hat es eher erklärenden Charakter wie die Reaktionen einiger Trainer und Spieler Enke und seinen Weg beeinflussen.

Nachdenklich stimmt einen das Schlußwort in dem Ronald Reng von dem Konflikt schreibt, den er beim Erarbeiten des Buches hatte. Den Konflikt zwischen dem Veröffentlichen von Tagebuch Informationen, die Enke als "Vorbereitung auf unser Buch" bezeichnet hat, die aber - nachvollziehbar - auch sicherlich nicht alle "öffentlichkeitswirksam" sind. Ich finde - ohne natürlich das Tagebuch zu kennen - ihm ist dieser Spagat recht gut gelungen. Auch das macht das Buch absolut empfehlens- und lesenswert.

Abschliessend wünscht man sich, dass auch dieses Buch - wie das "Öffentlichmachen" von Teresa Enke zuvor - dazu beiträgt, intern im Profifußball kleiner aber wichtige Änderungen zu bewirken. Es geht nicht darum, es Spielern zu ermöglichen sich zu "Outen" sondern darum Strukturen zu schaffen, die eine professionelle Betreuung ermöglichen. So "intern" wie man auch professionel Verletzungen behandelt oder Spieler ausbildet. Dieses Thema eignet sich auch ausserhalb des Profisports nicht für Öffentlichkeit, aber es much sichergestellt sein dass Spieler wie Robert Enke in der Zukunft die professionelle Hilfe bekommen, die ihre Situation verlangt.
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am 6. Dezember 2010
Da es heute ja quasi zum guten Ton gehört, über jeden halbwegs prominenten Menschen mindestens eine mehr oder minder interessante Biographie auf den Markt zu werfen, war ich - auch angesichts des sensiblen Themas - sehr skeptisch, was dieses Buch anbelangt. Nachdem ich dann in einzelnen Magazinen durchweg sehr positive Meinungen gelesen hatte, entschloss ich mich zum Kauf dieses Buches. Bereut habe ich es zu keinem Zeitpunkt.

Ein Buch, dass auf unglaublich einfühlsame Weise schildert, wie ein Mann, dem Millionen zujubeln und der objektiv fast alles erreicht hat, in seinem Inneren dennoch einen Kampf gegen sich selbst führt - und ihn letztlich auf grausame Art und Weise verliert. Nie hat man hier das Gefühl dieses Buch wäre zum Geldverdienen entstanden oder übereilt auf den Büchermarkt geworfen worden. Höhen und Tiefen in Robert Enkes Leben werden beleuchtet und so dem Leser vage verdeutlicht, wie sehr dieser - menschlich wie sprotlich großartige Mann - litt.

Auch wer von Fußball keine Ahung hat und mit der sportlichen Seite nichts anfangen kann, dem sei dieses Buch nahe gelegt. Persönliche Aufzeichnungen von Enke selbst geben diesem Buch eine persönliche Tiefe und Note, wie man sie sonst nur selten findet und beschreiben eine Krankheit, die leider erst nach seinem Tod in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist.

Ein großartiges Buch über einen großartigen Menschen.
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am 7. November 2010
... welche Menschen wir zu welchem Zeitpunkt treffen."

Fußball? Eigentlich nicht mein Ding, außer es ist gerade Sommermärchen, und dann werden wir ja alle zu kleinen Bundestrainern.
An der Robert-Enke-Biografie konnte ich trotzdem nicht vorbeigehen. Was läßt jemanden, der für so viele Menschen Vorbild und Idol ist, derartig verzweifeln, daß er nicht mehr leben will?

Ronald Reng schildert Robert Enkes Weg aus dem beschaulichen Jena in die immer weitere Welt des Profi-Fußballs. Vieles von dem, was Enke erlebt, ist gar nicht so ungewöhnlich, wenn auch im Profi-Fußball ein paar Nummern größer als im wahren Leben: Die Furcht vor dem Umzug in eine fremde große Stadt - Der Leistungsdruck am ersten Arbeitstag - Der Vorgesetzte, mit dem man partout nicht zurechtkommt.

Die große Stärke des Buches liegt darin, daß Ronald Reng Enkes Gefühlswelt ganz genau nachzeichnen und nachvollziehbar machen kann, denn als Freund der Familie standen ihm neben vielen Gesprächspartnern Robert Enkes persönliche Aufzeichnungen zur Verfügung. Gleichzeitig baut er aber auch immer wieder eine unerwartete Spannung auf, indem er die Perspektive wechselt, etwa wenn er ein für Enke traumatisches Fußballspiel aus der Sicht des gegnerischen Stürmers - des Helden des Abends - erzählt. Abgerundet wird die Biografie durch viele Fotos, die oft mehr sagen als tausend Worte.

Für den Leser ist dieses Buch ein Wechselbad der Gefühle, denn das bekannte Ende bleibt natürlich die ganze Zeit über im Hinterkopf. Man leidet mit Robert Enke im Fußballtor, man weint mit ihm um seine Tochter, man lächelt gerührt über das Gedicht, das er seiner Frau zum Geburtstag schreibt. Man bangt mit seiner Familie und seinen Freunden, die sich bis zum letzten Tag aufgeopfert haben, um ihn aus der Spirale zu befreien, aus der er schließlich keinen Ausweg mehr wußte. Und man denkt noch lange darüber nach, was ein unbedachtes Wort, eine gedankenlose Geste im falschen Moment in einem Mitmenschen anrichten kann.

Man muß kein Fußball-Fan sein, um von diesem Buch beeindruckt zu sein. Eine einfühlsame, respektvolle, rundum gelungene Annäherung an einen besonderen Menschen.
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am 17. Oktober 2010
...ich habe lange kein Buch mehr gelesen....keine Zeit, oder aber kein Interesse?? auf jeden Fall war mir aber sofort klar, dass ich mir dieses Buch kaufen muss, und ich habe es in 2!! Tagen gelesen. Nein, ich bin kein Fußballfan u. schon gar keiner von Hannover 96 ;-), aber ich "kannte" Robert Enke durch meinen kleinen Neffen, der sein Herz schon sehr früh an den Fußball verloren hat, er spielt Fußball seitdem er 5 Jahre ist, die ersten Jahre sah es so aus, als wenn er Torwart werden wollte, und er kannte Robert Enke, für ihn war er DAS Vorbild, DER Torwart überhaupt...von da an habe ich Robert Enke in verschiedenen Momenten bewusst gesehen, war es als er seine kleine so schwer kranke Tochter im Stadion trug, war es als er schwerkranke Kindern besuchte, dann der Tod der kleinen Lara u. natürlich auch in seinen "Glanzparaden", wie es mein Neffe nannte....UND dann kam der furchtbare Tag voriges Jahr im November....mein Neffe mit seinen damals 9 Jahren war regelrecht "sauer" , WIE kann er so was tun?? wo er doch so gut war?? Na wie kann ein Kind das verstehen, wenn viele in Robert Enkes direkten Umfeld es nicht verstehen konnten, ja sogar gar nicht wussten?
Das Buch beschreibt viele kleine Momente in seinem Leben, viele Momente wo ich dann, wie viele andere auch dachte: BITTE lass es ein gutes Ende nehmen, obwohl ich doch von Anfang an wusste, dass es ein trauriges Ende nehmen wird. Der Autor, ein dickes Lob an ihn, schafft es den Leser mitfühlen zu lassen, u. auch Verständnis für das Umfeld zu bekommen, denn oft ertappte ich mich dabei, dass ich dachte : MENSCH Du (also der mit dem Robert Enke gerade zu tun hatte) MUSSTE es doch merken....Aber ich weiß auch, dass diese furchtbare Krankheit leise ist, sehr leise, die Personen die darunter leiden, sind meistens eben nicht die, die über sich reden können oder wollen. Ich kenn mich nur laienhaft aus, da ich leider sowohl in meinem privaten Umfeld als auch im beruflichen Leben erfahren musste, dass es Menschen "erwischt" bei denen du es nie erwartet hättest!
Dieses Buch schafft es vielleicht, dass die Leser mit offeneren Augen u. Ohren ihre Mitmenschen betrachten u. vielleicht auch ggf. auf sie zugehen...wie oft hat sich Robert Enke gewünscht, dass ihn jemand fragt....!!!
Am Freitag habe ich Tantentag, ich werde meinen Neffen holen u. sicher einen schönen Tag mit ihm verbringen, aber ich werde auch versuchen, ihm zu erklären, dass er nicht mehr böse auf Robert Enke sein darf (der Kleine ist nun doch kein Torwart geworden u. ich bin nicht traurig drum , denn er ist ein sehr sensibler kleiner Kerl )
Fazit: ich finde es ist ein "tolles" Buch, über einen tollen Menschen, der es leider nicht geschafft hat in dieser Welt glücklich zu leben
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TOP 500 REZENSENTam 9. November 2010
Man muss kein Fan des Fussballers gewesen sein, noch nicht einmal den Namen vor seinem schrecklichen Selbsttod gekannt haben, um nach Lesen dieses Buches bewegt, nachdenklich und auch erschüttert zurück zu bleiben.

Ronald Reng war nicht nur ein Freund, er war einer der wenigen Vertrauten von Robert Enke. Nach dessen Fussballkariere sollte er dieses Buch schreiben - ein Buch über die Auswirkungen der Krankheit Depression auf den Erkrankten selbst und dessen Umfeld. Nun ist dieses Werk, knapp 1 Jahr nach dem Ableben des ehemaligen Nationaltorwarts, ohne dessen finales Mitwirken erschienen.

Für mich war Robert Enke einer der letzten deutschen Fussballer mit Vorbildfunktion und sein Wirken rund um Hannover, seine Menschlichkeit im Umgang mit den Fans seines Vereins und den Bewohnern seiner Stadt war stets beeindruckend. Durch "Robert Enke - Ein viel zu kurzes Leben" erfährt man nicht nur einen Rückblick auf das Leben des Menschen Robert Enke, sondern einen intesiven Einblick in ein Thema, das all zu oft viel zu simpel abgehandelt wird. Mit Abscheu denke ich mittlerweile an all die billigen "Psycho-Tests" und Ratschlagseiten in Wochenzeitschriften zum Thema Depression, die letztlich nur verharmlosen und es einem Nicht-Betroffenen unmöglich machen, die schwere und das Leid der Erkrankten wirklich zu begreifen.

Ronald Reng gelingt dies. Gut 400 Seiten beschreibt er einen warmherzigen Menschen, der im steten Bemühen es alles Recht zu machen, immer tiefer in eine seelische Abwärtsspirale versinkt. Man erfährt von Robert Enkes Kampf gegen das Leiden und das gleichzeitige Belügen des Umfelds, selbst der engsten Vertrauten und Freunde. Dabei unterlässt der Autor jede Schuldzuweisung, obwohl der eine oder andere Trainer und Manager mit Sicherheit Anteil am weiteren Abdriften der Profisportlers hatte. Hinzu kommen persönliche Ausführungen der wenigen Fussballer, denen sich der ehemalige Torwart von 96 anvertraut hat, wie Marco Villa oder Hanno Balitsch.

Ich möchte dieses Buch wirklich allen empfehlen - auch wenn es keine leichte Lektüre ist. Man freut sich nicht darauf, Abends weiter zu lesen - "Robert Enke - Ein viel zu kurzes Leben" ist harte Kost. Bewegende, zum Lachen wie zum Weinen anregende, einfühlend geschriebene Lektüre, die alles andere als leicht zu verdauen ist. Aber ein absolutes Muss! Man kann nur hoffen, dass dieses Buch tatsächlich ein wenig im Profisport verändern kann - denn wie Rene Adler erst vor wenigen Tagen in einem Interview klar machen musste, hat der einsame Freitod Robert Enkes bis zum heutigen Tage leider nichts bewirkt.
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TOP 100 REZENSENTam 30. September 2010
In dem Tagebuch, das Robert Enke während seiner Depression führte, steht auf der letzten Seite ein einziger Satz in riesigen Buchstaben: "Vergiss nicht diese Tage." Gemeint sind die Tage, in denen er an sich selbst zweifelte, niedergeschlagen war. Und obwohl er es als Warnung an sich selbst schrieb, wirkt es heute wie eine Mahnung an uns alle. Denn Ronald Reng schildert in seinem Buch, dass Depression keine Krankheit ist, die plötzlich ausbricht. Sondern ein Prozess, der schleichend beginnt und irgendwann die Kontrolle über einen Menschen erlangt.

Wann setzte dieser Prozess bei Robert Enke ein? Auf jeden Fall Jahre vor seinem Freitod. So wird im Buch zum Beispiel erwähnt, wie er sich als 18-jähriger seinen ersten Fehler als Profitorwart so zu Herzen nahm, dass er eine Woche nicht in die Schule ging. Oder etwa, wie er sich bei seinem früheren Klub Mönchengladbach so nutzlos fühlte, dass er ein Trainingslager schwänzte. Natürlich lässt all dies noch keinen späteren Freitod erahnen. Es zeigt aber schon einen anderen Robert Enke, als man ihn sonst kannte - eben nicht nur freundlich lächelnd, scheinbar voller Lebensmut, sondern auch mit Phasen der Selbstzweifel, der Niedergeschlagenheit.

Das Buch ist aber keinesfalls eine mit journalistischer Distanz geschriebene Abhandlung zum Thema Depression. Denn der Autor war ja ein enger Freund Enkes. Für ihn ist es eher ein persönliches Erinnerungsbuch, dass den Freund, den Menschen Robert Enke zeigen soll. Und so sprach er mit Ehefrau Theresa, traf Freunde von Robert, durfte sein Tagebuch lesen, ja selbst seine Gedichte, von deren Existenz er vorher gar nichts ahnte.

Daraus ist ein bewegendes Buch entstanden. Der Autor maßt sich nicht an, Robert Enke vollständig zu kennen, oder gar seinen Freitod erklären zu können. Er zeigt den Menschen Robert Enke, wie wir ihn wahrgenommen haben und in Erinnerung behalten sollten: warmherzig, sensibel, auch im Sinne von verletzlich.
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am 10. Oktober 2010
Dieses Buch berührt, es hilft ein kleines bisschen dabei, sich das Unerklärliche zu erklären.
Ronald Reng zeigt in ruhigem Ton auf, wie Robert, seine Frau, seine Freunde gegen die heimtückische Krankheit Depressionen kämpften, wie selbstironisch er sich teilweise betrachtete, wie er verzweifelte und wie er diesen Kampf leider verlor.
Seine gesamte Karriere mit all ihren Höhen und Tiefen, von Jena über Teneriffa bis nach Hannover, und die vielen positiven Momente in Roberts Leben werden mit Hilfe seiner Frau, Freunden, Familie und Weggefährten erzählt. Beeindruckend sind auch die überaus ehrlichen Gespräche, die Reng mit Profifußballern wie Rene Adler für dieses Buch geführt hat. Es wird auch oft noch einmal deutlich, was für ein toller Mensch Robert Enke war. Dass er es auch ohne die leider weit verbreitete Ellenbogenmentalität, mit Herzlichkeit und Respekt sehr weit - zum Beispiel ins Tor der deutschen Nationalmannschaft - gebracht hat.

Wir alle hätten dieses Buch so gerne erst in einigen Jahren gelesen, nach Abschluss Roberts Karriere und vor allem mit ihm selbst als Koautoren.

Robert Riese wird mit seinem einzigartigen Torwarstil immer in Erinnerung und mit seiner menschlichen Art und Weise ein Vorbild für uns alle bleiben!!!
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am 12. Januar 2011
Am Anfang war ich skeptisch. Ich hatte ein komisches Gefühl. Deshalb weil ich selbst immer Torwart war (und bin) und in dem Alter, als Enke sich das Leben nahm, sagen wir mal vorsichtig eine depressive Phase hatte, an die ich mich nur noch ungern erinnere. Damals brach für mich eine Welt zusammen, alles passte nicht mehr, Zukunftsangst und was weiß ich. Vielleicht hat jeder Mann um die 30 herum mal so eine Phase, es ist die Zeit, da verlässt man die Unbeschwertheit der Jugend, des Unbesiegbaren, und man betritt schon fast den entscheidenden Teil des Lebens. Und wenn man da unfertig ist, nicht recht weiß, und dann an allem zweifelt...gut, man nennt das auch einen seelischen Schnupfen. Bei Robert Enke aber ist es eine klinische Depression. Eine schwarze schlimme Krankheit, ohne das man weiß, was sie auslöst, bzw. wie es zu solch dramatischen Schüben kommt. Als ich den Namen des Autors las, Ronald Reng, war ich von der Qualität des Buches überzeugt. Er begeisterte mich vor ca. 10 Jahren schon mal mit dem Buch "Der Traumhüter" und er ist bekannt, für seine sensible Herangehensweise an die handelnden Personen. Nicht zufällig lese ich in der Tageszeitung meiner Wahl heute wieder einen Artikel von ihm; über Timo Hillebrand. Auch einer, der es im Moment nicht leicht hat und auf der Ersatzbank von Sportling Lissabon schmort.
Ich will nicht viele Worte machen, vor mir haben viele tolle Rezensenten das Buch über alles gelobt. Ich will mich dem einfach anschließen. Diese Geschichte eines Leidensweges ist überzeugend dargestellt, alle Menschen die um ihn herum leben, bzw. lebten, sind auf dem Punkt gezeichnet und zitiert. Niemandem werden bittere Vorwürfe gemacht und bei allem, ist man so nah dabei, dass man meint, selbst Teil der Geschichte zu sein. Noch dazu, wenn man fußballbegeistert ist wie ich, und die zeitlichen Zusammenhänge, Teams, Trainer, Erfolge, auch sofort einordnen kann. Bei all dem bleibt natürlich klar, dass der Fußball eigentlich nur eine marginale Rolle spielt. Die Krankheit schlägt unabhängig von Beruf, Erfolg, persönlicher Leistung, gesellschaftlicher Stellung zu. Und es kann so schlimm werden, dass es für das Leben nicht mehr reicht. Man hat noch die letzte Wahl. Welch eine Energie das kostet, vermag ein "normaler Mensch" nicht ahnen. Geht auch nicht. Was bleibt, ist die Erkenntnis, den Umgangston bei Menschen, bei denen zumindest die Möglichkeit besteht, dass er/sie auf dem Weg ist in eine schlimme Melancholie zu verfallen, dieses ewige "Nun reiß dich doch mal zusammen" für alle erkenntlich das Gegenteil bewirkt. Es ist gut, dass ich das Buch gelesen habe und ich werde es immer weiter empfehlen.
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