Kundenrezensionen


352 Rezensionen
5 Sterne:
 (223)
4 Sterne:
 (78)
3 Sterne:
 (30)
2 Sterne:
 (11)
1 Sterne:
 (10)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


135 von 155 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Realität oder Fiktion?
Schirach ist Anwalt und angeblich sind die Fälle, die er in der vorliegenden Sammlung von Stories beschreibt, wahr. Ich bin geneigt, das für einen Trick zu halten. Aber ich mag mich täuschen, und schließlich ist es egal. Denn die klare, knappe Sprache, die häufig kurzen Sätze, in denen neutral und mitleidlos die Lebensumstände der...
Veröffentlicht am 6. September 2009 von Jupiter

versus
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Scripted Reality für Feuilleton-Leser
Auch wenn es gemein ist: Das offensichtliche Kokettieren mit dem Wahrheitsgehalt der Geschichten erinnert mich an RTL-2-Dokus oder Scripted-Reality-Formate im TV. Die zeigen auch das echte Leben. So in etwa.

Die "Verbrechen"-Storys könnten trotzdem schön&gut sein. Wenn da nicht der große Anspruch vorangestellt wäre: "Die meisten...
Vor 18 Monaten von Enno von Achalm veröffentlicht


‹ Zurück | 1 236 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

135 von 155 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Realität oder Fiktion?, 6. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Schirach ist Anwalt und angeblich sind die Fälle, die er in der vorliegenden Sammlung von Stories beschreibt, wahr. Ich bin geneigt, das für einen Trick zu halten. Aber ich mag mich täuschen, und schließlich ist es egal. Denn die klare, knappe Sprache, die häufig kurzen Sätze, in denen neutral und mitleidlos die Lebensumstände der "Verbrecher" beschrieben werden, sprechen für sich. Vielleicht konnte sich Herr von Schirach diese Schicksale nicht ausdenken, vielleicht musste er es auch nicht. Auch das ist gleichgültig. Sie werden zu Literatur, indem sie notiert, gedruckt und gelesen werden. Und gelobt. Und das zu recht. Schirachs Sprache ist intensiv und elegant gleichzeitig, sie besitzt eine Sogkraft, der man sich nicht entziehen kann. Dazu kommt: Was der Autor hier offeriert ist nicht wenig, er bietet seinen Lesern einen Blick in das Leben von "Verbrechern". (Weil sie dem Leser nicht als solche erscheinen, stehen hier die Anführungszeichen.) Vielleicht ist es für viele Leser ein zusätzlicher Anreiz, dass es hier vorgeblich (?) um wahre Begebenheiten geht. Aber ich möchte noch einmal betonen: es ist nur ein stilistischer Unterschied. Oder sollte ich mich täuschen? Denn eines kann Schirach mit seinem Erzählansatz nicht, nämlich in den Verstand seiner Protagonisten eindringen. Schirach beschreibt Fakten, keine Gedanken. Wer zu den Fakten noch die Gedanken der "Verbrecher" kennen will, der muss sich doch wieder auf die bekennende Fiktion verweisen lassen, auf Jan Costin Wagner, der in "Nachtfahrt" einen Mörder auf dem Weg zu seiner Tat begleitet und in "Das Schweigen" von den Jahren nach der schändlichen Tat berichtet, oder auf Sabine Alt, die in "Weras Talent" einer Professorin beim Morden über die Schulter sieht und In "Vergiss Paris" die missglückende Rehabilitation einer bereits Verurteilten begleitet. Diese Stoffe sind Fiktion, darum dürfen die Autoren über die Gedanken ihrer Figuren verfügen. Schirach tut dies nicht, er hält sich an die Fakten. Und die Gedanken der "Verbrecher" entstehen im Kopf des Lesers. Das ist geschickt und es ist allemal Literatur!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


105 von 121 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faszination und Eitelkeit, 2. Dezember 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Vorbemerkung: Die Stories des Berliner Strafverteidigers Ferdinand von Schirach habe ich an einem längeren Leseabend regelrecht "verschlungen". Ich war einerseits begeistert; andererseits aber blieb ein mir zunächst unverständliches Mißbehagen zurück. Also las ich "Verbrechen" nach ein paar Tagen noch einmal. Jetzt verstehe ich, warum ich nicht ungeteilt loben mag...

Der Autor versammelt elf Geschichten, die allesamt eins gemeinsam haben: Die Protagonisten geraten mit den Gesetzen in Konflikt. Zum Beispiel der Arzt im Ruhestand, den ein in jungen Jahren geleisteter Eid zu einer entsetzlichen Tat treibt; die beiden aggressiven Glatzköpfe, die in der Person eines eher unscheinbar wirkenden Herrn an den Falschen geraten; die Schelmengeschichte mit den 9 libanesischen Brüdern; oder - für mich die beste, weil anrührendste Geschichte ("Der Äthiopier") - der Bankräuber, für den die Schöffen zusammenlegen, um ihm ein Flugticket zu schenken... Die spannenden Stories sind in einer an amerikanischen Vorbildern geschulten souveränen, glasklaren,kunstvoll schlicht gehaltenen Sprache gehalten, die man einem Juristen kaum zutrauen würde, wenn man nicht wüßte, daß auch ein Goethe, ein Storm, ein Kafka usw. Juristen waren. Ob die Geschichten "wahr" sind, wie es der Waschzettel suggerieren möchte? Nein, natürlich nicht; allenfalls einige bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Versatzstücke mögen aus realen Prozessen stammen. Abgesehen davon, daß von Schirach seine Approbation als Anwalt aufs Spiel setzen würde - nicht zufällig stellt er seinem Buch ein bestimmtes Motto von Werner K. Heisenberg voran ("Die Wirklichkeit, von der wir sprechen können, ist nie die Wirklichkeit an sich").

Was mir weniger gefällt? Der gar nicht so heimliche "Held" der meisten Geschichten ist - Ferdinand von Schirach selbst, als kenntnisreicher, gewitzter, cleverer, belehrender, eben: großartiger und damit erfolgreicher, aber auch eitler Anwalt seiner Mandanten agierend. Sein Plädoyer für ein "abwägendes Schuldstrafrecht" hätte er wohl besser an anderer Stelle gehalten. Hier stört es, mich jedenfals, nur - bis hin zur in diesen Textpassagen eher juristisch-ausschweifenden Sprache.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Scripted Reality für Feuilleton-Leser, 28. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Kindle Edition)
Auch wenn es gemein ist: Das offensichtliche Kokettieren mit dem Wahrheitsgehalt der Geschichten erinnert mich an RTL-2-Dokus oder Scripted-Reality-Formate im TV. Die zeigen auch das echte Leben. So in etwa.

Die "Verbrechen"-Storys könnten trotzdem schön&gut sein. Wenn da nicht der große Anspruch vorangestellt wäre: "Die meisten Dinge sind kompliziert, und mit der Schuld ist es so eine Sache." Sehe ich absolut genauso. Umso mehr ärgert es mich, wenn die Fälle oder die Schuld dann doch meist platt und einseitig dargestellt werden.

Zum Beispiel die "Fähner"-Geschichte über den alten, integren Arzt, der seine biestige Ehefrau getötet hat. Sicher, dieses Eheleben war die Hölle und ich bin ganz bei dem Arzt, wenn er am Ende seine Erlösung findet. Aber: Auch wenn die Ehefrau ein garstiges Monster war – dass sich der Arzt über Jahrzehnte hinweg von ihr distanziert hat (= aus dem Haus gehen, wenn sie noch schläft; heimkommen erst spätabends), dürfte auch nicht gerade zum Gelingen oder Genesen der Ehe beigetragen haben. Tja, mit der Schuld ist es eben so eine Sache. Und: Dass sich der gute Mann so sehr den hehren Werten verpflichtet fühlt, dass er das Ehe-Versprechen partout nicht mit einer Scheidung brechen will, das macht ihn einerseits sympathisch. Andererseits … er begeht einen Mord. Das ist ja in gewisser Weise auch ein Verstoß gegen die hehren Werte. Ein etwas größerer als eine Scheidung.

Oder die "Igel"-Geschichte über das Husarenstück des cleveren Libanesen-Jungen, der seinen hochkriminellen Bruder vor Gericht raushaut. Erstmal sehr lustig! Aber auch hier komme ich anschließend ins Grübeln. Der kriminelle Bruder hat einen Laden überfallen, den Besitzer mit einer Waffe bedroht. Dass das für das Opfer womöglich nicht so lustig war, wird hier mit keinem Wort erwähnt. Im Gegenteil, in der letzten Volte des Husarenstücks wird der Ladenbesitzer sogar noch öffentlich vorgeführt. Wäre das tatsächlich ein realer Fall, wäre das richtig fies.

Nun gut. Wenn der Autor einfach nur – übrigens sehr gut geschriebene – Unterhaltung bieten will, dann passt das. Ganz wunderbar sogar. Aber wer zu Beginn seines Buches einen so hohen, gewissenhaften Anspruch postuliert, der muss sich daran messen lassen.

Das Ergebnis reicht für zwei Sterne.

Aber bitte, das ist lediglich meine Meinung. Das mit der Schuld ist so eine Sache. Das mit dem Geschmack eben auch.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Täter können auch gleichzeitig Opfer werden, 25. August 2009
Von 
Kerstin Junglen (Flörsheim/Main, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Soeben habe ich Ferdinand von Schirachs Buch "Verbrechen" beendet und ich muss sagen, ich habe lange nichts mehr so Beeindruckendes lesen dürfen.

Von Schirach ist Strafverteidiger und schildert in seinem Buch 11 aussergewöhnliche Fälle, die er vertreten hat. In kurzen, knappen aber sehr markanten, einprägenden und auf den Punkt gebrachten Sätzen erzählt er in kurz gehaltenen Kapiteln diese Fälle, die den Leser doch sehr nachdenklich zurücklassen.

Kern aller Fälle ist die Frage, ob der Täter auch gleichzeitig Opfer sein kann oder ist. Ob es nun der gutsituierte Arzt ist, der nach 40 Jahren seine Ehefrau umbringt, der nicht näher genannte Mann, der sich gegen zwei Skinheads verteidigt, die nur tot davonkommen oder der Mann, der Banken überfällt, um wieder zu seiner Familie in ein fernes Land zurückkehren zu können.

Alle diese Täter sind für mich als Leserin auch Opfer, denn sie taten dies, um sich zu verteidigen, um ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen, um nicht mehr leiden zu müssen.

Interessant waren auch die jeweilig geschilderten Gerichtsverhandlungen und was aus den einzelnen Personen geworden ist, wie ihr Lebensweg weiterging.

Fazit: Absolut empfehlenswert für interessierte Leser von aussergewöhnlichen Rechtsfällen und kurzem, unschnörkeligem Sprach- und Schreibstil.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schicksale-Verbrechen-Schicksale, 21. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Taschenbuch)
Alle diejenigen, die schnell mal eine kurze Kriminalgeschichte lesen wollen, werden vielleicht etwas enttäuscht sein. Bei Verbrechen handelt es sich vielmehr um ein Sammlung von "Schicksals"-Geschichten, die natürlich mit irgendeinem Verbrechen in Verbindung stehen, aber die Geschichte der Charaktere steht klar im Vordergrund. Der lakonische Erzählstil des Aurors läßt sich wunderbar leicht lesen, ist schörkellos, teilweise vielleicht etwas steril, passt aber trotzdem gut zu den Erzählungen. Ich kann diese Geschichtensammlung nur jedem ans Herz legen und freue mich schon auf den Folgeband.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vielleicht ein wenig überbewertet?, 8. September 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Hallo,
ich muß vorab darauf hinweisen, dass ich kein Experte bin, nur ein normaler Leser. Und als der bin ich mir mit dem Buch nicht so wirklich einig. Es gibt unbestritten sehr schöne Geschichten ( Fähner und Michalka sind meine Favoriten), bei denen der verknappte Erzählstil wie ein Brett trifft. Es gibt aber auch Geschichten, die durch den selben groben Strich zu Kasperltheater werden, ob sie nun wahr sind oder nicht. Die feine Ironie von etwa Chandler oder die Wucht von Hammett erreicht er nicht. Am ehesten läßt es sich vielleicht in der Tradition von "Letzte Ausfahrt Brooklyn" einordnen. Wers mag wird glücklich. Das gilt im übrigen auch für die teils sehr drastischen Gewaltschilderungen. Sie haben mich mit dem eigentlich seltenen Gefühl hinterlassen, dass ich das Buch nicht noch einmal lesen möchte. Fähner und Michalka ausgenommen, die sind top.
Was mir wirklich aufgestossen ist, sind teils üble Lektoratsfehler. Jader vertut sich mal, und ich sollte wohl nicht den ersten Stein werfen, aber Klopfer wie "Besenstil" und Hackenkreuz" habe ich noch nie in einem fertigen Buch gesehen. Das geht nach keiner Rechtschreibung.
Zusammenfassend ein Buch, dass man nicht ungelesen verschenken sollte. Trotzdem natürlich besser als kein Buch.
Für Kritik gern offen
Socks
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr interessant, 2. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Ferdinand von Schirach, bekannter Strafverteidiger aus Berlin, erzählt in seinem literarischen Werk 11 (angeblich) wahre Stories aus seinem Berufsleben.
Der Erzählstil ist klar und durch knappe, häufig kurze Sätze gekennzeichnet. Die Stories lesen sich wirklich sehr angenehm. Ferdinand von Schirach verfällt in kein Juristendeutsch oder in hochtrabende Sätzen. Er beschreibt ohne jegliches Mitleid die Lebensumstände der Verbrecher, die einem oft nicht als Verbrecher erscheinen.
Zu den Stories selbst möchte ich nichts verraten, jeder soll sich einfach darauf einlassen. Aber ich muss sagen, dass mich die letzte Geschichte 'Der Äthiopier' am meisten berührt hat.
Ein wirklich interessantes Buch'
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr Literat als Anwalt, 7. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich dachte ich bei der Beschreibung des Autors als Promianwalt (z.B. Schabowski) und Verteidiger von Unterweltgrößen bekommt man viel interessantes über reale Fälle zu lesen. Dem Autor geht es jedoch in der Hauptsache um die literarische Darstellung von Lebensschicksalen, als das er den LeserIn bei seiner Anwaltstätigkeit über die Schulter schauen lässt. Obwohl die Plots manchmal nicht schlecht sind, finde ich seine Kurzgeschichten nicht wirklich herausragend. Wirklich interessant finde ich die Geschichten, wo ein Bezug zu seiner Anwaltstätigkeit besteht. So erfährt man in "Tanatas Fuschale" einiges über die Berliner Bandenwelt, "Summertime" ist eine traurige Liebesgeschichte, "Notwehr" - da möchte man irgendwie schon reagieren können, wie der am Ende doch nicht so sympathische Held und "Der Äthopier" hat ein wirklich sehr emotionales Lebensschicksal und zumindest werden in diesen vier Erzählungen keine Frauen zerstückelt, was bei den restlichen schon vorkommen kann. Ob man wirklich einen zweiten literarischen Berliner Anwalt nach Bernhard Schlink braucht?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


39 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fraglich, fraglich!!, 5. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch gerade gelesen, bin beeindruckt von den vielfältigen Sachverhaltskonstellationen, habe gelesen, dass der Autor erst seit 1994 als Rechtsanwalt zugelassen ist, habe gelesen, dass er in allen Fällen die Verteidigung übernommen hat, habe auch gelesen, dass er über weit mehr Zusammenhänge informiert war, als für eine Strafverteidigung relevant ist - und, ich bitte höflichst um Entschuldigung, ich halte es im Ergebnis einfach für unvorstellbar, dass der Autor in dieser relativ kurzen Zeit eine derartige Anhäufung außergewöhnlicher Fälle als Verteidiger auf seinen Tisch bekam.
Wissenswert ist zudem, dass Juristen in der Regel nicht über ihre Fälle schreiben, weil sie etwaige Verstrickungen im Hinblick auf das Schweigerecht, eine Wiedererkennbarkeit im Hinblick auf die Einzigartigkeit der Fallkonstellation, fürchten - und weil sie viel zu sehr in ihrem Beruf stecken, sich gerade - parallel in verschiedenen Sachen - auf Details von Sachverhalten stürzen, recherchieren, vorbereiten, etc., um die Verteidigung auf möglichst sichere Säulen stellen zu können - als, wie anscheinend hier, sich damit zu beschäftigen, wie man den verkaufsgeeigneten Inhalt dieser Lebensdramen möglichst attraktiv darstellen kann.

Wem also das private Fernsehen nicht reicht, und wer sich der Illusion hingeben will, er lese dort echte Lebensgeschichte mit extremen Handlungen, dem kann hier geholfen werden. Aber selbst hier stellt sich ab der 4. story Wahrnehmungsroutine ein.

Als jemand der vom Fach ist, erscheint dieses Buch hingegen in einem anderen Licht: Eine (immerhin) außergewöhnliche wie gewagte PR-Maßnahme eines Rechtsanwalt als Empfehlung für seine Dienste.

Interessant hingegen wäre gewesen den Leser mit einzubeziehen, was - für einen Laien verständlich geschrieben - die Schwierigkeit für die Verteidigung in "dem"
Fall war und warum. Das aber läßt das Buch weitestgehend vermissen.

Letztlich bleibt leider nur das Resumee: Beeindruckend, in welche Lebenssituationen Menschen geraten können.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was ist die Wahrheit?, 15. November 2009
Von 
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Wer als Strafverteidiger über die von ihm vertretenen Fälle schreiben will, steht vor einer Reihe von Hürden. Die größte ist die anwaltliche Pflicht zur Verschwiegenheit. Zwar wird über Anklagen öffentlich verhandelt und oft auch in der Presse berichtet. Aber nach einer Verurteilung verbietet es der Resozialisierungsgedanke, die Tat weiter in der Öffentlichkeit breitzutreten. Außerdem kommt es in vielen Fällen gar nicht erst zur Hauptverhandlung, weil das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt oder im Strafbefehlsverfahren erledigt wird. In anderen ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen, und im Übrigen weiß der Verteidiger in der Regel mehr als verhandelt wird. Manches wiederum darf er gerade nicht wissen wollen, wie Schirach selbst schreibt. Über all diese Dinge muss er schweigen, er darf nicht einmal Vermutungen äußern. Zwar könnte sein Mandant ihn von seiner Schweigepflicht befreien. Daran kann der aber in den seltensten Fällen ein Interesse haben. Ein taktvoller und professioneller Anwalt wird daher seinen Mandanten gar nicht erst danach fragen. Somit kann er über seine Fälle nur dann schreiben, wenn er Daten und Fakten so weit verfremdet, dass der beschriebene Fall vom Leser unter keinen Umständen mehr identifiziert werden kann. Dafür reichen Veränderungen von Namen und Orten nicht aus; gerade spektakuläre Kriminalfälle sind nicht so häufig, dass im Zeitalter von Google nicht aus den Berufen von Täter oder Opfer, vom Tatmotiv oder -werkzeug auf den konkreten Fall zurückgeschlossen werden könnte. Das ist bei keiner von Schirachs Geschichten möglich.

Eine weitere Schwierigkeit: Im Berufsleben eines jeden Anwalts gibt es Höhe- wie Tiefpunkte. Manchmal läuft man zu großer Form auf und erreicht, was zuvor unmöglich erschien; manchmal führen Fehler oder Formtiefs zu nicht optimalen Ergebnissen. Schildert der Anwalt jedoch seine Erfolge in den leuchtendsten Farben, wirkt er angeberisch und unseriös, lässt er sich auch einmal Fehler anmerken, schadet er seinem Renommee oder geht sogar Haftungsrisiken ein.

Der Umschlagtext "Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit", und mehr noch die Ich-Form der Erzählung suggerieren jedoch, es handele sich bei den von Schirach beschriebenen Fällen um wahres oder realitätsnahes Geschehen. Dies führt in die Irre. Wenn überhaupt, hat der Autor einzelne Elemente, Komponenten, Charaktere, Konstellationen tatsächlicher Strafrechtsfälle genommen, neu gemischt, anders wieder zusammengesetzt und bei der Gelegenheit auch noch dramaturgisch aufgepeppt. Den Geschichten mangelt es dadurch leider oft an Glaubwürdigkeit. Nur ein Beispiel: dass die meisten Menschen nicht wissen, ob im Sommer die Uhr vor- oder zurückgestellt wird, mag sein. Dass Staatsanwaltschaft und Gericht sich in diesem Punkt irren und es dadurch zu einem Fehlurteil kommt, erscheint jedenfalls in einem Mordprozess nicht vorstellbar.

Wenn man hiervon einmal absieht, bleiben flott zu lesende Kurzkrimis mit sachkundigen Abschweifungen in Unterwelt der Prostituierten, der Kleinkriminellen, der verkorksten Familien, ob arm oder reich, und die Oberwelt der Gerichte, Staatsanwälte und Verteidiger. Diese Sachkunde - die man in vielen Tatort-Krimis leider vermisst - nimmt man dem Verfasser selbstverständlich ab. Dann wäre es aber auch ehrlicher von ihm gewesen, dem Leser zu sagen, dass er fiction liest und keine Tatsachenberichte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 236 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Verbrechen: Stories
Verbrechen: Stories von Ferdinand von Schirach (Taschenbuch - 1. Oktober 2010)
EUR 8,99
Gewöhnlich versandfertig in 6 bis 10 Tagen.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen