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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kastengeist in Reinkultur, aber kein Grund zur Aufregung
So läßt sich meine Meinung zu diesem Buch am besten zusammenfassen.

Eigentlich wollte ich es gar nicht lesen, denn die negativen Rezensionen fand ich sehr abschreckend. Arroganz und Standesdünkel mag ich ganz und gar nicht und fürchtete daher, das Buch würde mich über Gebühr aufregen. Doch der Blick ins Buch, der auf Amazon...
Veröffentlicht am 25. November 2011 von Nadine1978

versus
48 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Jagdschein für den Adel - Führerschein für das Bürgertum
Gedanken zu
Christine Gräfin von Brühl: Noblesse oblige - Die Kunst, ein adliges Leben zu führen -
Eichborn Verlag, Frankfurt/M. 2009, 253 Seiten, 17,95

Jagdschein für den Adel - Führerschein für das Bürgertum

Lesenswert! Ein adliges Leben mit allem Drum und Dran!? Selbst der Verlag ließ sich nicht...
Veröffentlicht am 9. August 2009 von Dr. H. Braukmüller


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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kastengeist in Reinkultur, aber kein Grund zur Aufregung, 25. November 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
So läßt sich meine Meinung zu diesem Buch am besten zusammenfassen.

Eigentlich wollte ich es gar nicht lesen, denn die negativen Rezensionen fand ich sehr abschreckend. Arroganz und Standesdünkel mag ich ganz und gar nicht und fürchtete daher, das Buch würde mich über Gebühr aufregen. Doch der Blick ins Buch, der auf Amazon möglich ist, sagte mir, daß es so schlimm nicht werden würde - also habe ich es bestellt.

Christine Gräfin Brühl schildert die Lebensgewohnheiten des Adels. Offiziell ist der Adel in Deutschland schon lange abgeschafft, der einstige Titel nur noch Teil des Nachnamens (in Österreich nicht einmal mehr das) - aber natürlich geben Familien nicht einfach von einem Tag auf den anderen ihren Lebensstil auf. Warum sollten sie auch?

Was haben Adlige also für Gewohnheiten? Sie leben, wenn es finanziell drin ist, auf Schlössern und Burgen, die zahlreichen Kinder werden streng (und geschlechtsspezifisch) erzogen, man redet einander gern mit Spitznamen an, der Jagdschein ist für Männer das höchste Lebensziel (na ja, fast), und Tanzen ist Pflicht. Sind Adlige reich? Nicht unbedingt, und Reichtum ist auch relativ - wer ein Schloß in Schuß halten muß, hat natürlich gewaltige Ausgaben, die einen Großteil des erarbeiteten oder geerbten Vermögens verschlingen dürften.

Der Grund für die Aufregung hier im Rezensionsbereich ist aber eher das was die Adligen NICHT tun: Sie meiden den Bürger wie der Teufel das Weihwasser - oder genauer gesagt: den Spießer!

Was alles spießig (oder "leutsch", wie es im Jargon des Adels heißt) ist, würde den Rahmen eines Buches sprengen. Eine kleine Auswahl: Enge Hosen, Haarefärben, Pantoffeln, Modeschmuck... Faustregel: Alles, was nachgemacht ist. Man sollte vielleicht noch hinzufügen: Alles, was bequem und praktisch ist. Tortenheber sind z. B. spießig, und ich fragte mich unwillkürlich, was ein Adliger zu Tortenhebern sagt, die einen "Schieber" eingebaut haben, mit dem man ein Stück Torte bequem auf den Teller schieben kann... Wahrscheinlich stehen ihm / ihr die Haare zu Berge!

Freundschaften oder gar Ehen mit Bürgerlichen sind verpönt. Jemanden ablehnen, weil er nicht den richtigen Stammbaum hat - ja, das ist arrogant, politisch unkorrekt und nicht besonders sympathisch. Die heftigen Reaktionen auf dieses Buch überraschen mich trotzdem, denn: Schaden die Adligen jemandem mit ihrer Lebensweise? Nehmen sie den bürgerlichen Zeitgenossen etwas weg? Hat irgendein Blaublüter politische Umsturzpläne, ist die Entmachtung des Parlaments und die Wiedereinführung der Privilegien geplant? Soweit ich weiß, kann man jede dieser Fragen mit einem Nein beantworten. Und deshalb besteht auch kein Grund zur Aufregung. Ich finde das Buch interessant!

Steckt hinter der Wut einiger Rezensenten vielleicht eher Neid? Denn um einiges kann man Adlige durchaus beneiden, z. B. um zweisprachiges Aufwachsen oder um die Möglichkeit, Hausarbeit und Kindererziehung an Personal zu delegieren.

Wie arrogant und politisch unkorrekt die Autorin persönlich ist, läßt sich schwer sagen. Sie beschreibt viel, kommentiert aber recht wenig, wie ich finde. Und sie hat auch mit einigen Regeln gebrochen, so hat sie z. B. nur zwei Kinder, wie der Klappentext verrät - und wie ein Stammbaum im Internet verrät, hat sie das Unmöglichde getan und einen Bürgerlichen geheiratet - der Name ihres Ehemanns (Henrik Schrader) klingt jedenfalls wenig hochherrschaftlich. So arg kann es bei ihr mit dem Standesdünkel nicht sein...
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48 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Jagdschein für den Adel - Führerschein für das Bürgertum, 9. August 2009
Gedanken zu
Christine Gräfin von Brühl: Noblesse oblige - Die Kunst, ein adliges Leben zu führen -
Eichborn Verlag, Frankfurt/M. 2009, 253 Seiten, 17,95

Jagdschein für den Adel - Führerschein für das Bürgertum

Lesenswert! Ein adliges Leben mit allem Drum und Dran!? Selbst der Verlag ließ sich nicht lumpen: ,Güldener' Einband, ,silbernes' Lesebändchen, schokoladenbraune Ispize, entsprechend - wahrscheinlich - blaublütige Umschlagapplikationen, wie Lüster, High Heels, Flacons, Jagdhund, Katze, eine Tasse mit links liegendem Löffel und so weiter und so fort. Den Klappentext ziert in einem barocken Rahmen das Portrait der Autorin Christine Gräfin von Brühl (*1962), die mit provokanter Dreistigkeit den verflossenen Adel restauriert und damit das real existierende Bürgertum ehrabschneidend ins Abseits katapultiert. Ungeniert statuiert sie unzählig reizende Exempel, wie wohltuend sich doch die (vorgeblichen!) Adligen von den Bürgerlichen abheben. Allein schon der Untertitel Die Kunst, ein adliges Leben zu führen" fordert heraus und Noblesse oblige" - Bourgeoisie auch!

Einen deutschen Adel gibt es gesetzlich seit 1919 nicht mehr. Die Verfassung des Deutschen Reiches besagt in Artikel 109 die Aufhebung des Adels, was auch heute geltendes Recht ist: Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich. (...) Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden." Alle Adelstitel gingen folglich verloren und sind seither nur noch Teil des Nachnamens. Dr. phil. Christine Gräfin von Brühl, die unter anderem Geschichte studierte, weiß wohl um diese Entadelungsmodalitäten und streift sie kurz am Ende des Buches; verinnerlicht hat sie diese nicht, will das auch gar nicht, denn sonst betriebe sie nicht eine altertümliche, arg herausfordernde Ständepolitik... Das Gegenteil von adlig ist gemeinhin bürgerlich. Die Adligen meiden die Bürgerlichen wie der Teufel das Weihwasser. Stimmt das? Nicht ganz, die Zeiten haben sich ja geändert (doch schon gemerkt?). Adligen stellt sich nicht mehr pausenlos die Frage nach der Ebenbürtigkeit. Oder doch? Eines steht fest. Adlige lieben es nicht, wenn ihre Kinder sich anhaltend (sic!) mit Bürgerlichen liieren." Lehrjahre? Und das in einer Zeit, wo in anderen Ländern echte Prinzen bürgerliche Frauen zum Altar führen. Man soll, bitte schön, in eigenen Kreisen heiraten, doch nicht so sehr in nahfamiliären - verständlich - aus guten Gründen, denn die Gesetze des bürgerlichen Mendels greifen auch in diesen Kreisen, was manchmal trotz augenscheinlicher Folgen nicht beachtet wurde. Adlige sollen zahlreiche Kinder zeugen - o ha... Aber man muss der Autorin zugutehalten, dass sie auch in ihren erlauchten Kreisen konsequent hierarchisch denkt - komme, was da wolle, ein kleines Von, ein Vönchen wird indes nicht gerne gesehen, geschweige denn geheiratet. O nein - diese Mesalliancen! Getraut wird nach dem Gotha", einem Nachschlagwerk des Adels, denn bei den Adligen heißt es, eine Ehe mit einem Bürgerlichen sei unaufhaltsam dem Untergang geweiht." Es ist dann doch besser, gleich nach dem Adels-Katalog eine Wahl zu treffen. Die Chancen stehen gut, denn nach von Brühl machen die meisten Adligen Abitur, absolvieren ein Hochschulstudium, wo sie allerdings dauerhaft in die Fänge eines Bürgerlichen geraten könnten". Die Frauen studieren nicht, jedenfalls nicht allzu viele. Sind wir bürgerlichen Frauen, wir misfits intelligenter? Irgendeinen Vorteil muss man uns Ungeborenen" immerhin zugestehen.

Bürgerlich ist nach der ,Gräfin' sozusagen spießig, und den Spießer soll man meiden. Der Autorin folgend, bin ich bürgerlich-spießig, wenn ich den Löffel in der Tasse lasse (bei uns Ostfriesen ist das aber Tradition, wenn man keinen Tee mehr möchte); spießig ist es schon, wenn man die Schuhe beim Betreten eines Hauses ausziehen soll (vom Schonen der Teppiche in nicht so ganz finanzkräftigen Kreisen scheint ,I. H.' noch nichts gehört zu haben). Adlige tragen ihre zunfteigenen Shetlandpullover, auch wenn sie nicht ganz heile sind, stilvoll um die Schultern. Seitdem ich das weiß, schlage ich meinen Segelrolli um die Seite - nur nicht falsch auffallen! Blaublütige finden farbige Damenunterwäsche so schrecklich, dass es sie schüttelt." Und - die ,Adliginnen' scheinen sonderliche Bäuche zu haben, denn, wie ,schenant', beim Bikini, so von Brühl, müsste man den Bauch entblößen". Immerhin geht die Herrschaft schwimmen, aber man begibt sich nicht mit Krethi und Plethi ins öffentliche Bad." Aufschlußreich: Bürgerlich ist auch der Führerschein, Adlige haben einen Jagdschein (sic!). Die ,Blaublütige' konstatiert weiter, dass nicht jeder Mensch spießig sei, wohl aber dessen Zuhause, gesetzt den Fall, eine solche Familie lauscht in einer weihnachtlich besinnlichen Runde dem Weihnachtsoratorium von Bach (seines Zeichens Bürger, der gegenüber der Herrschaft nicht kuschte und einsaß), erfreut sich dabei an einem klingenden Weihnachtsbaum-Engel und einer Weihnachtspyramide. Wie hoffähig ist doch aber gerade der Böllsche ,Friede' rufende Engel! Hört der vorgebliche Adel nur Adelsmusik? Darf es nur pur durchlauchtigst sein? Friedrich der Große? Oder königlich? King of Pop? Und dann die Problematik (fast drei Seiten lang) eines adligen Accessoires, der feudalen Korsettstange, die einen stechenden Schmerz verursachen kann! Indes zu reparieren mit inzwischen hoffähigen Hausmitteln, als da sind Tesafilm, Heftpflaster, Isolierband oder Papiertaschentücher (mit oder ohne Spitze?). Komisch - meine Mutter, aus nicht herrschaftlichem Hause, trug auch Korsett, allerdings mit Stangen, die fürs Vaterland hielten.

Man hätte auch gerne einen Kaiser wieder. Doch wehe - dann müssten sich die adligen Damen mit ihren À-jour-Arbeiten wieder in die Kemenaten ihrer Schlösser oder Arbeiterschließfächer der Plattenbauten zurückziehen; politische Freiheiten gäbe es auch für sie nicht, aber eine jede ist nicht Freiin Malwida von Meysenburg oder Friedensnobelpreisträgerin Freifrau Bertha von Suttner! Und Frau Dr. Christine Gräfin von Brühl lässt uns nicht vergessen, was der Adel uns Gutes getan. Weiß sie nicht um die Fronarbeit leistenden Untertanen? Als Historikerin? Natürlich! Dieses dunkle Kapitel ließ sie mir nichts - dir nichts unter den Tisch fallen. Noch heute beanspruchen nicht wenige ehemals herrschaftliche Familien nicht nur einen Obolus aus der Steuerlast ihrer jetzigen Mitbürger, damit der Staat ihre angeschlagenen Sitze stütze oder kaufe.

Frau Gräfin von Brühl lebt, so der Klappentext, unter der Woche mit ihrem Mann und zwei Kindern in einer Wohnung in Berlin, die Wochenenden und Ferien verbringt sie auf diversen Schlössern und Landsitzen ihrer zahlreichen Verwandten in Europa. Viele Nachfahren des ehemaligen Adels wohnen ihr Leben lang in Eigenheimen, Wohnblöcken, andere auf Herrensitzen, Schlössern und Burgen mit mehr oder minder einladenden Anlagen. Zugegeben - die Brühlsche Terrasse lohnt immer einen Besuch. In Noblesse oblige" scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, denn darin lebt man zumeist auf Schlössern, aber bitte mit Computer, Handy und Auto, die allerdings von Bürgerlichen erfunden wurden, die überdies nicht alle Abitur hatten, aber Köpfchen.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jeder Nachfahre früherer Adelshäuser mit diesem an Apartheid erinnernden Nobilitätsbuch übereinstimmt, ja, ich glaube, dass der große Kreis dieses Genres das klägliche Erzeugnis ihrer Standesgenossin sogar missbilligt. Lesen Sie selbst! Fast 253 ausgeschamte Seiten!

Nicht zuletzt möchte ich betonen und das besonders gern: Ein Adliger liegt mir seit Kinderzeiten sehr am Herzen - Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland - wie schön, dass es den Bürger Theodor Fontane gab...

© Dr. Dr. Heide Braukmüller, Weener
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63 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Überflüssig, 1. Juni 2009
Um es gleich vorwegzunehmen: Bei Noblesse Oblige. Die Kunst, ein adliges Leben zu führen", handelt es sich um ein ausgesprochen überflüssiges Werk der Autorin Christine Gräfin von Brühl, der es über 252 Seiten gelingt, den Leser mit selbstgefälligen Nichtigkeiten zu ermüden und dem eigenen Stand ungeniert auf die Schulter zu klopfen.
So erfährt die Leserschaft zum Beispiel, dass auch der Adlige der Schulpflicht unterworfen ist und ihn weiße Socken in Sandalen schaudern lassen. Soweit, so schlecht, denn leider kommt das Buch über dieses Informationsniveau nicht hinaus. In einer keine Befriedigung findenden Wiederholungssucht werden zwei Themenbereiche in nahezu jedem Kapitel herausgearbeitet: explizit, der Adlige feiert und tanzt gerne; implizit, die Abscheu des Adligen vor dem Nichtadligen: Hier wird eine Mischehe" schon einmal mit einem Auf-die-schiefe-Bahn-Kommen gleichgesetzt. Und fast nebenbei wird dem Leser ausgerichtet, dass Demokratie und Soziale Marktwirtschaft nur vorübergehende Erscheinungen ihrer Zeit sind, wohingegen der Adel von dauerhaftem Bestand ist. Aha.
Dass der Eichborn-Verlag sich verteidigt, Frau von Brühl erzähle mit Sympathie und Selbstironie", erscheint vor diesem Hintergrund als eine verzweifelt nach Worten ringende Deeskalationsstrategie, die an Apartheid erinnernde Überheblichkeit einer sozialen Gruppe abzumildern, die sich primär über das Abwerten von Menschen nichtadliger Herkunft definiert und ihre eigene Stellung durch das Einheiraten in eine laut Gotha höher stehende Familie aufzuwerten versucht.
Auch die wertvollen Erfahrungsberichte der Autorin (Auch kenne ich gut den stechenden Schmerz, den eine Korsettstange verursacht, die sich gelöst hat und durch Stoff und Futter in die nackte Taille bohrt."), gepaart mit praktischen Tipps (Zur Not helfen auch ein Papiertaschentuch und Tesafilm. Wenn das alles nichts hilft, muss man das dumme Ding eben ganz herausziehen. Eine gute Korsage enthält schließlich mehr als eine Stange."), vermögen den Kauf dieses Buches deshalb nicht zu rechtfertigen.
Wenn die Arbeit von Frau von Brühl, die unter der Woche mit ihrem Mann und zwei Kindern in einer Wohnung in Berlin lebt" und die Wochenenden und Ferien auf diversen Schlössern und Landsitzen ihrer zahlreichen Verwandten in Europa" verbringt - wie der Klappentext aufgeklärt verkündet -, dennoch zu etwas Nütze ist, dann dafür, dass man nach der mühsamen Lektüre erleichtert aufatmen kann in der Erkenntnis, dass es sich heute weitestgehend durchgesetzt hat, in der Gesellschaft über eine persönliche Leistung Anerkennung zu erfahren und nicht über den bloßen Zufall, ein Nachfahre von adligen Eltern zu sein.
Für diesen Zweck den stolzen Preis zu verlangen, ist zwar eine Unverschämtheit, könnte aber beiläufig zur Folge haben, dass die Autorin als Dank für die finanzielle Zuwendung der sicher vornehmlich nichtadligen Leserschaft ein wenig mehr Respekt für sie erübrigt.
Zurück bleibt der Leser in seiner Ungewissheit über das Motiv von Frau von Brühl: Wenn sie in die Fußstapfen ihres Cousins Alexander von Schönburg und dessen Kunst des stilvollen Verarmens" treten wollte, darf dieser Versuch getrost als gescheitert angesehen werden; wenn sie sich dagegen bemüht haben sollte, Sympathie für und Interesse am Adel zu wecken, hat sie ihresgleichen einen Bärendienst erwiesen.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Informativ, aber reaktionär, 25. September 2009
Von 
selberdenker (Innsbruck, Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
Wer sich über Wesen und Wirken des Adels in der heutigen Zeit informieren will, der hat es mit einem Buch reichhaltiger Informationen zu tun, das ihn/sie sicher zufriedenstellen wird. Ein detaillierter Blick hinter die Kulissen, der beinahe kein Thema auslässt und vor allem für die Freunde und LeserInnen von Klatschzeitungen einige aha-Effekte bereithält. Die aristokratische Tour d'horizon geht von Geburt, Erziehung, Ausbildung und Heirat bis hin zu so brennenden Fragen wie 'Welche Kartenspiele spielen Adelige?' und 'Wann wird ein Schottenrock getragen?' Vieles wird eher im Vorbeigehen gestreift, wer z.B. verstehen will, warum Tortengabeln 'spießig' sind, der muss sich wohl oder übel seine eigenen Gedanken machen. Auch die Aversion der Autorin gegen Gardinen und Vorhänge ist nicht wirklich schlüssig erklärt.
Der Ton, in dem das alles geschrieben steht, ist betont beiläufig und beruhigt, als wollte man damit sagen: so ist es, so war es, und so wird es immer bleiben; Erklärung und Nachfrage unerwünscht. Ein Adeliger, so liest man, ist nie allein, und wer etwas Besseres zu tun hat als zu tanzen, ist zumindest seltsam, wem endlose Konversation über das Wetter zu nichtig ist, ebenso. Diese doch eher arrogante Attitüde trübt das Lesevergnügen, so heißt es etwa ernst gemeint, dass ein Adeliger "auf die schiefe Bahn gerät", wenn er (zu viele) bürgerliche Freunde hat. Auf die Selbstironie, die am Buchumschlag angekündigt war, wartet man über lange Strecken vergeblich; es sei denn, 'Selbstironie' ist gleichbedeutend mit 'liebevoller Verklärung'. Dazu kommt, dass die Ausführungen die (gravierenden) Unterschiede zwischen preußisch-protestantischer und katholisch-süddeutscher(-österreichischer) adeliger Lebensart im Wesentlichen ignorieren und verschweigen.
Zum Abschluss erhält man noch ein kaum verhülltes Plädoyer für die Monarchie (inklusive Geringschätzung solch arg bürgerlicher Institutionen wie der sozialen Marktwirtschaft) und eine apodiktische Sentenz über das Adelsleben, die einen nicht wirklich klüger macht:'es wird sich nie etwas ändern'.
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21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Kunst, ein adeliges Leben zu führen, 3. März 2009
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
DIE KUNST EIN ADELIGES LEBEN ZU FÜHREN von Christine Gräfin von Brühl beschert uns einen ungeahnten und dazu auch noch amüsanten Blick hinter die Kulissen von so manchem adeligem Leben - die Autorin weist mit viel Sachverstand und Witz auf die Regeln und die Tücken und Fallen eines adeligen Lebens hin und wer adelig ist oder nicht das weiß noch immer die Bibel der Adeligen, der Gotha.

Ich habe mich sehr amüsiert und war doch auch beeindruckt über die Raffinesse und den Stil der Autorin, Sie vermag es einem die Geheimnisse des Adels zu zeigen und doch auch zu verschleiern, sie offenbart und versteckt, beschönigt und enthüllt zugleich. So ist einem der europäische Adel wohl noch nie gezeigt worden und mit NOBLESSE OBLIGE gibt sich der Adel nun auch durch Christine Gräfin von Brühl bei uns ein Stelldichein.

Einiges empfinde ich als ein wenig hochmütig und elitär - doch vielleicht kommt das auch nur, weil man unbewusst gerne dazu gehören möchte?

Vieles erscheint antiquiert, doch wer weiß, vielleicht wird es ja irgendwann wieder modern.

Die geschilderten Szenerien, Bälle, Empfänge, Erziehungsmaßnahmen und Feste, wie auch die Art sich zu kleiden, zu reden und zu essen sind köstlich - die Autorin demaskiert und erhöht zugleich, dass soll ihr mal jemand nachmachen.

Ich habe dieses Buch genossen, es war ein interessanter, wenn auch subjektiver Einblick in eine Welt die vielen verschlossen ist, obwohl sie immer noch existent in der Gesellschaft bleibt.

Wer eine vergnügliche Stunde zum Thema Adel in Deutschland sucht, wird mit dem Buch von Christine Gräfin von Brühl gut bedient sein und so manchen Erkenntnisgewinn daraus ziehen.

Empfehlenswert!
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr davon, 9. Dezember 2009
Gutes Buch! Die Balance zwischen reflektierter Distanz und Zuneigung macht ihr so schnell keiner nach. Der eloquenten Kritik meines Vorredners kann ich mich in dem Sinne nicht anschließen, mir ist nicht ganz klar, was er erwartet hat. Das ist kein Enthüllungs-skandal-buch, zum Glück. Es werden Geschichten erzählt, denen man den behutsamen soziologischen Blick anmerkt. Das Buch tut wahrscheinlich beiden Seiten trotzdem weh, den Bürgerlichen und den Adligen. Anders ist aus der obskuren kulturellen Konstellation auch nicht herauszufinden, in welche Geschichte und der Boulevard die Beziehung zwischen den Gruppen gebracht hat.
Klar wird: Adel und das Bild das im Boulevard gezeichnet wird, haben relativ wenig miteinander zu tun.
Wer den Zynismus und Witz aus Schönburgs Büchern liebt, dem sei das unbenommen, er erinnert fatal an Talkshows, wer kann schneller und lauter lachen. Das ironische Faktenfeuerwerk das er abbrennt ist zusammengeklaubt, das merkt man deutlich. Vielleicht gutes Journalistenhandwerk. Das hat Frau von Brühl nicht nötig. Sie schreibt leise, aus sich heraus kenntnisreich, liebevoll und trotzdem reflektiert und mit Distanz. Es ist ein Buch der Zwischentöne, vielleicht hat es das, was man weibliche Intelligenz nennt. Es ist prachtvoll geschrieben, auch ohne das Thema selbst gute Literatur. Für mich das beste, was in dem Zusammenhang auf dem Markt ist, und macht Lust auf mehr.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Was ein Blödsinn, 28. Mai 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Wenn es wenigstens durchgängig lustig wäre.........Das Buch ist eine einzige Ansammlung von immer wieder gleichlautenden Vorurteilen. Es fehlt nur noch, dass festgestellt wird Adlige hätten mehr Geschmack, Stil und Niveau als die ach so einfachen und ordinären Bürgerlichen.....
Ich hätte mir viel mehr Lustiges, Erheiterndes oder Reales erwartet.
Wenn ich die Adligen die ich kenne vergleiche, muss ich sagen das stimmt nicht, was hier ausgebreitet wird.
Empfindliche Leser werden sich bei der Lektüre dieses Buches an die Revolution in Frankfreich dankbar erinnern. Wenn alle Adligen so wären wie hier beschrieben dann gute Nacht und weg damit.
Es hat etwas Rassistisches, vergeblich humorvoll verpackt.
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11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Es ist ein entlarvendes Buch..., 20. März 2010
Von 
Nora Brinker (Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
...und das ist auch gut so! Bevor ich mir einige meiner Vorrezensenten angetan hatte, wollte ich dem Buch eigentlich eine schlechtere Note geben. Sie haben mir aber die Augen bezüglich seiner wahren Verdienste geöffnet, und der liegt darin, aufgezeigt zu haben, dass die Zugehörigkeit zum Adel zu den wenigen Dingen gehört, die man immer noch nicht kaufen kann, und das es so etwas überhaupt noch gibt, allein dafür möge der Adel ewig bestehen. Selbstverständlich ist das Buch, obwohl es sich um Distanz bemüht, arrogant. Selbstverständlich ist es voll von politischen Unkorrektheiten! BRAVO! Hilflos wie ein Goldfisch auf dem Trockenen nach Luft schnappende Doppeldoktorinnen aus Ostfriesland hier im Rezensionsbereich beobachten zu dürfen, machen alle Mängel des Buches mehr als wett. Da gibt es doch tatsächlich Leute, die es wagen, unter sich bleiben zu wollen!

Verdienstvoll ist auch, dass es nach der Lektüre klar sein dürfte, dass das Illustriertengschwerl nur sehr wenig mit "dem Adel" zu tun hat.

Allerdings hätte ich von einer Akademikerin ein Buch mit etwas mehr Substanz erwartet. Einige historische Exkurse, die manche Zusammenhänge hätten klären können - vielleicht zu Lasten der schlimmsten Unwichtigkeiten - hätten das Buch aufgewertet, und es ist auch einfach nicht sehr gut geschrieben, voll von Non-Sequitur-ismen und sprachlichen Ausrutschern, vor allem, wenn die Autorin sich allzusehr bemüht, "originell" zu sein.

Manche Schilderungen sind allerdings unbezahlbar. Bei der durch das Engelshaar grade noch geretteten Verlobten, habe ich mich abgerollt. Sicher fühlen sich auch viele "Spießer" in dem Buch wiedererkannt und entlarvt, und das schmerzt.

Der Vergleich mit der ebenso gnadenlosen, wie geistreichen Spötterin und geschliffenen Stilistin Nancy Mitford ist allerdings allzu geschmeichelt.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Innenleben der Deutschen Adelskaste, 14. Februar 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die Autorin hat ein amüsantes Buch über den Deutschen Adel geschrieben.
Man hält sich immer noch für etwas besonderes , obwohl dieses besonders sein ausschließlich mit Äußerlichkeiten wie Kleidung
und Benehmen gerechtfertigt wird.
Der heutige Adel rechnet sich eine gloreiche Vergangenheit zugute , an der man selber garnicht teilgenommen hat.
Viele Passagen sind sehr belustigend , wie z.B. das männliche Adlige ohne Jagdschein von den anderen Kastenmitgliedern
nicht akzeptiert werden.
Etwas überzogen scheint mir die Begeisterung der Autorin für Geselligkeiten zu sein. Hier wäre es sicher interessant zu
erfahren , ob andere Adlige auch so versessen sind auf Familienfeierlichkeiten aufzutreten.
Letztendlich tut der Adel das was andere Minderheiten z.B. die Zeugen Jehovas oder die Anhänger der Piusbrüder
auch tun , man bleibt lieber unter sich. Ein Verhalten was politisch korrekte Gutmenschen sicher mißbilligen werden.

Als Eindruck vom heutigen Adel bleibt ein gewisser morbider Charme und eine Dankbarkeit selber dieser Kaste nicht anzugehören.
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14 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Bücher, die die Welt nicht braucht...., 11. Mai 2009
Von 
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Da ich ein wunderbares Buch über Dresden der Autorin gelesen habe, war ich auch auf diesen Titel neugierig und habe ihn mir voller Vorfreude bestellt.
Tja, nuuuuun....
Irgendwie bin ich leider nicht hinter den Sinn dieses Buches gestiegen - es ist nicht informativ und schon gar nicht witzig.
Beim besten Willen erschließt sich mir nicht, warum der Eichborn-Verlag dieses Buch veröffentlich hat.
Aber vielleicht gehöre ich nur einfach nicht zur Zielgruppe...
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Noblesse oblige: Die Kunst, ein adliges Leben zu führen
Noblesse oblige: Die Kunst, ein adliges Leben zu führen von Christine von Brühl (Taschenbuch - 1. März 2011)
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