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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die immerwährende Suche nach dem Sinn des Lebens,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Masseur: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der in seiner Jugend aus Rumänien in die Schweiz geflohene erfolgreiche Firmenvertreter Teodor Moldovan fühlt sich ausgebrannt und fragt sich, ob er nicht in der alten Heimat mit seiner Jugendliebe glücklicher geworden wäre. Also fährt er mit undeutlichem Ziel nach Rumänien.In einem Dorf "am Ende aller Straßen" begegnet er einem blinden Masseur, den seine Kunden bezahlen, indem sie ihm von ihm ausgewählte Literatur aus seiner 30.000-Bände-Bibliothek auf Tonbänder sprechen. Da der Masseur glaubt, die Menschen müssten lernen zu handeln, möchte er sie über die Literatur dazu anstacheln. Teodor und der Masseur werden Freunde. Nach einigen rumänientypischen Abenteuern auf der Suche nach vergangenem Glück kehrt Teodor zu dem Freund zurück. Dieser aber begeht einen unerwarteten, existenziellen Verrat an ihm - oder handelt es sich um einen letzten Freundschaftsdienst? Mit einem Gefühl für die rechte Mischung aus Spannung und Emotion, Situationskomik und Melancholie lässt der Autor ein Land und ein Volk vor dem Leser auftreten, die entweder resigniert haben oder mit allen (oft selbstzerstörerischen) Mitteln versuchen, ein Plätzchen an der Sonne zu ergattern. Die Rollen werden oft unversehens getauscht in diesem Land zwischen Aufbruch und Rückschritt. Die Sinnfrage beantworten vielleicht die Literatur, die in diesem Buch wesentliche Impulse gibt, und der stetige Traum: "Was wäre (gewesen), wenn ...?" Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Liebeserklärung an die Literatur,
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Masseur: Roman (Gebundene Ausgabe)
Teodor ist mit 18 Jahren zusammen mit seinen Eltern vor dem Ceaucescu – Regime in die Schweiz geflohen und hat sich dort vom Brotfahrer zum Consulting – Manager einer Firma für Sicherheitsschleusen hoch gearbeitet. Der junge romantische Rumäne, der in seiner Heimat verwurzelt war in den Geschichten der Alten des Dorfes und seiner Jugendliebe auch als erwachsener Mann noch Briefe schreibt, trägt in der Schweiz Maßanzüge, fährt einen Audi und kennt die wichtigen Businessstädte der Welt wie seine Westentasche. Und doch beschließt er, wieder nach Rumänien zurückzukehren. Den genauen Grund dafür kann er selbst nicht nennen, sei es, dass er mit seiner Jugendliebe endgültig reinen Tisch machen möchte, sei es, dass das Antiseptische der Schweiz ihm nicht mehr behagt – genauso wenig behagen ihm aber auch die Bauern Rumäniens, die schlechten Straßen, das eingeschränkte Essen, die Anbiederungen des Landes an die EU.Teodor ist ein zerrissener Nostalgiker, der durch Zufall auf einen blinden Masseur stößt, der sich die Weltliteratur von Dorfbewohnern und Kururlaubsgästen vorlesen lässt, die Bänder dann kommentiert und archiviert. Dieser Masseur wickelt Teodor immer mehr in sein Leben ein, aus einem Kurzbesuch wird ein Aufenthalt ohne absehbares Ende, die zu erledigenden Sachen werden vergessen und Teodor findet sich plötzlich in einer anderen Geschichte wieder, die nichts mit ihm zu tun hat. Florescos Roman erinnert ein wenig an Canetti, an Moers, an Konecny, an alle, die Bücher lieben und diese Liebe literarisch zum Ausdruck bringen. Das ist auch der Charme des Buches, ebenso, wie der ständige Identitätsverlust der Hauptfigur, der jedoch niemals ganz vollzogen oder erklärt wird. Floresco webt feine Elemente in die Geschichte, wo er bei anderen Sachen wiederum sehr unaufmerksam ist und man dem Erzähler Einiges nicht abnimmt. Das Bild Rumäniens aus Teodors Augen ist ein Stereotyp, wie auch das Bild des erfolgreichen Managers, dagegen stehen plastisch geschriebene Illustrationen des Fremden in der Schweiz und philosophische Ansätze zu Kultur und Gesellschaft. Alles in allem ein lesenswertes Buch des Chamisso – Preisträgers, wenn auch manchmal ein wenig zu platt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Der blinde Masseur,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Masseur: Roman (Gebundene Ausgabe)
Als Halbwüchsiger ist Teodor durch die rumänischen Dörfer gereist und hat sich von den abergläubischen Bauern Geschichten erzählen lassen. Nun kehrt er als erfolgreicher Mann aus dem Westen in seine Heimat zurück, um herauszufinden, ob er dort glücklicher geworden wäre. Und auch, um seine Jugendliebe wieder zu finden. Am Ende aller Straßen trifft er auf den blinden Masseur und seine Freunde. Teodor ist fasziniert von dem Ort, wo Patienten ebenso wie Bäuerinnen und sogar der Bürgermeister Werke der Weltliteratur auf Band sprechen. Doch nicht alle sind so gastfreundlich wie die schöne Elena, bei der er sich eingemietet hat. Schon bald gerät er in ein Netz aus Hinterlist, Korruption und Gewalt. Florescu lässt eine Welt entstehen, die ebenso unbarmherzig wie poetisch, ebenso schön wie verzweifelt ist.Floresco webt feine Elemente in die Geschichte: Den Mittelpunkt des Romans bildet Ion, der blinde Masseur im kleinen rumänischen Kurort am Ende der Welt, der sich vorlesen lässt. Weltliteratur kommt dadurch in das einfache Dorf, denn viele sprechen Texte für Ion - auch auf Tonband. Es kommt zu außergewöhnlichen Begegnungen, beispielsweise mit Elena, die sich schön anzieht - nicht - oder doch ein wenig? - für den blinden Ion, sondern "für die Bücher", die sie vorliest. Mit einer guten Mischung aus Spannung und Emotion, Situationskomik und Melancholie lässt der Autor sowohl ein Land als auch ein Volk vor dem Leser auftreten, die entweder resigniert haben oder mit allen Mitteln versuchen, einen auf der Sonnenseite des Lebens zu ergattern. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
Fortschritt?,
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Masseur: Roman (Taschenbuch)
Das Buch hat für mich vielversprechend angefangen und ich habe mich sehrgefreut das Werk von einem "Landsmann" zu lesen, der dazu noch im Ausland von mehreren Kritikern gefeiert wird. Allerdings schockiert mich dann doch das Bild, dass der Autor über Rumänien hinterlässt. So werden alle rumänischen Frauen als oberflächlich, unselbstständig und nur auf der Suche nach der Rettung in Form von wohlhabenden Italienern beschrieben. Die Landbevölkerung besteht nach Meinung des Autors größtenteils aus schnapstrinkenden, speckessenden Menschen, die diesem einfachen Leben ohne Tiefgang verfallen sind. Nach Meinung des Autors lauert zudem in jeder Ecke Rumäniens ein Gauner, der nur darauf wartet jemanden zu hintergehen. Und selbst Freunde werden zu jenem Gauner aufgrund ihrer Faszination und dem Drang in den "Westen" zu ziehen. Dies alles führt dazu, dass ein Außenstehender ein äußerst negatives Bild von Rumänien bekommen könnte. So bietet der Autor lediglich nur die negativen Aspekte des Landes, die durch das Erbe des Kommunismus entstanden sind. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Roman über die Kraft von Büchern.,
Von Redaktion Literaturtipp.com "Literaturtipp.com" (Butjadingen-Stollhamm, an der Nordseeküste) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 50 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Masseur: Roman (Gebundene Ausgabe)
Teodors Reise fängt turbulent an: Er ist auf dem Weg nach Rumänien, in das Land seiner Eltern und seiner Kindheit, aus dem er zwei Jahrzehnte zuvor geflüchtet ist, und steht im Stau. Verursacht hat den ein junges Paar, unterwegs zur eigenen Hochzeit. Zu schnell waren die beiden auf ihrem Weg ins Glück - und nun transportiert ein klappriger Trecker sie über staubende rumänische Felder auf ihrem letzten großen Auftritt in wehendem Brautkleid und fast makellosem Anzug.Schon nach knapp 20 Seiten von "Der blinde Masseur" ist ganz klar: Der rumänisch-schweizerische Autor Catalin Dorian Florescu spielt in diesem melancholischen, vielleicht sogar biografisch angehauchtem Werk seine große Fabulierstärke aus. Poetische Weite haben seine Bilder, in ihrer Kraft ruht das Buch. Wie nah Schönheit, Verletzlichkeit, Leben und Sterben beieinander liegen, kann Catalin Dorian Florescu in wenige Zeilen legen: "Das Schwein grunzte im Stall und in einem kleinen Gehege hüpften Küken aufgeregt durcheinander. Das kleine Mädchen holte eines von ihnen heraus, einen kleinen, goldenen Ball, sie ließ es auf dem Tisch frei, es wollte fliehen, aber sie schränkte seine Freiheit mit Armen ein. Elena wollte, dass die Kleine das Küken wieder einsperrte, sie stritten, das Küken benützte den Streit, um zu fliehen. Es sprang vom Tisch, der Katze direkt vor die Pfoten. Die Katze brach ihm das Genick, ließ es wieder auf den Boden fallen, schaute mit kaltem Blick zu uns hinauf und wich dem Schuh des Mädchens aus. Die Pfingstrose duftete stark, und der Hahn krähte." Teodor reist, sieht, lebt, in wundervollen Bildern und fantasiegewaltiger Sprache. Da strecken sich ihm Hände hin, "rau, so wie die Hände aller, die mit dem wirklichen Leben zu tun hatten und nicht nur mit dessen Verdünnung", da beobachtet er im Gras liegend "die vier alten Nussbäume", von "einem Bein aufs andere" tretend, die gelernt hatten, "im Stehen zu ruhen, nur deshalb waren sie all die Zeit nicht umgefallen". Teodors Augen trotzen der Welt Poesie ab; und doch: Was ihn in die rumänische Einöde treibt und warum er dafür offenbar seinen lukrativen Job als Vertreter für Sicherheitstüren in der Schweiz zumindest für eine längere Zeit aufgegeben hat, bleibt vage; irgendwas muss es natürlich mit Valeria zu tun haben, seiner ersten, großen Teenager-Liebe, die er wegen der Flucht in den Westen urplötzlich verließ. Ihr schrieb er über Jahre immer wieder Briefe, ohne sie abzuschicken, und sie ging ihm nicht aus dem Kopf. Vielleicht ist aber der Grund für den Aufbruch weniger wichtig, als die Tatsache, ihn zu wagen - immerhin ist das Buch "all jenen gewidmet, die trotz allem weiter suchen". So gerät Teodors Trip ins Land seiner Kindheit zu einem Ausflug ins Ich. Kontrapunktisch knüpft der Weg dabei immer wieder an ein Motiv an: der Liebe zu Büchern, zu Geschichten und Erzähltem. Immer wieder erinnern Rückblicke an Teodors Tonband-Streifzüge durch die Dörfer, bei denen er Bauern ihre Geschichten erzählen ließ - vom Teufel, der durch den letzten Spalt Abendlicht am Horizont in die Welt kam, von Toten, die zu "strigori", zu Untoten werden, wenn über sie Hunde oder Hühner laufen. Und dann ist noch Ion da, der blinde Masseur, der in seiner Kindheit das Augenlicht verlor und seitdem von der Welt der Literatur getrennt gewesen wäre, hätte er nicht eine Lösung gefunden: Seine Massagen lässt er sich mit Vorgelesenem bezahlen. Die Auswahl der Werke trifft er dabei selbst - der Fabrikdirektor liefert ihm Marx, die Bäuerin liest Dostojewski, ein Bergarbeiter gibt Zolas "Gérminal" zum Besten. Und obwohl die Bücher an den Verhältnissen nichts ändern, lassen ihre Geschichten doch die Möglichkeit erahnen, das Leben nicht "Tag für Tag zu verpassen", schlicht "indem man es lebt". Bücher, das macht Ion klar, muss man jedoch finden, wie Freunde: "Man braucht eine besondere Art von Liebe und Geduld, damit sich die Bücher öffnen und zu einem sprechen. Außerdem braucht man auch eine besondere Art Offenheit, sonst sieht man nur, was man will", sagt Ion. "Es gibt Bücher, die eine eigene Stimme haben, und man kommt vorwärts mit ihnen." Allmählich wird Teodor Teil der Dichter-Klub-Kolchose, die sich um Ion und dessen Zehntausenden von Büchern schart. Das Leben plätschert dahin, Tag für Tag, Teodor zieht aus, um zu finden und kehrt zurück, vielleicht ein bisschen weniger suchend. Alles ist anders, zwei Jahrzehnte nach seiner Rückkehr, aber doch erkennt er alles wieder - die Menschen, die Gefühle, die Sehnsucht nach dem Leben. Immer wieder zeichnet Autor Catalin Dorian Florescu dabei das Bild eines grotesk modernen Rumäniens, ein Land im Aufbruch, in dem letztlich doch alle irgendwie auch Gauner sind. Alles ist ein wenig bäurisch, verschlagen, irgendwie zurückgeblieben im weit voraus geeilten Europa - ein Land, vergilbt wie die Seiten eines zerlesenen Buches, durch das gehörig der Wind weht. Am Ende ist längst nicht alles gut. Irgendwie aber doch im Lot. Die Reise ist nicht vorbei, aber hinterlässt eine Ahnung, dass es sehr gut war, sie zu riskieren. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Schön für Bücher,
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Masseur: Roman (Gebundene Ausgabe)
Da kehrt einer der Schweiz den Rücken, um Rumänien, seine alte Heimat neu zu erkunden. Theodor heißt der Ich-Erzähler, der einfallsreich und drastisch von seiner Suche nach einem verlorenen Leben berichtet, das ihm entgangen ist, weil ihn seine Eltern als Kind in den sicheren und reichen Westen gebracht haben. Den Mittelpunkt des Romans bildet Ion, der blinde Masseur im kleinen rumänischen Kurort am Ende der Welt, der sich vorlesen lässt. Weltliteratur kommt dadurch in das einfache Dorf, denn viele sprechen Texte für Ion - auch auf Tonband. Es kommt zu außergewöhnlichen Begegnungen, beispielsweise mit Elena, die sich schön anzieht - nicht - oder doch ein wenig? - für den blinden Ion, sondern "für die Bücher", die sie vorliest. Das langsame Erblinden des lesenden Ions wird im Rückblick erst gegen Ende erzählt. Und die Schlusspointe natürlich, die Theodor zurück in die Banalität des Lebens - weg von den wunderbaren literarischen Fiktionen führt. Göttliche Dialoge schreibt Florescu en passant, beispielsweise im Stau - und der Leser steht mit ihm am Straßenrand:"Wir hätten früher abfahren sollen. Dann hätten wir jetzt nicht einen Unfall mit Toten vor uns", schimpfte eine Frau im Auto hinter dem meinen. "Ein Unfall mit Toten kann zu jeder Tageszeit passieren", erwiderte ihr Mann genervt. "Da kannst du abfahren, wann du willst, du riskierst immer einen Unfall mit Toten." Er fluchte. "Vom Fluchen werden die nicht wieder lebendig", giftete die Frau. Aber von der Literatur vielleicht - Theodor entdeckt, dass die Toten ein Brautpaar waren auf dem Weg zur Hochzeit. Florescus fesselnder Bericht vermag dieses und noch viel mehr. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Leidenschaft fürs Lesen,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Masseur: Roman (Gebundene Ausgabe)
Da kehrt einer der Schweiz den Rücken, um Rumänien, seine alte Heimat neu zu erkunden. Theodor heißt der Ich-Erzähler, der einfallsreich und drastisch von seiner Suche nach einem verlorenen Leben berichtet, das ihm entgangen ist, weil ihn seine Eltern als Kind in den sicheren und reichen Westen gebracht hatten. Den Mittelpunkt des Romans bildet Ion, der blinde Masseur im kleinen rumänischen Kurort am Ende der Welt, der sich vorlesen lässt. Weltliteratur kommt dadurch in das einfache Dorf, denn viele sprechen Texte für Ion - auch auf Tonband. Es kommt zu außergewöhnlichen Begegnungen, beispielsweise mit Elena, die sich schön anzieht - nicht - oder doch ein wenig? - für den blinden Ion, sondern „für die Bücher", die sie vorliest. Das langsame Erblinden des lesenden Ions wird im Rückblick erst gegen Ende erzählt. Und die Schlusspointe natürlich, die Theodor zurück in die Banalität des Lebens - weg von den wunderbaren literarischen Fiktionen führt. Göttliche Dialoge hört Theodor en passant, beispielsweise im Stau - und der Leser steht mit ihm am Straßenrand:„Wir hätten früher abfahren sollen. Dann hätten wir jetzt nicht einen Unfall mit Toten vor uns", schimpfte eine Frau im Auto hinter dem meinen. „Ein Unfall mit Toten kann zu jeder Tageszeit passieren", erwiderte ihr Mann genervt. „Da kannst du abfahren, wann du willst, du riskierst immer einen Unfall mit Toten." Er fluchte. „Vom Fluchen werden die nicht wieder lebendig", giftete die Frau. Aber von der Literatur vielleicht - Theodor entdeckt, dass die Toten ein Brautpaar waren auf dem Weg zur Hochzeit. Florescus fesselnder Bericht vermag dieses und noch viel mehr. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Auf der Suche nach sich selbst!,
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Masseur: Roman (Taschenbuch)
Teodor Moldovan wuchs in Rumänien auf. Seine große Leidenschaft als Jugendlicher war es, durch Dörfer zu ziehen und sich von Bauern wundersame Geschichten erzählen zu lassen, die zum Großteil von Geistern und Teufeln handelten. Diese Geschichten wurden von ihm auf Kassetten aufgenommen und penibel geordnet. Seine Freundin Valeria belächelte seine Leidenschaft meistens, doch ein einziges Mal ließ sie sich auch auf ein derartiges Abenteuer ein. Diese Nacht festigte die Liebe der beiden. Wie das Leben so spielt, war ihnen keine gemeinsame Zukunft vergönnt. Teodor flüchtete mit seinen Eltern aus dem autoritären Rumänien und landete letztendlich in der Schweiz.Das Buch beginnt damit, dass Teodor – von jahrelanger Sehnsucht getrieben – sich aufmacht, um seine Heimat, Rumänien, noch einmal zu erkunden. Mittlerweile ist er ein erfolgreicher Verkäufer von Sicherheitstüren, verdient eine Menge Geld. Doch er fühlt sich in der Schweiz nie angekommen, ist ausgebrannt, einzig seine enge Verbindung zu seiner Mutter hielt ihn so lange dort. Nun möchte er noch einmal mit den Geschichten der Bauern konfrontiert werden, möchte seine Jugendliebe wiedersehen. Teodor landet auf seiner Reise in die Vergangenheit in einem heruntergekommenen Kurort, Moneasa, lernt dort die schöne Elena kennen, bei deren Familie er bis auf weiteres wohnt, sowie den blinden Masseur Ion. Dieser Mann fasziniert Teodor, besitzt Ion doch trotz seiner Blindheit mehr als 30.000 Bücher der Weltliteratur. Alle lesen sie ihm vor: Elena, der Direktor, der Bürgermeister, Bergarbeiter, seine Freunde, die Philosophen… So hört Ion Marx, Kant und viele andere große Werke der Literatur, doch Ion kann die Realität von den Geschichten der Bücher nicht unterscheiden – und so ist Teodor eigentlich wieder bei einem Geschichtenerzähler gelandet. Während seiner Reise begegnet Teodor auch wieder seiner Jugendliebe Valeria, die zwischenzeitlich jedoch verheiratet ist und eine kleine Tochter hat. Ganz konnte auch Valeria ihren Jugendfreund nicht vergessen und so lässt sie sich auf ein kurzes Intermezzo mit ihm ein – wenn auch für sie andere Gründe im Vordergrund standen. Catalin Dorian Florescu erzählt von seiner ursprünglichen Heimat Rumänien, den Umständen in diesem Land, doch auch von der Faszination, die davon ausgeht. Er zeichnet Menschen, die Methoden für sich finden, nicht unterzugehen – jeder auf seine Art. Mit seiner wunderbaren Sprache zieht er den Leser nicht nur in diese Welt hinein, er lässt uns einen Teil miterleben, mitfühlen, reagieren, teilhaben… Die Geschichte erzählt von der Reise zurück, verzweigt jedoch immer wieder in die Vergangenheit. So erfährt man von Teodors frühem Leben in Rumänien einiges, sowie auch von seinem Leben in der Schweiz. Fazit: Eine wunderbare Geschichte, die den Leser in ihren Bann zieht. Man wird animiert, sich Gedanken zu machen, warum es denn nun gelingt, Teodor dermaßen zu hintergehen. Oder war es doch eher ein Freundschaftsdienst, den ihm Ion letztendlich erwiesen hat? Für mich hat sich wieder einmal herausgestellt, dass es sich auf alle Fällt lohnt, Bücher von Catalin Dorian Florescu zu lesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Erzähler, der sein Fach versteht,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Masseur: Roman (Taschenbuch)
Catalin Dorian trifft mit seinem Buch "Der blinde Masseur" einen Erzählstil, der den Leser in der Sprache versinken lässt. Man wird immer weiter in den Bann der Sprache Dorians gezogen, dabei nimmt die Handlung unaufgeregt und ruhig ihren Lauf. Wer die Bücher von Rafik Schami kennt, mag sich ein wenig daran erinnert fühlen. Hier schreibt ein begabter Erzähler, von denen es leider nicht mehr viele unter den Schriftsteller der heutigen Zeit gibt.
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Der blinde Masseur: Roman von Catalin Dorian Florescu (Taschenbuch - 1. September 2009)
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