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am 27. Oktober 2008
Jean-Marie Gustave Le Clézios Debütroman "Das Protokoll" steht stilistisch gesehen noch weit entfernt von den beiden überaus poetischen und originellen Romanen jüngeren Datums (Fisch aus Gold und Der Goldsucher), die ich bis jetzt gelesen habe.
Es ist ein Text, der noch im Fahrwasser von Jean-Paul Sartre oder auch Albert Camus schwimmt, sich aber doch sehr von den Werken der beiden unterscheidet.
Ganz glücklich hat mich dieser Roman jedoch nicht gemacht. Einiges (speziell in der ersten Hälfte des Buches) ist zu verkrampft, zu gewollt, versöhnt hat mich aber die zweite Hälfte des Buches.
Adam Pollo ist der skurrile und nicht unsympathische Antiheld dieses Romans, der in ein leer stehendes Haus geflüchtet ist und dort wohnt, der eine eher unromantische Beziehung zu Michèle pflegt, der seinen möglichen Kindern erklären will, dass die Erde nicht rund ist, der vielleicht, vielleicht aber auch nicht Deserteur ist.
Im Verlauf des Romans sucht er den Kontakt zu allen möglichen Tieren und Menschen. Um diesen herzustellen, wird er zum Abbild des Objekts der Kontaktaufnahme. So folgt er einem Hund, begleitet diesen fast einen ganzen Tag lang, den Blick so tief gerichtet, dass er die Welt aus dem Blickwinkel des Hundes verfolgen kann.
Er ist Anwesender beim Herausfischen einer Wasserleiche, was ihn zu einer längeren Auseinandersetzung mit dem Wesen von Wasserleichen verführt.
Eine brutale, jedoch beeindruckende existenzialistische Auseinandersetzung mit einer weißen Ratte endet für diese mit dem Tod, während sich Briefe an Michèle wie ein roter Faden durch das Buch ziehen.
Höhepunkt ist eine absurde Rede vor einer zufälligen Menschenversammlung, die dazu führt, dass Adam Pollo in eine Nervenklinik verfrachtet wird.
"Das Protokoll" ist (dank der zweiten Hälfte) ein starker Text, ein guter Debütroman, das Protokoll des Untergangs eines überdurchschnittlich intelligenten Menschen, der am Unverständnis der Mitmenschen an seiner Andersartigkeit scheitert und zerbricht.
Trotzdem bleibt ein zwiespältiger Eindruck, ein wohl wichtiger Text (mit vielen guten Momenten), der jedoch weder die Poesie und Originalität der späteren Romane, noch deren Aussagekraft und Gewicht erreicht.
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Nach einem Treffen in Vence mit dem französischen Schriftsteller Le Clézio im Jahre 1967 schrieb der polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz über den späteren Literaturnobelpreisträger: "Le Clézio besteht also aus Kontrasten: einerseits Schönheit, Gesundheit, Ruhm, Nizza, Rosen, Sportwagen, andererseits Dunkelheit, Nacht, Leere, Einsamkeit, Absurdes und Tod. ...Seine Romane atmen das undurchdringliche Dunkel schwärzester Verzweiflung, während er selbst, junger Gott in Badehose, ins salzige Blau des Mittelmeers eintaucht." (Tagebuch, S.960-961)

Sein Romandebüt "Das Protokoll (erschienen 1963) spielt in einer geographisch gesehen paradiesischen Idylle: an der Cóte d'Azur. Doch die Geschichte, die Le Clézio hier erzählt ist alles mögliche, nur kein Paradies. Sie ist gekennzeichnet durch Dunkelheit, Nacht, Leere, Verzweiflung, Einsamkeit, Absurdes und Tod. Die Hauptfigur, Adam Pollo, ist eine Rätselgestalt, ein unbeschriebenes Blatt, ein verworrener Eigenbrötler, über dessen Vorleben niemand etwas weiß, Adam Pollo eingeschlossen. Sein Quartier ist eine verlassene Villa am Meer, in der er allein und zurückgezogen lebt und die Zeit damit totschlägt, ausgestreckt in einem Liefgestuhl vor dem offenen Fenster zu liegen, sich zu sonnen ("Wie ein Bettler war er hinter jedem Fleck Sonne her") und in seinem gelben Schulheft Notizen zu machen, die an seine (ehemalige?) Freundin Michéle adressiert sind. Wenn er sich nicht in seiner vorübergehenden Behausung (in die er, rechtlich gesehen, eingebrochen ist und wo er stets damit rechnen muss, dass die rechtmäßigen Besitzer wiederkehren und die Polizei alarmieren werden) aufhält, wandert er am Strand oder in der Stadt und lässt sein pantheistisches Auge in einer sinnlichen Ekstase schweifen. Nachdem vereinzelte, halbherzige Versuche, Kontakte mit anderen Menschen aufzubauen, vor allem zu Michéle (die ihn eines Tages in der verlassenen Villa besuchen wird), mehr oder weniger schief gehen, kommt Adam Pollo in seiner Einsamkeit zunehmend der menschlichen Welt abhanden und fällt auf die animalische Stufe zurück, für den die sinnliche Wahrnehmung von Dingen, Tieren, Menschen oder Ertrunkenen die gleiche Wichtigkeit oder Unwichtigkeit besitzt. In einem Parkzoo, in dem sich Adam eines Tages befindet, wird ihm plötzlich seine neue Daseinsform, seine natur-mystische Denkweise klar, die eigene Vergangenheit und zukünftige, zielgerichtete menschliche Existenzform ist dadurch wie ausgelöscht: "er war sicher und wußte doch nicht einmal mehr, was er tat, was er tun würde, ob er aus einem Irrenhaus entsprungen oder ob er Deserteur war. So weit war es gekommen, so weit war es also mit ihm gekommen; vor lauter STARREN auf die Welt war ihm die Welt völlig aus den Augen gekommen." Durch die stille, pantheistische Betrachtung gelingt Adam Pollo eine subjektive Relativierung des Erlebens und der Außenwelt, so dass der Leser immer in der Spannung zwischen Erlebniswirklichkeit und Bewusstseinswirklichkeit gehalten wird.

Seit seiner Metamorphose folgt Adam den Spuren eines Hundes, identifiziert sich mit ihm und und ist dabei, wenn dieser sich mit einer Hündin paart ("Adam drehte sich jetzt um und stieg, kaum gebeugt, die Nylontreppe zum Erdgeschoß hinauf, ihm voran der schwarzwollige Held; sie ließen, inmitten des schattigen Labyrinths, dicht bei der Abteilung Elektrogeräte, im orangefarbenen Bauch der Hündin garnichts zurück; eine Leere, die, wie merwürdig, in einigen Monaten von einem Halbdutzend Bastardwelpen ausgefüllt sein würde."). In der Villa, im Billardzimmer, begegnet der sich langweilende Adam eines Nachts einer weißen Ratte, mit der er sich die ganze Nacht auseinandersetzt, erlebt auch hier eine "bizarre Metamorphose" und wird zum Kämpfer gegen die weiße Ratte: "nicht mehr Zorn erfüllte jetzt seinen Kopf, auch nicht Ekel, nichts Grausames. Es war wie der Zwang zu töten." Am Ende dieser großartigen, unter die Haut gehenden Szene erliegt die Ratte ihrem schrecklichem aber gleichzeitig auch erlösendem Martyrium: "Die weiße Ratte lag auf dem Bauch, sie schien auf dem Grund eines Aquariums zu schlafen. Alles war aus dem Wohnbereich des Tieres abgeflossen, ein nackter und unbeweglicher Raum war zurückgeblieben; die Ratte war jetzt der Seligkeit sehr nahe, sie wartete auf die Grenzminute, in der ein halber Seufzer auf ihrem steifen Schnurrbart verhauchen und sie für immer in eine Art Doppel-Lebens blasen würde, genau in den Schnittpunkt unzähliger Halbdunkel der Philosophie. Adam hörte sie ruhig atmen; die Furcht hatte den Körper des Tieres verlassen. Es war jetzt sehr weit weg, rang kaum noch mit dem Tod; mit zwei blassen Augen wartete es, daß die letzten Elfenbeinkugeln seine Skelett unter Schimpfworten zerschmettern, es ins Paradies der weißen Ratten befördern würden. Dorthin würde es gehen, halb schwimmend, halb schwebend, erfüllt von mystischer Freude. Der Erde würde es seinen nackten Leib zurücklassen, damit er sich von all seinem Blut leere, Tropfen für Tropfen, und damit dieses Blut lange Zeit die geheiligte Stelle des Fußbodens bezeichne, die der Schauplatz seines Martyriums gewesen war."
Solche Stellen mag man als manieriert und befremdlich bezeichnen, vor allem dann wenn man auf Unterhaltungsliteratur aus ist, in Wahrheit zeugen solche Stellen, wie die existentialistisch angehauchte Beschreibung einer schicksalhaften Begegnung zwischen einem Menschen und einer Ratte von poetischer Kraft, wo die Sprache, der Klang und die Metaphorik das Allerwichtigste sind. Le Clézio selbst mahnt seine Leser an, seine Erzählung als eine totale Fiktion aufzufassen, gerade deshalb weil er der Realität misstraut ("ich habe immer mehr den Eindruck, daß die Realität nicht existiert").

Haben wir es bei Adam nun mit einem verkappten Naturmystiker zu tun oder mit einem Irren? Das Urteil der Umgebung und der Experten ist scharf wie ein Messer: Ein Geistesgestörter, der nach einer sonderbaren Aktion auf einem öffentlichen Platz, wo er lange und völlig sinnlose Reden an die Vorübergehenden hielt, in die psychiatrische Klinik eingeliefert wird. Im Behandlungszimmer muss Adam sich der standesgemäßen Untersuchung von einem Chefarzt und sechs Stunden unterziehen, die ihm Fragen stellen und sich dabei Notizen machen und in einem fachmedizinschen Jargon ein Urteil fällen sollen. Bevor Adam in eine Aphasie fällt, hält er mystische Monologe, wo die Wörter und Erinnerungsfetzen aus ihm wie aus einer Fontäne hervorsprudeln. Er erzählt dem dort anwesenden Personal, dass er sein Elternhaus aus einem kindlichen Einsamkeitsbedürfnis verlassen hat und erklärt was er darunter versteht, was gleichzeitig als Erklärung für die Figur Adam Pollo und seine Lebens- und Sichtweise dient: die Kinder sind für Adam Pollo "naturverbundener. Ich glaube - sie wollen - sie geben sehr leicht Bedürfnissen rein egozentrischer - anthropmorpher Art nach. Sie suchen nach einer Möglichkeit, in die Dinge einzudringen, weil sie Angst haben vor ihrer eigenen Persönlichkeit. Es ist, als hätten die Eltern ihnen den Wunsch eingegeben, sich noch kleiner zu machen. Die Eltern verdinglichen ihre Kinder - sie behandeln sie wie Besitztü - wie Dinge, die man besitzen kann. Sie verpassen ihren Kindern diese Objekt-Psychose. Daher kommt es vor, daß diese Kinder Angst haben vor der Gesellschaft, vor der Gesellschaft der Erwachsenen, weil sie undeutlich spüren, daß sie dort gleichgestellt werden. Diese Gleichstellung macht ihnen Angst. Sie müssen eine Rolle spielen. Man erwartet etwas Bestimmtes von ihnen. Aber sie blasen lieber zum Rückzug. Sie suchen nach einer Möglichkeit, eine eigene Gesellschaft zu haben, eine Welt, die ein bißchen -hm, mythisch ist - eine Spielwelt, wo sie mit der leblosen Materie auf gleicher Ebene stehen. Oder vielmehr, wo sie sich als die Stärkeren fühlen."

Der Roman "Das Protokoll" inszeniert eine solche "Spielwelt", ein mythischer und mystischer Rückzug eines einsamen nicht-identifizierbaren Mannes in die Natur- und Tierverbundenheit, der für die Außenstehenden ein Verrückter ist, der wegesperrt werden muss und für die Fachwelt nur ein Geistesgestörter sein kann, der behandelt werden muss. Brillant und mit Tiefgang geschrieben.
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am 28. Februar 2011
Der Protagonist gibt sich ausführlich seiner recht kruden Gedankenwelt hin, eine richtige Geschichte entsteht dabei kaum und je weiter man liest, desto merkwürdiger wird der Protagonist, bis er schließlich in die Psychiatrie eingewiesen wird. Und in der Psychiatrie entsteht dann auch das Protokoll, nach dem das Buch benannt ist. Dieses Protokoll nimmt aber kaum die zweite Hälfte des Buches ein. Ich fand das Buch recht zäh zu lesen.

Der Autor hat 2008 den Literatur-Nobelpreis bekommen. "Das Protokoll" war sein erstes Werk und stammt aus den 1960er Jahren. Die Übersetzung ist sprachlich an die DDR angepasst.
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