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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zerfall einer Familie durch Mobbing
Das Besondere an diesem Roman ist die Sicht aus der er geschrieben ist. Nicht der Gemobbte Joachim Rühler erzählt seine Geschichte, sondern seine Ehefrau.
Allerdings geht die Autorin weniger auf das Mobbing selbst ein, als auf die Probleme innerhalb Joachims Familie. Sie zeigt auf, was für immense Auswirkungen das Mobbing auf das nahe Umfeld haben...
Veröffentlicht am 5. April 2010 von goat

versus
18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut geschriebene Erzählung mit einigen Unwahrscheinlichkeiten
Ich habe das vorliegende Buch "Mobbing" mit großem Interesse begonnen, denn wie es auf den ersten Seiten den Anschein hat, erzählt es eine Geschichte wie tausendfach geschieht: ein Arbeitnehmer wird durch seine Arbeitsumwelt zuerst isoliert, dann gedemütigt und schließlich entlassen. Joachim, städtischer Angestellter, zuständig für...
Veröffentlicht am 25. Mai 2008 von euripides50


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zerfall einer Familie durch Mobbing, 5. April 2010
Von 
goat (Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Taschenbuch)
Das Besondere an diesem Roman ist die Sicht aus der er geschrieben ist. Nicht der Gemobbte Joachim Rühler erzählt seine Geschichte, sondern seine Ehefrau.
Allerdings geht die Autorin weniger auf das Mobbing selbst ein, als auf die Probleme innerhalb Joachims Familie. Sie zeigt auf, was für immense Auswirkungen das Mobbing auf das nahe Umfeld haben können.

So werden zum Beispiel Freunde der Familie erwähnt, die sich zu Anfang von Joachims Kündigung noch bei ihm melden und ihre Hilfe anbieten. Aber je größer die finanzielle Not der Eheleute wird oder das Bedürfnis Überhand nimmt, über diese Probleme mit jemandem zu reden, umso mehr ziehen sich die Freunde zurück. Das ständige "Gejammer" und die Tatsache, dass man aufgrund des fehlenden Geldes nicht mehr alles zusammen unternehmen kann, führen dazu, dass Jo und seine Frau automatisch isoliert werden.

Durch die Hilflosigkeit, die seine Frau durch die Situation empfindet, eskaliert die Situation soweit, dass sie im Beisein ihrer fünfjährigen Tochter zu dem Verkäufer der Zooabteilung sagt: "Sollen wir die Meerschweinchen in den Mülleimer schmeißen? Dann sind sie weg, und wir haben Platz für ein nagelneues Kaninchen. Und wenn das uns zu langweilig wird, schmeißen wir es weg und kaufen ein anderes Tier."
In einer anderen Szene möchte ihre Tochter gerne an einer Sandburg eines kleinen Mädchens mitbauen. Als es das nicht möchte, hockt sich Jos Frau neben die Burg und zischt das kleine Mädchen an: "Weißt du was, du bist ein gemeines Stück, bloß keinen mitspielen lassen, großartig, ganz großartig, mach nur so weiter". Und während das Mädchen sie noch ratlos anstarrt, hebt sie eine Hand und klatscht mit aller Kraft auf den Sandturm, dass er in alle Richtungen zerspritzt.

Der Zerfall einer typischen Vorzeigefamlie (die obligatorischen 2 Kinder, eigenes Haus, Urlaub mindestens einmal im Jahr, Mann hat einen guten Job und Frau ist Hausfrau und Mutter) wird hier sehr schonungslos dargestellt. Wie schnell man alles verlieren kann und wie wenig das Ehepaar sich nach der Zeit noch zu sagen hat, ist erschreckend.

Die Geschichte ist sehr bewegend und das beklemmende Gefühl, was sich gleich zu Anfang eingestellt hat, war auch nach den 165 Seiten immer noch da. Der Schluss war meiner Meinung nach nicht zufiriedenstellend und hat mich etwas ratlos zurückgelassen.
Gewöhnungsbedürftig war auch, dass die komplette wörtliche Rede in dem Buch fehlte. Es war auf den ersten Blick nicht immer ganz klar, wer gesprochen hat.
Deswegen gibt es von mir vier Sterne!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mobbing ist Krieg, 1. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Taschenbuch)
Mobbing ist inzwischen ein in Deutschland längst etablierter, griffiger Anglizismus für die gezielte Ausgrenzung einzelner Mitarbeiter aus einer Beschäftigtengruppe. In ihrem gleichnamigen Roman "Mobbing" beschreibt Annette Pehnt diesen Prozess anhand der Figur Jo, einem Verwaltungsangestellten, den eine unbedachte Äußerung zum Hassobjekt seiner neuen Vorgesetzten macht. Mit seinen Anpassungsschwierigkeiten verschärft Jo seine Lage, doch ist er ohnehin längst in einem Strudel gefangen, aus dem es für ihn keinen Ausweg mehr gibt. Jo wähnt sich in einem Kriegszustand, der sich nur schwer in die gängigen Kategorien dieses Begriffs einordnen lässt. Im Laufe der Handlung kommt es zur fristlosen Kündigung, gegen die er erfolgreich prozessiert. Doch sein Sieg ist kein Happy-End, sondern ein Pyrrhussieg, da er zwar das Arbeitsverhältnis wiederherstellt, aber nicht die Ausgrenzung beendet, die sogar noch eine Zuspitzung erfährt. Der Krieg geht in die zweite, offene Runde, für die Jo die Mittel auszugehen drohen.

Pehnt interessieren nicht die arbeitsrechtlichen Details, die vielleicht auch nur schwer mit der Geschichte in Übereinstimmung zu bekommen sind. Sie betrachtet aus der Perspektive von Jo's Ehefrau ausschließlich die psychologische Ebene des Mobbing-Vorgangs und seiner Ausläufer, die sie über den ganzen Roman hinweg nicht verlässt und vermittelt so dem Leser, wie sich im Laufe der Geschichte die beiden Partner voneinander entfremden, sich der Freundeskreis verständnislos distanziert und beklemmende Zukunftsangst in die Familie einzieht. Pehnt zeigt auf, was der Kriegszustand Mobbing aus einem Menschen macht und wie dabei seine Angehörigen als Kollateralschäden in Mitleidenschaft gezogen werden. Besonders bemerkenswert ist dabei die sehr bildhafte Szene auf dem Spielplatz, wo Jo's Frau - sensibilisiert durch die Ereignisse - auf die verletzende Ausgrenzung ihrer kleinen Tochter durch ein anderes Kind auf sehr rabiate Weise reagiert.

In der Geschichte werden auch Klischees einkassiert. Auffallend ist, dass Pehnt den Tatort in eine ungenannte Stadtverwaltung verlegt, einem Ort, den man im Gegensatz freien Wirtschaft immer mit einem geschützten Raum verbindet. Doch die Kampfzone kann überall eröffnet werden.

Aber das gewagteste Element in Pehnts Roman ist der literarische Tabubruch durch die Besetzung der Rolle des mobbenden Vorgesetzten mit einer stark auftretenden Frau und der ihres Opfers mit einem ihr untergeordneten, schwach erscheinenden Mann, konterkariert die Autorin doch dadurch jene These der Emanzipationsbewegung, dass durch den beruflichen Aufstieg der Frauen sich dank ihrer herausragenden kommunikativen Fähigkeiten und ihrer ausgeprägten Empathie automatisch auch das Arbeitsklima verbessern würde. Doch gerade der gezielte Einsatz von Nicht-Kommunikation ist die schärfste Waffe der Chefin gegen Jo. Annette Pehnt wird diesen Tabubruch sicherlich bewusst und nicht ohne Hintergedanken vollzogen haben.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erzählung über einen Abstieg, 21. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach außen ist es das typische Mittelstandsidyll: Ehepaar mit zwei kleinen Kindern, Reihenhaus, Freunde. Doch die Idylle ist gefährdet: der Mann kommt an seinem Arbeitsplatz unter Druck, er wird sukzessive gemobbt und gedemütigt, letztlich auch gekündigt.
Annette Pehnts "Mobbing", leicht und gut lesbar, nimmt sich eines aktuellen Themas an, das sich in der Literatur gar nicht so häufig findet.
Oberflächlich betrachtet ist der Text Hausfrauen- und Mütterprosa: selten liest man derart ausführliche Beschreibungen des Alltagslebens mit kleinen Kindern. Doch rasch wird klar, dass das Festhalten an den Ritualen der "Kinderaufzucht" das Einzige ist, was dem Ehepaar in den Zeiten der Krise bleibt, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Indem sie ihren Alltag durchorganisiert bewältigen, fühlen sie sich als Teil der Gesellschaft, die sie allerdings immer mehr meidet. Die berufliche Krise wird zu einer privaten.
Annette Pehnts Prosa ist flüssig fakturiert, mit kurzen Sätzen und Dialogen ohne Anführungszeichen. Gesagtes, Gedachtes und Getanes geht fließend ineinander über - das Ganze liest sich wie aus einem Guss. Selten hat mich ein scheinbar leicht konsumierbarer Text so nachdenklich gestimmt.

NB: Ärgerlich: wieso wird ein Buch wie Annette Pehnts "Mobbing" vom Verlag und/oder der Autorin eigentlich als ROMAN klassifiziert? Ein Text in einem kleinformatigen Büchlein, knapp 160 Seiten, in großen Lettern gedruckt. In einem "normal" gedruckten Buch würde das Ganze höchstens 60, 70 Seiten füllen. Von den Verlagen hört man, dass im deutschen Sprachraum Novellen bzw. Erzählungen kaum zu verkaufen sind. So nimmt man offenbar den Etikettenschwindel in Kauf, nennt es "Roman" und kann den vollen Preis dafür verlangen. Fair ist das nicht.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut geschriebene Erzählung mit einigen Unwahrscheinlichkeiten, 25. Mai 2008
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das vorliegende Buch "Mobbing" mit großem Interesse begonnen, denn wie es auf den ersten Seiten den Anschein hat, erzählt es eine Geschichte wie tausendfach geschieht: ein Arbeitnehmer wird durch seine Arbeitsumwelt zuerst isoliert, dann gedemütigt und schließlich entlassen. Joachim, städtischer Angestellter, zuständig für den Jugendaustausch und andere Projekte der Stadtverwaltung, wird nach einer langen Phase beruflicher Querelen mit einer neuen Chefin Knall auf Fall fristlos gekündigt. Die Gründe halten zwar einer arbeitsgerichtlichen Überprüfung nicht stand, doch die Wiedereinstellung verschärft nur noch Joachims berufliche Agonie. Nun muss er im heißen Jahrhundertsommer von 2003 in einem Stahlcontainer ohne Toiletten sinnlose Arbeiten verrichten, die niemand interessieren. All das macht ihn mürbe, er leidet unter Schwindelattacken und Trübsinn, wenngleich er so gut es geht, die Fassade der bürgerlichen Ordnung in seinem "Mittelreihenhaus" aufrecht zu erhalten versucht. Erschwerend kommt hinzu, dass seine berufliche Krise sich auch das Familienleben beeinflusst: Joachims Frau plagen Existenzängste, sie bedrängt und quält ihren überforderten Mann, so dass am Ende die Ehe in eine Krise gerät, deren Ablauf nicht mehr vorauszusehen ist.
Das ist im Wesentlichen die Geschichte, die das vorliegende Buch erzählt. Sie entfaltet sich in verschachtelten Vor- und Rückblenden und wird vollständig aus der Perspektive der Ehefrau berichtet. Die Sprache ist flüssig, unprätentiös und präzise. Das Buch liest sich leicht und locker in zwei, drei Stunden. Aber haben diese Stunden sich gelohnt?
Ich meine: nur teilweise. Zunächst wird das eigentliche Mobbingproblem, immerhin das Titelthema des Buches, nicht aufgeklärt. d. h. weder der Leser noch die Ehefrau wissen wirklich, was an den Vorwürfen der Chefin und der Kollegen dran ist. Wenn man will, kann man das noch als Vorzug des Buches werten, denn bei vielen Mobbingvorwürfen ist ja nicht unbedingt auseinanderzudividieren, was als Mobbing und als was berechtigte Kritik zu verstehen ist. Dann aber wird das Mobbing im Verlaufe des Buches immer stärker durch eine familieninterne Problematik ersetzt: man erfährt eigentlich mehr darüber, wie schlecht die Eheleute schlafen als darüber wie sich Joachims berufliche Problematik entwickelt. Aber auch das geht noch an, weil sich die Rückwirkungen beruflicher Krisen auf die betroffenen Familien oft erheblich harscher darstellen als die eigentliche berufliche Existenzgefährdung. Was mich an dem Buch aber richtig störte, war die Unwahrscheinlichkeit des Plots. Dass eine Chefin sich einfach nicht sprechen lässt, dass man einen arbeitsgerichtlich Erfolgreichen aus dem Büro auslagern und in einen arbeitsrechtlich vollkommen illegalen Container mit sachfremden Nonsensarbeiten beschäftigen kann und das auch noch im öffentlichen Dienst - halte ich für einen an den Haaren herbei gezogenen Plot. Und dass den ständig vor dem Arbeitsgericht obsiegenden Joachim die Rechtsanwaltskosten ruinieren, ist Unsinn, da er seine Kosten durch seine gerichtlichen Erfolge doch gar nicht tragen muss. Hier hat man fast den Verdacht, dass die junge Autorin von den wirklichen Abläufen der Berufswelt und den gottlob ganz stattlichen arbeitsrechtlichen Absicherungen der Arbeitnehmer samt der Befugnissen von Personalvertretungen und Betriebsräten nicht sonderlich viel versteht. Am Ende geht dem Leser deswegen ein wenig wie den beiden Hauptfiguren: sie laufen durch den Wald und wissen nicht recht weiter. Und genau an dieser Stelle ist die kleine Erzählung nach gut 160 Seiten auch zu Ende. Das hat die Autorin auf jeden Fall richtig gemacht, denn mehr Seiten hätte die Geschichte beim besten Willen nicht hergegeben.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was feindselige Handlung bewirken kann, 17. Oktober 2007
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Autorin Annette Pehnt, eine mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin, behandelte in ihrem dritten Roman "Haus der Schildkröten", ein großes Unantastbarkeitsthema, nämlich das langsame Ende des Lebens und die Konfrontation mit dem Tod. Auch in ihrem neuen Roman "Mobbing" geht sie ein heikles und nicht unumstrittenes Thema an. Eine allgemein anerkannte Definition für Mobbing gibt es bis heute nicht. Mobbing ist Schikane, Psychoterror, Intrige, insbesondere am Arbeitsplatz und in Schulen. Die Wissenschaftler sind sich dabei uneinig, ob der vermeintliche Mobber stets bewusst handelt.

Mobbing" ist eine beklemmende Studie über einen Fall von Mobbing und der entscheidende Kunstgriff der Autorin besteht darin, dass das ganze Buch nicht aus der Perspektive des Opfers, des Ehemanns Joachim, erzählt wird, sondern aus der Perspektive seiner Frau. Als Joachim eines Tages den Briefumschlag, mit den Worten,"jetzt haben sie endliche erreicht was sie wollten", auf den Küchentisch schmeißt, da weiß die Ehefrau aus den vergangenen Erzählungen ihres Mannes vermeintlich genau was geschehen ist. Das Opfer hatte, aufgrund der ungleichen Machtverteilung, Schwierigkeiten sich zu verteidigen. Und das was die Ehefrau nun über den Fall an den Leser weitergeben kann, weiß sie nur aus den Erzählungen des Opfers. Und nach und nach schleichen sich, und das ist ganz typisch für Mobbingfälle, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Darstellung ein. Es sickern Zweifel in die Ehe und in die Familie. Man fragt sich, ist das wirklich alles so wie Joachim das sieht, empfindet, schildert? Haben nicht vielleicht auch die andern in irgendwelchen Punkten Recht? Wie würden die anderen den Fall aus ihrer Sichtweise schildern?

Und bei allen seelischen und körperlichen Folgeerkrankungen des Opfers zeigt sich auf beklemmende und eindrucksvolle Weise, das das was Mobbing in der Familie anrichtet viel, viel schlimmer ist als das was am Arbeitsplatz, in der Schule oder in den Büros stattgefunden hat oder in welcher Form auch immer empfunden wurde.

Um welche Art von Mobbing es sich auch handelt, die Handlungen gelten als unethisch, aggressiv, destruktiv und feindselig und Annette Pehnt ist es mit diesem Roman auf virtuose Art gelungen, in Verbindung aus engagierter Interessiertheit und schriftstellerischer Distanziertheit viel zur Behandlung dieses akuten Themas beizutragen. Es ist ein Buch das ausgesprochen atmosphärisch arbeitet. Es sind düstere Atmosphären und sehr viele unterschiedliche Reflektionsebenen und es ist wieder ein glänzender Roman von Annette Pehnt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn das Schlimmste passiert ist, muss man sich endlich nicht mehr davor fürchten, 22. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Gebundene Ausgabe)
Und für Joachim trifft diese Situation ein: er erhält seine fristlose Kündigung.
Und damit tritt ein Kreislauf in Gang, der die gesamte Familie in seinen Grundfesten erschüttert.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der Ehefrau, nach und nach erfährt man mehr über die Zusammenhänge, die zur Kündigung geführt haben. Neue Chefin - neue Arbeitsbedinungen. Jo wird ausgegrenzt, in seinen Aufgabenbereichen beschnitten, bespitzelt usw.
Sein direkter Kollege und Freund zieht nach kurzer Zeit die Konsequenzen und kündigt. Jo aber "befindet sich im Krieg". Jo kann nicht mit diesen Ungerechtigkeiten leben, Jo muckt auf, fragt nach. Und plötzlich werden Dinge, die sonst keinen interessiert haben, zu Betrug, zu abmahnunswürdigen Vorkommnissen usw. usw.
Bis zu dem Tag als er seine Kündigung erhält.
Natürlich geht er zum Anwalt, natürlich kommt es zur Verhandlung, natürlich bekommt er Recht, muss wieder eingestellt werden - aber bis dahin ist soviel in ihm kaputt gegangen, soviel am Familienleben verändert worden, dass auch dieser "Sieg" keine wirkliche Rückkehr in den "normalen Alltag" bedeutet.
Zudem damit die Schikanen noch lange nicht zu Ende sind.............

Dieser kurze ( 166 Seiten in relativ grosser Schrift ) Roman schafft es auf eindrückliche Weise, eine Situation darzustellen, die heute sicher keine Seltenheit mehr ist.
Ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen aber es wird noch lange in mir nachhhallen.
Eine Kleinigkeit hat mich gestört: Das zweite Kind wird immer nur als "das Baby" bezeichnet. Irgendwie fehlte mir der Namen.

Das Buch bekommt von mir 5 von 5 Sternen.
Und ich werde ganz sicher noch weitere Bücher von Annette Pehnt lesen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiges Buch über unser Heute!, 2. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Taschenbuch)
Ich habe das Buch durch Zufall in die Hände bekommen, war zunächst ein wenig abgeschreckt von dem (angeblichen) "Thema" (über das alle reden bei diesem Buch), dem "Mobbing". Das klingt so unpoetisch, so nach Programm. ABER: das Buch ist ganz anders als ich dachte (und auch sehr poetisch auf seine Weise!). Es ist ein sehr elementares Buch über unsere Gegenwart, über unsere Welt! In dem die Gegenwart anhand einer einzelnen, konkreten Geschichte, dem Niedergang Jos, meisterhaft seziert wird. Es geht dabei um eine existentielle (Not-)Situation eines einzelnen Menschen - und von dort aus gesesehen zeigt sich unsere Gegenwart besser und genauer als in jeder soziologischen Studie!!!
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen exakt und hervorragend., 28. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Gebundene Ausgabe)
...wenn man die rezensionen hier und anderswo liest, sieht man erstmal, wieviel die leute 'erwarten', wenn sie sich ein buch kaufen. Als hätten sie keine zeit, erstmal reinzusehen. Aber hier gehts halt nur ein 'wenig' um mobbing, ein 'wenig' um arbeitswelt an sich, aber sehr viel um das unausgesprochene 'sich-finden-wollen' in der gesellschaft, in der zweierbezeihung, der vagen zukunft, die noch nie bewusst als solche wahrgenommen worden war. Weil, wo keine probleme sind, ist alles unsichtbar. Der blinde fleck jenseits der netzhaut, und erst, wenn risse kommen, dringt licht auf die verstaubten klischees. Dann reisst das herz auf und der verstand ein und leben bricht und wahrnehmung beginnt. Und das bis zum schluss, konsequent und ohne scheu. Wohin gings, als es nirgends hinging?

Das alles ist von AP absolut hervorragend beobachtet, sorgfältig ausgewählt, lakonisch beschrieben in einer art & weise, die mich zum voyeur macht. Sie zwingt zum genauen, langsamen lesen - was könnte schöner sein. Jeder satz, jede bemerkung, jedes gefühl am richtigen platz, mit unerbittlicher präzision wird seziert, was geschieht, was geschehen ist, was geschehen wird. Macht mich sehr neidisch, dass das ein ganzes buch lang so lässig gehalten werden kann. Hat die prägnanz der grossen amerikanischen erzähler, das besondere im allgemeinen in the light of day. Nur so geschieht wirklich literatur, da stehe ich gern zu schwülstiger lobhudelei. Wo, wenn nicht hier.

Ich habe viele jahre wenig von deutschen schreiberlingen gehalten, so selten können sie mehr als plaudern und bedeutungsschwangeren tiefsinn als lebensweisheit kaschieren...aber immer wieder scan ichs durch (alter optimist), und zack: frau Pehnt knallt mir eins vor die fresse, dass mir wieder die lust am lesen kommt.

Dafür ein fettes danke.
Klaus-
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Psychoterror, 7. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Taschenbuch)
Was mich an diesem Buch von Anfang an fasziniert hat, ist die Perspektive. Berichte von Betroffenen kennen wir sicher alle und jeder einzelne ist einfach nur furchtbar. Hier aber berichtet die Ehefrau eines Mobbingopfers von den Auswirkungen auf die Familie, auf den Alltag, vom langsamen Sterben einer Ehe! Sie berichtet aus ihrem Blickwinkel, sie erzählt von den Fortschritten ihres Babys und vom Kindergartenalltag ihrer Großen. Aber sie berichtet auch, dass man sich des Nachts gegenseitig vorspielt, man würde schlafen - ohne es tatsächlich zu können. Die Beiden haben sich einfach verloren, ihre Liebe und ihr Vertrauen. Einerseits ist das kein Wunder, redet doch Jo nicht wirklich mit ihr, lässt viele Fragen unbeantwortet und sagt ihr vor allem nicht, was er tatsächlich fühlt. Andererseits ist gerade die Ehefrau sehr darum bemüht, nach außen den Schein zu wahren, ganz normal dazuzugehören". Sie trauert lieber dem nicht stattfindenden Sommerurlaub nach, als sich ernsthaft Gedanken um die Gesundheit ihres Mannes zu machen. Und sie zweifelt, sie zweifelt an ihrem Mann und an dem was da wirklich im Büro passiert und irgendwann zweifelt sie zwangsläufig an ihrer Ehe.
Und trotzdem ergreife ich beim Lesen Partei. Ich kann die Sorgen und die Nöte der Hausfrau und Mutter zu verstehen. Sie versucht, ihm beizustehen, aber er blockt ab. Sie erwägt die Aufgabe, sie hinterfragt seine Sturheit, sie sieht hauptsächlich ihr finanzielles Überleben. Wie sie, beginne ich Jo Vorwürfe zu machen. Warum zerstört er auch noch seine kleine Familie? Was können denn Frau und Kinder für Chefin und Arbeitskollegen? Nichts natürlich, nur hat Jo genauso wenig wie ich damals den Schalter zum Abschalten gefunden!!!!

Es ist ein stilles Buch, ein leises Buch, das berührt und betrifft, ohne Spannung, ohne Effekte, ohne Humor und vor allem auch ohne Happyend!

Annette Pehnts Prosa ist flüssig fakturiert, mit kurzen Sätzen, leicht zu lesen und vielen Dialogen ohne Anführungszeichen, ohne Übergang. Die Struktur ist etwas kompliziert: Gesagtes, Gedachtes und Getanes gehen fließend ineinander über; Rückblicke, Einschübe, zeitliche Sprünge und trotzdem liest sich das Ganze wie aus einem Guss. Eigentlich geht es nur um einen einzigen Tag: den Valentinstag.
Die Kapitel werden ungezählt durch einzelne, sehr schlagkräftige Überschriften von einander getennt.
Man erfährt alle Vorgänge nur aus der Perspektive der Ehefrau, auch als Leser muss man sich dem Innersten des Mobbingsopfers über die Darstellung der Ehefrau nähern. Hier ist es beim Lesen besonders wichtig auf die Zwischentöne zu achten! Letztendlich bleibt selbst das Mobbing etwas nebulös, weil Joachim seiner Frau nur wenig über die wahren Vorgänge erzählt und sie sich immer wieder selber fragt, vielleicht ist ja an den Vorwürfen etwas dran. Die Perspektive der Mobber oder der Kollegen fehlt völlig ebenso wie die unwidersprochenen Fakten, also eine rein subjektive Darstellung.
Aber letztendlich macht genau diese Erzählweise diese Erzählung für mich so interessant, weil hier das Erleben des Partners dargestellt wird und die wirklichen Vorgänge im Büro allein über die Reaktion des geliebten Partners reflektiert werden. So ist das Leben, da bekomme ich nun mal nur einen Blickwinkel geliefert!
Letztendlich ist es auch völlig bedeutungslos, was der Anlass für diese Vorgänge war, wer beteiligt ist oder wie im Einzelnen das Mobbing praktiziert wurde. Hier geht es einzig und allein um die Folgen. Folgen für die Familie, die Angehörigen, die Freunde - die müssen sich positionieren.
Besonders hart trafen mich die Sätze zu den Freunden der Familie: unglückliche Freunde sind auf Dauer sehr anstrengend. Genauso so habe ich es erlebt, ohne weiteren Kommentar!
Bei der Recherche zu diesem Buch und zur Autorin stieß ich auf die Tatsache, dass Annette Pehnt hier nicht fiktiv erzählt. Ihr Ehemann wurde über Jahre am Arbeitsplatz schikaniert. Wie eine Beziehung davon ausgehöhlt wird, hat Annette Pehnt - wie im Buch beschrieben - am eigenen Leib erfahren. Vielleicht erklärt das die enorme Wirkung!

Mobbing ist Psychoterror! Der endet nicht bei dem Opfer! Jedes Opfer hat Familie, Angehörige und Freunde - und alle sind irgendwo und irgendwie betroffen. Erst wenn man sich das überlegt, ja vorgeführt kriegt, kann man nachvollziehen, wie einschneidend und zerstörerisch Mobbing daher kommt!

Ich empfehle dieses Buch aus Überzeugung und gebe 5 Sterne!
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Höllen des Alltags, 10. Dezember 2007
Von 
Norma Schlecker - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mobbing: Roman (Gebundene Ausgabe)
Durch Annette Pehnts "Mobbing" bin ich wie mit angehaltenem Atem gehetzt. Hier werden gesellschaftliche Gegebenheiten aufgegriffen und dermaßen exakt analysiert, dass man in den Strudel der Ereignisse mitgerissen wird.
Joachim Rühler, ein Angestellter bei der Stadt, bekommt die fristlose Kündigung und empfindet diese zunächst als Befreiung von der unerträglichen Situation an seinem Arbeitsplatz. Eine neue Vorgesetzte, die dem Leser nicht näher vorgestellt wird, hat ihm das Leben zur Hölle gemacht. Seine Kompetenzen werden ihm entzogen, Kollegen wenden sich ab, Jo verliert den Boden unter den Füßen. All das wird aus der Perspektive seiner Frau geschildert. Der geregelte Alltag der Familie gerät aus den Fugen, Jo und seine Frau werden durch die Situation förmlich zerrieben. Die Erzählerin bemerkt Veränderungen an ihrem Mann. Die einstige Unbeschwertheit ist dahin. Zurückgeblieben ist ein Wrack. Sie versucht zunächst noch den sicheren Boden der Alltäglichkeit zu bewahren, scheitert aber. Muss scheitern, denn eine andere Möglichkeit des Umgangs mit Mobbing und Arbeitslosigkeit gibt es in der Gesellschaft nicht. Durch ein Arbeitsgerichtsverfahren erhält Jo zwar eine Arbeit, doch nicht die, die er verloren hat. Stattdessen muss er in einem Container sitzen und sinnlose Übersetzungen anfertigen, die kein Mensch liest. Der "Sieg" ist ein Pyrrhussieg, der "Krieg" im Grunde genommen verloren. Daran zerbricht Jo und letztlich auch seine Frau.
Zahlreiche Details lassen den Leser am alltäglichen Leben der Familie teilhaben. Das Buch geht an die Substanz. Hochaktuelle Themen wie Macht und Machtmissbrauch, Respekt, Demütigung und Ausgrenzung werden hier meisterhaft abgehandelt.
Sprachlich und psychologisch hervorragend gestaltet, zählt Annette Pehnts "Mobbing" zu den besten Büchern, die ich in diesem Jahr gelesen habe.
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Mobbing: Roman
Mobbing: Roman von Annette Pehnt (Taschenbuch - 1. Dezember 2008)
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