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Kundenrezensionen

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am 8. Oktober 2009
Es tut mir leid, aber ich muss beiden Rezensenten widersprechen. Ich finde diese Vorlesung über das Böse grandios und das aus mehreren Gründen. Zunächst ist es sicherlich die sinnliche Präsenz und die persönliche Ansprache, die dem Arendtschen Stil inne wohnt und der in dieser Vorlesung in gesteigerter Form hervorsticht. Hier kann man ihr beim Nachdenken buchstäblich zu sehen. Sie spricht klar und ohne intellektuelle Attitüde, wobei die Sache, die verhandelt wird, sicherlich keine leichte Kost ist. Arendt ringt wirklich mit diesem Problem, denn sie ist und war von ihm existentiell betroffen. Diese Vorlesung über das Böse ist im Kontext der Eichmann-Debatte gehalten worden, in der Arendt heftig wegen ihrer Rede von der "Banalität des Bösen" angegriffen worden ist. Diese Vorlesung kann als Versuch gelesen werden, diese Charakterisierung des Bösen als banal zu reflektieren und zu erläutern. Wer also immer schon mal Wissen wollte, warum Arendt Eichmann Gedankenlosigkeit als Kern seiner banalen Boshaftigkeit vorgeworfen hat, dem sei diese Vorlesung wärmstens empfohlen. Eine weitere Frage, die in dieser Vorlesung behandelt wird, ist die Frage nach der moralischen Qualität des Denkens, also kann das Denken Unrecht und Ungerechtigkeit verhindern, und wenn ja, wie und warum. Ein dritter Grund, dieses Buch zu lesen, ist der originelle Überblick über die Geschichte der Moralphilosophie: Von Sokrates, Platon, Aristoteles, über Jesus, Paulus, Augustinus hin zu Kant und Nietzsche werden die Ansichten über das Böse dargestellt und kommentiert. Dabei verfährt Arendt so, dass sie die unterschiedlichen Autoren in ein Gespräch bringt, in dem es nicht so sehr um fertige Antworten und Lösungen, sondern immer um Anregungen zum weiter und selber Denken geht. Das mag den/die eine/n oder andere/n unbefriedigt lassen und enttäuschen, an sich ist es aber die beste Tradition der Aufklärung, Menschen zum eigenständigen, kritischen Denken anzuregen. In diesem Sinne endet das Buch auch mit der Aufforderung zum eigenen Urteil als Widerstandskraft gegen Opportunismus, Konformismus und die Banalität des Bösen.
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Was ist das Böse? Hannah Arendt, die 1933 aus Deutschland floh und über Umwegen nach Amerika ins Exil ging und dort nach und nach über die schrecklichen Details der "Endlösung" informiert wurde, hat sich bereits vor ihrer 1965 in New York gehaltenen Vorlesung "Some Questions on Moral Philosophy", die in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Über das Böse" vorliegt, an einem konkreten Beispiel mit dem Bösen auseinandergesetzt. 1961 verfolgte sie in Jerusalem den Prozess gegen Adolf Eichmann. Das wahrhaft Schockierende an Eichmann stellte für Arendt seine geradezu obszöne Normalität und Durchschnittlichkeit dar, wo man doch im Angesicht von sechs Millionen ermordeter Menschen eigentlich den Teufel in Menschengestalt erwartet hätte. Wohl auch die exemplarisch an Eichmann beobachtete Banalität des Bösen veranlasste Arendt dazu, sich auf allgemeinerer Ebene mit dieser Thematik auseinander zu setzen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: "Über das Böse" ist keine Fortsetzung des Eichmann-Buches. Nur sehr selten geht Arendt auf gegenwärtige Entwicklungen ein. Im Zentrum der Vorlesung steht ihre Auseinandersetzung mit der Moralphilosophie Kants und Aristoteles sowie deren Konsequenten für gutes oder böses Handeln. So entwickelt sie zuerst an Kant angelehnt ihren zentralen Maßstab für moralisch korrektes Verhalten: "Es geht bestimmt nicht um die Sorge für den Anderen, sondern um die Sorge für das Selbst, nicht um Demut, sondern um menschliche Würde, ja menschlichen Stolz. Maßstab ist weder die auf irgendeinen Nachbarn gerichtete Liebe, sondern die Selbstachtung" (35). Des Weiteren hält sie, wiederum mit Kant, fest, dass "moralisches Verhalten nichts mit Gehorsam gegenüber irgendeinen von außen gegebenen Recht zu tun" (36) hat. Hier kommt deutlich der Unterschied zwischen Legalität und Moral zur Geltung. Unweigerlich muss der Leser an dieser Stelle an Eichmann denken, der während des Prozesses stets betont hat, sich doch während seiner aktiven Tätigkeit im Dienste der SS immer penibel an geltendes Gesetz gehalten zu haben und somit doch selbst Opfer eines verbrecherischen Regimes gewesen zu sein. Aus der von Arendt aufgestellten Prämisse, dass das zentrale Kriteriums moralischen Verhaltens die Selbstachtung einer Person sei, entwickelt sie ihre Definition des Bösen: "Das größte begangene Böse ist das Böse, das von Niemanden getan wurde, das heißt, von menschlichen Wesen, die sich weigern, Personen zu sein" (101). Wieder denkt man an Eichmann, der sich selbst nie als handelnde Person, sondern lediglich als kleines Rädchen im Gesamtgetriebe des NS-Staates sah.

Das Böse als Flucht vor der Verantwortung, als die Weigerung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, als den permanenten Verweis auf als heilig geltende Befehlsketten. Ein Fazit ihrer Analyse liefert Arendt im legendären Abschlusssatz ihrer Vorlesung, der in einer Welt von Mitläufern und Wegsehern aktueller denn je ist: "Diese Indifferenz stellt [...] die größte Gefahr dar, auch wenn sei weit verbreitet ist. Und damit verbunden und nur ein bißchen weniger gefährlich ist eine andere gängige moderne Erscheinung: die häufig anzutreffende Tendenz, das Urteilen überhaupt zu verweigern. Aus dem Unwillen oder der Unfähigkeit, seine Beispiele und seinen Umgang zu wählen, und dem Unwillen oder der Unfähigkeit, durch Urteil zu Anderen in Beziehung zu treten, entstehen die wirklichen 'skandala', die wirklichen Stolpersteine, welche menschliche Macht nicht beseitigen kann, weil sie nicht von menschlichen oder menschlich verständlichen Motiven verursacht wurden. Darin liegt der Horror des Bösen und zugleich seine Banalität" (150).

Fazit: Große Philosophie von immerwährender Aktualität. Das Böse ist nicht das Monströse als das wir es gerne hätten, sondern die banal-alltägliche Gleichgültigkeit des Menschen, von der jeder auch einen Teil in sich selbst findet.
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am 6. April 2012
"Das Böse ist schnell getan, die meisten sind dazu in der Lage. Wenn »der Feind« einmal definiert ist,...."
Es sind ernüchternde Abschlussworte eines Versuchs den furchtbaren Auswuchs des Nationalsozialismus begreiflich zu machen. Und es kann in der Tat nur ein Versuch sein. Denn am Ende bleiben dem befangenen Leser auch hier wieder nur die vergeblichen Worte: "Es hätte niemals geschehen dürfen."
Aber trotz der Schwere und der Traurigkeit, die unvermeidbar das Argument betäuben, so spürt man bei Hannah Arendt doch auch immer noch etwas Lebendiges. Und diese Lebendigkeit macht aus dem Gedenken zugleich auch ein Schöpfen von Hoffnung für ein Morgen.
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am 2. Juli 2009
Meine Ursprüngliche Motivation diese Rezension zu schreiben entstand aus der Aggression heraus, einen andreren Rezensenten hier entgegenzutreten. Also habe ich das Buch gelesen und ich muss leider zugeben, dass ich enttäuscht bin.

Hannah Arendt verwöhnt normalerweise mit Ihren schönen Schreibstiel, gestochen scharfer Argumentation und Ironie. Dies ist in diesem Buch nicht der Fall. Die Erklärung warum dies alles nicht zu finden ist steht im Kapitel "Zur deutschen Übersetzung" danach hatte ich Nachsicht.

Wofür ist diese Buch nicht geeignet?
Jeder der sich mit Hanna Arendt beschäftigen möchte und zum ersten mal ein Buch von Ihr liest sollte jedenfalls nicht mit diesem beginnen. Für diesen Fall empfehle ich "Macht und Gewalt"
Dieses Buch eignet sich auch nicht für eine Einführung in die Ethik es würde nur zu Verwirrungen führen, wenn man sich nicht schon damit beschäftigt hat.

Empfehlenswert ist das Buch wenn ...
man ein eingefleischter Arendt-Fan ist (so wie ich) oder wenn man sich für die Fragestellung "Wie konnte das alles passieren" (in Bezug auf NAZI-Deutschland) interessiert. Geschichtlich hat das Werk auch einiges zu bieten, die Referenzen zu "konkreten Geschehnissen" (siehe Rezension Tagespiegel) sind zwar nicht so prägnant wie in ihren anderen Büchern aber immerhin noch vorhanden.
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am 31. Oktober 2015
Gerade in der heutigen zeit erlangt dass Buch wieder aktualität, Hannah Arendt wagt es tatsächlich Menschen zu endnazifiszieren. Sie wagt sich damit sehr weit raus. Auch wenn wir gerade eine Welt voller Nazis erleben, ist es um so wichtiger, diese Buch aufmerksam zu lesen und gegen die Naziskultur ein Zeichen zu setzen.
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am 31. Oktober 2014
Wer sich mit der Philosopie des 18./19. Jahrhunderts nicht auskennt, wird so oft darauf verwiesen, dass es unergiebig wird ihren Gedanken zu folgen, da man es nicht kann. Also ohne Grundlagenstudium braucht man sich dieses Buch nicht anzuschaffen
ODER man nimmt es als Literaturliste, die erst abgearbeitet werden muss bevor man Frau Arendt versteht.
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am 15. Dezember 2013
Ein Buch, das in seiner Klarheit und konsequent ausgeführten Gedanken betroffen macht und wweiter führt zur kritischen Beurteilung eigenen Verhaltens und politischer Entwicklungen.
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am 6. Oktober 2013
Ausgehend von Arendts Buch "Eichmann in Jerusalem" werden Betrachtungen angestellt, wie man sich in den von der NS-Ideologie verlangten Extremsituationen verhalten soll: "Ich kann nicht" anstatt "Ich darf nicht". Hervorragendes Nachwort von Franziska Augstein.
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am 14. Januar 2013
Sehr irreführender deutscher Titel. Es geht nicht "über das Böse", sondern um allgemeine ethische Urteilsfindung. Dafür kann Hannah nichts, allerdings ein Piper-Verlag in Hütchenspieler-Manier.
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