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4.0 von 5 Sternen Die Intelligenz organisiert die Welt ...
Nach seinem Renner "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" (1976) legte Paul Watzlawick fünf Jahre später nach und gab diesen Sammelband mit Aufsätzen verschiedener Autoren heraus, denen er zwei eigene und einen kommentierenden Epilog hinzufügte. Nach der ersten Frage, die am Inhalte des Buches gemessen besser "Wie wirklich oder trefflich ist je meine...
Vor 13 Monaten von Basileus Bibliophilos veröffentlicht

versus
11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Faszinierend, aber formal schwach
'Die erfundene Wirklichkeit' fasst Beiträge aus den Bereichen Biologie, Physik, Mathematik, Literatur, Psychologie und anderen Disziplinen zum nicht allzu klar definierten Gedankengebäude des Konstruktivismus zusammen.
Ausnahmslos alle enthalten überaus interessante Ideen und Ansätze. Auch wenn sich dem (nicht in dieser Richtung vorgebildeten)...
Veröffentlicht am 26. November 2010 von Hesse


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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Faszinierend, aber formal schwach, 26. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die erfundene Wirklichkeit: Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? (Taschenbuch)
'Die erfundene Wirklichkeit' fasst Beiträge aus den Bereichen Biologie, Physik, Mathematik, Literatur, Psychologie und anderen Disziplinen zum nicht allzu klar definierten Gedankengebäude des Konstruktivismus zusammen.
Ausnahmslos alle enthalten überaus interessante Ideen und Ansätze. Auch wenn sich dem (nicht in dieser Richtung vorgebildeten) Leser kein völlig klares Bild der Idee erschließt, ahnt man doch die weitreichenden Implikationen auf Natur- und Geistestwissenschaften.
Umso bedauerlicher dass die Form um einiges hinter dem Inhalt zurückbleibt.
Dies beginnt mit der etwas arg unstrukturierten Zusammenstellung. Alle Aspekte sind sicher interessant, aber völlig ohne Stringenz und roten Faden nebeneinander gestellt (der verbindende Kommentar von Watzlawick versöhnt etwas) ergibt sich kein klares Bild.
Auch die Qualität der einzelnen Beiträge schwankt stark. Allen gemeinsam ist allerdings ein Hang zu unnötig komplexer Darstellung auch teils trivialer Sachverhalte. Zuweilen scheint sich der jeweilige Autor so sehr in seiner eigenen Eloquenz verheddert zu haben, dass das Wesentliche geradezu verschleiert wird. Als Beispiel sei der Beitrag von Gabriel Stolzenberg genannt, dem sich nur mit viel Mühe entnehmen lässt, worauf der Autor hinauswollte. Auch nach mehrmaligem genauem Lesen bin ich mir nicht sicher, ob sein eigentlich nicht allzu kompliziertes Beispiel aus der Mathematik, an dem er seine Gedankengänge entwickelt, diese auch wirklich stützt. Ich will es nicht in Abrede stellen, aber einer etwas eingehenderen Erläuterung seines Beispiels einige Seiten zu widmen statt es in einer kurzen Anmerkung abzuhandeln hätte der Verständlichkeit keinen Abbruch getan.
Auch scheint vieles nicht hinreichend abstrahiert und zu Ende gedacht.
So erwähnt Watzlawick in seinem Vorwort einen Versuch, in dessen Verlauf Studenten vermeintliche Gesetzmäßigkeiten in zufälligen Zahlenreihen entdeckten und führt dies als Beispiel einer Konstruktion an. Innerhalb des gegebenen Rahmens ist das Ergebnis wenig verblüffend, steckte die Konstruktion in diesem Fall doch bereits in der Aufgabenstellung. Bei längerer Fortsetzung des Versuchs hätten sich mit Sicherheit Zweifel an der Korrektheit der 'erkannten' Gesetzmäßigkeit eingestellt. Was hier zu überwinden war, war in erster Linie nicht ein genetisch aufgeprägter Hang zum Konstruieren, sondern das Vertrauen in die Person des Versuchsleiters und in das Wesen des Versuchs selbst.
Demselben Phänomen ist meiner Meinung nach auch die geschilderte Unfähigkeit von Ärzten geschuldet, mit vorgeblichen Symptomen in eine Nervenklinik eingelieferte gesunde Patienten zu entlarven. Wer fegt schon Symptome wie das Vernehmen von nicht existenten Stimmen einfach weg, wenn der vermeintliche Patient ein paar Tage beschwerdefrei zu sein scheint (damit sei nichts über die evtl. mangelhafte Qualität der Pflege ausgesagt, aber das ist in diesem Kontext nicht der springende Punkt).
Auch die nicht ganz unwesentliche Abgrenzung von radikalem Konstruktivismus und (dem doch sehr nahe liegenden) Solipsismus ist meiner Meinung nach nicht wirklich gelungen. Heinz von Foerster führt in seinem Beitrag die angenommene Existenz von autonomen Lebewesen als abgrenzende Eigenschaft an. Zum solipsistischen Standpunkt scheint sich für mich aber kein Widerspruch zu ergeben.
Postuliere ich die Existenz eines Gegenübers, mit dem auch eine Kommunikation möglich ist, bricht der radikale Ansatz eigentlich sofort zusammen. Können ein Gegenüber und ich unabhängig voneinander Aspekte der 'Wirklichkeit' auf die gleiche Weise erkennen, wie z.B. die Rundheit und Gelbheit eines Apfels, so liefert dies ein eindeutiges Indiz auf das Vorhandensein einer vom Beobachter unabhängigen Wirklichkeit. Unbestritten sei, dass die wahrgenommenen Aspekte dieser Wirklichkeit zweifellos unvollständig und interpretiert, und bis zu einem gewissen Grad auch konstruiert sind. Aber DASS eine Wirklichkeit existiert, die wenn auch unvollständig und verfälscht von beiden Beobachtern erfasst wird, scheint mir evident.
Nichtsdestotrotz eine faszinierende Lektüre, und hervorragend der Beitrag von Watzlawick selbst. Massives Manko allerdings die Form, daher nur 3 Sterne.
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4.0 von 5 Sternen Die Intelligenz organisiert die Welt ..., 20. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Die erfundene Wirklichkeit: Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? (Taschenbuch)
Nach seinem Renner "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" (1976) legte Paul Watzlawick fünf Jahre später nach und gab diesen Sammelband mit Aufsätzen verschiedener Autoren heraus, denen er zwei eigene und einen kommentierenden Epilog hinzufügte. Nach der ersten Frage, die am Inhalte des Buches gemessen besser "Wie wirklich oder trefflich ist je meine Wirklichkeitsauffassung?" betitelt worden wäre, steht auch hier die Frage im Vordergrunde, wie die Wirklichkeitsdeutung oder -auffassung das Produkt eigener Prophezeiung, eigener Zurechtlegung, übernommener Ideologie und einseitiger oder voreingenommener Untersuchung wird. Der beste oder trefflichste Satz hierzu stammt von Jean Piaget: "L'intelligence (...) organise le monde en organisant elle-même" = "Die Intelligenz organisiert die Welt, indem sie sich organisiert". Dies lässt offen, woran die Intelligenz (was ist das genau?) sich derweil des Sich-Organisierens hält oder orientiert? Und inwieweit hier der Name 'Welt' (alias 'monde') das Selbe nenne wie das 'Sein' oder die 'Wirklichkeit', wird leider nicht diskutiert. Auch die Begrenztheit des Spektrums der Sinne und des Prüf- und Urteilsvermögens des Menschen (wie etwa in Thomas Metzingers "Der Ego-Tunnel", Berlin 2009, oder Manfred Spitzers "Lernen", Heidelberg 2006) werden hierbei nicht hinreichend thematisiert.
Das zeigt die Schwäche dieses dennoch durchaus spannenden und lesenswerten Buches: Obwohl das Erfinden der (erlebten) Wirklichkeit zweifellos ist und überzeugend dargestellt wird, bleibt die wissenschaftstheoretische Grundfrage unerörtert. Muss jede Wirklichkeitsdeutung die Annahme einer Wirklichkeit außerhalb aller Deutung in Gänze ausschließen? Ist der Gedanke einer Wirklichkeit an sich wirklich (!) nur die Folge unseres fehlerhaften Kausaldenkens? Und wie kommt es, dass der Mensch seine erlebte Wirklichheitsumgebung so lieb gewinnen kann wie ihm Heimat gewährende Waarheit, dass er weint, wenn er sie durch Naturkatastrophe, Flucht oder Vertreibung verliert? Wie ist eine Annäherung an das Seiende-an-sich möglich, wenn sie denn möglich ist?
Die spannenden Fragen bleiben; die Literatur hat noch ein weites unbegangenes Land vor sich.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schwere Kost, 19. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die erfundene Wirklichkeit: Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? (Taschenbuch)
Anders als andere Bücher von Watzlawick liest sich dieses hier ziemlich zäh - was möglicherweise daran liegt, dass die meisten Texte gar nicht von ihm sind. Mit anderen Watzlawick-Werken ist man besser aufgehoben.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was soll ich sagen... Erste Sahne!, 6. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die erfundene Wirklichkeit: Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? (Taschenbuch)
Mit Watzlawick schreiben noch acht andere Autoren über unsere sehr individuellen Wirklichkeiten (im Rahmen des 'Konstruktivismus'), die wohl manches Mal recht unsanft mit anderen Realitäten kollidieren. Hoch interessant und umfassend erklärt.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, erhellend, anregend, 2. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Die erfundene Wirklichkeit: Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? (Taschenbuch)
Paul Watzlawick führt hier unterschiedliche Autoren zusammen, deren Kernthema die Auseinandersetzung mit der "neuen Sicht der Wirklichkeit" ist, wie sie der Konstruktivismus für sich beansprucht. Heinz von Förster, Rupert Riedel, Ernst von Glasersfeld, Francisco Varela u.a.m. liefern die Grundlage dafür, nach dem Verlust der Dogmen wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

Wir konstruieren zwar unsere Welt selbst, umfangreicher als je bewusst - die Möglichkeit, Wahrheit zu finden rückt damit weiter weg als je zuvor - aber die Grundlage auf der wir diese Konstruktionen betreiben wird zunehmend durchschaubar und somit neue Basis für die Wissenschaft vom Erkennen des Erkennens.

Watzlawick selbst ist dabei pointiert verbindender Moderator. Glänzend, solange er unpolitisch bleibt. Eine Fülle von Beispielen zu Kreisprozessen, von der selbsterfüllenden Prophezeiung bis zu alltäglichen Rückkopplungsprozessen, unterstreicht die Sichtweise des Konstruktivismus mit der Verstärkung des Fokus auf Zusammenhänge anstelle der einseitigen Wertschätzung der Systemelemente.

Eine Sichtweise übrigens, die wie von keinem anderen so wirksam vertreten wurde, wie vom Protagonisten des Vernetzten Denkens, Prof. Frederic Vester. Diesem gelang die Entwicklung eines Verfahrens, was es erlaubt, systembezogen die von Rupert Riedel dargestellte (und bedauerte) Spaltung des Weltbildes zu reduzieren.

Also: Als begleitende Literatur zu empfehlen sind die umfangreichen Schriften von Prof. Vester.

Insgesamt: Sehr empfehlenswert.

Detlef Mamrot
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Die erfundene Wirklichkeit: Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben?
Die erfundene Wirklichkeit: Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? von Paul Watzlawick (Taschenbuch - 1. Juli 2006)
EUR 9,99
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