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Ach, was freut sich der Boulevard doch wieder, wenn sich ein Prinz Harry wieder einmal morgens um 4 nach einer durchzechten Nacht mit der falschen Dame in sein Auto begibt und dabei offensichtlich nur mühsam gegen die Folgen des Alkoholmissbrauchs ankämpfen kann? Und wie spannend ist es doch, die alte Verschwörungstheorie über den Tod von Lady Diana wieder und noch mal in anderer, natürlich aber reißerischer Form präsentiert zu bekommen? Geben wir es doch zu: Als Menschen lieben wir menschliche Schwächen, vor allem, wenn es die menschlichen Schwächen anderer sind und wir sie auf dem Präsentierteller vorgeführt bekommen. Und so haben die "Royals" doch auch heute eine wichtige Funktion: Sie sorgen für ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gesellschaft. Denn die sind reich und wir sind arm. Aber eigentlich sind wir doch gar nicht so verschieden.

Christian Dickinger erweitert unsere Perspektive jetzt etwas und zeigt, dass es in der Geschichte noch ein paar Royals gab, die noch viel skurriler waren, als wir es aus dem 20. und 21. Jahrhundert kennen. Ein kleiner, unehelicher Seitensprung gehört da natürlich noch zu den völlig harmlosen Geschichten. Es muss schon mindestens Travestie sein, regelmäßiger Sex mit der Unterschicht oder auch Selbstmord. Auch seelische Grausamkeit und Erbkrankheiten sind im Angebot. Das alles wird gefördert durch die absurde Politik der Inzucht, die sich in der Familie Habsburg seit Jahrhunderten breit gemacht hat.

Das alles zeigt, dass durch Abschottung gegenüber anderen niemals eine Elite erhalten oder gar entstehen kann. Sonst aber hat man eigentlich nicht viel zu lernen hier, aber viel Spaß beim Lesen, denn das Buch ist gut und unterhaltsam geschrieben. Es lebe der Boulevard.
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am 25. September 2006
Jetzt ist es also da, das Buch, das Thea Leitner nicht schreiben wollte: Im Vorwort von "Habsburgs vergessene Kinder" erklärt sie, daß sie nur über sympathische Leute schreiben kann / will, das Buch "Habsburgs schwarze Schafe" werde sie auf keinen Fall verfassen. Christian Dickinger hat es getan, und die Beurteilung fällt mir schwer.

Beginnen wir mit den guten Seiten des Buches.

Dickinger nennt unumwunden den Grund für viele Absonderlichkeiten, nämlich jahrhundertelange Inzucht. Durchaus möglich, daß die medizinische Forschung noch nicht soweit war, aber glaubt irgendwer, der bis drei zählen kann, daß die Leute den Zusammenhang zwischen fürstlichen Verwandtenehen und kranken Kindern nicht erkannt haben??? Zumal Kaiser und Könige meistens auch noch einen Haufen uneheliche Kinder gezeugt haben, die meistens erheblich besser gediehen als die "legitimen" Nachkommen. Wesentlich wahrscheinlicher ist wohl, daß Erbkrankheiten einfach in Kauf genommen wurden. Inzucht bis zum Wahnsinn, im wahrsten Sinne des Wortes, weil ein makelloser Stammbaum wichtiger war als alles andere. Kein Wunder eigentlich - wenn persönliches Glück kaltblütig auf dem Altar der Staatsräson geopfert wurde, warum dann nicht auch gleich die körperliche und geistige Gesundheit?! Dickingers Direktheit ist schon mal ein Pluspunkt.

Dickinger schildert auch das Leben einiger sympathischer Figuren, z. B. das einiger Herren, die den kaiserlichen Würden entsagt haben, um eine nicht "ebenbürtige" Frau zu heiraten.

Über Kaiserin Zita wüßte ich gern mehr. Was Dickinger über sie berichtet, klingt nicht gerade einnehmend, aber ziemlich spannend. Daß sie bis ans Ende ihres langen Lebens an eine Rückkehr zur Monarchie geglaubt hat, beweist einen völligen Realitätsverlust - man fragt sich, wie jemand so die Bodenhaftung verlieren und sich so verrennen kann. Auch die Schilderung von Rudolfs Tochter Erzsi ist interessant, sie hatte wirklich ein bewegtes Leben!

Nahezu unglaublich lesen sich die Verschwörungstheorien, die sich um den Tod von Kronprinz Rudolf ranken. Sicher, eine hundertprozentige Gewißheit gibt es nicht - aber was den Leuten dazu eingefallen ist, sprengt wirklich jeden Rahmen. Dickinger listet eine Reihe von verrückten Theorien auf, über die man trotz der tragischen Thematik lachen kann.

Dickinger ist, wie sehr deutlich zum Ausdruck kommt, ein überzeugter Anhänger der Republik. Demokratie und Monarchie müssen einander nicht unbedingt ausschließen, wie die konstitutionellen Monarchien in Europa zeigen. Aber natürlich sind Erbtitel an sich außerordentlich undemokratisch. Ich persönlich finde auch die Wahl des deutschen Bundespräsidenten undemokratisch, aber Dickinger ist schließlich Österreicher, und unsere Nachbarn machen es deutlich besser als wir, indem sie den Bundespräsidenten vom Volk direkt wählen lassen. Sehr richtig, man sollte diese Praxis auch in Deutschland einführen - oder, wenn man das nicht will, zumindest auf die Wahl verzichten, die gar keine ist.

Am besten finde ich das Ende des Buches, nämlich Dickingers amüsante Betrachtung zweier heutiger Habsburger, des betagten Otto und seines ältesten Sohnes Karl. Dickinger kritisiert Otto, würdigt aber seine Intelligenz und auch seinen Fleiß (z. B. daß er zahlreiche Bücher geschrieben hat und Mitglied im EU-Parlament war). Interessant ist ein Blick auf Otto von Habsburgs Kinderschar - erst 5 Töchter, dann 2 Söhne. Der Kindersegen hat genau da aufgehört, als zwei Söhne da waren, also "an heir and a spare" - ein Erbe und ein Ersatzmann! Leider ist Ottos Stammhalter keine so beeindruckende Gestalt, sondern eher eine klägliche Figur, die von einem Fettnäpfchen ins andere tritt.

Nun zu den schlechten Seiten.

Über viele der Figuren sind schon Unmengen Tinte geflossen, Sisi, Franz Joseph und Rudolf wurden wirklich gründlich behandelt, und wirklich Neues hat Dickinger nicht zu sagen - daß das süßliche Sisi-Klischee nur wenig mit den Tatsachen zu tun hat, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Damit aufzuräumen, ist wirklich keine große Leistung mehr.

Eine tragische Figur, nämlich Kaiser Maximilian von Mexiko, fehlt leider, und auch Erzherzogin Sophie hätte eine erschöpfendere Behandlung verdient. Natürlich war sie nur angeheiratet, aber das gilt auch für Sisi, und ihr wird ein Kapitel gewidmet, obwohl sie eigentlich eine Wittelsbacherin war. Erzherzogin Sophie finde ich interessant, seit ich erstmals die Sisi-Filme gesehen habe. Ich fand und finde Vilma Degischer phantastisch als biestige Schwiegermutter, obwohl oder gerade weil sie ein Ekel verkörpert. Aber sogar in den süßlichen Sisi-Filmen, in denen Sophie gewissermaßen die böse Stiefmutter ist und Elisabeth die unschuldige Prinzessin, schimmert durch, daß Sophie keineswegs völlig gefühllos ist und daß ihre Strenge kein Selbstzweck ist, sondern daß sie ihre Gründe hat. Wenn man sich näher mit ihr befaßt, merkt man sehr schnell, daß sie wesentlich menschlicher und liebenswerter gewesen sein muß, als sie in den Filmen dargestellt wird. Leider ist das biographische Material über sie eher dürftig, es scheint nur eine Biographie zu geben, "Die heimliche Kaiserin" von Gerd Holler, die leider nicht mehr zu bekommen ist.

Gelegentlich zitiert der Autor haarsträubenden Unsinn, so z. B. die "Auffassung, daß ein Kaiser Franz Ferdinand mehr Schaden angerichtet hätt, als sein Tod nach sich ziehen würde"! Wie bitte? Gibt es mehr Schaden als einen Weltkrieg??? Oder daß "die drei Kronprinzen des Hauses Österreich, von denen ein gefährliches Abgehen von der Tradition erwartet wurde, Don Carlos, Rudolf und Franz Ferdinand, eines gewaltsamen Todes starben" - so ein Blödsinn! Das Inzuchtopfer Don Carlos war körperlich und geistig in so jämmerlicher Verfassung, daß er nie und nimmer selber hätte regieren können. Wäre er je auf den Thron gekommen, wäre er auf jeden Fall nur nominell König geworden, die Regierung hätten andere übernommen bzw. übernehmen müssen. Somit hätte er auch keine Traditionen brechen können. Seine Todesumstände sind bis heute nicht geklärt. Und vor Don Carlos' Vater Philipp muß man den Hut ziehen, weil er klug genug war, diesen mißratenen Sohn aus dem Verkehr zu ziehen. Die meisten anderen Habsburger haben verbohrt an dem Grundsatz festgehalten, daß der erste Sohn Thronfolger werden muß - und haben Söhne wie Don Carlos bedenkenlos mit bedauernswerten Prinzessinnen verheiratet. Philipp II. hat es nicht getan, er hat den armen Irren weggesperrt und dessen Verlobte Elisabeth selber geheiratet - das Mädchen hat Glück gehabt, den Vater zu bekommen.

Peinlich finde ich, daß die politische Einstellung des Autors erkennbar ist - sie kommt deutlich zum Ausdruck in Sticheleien gegen die ÖVP ("Dollfuss, dessen Konterfei unverständlicherweise noch heute eine Wand im Parlamentsklub der ÖVP ziert") und seiner Bewunderung für den Bundeskanzler Kreisky. Daß Dickinger sich in der SPÖ engagiert (die Info findet man im Internet), ist sein gutes Recht, aber Wahlkampf in einem Werk über die Habsburger...? Das wirkt einfach deplaziert.

Ich habe sehr lange zwischen zwei und drei Sternen geschwankt und dann nach dem Motto "im Zweifel für den Angeklagten" entschieden.
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am 2. März 2009
Der Buchtitel klingt vielversprechend: Die schwarzen kaiserlichen Schafe in all ihren Skurrilitäten und grotesken Absonderlichkeiten, dazwischen einige wenige, die positiv aus der Art geschlagen sind... Dass die Habsburgerischen wahr- und wahnhaften "Orgien der Inzucht" bemerkenswerte Ergebnisse geliefert haben, dass da schonmal die hochwohlgeborene Stiefmutter heiratsbedingt Stieftöchterchens Schwägerin wurde -- na, darüber erführe man doch gern Genaueres, zumal die öffentliche Lektüre eines ordentlichen Buches aus dem Programm eines respektablen Verlages niemals so peinlich ist wie das "Goldene Blatt", wenn im selben Bus ein Bekannter sitzen könnte.
Dass das Prinzip der Primogenitur (der Erstgeborene kommt zuerst, und sei er noch so verdreht) und das Kaiserlich Österreichische Familienstatut (Die "Eheerlaubnis" des Kaiserlichen Familienoberhauptes gab's nur, wenn der zukünftige Ehepartner eine "makellose Ahnenreihe bis zu den Ururgroßeltern aus 'Regierenden oder vormals regierenden Häusern'" aufweisen konnte) den Habsburger Genpool nicht eben bereicherten, dass die allzu oft überstrengen bis fanatisch reaktionären Erzieher der kaiserlichen Nachkommen und das Spanische Hofzeremoniell eventuell dennoch vorhandener Intelligenz auch nicht förderlich waren -- nun, das ist bekannt, und die Folgen kann man sich ausmalen. Aber die konkreten Einzelfälle ließe sich der insgeheim sensationslüsterne Leser dann doch gern im Detail schildern; gegen derlei triviale Kurzweil ist schließlich keine Bildungsschicht gefeit.

Derlei zugegeben despektierliche Interessen befriedigt dieses Buch aber leider nur ansatzweise: etwa wenn Erzherzog Ludwig Viktors skandalöse homophile Eskapaden im Schwimmbad zu lesen sind, oder wenn das nachvollziehbare Entsetzen heiratsverdonnerter Kaisergemahlinnen angesichts ihres Zukünftigen aus deren nachgelassenen Briefen zitiert wird; wenn die renitenten, freiwillig zum Bürgertum konvertierten Habsburger, die lieber eine Bürgerliche heirateten, als sich ins eheliche Unglück verdonnern zu lassen, in einem eigenen Kapitel gewürdigt werden. Auch einige Schilderungen skurriler bis grotesker Hofintrigen lesen sich amüsant, und so manche Kolportage über außergewöhnlich verdrehte Herrscher hält genau das, was der Buchtitel verspricht: amüsante bis pikante Alkovenhistörchen nämlich. Seriöse Geschichtsschreibung hat man sich ja wirklich nicht von der Lektüre versprochen. Freilich ist Dickinger hier nicht konsequent: Er bietet nämlich Anekdoten nicht als Anekdoten dar, sondern bettet sie oft in seine "Thesen" ein, als handle es sich um deren quellenbasierte Unterfütterung. Ein anständiger Historiker geht mit seinen Zitaten pfleglicher und vor allem kritischer um. Aber zu den Minuspunkten kommen wir noch.
Brauchbar sind auch gelegentliche Schilderungen der historischen und sozialen Gegebenheiten (z.B. soziale Missstände, europaweite 1848er Revolutionen, Wiener Kongress, Balkankrise); wenn diese etwas arg plakativ geraten sind, dann kann man das mit einigem gutem Willen immerhin der dem Buch zugrunde liegenden Idee zuschreiben. Mitunter bemüht Dickinger sich sogar um ausgewogene Charakterisierungen und korrigiert zumindest ansatzweise Stereotypen trivialhistorischer Gemeinplätze: Der grotesk verwachsene Kaiser Ferdinand war womöglich doch nicht ganz so vertrottelt, wie man ihn oft vorgestellt bekommt, und die Kaisermutter Sophie war nicht nur klüger als ihr Gemahl Franz, sondern wohl auch nicht die Bissgurn, als die sie in den Sissi-Filmen dargestellt wird. Auch dass Verbohrtheit nicht völlig erbdominant war bei den Habsburgern, tritt gelegentlich zutage, z.B. wenn man zwischen all dem intellektuellen Elend liest, dass es auch so erfreuliche schwarze Schafe gab wie den liberalen und reformfreudigen Erzherzog Johann (genau, der mit dem Jodler).

Dass Dickinger nicht streng chronologisch vorgeht und man sich deswegen in den jeweiligen politischen und Familien-Angeleigenheiten gelegentlich verirrt; dass man nicht immer sofort kapiert, um welchen Franz, Karl, Ferdinand, Ludwig oder Otto es gerade geht -- nun, das sind weniger schwerwiegende Versäumnisse, die sich allerdings leicht beheben ließen. Daher rührt mein nachhaltiges Missfallen nicht.
Peinlich jedoch wird Dickingers Bemühen um historische Seriosität: Allzu oft liest man Platitüden der Art "Allgemein wurde angenommen" (von wem?), "Klar ist indessen" (wieso?). Papst qua eigener Berufung Dickinger spricht ex cathedra? Vor solchem Unfug warnt doch schon die Broschüre "Rhetorik für Anfänger".

Es wird noch schlimmer; leider verspricht der Titel nämlich allzu viel. Da werden in Seriosität suggerierender thematischer Ordnung zwar die markantesten Dynastie-Granden vorgestellt, sauber geordnet in die Kategorien regierende Trottel, "Aussteiger aus dem Kaiserhaus", Wüstlinge mit ihren jeweiligen Vorlieben, und befremdlich republikverweigernder Nachklapp im Kreise heutiger Nachkommen.
Der Autor versichert in seinem Geleitwort, er wolle ironisch sein, nicht aber polemisch; seine Feder werde er zwar nicht in Weihrauch tauchen, aber auch nicht in Jauche. Klingt gut; schließlich liest sich pointierte Frechheit nicht nur in öffentlichen Verkehrsmitteln amüsanter als die erzählerische Variante patinabestäubter Riechfläschchen.
Aber was Christian Dickinger unter Ironie und Polemik versteht, das ist mir schleierhaft. Versteht er unter Ironie plakativen Klamauk und gegen Kritik imprägnierte verbale Rundumschläge à la "die kluge Sophie", "die mitfühlende Stiefmutter", "die maßlos eitle Elisabeth" oder "ein primitiver Phlegmatiker"? Derlei plumpe und vor allem unnötige Zuschreibungen klingen doch arg nach Courts-Mahler und verkünden nichts Neues. Dafür prunkt Dickinger gelegentlich mit unfreiwillig komischer Betulichkeit, etwa wenn er allen Ernstes und stelzbeinig von "einer gefährlichen venerischen Erkrankung" schwadroniert, wenn er Syphilis meint. Umgeben sind stilistische Bauchpflatscher dieser Art von penetrant schnoddrigem Tonfall; letzterer mitunter durchaus nicht ganz unwitzig, aber weniger plakativ wäre das eindeutig wirkungsvoller. So aber veranstaltet man nur ein literarisches Hornberger Schießen.
Und dann diese verhauten Metaphern und Bilder! Gab's die irgendwo im Angebot, gar im Dutzend billiger? -- "In Waterloo ertranken die Träume des Korsen im regennassen Schlachtfeld". Na, das erübrigt doch jede Karikatur.

Nein, das ist ganz einfach zu billig und befriedigt weder biographischen noch anekdotischen noch Boulevard-Wissensdurst. Geschichte ad usum Delphini (Wissen derart vereinfacht, dass es sogar die meschuggenen Erzherzöge kapieren).
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...feierte die Familie Habsburg durch Jahrhunderte. Ursache laut Christian Dickinger: dynastische Erwägungen und primitiver Standesdünkel. Ergebnis: Schwachsinn, physische Gebrechen, Charakterschwächen, intellektuelle Impotenz und allerlei Geisteskrankheiten.
Mit einigen Habsburgern, die oben erwähnte Merkmale - mehr oder weniger - aufweisen, beschäftigt sich der Autor näher: Kaiser Ferdinand I. und Kaiser Franz Joseph; Kronprinz Rudolf und die Erzherzöge Ludwig Viktor und Otto sind hier wohl ganz vorne zu nennen.
"Schwarze Schafe" gab es natürlich auch in anderer Hinsicht - nämlich die "Aussteiger" aus der Dynastie. Sie verloren alle ihre Privilegien. Ein aus dem Jahre 1839 stammendes "Familienstatut" (vor der Öffentlichkeit geheimgehalten) legte nämlich fest, dass kein Mitglied des Kaiserhauses ohne die Erlaubnis des Kaisers heiraten durfte. Das bekamen gerade die "Aussteiger" zu spüren...
Ein amüsantes, faktenreiches Buch, das das Habsburgerbild, das in Österreich manchmal einer Verklärung unterliegt, ergänzt.
Zum Schluss noch ein positives Beispiel (auch solche gibt es) für die Habsbuger-Dynastie: Erzherzog Johann (mit seiner steirischen Postmeisterstochter Anna Plochl) - ein wahrlich beeindruckender Habsburger!
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am 13. Oktober 2006
Ich bin historisch sehr interessiert und habe daher schon sehr viel über Geschichte (und natürlich auch die Habsburger) gelesen.

Es ist leider so, dass Christian Dickinger seine politische Einstellung in diesem Buch nicht verbergen konnte (wollte?). Bei jedem einzelnen Satz merkt man die Abscheu gegen alles Aristokratische. Dass aber wahrscheinlich 99% seiner Leser objektive Schilderungen bevorzugen (eine Meinung kann sich schließlich jeder selbst bilden!), hat er nicht bedacht. Er schreibt durchwegs gehässig und stellt die Adeligen als degenerierte Idioten hin. Es mag solche durchaus auch gegeben haben, aber trotzdem ist diese ständige "Heruntermacherei" nicht auszuhalten.

Zusätzlich habe ich nicht nur einen schweren inhaltlichen Fehler (betr. Jahreszahlen, aber auch Bezeichnungen, so z.B. die Verwechslung von Joseph I. mit Joseph II.!!!) entdeckt.

In Summe ein Buch für Kommunisten und Sozialisten, nicht aber für historisch Interessierte, die keine Meinung vorgekaut bekommen möchten. Das war mit Sicherheit das erste und letzte Buch, das ich von diesem Auto gekauft habe! Schade um das Geld...
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am 29. August 2006
Als ich die ersten Seiten des Buches durchblätterte und kurz in die einzelnen Geschichten reinschmökerte, war ich doch sehr enttäuscht. An den objektiven Schreibstil der Historikerin Brigitte Haman gewohnt, konnte ich mit Herrn Christian Dickingers Betrachtungs- und Erzählweise nichts anfangen. Dieser war reisserisch und -in meinen Augen - erniedrigend geschrieben. Ich konnte darin nichts "Erfrischendes" entdecken. Bedauerlicherweise verfügt Herr Christian Dickinger nicht über das Feingefühl der Historikerin Brigitte Haman, die es versteht, Verhaltensweisen von Aristokraten auf mögliche nachvollziehbare Gründe zurück zu führen.

Zwei Punkte gibt es trotz alledem - die Idee hinter dem Buch hat etwas Bestechendes an sich, sonst hätte ich das Buch nicht bestellt.
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am 5. Juni 2003
...informiert christian dickinger in diesem buch über die schattenseiten in den seelen der herrschenden oder nur müßiggehenden habsburger der letzten zweihundert jahre. sein ton ist nüchtern und objektiv, sarkastisch nur in zusammenhängen, die den nationalsozialismus betreffen. titel und untertitel des buches sind irreführend und unzureichend, weil es nicht nur um prinzen und kaiser, sondern auch um eine kaiserin (sissi, wer sonst?) und eine prinzessin (kronprinz rudolfs tochter elisabeth) handelt, außerdem war kaiserin sissi mitnichten eine habsburgerin.
der inhalt des buches ist also wohltuend weniger reißerisch als die ankündigung. man erfährt viel über leben und treiben der zügellosen, verwöhnten angehörigen des kaiserhauses und über leben und vegetieren der armen geistesschwachen unter ihnen.
nur dreien, seltsamerweise in einer generation, gelang die flucht in eine mehr oder weniger glückliche bürgerliche existenz, mit schimpf und schande und ohne einen groschen geld.
der einzige, der für mich in dem interessanten kaleidoskop von degeneration und inzucht, selbstherrlichkeit und geschichte fehlt, ist kaiser maximilian von mexiko. sowohl seine begabungen als auch sein rebellischer geist und seine sozialen bestrebungen hätten ein porträt gerechtfertigt. dafür gibt es ein kapitel über karl habsburg-lothringen, den berühmtesten der kaiserenkel, das erfrischend ohne liebedienerei auskommt.
alles in allem mit leichter hand geschrieben, unaufdringlich und erhellend.
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TOP 1000 REZENSENTam 9. August 2015
Ferdinand Burg, Leopold Wölfling, Johann Orth.

Was hatten sie gemeinsam ?

Nun, sie alle waren mal Erzherzog von Österreich. Hätten sie das Hausgesetz der Habsburger geachtet, dessen konsequentester Vollstrecker Kaiser Franz Joseph war, wären sie besser dran gewesen.

Aber das Herz will, was das Herz will. Alle hatten indiskutable Beziehungen zu Bürgerlichen, einen zog sogar das Prostituierten- Milieu magisch an. Und sie fühlten, dass sie auf ihrem Platz falsch waren, den sie durch ihre Geburt hatten.
Zwei schwarze Schafe trugen den Beinamen Salvator, zwei hingegen waren Brüder von Franz Ferdinand ( den man in Sarajewo totgeschossen hatte ). Beide waren gegen dessen unstandesgemäße Heirat mit Sophie Chotek, Doppelmoral im Hause Habsburg.

Dann ist natürlich Elisabeth "Sisi" erwähnt, die mir immer unsympathischer wird. Was hatte sie für Potenzial, eine frühzeitliche Lady Di sozusagen. Nur, die hat sich sehr für ausgegrenzte Personen und gegen Landminen eingesetzt.
Sisi hat sich, außer 1867 für Ungarn, für gar niemanden als sich interessiert. Ausnahme: ihre Tochter Valerie.
Indem sie es hier übertrieb, hat die sich gegen beinahe alles gewandt, was der Mutter lieb war, vor allem das Ungarische.
Vielleicht wurde sie nur deshalb geboren, um Ungarn gegen Österreich zu helfen. Manchmal braucht es nur einen einzelnen Menschen.

Die Sprache des Autors ist für jeden Leser verständlich; die Anekdoten, die er zitiert, sind köstlich.
Kaiser Ferdinand, der Vorgänger von Franz Joseph, litt an Epilepsie, die sich mit den Jahren jedoch ein wenig besserte.
In seinen lichten Momenten vermochte er seine Umgebung durchaus zu überraschen. Und er hat ganz sicher viele Sympathien auf seiner Seite.

Irritierend an dem Buch ist nur, dass diese ganzen Außenseiter aus einer Ära stammen, gerade so, als hätte nur das 19. Jahrhundert schwarze Schafe hervorgebracht. Was ist in all den Jahrhunderten zuvor geschehen ? Vielleicht muss sich da ein anderer Autor kümmern.
Oder Herr Dickinger schiebt noch ein Buch nach. Das wünsche ich mir.
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am 29. Februar 2016
zieht natürlich immer....offenbar auch, wenn man die Gschichterln alle schon mehrmals woanders gelesen hat. Prozentual gesehen gibt es aber in Herrscherhäusern kaum mehr "schwarze Schafe" als im Bürgertum, Aussteiger, Homosexuelle, Egozentriker, nicht "standesgemäß" Verheiratete oder Heiraten ohne Liebe als Selbstzweck, Freier, Transvestiten, Wüstlinge und Sexsüchtige. Eine schwarze Schäfin wurde vergessen: es gab auch eine lesbische Erzherzogin.
Zunächst wäre zu klären, wer da alles "Habsburger" ist: das Kind einer auswärtig verheirateten Habsburgerin (Napoleon Sohn) und eine, die einen Habsburger geheiratet hat (Elisabeth)....natürlich Sisi kann man noch in den "Schwarzen Schafen der Wittelsbacher" verbraten.
Der Autor hat nicht selbst geforscht, sondern alles zusammengesammelt, was schon veröffentlicht wurde, unkritisch, auch mit den Fehlern. Bei vielen Zitaten und Behauptungen gibt es keine nachvollziehbare Quellen. Für einzelne Kapitel wichtige Sekundärliteratur wurde nicht gelesen.
Ein Sachbuch ohne Register ist ziemlich unbrauchbar.
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am 30. Dezember 2014
Wir erfahren, was uns in der Schule im Geschichteunterricht vorenthalten wurde: die Kehrseite eines Herrscherhauses, das jahrhundertelang regiert hat, aber duch Verwandtenheiraten und die sogenannte Primogenitur (Erstgeborener wird Thronfolger) wirklich seltsame Menschen - und nicht fähige - auf den Kaiserthron gebracht hat. Besonders interessant, weil immer "unterschlagen" die Aussteiger aus dem Haus Habsburg!
Der Autor, der uns mit genauer Geschichtskenntnis und politisch korrekter, nachfragender Haltung all dies näherbringt, verfolgt die Geschichte der Habsburger bis zum heutigen Tage, besonders hier natürlich für Österreicher interessant, die ja bis vor Kurzem immer wieder durch Otto Habsburg und seine Versuche, wieder hier Fuß zu fassen, peinlichst an diese Zeit erinnert wurden.
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