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63 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Weltmacht USA. Ein Nachruf,
Von Fritz Löffel (Kerzers, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
Ich habe dieses Buch in der französischen Fassung gelesen. Es handelt sich um eine brilliante Analyse über die Wirtschaftslage und den gegenwärtigen Gemütszustand des Polit-Establishments in den USA. Todd untersucht und begründet weshalb die USA ihre globalen Hegemonialansprüche nur mit militärischen Mitteln durchsetzen können. Einem solchen Versuch prophezeit er jedoch das Scheitern, weil den USA die dazu notwendige Wirtschaftskraft fehlt. Seiner Meinung nach werden die USA zunehmend Mühe bekundenihr Handelsbilanzdefizit zu finanzieren. Dadurch könnten die Verantwortlichen versucht sein, vermehrt auf Alleingänge und militärische Lösungsversuche zu setzen. Seine Thesen untermauert der Autor mit umfangreichen statistischen Unterlagen sowie anhand von Besonderheiten der angelsächsischer Kultur. Dabei enthält er sich jeglichem billigem Antiamerikanismus und er weiss die historischen Leistungen der USA durchaus zu würdigen. Todd prophezeit Europa eine Emanzipation von den USA und zeigt neue Perspektiven europäischer Politik auf, welche sich jenseits Das Buch selber ist in verständlicher Sprache geschrieben. Für politisch interessierte Menschen sicher sehr lesenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
89 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Prügel für die USA,
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
Der französische Gelehrte Emmanuel Todd hat bereits 1976 in seinem Buch "La chute finale" (dt. "Vor dem Sturz - Das Ende der Sowjetherrschaft") den Zusammenbruch der Sowjetunion vorhergesagt. Basis für seine Annahme bildete u.a. die Betrachtung der Entwicklung demographischer Entwicklung (z.B. zunehmende Säuglingssterblichkeit) und anthropologischer Eigenart (z.B. egalitäre Grundhaltung der slawischen Familien). Die Erforschung von Familienstrukturen und deren Implikationen für das Verhalten gesellschaftlicher Gruppen ist ein Spezialgebiet Todds, der am Nationalen Institut für Demographische Studien in Frankreich arbeitet.Wie seinerzeit die Sowjetunion unterzieht er in "Weltmacht USA - Ein Nachruf" nun die gegenwärtigen Vereinigten Staaten von Amerika einer intensiven und schonungslosen Analyse, wobei er neben Demographie und Anthropologie auch Wirtschaftsdaten, politisches Geschehen sowie psychologische und kulturtypische Elemente als Untersuchungskriterien mit einbezieht. Das Buch umfaßt etwa 250 Seiten, und seine Lesbarkeit wird dank der schnell nachvollziehbaren Gedanken und stets klaren Sprache des Autors weiter erleichtert. Die Übersetzung ins Deutsche ist hervorragend gelungen, man kann den Übersetzern nur hohes Lob zollen. Amüsant ein kleiner Setzfehler - der Ostblock wurde zum "Obstblock" umgetauft. Die Grundthese dieser Studie ist, daß die USA dabei sind, ihren Status als "letzte verbliebene Supermacht" zu verlieren, weil sie die dafür erforderlichen militärischen, wirtschaftlichen und ideologischen Qualitäten nicht mehr aufbringen können. Die zunehmende Unberechenbarkeit und Aggressivität der Vereinigten Staaten wird als Zeichen ihrer zunehmenden Schwäche und als Frustreaktion auf ihre faktische wirtschaftliche Abhängigkeit von den sich beständig emanzipierenden Großmächten Europa und Japan gedeutet. Die gegenwärtigen USA werden als "räuberischer Staat" definiert, der selbst massive Industrie- und Außenhandelsdefizite aufweist, aber die Finanzen und Produkte aller anderen Staaten quasi wie ein Schwarzes Loch aufsaugt und seinen Reichtum im eigenen Land zu Lasten der Minderheiten und unteren Schichten ungerecht an eine superreiche antidemokratische Oberschicht umverteilt. Aufgrund eingehender Analyse verschiedenerlei Daten und Vergleiche mit historischen Weltreichen gelangt Todd zu der Überzeugung, daß sich die Vereinigten Staaten innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu einer Regionalmacht zurückbilden werden, während die EU im Bunde mit einem wiedererstarkten, aber zur Gutmütigkeit bekehrten Rußland gemeinsam mit Japan künftig das Weltgeschehen bestimmen wird. Folgt man diesen Prognosen, sind Europa und die USA im Begriff, voneinander abzurücken, beschleunigt durch die militärischen Abenteuer der letzteren Macht im Nahen und Mittleren Osten. Als unmittelbare Folge stehe eine Intensivierung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich an, dem sich vielleicht auch Großbritannien anschließen werde. Gleichzeitig würden sich immer mehr Staaten von den USA ab- und Europa zuwenden. Todd bietet einige konkrete Vorschläge, wie man dieser zwangsläufigen Entwicklung angemessen begegne: Er erwähnt die Errichtung einer protektionistischen europäischen Handelspolitik, mehr Rücksichtnahme auf nationale Eigenarten, die Neudefinition, Verlegung oder Neugründung internationaler Organisationen sowie die früher oder später notwendig erscheinende sicherheits- und energiepolitische Ausrichtung auf Rußland. Genau in solcherlei unbekümmerten Spekulationen liegt meines Erachtens eines der Probleme dieses Buches, denn es suggeriert - vielleicht unabsichtlich - daß die Welt einem permanenten Friedenszustand entgegenstrebt, der nach einigen mittelstarken Erschütterungen im Nahen Osten und anderen Weltgegenden und der "Befriedung" des neuen Sorgenkindes USA quasi automatisch eintreten wird. Die politische Sprengkraft des israelisch-arabischen Konflikts und die potentielle Bedrohung Europas durch die terroristischen Auswüchse des islamischen Fundamentalismus werden nicht als solche aufgeführt; das noch gefährlichere und bislang ungelöste Problem der Proliferation von Massenvernichtungswaffen wird erst gar nicht erwähnt. Ein anderer Schwachpunkt ist die nebelhafte Verwendung des Begriffs "Oligarchie", die die Demokratie frei nach Aristoteles teilweise oder ganz ablösen soll. Todd definiert die Oligarchie als Bildungselite, eine wohlhabende Führungsschicht, die ihm geradezu als Synonym für die Mißstände der heutigen USA und als Bedrohung der egalitären amerikanischen Gesellschaftsform dient, während er im Falle Europas die hiesigen oligarchischen Tendenzen anscheinend als keine grundlegende Gefahr erachtet. Ich habe Emmanuel Todd neulich in einem Fernsehinterview gesehen und war von seiner offensichtlichen hohen Auffassungsgabe und eigenständigen Denkweise beeindruckt. Daraufhin habe ich das Buch gekauft und gelesen. Selbst jüdischer Abstammung, weicht er der empfindlichen Problematik der Palästinafrage keineswegs aus, sondern zieht mit der israelischen Besatzungspolitik hart ins Gericht und wirft den USA Unterstützung dieser Ungerechtigkeit vor. Todds Grundhaltung ist durch und durch die eines Realisten und Optimisten. Allerdings läßt er keine Gelegenheit aus, um unaufhörlich über die erblickten Mißstände und Dekadenz der USA herzuziehen. Diese Einseitigkeit in der Wahrnehmung der USA wirft den Verdacht auf, daß er der Versuchung erliegt, auf der anderen Seite die positiven Zukunftsaussichten eines friedlichen und wohlständischen Europas überzubewerten. Zum Zwecke gesunder Ernüchterung empfiehlt es sich, der Frankophilie und dem Europaoptimismus Todds die Warnungen pessimistischer Realisten vom Schlage Peter Scholl-Latours gegenüberzustellen, der gleichwohl mit Todd viele Ansichten teilt. Emmanuel Todds Vorstellungen haben angeblich erheblichen Einfluß auf die Politik Jacques Chiracs ausgeübt. Das Buch ist also nicht nur blanke Theorie, sondern steht in einem direkten Zusammenhang mit der aktuellen politischen Willensbildung und damit unser aller Zukunft. Trotz seiner erwähnten Schwächen verdient dieses Buch fünf Sterne und sei jedem politisch interessierten Zeitgenossen ZUR LEKTÜRE EMPFOHLEN. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Ein Nachruf zu Lebzeiten, der zudem nicht besonders gut begründet ist,
Von Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT) (REAL NAME)
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
Es ist zwar interessant nach einigen Jahren ein Buch zu lesen, das mit den Kenntnisstand des Weltgeschehens bis zum Jahre 2002 geschrieben wurde und nach eigenem Bekunden einen Nachruf auf die Weltmacht USA darstellen soll, doch es wäre nicht fair, einen solchen Text mit dem heutigen Wissen zu beurteilen.Deshalb will ich das auch nicht tun. Dennoch muss ich gestehen, dass ich auch mit dem bis 2002 begrenzten Wissen nicht ganz verstanden habe, wie der Autor seinen etwas vorschnellen Nachruf begründet. Damals stand der von der Bush-Administration angezettelte Irak-Krieg gerade bevor, und der Autor sah in diesem Krieg den Anfang vom Ende der Führungsrolle der USA. Insbesondere ließ ihn die Einigkeit zwischen Deutschland und Frankreich in der Ablehnung dieses Waffengangs euphorisch von einer neuen Rolle Europas träumen. Diese beiden in der ziemlich langen Einleitung diskutierten Gedanken zeigen Zweierlei. Erstens muss man sich beim Lesen dieses Buches auf viel französisch geprägtes Wunschdenken einstellen. Und zweitens hat der Autor, obwohl er Historiker ist, merkwürdig beschleunigte Vorstellungen von der Zeitdimension eines solchen Machtverlustes. Die folgenden Kapitel machen dann deutlich, dass das ganze Buch etwas konfus geschrieben ist und der Autor darüber hinaus ungewöhnliche und einseitige Argumente benutzt, um seine These aus dem Titel des Werkes zu begründen. Bereits im ersten Kapitel ("Der Mythos vom weltweiten Terrorismus") wird man mit dem Argument konfrontiert, dass der aggressive Islamismus historisch gesehen nichts Neues ist. Auch das Christentum durchschritt vor geraumer Zeit solche Phasen, erfahren wir. Mit sinkender Geburtenrate und einer hohen Alphabetisierungsquote in den islamischen Ländern würde sich das schließlich irgendwann von selbst geben. Diese Argumentation überrascht ein wenig, zumal sie auch für den Zusammenbruch des Kommunismus herhalten muss. Obwohl der Autor in einem anderen Buch mit ähnlichen Begründungen den Untergang des sowjetischen Imperiums vorausgesagt hatte, muss das noch lange nicht bedeuten, dass seine Argumentation auch richtig ist. Ganz im Gegenteil, sie war in diesem Zusammenhang völlig falsch. Der Autor ist nicht nur Historiker, sondern auch in demographische Scheinkausalketten so verliebt, dass er nicht bemerkt, wie die wirklichen Zusammenhänge sich darstellen. Es sind doch vor allem ökonomische Gründe, die zu einer niedrigen Geburtenrate und einem relativ hohen Bildungsstand führen. Und es werden auch ökonomische Gründe sein, die die USA aus ihrer einstigen Führungsrolle drängen werden. Doch leider geht Todd darauf nicht besonders ein. Was er insgesamt jedoch beschreibt, ist durchaus zutreffend, nämlich: (1) Die USA fürchten zu Recht, dass sich der eurasische Kontinent von seiner politischen und ökonomischen Spaltung erholt, zusammenwächst und wirtschaftlich erstarkt. Nur so kann man ihre besonders unter der Bush-Administration betriebene Umzingelungspolitik gegenüber Russland erklären. Sollte sich Eurasien tatsächlich in dieser Weise entwickeln, werden es die USA sehr schwer haben, ihre Weltmachtposition aufrecht zu erhalten. (2) Die USA haben sich militärisch schon lange völlig überdehnt. Sie sind trotz ihrer vermeintlichen militärischen Stärke, die Unsummen kostet, nicht in der Lage, Kriege gegen viel schwächere Gegner zu gewinnen, wenn sie dazu Bodentruppen einsetzen müssen. (3) Die USA sind nicht mehr fähig, auf breiter Front konkurrenzfähige Produkte herzustellen. Sie sind deswegen extrem bei anderen verschuldet. Beides zusammen verschärft die beiden vorher genannten Probleme. Die vermeintliche wirtschaftliche Stärke der USA beruht nicht auf einer realen Güterherstellung, sondern vor allem auf finanztechnischen Scheingewinnen. Was der Autor zwar andeutet, was aber zur Zeit der Niederschrift dieses Buches noch nicht in dieser Deutlichkeit wie heute für alle sichtbar war, ist der der Niedergang des US-Dollars. Ein Währungsverfall ist immer ein untrüglicher Vorbote eines heftigen politischen Einflussverlustes. Fazit. Ein zwar interessantes, aber lange nicht so spektakuläres Buch, wie der Titel vielleicht vermuten lässt. Vor allem verwirren die Argumentationsketten des Autors, die fast ausschließlich demographischer oder soziokultureller Natur sind. Doch diese Erscheinungen haben ökonomische Ursachen, die der Autor allerdings links liegen lässt, obwohl sie die eigentliche Kausalität beschreiben. Außerdem beruhen einige der in diesem Buch niedergeschriebenen Prognosen auf einem gewissen Wunschdenken. Die Rolle Chinas wird völlig unterschätzt, die Stärke Russlands überschätzt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Augenöffner...,
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
Absolut lesenswert. Todd beschreibt in seinem Buch nicht nur seine Thesen zum derzeitigen Zustand der USA und ihrem bestreben von ihren eigentlichen Problemen abzulenken sondern bergründet diese Thesen auf Grundlagen der Geschichte, untermauert von Statistik. So war mir der Zusammenhang zwischen der Alphabetisierung eines Landes und seiner Geburtenrate völlig neu. Nun betrachte ich diesen Zusammenhang mit völlig anderen Augen. Auch Diskussion der Thesen von Huntington, Fukuyama und Brzezinski ist absolut aufschlussreich auch wenn man die Namen nie zuvor gehört hat. So wird man auch mit deren Thesen konfrontiert. Sicherlich ist nicht alles was Todd vorbringt als Indiz für den Untergang der USA als Weltmacht zu sehen, er selbst erhebt jedoch auch nicht diesen Anspruch und hebt dies am Ende des Buches nochmals hervor. Europa und Japan haben die Chance sich zu emanzipieren und als wirtschaftlich und politischer Gegenpol zu den USA zu positionieren. Dies wird jedoch nicht gelingen, wenn die europäischen Nationen wieder in nationales Denken und Handeln verfallen und nicht zu einer gemeinsamen Wirtschafts-, Sicherheits- und Aussenpolitik finden. Dann ist diese Chance vertan...Am meisten beeindruckt hat mich jedoch die Fähigkeit von Todd sich nicht in Einzelnachweisen zur Begründung seiner Thesen zu verlieren sondern die Gesamtheit der Geschehnisse der letzten 20 Jahre zu betrachten und diese in einen gemeinsamen Kontext zu setzen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Politisch gut analysiert, wirtschaftlich etwas abstrus,
Von
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
In seinem mittlerweile international zum Beststeller avancierten Buch versucht Todd nachzuweisen, dass sich die einzige Supermacht USA wirtschaftlich, militärisch und politisch im Niedergang befindet und ihre derzeitige aggressive Außenpolitik nur mehr oder weniger „Nottriebe" des insgesamt kranken Systems der USA sind. Bei der Beschreibung des politischen Niedergangs wirkt Todd durchaus überzeugend: er weist anhand empirischer Daten nach, dass die weltweit steigende Alphabetisierung mit einem Rückgang der Geburtenrate einhergeht und dieser Prozess der Modernisierung meist mit heftigen Übergangskrisen einhergeht - derzeit sind davon zum Beispiel Länder wie Saudi-Arabien oder Pakistan betroffen, so dass auch die Rede vom „weltweiten Terrorismus" größtenteils als eine solche Übergangskrise - und somit als „Mythos" - bezeichnet werden kann. Weit weniger gelungen ist Todds Analyse des angeblichen wirtschaftlichen Niedergangs der USA: hier ist sein zentrales Argument die negative Handelsbilanz der Vereinigten Staaten. Hierbei übersieht er jedoch völlig dass gerade in einer globalisierten Welt des Freihandels aufgrund der weltweiten Vernetzung der Handels- und Finanzströme ein derart fixierter Blick auf die nationale Handelsbilanz weitgehend irrelevant geworden ist. Starke Wirtschaftssysteme können sich derartige „ständige Kredite von außen" durchaus leisten. Insofern steht Todds Argument leider auf töneren Füßen. Ebenso unausgegoren wirkt Todds Beschreibung der miltiärischen Machtlosigkeit der USA. Er argumentiert, dass die USA nur schwache Staaten angreifen würden, da sie zu einem verlustreichen Bodenkrieg weder bereit noch in der Lage wären. Hierbei ignoriert er, dass alle anderen Staaten der Welt derzeit und wohl auch mittel- bis langfristig meilenweit davon entfernt sind, selbst ein militärisch vergleichsweise risikoloses Unternehmen wie den Irak-Krieg durchführen zu können. An der militärisch (über)großen Macht der USA kann - insbesondere aufgrund der diesbezüglichen enormen Schwäche Europas und auch Rußlands - kein Zweifel sein. Todds Buch ist immer dort überzeugend, wo er seine Thesen mit passenden empirischen Daten belegt, was allerdings nur am Anfang seines Werkes überzeugend geschieht. In späteren Kapiteln häufen sich eher an den Haaren herbei gezogene Thesen, die ohne Beleg in die Welt gesetzt werden. Zwar ist dies methodisch durchaus kein Beinbruch, da Todd ja einen Essay und kein streng wissenschaftliches Werk verfasst hat (wie es auch im französischen Originaltitel zum Ausdruck kommt, der so leider nicht in den deutschen Titel uübersetzt worden ist), dennoch stören allzu weit hergeholte Thesen wie die, dass die islamische Welt sich im Zustand horrender Angst vor dem amerikanischen Feminismus befindet oder seine Behauptung, Deutschland bringe den USA aufgrund der Bombenangriffe im 2. Weltkrieg Bewunderung wegen der dort bewiesenen militärischen Stärke entgegen (um nur zwei von unzähligen Beispielen zu nennen). Gleichzeitig gelingen ihm zuweilen auch stark vereinfachte, aber lesenswerte und stimmige Vergleiche wie z.B. die der derzeitigen Situation der USA mit den antiken Weltreichen von Griechen und Römern. Insgesamt sind insbesondere die ersten beiden Kapitel des Buches üder den politischen Niedergang lesenswert und erkenntnisfördernd, während das Buch anschließend argumentativ stark abfällt und bedauerlicherweise sehr ins feuilleutonistisch Spekulative abgleitet, oft ohne dabei überzeugen zu können. Bei der größtenteils soliden Übersetzung stören außerdem gelegentliche sprachliche Unsicherheiten und die Tatsache, dass der Text erstaunlicherweise nach alter Rechtschreibung gesetzt wurde. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Der pyromanische Feuerwehrmann,
Von
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
Bei diesem Buch handelt es sich um ein Essay. Darum sind gewisse Verkürzungen und Vereinfachungen auch hinnehmbar; sie tragen auch zur guten Lesbarkeit bei. Gewisse Behauptungen und Schlussfolgerungen aber rufen nach einer genaueren Darlegung, wie z.B. dass die Ausprägung nationaler politischer Systeme oder deren Umgang mit anderen Völkern allein auf anthropologische Konstanten (die Stellung der Brüder in der Familie) zurückzuführen sei. Auch Todds ziemlich weitgehende Russophilie ist in dieser Form nur schwer zu akzeptieren, genauso wenig wie seine Überzeugung, liberale Demokratien hätten eine eindeutige Tendenz zur Friedfertigkeit (schön wär's).Trotzdem hat Todd uns eine wertvolle Lektüre hinterlassen. Die Verweise auf die Verwundbarkeit und Undurchschaubarkeit der US-amerikanischen Ökonomie und die mangelnde Effizienz ihrer Bodentruppen wiegen schwer. Verblüffend ist die eher psychologisch anmutende Erklärung, warum die USA Israel so bedingungslos unterstützen. Obschon hier hinzuzufügen ist, dass diese Koalition schon während des Kalten Krieges existierte, als die USA nochzu jenem Universalismus gezwungen waren, den sie nun so eilig verlassen haben, und der natürlich noch nie eine 'Charaktereigenschaft" Israels gewesen ist. Vor allem muss man Todds These ernst nehmen, den Islamismus als das Phänomen einer Übergangskrise anzusehen, die auch die westliche Welt ('Ferengi") durchgemacht hat, sodass man quasi dieser kulturellen Sphäre ein 'Recht" auf diese Exzesse zugestehen muss, anstatt sie zu einer ontologischen Konstante zu erklären, die eine prinzipielle Bedrohung für den Okzident bedeutet. Von großer Wichtigkeit ist, dass er für die westliche Welt eine Tendenz zur Bildung einer Oligarchie konstatiert (was die USA schon sind), und dass die neoliberale Umgestaltung Europas Stellung nur mehr schwächt als stärkt! Es gäbe noch vieles positiv anzumerken (so die gelungenen rhetorischen Spitzen gegen die US-Aussenpolitik), einige (scheinbare) Simplifizierungen wären zu beanstanden usw usf. Schlussendlich ist dies ein Buch, dessen Logik ich nicht in jeder Hinsicht teilen kann, aber das entschieden dazu beigetragen hat, meinen Horizont zu erweitern. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Sehr spannende Lektüre,
Von
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
Todd hat es geschafft mit "Weltmacht USA. Ein Nachruf" ein sehr kontroverses, aber durchweg spannendes Buch zu schreiben, das gleichsam als Abrechnung mit Amerikas Abkehr von einer integrativen Rolle in der Weltpolitik, die einzelnen Ambitionen der Supermacht auseinandernimmt und analysiert. Es zeigt auf, warum die Welt ohne die USA kann, aber die USA nicht ohne die Welt können - auch wenn Amerika bisweilen gerne das Gegenteil zu vermitteln versucht.Todd schreibt angenehm unterhaltsam und auch wenn viele seiner Argumentationen zwar plakativ, aber nicht bis in die Tiefe durchdacht sein mögen (Handelsbilanzdefizit der USA, Auswahl der militärischen Gegner), so schafft er es doch beim Leser das Gefühl zu erwecken, dass die vermeintliche Stärke der USA doch viel eher eine gewaltige Schwäche ist, die lediglich durch militärstrategisches Gebahren übertüncht wird. Negativ aufgestoßen sind mir lediglich einige nicht verifizierbare Angaben zum Anteil von Importöl und Eigenproduktion, die aber im Gesamtkontext des Buches, trotz der nicht unwichtigen Rollen, lediglich den Abzug von einem Stern rechtfertigen. Fazit: Ein interessantes, kurzweiliges Buch für einen Ausflug in ein durchdachtes kritisches Bild der USA, das schön mit der amerikanischen Selbstdarstellung kontrastiert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Die Welt mit anderen Augen sehen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
Die Lektüre von „Weltmacht USA. Ein Nachruf." vom französischen Historiker Emmanuel Todd kann nur jedem politisch und wirtschaftlich interessiertem Zeitgenossen nahegelegt werden. Denn die Kernthese seines Buches lautet: Die USA befinden sich in politischer, militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht im Niedergang. Die daraus resultierenden Folgerungen werden das Leben der Menschen radikal verändern.Damit stellt sich Todd außerhalb der üblichen Positionen, die die Allmacht der USA postulieren. Von einer Allmacht, so Todd, könne aber keine Rede sein. Wer sich die aktuelle Lage anschaue, werde eher feststellen, dass die USA in einem letzten Aufbäumen versuchen, das Ruder herumzuwerfen. Dieses werde aber nicht funktionieren, da die USA schon vor langer Zeit eine Dynamik in Kraft gesetzt haben, die letztendlich zu ihrem Niedergang führen werde. „Weltmacht USA. Ein Nachruf." hat Stärken und Schwächen. So geht Todd unhinterfragt von bestimmten historischen und gesellschaftlichen Prinzipien aus, die jedoch zumindest problematisch sind. Zum Beispiel will seine Aussage, dass „eine wesentliche und erhaltende Kraft in Weltreichen, der Universalismus ist, die Fähigkeit, Menschen und Völker gleich zu behandeln", nicht so recht einleuchten. Der gesunde Menschenverstand, auf den Todd sich dann auch mehrfach zurückzieht, mag ihm zur Hilfe kommen, doch das reicht allein nicht aus. Der gesunde Menschenverstand ist nun einmal keine Instanz, auf die ein Wissenschaftler rekurrieren sollte. Die Stärke des Buches ist ganz ohne Zweifel seine Tragweite. Man wird nach der Lektüre die Welt mit anderen Augen sehen. Was gestern noch unbesiegbar und beängstigend erschien, wird auf einmal klein und bedauerlich aussehen. Für Todd spricht auch, dass sich seine Kritik an den USA nicht aus einem blinden Antiamerikanismus speist. Er ist vielmehr bemüht, aus der Geschichte selbst Entwicklungen herauszuarbeiten, die in Anlehnung an Hegels Weltgesetzlichkeiten zwangsläufig eintreten müssen. Die Globalisierung, die die USA einst groß gemacht habe, so Todd, führe nun zum Untergang des amerikanischen Weltreiches. Mit dieser beeindruckenden Interpretation der geschichtlichen Gegenwart kann Emmanuel Todd durchaus den Ruf eines „Außenseiters" für sich beanspruchen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die wenig bekannte ökonomische Schwäche der USA,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
In seinem Buch »La Chute finale« (deutsch »Vor dem Sturz. Das Ende der Sowjetherrschaft«, Ullstein, Berlin 1982) hatte der britisch-französische Politologe, Historiker und Demograph Emmanuel Todd bereits 1976 schlüssig dargelegt, warum mittelfristig die Sowjetunion untergehen werde. Derselbe Wissenschaftler behauptet nun, nicht die Stärke der Vereinigten Staaten treibe die US-Machteliten von Krieg zu Krieg, sondern ihre Schwäche.Diese trete in ihrer defizitären Handelsbilanz offen zutage. Bisher hätten die USA die fehlende Warenausfuhr durch Kapitaleinfuhr ausgleichen können. Doch nun drohe Kapitalabzug, Verlagerung des Welthandels vom Dollar auf andere Währungen und Abwertung des Dollar. Den Massen in den USA drohe eine drastische Senkung ihres Lebensstandards. Die US-Eliten, bisher durch ihre Kooperation mit den Eliten der restlichen Welt an der Macht gehalten, fürchteten um die heimatliche Basis. Ihr Ausweg heiße Krieg. Auch Nichtökonomen sollten Todds Argument verstehen. Die USA führten 2002 Waren für knapp anderthalb Billionen Dollar ein, doch nur für eine Billion Dollar aus. Die Differenz von 435 Milliarden Dollar ist, was die US-Amerikaner verzehrt, aber nicht produziert haben. Sie zehren - seit Jahren - von den Produkten der Handelspartner, die ihrerseits einen Handelsbilanzüberschuß aufweisen. Das sind vor allem China, Japan, Euro-Europa, Kanada und Mexiko - in dieser Reihenfolge. Bisher glich, wie gesagt, Kapitaleinfuhr dieses Handelsbilanzdefizit aus. Nichtamerikanischen Konzernen schienen Vermögensanlagen in den USA sicherer als anderswo. So flossen die für überschüssige Wareneinfuhr ans Ausland gezahlten Dollar als Zahlungen vor allem für Anleihen, aber auch für Übernahme und Errichtung dortiger Unternehmen zurück in die USA. Deshalb blieb der Wert des Dollar bisher stabil. Doch nach dem Platzen von Börsenblasen wie Enron und, so Todd, vor allem nach den Bilanzfälschungen, z.B. durch Arthur Andersen, könnte der Dollar-Rückstrom versiegen oder sich gar umkehren. Ziehen Japan, Euro-Europa und die Ölländer ihr Kapital ab, droht der Dollarwert zu fallen. Die weltweiten Handelskontrakte würden dann auch nicht mehr in Dollar, sondern zum Beispiel in Euro abgewickelt. Die USA müßten ihren Konsum einschränken. Da außerdem »die Mehrzahl der Waren und Dienstleistungen, die derzeit Eingang in die Berechnung des amerikanischen BIP (Bruttoinlandsprodukts) finden, (...) auf den internationalen Märkten keinen Wert« haben, schätzt Todd die drohende Senkung des Lebensstandards durch vollständigen Ausgleich des Handelsbilanzdefizits auf 15 bis 20 Prozent. Zur Verminderung des chronischen Handelsbilanzdefizits bräuchten die USA Zeit und Kraft. Die wolle oder könne der Hegemon offenbar nicht aufbringen. Er setze vielmehr auf bewaffneten Angriff, Eroberung und Ausbeutung der Ressourcen und Märkte der Welt in der Hoffnung, damit das Vertrauen in die Sicherheit und Ertragskraft von Kapitalanlagen in den USA zu stärken. Todd, und das klingt dann ein wenig europäisch-nationalistisch, hält auch die militärische Stärke der USA für nur äußerlich. Der »pyromane Feuerwehrmann« USA schüre Konflikte zwischen Indien und Pakistan, schlichte nicht zwischen Palästina und Israel und praktiziere auf dem Balkan, in Mittelasien und am Golf einen »theatralischen Militarismus« - aus Schwäche, keineswegs aus Stärke. »Das wahre Amerika ist so schwach, daß es nur mit militärischen Zwergen eine Konfrontation suchen kann.« Todd mißt der endgültigen Entscheidung Großbritanniens für oder gegen den Euro große Bedeutung zu. Die Integration des Finanzplatzes London in die Eurozone könne der amerikanischen Hegemonie »den Gnadenstoß« versetzen. Mit seiner Kernthese, aber mehr noch in der Methode und durch originelle Einzelüberlegungen, weicht der Antikommunist Todd von der bürgerlich-wissenschaftlichen Konvention ab. Statistiken über die Lebenserwartung der sowjetischen fünfzigjährigen Männer gaben ihm 1976 Auskunft über die Zerrüttung des Landes durch Trunksucht. Aus Exogamie-Raten schließt er auf den Grad an ethnischer Integration: 50 Prozent der Ehen jüdisch-stämmiger Männer in den USA werden mit nicht-jüdischen Frauen geschlossen - vermuteter Grund für die Angst US-jüdischer Organisationen vor Bedeutungsverlust und ihre vermehrte Ausrichtung auf die rechtsextreme Politik Israels. Egalitäre oder autoritäre, universalistische oder partikularistische Verhältnisse führt Todd unter anderm auf die je dominanten Familien- und Erbrechtsstrukturen zurück. Demographie und Bildung sind für ihn die Determinanten der Wirtschaftskraft. Gegen den weltbeherrschenden Freihandel, der die wirtschaftliche Ungleichheit gegenwärtig ins Unermeßliche steigert, setzt Todd die Schutzzollkonzeption des deutschen Nationalökonomen Friedrich List. Dank ihrer konnte Deutschland den großen britischen Vorsprung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufholen. Zur Lage im Jahre 2002 meint Todd: »Das eigentlich bedeutsame Phänomen in Europa ist die veränderte Haltung der dominanten Wirtschaftsmacht Deutschland. Für den sozialen Zusammenhalt in der Bundesrepublik stellt die amerikanische liberale Revolution eine sehr viel größere Bedrohung dar als das republikanische Modell Frankreichs... Die Europäer sind sich ihrer Probleme mit Amerika, das sie mit ihrer schieren Masse schützt und zugleich unterdrückt, lebhaft bewußt. Spärlich ausgeprägt ist dagegen ihr Bewußtsein dafür, welche Probleme umgekehrt sie den Vereinigten Staaten bereiten.« Jetzt haben die Amerikaner aber ein Problem. Sie haben eine militärische Spezialisierung entwickelt in der Verteidigung der Demokratie und das ist völlig neu für sie. Sie stellen fest, sie brauchen die alte Welt, sie brauchen die Güter und vor allen Dingen das Geld aus dieser alten Welt, aus Eurasien. Die Vereinigten Staaten haben ein riesiges Handelsdefizit, 500 Milliarden Dollar im Jahr. Sie benötigen jeden Tag 1,2 bis 1,5 Milliarden Dollar an Geldmitteln, jeden Tag, um den Dollar zu stützen. Ich glaube, der eigentliche Grund für ihre militärische Betriebsamkeit im Golf, für diese theatralischen Aktionen dort, ist die symbolische Notwendigkeit, im Zentrum der Welt zu bleiben. Die Vereinigten Staaten sind im Moment nicht mehr in einer Position der Stärke. Sie können die Akteure in der Welt nicht mehr kontrollieren, sie können Europa nicht kontrollieren, sie können die Deutschen, die Franzosen nicht kontrollieren und sie konnten auch die Russen nicht ganz kleinkriegen. Diese militärische Betriebsamkeit zeichnet sich außerdem noch dadurch aus, daß sie sich immer gegen schwache Gegner richtet, gegen militärische Zwerge. Der Irak ist ein militärischer Zwerg, und das erlaubt den Vereinigten Staaten, in einem symbolischen Akt als Großmacht aufzutreten, die für die Welt notwendig ist. Was aber wirklich dahinter steht, ist, daß wir eine ganz klassische Situation haben: Wir haben eine Supermacht, die im Niedergang begriffen ist, aber natürlich militärisch stärker bleibt als die anderen. Der Preis des Buches von Emmanuel Todd "Weltmacht USA. Ein Nachruf", übersetzt aus dem Französischen von Ursel Schäfer und Enrico Heinemann, ist mit teilweise nur 13 Euro geradezu geschenkt und ich persönlich kann das Buch wirklich nur dringendst zum lesen empfehlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
manifest destiny of decline,
Von Steffen Dederich (Seelscheid) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Weltmacht USA: Ein Nachruf (Taschenbuch)
Emmanuel Todd, französischer Sozialwissenschaftler und ehemaliger Literaturkritiker für „Le Monde" hatte bereits 1976 den Untergang der Sowjetunion vorausgesagt. Er stützte sich damals schon auf demographische Daten und Statistiken.Mit diesen Vorschusslorbeeren widmet sich Todd in seiner neusten Schrift den Vereinigten Staaten. Hintergrund seiner Abhandlung sind die aktuelle aggressive Außenpolitik der Bush Administration. Seine Hypothese, die einstige „alleinige Supermacht" befinde sich im Niedergang, zieht sich als roter Faden und Basis seiner Gedankenkonstrukte. Diese These begründet der Franzose durch eine Reihe evidenter Gründe, die meist auch durch Statistiken abgesichert werden. Nach einer Einführung in die Problematik und Kommentierung einiger ausgewählter Monographien wie beispielsweise: Huntington, Kissinger, Fukujama, beginnt er mit der amerikanischen Außenpolitik. Hierin sieht er eine Schwäche, die durch angebliche Stärke überspielt werden soll. Er negiert den „Mythos vom weltweiten Terrorismus" zweischneidig. Einerseits sei der Terrorismus nur Vorwand, um in einer Art „Mikromilitarismus" theatralisch die eigene militärische Übermacht zu inszenieren. Somit habe die Außenpolitik den Zweck, die Vereinigten Staaten als unverzichtbaren Schützer von Demokratie und Freiheit darzustellen. Daher der Drang zu militärischer Aggression gegenüber vernachlässigbaren „Schurkenstaaten", um stets eine gewisse Krisensituation wie in Israel aufrecht zu erhalten. Andererseits untersagt Bush der islamischen Welt das Recht auf gesellschaftliche Fortentwicklung. Todd vergleicht ihren Entwicklungstand mit dem der alten Europäer vor den entscheidenden Revolutionen. Beleg hierfür sind die Alphabetisierungsrate und daraus resultierend sinkende Geburtenrate. Einem Kandidaten der „Achse des Bösen", dem Iran bescheinigt er bereits Demokratisierungstendenzen. Dieser generellen Tendenz hin zur Demokratisierung und Liberalisierung würden sich die Amerikaner widersetzen, indem sie auf jene Staaten Druck ausüben. Eminent erscheint dem Franzosen auch die Angst der Vereinigten Staaten vor einer anhaltenden Demokratisierung der Region. Eben jene hätte die außenpolitische Arbeitslosigkeit Amerikas zu Folge. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Weltmacht USA: Ein Nachruf von Emmanuel Todd (Taschenbuch - März 2005)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,01
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