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am 1. Juni 2002
Dass Brigitte Hamann zu den seltenen Talenten unter den Historikern gehört, die nicht nur recherchieren, sondern Fakten auch "lesbar" darstellen können, wissen Leser ihrer Biographien über Familie und Anhang des österreichischen Kaisers Franz Josef II. schon lange. Dass sie aber auch in Sachen "Zeitgeschichte" neues und sehr überzeugendes liefern kann, wurde erst mit "Hitlers Wien" bekannt - und ist nun durch ihre Biographie der Wagner-Schwiegertochter Winifred endgültig bewiesen.
Brigitte Hamann schreibt in ihrem Vorwort, dass sie nach "Hitlers Wien" eine Figur suchte, an deren Biographie sie Hitlers weiteren Aufstieg in Deutschland darstellen konnte. Winifred Wagner war dabei nicht ihre erste Wahl, denn auch Brigitte Hamann war von dem Syberberg-Film, der Winifred Wagner als "verstockte Nazisse", die nichts dazu gelernt hat, zeigte, beeindruckt und beeinflusst.
Dass sie diese Eindrücke überwinden konnte und nun eine Biographie vorlegt, in der Winifred Wagner nicht nur als "Hitlers Freundin", sondern auch als Gesamtpersönlichkeit - mit ihren Fehlern, mit ihren Irrtümern, aber auch ihrem (fehlgeleiteten)Idealismus und ihren nicht abzustreitenden Leistungen - dargestellt wird, ist der österreichischen Historikerin um so höher anzurechnen.
Dazu kommt, dass Brigitte Hamann immer noch (und vielleicht sogar immer mehr in den jüngeren Büchern) die Gabe besitzt, Fakten, Zeitgeschichte und Biographisches "lesbar" zu einem dichten, hochinteressanten Text zu verweben.
Ich war von dieser Biographie sehr angetan, ich habe, obgleich ich mich schon vorher als gut informiert empfand, einiges neue daraus gezogen und kann sie jedem, der sich für die "Entwicklungsgeschichte" des Dritten Reiches interessiert, nur ans Herz legen.
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am 24. März 2007
Erst jetzt, 5 Jahre nach Erscheinen, komme ich dazu dieses bedeutende Werk zu lesen. Es ist bewundernswert, dass es nichts von seiner Frische eingebüßt hat. Brigitte Hamann gehört zu den wenigen Fachhistorikern, die flüssig schreiben, ohne oberflächlich zu sein. In Anbetracht des Themas, das sie sich gesetzt hat, wäre eine weniger ernsthafte, reißerische Darstellung der Verhältnisse in Bayreuth in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vom Übel.

Auf die den Lebenslauf von Winifred Wagner begleitenden äußeren Umstände, wie die Schwächlichkeit ihres Ehemannes, die in sich zerstrittene Familie, die zeitweilige Armut in Bayreuth, der "Boykott" ausländischer Besucher im Nazireich, die Einwirkung Hitlers auf die wirtschaftliche Gesundung, die Eitelkeiten und Überzeugungen der Mitwirkenden (Toscanini, Furtwängler, Tietjen etc.), die Hahnenkämpfe zwischen Göring und Goebbels, die innere "Denazifizierung" nach 1945, insbesondere wie sich Wieland und Wolfgang neu erfinden, alle werden objektiv geschildert, ohne dass aus Winifred die heroische Figur, als die sich selber gerne gesehen hat, ersteht. Brigitte Hamann lässt sich auch nicht auf musikalische Bewertungen ein, die offensichtlich nicht ihr Fach sind, noch auch versucht sie Winifred psychologisch zu deuten. So publiziert sie ein rundum erfreuliches Ergebnis gründlicher Erforschung externer Indizien und Dokumente, da ihr wesentliche interne Unterlagen nicht zur Verfügung standen.

Heutige Besucher des "Hügels", die Politiker, die Geldigen, die musikalischen Snobs, sollten wissen in welche aussermusikalische Tradition sie sich begeben, wenn sie ihre Besuche zelebrieren, die Preise hoch und höher treiben und den wahrhaft ergebenen Kennern der wagnerschen Musik den Weg versperren.
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am 26. Dezember 2005
Wie sie im Vorwort freimütig gesteht, konnte Brigitte Hamann in früheren Zeiten mit der Person Winifred Wagners gar nichts anfangen, so sehr war das Bild der alten Dame von Syberbergs Film geprägt, in dem diese sich als unbelehrbare Nationalsozialistin darstellte. Aufzuzeigen, dass die Sache nicht so einfach ist und man Historie differenzierter sehen muss, ist das Verdienst dieses Buches.
In "Winifred Wagner - Hitlers Bayreuth" wird Winifred Wagners Biographie mit dem politischen Aufstieg (und Fall) Adolf Hitlers verknüpft. Mit dem "Führer" verband Frau Wagner bekanntlich eine innige Freundschaft, die sie ihr ganzes Leben verteidigte. Auf geradezu schizophrene Art trennte Winifred Wagner den Menschen Hitler, der sich in Wahnfried bei der Familie Wagner stets wie zu Hause fühlte, von den (Un-)Taten der Nazibewegung, für die sie alle anderen verantwortlich machte. Angewidert von all den vielen Wendehälsen nach 1945, hielt sie es für einen Akt der Zivilcourage, an ihrer Meinung festzuhalten, wegen der sie bis in die Siebziger Jahre eine umstrittene Persönlichkeit blieb.
Hamanns Buch zeigt viele Facetten von Winifred Wagners Lebensweg: das national-völkische Umfeld, in das sie hineinheiratete, das Leben der Zivilbevölkerung in den 1920er bis 1940er-Jahren, das Kriegselend, die immerwährenden Streitigkeiten innerhalb der Familie, den seltsamen Weg ihres Sohnes Wieland vom Günstling Hitlers zum renommierten Vorläufer des "linken" Regietheaters.
Brigitte Hamann belässt in ihrer beeindruckenden Biographie die Ambivalenz, die die Person Winifred Wagners im unvoreingenommenen Leser auslöst. Das Buch ist penibel recherchiert und basiert zu einem großen Teil auf Winifred Wagners Briefwechsel, wenn auch die Wagnernachkommen den Zugang zu Winifreds Nachlass verhindert haben. Die Fülle an Daten (fast 30 Seiten Quellenangaben) bedingt aber auch einen Umfang des Buches, der die gute Lesbarkeit des Textes wieder etwas entwertet; man muss da schon ganz viel Interesse an der Sache haben, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu halten.
Dennoch: Brigitte Hamanns Biographie über Winifred Wagner ist ein professionell gemachtes, flüssig geschriebenes Buch, dessen Objektivität deutlich macht, dass Zeitgeschichte nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien aufzuarbeiten ist.
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am 17. Dezember 2013
Wiederum hat Frau Hamann ein Buch verfasst, das meinem Idealbild einer historischen Biographie denkbar nahe kommt : gründliches Quellenstudium, interessante Erzählweise, Freiheit des Lesers, sich selbst Urteile zu bilden und viele andere positive Faktoren. Hatte ich Anfangs wirklich für die alte "Nazitante Winifried" überhaupt kein Interesse, so wurde es jetzt geweckt : bei den Wagners (wie im wirklichen Leben !) ist nicht alles schwarz oder weiss : edler Wieland, böse Winni, belangloser Wolfgang, gerechte Nike usw. Die besonders große Affinität Winnifrieds und Siegfrieds für die Nazis wird ausführich beschrieben : für Hitler waren die Wagners Familienersatz - zu ihm waren sie auch weit familiärer als zu manchen Mitglied des Wagner-Clans (wie die endlose Geschichte von Hausverboten, Enterbungen usw. zeigt.). Was verstand Winifried von der Realität des NS ? Das fragt man asich, wenn man einerseits ihre antisemitischen Ergüsse liest, andererseits aber mit ihren zahlreichen Hilfsaktionen für verfemte Künstler (aber auch einfache Menschen) konfrontiert wird. Da kommt etwas nicht zusammen. Dass man im Hause Winifried/Cosima/Siegfried meinte, Richard Wagner in einer extrem chauvinistischen, antisemitischen Richtung interpretieren zu müssen, wirft Rätsel auf : warum nur so ? Suchte man Sündenböcke, dass die mittelmäßigen Werke Siegfriesd Wagners von deutschen Theatern weitgehen ignoriert wurden ? Frau Hamann erklärt viele Hintegründe, kann aber diesen Zwiespalt auch nicht aufklären - wahrscheinlich weil er nicht aufzuklären ist.
Ein kleiner Einwand hier doch : die Kritik der Autorin an den Ent-Nazifizierungsverfahren in der amerikanischen Zone sind sicherlich berechtigt - immer wieder erwischte es die kleinen Nazis, während die Großen gute Möglichkeiten hatten, sich zu retten; immer wieder wurden offene Rechnungen beglichen, wobei die "Ankläger" alles andere als unschuldig waren. Bei der Kritik des gesamten Verfahrens sollte aber doch der Versuch gewürdigt werden, irgendwie mit der Nazi-Vergangenheit umzugehen. Ein ewiges Warten auf das perfekte Verfahren hätte die Sache auch nicht besser gemacht. In der hiesigen Beschreibung rutscht Winifried doch etwas unschuldig durch die entsprechende Beschreibung. Und die Aussage, dass alle Aktivitäten der Nazis vor 1933 nicht Bestandteil der Verfahren sein sollten, springt zu kurz. Hat nicht die NSDAP und ihre Gliederungen nicht schon vor 1933 Verbrechen begangen, z.B. den Straßenterror der SA ? Das ist ein kleiner Abschnitt, bei dem noch mal über Formulierungen nachgedacht werden sollte - dass Frau Hamann niemals Nazis verteidigen würde, steht natürlich außer Zweifel.
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am 25. November 2002
ich danke der Autorin für dieses hochinteressante Buch, auf das ich über mein Interesse für die Musik Richard Wagners gekommen bin. Bisher haben mich die Querelen um den Wagner-Clan eher abgehalten, näher hinter die Kulissen der Familie zu schaúen, dafür liebe ich die Musik des Meisters zu sehr. Andererseits hat mir das Buch - zugegebenermassen - einige Lücken in der Geschichtsbetrachtung gefüllt. Ich empfehle es vor allem denen zu lesen, die ihren Geschichtsunterricht in der ehemaligen DDR erhalten haben, da war die Zeit von 1933-1939 tabu, oder sehr einseitig geprägt aus der Sicht des Widerstandskampfes, was ja nur die halbe Wahrheit ist. Welche Mechanismen liefen, die Millionen von Menschen der subtilen Propaganda folgen liessen, die Verquickung von Politik und dem Missbrauch des Werkes von Richard Wagner für die Interessen eines wahnsinnigen Systems, wird gelungen belegt in dem Buch. Die Figur Winifred Wagner erhält ein differenziertes Bild mit allen Höhen und Tiefen ihrer Rolle. Alle wirklichen Wagner-Fans sollten das Buch lesen.
Insofern betrachte ich das Buch als eine Bereicherung für mich und entdecke zweifelsohne Parallelen zur heutigen Zeit!!! Seit langem ist dieses Buch Anstoss, mit Freunden über das Thema Wagner und die NS-Zeit fundierter zu diskutieren, als bisher. Auch ist die Frage interessant, ob die heutigen Besucher der Bayreuter Festspiele mehr wissen, als die Preise für ihre Karte.
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am 28. Februar 2013
Der „Wagnerort“ Bayreuth ist mit zwei Namen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts untrennbar verbunden. Personen, die den „Nimbus“ und die zentrale Gewichtung Bayreuths auch als „Machtzentrum“ (nicht nur im künstlerischem Sinne) intensiv vorangetrieben haben.

Winifred Wagner, Ehefrau Siegfried Wagners und Adolf Hitler, Freund und Gönner der Familie, Wagners Musik und, durch Bayreuth, auch in dem Versuch befangen, durch Bayreuth kulturell zu glänzen und dies politisch auszunutzen.

Aus dem „Zentrum der deutschen Kunst“ ein Zentrum nationalsozialistischen Seins und glänzender Macht- und Prachtentfaltung zu gestalten. Ein Weg, auf dem sich Winifred Wagner aufs Engste an Hitler anschloss, die eigenen Vorteile zu nutzen verstand und bis zu ihrem Tode nicht von dieser engen „Freundschaft“ abzurücken gedachte,

Eine ganz besondere Familiengeschichte, eine Geschichte auch von Nibelungentreue und, letztlich, unbelehrter und unkritischer nationalsozialistischer Haltung, die den Geist Bayreuths unterschwellig bis zum Tode Winifred Wagners 1980 begleitet und nicht nur „extern“, sondern auch in der Familie selbst für intensive Reibung sorgte.

Brigitte Hamann ist dieser „ganz besondern Beziehung“ akribisch nachgegangen und hat aus einer immensen Fülle von Quellenmaterial heraus eine Biographie vorgelegt, die zugleich auch ein opulentes Dokument der sozialen Strömungen der damaligen Zeit darstellt.

Von der Geburt Winifreds an bis zu deren Tod (und der in den letzten Lebensjahren kulminierenden Familienstreitigkeiten) zeichnet Hamann an der Person Winifreds intensiv auch die Zeitgeschichte nach. Die politische Zerrissenheit, die in Auflösung mündete, der Aufstieg der Nationalsozialisten, die wirtschaftlichen Bedrängungen der Zeit, die Seilschaften und Absprachen auf Seiten der Reichen und Mächtigen, all dies fließt zusammen in ein geschärftes Bild von Abhängigkeiten, Eigennutz, aber auch Fanatismus. Ein durchaus gebrochenes Bild, im Übrigen. Denn genauso, wie Winifred Wagner mit aller Energie ihre Freundschaft zu Hitler vertiefte und darin fast „störrisch“ zu nennen ist, hat sie auf der andern Seite durchaus klug und weitsichtig die Belange der „Villa Wahnfried“ vertreten, Bayreuth als Zentrum der Kunst ausgebaut und im Bewusstsein der Kultur bis heute nachhaltig verankert und die Festspiele durch alle Wogen der Zeit mit durchaus sicherer Hand und hohem Einsatz geleitet. In den entscheidenden Jahren des dritten Reiches als Alleinverantwortliche Leiterin der Festspiele.

Ohne mit der Wimper zu Zucken natürlich alles lupenrein nach außen.
„In Vorbereitung auf den Besuch Hitlers wurden wieder Verdächtige in Schutzhaft genommen“.
Nichts sollte das freundschaftliche Verhältnis trüben, nichts das Gespinst von Macht und Kultur stören. Bis dahin, dass das bisherige „Siegfriedhaus“ 1936 in „Führerbau“ umbenannt wurde und Hitler bei seinen Aufenthalten in Bayreuth als Gästehaus diente.

Materialreich, flüssig im Stil und den Personen und Verhältnissen auch in der Tiefe nachspürend, ist Brigitte Hamann ein beeindruckender Einblick in das „Zentrum der deutschen Kultur“ mitsamt der dies tragenden Familie gelungen. Letzte Fragen werden sicherlich nicht beantwortet werden, bis heute verweigert die Familie Wagner die Einsicht in die privaten Archive und in die persönlichen Briefwechsel mit Hitler.

Eine sehr zu empfehlende Biographie über ein bisher nicht breit behandeltes Kapitel der „Verzahnung“ von Politik und Kultur, von Macht und Musik, in dem die zeitgeschichtliche Entwicklung eine ebenso große Rolle spielt wie die Personen.
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am 14. März 2014
Es ist natürlich - streng genommen - unmöglich, eine ganz objektive Biographie zu schreiben. Kein Biograph ist ein abgebrühter, leidenschaftsloser Faktensammler; und keine zu schildernde Persönlichkeit ist so flach und schablonenhaft, dass sich jede einzelne Facette in ein noch so dickes Buch überführen ließe. Auch wenn sich der Biograph um stilistische Sachlichkeit bemüht, muss er entscheiden, was er erwähnt und was er weglässt. Und bei diesen subjektiven Entscheidungen muss er Fairness walten lassen, um wenigstens ein Mindestmaß an Objektivität zu erreichen - und um die Vielschichtigkeit der zu porträtierenden Person spürbar werden zu lassen. Es ist ziemlich einfach, einen Verriss oder eine Lobhudelei zu schreiben. Aber es ist eine echte Kunst, der Komplexität eines Charakters Raum zu geben (und Schönes neben Unschönem stehen zu lassen, ohne Schönrederei, ohne Verteufelung).

Weil Brigitte Hamann diese Kunst so gut beherrscht, ist "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" ein unvergleichliches Buch. Hamann macht hier alles richtig: Ihr Schreibstil ist nie selbstgefällig oder blasiert - sondern knackig, klar und zielsicher. Die Struktur ihres Buches wirkt traumwandlerisch-natürlich - und zu keiner Zeit verliert sich Hamann in der beachtlichen Reichhaltigkeit ihres Quellenmaterials. Die akribische Mühe, die ins Zusammentragen, Sichten und Katalogisieren der Primärquellen geflossen sein muss, ist musterhaft und vorbildlich. "Winifred Wagner" ist buchstäblich frei von unbegründeten Mutmaßungen oder Behauptungen; Brigitte Hamann begründet, was sie sagt. Sie nennt bequeme und unbequeme Fakten, bleibt wissenschaftlich-transparent - und so zeichnet sie das Bild einer komplexen (und vielfach heiklen) Persönlichkeit.

Im Mittelpunkt der Lebensdarstellung stehen Winifred Wagners Stellung zum völkischen Denken und ihre persönliche Beziehung zu Hitler. Sie war eine frühe (und begeisterte) Unterstützerin der nationalsozialistischen Strömung; und sie fühlte sich Hitler privat und freundschaftlich verbunden. Aber sie war nicht mit jeder Ungerechtigkeit, Schikane und Strafverfolgung innerhalb des NS-Systems einverstanden. Ihre bedingungslose Führer-Begeisterung verleitete sie jedoch dazu, ihren Freund Hitler von jeder Verantwortung zu befreien. In Winifred Wagners Augen hatte der Diktator "den Part des Gütigen und Gerechten gegenüber einer gewaltsamen Partei" (S. 296), und oft hatten die Wagners den Eindruck, "daß der geliebte 'Wolf' sich wieder einmal für die Menschlichkeit einsetzte" (S. 425). Noch nach dem Zweiten Weltkrieg behauptete Winifred Wagner beharrlich, "daß der 'Führer' ja [...] von den Verbrechen, die in seinem Namen begangen wurden, nichts gewußt habe" (S. 558).

Winifred Wagner stellte das nationalsozialistische Regime nicht grundsätzlich in Frage. Ihre Briefe und überlieferten Äußerungen enthalten viel Deutschnationales und Antisemitisches. Wenn sie Kritik an ungerechten Praktiken übte, bewegte sie sich trotzdem in den Bahnen einer überzeugten Parteigenossin. Aber sie übte Kritik. Sie setzte sich gezielt für Menschen ein, die in KZs interniert waren, nahm persönliche Risiken und Nachteile in Kauf - und sie erreichte in vielen Fällen (wahrscheinlich lebensrettende) Freilassungen. Brigitte Hamann gibt auch solchen Aspekten den gebührenden Raum. Und der Frau, die sich in späteren Lebensjahren als unbelehrbare "Nazi" präsentierte, attestiert Hamann: "Die Hilfe, die Winifred zahlreichen Juden zuteil werden ließ, war spontan, selbstverständlich, voll menschlicher Solidarität und nicht berechnend" (S. 457).

Der Leser von Hamanns "Winifred Wagner" entwickelt Antipathien und Sympathien. Nach der Lektüre hat er kein starres, einfaches Bild von Winifred Wagner. Aber er hat einen realistischen Eindruck von einer Person, die tatsächlich gelebt hat, die attraktiv, charmant und abstoßend war. Sie "war weder eine Heldin noch eine Verbrecherin" (S. 639). Aber was war sie? Weil sich der Leser selbst eine Meinung bilden muss, ist "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" spannend, fordernd und mitreißend-informativ.
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Winifred heiratet als 18-jährige den 46-jährigen schwulen Sohn Richard Wagners. Innerhalb von vier Jahren bekommt sie vier Kinder und sichert damit das familiäre Erbe. Winifred erledigte rasch die Korrespondenz ihres Mannes und unterschrieb bereits wenige Monate nach der Hochzeit ihre Briefe und Karten mit "Siegfried Wagner", was im Autographenhandel noch heute für Verwirrung sorgt.
1924, nach dem gescheiterten Putschversuch, herrscht im Hause Wagner - "Wahnfried" - eine fast religiöse Hitler-Verehrung.
Am 22. Juli 1924 werden die Festspiele nach neunjähriger Pause wieder aufgenommen, und zu diesem Zeitpunkt besteht eine enge Verflechtung der Wagner-Familie mit Hitler. 1926: Hitler und Winifred duzen sich, sind nun "Winni" und "Wolf", Hitlers Tarnname aus den frühen 20er Jahren. 1929 treffen sie eine Vereinbarung, nach der sich Parteitagstermine nicht mit künftigen Festspielen überschneiden. 1936 lässt "Wolf" anlässlich der Olympischen Spiele "Lohengrin" mit bombastischen Zuschüssen glanzvoll inszenieren.
Ende der 30er Jahre: Italien-Urlauber, Nazis, sogar Erzieherinnen aus Bulgarien kommen an Karten für die Festspiele, für die man heute, wenn man sie hat, im Internet 2000 Euro verlangen kann.
Während der Kriegsfestspiele von 1940 gibt es kein "Publikum". "Kraft durch Freude", Abt. "Reisen und Wandern", das sind Verwundete mit ihrem Pflegepersonal und Rüstungsarbeiter, die Wagners Musik als "seelische Erhebung" erleben sollen.
Am 59. Todestag Wagner, dem 14.02.1942, meldet sich Friedelind aus der New Yorker Met, lobt den Geist ihres Großvaters, der niemals gemeinsame Sache gemacht hätte mit dem Zerstörer aller Freiheit und Gerechtigkeit in Deutschland. Damit hat sie vermutlich recht.
Nach dem Krieg wird Wagner gewissermaßen zum posthumen Mitgliedder NSAP erklärt. Winifreds Auffassung von Geschichte aber bleibt dem "Normalverhalten" der Deutschen diametral entgegen gesetzt. Auf einmal sind alle angebliche Hitler-Gegner. Winifred aber behauptet, dass ihre Beziehung zu Hitler länger anhielt und intensiver war, als es die historischen Quellen belegen.
Die Autorin präsentiert ein historisches Fachbuch, das auch Nicht-Historiker lesen können. Manchmal hat man den Eindruck, als ergreife sie zu sehr Partei für Winifred, sicher nicht absichtlich. Der Leser soll sich sein eigenes Urteil über diese eigenartige Frau bilden. Dieses Buch ist nur eine Quelle von vielen. Man sollte aber auch andere Sichtweisen nicht unberücksichtigt lassen, z. B. Friedelinds "The Royal Family of Bayreuth" oder das schreckliche "Adolf Hitler aus dem Erleben dargestellt" von Hans Severus Ziegler, das Winifred so gern verschenkte.
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am 2. August 2002
In reichlicher Stofffülle breitet uns Brigitte Hamann diese "Doppelbiografie" vor uns aus. Es erstaunt einenm von neuem, obwohl man es eigentlich wissen musste, wie sehr der Wagner-Clan mit der Aufstieg und Niedergang des Nationalsozialismus verstrickt war. Man fragt sich weiter, wie weit waren die Wagner-Enkel auch nach dem 2. Weltkrieg noch mit den Nazis in Kontakten und wäre es nicht endlich an der Zeit, dass der nunmehr 84-jährige Wagner-Enkel Wolfgang nicht endlich die Leitung der Wagner-Festspiele aus der Hand geben sollte, auch wenn er kein Parteigenosse wie sein älterer Bruder Wieland war. Brigitte Hamann beschreibt Winifred mit der ihr nötigen objektiven Distanz und der Leser erhält ein Bild der Familie, wie es nicht plastischer hätte dargestellt werden können. Man wünscht sich eigentlich zum Weiterlesen eine Schilderung Wieland Wagners um seine Entwicklung in der Nachkriegszeit bis zu seinem doch frühen Tod 1966 nachvollziehen zu können.
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am 27. November 2002
Ob Wagnerianer(in) oder Anti-Wagnerianer(in), das Buch von Brigitte Hamann liefert eine spannende Beschreibung der Vorgänge vor, während und nach dem Naziregime im Hause Wagner und weit darüber hinaus. Viele Fakten sind erstaunlich, so etwa die enorm frühe Begeisterung des Wagner-Clans und vieler Nationalisten für Hitler. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist hervorragend geschrieben, gut bebildert und bringt viele Einsichten.
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