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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Allemal lesenswert - aber kritisch zu hinterfragen!
Es ist schon eine Weile her, daß ich dieses Buch gelesen habe! Die Idee, daß ein Physiker die Weltreligionen "vereinen" kann - mithilfe einer physikalischen Theorie - ist schon sehr interessant. Die (schwer verdauliche) Theorie ist in sich auch logisch, geht jedoch von gewissen Voraussetzungen aus. Was mir dabei aufgefallen ist, ist, daß letztlich auch...
Am 23. Juli 2002 veröffentlicht

versus
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Entwurf einer naturwissenschaftlichen Religion
In der "Kritik der reinen Vernunft" erklärt Immanuel Kant, die drei grundlegenden Probleme der Metaphysik (Gott, Freiheit, Unsterblichkeit) seien von der Wissenschaft nicht zu lösen. Frank Tipler, Professor für mathematische Physik, ist anderer Meinung. Seine Antwort: "Wahrscheinlich existiert Gott, wahrscheinlich haben wir einen freien Willen und...
Veröffentlicht am 14. April 2012 von Spacetime Traveler


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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Entwurf einer naturwissenschaftlichen Religion, 14. April 2012
Von 
Spacetime Traveler ('Castle of Glass' in the black forest of Wuellen, the center of planet earth, on the edge of the mysterious Milky Way) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
In der "Kritik der reinen Vernunft" erklärt Immanuel Kant, die drei grundlegenden Probleme der Metaphysik (Gott, Freiheit, Unsterblichkeit) seien von der Wissenschaft nicht zu lösen. Frank Tipler, Professor für mathematische Physik, ist anderer Meinung. Seine Antwort: "Wahrscheinlich existiert Gott, wahrscheinlich haben wir einen freien Willen und wahrscheinlich gibt es ein Leben nach dem Tod".

Für sein Entwicklungsmodell des Universums benötigt er keine vitalen Kräfte. Er erklärt den Menschen und die Strukturen der Welt mit den Mitteln der Physik. Religiöse Glaubensbekenntnisse wie "Auferstehung von den Toten" und "Unsterblichkeit der Seele" seien physikalische Ereignisse.

Tipler hat mit renommierten Physikern wie Stephen Hawking und Roger Penrose zusammengearbeitet und gilt als Experte auf dem Gebiet der globalen allgemeinen Relativitätstheorie. Mit diesem Buch verlässt er den sicheren Boden der allgemein anerkannten Physik und begibt sich in den Bereich der Metaphysik. Er begründet die physikalische Omegapunkt-Theorie und verschneidet diese, entgegen den Warnungen seiner Fachkollegen, mit Begriffen und Vorstellungen der Theologie.

Die Omegapunkt-Theorie ist eine physikalische Theorie, die den mindestens 100 Milliarden Jahre in der Zukunft liegenden Endzustand des Universums behandelt. Der Omegapunkt ist das Gegenstück zur Anfangssingularität, die in der Kosmologie allgemein als Urknall bezeichnet wird. Der Begriff "Omegapunkt" geht auf den Jesuiten Teilhard de Chardin zurück. Das Universum kollabiert im Endzustand und Leben geht im Omegapunkt auf.

Eine physikalische Interpretation der Welt setzt voraus, dass man den Menschen als eine besondere Art von Maschine betrachtet, mit einem Gehirn als Träger der Informationsverarbeitung und der Seele als Software. Hierfür wird die Welt in Quanten zerlegt und auf dieser untersten Ebene der physikalischen Strukturen der Mensch als ein Bündel quantenmechanischer Zustände definiert.

Das Verhalten des Universums wird, abgeleitet aus der allgemeinen Relativitätstheorie, im Laufe der Zeit chaotisch. Um das Chaos zu vermeiden, wird intelligentes Leben in ferner Zukunft die Freiräume in den physikalischen Gesetzen nutzen, um den Verlauf des Universums zu beeinflussen. Dies sei erforderlich, um überleben zu können.

Die Menschheit wird den Weltraum kolonisieren, da biologisches Leben auf der Erde langfristig dem Untergang geweiht ist. Für die Kolonisierung des Weltraumes sind Sonden mit sich selbst reproduzierenden Konstrukteuren erforderlich, also Maschinen, die andere Maschinen generieren können.

Tipler ist der Auffassung, dass jedes System einschließlich des Menschen durch eine endliche Anzahl von Quantenzuständen hinreichend definiert ist und daher nichtbiologische Trägermedien denkbar sind, auf die die Informationen, die das Leben ausmachen, implementiert werden können. Die Omegapunkt-Theorie setzt voraus, dass Leben nahe dem Omegapunkt die Kontrolle über alle Materie und Energiequellen erlangt.

Der Autor entwirft eine Computermetaphysik und erklärt damit die Auferstehung. Die physikalische Auferstehung besteht darin, dass Leben in den Computern der fernen Zukunft (nahe des Omegapunktes) emuliert wird. Dies betrifft nicht nur den einzelnen Menschen, sondern die gesamte Welt. Mit den Jenseitsvorstellungen der großen Religionen hat Tipler keine Probleme, da diese weitgehend mit den Erkenntnissen der modernen Physik in Einklang stehen.

Tipler verwendet in seiner Theorie ausschließlich Bausteine der Physik und vernachlässigt die Strukturen, mit denen Biologen, Neurologen oder Soziologen arbeiten. Durch Selbstorganisation emergieren in der Natur (aus den Grundbausteinen der Physik) neue Entwicklungsstufen bis hin zu lebenden Strukturen, die jeweils ihre eigenen Werkzeuge und Interpretationen benötigen. Diese Strukturen sind nicht physikalisch erklärbar. Tipler muss sich daher den Vorwurf gefallen lassen, eine extrem reduktionistische Position zu vertreten.

Wissenschaftliche Theorien gelten in ihrem eng umrissenen Definitionsbereich. Extrapolationen oder die Verknüpfung von unterschiedlichen Theorien führen zu verwässerten Ergebnissen. In diesem Sinne hat Tipler keine wissenschaftliche Theorie, sondern eine naturwissenschaftliche Religion kreiert.

Ich hätte es begrüßt, wenn Tipler die Religion aus seinem Buch heraus gehalten oder zumindest in einem separaten Kapitel behandelt hätte. Auch wäre eine klare Trennung zwischen anerkannten physikalischen Grundlagen und darauf aufbauenden Spekulationen hilfreich gewesen. Tiplers provokante These "Theologie wird ein Teilbereich der Physik" beruht auf einem Kategorienfehler; damit überspannt er den Bogen. Mit Tiplers Theorie gibt es eine fantastische Theorie mehr auf dem Markt der Möglichkeiten.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das ewige Leben als Datenpaket im Rechner, 8. Februar 2009
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Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
Der Physikprofessor Tipler sagt die gigantische Rechenkapazität künftiger Computer voraus, die, wenn wir hoffentlich noch genug Energie zu ihrer Versorgung und eine geeignete Hirn/Rechner-Schnittstelle haben, unsere Gedankeninhalte vor dem physischen Tod aufspielen, abspeichern und weiterdenken lassen können.
Nicht nur das, auch die längst Verstorbenen mit ihren charakteristischen individuellen Eigenschaften sollen zurückberechnet und zu neuem Leben erweckt werden. Das Bewußtsein ist ohnehin nur ein Trugschluss einer selbstreferenziellen Schaltung und Hirnschleife.
Das klingt nun alles ein wenig überdreht, doch schafft Tipler das Kunststück, die kühnen Thesen und Voraussagen ohne irgendwelchen religiösen Ansatz (die Religion spielt nur eine Nebenrolle) recht stringent und logisch formuliert als machbar erscheinen zu lassen, ja sogar zwingend erforderlich können sie eines Tages werden, dankt man Tipler bis zur letzten Konsequenz zuende.
Ich bin kein Naturwissenschaftler, finde aber mit mit fachfremder wissenschaftlicher Ausbildung, daß der Autor keine argumentativen Lücken läßt. Das Buch ist z.T. auf vehemente Kritik der Kollegen gestoßen, doch scheint sein Ansatz dadurch nicht unwahrscheinlicher zu werden. Ein Leben im Rechner, warum nicht? Putnam hat ja bereits die bewußtseinstheoretische Grundlage an verschiedener Stelle diskutiert.
Das Buch enthält einen mathematischen Teil mit Berechnungen, die sind für die meisten ein Buch mit sieben Siegeln.
Dennoch allemal eine faszinierende Gedankenreise für Hirnjunkies. Als theologische Konsequenz: Kein Himmel, keine Hölle, wozu auch?
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Allemal lesenswert - aber kritisch zu hinterfragen!, 23. Juli 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
Es ist schon eine Weile her, daß ich dieses Buch gelesen habe! Die Idee, daß ein Physiker die Weltreligionen "vereinen" kann - mithilfe einer physikalischen Theorie - ist schon sehr interessant. Die (schwer verdauliche) Theorie ist in sich auch logisch, geht jedoch von gewissen Voraussetzungen aus. Was mir dabei aufgefallen ist, ist, daß letztlich auch jede Religion Voraussetzungen hat, damit die einzelnen "Theorien" aufgehen. Meine Quintessenz aus dem Buch ist, daß letztlich diverse Theorien miteinander konkurrieren, welche nun wahr ist, kann man nicht sagen. Es hängt eben von den Voraussetzungen ab. Tipler beschränkt den Menschen auf Informationseinheiten. Es ist in der Tat sehr reduktionistisch, aber nicht widerlegt! Vielmehr scheint gerade dieser Punkt Sinn zu machen! Denn wer sich mal die Entwicklung der Informationsverarbeitung der letzten Jahre anschaut, weiss, wohin die Reise geht. Ich bin mir ziemlich sicher, daß es in 20 oder 30 Jahren Systeme gibt, die sowohl so denken wie ein Mensch als auch fühlen! Wer kann denn widerlegen, daß die Chemie und damit die physikalische Ebene verantwortlich für emotionales "menschliches" Handeln ist? Keiner! Ein Mensch hat eine Seele, so wird gesagt! Und ein Hund? Ein Hamster? Eine Fliege? Eine Bakterie? Wo ist die Grenze? Wahrscheinlich gibt es keine Grenze, genau das ist mein Fazit aus dieser Gesamttheorie Tiplers.
Das Buch ist daher eine exzellente Grundlage für lange Gespräche, ob man diese Theorie annimmt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwer, aber hilfreich !, 30. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
Wie man es von amerikanischen Professoren gewohnt ist, beschreibt der Autor komplexe Zusammenhänge (einigermaßen) verständlich.
Der mathematische Teil war selbst für mich (promovierter Naturwissenschaftler mit mathematischer Neigung) fast nicht zu verstehen.
Natürlich sind die Überlegungen des US-Physikers Tipler manchmal für uns Europäer "hirnrissig": Was macht die Menschheit (wenn es sie noch gibt), wenn in 5 Milliarden Jahre die Sonne "verschwindet" bzw. in 100 Milliarden Jahren das Universum?
Der größte Wert dieses Buches liegt für mich aber darin, dass der Autor sich mit allen philosophischen und religiösen Erscheinungsformen bzw. Erklärungsformen des "Himmels", der "Hölle", bzw. der "Wiederkehr" auseinandersetzt. Seine physikalischen Deutungen sind Geschmacksache und helfen vielleicht dem einem oder anderen, die Angst vor dem ENDE zu verlieren.
Tipler sieht den Menschen als Hardware (Körper) und Software (Geist) und beweist, dass es physikalisch nicht unmöglich ist, bei hinreichend genug Speicherplatz zumindest die "Software" (unsere Seele) wiederauferstehen zu lassen.
Facit: Sehr interessant und (bis auf den unverständlichen mathematischen Teil; etwa 30 % des Umfanges) für Menschen, die sich für die Fragen des "Jenseits" beschäftigen, äußerst gewinnbringend.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ..für die idee und die ausführung!...., 1. April 2008
Von 
Stephan Urban "stevo" (wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
vorweg: in diesem buch findet sich NULL esoterik, hier wird uns beinharte physik um die ohren gehauen.

der "nichtwissenschaftliche" erste teil des buches kommt im populärwissenschaftlichen anstrich daher, trotzdem sei gewarnt: wer nicht über grundkenntnisse der oberstufenmathematik verfügt oder von teilchen- und astrophysik bisher nur gehört hat, wird sich auch mit dem ersten teil des buches nur anfreunden können, wenn er aussagen tiplers auch ohne einer möglichkeit des "mitdenkens" akzeptieren kann. tatsächlich setzt mr. tipler einiges bei seinen lesern voraus und wechselt auch ziemlich sprunghaft die fronten.

auch aus der distanz von nun mehr als 10 jahren (die originalausgabe erschien 1994) ist die theorie nicht zu wiederlegen, aber auch die für die physikalische möglichkeit des "omegapunktes" notwendige existenz des higgs-bosons mit der erforderlichen masse ist noch nicht bewiesen.

die kreativität der gedankengänge tiplers kann mitunter in erstaunen versetzen. auch ein atheist, der noch nirgendwo einen gott oder göttliches wirken erkennen konnte und nur an dinge glaubt, die beweis- und wiederholbar sind, könnte sich vielleicht mit der idee, dass so etwas wie ein gott (= omegapunkt) am ende aller zeit erst entstehen wird, anfreunden.

freilich bleibt tiplers theorem extrem spekulativ, viele noch unerforschte universelle größen müssten "passen", vieles zum richtigen zeitpunkt passieren und selbst dann bleibt noch die frage, ob der omegapunkt so sein wird, wie ihn sich ein kleines menschlein vorstellt und ob er überhaupt interesse hat, uns zu emulieren...

letztlich aber für skeptiker und konfessionslose ein wissenschaftlicher ansatz dafür, wie ein "gott" möglich wäre, wie es zu einer "auferstehung" kommen könnte - allemal ein besseres erklärungsmodell als jede religion liefern kann.

aber leider: aus meiner sicht bietet sich auch hier keine realistische aussicht auf ein tatsächliches "leben nach dem tode" - auch hier muss ein GLAUBE - einer an tiplers physikalisches weltbild - bemüht werden....

trotzdem: radikale denkansätze, nicht zu wiederlegende fakten, jede menge stoff für anregende diskussionen und für leute mit entsprechenden grundkenntnissen noch jede menge formeln zum nachvollziehen und nachrechnen. EMPFEHLUNG!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nein; das hat mir nicht gefallen, betreffend ET empfehle ich Paul Davies u. M. Kaku gleichfalls Physiker, 22. Januar 2012
Von 
Jayanti "Ah-hotep" (Château St. Germain, 1663 Gruyères, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
Kurz vor Ostern 1994 ist ein Buch erschienen, welches den Anspruch erhebt, eine "rein physikalische Theorie" der Auferstehung und Unsterblichkeit zu präsentieren. Sie soll mit allen Weltreligionen im wesentlichen übereinstimmen, doch erkennt der Autor immerhin, daß seine Theorie mit der christlichen Erlösungsbotschaft (die sowieso Unsinn ist, unten mehr*) nicht leicht zu harmonisieren ist: "Gebet als Botschaft des Menschen zu Gott" ist und war schon immer sinnlos (S. 405), der "Körper Jesu ist im Grab verrottet" und die Zeugen seiner Auferstehung sind einer "kollektiven Halluzination" zum Opfer gefallen (S. 374). Schade, das Tipler Jesus nicht als das größte Medium aller Zeiten verstehen lernen kann. Und zugleich vertrat Jesus ja auch keine Kreutztodiedologie, oder gar einen Monotheismus. Genauso wenig wie Jesus eine Kirche aus Stein gegründet hat. Man lese die Bibel selbst und frage sich, ob es nicht die sie selbst ist, die das religiöse Gefühl verletzt, und weniger derjenige der sie referiert. Was ist dann nach Ansicht des amerikanischen Physikprofessors Frank J. Tipler Auferstehung?. Am Ende der Evolution (dem sog. "Omegapunkt" = Paradies) wird es gigantische Super-Computer geben, in denen alle überhaupt möglichen Kombinationen von menschlichen Genen und Gehirnzellen samt Gedächtnis programmiert werden können. Dieser Supercomputer (= Gott/in?) wird am "Omegapunkt" alles in allem, also vollkommen sein und somit auch sämtliche vergangenen Lebensformen beinhalten müssen. Körperliche Auferstehung ist aber nach Tipler unmöglich, doch hier kann der Superrechner aushelfen. Die Programmierung (= "Emulation") aller toten Menschen in den Computern der Zukunft ist der "physikalische Mechanismus der Auferstehung" (S. 273).

Unter den unvorstellbar vielen möglichen Computersimulationen werden zwangsläufig auch Du und ich sein. Damit ist also nicht die leibliche Auferstehung des Neuen Testamentes gemeint (um beim Christentum zu verbleiben, welches Tipler so scharf kritisiert!) – die Auferstehungswelt Tiplers ist eine virtuelle Realität, eine nur im Computer existierende Scheinwirklichkeit. Tipler setzt sich hochgesteckte Ziele: Er möchte die Begrifflichkeit der Religion in physikalische Konzepte fassen, damit am Ende die Wissenschaft die Religionen ablösen und angesichts des Todes den "gleichen Trost wie diese spenden kann" (S. 407). Wie das schon zuvor beispielsweise der Genetiker Carsten Bresch in seinem Buch "Zwischenstufe Leben" getan hat, setzt Tipler eine evolutionär geprägte Naturphilosophie ausdrücklich an die Stelle Gott oder der Göttin. Er vertritt einen extremen Reduktionismus, welcher besagt, daß der Mensch nichts anderes als ein intelligentes, hochentwickeltes Tier ist: "Die Seele ist ein spezielles Programm, das in einer Gehirn genannten Rechenmaschine abläuft" (S. 24/25). Obgleich vielfach vorgebracht, ist eine solche Anschauung empirisch nicht begründbar. Hierbei verweise ich auf Dr.Michael König, Dr.rer.nat.Volkamer, Thomas Campbell (youtube Videos nachschauen), Dr.Rupert Sheldrake, Dr. Pim van Lommel u.v.m. Die keineswegs "rein physikalische", sondern in Wirklichkeit religiöse Anschauung Tiplers weist ein für den modernen Menschen wichtiges Merkmal auf. Man kann damit nämlich, so der Autor, die Zwangsläufigkeit einer Auferstehung am Ende der Zeit ohne Endgericht "beweisen". Die Botschaft: Wir kommen alle, alle in den (Computer-) Himmel!. Die solcherart Auferstandenen sind darüber hinaus unsterblich, weil man von ihnen auf Super-Disketten multiple Sicherheitskopien anlegen kann. Wie tröstlich. das Buch fand ich trotz einiger interessanter denkanstöße aufschlußreich. Aber die insgesamte Botschaft ist nicht mein Fall.

*
Die Bibel enthält nahezu nichts, was nicht schon frühere Religionen zu ihrem Gedanken- und Glaubensgut zählten: Jungfräuliche Zeugung, Krippengeburt, Heiligmässiger Erdenwandel als "Sohn Gottes", Weissagungen, Wunderheilungen, Auferweckung von Toten, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Sogar die Dreifaltigkeit - alles schon gehabt. Göttersöhne sollen übrigens nach dem Tod zu Hauf wieder auferstanden sein. Und - schmunzeln sei erlaubt - sogar der Stein vor dem Grabmal Jesu ist ein Relikt aus einer älteren Religion. In den Mysterienreligionen wurde die Eucharistie nahezu gleich gefeiert wie in der katholischen Kirche, sogar das Kreuzzeichen fehlte nicht. Einzig die aufgerufene Gottheit hatte verständlicherweise einen anderen Namen. Dahingehend: Um das aber alles wirklich und richtig widerlegen zu können – was kaum möglich erscheint (!) -, müssten die das zunächst einmal kennen, was aber, wen wunderst - die meisten schon nicht kennen bzw. jemals davon gehört zu haben scheinen. Das ist Stoff für Orientalisten an der Uni. Von normalen Gläubigen kann man das nicht verlangen und von Fundamentalisten noch nicht mal erwarten, da sie bekanntlich mit Brainwash & Scheuklappen durchs Leben laufen. Es ist tragikomisch, genug – gibt es im Christentum absolut nichts, was nur den geringsten Anspruch hätte auf geistiges- oder religionsgeschichtliche Originalität. Denn von seinen zentralsten Gedanken bis zum periphersten Brauch wurde alles von „Heiden“ oder Juden rezipiert: die Predigt vom nahen Reich, die Gotteskindschaft, die Nächsten- und die Feindesliebe, die Messias- und Heilandsidee, die Prophezeiungen des Erlösers, seine Herabkunft, wunderbare Geburt durch eine Jungfrau, Anbetung durch die Hirten, seine Verfolgung schon in der Wiege, sine Versuchung durch Satan, sein Lehren, Leiden, Sterben (auch am Kreuz), sein Wiederaufstehen (auch selbst dieses Schwanken der Evangelien hat seine Ursachen offenbar darin, dass man die Auferstehung des Gottes Osiris am dritten, die des Gottes Attis am vierten Tag nach seinem Tod beging), sein leibhaftiges Erscheinen vor Zeugen, seine Höllen und Himmelfahrt, die Erbsündenlehre, die Prädestinationslehre, Trinität, Taufe, Beichte, Kommonion, die Siebenzahl, der Sakramente, die Zwölfzahl der Apostel das Apostelamt, das Amt des Bischofs, des Priesters, des Diakons, Sukzession, Traditionsketten, Gottesmutter, Madonnenkult Wallfahrtsorte, Votivtafeln, Reliquenverehrung, Weissagung Wunder wie Wandel auf dem Wasser, Sturmbeschwörungen, Speisenvermehrungen, Totenerweckungen – wozu die Aufzählung: nichts ist neu!. Und all dies kehrt im Christentum nicht etwa nur äußerlich wieder, nur als formale Analogie, als bloße Parallelität der Riten, sondern mit denselben Bedeutungsgehalten, es lebt nur unter anderem Namen fort und oft nicht einmal dies.

Theismus Gegensteuerung: Vergegenwärtigt man sich das ungeheure Ausmaß an Leiden in der Vergangenheit und Gegenwart - Schmerzzufügung von Seiten anderer Menschen, aufgrund von Krankheiten oder sonstigen, nicht von Menschen hervorgerufenen Ereignissen, psychische Leiden etwa durch körperliche Entstellungen, tiefe Enttäuschungen und Depressionen, Verzweiflung bis zur Selbsttötung, aufgrund nicht erfüllter basaler Lebenserwartungen und Bedürfnisse, millionenfacher Hinschlachtung unschuldiger Menschen, auch von Kindern aller Alterstufen, Trennung von Müttern und ihrer unmündigen Kinder durch Krankheit und Tod, nicht zuletzt auch in der Vergangenheit durch kirchlich gutgeheißene Verfolgung als Hexen, gemeinte Erniedrigungen von Menschen, und die vollständige Brechung ihres Selbstwertgefühls, von den Grausamkeiten und Gewalttätigkeiten in der nicht menschlichen Natur ganz zu schweigen, usw. usw -, so ist man versucht zu sagen: Die christlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften bestehen nur deswegen angesichts all dieser schreienden Widersprüche zur Verkündigung eines gleichzeitig allmächtigen, allwissenden und unendlich liebevollen und gütigen Gottes weiter, weil die Vorstellungskraft der meisten Menschen zu schwach oder zu abstrakt verbildet ist, sich das ganze Ausmaß dieser Leiden und Greuel vorzustellen. Überwindet man sich durch die Gewohnheit eingetretene Abstumpfung und Vergegenwärtigt man sich all dies, so fällt es schwer zu verstehen, wie angesichts dieser erdrückenden Tatsachen ein einigermaßen zu rationalem Denken und Wahrnehmung eindeutiger Wiedersprüche fähiger Mensch an einen gleichermaßen allmächtigen wie unendlich gütigen und liebevollen Gott, der darüber hinaus ja die unendliche Liebe selbst sein soll, glauben kann, züge man auch hier wieder nicht die ungeheure Wirkkraft frühkindlicher und kindlicher Suggestion und die Korrumpierbarkeit des menschlichen Verstandes durch Wunschdenken in Betracht.

Man hat ja schon oft darauf verwiesen, das mit der Interpretation des Kreuzestodes Jesu wie absurd und widersprüchlich diese These vom gleichzeitig allmächtigen, alles bewirken und verhindern könnenden und dennoch mitleidenden, solidarischen Gott jedem noch einigermaßen klar Denkenden erscheinen müsste, umso mehr, wie wir eben schon eindeutig nachgewiesen haben, als derselbe Gott diesen Kreuzestod nach mehrfachen und eindeutigem Zeugnis nicht nur akzeptiert, sondern darüber hinaus ausdrücklich gewollt hat. Auch das zweite antinomi Element dieses christlich-biblische Grundwiederspruch wird so von vielen nicht geleugnet, sondern vielmehr, wieder konsequent nach kirchlicher und biblischer Lehre, ausdrücklich herausgestellt. Trotz aller Leiden und Gräuel der vom biblischen Gott bis ins kleinste gelenkten Geschichte ist der Gott der Bibel, der Gott Jesu nach christlich seltsamen denken immer wieder nur ein Gott grenzenlosen Erbarmens und alles ersteigender Güte. (Man denke nur kurz einmal an Hexen- und Ketzerverbrennungen, Hieroshima oder Ausschwitz usw. usw. ) Man muß diese Ausführungen chrsitlicher Gläubiger dann ja gar zweimal lesen, weil man angesichts der Abenteuerlichkeit und der Zumutung der hier gebotenen „Argumentation“ zunächst seinen Augen nicht traut. Jesus kennt alle Grausamkeit, alles Leid und allen Schmerz dieser Welt. Er glaubt an einen Gott, der der allmächtig-absolute und allwissende Lenker alles Geschehenes ist, der sich um jeden Sperling und jedes Haar kümmert, „der zum alles in dieser so gar nicht heilen Welt weiß und ohne den nichts geschieht“. Anstatt nun die für jeden noch einigermaßen klar denkenden notwendige Schlussfolgerung zu ziehen, dass dieser Gott entweder nicht existieren oder nicht gleichzeitig allmächtig und allwissend und unendlich gütig und liebevoll sein kann, setzt sich dieser christliche Jesus einfach über diesen eindeutigen Sachverhalt hinweg und behauptet angesichts des unendlichen, von Gott selbst bewirkten oder nicht verhinderten Leids („ohne den nichts geschieht“), dieser Gott sei ein fürsorglicher, unendlicher gütiger Vater, auf den man sich vertrauensvoll verlassen könne, ja, der unsere Sorgen als überflüssig erscheinen lässt.“ Diesen Denkverzicht, d.h. den Verzicht, die argumentativ allein möglichen Schlüsse zu ziehen und statt dessen einfach in logisch absurder Weise das Gegenteil zu behaupten, diesen Sprung aus dem radikal-klaren Denken in das bare Wunschdenken, basierend auf dem Bedürfnis, angesichts der aufgezählten Leiden bei einem himmlischen fürsorglichen Übervater seine Zuflucht und Anlehnung zu finden, diese Abdankung und Bankrotterklärung des eigenen Denkens nennen Christen eine „praktische Antwort auf die Theodizeefrage“
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11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen viel Phantasie, wenig Gehalt, 30. September 2009
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Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
Ich bin recht leidensfähig, was schlechte Bücher betrifft, aber dieses Buch konnte ich leider nicht zu Ende lesen. Zunächst einmal konnte ich seiner Argumentation folgen, dass ein endlich großes Universum mit einer unendlichen Lebensdauer eine begrenzte Anzahl von Zuständen hat, die sich deshalb unendlich oft wiederholen. Unser begrenztes Universum dehnt sich nach einem Urknall aus, bis es nach ca. 15 Mrd. Jahren (?) seine maximale Ausdehnung erreicht hat und zieht sich dann wieder zu einem Punkt ohne Raum und Zeit zusammen, anschließend geschieht wieder ein Urknall und ein neues Universum entsteht.

Für Tipler bedeutet dies, dass beispielsweise Auschwitz sich unendlich oft wiederholen muß, weil die physikalischen Zustände von einer Situation mit Auschwitz sich unendlich oft wiederholen. Ich weiß nicht, wie man das so direkt aneinander koppeln kann.

Als Konsequenz sieht Tipler, dass wir das Universum kontrollieren und diesen Schwingungszustand stoppen müssen. Das bedeutet für ihn, dass wir unsere Erde, das Planetensystem, die Galaxis und schließlich das ganze Universum "vereinnahmen" und in ein teschnisches Konstrukt umwandeln müssen, so dass dieses Ausdehnen und Zusammenziehen nicht mehr stattfindet, sondern nur noch fest definierte Zustände stattfinden können, die technisch bestimmt sind.

Natürlich tun wir Menschen das nicht direkt, sondern wir müssen Roboter bauen, intelligente Maschinen, die das für uns tun. Diese können sogar aus unseren Geninformationen, die in Computern gespeichert werden, aus Materie Menschen machen, wenn diese Roboter auf eine für Menschen geeignete Umgebung stoßen.
Dabei hat Tipler keine Ideen, woher die Energie für solch ein Vorhaben kommen soll oder wie das realisiert werden kann. Mit so was kann ich leider nichts anfangen, ich konnte nicht mal etwas lernen, wie das bei anderen Büchern zu "alternativen Raumfahrtkonzepten" sonst der Fall ist.

Ich meine, darin äußert sich der Wahn des Menschens, alles kontrollieren und machen zu können, Gott spielen zu dürfen, statt sich in die Natur einzufügen und sie nicht zu zerstören.
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3.0 von 5 Sternen Interessant aber reichlich verrückt, 20. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
Ein Physik-Professor aus New Orleans schreibt über die Auferstehung der Toten?
Ja - die soll es geben, wenn es eine fortschreitende Entwicklung des Lebens über die kommenden Jahrmillionen bis -milliarden gibt, die schließlich das gesamte Universum vereinnahmt und bei entsprechender Informations-Sammelwut sämtliche Organismen der Vergangenheit als perfekte Simulation wiederauferstehen lässt (die dann bis hin zu quantenhaften Details ununterscheidbar von der Realität wären). Noch dazu bräuchte es dafür ein Universum, das in der fernsten Zukunft ganz bestimmten Rahmenbedinungen genügt, damit das Leben in der Lage ist, es so zu nutzen, dass bis zu einem gewissen Punkt (dem "Omegapunkt") die Informationsmenge ins Unendliche wachsen kann. Dann wäre auch das subjektive Erleben in der simulierten Welt das der Unendlichkeit - man würde folglich ewig leben.
Das ganze Buch lang hat mich der Verdacht beschlichen, hier versucht jemand auf hohem wissenschaftlichen Niveau, sich die Welt wunschgemäß zurechtzubiegen. Noch dazu schleicht der Verdacht, Herr Tipler wolle sich selbst unsterblich machen.
Bis zu einem gewissen Grad ist es faszinierend, bestimmten Gedankengängen zu folgen, die in sich logisch und wissenschaftlich untermauert sind. Dann aber geht es straff in Richtung Wunschdenken und Spekulation, verbunden mit seltsamen Erörterungen über den religiösen Glauben an die Unsterblichkeit. Das gipfelt in der Ansicht, die Religionen sollten ein Teilgebiet der Physik werden.
Das Buch stammt von 1994 und wurde 2001 in deutscher Sprache herausgebracht. Die Entwicklung ist jetzt sicher weiter, und es wäre interessant, das Ganze von heute aus zu betrachten.
Letztlich war das Buch für mich interessant, da es einige gute Erläuterungen aktueller wissenschaftlicher Fragen und neben unbrauchbarem Zeug ein paar Denkansätze enthielt, die neu und faszinierend waren.
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4.0 von 5 Sternen Abenteuerliche Thesen, die man diskutieren kann, 7. Februar 2013
Von 
Werner J. Kraftsik (am schönsten Teil des Rheines) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
Der Autor stellt Theorien auf, von denen er selbst zu genau weiß, dass sie derzeit nicht falsifizierbar oder virifizierbar sind.
Aber - er lässt den Leser darüber keinen Augenblick im Unklaren, sondern mir scheint, er will dazu anregen bei den vielfältig denkbaren Möglichkeiten auch diese nicht außer Acht zu lassen.

Man muss sich intensiv mit der Materie beschäftigen und, so man kein Physiker ist, gelegentlich mehrfach lesen oder Fachleute fragen.

Das Buch empfehle ich allen,die alternativen Wege im Denken - versuchsweise - folgen oder sie prüfen möchten.

Eine intellektuelle Herausforderung, der man ruhig einmal nachgeben kann.
Der eigene Horizont wird durch die Lektüre des Werkes nicht kleiner, sondern m.E. weiter.
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14 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Christliche Apologetik mit untauglichen Mitteln, 4. November 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten (Taschenbuch)
Christliche Apologetik mit untauglichen Mitteln

Rezension zu "Frank Tipler: Die Physik der Unsterblichkeit - Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten"

Der Autor, Frank Tipler, ist ein anerkannter Physiker, der eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten zur Kosmologie verfasst hat. In seinem Buch "Die Physik der Unsterblichkeit" setzt sich Tipler das Ziel, das heutige kosmologische Wissen mit den Kernaussagen christlicher Eschatologie zu vereinheitlichen. Seine Einführung beginnt mit den Worten: "Ein Buch, das die Versöhnung von Wissenschaft und Religion ankündigt, hat in unseren Tagen Seltenheitswert."

Der Autor will nicht nur zeigen, daß naturwissenschaftliche Aussagen und Glaubensaussagen zwei Seiten derselben Münze sind. Er behauptet mehr: Physiker können die Existenz Gottes und die Wahrscheinlichkeit der Auferstehung der Toten zu ewigem Leben auf genau die gleiche Weise berechnen wie die Eigenschaften des Elektrons. Und als einen, der so etwas kann, sieht Tipler sich selbst. Die Meßlatte liegt also hoch, der Leser ist gespannt - oder er legt spätestens nach dieser Ankündigung das Buch aus der Hand.

Das Buch hat 13 Abschnitte und einen ausführlichen wissenschaftlichen Anhang. Etwa ein Drittel dieser Abschnitte erläutert Resultate der Physik des 19. und 20. Jahrhunderts und ihre Implikationen für den Kosmos als ganzen. Das sind Resultate aus der Thermodynamik, der Relativitätstheorie und der Quantentheorie. Der Leser erfährt, was man unter dem Wärmetod des Universums versteht. Er nimmt teil an der Diskussion, ob unsere Welt in den gängigen Modellen der statistischen Mechanik zyklisch ist oder nicht, und erfährt, daß jedenfalls die Modelle der Quantentheorie und der Relativitätstheorie nicht zyklisch sind. Das sind grundlegende Bausteine für Tiplers anschließende Thesen, da er die kosmologische Entwicklung als gerichtet und konvergierend ansieht.

Abschnitt 4 mit der herausfordernden Überschrift "Computerdefinitionen von 'Leben', 'Person' und 'Seele'" definiert ein "Lebewesen" als ein System, das Information speichert und verarbeitet und bei der Speicherung den Gesetzen der natürlichen Selektion unterliegt. Tipler beschränkt sich bewußt nicht auf biologisches Leben. Allerdings versteht er seine Definition in einem so weiten Sinne, daß auch Autos leben. Eine "Person" dagegen ist ein Programm, das den Turing-Test besteht, der zuvor erläutert wird. Jede Person lebt, aber nicht jedes Lebewesen ist eine Person. Eine Definition für "Seele" wird in diesem Abschnitt nicht gegeben, doch ist die Seele für Tipler ein hochkomplexes Computerprogramm. Damit ist die eine Hälfte der Schlüsselbegriffe des Buches eingeführt.

Anschließend stellt Tipler das kosmologische Modell vor, auf dessen Basis er die Hauptthesen seines Buches erläutern wird. Er beschreibt das Universum mit einem Friedmann-Modell, das sich seit seiner Erfindung kurz nach der Entwicklung der Allgemeinen Relativitätstheorie als eines der kosmologischen Standardmodelle etabliert hat. Das von Tipler gewählte Modell der Raumzeit beschreibt ein Universum positiver Krümmung, dessen räumlicher Anteil zu jedem Zeitpunkt eine 3-dimensionale Kugel und damit endlich ist. Die Besonderheit des von Tipler gewählten Modells ist das Fehlen von Ereignishorizonten: Alle Weltlinien stehen miteinander in kausalem Kontakt. Daraus folgt, daß der in der Zukunft gelegene Rand des Universums nur aus einem einzigen singulären Punkt besteht.
Tipler behauptet, daß sein Modell eine Reihe experimentell prüfbarer Voraussagen mache. Dazu gehören vertraute kosmologische Parameter wie die aktuellen Werte der Dichte des Kosmos und die Expansionsgeschwindigkeit in Form der Hubble-Konstanten, aber auch Voraussagen auf dem Gebiet der Elementarteilchenphysik wie die Masse des top-Quarks und des Higgs-Bosons.

In dem von Tipler gewählten kosmologischen Modell konvergieren alle Weltlinien - und das sind die Lebensläufe und Historien aller Ereignisse des Universums - zu einem einzigen Punkt. Tipler nennt ihn in Anleihe bei Teilhard de Chardin den Omegapunkt. Dem Studium des Omegapunktes ist der Hauptteil von Tiplers Buch gewidmet.

Die erste Eigenschaft des Omegapunktes ist es, kein Bestandteil unseres Universums zu sein, sondern ein Grenzpunkt auf dem Rande des Universums. Desweiteren bedeutet die Konvergenz aller Weltlinien im Omegapunkt, daß die Signale aller Ereignisse des Universums in diesem Punkt zusammenlaufen. Damit ist der Omegapunkt ein Punkt universeller Information.

Der Autor erweitert sein kosmologisches Modell nun um die zuvor bereitgestellten Begriffe Leben, Person und Seele, von denen er die beiden ersten mit den Mitteln der Informatik definiert hatte. Ähnlich wie Teilhard stellt er die These auf, daß sich Leben über das gesamte Universum ausbreiten wird. War es bei Teilhard Leben in Form der Biosphäre und der Noosphäre, so ist es bei Tipler personales Leben in der abstrakten Form intelligenter Informationsverarbeitung, welche zumindest den Turing-Test besteht.

An dieser Stelle zieht das Buch aus dem physikalischen Modell erste theologische Schlüsse: Aus der universellen Ausbreitung personalen Lebens und der Konvergenz der zugehörigen Weltlinien im Omegapunkt folgert Tipler, daß der Omegapunkt eine allwissende Person ist. Im folgenden verwendet Tipler dann Formulierungen wie "der Omegapunkt liebt uns" oder "der Omegapunkt wird uns auferstehen lassen".

Mit diesen Beispielen soll dem potentiellen Leser ein Eindruck vermittelt werden, auf welcher Ebene sich die weitere Argumentation von Tiplers Buch bewegen wird. Dazu noch ein paar charakteristische Kapitelüberschriften:

Theologische Implikationen: Allgegenwart, Allwissenheit und Allmacht.
Theologische Implikationen: die universelle Wellenfunktion als Heiliger Geist
Beweis für das Postulat des ewigen Lebens
Wie der Omegapunkt das physikalische Universum erschafft
Soziale Unsterblichkeit als Konsequenz der Omegapunkt-Theorie
Die physikalischen Mechanismen individueller Auferstehung
Wann werden die Toten auferstehen?
Warum werden die Toten auferstehen?

Alle Themen christlicher Theologie werden behandelt, die klassischen Antworten finden jeweils ihr Analogon in Eigenschaften des Omegapunktes. Nur eine einzige Einschränkung könnte vonnöten sein: "Der Omegapunkt ist (wahrscheinlich) keine dreieinige Gottheit".

Um selbst die physikalische Basis des Buches beurteilen zu können, muß der Leser auf diesem Gebiet Fachmann sein. Das Buch baut auf sehr speziellen Eigenschaften bestimmter kosmologischer Modelle auf. In diesem Bereich hat der Autor selbst gearbeitet und publiziert. Kosmologische Singularitäten sind ein aktuelles Forschungsgebiet, auf dem allerdings noch kein Konsens der Fachleute besteht.

Eines dieser Modelle deswegen zu favorisieren, weil es den Autor zu Phantasien über Parallelen mit der klassischer Eschatologie anregt, ist als wissenschaftliches Vorgehen natürlich nicht mehr gedeckt. Der Autor erweckt allerdings genau diesen Eindruck wissenschaftlichen Vorgehens - so in seiner oben genannten Ankündigung, die Existenz Gottes und andere eschatologische Sachverhalte berechnen zu können.

Aber selbst wenn die Thesen dieses Buches wissenschaftlich nicht gedeckt sind, so könnten sie immer noch interessante Spekulationen aus der Welt der Möglichkeiten sein. Der Rezensent hat allerdings den Eindruck, daß es sich bei Tiplers Thesen keinesfalls um Spekulationen handelt, welche durch die wissenschaftliche Forschung angeregt wurden und deren Ausgang zu Beginn noch nicht feststand. Zu vermuten ist viel eher, daß das Ergebnis schon zu Beginn durch die christliche Eschatologie vorgegeben war und nun durch Analogien aus der Kosmologie das Gewicht eines wissenschaftlichen Resultats erhalten soll. So etwas nennt man ein apologetisches Vorgehen. Hier geschieht es in der Absicht, ein weiteres Mal eine scheinbare Übereinstimmung von Glauben und Wissenschaft zu propagieren. Das Buch endet in seinem populären Teil mit den Sätzen: "Die Wissenschaft kann nun angesichts des Todes exakt[kursiv] denselben Trost spenden wie einst die Religion. Die Religion ist nun Teil der Wissenschaft."

Tipler erinnert selbst an das etwa 50 Jahre früher erschiene Buch "Der Mensch im Kosmos" von Teilhard de Chardin. Teilhard hat damals die biologische Evolution zu einer kosmischen Evolution des Lebens erweitert und diese Entwicklung in einem Punkt Omega mit personalen Eigenschaften konvergieren lassen. Auch Teilhard hat seine Spekulationen als Wissenschaft angesehen. Sein Buch erregte damals großes Aufsehen. Zum einen wegen der Originalität seiner Gedanken, zum anderen, weil Teilhard als Mitglied der Jesuitenordens von seinen Vorgesetzten gemaßregelt und sein Buch von der katholischen Glaubenskongregation verboten wurde.

Teilhard de Chardin war originell, als er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das paläontologische Wissen seiner Zeit zur Verteidigung der christlichen Eschatologie heranzog. Auf den Rezensenten wirkt dasselbe apologetische Unterfangen bei Frank Tipler im Jahre 1994 einfach nur lächerlich und an den Haaren herbeigezogen.

Ein solches Buch könnte man in der Esoterikabteilung einer Buchhandlung erwarten. Hat sich das Lektorat des Piper-Verlages auch noch bei der 3. Auflage von dem wissenschaftlichen Anhang blenden lassen?

Joachim Wehler, München, im November 2007
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Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten
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