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In der "Kritik der reinen Vernunft" erklärt Immanuel Kant, die drei grundlegenden Probleme der Metaphysik (Gott, Freiheit, Unsterblichkeit) seien von der Wissenschaft nicht zu lösen. Frank Tipler, Professor für mathematische Physik, ist anderer Meinung. Seine Antwort: "Wahrscheinlich existiert Gott, wahrscheinlich haben wir einen freien Willen und wahrscheinlich gibt es ein Leben nach dem Tod".

Für sein Entwicklungsmodell des Universums benötigt er keine vitalen Kräfte. Er erklärt den Menschen und die Strukturen der Welt mit den Mitteln der Physik. Religiöse Glaubensbekenntnisse wie "Auferstehung von den Toten" und "Unsterblichkeit der Seele" seien physikalische Ereignisse.

Tipler hat mit renommierten Physikern wie Stephen Hawking und Roger Penrose zusammengearbeitet und gilt als Experte auf dem Gebiet der globalen allgemeinen Relativitätstheorie. Mit diesem Buch verlässt er den sicheren Boden der allgemein anerkannten Physik und begibt sich in den Bereich der Metaphysik. Er begründet die physikalische Omegapunkt-Theorie und verschneidet diese, entgegen den Warnungen seiner Fachkollegen, mit Begriffen und Vorstellungen der Theologie.

Die Omegapunkt-Theorie ist eine physikalische Theorie, die den mindestens 100 Milliarden Jahre in der Zukunft liegenden Endzustand des Universums behandelt. Der Omegapunkt ist das Gegenstück zur Anfangssingularität, die in der Kosmologie allgemein als Urknall bezeichnet wird. Der Begriff "Omegapunkt" geht auf den Jesuiten Teilhard de Chardin zurück. Das Universum kollabiert im Endzustand und Leben geht im Omegapunkt auf.

Eine physikalische Interpretation der Welt setzt voraus, dass man den Menschen als eine besondere Art von Maschine betrachtet, mit einem Gehirn als Träger der Informationsverarbeitung und der Seele als Software. Hierfür wird die Welt in Quanten zerlegt und auf dieser untersten Ebene der physikalischen Strukturen der Mensch als ein Bündel quantenmechanischer Zustände definiert.

Das Verhalten des Universums wird, abgeleitet aus der allgemeinen Relativitätstheorie, im Laufe der Zeit chaotisch. Um das Chaos zu vermeiden, wird intelligentes Leben in ferner Zukunft die Freiräume in den physikalischen Gesetzen nutzen, um den Verlauf des Universums zu beeinflussen. Dies sei erforderlich, um überleben zu können.

Die Menschheit wird den Weltraum kolonisieren, da biologisches Leben auf der Erde langfristig dem Untergang geweiht ist. Für die Kolonisierung des Weltraumes sind Sonden mit sich selbst reproduzierenden Konstrukteuren erforderlich, also Maschinen, die andere Maschinen generieren können.

Tipler ist der Auffassung, dass jedes System einschließlich des Menschen durch eine endliche Anzahl von Quantenzuständen hinreichend definiert ist und daher nichtbiologische Trägermedien denkbar sind, auf die die Informationen, die das Leben ausmachen, implementiert werden können. Die Omegapunkt-Theorie setzt voraus, dass Leben nahe dem Omegapunkt die Kontrolle über alle Materie und Energiequellen erlangt.

Der Autor entwirft eine Computermetaphysik und erklärt damit die Auferstehung. Die physikalische Auferstehung besteht darin, dass Leben in den Computern der fernen Zukunft (nahe des Omegapunktes) emuliert wird. Dies betrifft nicht nur den einzelnen Menschen, sondern die gesamte Welt. Mit den Jenseitsvorstellungen der großen Religionen hat Tipler keine Probleme, da diese weitgehend mit den Erkenntnissen der modernen Physik in Einklang stehen.

Tipler verwendet in seiner Theorie ausschließlich Bausteine der Physik und vernachlässigt die Strukturen, mit denen Biologen, Neurologen oder Soziologen arbeiten. Durch Selbstorganisation emergieren in der Natur (aus den Grundbausteinen der Physik) neue Entwicklungsstufen bis hin zu lebenden Strukturen, die jeweils ihre eigenen Werkzeuge und Interpretationen benötigen. Diese Strukturen sind nicht physikalisch erklärbar. Tipler muss sich daher den Vorwurf gefallen lassen, eine extrem reduktionistische Position zu vertreten.

Wissenschaftliche Theorien gelten in ihrem eng umrissenen Definitionsbereich. Extrapolationen oder die Verknüpfung von unterschiedlichen Theorien führen zu verwässerten Ergebnissen. In diesem Sinne hat Tipler keine wissenschaftliche Theorie, sondern eine naturwissenschaftliche Religion kreiert.

Ich hätte es begrüßt, wenn Tipler die Religion aus seinem Buch heraus gehalten oder zumindest in einem separaten Kapitel behandelt hätte. Auch wäre eine klare Trennung zwischen anerkannten physikalischen Grundlagen und darauf aufbauenden Spekulationen hilfreich gewesen. Tiplers provokante These "Theologie wird ein Teilbereich der Physik" beruht auf einem Kategorienfehler; damit überspannt er den Bogen. Mit Tiplers Theorie gibt es eine fantastische Theorie mehr auf dem Markt der Möglichkeiten.
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am 24. August 2001
Zunächst: ich wünsche jedem der Tiplers Buch mit Freuden und Genuß gelesen hat und noch lesen wird von ganzem Herzen viel Spaß bei der Lektüre und meine das ganz ohne Ironie. Dennoch: Ich gehöre zu den bedauerlichen Zeitgenossen, die sich in Spitzfindigkeiten ergehen und bin doch relativ unerregt, in der Feststellung, daß Tiplers Buch tatsächlich zutiefst reduktionistisch ist. Dies ist keine wütende Diffamierung, sondern etwas was Tipler selbst an unzähligen Stellen im Buch erwähnt und dem er sogar ein ganzes Kapitel "Die Definition von Reduktionismus" gewidmet hat. Und so folgt in diesem Kapitel denn auch der Satz: "Meine Behauptung, der Mensch sei ein quantenmechanisches Objekt, exakt beschreibbar durch ein Computerprogramm, das 10 hoch 45 Informationsbits codieren könnte, ist eine ontologisch reduktionistische Aussage." Kein Frage, Tipler bekennt sich zu seinem Reduktionsmus, das kann also nicht ernsthaft der Streitpunkt sein. Spannender ist doch die Frage, ob der Mann damit Recht hat. Ontologie, das ist richtig, ist die Lehre vom Sein, aber Tiplers Definition von Ontologie ist eine eigenwillige, zumindest nicht die einzig mögliche. Heidegger hat sich zu diesem Thema in "Sein und Zeit" ausgelassen. Es ist für mich keine Frage, daß ein Computer irgendwann den Turing-Test bestehen wird, aber Tipler meint, daß die Gesamtheit aller menschlichen Erfahrungen (also die Weltseele) dereinst, abgespeichert werden kann. Die Weltseele ist dann also im Computer. Dies ist eine Spekulation, eine mögliche, aber immerhin eine Spekulation. Die mystischen Erfahrungswissenschaftler kommen gerade zu dem umgekehrten Schluß, alles ist in der (Welt)Seele. Ob heute oder gestern, dies ist nun einmal die Botschaft der Mystik, nicht durch verklärte Träumerei sondern durch ein Gehen von Schritten hin zur Seele (und darüber hinaus). Das Problem einer Behauptung die religiöse Dimensionen auf physikalische Bereiche reduzieren will ist immer dasselbe: Die Physik beschäftigt sich mit den simpelsten Bausteinen (auch wenn sie hochkompliziert und immens spannend sind, das sei nicht in Abrede gestellt), nämlich der toten Materie. Wenn aus dieser toten Materie Leben wird, zum Beispiel ein Hund, dann kommen ganz andere Gesetzmäßigkeiten, als rein physikalische, hinzu. Biologie ist in diesem Sinne schon metaphysisch, wer's nicht glaubt möge sich von einem Physiker erklären lassen, warum ein Hund mit dem Schwanz wedelt. Eine Ebene drüber finden wir die menschlichen Interaktionen, fragen Sie mal einen Physiker, warum, aus physikalischer Sicht, ein Krieg ausbricht. Oder wie eine Neurose entsteht. All dies kann die Physik nicht. Ausgerechnet zu den tiefsten Fragen der Sinnsuche und Unsterblichkeit will die Physik dann wieder kompetent sein. Ist sie es? Nein, sie bügelt alles platt, zerrt alles aus dem viel höheren Kontext auf die platteste aller Ebenen, eben der toten Materie, und dies ist in der Tat Reduktionismus. Tipler versucht sicherlich in bester Absicht, die Dimensionen und den Blickwinkel der Physik zu erweitern und die Absicht ist wunderbar. Mir stellt sich die Frage, ob dies mit den Mitteln der Physik gelingen kann und das glaube ich nicht, aus oben genannten Gründen. Tipler ist mit Sicherheit ein exzellenter Physiker, ich habe nur den starken Verdacht, daß wenn Tipler über Religionen und Jenseitsvorstellungen schreibt, er den Fehler macht alles seinem Lieblingskonzept unterzuordnen. Tipler bedient damit die Menschen, die von herkömmlichen Religionen enttäuscht, trotzdem den Wunsch nach mehr Tiefe haben, als die übliche Naturwissenschaft vermitteln kann und es ist insofern eine wunderbare Diskussionsgrundlage. Deshalb würde ich niemandem abraten, sein Buch zu lesen und zu diskutieren, ich würde nur dazu raten, auch andere Positionen zur Kenntnis zu nehmen, deren Grundansatz nicht allein auf der Physik beruht. Wenn Tipler über Religionen schreibt, so ist dies nicht unbedingt falsch nur entsetzlich oberflächlich. Desweiteren hat Tipler gelinde gesagt eigenwillige Vorstellungen über Moral. Wer ein wenig Kohlberg, Habermas, Kant, Wilber, Gilligan, Piaget, Freud oder so gelesen hat wird über Tiplers Ansicht, Auseinandersetzungen würden in Fragen der Moral nicht über "grundlegende moralische Prinzipien bestehen, sondern über Tatsachen" (S.398) geführt, nur wundern. Moral fragt nie ob etwas gemacht werden kann, sondern ob und warum (oder nicht) etwas gemacht werden sollte. Sollte man Menschen klonen, warum ist Mord schlecht, wie entwickeln sich moralische Prinzipien, gibt es primitive und hohe moralische Ansichten, zu all dem findet man in Physikbüchern schlicht nichts. Tipler hat das Recht all die Fragen auf seine Art zu beantworten und die Antworten aus Gebieten der Psychologie, der Moralforschung, der Spiritualität nicht in Tiefe zur Kenntnis zu nehmen, aber nur deshalb (weil sein Wissen dieser Gebiete keine Tiefe besitzt) passen sie ja scheinbar so perfekt in sein System. Das Buch hat sicher auch Stärken und es ist ganz interessant geschrieben, man lernt eine Menge und vielleicht wird ja in Menschen die wissenschaftlich zu denken verstehen, noch eine andere Dimension geweckt, immerhin hat uns alle ja etwas dazu bewogen das Buch zu lesen oder lesen zu wollen. Es ist nicht das Problem, daß Tipler religiöse Aspekte miteinbezieht, sondern wie es sie miteinbezieht. Wäre Tipler nun der erste seiner Zunft der einen Brückenschlag versuchte, wäre das alles ja noch verzeihlich, aber es sind inzwischen zu viele, die leider häufig gleichermaßen fragwürdig Synthesen zu erzwingen suchen. Es geht aber auch anders, wenn man schlicht erkennt, daß die Physik in religiösen Breichen ihre Gültigkeit verliert und umgekehrt. Selbst die großen Physiker der vorletzten Jahrhundertwende, waren nie der Meinung, Physik, könnte/würde/sollte die Mystik beweisen oder untermauern, sie alle waren sowohl Physiker als auch Mystiker, aber keiner warf diese beiden Dinge in einen Topf. Und das ist ein kolossaler Unterschied zu Tiplers gescheitertem Versuch. Damit will ich es bewenden lassen und freue mich über die Diskussion, die das Buch auslöst.
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am 3. März 2000
Frank J.Tipler hat mit seinem Buch "Die Physik der Unsterblichkeit" ein mindestens ebenso komplexes wie provokantes Buch geschrieben:Theologie hält er für einen Teilbereich der Physik und eine allumfassende Gottheit für eine logisch nachvollziehbare Tatsache.Für viele steht das Buch damit schon im Ruch der Esoterik.Aber als Professor für Mathematik und Physik(inclusive Astrophysik) und als eine international anerkannte wissenschaftliche Aurorität kann seine Theorie nicht so einfach abgetan werden, zumal er damit in einer Reihe mit anderen Physik Grössen wie Stephen Hawking steht. Das Buch versucht in der Tat mit physikalischen,mathematischen und astrophysikalischen Berechnungen die Existenz von Gott,eines letzten "Omegapunktes in der Entwicklung des Universums und die letztendliche Auferstehung der Toten nachzuweisen.Dabei ist es dennoch auch für wissenschaftliche Laien leicht verständlich und gut lesbar geschrieben.Mit zahlreichen Bezügen zu Religion und Philosophie überprüft der Autor wie seine Theorie mit den jeweiligen Lehren übereinstimmt.Lediglich der wissenschaftliche Anhang ist wohl nur für studierte Physiker und Mathematiker verständlich. Trotzdem ist das Buch für wissenschaftlich und/oder religiös Interessierte empfehlenswert.
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am 7. Februar 2013
Der Autor stellt Theorien auf, von denen er selbst zu genau weiß, dass sie derzeit nicht falsifizierbar oder virifizierbar sind.
Aber - er lässt den Leser darüber keinen Augenblick im Unklaren, sondern mir scheint, er will dazu anregen bei den vielfältig denkbaren Möglichkeiten auch diese nicht außer Acht zu lassen.

Man muss sich intensiv mit der Materie beschäftigen und, so man kein Physiker ist, gelegentlich mehrfach lesen oder Fachleute fragen.

Das Buch empfehle ich allen,die alternativen Wege im Denken - versuchsweise - folgen oder sie prüfen möchten.

Eine intellektuelle Herausforderung, der man ruhig einmal nachgeben kann.
Der eigene Horizont wird durch die Lektüre des Werkes nicht kleiner, sondern m.E. weiter.
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am 22. März 2016
So etwas habe ich bisher noch nicht gelesen. Hier geht knallharte Physik im Versuch auf, Gott, Seele und ein Leben nach dem Tode zu beweisen. Es ist ein sehr anstrengendes und schwieriges Lesevergnügen. Insbesondere der theoretische Teil im Anhang ist für Nicht-Fachleute kaum zu verstehen. Es empfiehlt sich eine wiederholte Lektüre.
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am 23. Juli 2002
Es ist schon eine Weile her, daß ich dieses Buch gelesen habe! Die Idee, daß ein Physiker die Weltreligionen "vereinen" kann - mithilfe einer physikalischen Theorie - ist schon sehr interessant. Die (schwer verdauliche) Theorie ist in sich auch logisch, geht jedoch von gewissen Voraussetzungen aus. Was mir dabei aufgefallen ist, ist, daß letztlich auch jede Religion Voraussetzungen hat, damit die einzelnen "Theorien" aufgehen. Meine Quintessenz aus dem Buch ist, daß letztlich diverse Theorien miteinander konkurrieren, welche nun wahr ist, kann man nicht sagen. Es hängt eben von den Voraussetzungen ab. Tipler beschränkt den Menschen auf Informationseinheiten. Es ist in der Tat sehr reduktionistisch, aber nicht widerlegt! Vielmehr scheint gerade dieser Punkt Sinn zu machen! Denn wer sich mal die Entwicklung der Informationsverarbeitung der letzten Jahre anschaut, weiss, wohin die Reise geht. Ich bin mir ziemlich sicher, daß es in 20 oder 30 Jahren Systeme gibt, die sowohl so denken wie ein Mensch als auch fühlen! Wer kann denn widerlegen, daß die Chemie und damit die physikalische Ebene verantwortlich für emotionales "menschliches" Handeln ist? Keiner! Ein Mensch hat eine Seele, so wird gesagt! Und ein Hund? Ein Hamster? Eine Fliege? Eine Bakterie? Wo ist die Grenze? Wahrscheinlich gibt es keine Grenze, genau das ist mein Fazit aus dieser Gesamttheorie Tiplers.
Das Buch ist daher eine exzellente Grundlage für lange Gespräche, ob man diese Theorie annimmt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen!
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am 30. Dezember 2008
Wie man es von amerikanischen Professoren gewohnt ist, beschreibt der Autor komplexe Zusammenhänge (einigermaßen) verständlich.
Der mathematische Teil war selbst für mich (promovierter Naturwissenschaftler mit mathematischer Neigung) fast nicht zu verstehen.
Natürlich sind die Überlegungen des US-Physikers Tipler manchmal für uns Europäer "hirnrissig": Was macht die Menschheit (wenn es sie noch gibt), wenn in 5 Milliarden Jahre die Sonne "verschwindet" bzw. in 100 Milliarden Jahren das Universum?
Der größte Wert dieses Buches liegt für mich aber darin, dass der Autor sich mit allen philosophischen und religiösen Erscheinungsformen bzw. Erklärungsformen des "Himmels", der "Hölle", bzw. der "Wiederkehr" auseinandersetzt. Seine physikalischen Deutungen sind Geschmacksache und helfen vielleicht dem einem oder anderen, die Angst vor dem ENDE zu verlieren.
Tipler sieht den Menschen als Hardware (Körper) und Software (Geist) und beweist, dass es physikalisch nicht unmöglich ist, bei hinreichend genug Speicherplatz zumindest die "Software" (unsere Seele) wiederauferstehen zu lassen.
Facit: Sehr interessant und (bis auf den unverständlichen mathematischen Teil; etwa 30 % des Umfanges) für Menschen, die sich für die Fragen des "Jenseits" beschäftigen, äußerst gewinnbringend.
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am 20. November 2013
Ein Physik-Professor aus New Orleans schreibt über die Auferstehung der Toten?
Ja - die soll es geben, wenn es eine fortschreitende Entwicklung des Lebens über die kommenden Jahrmillionen bis -milliarden gibt, die schließlich das gesamte Universum vereinnahmt und bei entsprechender Informations-Sammelwut sämtliche Organismen der Vergangenheit als perfekte Simulation wiederauferstehen lässt (die dann bis hin zu quantenhaften Details ununterscheidbar von der Realität wären). Noch dazu bräuchte es dafür ein Universum, das in der fernsten Zukunft ganz bestimmten Rahmenbedinungen genügt, damit das Leben in der Lage ist, es so zu nutzen, dass bis zu einem gewissen Punkt (dem "Omegapunkt") die Informationsmenge ins Unendliche wachsen kann. Dann wäre auch das subjektive Erleben in der simulierten Welt das der Unendlichkeit - man würde folglich ewig leben.
Das ganze Buch lang hat mich der Verdacht beschlichen, hier versucht jemand auf hohem wissenschaftlichen Niveau, sich die Welt wunschgemäß zurechtzubiegen. Noch dazu schleicht der Verdacht, Herr Tipler wolle sich selbst unsterblich machen.
Bis zu einem gewissen Grad ist es faszinierend, bestimmten Gedankengängen zu folgen, die in sich logisch und wissenschaftlich untermauert sind. Dann aber geht es straff in Richtung Wunschdenken und Spekulation, verbunden mit seltsamen Erörterungen über den religiösen Glauben an die Unsterblichkeit. Das gipfelt in der Ansicht, die Religionen sollten ein Teilgebiet der Physik werden.
Das Buch stammt von 1994 und wurde 2001 in deutscher Sprache herausgebracht. Die Entwicklung ist jetzt sicher weiter, und es wäre interessant, das Ganze von heute aus zu betrachten.
Letztlich war das Buch für mich interessant, da es einige gute Erläuterungen aktueller wissenschaftlicher Fragen und neben unbrauchbarem Zeug ein paar Denkansätze enthielt, die neu und faszinierend waren.
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am 22. Januar 2012
Kurz vor Ostern 1994 ist ein Buch erschienen, welches den Anspruch erhebt, eine "rein physikalische Theorie" der Auferstehung und Unsterblichkeit zu präsentieren. Sie soll mit allen Weltreligionen im wesentlichen übereinstimmen, doch erkennt der Autor immerhin, daß seine Theorie mit der christlichen Erlösungsbotschaft (die sowieso Unsinn ist, unten mehr*) nicht leicht zu harmonisieren ist: "Gebet als Botschaft des Menschen zu Gott" ist und war schon immer sinnlos (S. 405), der "Körper Jesu ist im Grab verrottet" und die Zeugen seiner Auferstehung sind einer "kollektiven Halluzination" zum Opfer gefallen (S. 374). Schade, das Tipler Jesus nicht als das größte Medium aller Zeiten verstehen lernen kann. Und zugleich vertrat Jesus ja auch keine Kreutztodiedologie, oder gar einen Monotheismus. Genauso wenig wie Jesus eine Kirche aus Stein gegründet hat. Man lese die Bibel selbst und frage sich, ob es nicht die sie selbst ist, die das religiöse Gefühl verletzt, und weniger derjenige der sie referiert. Was ist dann nach Ansicht des amerikanischen Physikprofessors Frank J. Tipler Auferstehung?. Am Ende der Evolution (dem sog. "Omegapunkt" = Paradies) wird es gigantische Super-Computer geben, in denen alle überhaupt möglichen Kombinationen von menschlichen Genen und Gehirnzellen samt Gedächtnis programmiert werden können. Dieser Supercomputer (= Gott/in?) wird am "Omegapunkt" alles in allem, also vollkommen sein und somit auch sämtliche vergangenen Lebensformen beinhalten müssen. Körperliche Auferstehung ist aber nach Tipler unmöglich, doch hier kann der Superrechner aushelfen. Die Programmierung (= "Emulation") aller toten Menschen in den Computern der Zukunft ist der "physikalische Mechanismus der Auferstehung" (S. 273).

Unter den unvorstellbar vielen möglichen Computersimulationen werden zwangsläufig auch Du und ich sein. Damit ist also nicht die leibliche Auferstehung des Neuen Testamentes gemeint (um beim Christentum zu verbleiben, welches Tipler so scharf kritisiert!) – die Auferstehungswelt Tiplers ist eine virtuelle Realität, eine nur im Computer existierende Scheinwirklichkeit. Tipler setzt sich hochgesteckte Ziele: Er möchte die Begrifflichkeit der Religion in physikalische Konzepte fassen, damit am Ende die Wissenschaft die Religionen ablösen und angesichts des Todes den "gleichen Trost wie diese spenden kann" (S. 407). Wie das schon zuvor beispielsweise der Genetiker Carsten Bresch in seinem Buch "Zwischenstufe Leben" getan hat, setzt Tipler eine evolutionär geprägte Naturphilosophie ausdrücklich an die Stelle Gott oder der Göttin. Er vertritt einen extremen Reduktionismus, welcher besagt, daß der Mensch nichts anderes als ein intelligentes, hochentwickeltes Tier ist: "Die Seele ist ein spezielles Programm, das in einer Gehirn genannten Rechenmaschine abläuft" (S. 24/25). Obgleich vielfach vorgebracht, ist eine solche Anschauung empirisch nicht begründbar. Hierbei verweise ich auf Dr.Michael König, Dr.rer.nat.Volkamer, Thomas Campbell (youtube Videos nachschauen), Dr.Rupert Sheldrake, Dr. Pim van Lommel u.v.m. Die keineswegs "rein physikalische", sondern in Wirklichkeit religiöse Anschauung Tiplers weist ein für den modernen Menschen wichtiges Merkmal auf. Man kann damit nämlich, so der Autor, die Zwangsläufigkeit einer Auferstehung am Ende der Zeit ohne Endgericht "beweisen". Die Botschaft: Wir kommen alle, alle in den (Computer-) Himmel!. Die solcherart Auferstandenen sind darüber hinaus unsterblich, weil man von ihnen auf Super-Disketten multiple Sicherheitskopien anlegen kann. Wie tröstlich. das Buch fand ich trotz einiger interessanter denkanstöße aufschlußreich. Aber die insgesamte Botschaft ist nicht mein Fall.

*
Die Bibel enthält nahezu nichts, was nicht schon frühere Religionen zu ihrem Gedanken- und Glaubensgut zählten: Jungfräuliche Zeugung, Krippengeburt, Heiligmässiger Erdenwandel als "Sohn Gottes", Weissagungen, Wunderheilungen, Auferweckung von Toten, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Sogar die Dreifaltigkeit - alles schon gehabt. Göttersöhne sollen übrigens nach dem Tod zu Hauf wieder auferstanden sein. Und - schmunzeln sei erlaubt - sogar der Stein vor dem Grabmal Jesu ist ein Relikt aus einer älteren Religion. In den Mysterienreligionen wurde die Eucharistie nahezu gleich gefeiert wie in der katholischen Kirche, sogar das Kreuzzeichen fehlte nicht. Einzig die aufgerufene Gottheit hatte verständlicherweise einen anderen Namen. Dahingehend: Um das aber alles wirklich und richtig widerlegen zu können – was kaum möglich erscheint (!) -, müssten die das zunächst einmal kennen, was aber, wen wunderst - die meisten schon nicht kennen bzw. jemals davon gehört zu haben scheinen. Das ist Stoff für Orientalisten an der Uni. Von normalen Gläubigen kann man das nicht verlangen und von Fundamentalisten noch nicht mal erwarten, da sie bekanntlich mit Brainwash & Scheuklappen durchs Leben laufen. Es ist tragikomisch, genug – gibt es im Christentum absolut nichts, was nur den geringsten Anspruch hätte auf geistiges- oder religionsgeschichtliche Originalität. Denn von seinen zentralsten Gedanken bis zum periphersten Brauch wurde alles von „Heiden“ oder Juden rezipiert: die Predigt vom nahen Reich, die Gotteskindschaft, die Nächsten- und die Feindesliebe, die Messias- und Heilandsidee, die Prophezeiungen des Erlösers, seine Herabkunft, wunderbare Geburt durch eine Jungfrau, Anbetung durch die Hirten, seine Verfolgung schon in der Wiege, sine Versuchung durch Satan, sein Lehren, Leiden, Sterben (auch am Kreuz), sein Wiederaufstehen (auch selbst dieses Schwanken der Evangelien hat seine Ursachen offenbar darin, dass man die Auferstehung des Gottes Osiris am dritten, die des Gottes Attis am vierten Tag nach seinem Tod beging), sein leibhaftiges Erscheinen vor Zeugen, seine Höllen und Himmelfahrt, die Erbsündenlehre, die Prädestinationslehre, Trinität, Taufe, Beichte, Kommonion, die Siebenzahl, der Sakramente, die Zwölfzahl der Apostel das Apostelamt, das Amt des Bischofs, des Priesters, des Diakons, Sukzession, Traditionsketten, Gottesmutter, Madonnenkult Wallfahrtsorte, Votivtafeln, Reliquenverehrung, Weissagung Wunder wie Wandel auf dem Wasser, Sturmbeschwörungen, Speisenvermehrungen, Totenerweckungen – wozu die Aufzählung: nichts ist neu!. Und all dies kehrt im Christentum nicht etwa nur äußerlich wieder, nur als formale Analogie, als bloße Parallelität der Riten, sondern mit denselben Bedeutungsgehalten, es lebt nur unter anderem Namen fort und oft nicht einmal dies.

Theismus Gegensteuerung: Vergegenwärtigt man sich das ungeheure Ausmaß an Leiden in der Vergangenheit und Gegenwart - Schmerzzufügung von Seiten anderer Menschen, aufgrund von Krankheiten oder sonstigen, nicht von Menschen hervorgerufenen Ereignissen, psychische Leiden etwa durch körperliche Entstellungen, tiefe Enttäuschungen und Depressionen, Verzweiflung bis zur Selbsttötung, aufgrund nicht erfüllter basaler Lebenserwartungen und Bedürfnisse, millionenfacher Hinschlachtung unschuldiger Menschen, auch von Kindern aller Alterstufen, Trennung von Müttern und ihrer unmündigen Kinder durch Krankheit und Tod, nicht zuletzt auch in der Vergangenheit durch kirchlich gutgeheißene Verfolgung als Hexen, gemeinte Erniedrigungen von Menschen, und die vollständige Brechung ihres Selbstwertgefühls, von den Grausamkeiten und Gewalttätigkeiten in der nicht menschlichen Natur ganz zu schweigen, usw. usw -, so ist man versucht zu sagen: Die christlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften bestehen nur deswegen angesichts all dieser schreienden Widersprüche zur Verkündigung eines gleichzeitig allmächtigen, allwissenden und unendlich liebevollen und gütigen Gottes weiter, weil die Vorstellungskraft der meisten Menschen zu schwach oder zu abstrakt verbildet ist, sich das ganze Ausmaß dieser Leiden und Greuel vorzustellen. Überwindet man sich durch die Gewohnheit eingetretene Abstumpfung und Vergegenwärtigt man sich all dies, so fällt es schwer zu verstehen, wie angesichts dieser erdrückenden Tatsachen ein einigermaßen zu rationalem Denken und Wahrnehmung eindeutiger Wiedersprüche fähiger Mensch an einen gleichermaßen allmächtigen wie unendlich gütigen und liebevollen Gott, der darüber hinaus ja die unendliche Liebe selbst sein soll, glauben kann, züge man auch hier wieder nicht die ungeheure Wirkkraft frühkindlicher und kindlicher Suggestion und die Korrumpierbarkeit des menschlichen Verstandes durch Wunschdenken in Betracht.

Man hat ja schon oft darauf verwiesen, das mit der Interpretation des Kreuzestodes Jesu wie absurd und widersprüchlich diese These vom gleichzeitig allmächtigen, alles bewirken und verhindern könnenden und dennoch mitleidenden, solidarischen Gott jedem noch einigermaßen klar Denkenden erscheinen müsste, umso mehr, wie wir eben schon eindeutig nachgewiesen haben, als derselbe Gott diesen Kreuzestod nach mehrfachen und eindeutigem Zeugnis nicht nur akzeptiert, sondern darüber hinaus ausdrücklich gewollt hat. Auch das zweite antinomi Element dieses christlich-biblische Grundwiederspruch wird so von vielen nicht geleugnet, sondern vielmehr, wieder konsequent nach kirchlicher und biblischer Lehre, ausdrücklich herausgestellt. Trotz aller Leiden und Gräuel der vom biblischen Gott bis ins kleinste gelenkten Geschichte ist der Gott der Bibel, der Gott Jesu nach christlich seltsamen denken immer wieder nur ein Gott grenzenlosen Erbarmens und alles ersteigender Güte. (Man denke nur kurz einmal an Hexen- und Ketzerverbrennungen, Hieroshima oder Ausschwitz usw. usw. ) Man muß diese Ausführungen chrsitlicher Gläubiger dann ja gar zweimal lesen, weil man angesichts der Abenteuerlichkeit und der Zumutung der hier gebotenen „Argumentation“ zunächst seinen Augen nicht traut. Jesus kennt alle Grausamkeit, alles Leid und allen Schmerz dieser Welt. Er glaubt an einen Gott, der der allmächtig-absolute und allwissende Lenker alles Geschehenes ist, der sich um jeden Sperling und jedes Haar kümmert, „der zum alles in dieser so gar nicht heilen Welt weiß und ohne den nichts geschieht“. Anstatt nun die für jeden noch einigermaßen klar denkenden notwendige Schlussfolgerung zu ziehen, dass dieser Gott entweder nicht existieren oder nicht gleichzeitig allmächtig und allwissend und unendlich gütig und liebevoll sein kann, setzt sich dieser christliche Jesus einfach über diesen eindeutigen Sachverhalt hinweg und behauptet angesichts des unendlichen, von Gott selbst bewirkten oder nicht verhinderten Leids („ohne den nichts geschieht“), dieser Gott sei ein fürsorglicher, unendlicher gütiger Vater, auf den man sich vertrauensvoll verlassen könne, ja, der unsere Sorgen als überflüssig erscheinen lässt.“ Diesen Denkverzicht, d.h. den Verzicht, die argumentativ allein möglichen Schlüsse zu ziehen und statt dessen einfach in logisch absurder Weise das Gegenteil zu behaupten, diesen Sprung aus dem radikal-klaren Denken in das bare Wunschdenken, basierend auf dem Bedürfnis, angesichts der aufgezählten Leiden bei einem himmlischen fürsorglichen Übervater seine Zuflucht und Anlehnung zu finden, diese Abdankung und Bankrotterklärung des eigenen Denkens nennen Christen eine „praktische Antwort auf die Theodizeefrage“
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am 8. Februar 2009
Der Physikprofessor Tipler sagt die gigantische Rechenkapazität künftiger Computer voraus, die, wenn wir hoffentlich noch genug Energie zu ihrer Versorgung und eine geeignete Hirn/Rechner-Schnittstelle haben, unsere Gedankeninhalte vor dem physischen Tod aufspielen, abspeichern und weiterdenken lassen können.
Nicht nur das, auch die längst Verstorbenen mit ihren charakteristischen individuellen Eigenschaften sollen zurückberechnet und zu neuem Leben erweckt werden. Das Bewußtsein ist ohnehin nur ein Trugschluss einer selbstreferenziellen Schaltung und Hirnschleife.
Das klingt nun alles ein wenig überdreht, doch schafft Tipler das Kunststück, die kühnen Thesen und Voraussagen ohne irgendwelchen religiösen Ansatz (die Religion spielt nur eine Nebenrolle) recht stringent und logisch formuliert als machbar erscheinen zu lassen, ja sogar zwingend erforderlich können sie eines Tages werden, dankt man Tipler bis zur letzten Konsequenz zuende.
Ich bin kein Naturwissenschaftler, finde aber mit mit fachfremder wissenschaftlicher Ausbildung, daß der Autor keine argumentativen Lücken läßt. Das Buch ist z.T. auf vehemente Kritik der Kollegen gestoßen, doch scheint sein Ansatz dadurch nicht unwahrscheinlicher zu werden. Ein Leben im Rechner, warum nicht? Putnam hat ja bereits die bewußtseinstheoretische Grundlage an verschiedener Stelle diskutiert.
Das Buch enthält einen mathematischen Teil mit Berechnungen, die sind für die meisten ein Buch mit sieben Siegeln.
Dennoch allemal eine faszinierende Gedankenreise für Hirnjunkies. Als theologische Konsequenz: Kein Himmel, keine Hölle, wozu auch?
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