holidaypacklist Hier klicken BildBestseller Cloud Drive Photos TomTom-Flyout Learn More Wein Überraschung designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic GC FS16

Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen125
4,5 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

1-10 von 27 Rezensionen werden angezeigt(4 Sterne). Alle Rezensionen anzeigen
am 20. November 2006
"Dichtung ist Geschichte, die hätte stattfinden können", schreibt Irvin D. Yalom in seinem Nachwort zur neueren Ausgabe des Romans "Und Nietzsche weinte". Zumindest in seinem Fall muss man ihm nicht nur Recht geben, sondern hinzufügen, dass so verstandene Dichtung den Leser im günstigen Fall nicht nur belehrt, sondern unterhält, im besten aufklärerischen Sinne also: prodesse et delectare.

Wien in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts: An den Allgemeinmediziner Josef Breuer wird von einer für den damaligen Zeitgeist erstaunlich selbstständigen jungen Frau namens Lou Salomé die Bitte herangetragen, sich um den von Depressionen und Migräneanfällen heimgesuchten Philosophen Friedrich Nietzsche zu kümmern. Breuer versucht, sich auf ungewöhnliche Art und Weise um den Fall zu kümmern. Er vertauscht die Rollen und bittet Nietzsche, ihm selbst bei seiner eigenen Verzweiflung als Berater zur Seite zu stehen, da seine Gedanken von dem Verlangen nach einer ehemaligen Patientin beherrscht würden. Die Sitzungen der beiden führen den Arzt immer mehr zu der Erkenntnis, dass die von ihm zunächst nur vorgetäuschte Empfindung Realität ist. Welche der mitunter erstaundlich modernen Behandlungsmethoden Nietzsche auch vorschlägt, nichts scheint Breuer dabei zu helfen, sich von seinen Obsessionen zu befreien. Stattdessen entfremdet er sich immer weiter von seiner Frau und seinem bürgerlichen Leben und und wird immer mehr von der Philosophie Nietzsches in ihren Bann geschlagen.

Yalom verknüpft in seinem Roman geschickt Wirklichkeit und Fiktion. Die real existierenden Personen werden von ihm in beinahe experimenteller Form miteinander in Verbindung gebracht und seine Kenntnisse der Protagonisten Breuer, Nietzsche und auch Siegmund Freud wird dazu genutzt, ein Schauspiel des "Was wäre wenn" zu inszenieren. Hinzu kommen fiktive Briefe und Tagebucheinträge, welche die scheinbare Authentizität des Geschehens ebenso bestätigen wie die Präzision, mit der der Autor das positive Wissen über die Personen dazu nutzt, sie ebenso präzise wie glaubwürdig darzustellen.

Ähnlich wie in seinem zweiten "Philosophen-Roman" (Die Schopenhauer-Kur) packt einen auch dieses Buch durch die unterhaltsam verpackte Einführung in das Werk eines bedeutenden Philosophen. Allerdings ist in diesem Zusammenhang auch darauf hinzuweisen, dass das jeweils als zweites gelesene Buch den Leser nicht mehr in demselben Maße überrascht und deshalb auch meiner Ansicht nach weniger begeistert, unter anderem, weil er einige der Gesprächsstrategien und Abläufe von psychotherapeutischen Sitzungen bereits kennt. Aus diesem Grund spiegeln die vier Sterne für diesen Roman weniger die minderwertige Qualität wider, sondern vielmehr der Erkenntnis, dass sich bei wiederholtem Gebrauch auch Buchideen abnutzen können.
0Kommentar|9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Dezember 1999
Von der ersten Seite an fühlt man sich in der Welt von 1882... Es fällt besonders auf, daß die Sprache dieser Zeit korrekt wiedergegeben ist (die Übersetzung muß auch besonders gut sein). Es stört mich oft sehr, wenn historische Figuren so sprechen wie wir heute, in diesem Buch ist das nicht der Fall. Die Idee des Buches ist witzig und interessant: historische Persönlichkeiten (der Rahmen und die Daten stimmen alle, ich habe es nachgeschlagen:Nietzsches Erkrankungen, sein unstetes Leben in Norditalien, seine unglückliche Beziehung zu Lou Salomé etc.) in neuen Kontexten zusammenzufügen. Man muß sich vielleicht ein bißchen für Psychologie bzw. die Psychoanalyse und Philosophie interessieren und ein wenig Geduld mitbringen, aber wenn man dies tut, ist die Lektüre sehr unterhaltsam und aufschlußreich. Spannend ist es vorallem auch, Nietzsche und sein tragisches Leben "kennenzulernen" und seine Philosophie dargestellt zu bekommen (Wille, Macht, ewige Wiederkehr etc.). Im zweiten Teil hätte ich ein bißchen mehr Handlung noch schöner gefunden, teilweise ist es ein wenig langatmig (wie halt Psychoanalysen auch sind...) Insgesamt aber: ein schönes Buch!
0Kommentar|16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Februar 2007
Und Nietzsche weinte" Irvin D. Yalom

Ein fiktiv-historischer Roman, der im ausgehenden 19. Jahrhundert vor allem in Wien spielt. Der noch völlig unbekannte und depressive und ständig kränkelnde Philosoph Friedrich Nietzsche und der angesehene Wiener Arzt Josef Breuer, dialogisieren nahezu endlos ihre Psyche aus. Dabei zeigt sich, dass beide mit ganz ähnlichen Defekten zu kämpfen haben, beide sind jeweils völlig unterschiedlichen Frauen obsessiv ausgeliefert. Es geht um die Suche nach geistiger und körperlicher Befreiung, wobei sich beide aus unterschiedlichen Richtungen einander nähern und so helfen. Auch der junge Sigmund Freud mischt kräftig mit und so haben wir es auch mit der Beschreibung der Anfänge der Psychoanalyse zu tun. Das Ganze liest sich durch die seltsame Ausdrucksweise manchmal recht anstrengend, der große Vorteil ist aber (ganz ähnlich wie uns in seinem späteren Werk Die Schopenhauer-Kur" eben Arthur Schopenhauer nahe gebracht wird) dass einem der große Philosoph Friedrich Nietzsche vorgestellt wird. Alle seine mehr oder weniger bekannten Zitate, wie mit den Frauen und der Peitsche, oder Stirb zur rechten Zeit", Breche die ehe bevor die Ehe dich bricht", Werde, wer du bist" etc... werden nun im Zusammenhang begreifbar und die große Einsicht, dass Liebe immer Verklärung und Projektion ist, ist zwar nicht neu, aber geht einem doch in dieser Intensität, ziemlich nahe.
0Kommentar|19 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Dezember 2008
Der bekannte Arzt Josef Breuer wird von der exaltierten jungen Russin Lou Salome bedrängt, ihren Bekannten, Friedrich Nietzsche, von dessen Verzweiflung und Besessenheit von ihr zu heilen. Mit Nietzsche und einem anderen Freund habe sie eine platonische Dreiecksbeziehung geführt, ehe Nietzsche sie verteufelt, da sie ihn zurückgewiesen habe. Breuer willigt schließlich ein, und Salome bringt Nietzsches Freunde dazu, ihn zur Behandlung zu überreden. Nach Rücksprache mit Sigmund Freud versucht Breuer, bisher nur Arzt für den Körper, in endlosen Gesprächen an Nietzsches Psyche heranzukommen. Doch Nietzsche gelingt es immer wieder, auf philosophische Metaebenen zu entkommen. Breuer hat schließlich die Idee, die Rollen zu tauschen: Er erzählt Nietzsche von einer angeblichen Obsession für eine Frau, die Salome ähnelt; die Sache entwickelt eine brisante Eigendynamik.

Die 443 Seiten bestehen überwiegend aus den Behandlungssitzungen, dazu gibt es Nietzsches Tagebuchauszüge und u.a. seine Briefe an Salome. Das Buch ist hübsch geschrieben, die Darstellung der eigenartigen Patient-Therapeut-Beziehung mit dem hochintelligenten Nietzsche gelungen: der Mann, dessen Ringen um Wahrheiten seiner persönlichen Heilung im Wege steht. Dazu immer wieder schön eingefügte Zitate aus "Menschliches, allzu menschliches". Dass der Roman eigentlich nicht funktioniert, weil ein Mensch, der angeblich so verzweifelt ist, dass er nicht mehr arbeiten kann, schwerlich so eloquent sprechen würde, verzeiht man, so schön ist "Und Nietzsche weinte" erzählt. Die Geschichte enthält viel Authentisches, außer dass Nietzsche und Breuer sich nie begegneten. Am Ende ein raffinierter Plot mit allerdings kitschigem Schluss; für mich hätten es auch 250 Seiten davon getan.
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Januar 2007
Yalom konstruiert eine fiktive Begegnung, die der depressive, menschenscheue und gesundheitlich stark angeschlagene Eigenbrötler Nietzsche 1882 mit einer bekannten Größe des Wiener Ärztestandes, Josef Breuer, gehabt haben könnte; beide -sowohl Nietzsche als auch Breuer- spielen hierin ein Versteckspiel, halten sich jeweils für den überlegenen Part, bis sich die Konturen verwischen und sie mehrfach ihre Rollen tauschen, wovon letztlich beide profitieren: beide lernen sich nicht bloß in ihr Schicksal zu fügen, sondern es zu wollen, es zu bejahen, es herbeizusehnen. Doch dafür gilt es erst das zu entzaubern, was in der Erinnerung beider mit einem Nimbus der Perfektion umgeben ist: eine unglückliche Liebe.

Gespickt mit einer Reihe von Aphorismen aus Nietzsches Werken lernt der Leser spielerisch einige Kernthesen aus Nietzsches Ideologie kennen, die -gerade weil sie einem schnellen psychotherapeutischen Erfolg kategorisch entgegenstehen- den Leser fesseln, da er sich fragt, wann endlich das Eis bricht und ob und wie sich der eine vom anderen helfen lassen wird. Das Buch ist spannend geschrieben und liest sich daher sehr flüssig, was es bereits deswegen empfehlenswert macht.

Zentrales Thema ist die Bewältigung einer unerfüllten, unglücklichen "Liebe" bzw dessen, was man für eine Liebe gehalten hat. Warum ist das so schwer und stürzt beide in eine Depression? "Das furchtbare Täuschungsmanöver der Liebe besteht ja darin, dass sie uns nicht mit einer Frau der äusseren Welt in Gedanken spielen lässt, sondern mit einer aus unserem eigenen Hirn entsprungenen Marionette, dem einzigen Bilde, das wir immer zu unserer Verfügung haben, das wir besitzen und das die Willkür unserer Erinnerung, fast ebenso unumschränkt wie der reinen Imagination, ebenso verschieden von der wirklichen Frau gestaltet haben kann, wie es das wirkliche Balbec von dem erträumten war, einer künstlichen Schöpfung also, der wir ganz allmählich zu unserer Qual die wirkliche Frau gewaltsam anzugleichen suchen." (aus Proust, Die Welt der Guermantes) Antworten auf eigene Fragen wird man hierin wahrscheinlich nicht finden, wohl aber sich bestätigt fühlen, wenn man wie Breuer und Nietzsche endlich den Ballast seiner eigenen "Bertha" über Bord geworfen hat. Beiden dämmert es, dass "man zuletzt seine Begierde liebt und nicht das Begehrte" wie Nietzsche resümmiert und das an Tolstoi erinnert : "Wir lieben die Menschen weniger um des Guten willen, das sie an uns taten, als um des Guten willen, das wir an ihnen getan haben." (Krieg und Frieden). Erst durch das Demontieren der vergötterten Frauen, auf die beide all ihre Hoffnungen projeziert haben, das Reduzieren derselben auf das, was sie sind -"Blut, Venen, Fett, Muskeln, Kot -alle Physiologie ist ein Greuel. Der Liebende bedarf des verklärten Blickes, er muss die Wahrheit leugnen."- schaffen sie es, ihr Gleichgewicht wiederzuerlangen. Jeder, der auf ähnliche Weise schon einmal eine Göttin demaskieren musste, wird hier sein Deja-vu erleben. Und das macht das Buch in jedem Falle lesenswert!
0Kommentar|8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Mai 2000
Eine höchst attraktive junge Frau sucht Dr. Breuer auf dessen Urlaubsreise in Venedig mit einem ungewöhnlichen Anliegen auf. Ein enger Freund von ihr - Nietzsche- leidet an einer mysteriösen Krankheit mit einer Vielzahl von Symptomen, die noch keiner der besten Ärzte heilen konnte. Die junge Dame - Lou Salomé- ist der Ansicht, dass Nietzsches Krankheit psychische Ursachen hat, und weiterhin, dass Breuer der geeignete Mann ist um ihm zu helfen. Nietzsche selbst jedoch sträubt sich vehement dagegen, für sein Leiden Ursachen in seiner Psyche zu sehen. Eine weiteres Problem ist die Tatsache, dass er sich mit Lou Salomé derart überworfen hat, dass er auf keinen Fall mitkriegen darf, dass sie die Behandlung eingefädelt hat. Breuer lässt sich von der bezirzenden Dame überreden, und wird, zurück in Wien, von Nietzsche in seiner Praxis aufgesucht. Ob es Breuer gelingt, Nietzsche zu helfen... Das soll der Leser/ die Leserin selbst herausbekommen. Versprochen sei ihm/ihr allerdings ein spannender Exkurs in die Philosophie und die Anfänge der Psychologie. In Wirklichkeit sind sich Breuer und Nietzsche nie begegnet, doch die Diskussionen zwischen den beiden berühmten Männern wirken derart echt und lebendig,dass man meint Irvin D. Yalom hätte Mäuschen gespielt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
0Kommentar|8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Es ist eine zwar fiktive, aber doch eng an Tatsachen und wahre Geschehnisse angelehnte Geschichte über Friedrich Nietzsche und den seinerzeit sehr bekannten Wiener Arzt Josef Breuer, einem der Väter der Psychoanalyse. Wien 1882, also Nietzsche auf der Höhe seines Schaffens, kurz vor der 'Geburt' seines Zarathrustra, deutlich vor seinem körperlichen und geistigen Verfall 7 bis 8 Jahre später.
Zunächst wird Nietzsche ohne sein eigenes Wissen von einer Dame namens Lou Salome, mit der er tatsächlich eine kurze, intensive Beziehung hatte, dem Arzt Dr. Breuer als Patient zugeführt. Er soll ihn von seelischen Nöten und vor allem von Suizidgedanken befreien.
Es entwickeln sich intensive Zwiegespräche, später regelrechte Rededuelle. Anfangs meint Breuer, das Heft in der Hand zu halten und das Ganze nach seinem Wunsch zu lenken, in der Absicht Nietzsche zu heilen. Doch bald kehren sich die Vorzeichen um. Die Wortgewalt und die radikalen philosophischen Ideen des damals weitgehend unbekannten Nietzsche treffen Breuer bis ins Mark. Nietzsche fordert das Zerschlagen aller alten Ideale, ein völlig neuer Anfang soll laut Nietzsche nötig sein, um ein erfülltes Leben zu führen. Man müsse sich erst verbrennen, um dann aus der eigenen Asche neu zu entstehen. Er zweifelt bekanntlich alles an, die Religion sowieso, jede Konvention wie Ehe, Familie, soziale Verpflichtungen, Bindungen. Das Ehegelöbnis müsse gebrochen, die Familie verlassen, alle sozialen Bindungen abgeschnitten werden. Nur dann könne man sein Leben in absoluter Freiheit leben und werden, wer man eigentlich ist. Nietzsche selbst lebt sein Leben auf diese Weise. Schließlich glaubt Breuer selbst, dass er unglücklich und in einem ungeliebten Leben gefangen sei, zumal seine Psyche durch eine nicht auflösbare, absolut platonische Obsession zu einer ehemaligen Patientin belastet ist. Er ist so weit, dass er Nietzsches radikalen Gedanken real zu folgen scheint.
Einzelheiten sollen nicht berichtet werden, um die zunehmende Spannung, die nach anfangs etwas langatmig erscheinenden Gesprächen entsteht, nicht zu zerstören. Am Schluss mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Als Fazit könnte man feststellen, dass die absolute totale Freiheit, die Nietzsche lehrt und tatsächlich auch lebte, für uns alltägliche Menschen unerträglich ist. Sie funktioniert nicht. Der Mensch ist ein soziales Wesen und benötigt sein Umfeld. Das gleiche Thema behandelt Saul Bellow in seinem Roman "'Der Mann in der Schwebe'" ebenfalls sehr eindringlich. (Siehe Rezension) Auch hier erlebt ein junger Mensch die absolute totale Freiheit und Unabhängigkeit von Allem. Er hat sie gewählt, er will sie leben. Er scheitert kläglich. Letztendlich 'schreit' er nach einem straffen Stundenplan, nach Unterwerfung, nach Lenkung und geht freiwillig zum Militärdienst.
Ein hochinteressanter, sehr gut zu lesender Roman des renommierten amerikanischen Psychiaters und Psychoanalytikers Irving D. Yalom.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. August 2009
Der Roman basiert auf der fiktiven Begegnung zwischen Friedrich Nietzsche und Josef Breuer, einem Pionier der Psychoanalyse im Wien des späten 19. Jahrhunderts. Zudem stellt sich der junge Sigmund Freud als Zaungast der Handlung ein. Dem Hilferuf der jungen Lou Salome folgend, einer ehemals engen Freundin Nietzsches, steht der renommierte Arzt Breuer vor einer schier unlösbaren Aufgabe: er soll Nietzsche einer Redekur unterziehen, um ihn von seinen Depressionen und Selbstmordgedanken zu befreien. Die große Schwierigkeit: Nietzsche, der niemanden vertraut und noch weniger bereit ist, einer anderen Person Macht über sich selbst einzuräumen, muss dieses Unterfangen verborgen bleiben. Unterstützt von seinem jungen Vertrauten Freud lässt Breuer sich auf ein riskantes Katz- und Maus-Spiel ein, und muss nur allzu bald erkennen, dass er dem Freidenker und Revolutionär Nietzsche zu keinem Zeitpunkt gewachsen ist. Die beiden ungleichen Männer verstricken sich in zahlreiche, hitzige philosophische Debatten, bis Breuer sich plötzlich in der Rolle des Schülers wiederfindet und sein Leben eine undenkbare Wendung zu nehmen droht.

Es ist ein überaus interessantes Szenario, das Yalom in seinem Roman ausmalt: der Querdenker Friedrich Nietzsche legt sich auf die "Couch". Die zentrale Figur der Geschichte ist jedoch der Arzt Breuer, ein Mann mittleren Alters, der mit seinem Lebensweg und all den verpassten Gelegenheiten darin hadert. Heute würde man sagen, er durchlebe eine typische Mid-Live-Crisis, voller Selbstzweifel und der Gewissheit, den Zenith des eigenen Lebens bereits überschritten zu haben. In dieser Lage kollidiert er förmlich mit Nietzsche, der sich kompromiss- und rücksichtslos der Wahrheitssuche verschrieb, auch wenn ihm dies Leid und Einsamkeit bescherte. Der Roman besteht zum größten Teil aus fesselnden, wortgewaltigen Dialogen, die der Autor so geschickt und eloquent strickt, dass jede Seite ein wahrer Genuss ist. Dabei tauchen immer wieder die existentiellen Fragen auf: Was für einen Sinn hat das Leben? Wie weit kann oder soll ein Mensch gehen um ganz er selbst zu werden? Dem Leser wird dabei die Bereitschaft zur Selbstreflexion und Kritikfähigkeit abverlangt. Um dieses Buch zu genießen, muss man wahrlich kein Psychologe sein, die Tatsache, Mensch zu sein, ist vollkommen ausreichend.

Einen Stern Abzug gibt es lediglich für den wenig glaubhaften Schlussteil. Ich muss mich einigen Mitrezensenten anschließen, die Auflösung der Geschichte ist ziemlich seicht und naiv geraten und wird dem hohen Niveau der vorausgegangenen Handlung leider kaum gerecht. Das laue Happy End war in meinen Augen nicht nötig, vor allem, wenn man Nietzsches weiteres Schicksal bedenkt. Wirklich verderben konnte es den überaus positiven Eindruck dieses philosophischen Duells jedoch nicht.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Januar 2014
Die Begegnung zweier Charaktere die oft sehr weit von real handeln und denkenden Menschen entfernt bleiben müssen. Mitunter auch ein fast offen ausgetragener Stellungskampf um Macht, Einflussnahme, Eitelkeit, Fehleinschätzungen und Unsicherheit.
Zwei Kranke die aneinander Heilung suchen und zunächst nicht erkennen wollen, dass eben die Krankheit Teil ihrer Identität ist, die abzulegen und zu überwinden einer Selbstaufgabe gleichkommen würde.

Eingebettet in eine solche fiktive Begegnung muß vieles fiktiv bleiben, konstruiert erscheinen. Schließlich kann und darf ein solches nie stattgefunden habendes Aufeinandertreffen, den wohldokumentierten Lebenslauf der historisch verankerten handelnden Personen nicht beeinflussen oder gar verändern.

Was also bleibt ist ein Eintauchen in die dunkle Seelenwelt zweier herausragender Denker im engen, von gesellschaftlichen Konventionen beherrschten Wien des späten neunzehnten Jahrhunderts und ihr Ringen um ihre Befreiung von diesen Fesseln. Und während der Eine die Fesseln als einen von ihm so gewollten Bestandteil seiner Lebensplanung akzeptiert um sie nicht aufgeben zu müssen, wählt der Andere den Weg des Verzichtes auf jedwedes Lebensglück um diesen Fesseln zu entfliehen.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. April 2011
Wird sicher kaum weiterhelfen, wenn ich sage, dass ich in diesem Buch streckenweise die intelligentesten Dialoge seit langer Zeit gelesen habe, denn vielleicht lese ich ja schlichtweg sonst nur Schund.-
Und wenn ich jetzt sage "wow, tolles Buch", so toll, dass ich unbedingt eine Rezension schreiben wollte, na, hilft wohl auch nicht viel.
Und wenn schon:
Tolles Buch mit streckenweise den intelligentesten Dialogen, die ich seit langer Zeit gelesen habe.
Wortlastig, nicht episch, zum Nach- und Mitdenken, keine seichte Sache, auch keine Leichte.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

10,00 €