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57 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hans Küng würdigt das Christentum und stellt ihm Fragen
Sechs Phasen der Geschichte und Entwicklung des Christentums lassen sich nach Küng unterscheiden. Er wählt zur Abgrenzung den Begriff „Paradigma", d.h. Gesamtkonstellation von Überzeugungen, Werten und Verfahrensweisen in einer Gemeinschaft. Die erste Phase umfaßt die etwa sieben Jahrzehnte nach Christi Tod. Es ist die Zeit des...
Veröffentlicht am 13. Oktober 2003 von paulmoellers

versus
2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Christentum, Wesen und Geschichte
Sehr umfassende Darstellung der Entstehung und Entwicklung des Christentums. Das Werk zeugt von hohem Sachverstand des Verfassers.Die Ausführungen erscheinen allerdings teilweise etwas langatmig. Eine straffere Ausarbeitung wäre daher wünschenswert gewesen.
Veröffentlicht am 3. Februar 2009 von B. Hupperich


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57 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hans Küng würdigt das Christentum und stellt ihm Fragen, 13. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Christentum: Die religiöse Situation der Zeit (Taschenbuch)
Sechs Phasen der Geschichte und Entwicklung des Christentums lassen sich nach Küng unterscheiden. Er wählt zur Abgrenzung den Begriff „Paradigma", d.h. Gesamtkonstellation von Überzeugungen, Werten und Verfahrensweisen in einer Gemeinschaft. Die erste Phase umfaßt die etwa sieben Jahrzehnte nach Christi Tod. Es ist die Zeit des urchristlich-apokalyptischen Paradigmas mit Petrus, Jacobus und Paulus. Es folgt das altkirchlich-hellenistische Paradigma der Patristiker, u.a. Origines. Nachdem im 4. Jhdt. das Christentums durch Kaiser Konstantin zur Reichsreligion erklärt wurde, konnte sich in mehr als acht Jahrhunderten das mittelalterliche römisch-katholische Paradigma entwickeln. Eine der Folgen war die Spaltung zwischen westlichem und östlichem Christentum, zwischen Rom und Byzanz, mit endgültiger Trennung im Jahr 1053.
Luther leitete das reformatorisch-protestantische Paradigma ein, Schleiermacher und weitere liberale Theologen des 19. Jhdts. Entwickelten es weiter zum aufgeklärt-modernen P. Das 2. Vatikanische Konzil, 1965 endend, erweckte Hoffnungen auf den Beginn des „Zeitgenössischen ökumenischen, nach-modernen" Paradigmas. Bis dahin verblieb die römisch-katholische Kirche, so Küng, weitgehend im mittelalterlichen römisch-katholischen Paradigma. Er sieht für die heutige Zeit noch vier aus alten Paradigmata verbliebene Denkrichtungen, den orthodoxen Traditionalismus, den römisch-katholischen Autoritatismus, den protestantischen Fundamentalismus, den liberalen Modernismus.
Die Geschichte des Christentums, eingeteilt in diese sechs Phasen, wird mit einer bis heute wohl noch nie erreichten Fülle wesentlicher Einzelheiten beschrieben und in überschaubare Zusammenhänge gebracht. Denkanstöße und Kritik regen den Leser an. Mehr als zwanzig Mal wird ein Kapitel zusammengefaßt unter dem Motto „Fragen für die Zukunft". Diese Fragen werden häufig auch an das Judentum und den Islam gerichtet. Eine Reihe von gut durchdachten und übersichtlich gestalteten Schemata erleichtert den Überblick.
Zu wünschen wäre allerdings, daß Küngs häufige, berechtigte Kritik an verschiedenen Päpsten, der römischen Kurie und den Ordensgemeinschaften zwar deutlich in der Sache, aber manchmal etwas zurückhaltender in der Form geblieben wäre. Küng schreibt z.B., Papst Joh. Paul II. habe sich dadurch „lächerlich gemacht", daß er meinte, Galilei 350 Jahre nach dessen Tod rehabilitieren zu können (S. 764) .
Hätte hier nicht die Frage genügt, was der Papst mit diesem Zugeben eines groben Fehlers seiner Vorgänger noch erreichen konnte?
Auf S. 406 wird gar in einem einzigen Satz die „Mission der Neuzeit" mit den Kreuzzügen des hohen Mittelalters, den Religionskriegen und der Kolonisation genannt; diese alle, also nach Küngs Worten auch die Mission der Neuzeit, hätten „riesige Spuren von Gewalt, Blut und Tränen zurückgelassen". Der Jesuit Las Casas, das deutlichste Beispiel für das Gegenteil, wird nur in anderem Zusammenhang erwähnt (S. 746). Wäre hier nicht eine Würdigung der so zahlreichen Missionare und Missionarinnen unentbehrlich, die soviel Gutes für die kolonisierten Völker bis heute nicht nur gewollt, sondern auch erreicht haben? Wie groß ist ihnen gegenüber wohl der Anteil von christlichen Missionaren, die wirklich die erwähnten riesigen Spuren von Gewalt, Blut und Tränen hinterlassen haben??? Küng müßte bei diesem ungeheuren Vorwurf zumindest Beispiele und gerechterweise auch Gegenbeispiele nennen.
Wie schon im ersten Band der Trilogie „Das Judentum", „Das Christentum" und „Der Islam" (geplant) erfährt sogar derjenige Leser sehr viel für ihn Neues und Wissenswertes, der mit einigem Recht glaubte, gut unterrichtet zu sein. Wieder zeigt sich Küngs Kunst, die Fülle des Stoffs und seiner nicht geringen Schwierigkeit durch gute Gliederung und klaren Stil so zu vermitteln, daß der aufmerksame, aber fachfremde Leser nicht überfordert wird, dabei versteht und behält.
Man darf gespannt sein auf den nun schon seit über zehn Jahren angekündigten dritten Band zum Islam. Küng hat formuliert „Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen." Zu solchem Dialog zwischen Juden, Christen und vor allem Moslems bedarf es aber noch vieler Kenntnisse. Wird Küng die über den Islam so sehr gut vermitteln können wie in den beiden anderen Büchern? Das darf man nach sweinen ersten beiden Bänden dieser Reihe annehmen.
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37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen An die Wurzel des Christentums, 3. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Christentum: Die religiöse Situation der Zeit (Taschenbuch)
Küng analysiert - ausgehend vom Urchristentum - in diesem Buch die Entwicklung des Christentums. Unter Christentum versteht er nicht nur die erfahrenen, gelebten oder gelehrten Glaubensinhalte, sondern auch das Selbstverständnis und die Struktur der Kirchen, Gemeinde, religiösen Bräuche und die Wechselwirkungen mit politischen, sozialen, wirtschaftlichen Strömungen und Kräften. Seine Arbeit gestaltet er in Form einer „Paradigmenanalyse", der Bestimmung der für das Christentum typischen Wesensmale, Strukturen innerhalb eines historischen Kontexts, und unterscheidet dabei das jüdisch-apokalyptische Paradigma, das ökumenisch-hellenistische Paradigma, das römisch-katholische Paradigma, das protestantisch-evangelische Paradigma und das vernunft- und fortschrittsorientierte Paradigma der Moderne, wobei die Analyse des römisch-katholischen Paradigmas den größten Raum einnimmt.
Es gelingt Küng in atemberaubend klarer Weise, Denkzusammenhänge, geschichtliche Entwicklungen innerhalb des Christentums und deren Folgen für Kirche und Gesellschaft aufzuzeigen. Die zum größten Teil chronologische Vorgehensweise hilft dem Leser beim Verständnis vieler grober Zusammenhänge, aber auch vieler Details. Die Entwicklung, Dogmatisierung und Formalisierung von Glaubensinhalten (zum Beispiel der Dreifaltigkeit oder auch der Sakramente) bilden neben der allmählich wachsenden Stellung des Papsttums den Schwerpunkt des Buchs. Bei der Diskussion der Position des Papstes sind auch die einzigen suggestiven und vielleicht auch etwas einseitigen Darstellungen in über 900 Seiten Test zu finden, was sich vielleicht aus der Biographie des Autors verstehen lässt.
Die Synthese von Kirchengeschichte und Dogmatik führte bei mir zu vielen „Aha-Erlebnissen", so dass dieses Buch für mich zu den wichtigsten gehört, die ich je gelesen habe. Küngs etwas professoraler Stil - er verwendet sehr viele Fremdwörter - macht das Lesen des Buchs an einigen Stellen etwas schwierig; leider verwirren die schematischen Darstellungen oft mehr als sie helfen. Auf Grund seiner klaren, manchmal etwas formalistischen Textstrukturierung findet man leicht wieder zurück zum Inhalt, der mir Einsichten verschafft hat, von denen ich vorher keine Ahnung hatte. Ich bin davon überzeugt, dass auch Leser, die keinen festen Bezug zum christlichen Glauben haben, diese Begeisterung nachempfinden können, und ihnen ein Zugang zu den wesentlichen Glaubensinhalten dadurch eröffnet wird, dass sie erkennen, welche Teile des Erscheinungsbilds der Christenheit nur Produkte oder Artefakte geschichtlicher Entwicklung darstellen.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Monumental, 21. Juni 2007
Hans Küng beschreibt in diesem monumentalen Werk die Entwicklung der theologischen Lehre von den Tagen Jesu bis heute in einer Gesamtschau. Dabei werden auch ausführlich die orthodoxen und reformierten Lehren in ihrer geschichtlichen Entwickloung dargelegt. Überzeugend werden die Ursachen und Wirkungen der zahlreichen Stränge der theologischen, ideologischen und historischen Entwicklungen dargestellt. Das Werk ist zwar flüsig geschrieben und übersichtlich, aber keineswegs oberflächlich. Für alle zu empfehlen, die mehr über 2000 Jahre Kirchengeschichte erfahren wollen, ohne Scheuklappen und ohne Polemik.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein lesenswertes Buch, 3. Januar 2008
Von 
Michael "MMC" (Jülich, NRW Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Ich beziehe mich auf die Taschenbuchausgabe "Das Christentum", 2. Auflage Februar 2003.

Ich habe das Buch mit Gewinn gelesen. Dieses Buch zu lesen bedeutet aber Arbeit. Es ist keine einfache Kost.

Die verschiedenen Paradigmen des Christentums in einem Band zu beschreiben ist ein ehrgeiziges Unterfangen, das wegen des Umfangs zur Konzentration auf das Wesentliche zwingt (trotz eines Umfangs von über 1000 Seiten). Historische Bezüge werden in dem Buch nur soweit aufgegriffen, wie es zur Darstellung der Entwicklung der Paradigmen notwendig ist. Es ist sicher nicht unbedingt vorausgesetzt, aber doch sehr hilfreich, wenn man beim Lesen über ein (religions-)geschichtliches Basiswissen verfügt.

Hans Küng formuliert präzise, hat aber nicht gerade eine 'leichte Feder'. Mitunter nehmen einzelne Sätze knapp ein Viertel einer Seite ein. Man muss dann sehr genau lesen, um alle Bezüge richtig zu verstehen. Nicht immer werden lateinische Ausdrücke übersetzt. Auch sonst wird auch vorausgesetzt, dass dem/der LeserIn Fachbegriffe wie z.B. 'Ontologie' geläufig sind.

Bei der Beschreibung der Entwicklung der verschiedenen Paradigmen hätte ich mir gerne noch einige geographische Karten über die hinaus gewünscht, die sich auf die Einflussgebiete des römisch-katholischen und des byzantinischen Paradigmas zwischen 565 und dem 14./15. Jahrhundert beziehen (Seiten 250/251) und das Ausbreitungsgebiet des Islams (Seite 401) beziehen. Der sparsamme Umgang mit Karten erklärt sich wohl daraus, dass dieses Buch nicht eigentlich ein Geschichtsbuch sein will.

Sehr hilfreich beim Textverständnis sind verschiedene Diagramme, die bestimmte Strukturen verdeutlichen (zB. verschiedene Gemeindeordnungen, oder verschiedene Sichtweisen der Trinität etc.). Allerdings erschließen sich die Diagramme gelegentlich erst durch den Text und sind nicht aus sich heraus verständlich. Es gibt keine erklärenden Bildunterschriften.

Die 'Fragen für die Zukunft' gegen Ende verschiedener Abschnitte (oft für die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam differenziert) laden den Leser quasi zu einem 'Dialog' ein, indem aus dem Geschilderten ein kritisches Resümee gezogen und nach der Bedeutung für heute gefragt wird.

Im Text gibt es immer wieder kurze Rückbezüge auf Inhalte früherer Kapitel, was bei der Fülle des Stoffen beim Lesen angenehm (und keinesfalls langweilig) ist. Diese Rückbezüge macht den Text insgesamt auch dann nachvollziehbar, wenn man nur einige Abschnitte liest.

Eine umfangreiche Quellenangabe ermuntert zum Weiterlesen. Zusätzlich findet sich am Ende ein umfassendes Personenregister. Mir fehlt gemessen an diesem beachtlichen Aufwand noch ein Sachregister. Z.B. läßt sich die 'Gnosis' über ein Register nur dann im Text finden, wenn man sie mit Namen in Verbindung bringen kann.

Bei dem Umfang und der Komplexität des Projekts kann man das Buch als gelungen ansehen trotz einiger kleiner Abstriche und trotz der Anforderungen, die an den Leser gestellt werden.

Ein interessantes und lesenswertes Buch, aber keine Gutenacht-Lektüre.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Zusammenfassung, 5. Oktober 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Christentum: Die religiöse Situation der Zeit (Taschenbuch)
Zugegeben: Küngs Geist durchweht dieses Werk. Aber auf eine äußerst intelligente und spannende Weise!

Meine Intention, dieses Buch zu lesen, resultierte aus einem zunehmenden Bewußtsein, als "Normalo" (=theologisch nur laienhaft gebildet) viel zu wenig über Geschichte, inhaltliche Entwicklungen, soziologische und ideologische Zusammenhänge des Christentums zu wissen. Nun ist es ein extrem schwieriges Unterfangen, dies in einem einzigen Buch darzustellen. Küng ist sich dessen bewußt und gliedert seine Aussagen daher anhand der Paradigmentheorie. So wird die Komplexität der Themen überschaubarer (wenn auch nicht einfacher), auch wenn trotzdem eine Selektion stattfinden muss - die Küng aber immer wieder glaubhaft begründet. Durch das hohe Niveau dieses Buches verdichtet er die Inhalte zusätzlich - entspannend ist dieses Werk nicht! Im Gegenteil: Hochgradig spannend, informativ, interessant! Mich hat es sehr nachdenklich gemacht, da es bestimmte Themen verdeutlichte und mit Wissen füllte, was zur Folge hat, dass zunehmend Fragen auftauchen. Mit dieser "Nebenwirkung" wird der ein oder andere leben müssen. Empfehlenswert!
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21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wichtiges Buch!, 25. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Christentum: Die religiöse Situation der Zeit (Taschenbuch)
Gehören Sie auch zu den Menschen, die öfter mal aus den verschiedensten Anlässen heraus Kritik an der Kirche äusserten ohne nun genau zu wissen in welchen kirchengeschichtlichen Kontext denn jener "Stein des Anstosses" eingebettet ist? Das vorliegende Buch beschreibt in seinem chronologisch gegliederten Hauptteil die Entstehung des Urchristentums mit Jesus als seiner Zentralfigur hinweg zu seiner zunehmenden Institutionalisierung im Rahmen des Machtfaktors "Kirche". Trotz jenes gewaltig umspannenden, geschichtlichen Erbes gelingt es Küng fabelhaft und spannend zugleich, das wahre Wesen, die unteilbare Glaubenssubstanz des ersten Christen, aus den verschiedenen Paradigmen der jeweiligen Weltepochen herauszufiltern um zu fragen "Was ist davon übrig geblieben?". Des gemeinsamen Ursprungs aller drei monotheistischen Religionen angedenk, hält der Autor immer wieder inne und stellt das Christentum dem Judentum und dem Islam gegenüber. In suggestiv fragender Weise Anregungen für ein versöhnliches Miteinander zu bieten und gleichzeitig deren Gemeinsamkeiten zu unterstreichen ist Küng ein generelles Anliegen.
Natürlich wird man sich nicht alle Einzelheiten und geschichtlichen Daten merken können; aber die grundlegenden Zusammenhänge verstanden zu haben, wird einen mit Freude erfüllen.
Und....lässt sich abschliessend nicht trefflicher kritisieren, wenn man die Zusammenhänge verstanden hat und die Ursachen kennt?
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen An die Wurzel des Christentums, 1. September 2002
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Christentum (Gebundene Ausgabe)
Küng analysiert - ausgehend vom Urchristentum - in diesem Buch die Entwicklung des Christentums. Unter Christentum versteht er nicht nur die erfahrenen, gelebten oder gelehrten Glaubensinhalte, sondern auch das Selbstverständnis und die Struktur der Kirchen, Gemeinde, religiösen Bräuche und die Wechselwirkungen mit politischen, sozialen, wirtschaftlichen Strömungen und Kräften. Seine Arbeit gestaltet er in Form einer „Paradigmenanalyse", der Bestimmung der für das Christentum typischen Wesensmale, Strukturen innerhalb eines historischen Kontexts, und unterscheidet dabei das jüdisch-apokalyptische Paradigma, das ökumenisch-hellenistische Paradigma, das römisch-katholische Paradigma, das protestantisch-evangelische Paradigma und das vernunft- und fortschrittsorientierte Paradigma der Moderne, wobei die Analyse des römisch-katholischen Paradigmas den größten Raum einnimmt.
Es gelingt Küng in atemberaubend klarer Weise, Denkzusammenhänge, geschichtliche Entwicklungen innerhalb des Christentums und deren Folgen für Kirche und Gesellschaft aufzuzeigen. Die zum größten Teil chronologische Vorgehensweise hilft dem Leser beim Verständnis vieler grober Zusammenhänge, aber auch vieler Details. Die Entwicklung, Dogmatisierung und Formalisierung von Glaubensinhalten (zum Beispiel der Dreifaltigkeit oder auch der Sakramente) bilden neben der allmählich wachsenden Stellung des Papsttums den Schwerpunkt des Buchs. Bei der Diskussion der Position des Papstes sind auch die einzigen suggestiven und vielleicht auch etwas einseitigen Darstellungen in über 900 Seiten Test zu finden, was sich vielleicht aus der Biographie des Autors verstehen lässt.
Die Synthese von Kirchengeschichte und Dogmatik führte bei mir zu vielen „Aha-Erlebnissen", so dass dieses Buch für mich zu den wichtigsten gehört, die ich je gelesen habe. Küngs etwas professoraler Stil - er verwendet sehr viele Fremdwörter - macht das Lesen des Buchs an einigen Stellen etwas schwierig; leider verwirren die schematischen Darstellungen oft mehr als sie helfen. Auf Grund seiner klaren, manchmal etwas formalistischen Textstrukturierung findet man leicht wieder zurück zum Inhalt, der mir Einsichten verschafft hat, von denen ich vorher keine Ahnung hatte. Ich bin davon überzeugt, dass auch Leser, die keinen festen Bezug zum christlichen Glauben haben, diese Begeisterung nachempfinden können, und ihnen ein Zugang zu den wesentlichen Glaubensinhalten dadurch eröffnet wird, dass sie erkennen, welche Teile des Erscheinungsbilds der Christenheit nur Produkte oder Artefakte geschichtlicher Entwicklung darstellen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Umfassende Darstellung mit Blick nach vorn, 11. Mai 2013
Von 
Juergen Schwab (Tübingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Christentum: Die religiöse Situation der Zeit (Taschenbuch)
Küng stellt die Entwicklung des Christentums von den apostolischen Anfängen bis zur Moderne umfassend dar. Er nutzt dabei zur Strukturierung den Kuhnschen Paradigmenbegriff. Diese Einteilung der Geschichte des Christentums mit Hilfe von Paradigmen, die das Denken und Handeln der Beteiligten in der jeweiligen Periode prägten, ist außerordentlich hilfreich. Es geling Küng damit, trotz der Vielzahl an geistigen Strömungen und Nuancen in der Auslegung des christlichen Glaubens, die wesentlichen Unterschiede zwischen dem urchristlichen, dem altchristlich-hellenistischen, dem mittelalterlich-römisch-katholischen, dem reformatorisch-protestantischen Paradigma und dem Paradigma der Moderne herauszuarbeiten.
Dabei greift er die Fragen der jeweiligen Epochen immer wieder auf und fragt nach ihrer Relevanz aus heutiger Sicht. Und hier steht für Küng ganz offensichtlich der ökumenische Gedanke im Vordergrund: was ist das Gemeinsame aller (abrahamischen) Glaubensgemeinschaften? Und wirft das Trennende wirklich nur Gräben auf? Kann es nicht auch dazu dienen, völlig neue Wege zu gehen und sich damit wieder aufeinander zuzubewegen? Sind Abwehr und Festhalten an Bestehendem die einzigen Mittel gegen die gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen der Moderne?
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Klassiker zum Lesen!, 24. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Christentum: Die religiöse Situation der Zeit (Taschenbuch)
Das Christentum - die religiöse Situation unserer Zeit von Hans Küng ist bereits in der sechsten Auflage (2012) im Piper Verlag erschienen und kann zweifelsfrei bereits zu den Klassikern in der historischen Analyse des Christentums gezählt werden. Ausgehend vom Urchristentum, analysiert Küng in diesem Buch die Entwicklung des Christentums anhand der Paradigmentheorie (:90). Dabei arbeitet er die grossen historischen Strukturen und Transformationen der Lage der Christenheit der letzten 2000 Jahre heraus, indem er sie in sechs Phasen der Geschichte und Entwicklung des Christentums unterscheidet. Er wählt zur Abgrenzung den Begriff Paradigma", d.h. Gesamtkonstellation von Überzeugungen, Werten und Verfahrensweisen in einer Gemeinschaft.
Die erste Phase umfasst die etwa sieben Jahrzehnte nach Christi Tod. Es ist die Zeit des urchristlich-apokalyptischen Paradigmas mit Petrus, Jakobus und Paulus. Es folgt das altkirchlich-hellenistische Paradigma der Patristiker, u.a. Origines. Nachdem im 4. Jahrhundert das Christentum durch Kaiser Konstantin zur Reichsreligion erklärt wurde, konnte sich in mehr als acht Jahrhunderten das mittelalterliche römisch-katholische Paradigma entwickeln. Eine der Folgen war die Spaltung zwischen westlichem und östlichem Christentum, zwischen Rom und Byzanz, mit endgültiger Trennung im Jahr 1053. Luther leitete damit das reformatorisch-protestantische Paradigma ein, welches durch Schleiermacher und weitere liberale Theologen des 19. Jahrhunderts dann zum aufgeklärt-modernen Paradigma führte. Das 2. Vatikanische Konzil das 1965 endete erweckte gemäß Küng die Hoffnungen auf den Beginn des Zeitgenössischen ökumenischen, nach-modernen" Paradigmas. In diesem Paradigma sollen sich sodann orthodoxe", katholische" und evangelische" Grundhaltungen keinesfalls mehr ausschlissen, sondern zu einem vom Evangelium her zentrierten ökumenischen Christseins ergänzen (:901). Die Spuren der anderen konfessionellen" Paradigmata werden noch erkennbar bleiben, aber aufgehoben sein in eine neue Synthese von Christsein, die nicht zuletzt von einer ganzheitlichen Sicht" geprägt ist. Trotz dieser Perspektive sieht Küng für die heutige Zeit noch vier aus alten Paradigmata verbleibende Denkrichtungen, den orthodoxen Traditionalismus, den römisch-katholischen Autoritarismus, den protestantischen Fundamentalismus sowie den liberalen Modernismus.
Küng gelingt es in seiner Paradigmenanalyse" die typischen Wesensmerkmale und Strukturen innerhalb eines historischen Kontexts heraus zu arbeiten. Es gelingt ihm dabei nicht nur die erfahrenen, gelebten oder gelehrten Glaubensinhalte, sondern auch das Selbstverständnis und die Struktur der Kirchen, Gemeinde, religiösen Bräuche und die Wechselwirkungen mit politischen, sozialen, wirtschaftlichen Strömungen und Kräften zu skizzieren.
Küng stellt die Frage ob es trotz allen Missbräuche der Kirchen über die vielen Jahrhunderte - so etwas wie ein erkennbares Wesen des Christentums gibt (:19)? Oder anders gesagt, neben den vielen Variablen die ja gerade erst die verschieden Paradigmen der Kirchgeschichte ausmachen, stellt sich die Frage nach Konstanten, die das eigentlich Wesen des Christentums ausmacht (:626). Küng bemerkt dazu (:65): Das unterscheidend Christliche ist dieser gekreuzigte und doch lebendige Christus selbst. Und der Glaube an diesen Christus ist wahrhaftig keine leere Formel, auch nicht nur eine Lehrformel." Entscheidend christlich sei also, dass alle ethischen Forderungen vom gekreuzigten und auferweckten Jesus Christus her verstanden werden. Jesus, dem der Christ in der Taufe durch den Glauben ein für allemal unterstellt ist, soll somit Herr über ihm bleiben (:68) Herzstück" (Zentraldogma") des christlichen Glaubens sei deshalb keine theologische Theorie, sondern der Glaube daran, dass Gott der Vater durch den Sohne Jesus Christus in seinem Geist offenbarend, erlösend und befreiend unter uns wirke (:361).
Die meist chronologische Vorgehensweise in der Beschreibung der verschiedenen Paradigmen, hilft dem Leser beim Verständnis vieler grober Zusammenhänge wie auch Details. Die Entwicklung, Dogmatisierung und Formalisierung von Glaubensinhalten (zum Beispiel der Dreifaltigkeit oder auch der Sakramente) bilden neben der allmählich wachsenden Stellung des Papsttums aber den Schwerpunkt des Buchs. Von meiner freikirchlichen Prägung her, war mir dann die zuweilen recht langen Diskussionen zu Päpsten und dergleichen etwas zu ausführlich und manchmal auch etwas sehr dogmatisch. Einige Bemerkungen wie z.B. Papst Paul II. habe sich dadurch lächerlich gemacht", daß er meinte, Galilei 350 Jahre nach dessen Tod rehabilitieren zu können sind etwas Spitz formuliert (:764). Ebenfalls gibt es noch anzufügen, wie Küng selber im Vorwort reflektiert, dass die außereuropäischen Kontinente nur am Rande behandelt werden (:22). Alles in allem spielt eben, wie in jeder Beurteilung, die persönliche Optik des Betrachters eine große Rolle!
Sehr hilfreich beim Textverständnis habe ich die verschiedenen Diagramme empfunden, die bestimmte Strukturen verdeutlichen (z. B. verschiedene Gemeindeordnungen, oder verschiedene Sichtweisen der Trinität etc.). Allerdings erschließen sich die Diagramme gelegentlich erst durch den Text und sind nicht aus sich heraus verständlich. Es gibt keine erklärenden Bildunterschriften. Zusammenfassend halte ich fest, dass die Synthese von Kirchengeschichte und Dogmatik bei mir zu einigen Aha-Erlebnissen" führten. In diesem Sinne kann ich das Buch bestens empfehlen!
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11 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtig, spannend, erklärend -- aber ..., 4. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Christentum: Die religiöse Situation der Zeit (Taschenbuch)
Ich habe mich erst mit 18 Jahren taufen lassen, als bewussten Schritt, bin dann einige Zeit nicht in die Kirche gegangen und habe jetzt, mit Anfang 30, wieder damit angefangen (ev. Kirche).
Mein Freund drückte mir das Buch von Küng in die Hand.
Ich bin gleichzeitig begeistert und entnervt:
Das Buch ist geschrieben, als ob Küng neben einem säße und einem die Zusammenhänge erklärte. Das ist einerseits toll, da er auch komplexe Dinge sehr verständlich macht und auf den Punkt bringt. Andererseits begibt er sich auf ausufernde Seitenpfade und bringt auch gerne immer mal wieder bestimmte Dinge, die ihm sehr wichtig sind -- die man aber nach nur 200 Seiten Lektüre des über 1000(!!) Seiten starken Buches dann leider schon zig mal gelesen hat.
Hier hätte ein stärker eingreifendes Lektorat sehr gut getan. Ein Lektor hätte auch ein paar der Neben"pfade" tilgen können, um das Buch wenigstens etwas schlanker zu machen.
Auch die Darbietung hätte man optimieren und modernisieren können. Küng bietet Fragen zur eigenen Diskussion und Exkurse -- diese hätte man als Kästen (z.B.) oder eigens gestaltete Seiten hervorheben können. Das hätte den Leseflus erleichtert.
Fazit ist, dass ich mich immer wieder im Buch festlese, es aber nicht über mich bringe, das Buch richtig zu Ende zu lesen -- es ist mit seinen über 1000 Seiten schlicht zu unhandlich (fast so schlimm wie Harry Potter ;-) und zu mäandernd im Stil. Nach ein paar Seiten sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr -- was sehr schade ist, da der Inhalt des Buches für jeden Christen interessant ist und es auch den Kirchen (und der Gottesdienst-Teilnahme) sicher förderlich wäre, wenn mehr Menschen das Buch lesen würden.
Vielleicht hätte man das Buch in bestimmte zeitliche Phasen des Christentums unterteilen können und diese als dünnere Einzelbände (kompakter lektoriert), vielleicht im Schuber, herausbringen können?
Denn ich könnte nicht sagen, welchen Teil ich missen möchte, auch wenn mich das Urchristentum und seine Entwicklung in den nächsten Jahrhunderten am meisten interessieren.
Inhalt/Wichtigkeit: 5 Sterne
Prägnanz, Darbietung: 2 Sterne
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Das Christentum: Die religiöse Situation der Zeit
Das Christentum: Die religiöse Situation der Zeit von Hans Küng (Taschenbuch - 1. November 1999)
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