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am 18. Juni 1999
Man soll vielleicht nicht ins Schwaermen kommen, wenn man ueber das Phaenomen Adolf Hitler spricht, aber ich halte dieses Buch fuer wohl eines der besten das ich je ueber den Themenkomplex "Drittes Reich" gelesen habe. Hier werden Fakten und Daten des jungen Hitlers in packender Weise mit dem Zeitgeschehen in Verbindung gebracht, und es wird ueberdeutlich, wie sehr die Katastrophe "Nationalsozialismus" vorhersehbar war. Ich will wenige Buecher mit 5 Sternen dekorieren, aber dieses hat es verdient- sowohl in Hinsicht auf die Thematik, die erreichte Exaktheit, die unbestrittene Verlaesslichkeit der Information als auch von der spannenden Redaktion!
So spannend kann das Thema Hitler 110 Jahre nach seinem Geburtstag noch sein!
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am 11. März 2008
Ein höchst penibel recherchiertes Werk über das soziale, politische und kulturelle Wien zur Zeit der Jahrhundertwende. Nicht nur die kulturelle Situation, die mir als Kulturbremse sonst eher gleichgültig ist, stellt Hamann sehr lebendig dar anhand der damals lebenden Literaten, Künstler und Musiker. Wer was warum schrieb und dichtete, wie das aus der Zeit zu erklären ist und was das für Auswirkungen hatte. Sie beschreibt sehr anschaulich die politische Situation in der Donaumonarchie, die Konflikte im Vielvölkerstaat, das Leben im Parlament (mit zehn (!) zugelassenen Sprachen, wo mehr als die Hälfte der Reden nicht einmal von der Hälfte der Parlamentarier verstanden wurde), der Dünkel der Deutschen und Slawen (v.a. Tschechen, die immer quergetrieben haben, gerade im Parlament). Ein beeindruckendes Kapitel behandelt die soziale Situation im kaiserlichen Wien, die katastrophale Wohnungsnot, der Hunger, die Arbeitslosigkeit und die Abgehobenheit der Volksvertreter. Die "Bettgeher", die Obdachlosenasyle, wovon es viele gab in Wien, ein riesiges in Meidling mit über 1000 Schlafplätzen, das trotzdem überfüllt war (und weswegen es dann einen Aufstand gab) und in dem auch Hitler für ein paar Wochen landete; Menschen, die buchstäblich Nichts hatten, und zu denen 1908/09 auch H. gehörte - und dazu der groteske Kontrast des Luxus des gehobenen Bürgertums, des Adels, des eben erwachenden Ringstraßenpomps, die enormen Teuerungen der Lebensmittel, wogenen die Menschen demonstrierten - eine furchtbare Zeit. Der noch nicht zwanzigjährige H. selbst wird als kontaktscheuer, besserwisserischer Eigenbrötler dargestellt. Er politisiert damals schon über die Maßen, hält Monologe, zeichnet Entwürfe für große Projekte in Linz und Wien, geht in die Oper (Wagner), ohne es sich leisten zu können und kennt auch alle Wagner-Opern in- und auswendig. Großkotzig erklärt er seinem Freund Kubizek die Welt, monologisierend, aber auch überzeugend. Er lebt von seiner Tante Hanni, die ihm immer wieder Geld leiht, das sie nie wieder sieht, streitet mit seiner Schwester Paula um die Waisenrente und ist ein Beispiel an Arbeitsscheue. Er gibt sich als Bruder der Arbeiter aus, gibt vor, am Bau gearbeitet zu haben, will "akademischer" Maler sein (wird wegen Titel-Anmaßung auch angezeigt), was alles erlogen ist. Er ist nicht nur arbeitsscheu, sondern auch arbeitsunfähig, kraftlos, ungeschickt und ungebildet. Er gibt sich aber als Student aus, gibt vor, zu "studieren", liest eine Menge, zeichnet eine Menge, weiß auch eine Menge, hat aber trotzdem keine Bildung. Eine höchst unsympathische Figur! Die Zeit im Männerheim ist noch seine beste in Wien, das brigittenauer Männerheim ist zu dieser Zeit neu errichtet, höchst modern, mit einzelnen Schlafplätzen (hier findet H. zum ersten Mal elektrisches Licht in seinem Leben); hier betätigt er sich als "Postkartenmaler" und lebt nicht schlecht davon, hat ein paar Bekanntschaften, die ihn unterstützen, vor allem Juden (!). Diese Bekanntschaften sind sensationell gut dokumentiert, man erfährt viel über H.s Zeit in Wien und seine sozialen Umstände. Großspurig, großkotzig, obergescheit, besserwisserisch, obwohl von der Hand in den Mund lebend, arbeitsscheu, arbeitsunfähig, kontaktscheu, fremdenfeindlich, asozial, rücksichtslos. Dieses Bild zeichnet Hamann von H. in seiner Wiener Zeit. Äußerst gut recherchiert, farbig geschrieben, spannend, lebendig. Ein Muß für jeden Interessierten an der Geschichte H.s und Wiens zur Jahrhundertwende.
Es folgt ein Kapitel über Rassentheoretiker und Welterklärer: auch dieses ist tiefgründig recherchiert, sodaß ein gutes Bild darüber entsteht, welche Ideen H. von wem abgekupfert hat: eine Rolle spielten: Guido von List, Lanz von Liebenfels, Hans Goldzier, Hanns Hörbiger (mit seiner Welteislehre), Otto Weininger und Arthur Trebitsch. Es wundert nicht, dass auch unter diesen einige Juden waren. Es ist weniger interessant, WAS diese Herren so von sich gaben - es ist durchweg rassetümelnder Unsinn, wissenschaftlicher Schwachsinn, sondern eher, wie solche Ideen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Platz greifen konnten, wie sie auf H. und sein Weltbild gewirkt haben. Ein eigenes Kapitel ist Herrn Schönerer und seinen Aposteln gewidmet, ein großes Herrn Dr. Lueger, der großen Antisemiten, der angeblich gar keiner war und großen Lügner. Die Ressentiments der Deutschen gegen die Tschechen und vice versa behandelt ein Großkapitel, eines das Judentum in Wien, man wundert sich, warum die Monarchie überhaupt solange gehalten hat. Ein interessantes Kapitel beleuchtet Hitlers Verhältnis zu Frauen (das keines war), wie er scheu und ängstlich ihnen gegenüber war, verklemmt und sich auch nicht entwickelt hat. Schade nur, dass die Autorin bloß die fünfeinhalb Wiener Jahre Hitlers beleuchtet, das Buch macht Lust auf mehr. Hitler war jedenfalls anfangs eher ein Judenfreund, hat von ihnen gelebt, kein Prob-lem mit ihnen gehabt. Er war nicht nur ein Sonderling, sondern ein Widerling. Großartig, Frau Hamann!
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am 26. Dezember 2008
Wer sich für Hitler und seine biografische Prägung interessiert, stößt hier auf ein absolut lesbares und spannendes, wenn auch bedrückendes Gebiet.
Denn die Stadt Wien ist wohl wie keine zweite Stadt Europas so sehr mit den sozialen Umwälzungen des Kapitalismus im 20.Jahrhundert konfrontiert worden.
Die Autorin beschreibt anschaulich, wie der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn in Wien repräsentiert wurde. Und sie lenkt den Fokus auf die Deutschen, die sich von anderen Völkern benachteiligt sahen und sich mit allen möglichen politischen Mitteln zur Wehr setzten. Ob Antisemitismus, Propaganda in den Medien, einen deutschfreundlichen Bürgermeister, sogar blutiger Terror gegen andere Nationalitäten waren an der Tagesordnung und prägten die geistigen und politischen Strömungen sehr vieler Leute in dieser Stadt.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, aber wenn ein solcher Staat so geführt wird, dann ist er reif für den politischen Untergang - und so war es ja auch.
Und da zog nun ein junger Mann von Linz aus in diese Großstadt, um sich als Kunstmaler zu profilieren. Es war kein geringerer als Adolf Hitler. Er versagte kläglich, sich eine Existenz aufzubauen, war ein notorischer Einzelgänger und Tagträumer und verhielt sich sehr streng bürgerlich-spießig. Hitler saugte die politische Situation der Deutschen (einschließlich des Antisemitismus) in Wien auf, weil er sich der deutschen Kultur und Lebensweise durch seine notorische Verklemmtheit hingezogen fühlte und sich mit allem, was ein Deutscher wissen mußte, um sich intellektuell einigermaßen artikulieren zu können, befaßte. Doch blieb er politisch unaktiv.
Im Kontakt mit anderen ist Hitler psychologisch stark Borderline-gestört (das ist m.M. nach das eigentliche Wesensmerkmal Hitlers, was sich durch seine ganze Biografie und eben halt auch in Wien wie ein roter Faden hindurchzieht).
Ich konnte mich durch die präzisen Darstellungen der Autorin über die Stadt Wien und ihre handelnden Personen und unterschiedlichen Nationalitäten sehr gut in die soziale Situation der Bürger von Wien hineinversetzen. Es war keine einfache Zeit - mit Verlaub - eher eine sehr bedrückende Materie.
Insgesamt 5 Sterne für dieses Meisterwerk
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am 27. November 2014
Brigitte Hamann zeigt, wie man ein historisches Buch von Rang schreibt. Hitler als Teppichbeißer und vorauszuahnender Diktator kommt hier nicht vor, sondern eine nüchterne Analyse von Wien als Hauptstadt einer Multikultiwelt der Habsburger Monarchie. Die deswegen auch starb bzw. unterging. Wie wir heute. Wäre Hitler nicht in Wien gewesen, sondern von Anfang an in München, hätten wir nie von ihm etwas gehört. Wien zu Beginn des 20.Jahrhunderts polarisierte, dazu das Elend der Arbeiter. Aber am besten selbst lesen. Es gibt wenig gute Bücher über Hitler. Das gehört dazu. Ich kenne Wien noch aus den siebziger Jahren und habe alles zu Fuß abgewandert. Aber auch das Wien der 70er gibt es nicht mehr.
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TOP 1000 REZENSENTam 25. März 2008
Fr. Hamann arbeitet nachvollziehbar seriös. Sie stellt diverse Aussagen von Zeitzeugen einander gegenüber, versucht zu belegen (oder auch zu widerlegen), was davon wahr sein könnte oder auch nicht, unter anderem unter Zuhilfenahme des Meldewesens, das es damals in Wien gab.
Es gab einfach zu viele, die ihn gekannt haben wollen, vor 1945 aus oportunistischen Gründen, nach 1945, um Geld als Buchautoren zu verdienen.(besonders interessant ist der in diesem Buch geschilderte Fall, als sich einer dieser Bekannten vor 1945 wesentlich anders erinnert als danach, sich jeweils als Biograf H.s versuchend).
Des weiteren sehr wichtig und hilfreich die penible Ausarbeitung des Umfeldes, das H. geprägt hat: das Wiens, knapp nach der Jahrhundertwende.
Und der Personen, die damals dort Politik gemacht haben oder es versuchten. (Bürgermeister Lueger, Schönerer, List, und diverse, deutschtümelnde, teilweise ins okkulte gehende Gemeinschaften)
Als zeitgeschichtliches Werk für Interessierte ein Muß.
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am 13. September 1999
Manchmal muß man sich schon wundern, daß es gelingen kann, noch Neues über Hitler herauszufinden. Unzählige Bücher wurden über ihn geschrieben, meist sehr dicke. Sicherlich, sie unterschieden sich in mancher Wertung, jedoch wurden nur noch wenig neue Fakten zusammengetragen. Brigitte Hamann ist es gelungen, mit ihrem Buch über „Hitlers Wien" über diesen Schatten zu springen. Mittels intensiver Recherchen in Wiener Archiven konnte sie durchaus Neues beisteuern, was der Forschung so noch nicht bekannt war. Das Buch ist einerseits eine Biographie Hitler über seine ersten knapp zwanzig Lebensjahre einerseits, andererseits ein Porträt der Metropole des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn, Wien. Es ist kein schönes, friedliches Bild, das sie von der Kaiserstadt zeichnete - sie war zerrissen in zahlreiche Fraktionierungen, hatte mit der sozialen Frage zu kämpfen, mit dem Nationalitätenproblem, mit einer arroganten und koorupten Elite, mit genialen Künstlern, die dem Zeitalter die Bezeichnung „Dekadenz" unterschoben, und mit einer „Volksseele", die davon nichts verstand und sich von radikalen, antisemitischen Parolen anstecken läßt. In diese Stadt, in diesen Sumpf begiebt sich der junge Hitler. Hier erlebt er entscheidende Jahre, hier schnappt er zahlreiche Ideen auf, die er später auf grausame Art Wirklichkeit werden läßt, und Wien ist der Schauplatz seiner Erinnerungen „Mein Kampf", in dem er seine eigene Vergangenheit teilweise aufs Groteskeste verfälscht. Hamann gelingt es in der Tat, mit manchem Märchen, das der spätere Diktator über sich in die Welt gesetzt hat, Schluß zu machen. Hitler - so ihre Beschreibung - war niemals „ganz unten", war niemals Bauarbeiter und: er war kein Antisemit, zumindest offensichtlich nicht. Es ist darüber hinaus interessant geschrieben und mit Quellenauszügen und Illustrationen versehen. Die vorliegende Taschenbuchausgabe macht das Werk auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Eine möglichst große Resonanz ist ihm daher nur zu wünschen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 16. September 2010
Brigitte Hamann verschmelzt in ihrem Buch "Hitlers Wien" zwei Dinge miteinander. Zum einen schildert sie den Lebenslauf des jungen Hitler bis er 24 Jahre war, zum anderen versucht sie eine Kultur- und Sozialgeschichte Wiens für die Jahre vor dem 1. Weltkrieg offenzulegen. Die Kombination von beiden ist originell, da Hitler in Wien immerhin sechs Lebensjahre verbracht hat und demzufolge dort in vielen Ansichten geprägt worden sein dürfte.

Die Quellenlage zur Biographie des jungen Hitlers ist dürftig. Hitler hat, nachdem er an die Macht gekommen war, alles daran gesetzt, die Spuren seiner Vergangenheit in Linz und Wien zu verwischen. Lediglich die Aussagen in "Mein Kampf" sollten als offizielle Lesensart seiner Biographie anerkannt werden. Allerdings sind viele Passagen hierin schlichtweg falsch. Brigitte Hamann spürt die spärlichen Quellen zu Hitlers jungen Jahren nach und führt eine beachtliche Quellenkritik durch, die es auf diese Art und Weise noch nicht gegeben haben dürfte.

"Hitlers Wien" ist keine leichte Kost, dennoch stellt es ingesamt ein lesenswertes Buch dar, aus dem der Leser viel über die damaligen Verhältnisse in Wien und Österreich erfahren kann und sich erahnen läßt, welchen Einfluss sie auf den jungen Hitler ausgeübt haben bzw. haben können. Insgesamt bewerte ich das Buch mit vier von fünf möglichen Sternen.
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am 10. Januar 2014
Die Beschreibungen von Brigitte Hamann sind faszinierend zu lesen.
Insbesondere die Darstellung von Dr. Karl Lueg(n)er sind trefflich gelungen.
Neben dem Klassiker 'Gorgias' zur Rhetorik, des Schönredens, Aufwiegelns und Volksverhetzens ist dieses Buch ein Schlüsselerlebnis zur Kunst des 'Filibusterns', sprich Dauerquatschens, das noch heute großen Anklang findet.
Argumente statt Komaquatschen!
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am 10. Januar 2012
Zugegeben: Ich habe das Buch noch nicht durch. Aber bis jetzt finde ich es interessant zu lesen, wie Hitler nach den Recherchen von Frau Hamann gelebt hat. Eine Frage finde ich noch interessanter: Wie kann es sein, dass viele, gebildet wie ungebildet, Hitler nachgelaufen sind und ihn vergötterten. Bis heute. Und dass es heute auch noch Menschen gibt, welche jemanden wie Hitler an der Macht sich wünschen.
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am 17. August 1999
Brigitte Hamann kennt sich aus in Wien, bislang war das aber nur im Hinblick auf "Sissi" und andere Habsburger-Kultobjekte aufgefallen. Nun legt die Historikerin ein Buch über Hitlers Wiener Jahre vor, mit dem sie einmal mehr beweist, daß sie ein Gespür für vermarktungsfähige Themen hat. Nichtsdestotrotz gehört dieses Buch auch wissenschaftlich zu den interessantesten und bemerkenswertesten der letzten Jahre über die Zeit des Nationalsozialismus und seiner Vorläufer. Hitler hat Wien nie gemocht, abfällig nannte er es die "Phäakenstadt", und ließ die Stadt seine Verachtung spüren. Die Jahre, die er als junger Mann in Wien verbrachte, gehören dennoch zu den prägenden. Hamann arbeitet akribisch heraus, wie diese Jahre wirklich verliefen, und befreit sie in detaillierter Quellenanalyse von der Stilisierung, mit der Hitler sie in "Mein Kampf" umgab. Immer wieder gelingt es ihr, ganz überraschende Einzelheiten zu entdecken, und ihre Rekonstruktion ist nicht nur für die Biographie des jungen Hitler von ganz außerordentlicher Wichtigkeit, sondern auch für die Frage, aus welcher geistigen Gemengelage sich die "nationalsozialistische Weltanschauung" entwickelte. Die Bedeutung Karl Luegers, des "Volkstribunen", und diejenige Schönerers für den jungen Hitler analysiert Hamann in glänzender Weise - immer wieder gelingt es ihr, überraschende geistesgeschichtliche Bezüge aufzutun, insofern ist dieses Buch zugleich eine Geschichte Wiens in den Jahren um die Jahrhundertwende. Der Philosoph Weininger etwa, der sich schon mit 23 Jahren selber tötete, hat bisher nie eine Rolle gespielt, wenn es um antisemtisches Denken im Wien dieser Zeit ging - hier und an vielen anderen Stellen stößt Hamann eine Tür auf, hinter der noch eine ganze Terra incognita liegt für die Geschichtsforschung. In Bezug auf Hitler gehört freilich eine sorgfältig herausgearbeitete Erkenntnis zu dem Bemerkenswertesten, was das Buch zu bieten hat: Entgegen Hitlers eigener Selbststilisierung wurde er in Wien nicht zum Antisemiten. Obwohl der Antisemitismus in Wien damals bereits eine kulturelle Hegemonie errungen hatte, lassen sich keine Belege dafür finden, daß der junge Hitler von Judenhaß geprägt gewesen wäre. Der Ausbruch des Antisemitismus bei Hitler, das ist eine der Folgerungen aus diesem lesenswerten Buch, muß erst in der Zeit nach seinem Wechsel nach München gesucht werden. Alles in allem ist das Buch empfehlenswert nicht für Leser, die sich über die Biographie Hitlers informieren wollen, sondern über die Grundlagen der nationalsozialistischen "Weltanschauung" - denn ihre geistige Genese ist das eigentliche Thema dieses Buches. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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