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Kundenrezensionen

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am 20. Mai 2003
Grundsätzlich muss man Huxleys letztes Buch "Eiland" als einen Gegenpart von seiner negativen Utopie "Schöne Neue Welt" verstehen.
Huxley erschafft in "Eiland" auf einer abgelegenen tropischen Insel eine perfekte Gesellschaft glücklicher Menschen, die durch Meditation, Gestalt-Therapie und psychodelische Selbsterfahrung einem Idealzustand nahe kommen.
Durch die Augen eines anfänglich skeptischen schiffbrüchigen Journalisten wird einem ein augenscheinliches Paradies gezeigt. Als er sich letztendlich von der technisierten westlichen Welt verabschiedet hat und in die neue Gesellschaft einzutauchen bereit ist scheint alles zu einem 'runden' Ende zu kommen. z Huxleys geradezu fatalistische Enttäuschung über die zivilisierte Welt ist deutlich zu spüren: die Illusion der perfekten Gesellschaft wird durch den 'Fortschritt' in Person erdölgieriger Industrienationen und sein Eindringen in das Paradies zerstört. Dieser letztendlich vorprogrammierte Bruch hat einen wesentlich desillusionierenden Effekt als "Schöne Neue Welt", welches von Beginn an wesentlich bedrückender ist. Eiland ist ein faszinierendes Buch welches viele Fragen in einem aufwirft und den Horizont erweitert. Sehr empfehlenswert!
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am 2. September 1999
Gigantisch: Das beste Buch, das ich je gelesen habe! Huxley schafft ein Land, in dem das Beste aus Westen und Osten nicht nur nebeneinander steht, sonder sich gegenseitig befruchtet. Das ist der ultimative Inselroman. Nicht deshalb, weil Urlaubsstimmung aufkommt (obwohl man es durchaus im Urlaub lesen kann), sondern weil er eine abgeschlossene ideale Welt entwirft, bei der man sich fragt, warum sie nicht schon lange Realität geworden ist. Die Frage wird aber gleich mitbeantwortet: Weil es nur in einer abgeschlossenen Welt funktioniert. Die böse Nachbarinsel ist nicht weit genug entfernt - und so kommt es (ganz zum Schluss), wie es kommen muss. Komisch ist eigentlich bloss, dass man irgendwie trotzdem an dieser Vision hängenbleibt...
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am 31. Januar 2001
und im Gegensatz zur Utopie, sind Träume machbar. So war es auch von Huxley selbst gedacht. Er sah in dem von ihm entworfenen Gesellschaftsbild eine der Möglichkeiten (denn es ist sicher nicht die einzige) für ein Weiterbestehen der Menschheit. Und er legt, wie auch schon bei "Brave New World", eine nahezu visionäres Bild dar: wenn die Menschheit so weitermacht wie bisher, so wird sie sich selbst bzw. sich gegenseitig vernichten. Man kann nur hoffen, dass es Menschen gibt, die dieses Buch nicht als Utopie ansehen. PS: Wer ein kleinwenig mehr über die Entstehung erfahren will, der sollte mal in "Moksha" reinschauen, auch wenn es zum überwiegenden Teil von den Erfahrungen Huxleys mit Halluzinogenen handelt.
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Ich habe diesen Roman mit Genuss gelesen. Vorsichtshalber möchte ich aber darauf hinweisen, dass er praktisch keine Handlung enthält. Ein englischer Schiffbrüchiger ist zu Gast auf einer Insel, auf der es das höchste politische Gut ist, das Wohlergehen der Bürger zu sichern und zu mehren - und das kann natürlich nicht mit den Mitteln des materialistischen Westens und auch nicht des anti-spirituellen (marxistischen) Ostens verwirklicht werden. Vielmehr wird allen Menschen von Kindesbeinen an das Leben im Augenblick, der Gegenwärtigkeit, ans Herz gelegt. Glück, so Huxleys These, offenbart sich im Hier und Jetzt, in harmonischer Übereinstimmung mit dem, was gerade, eben jetzt, geschieht. Das hört sich nach Zen-Philosophie an und ist auch entsprechend gemeint. All das kann der Schiffbrüchige natürlich nicht innerhalb weniger Tage selbst ergründen - vielmehr bekommt er es von den verschiedensten Einwohnern Palas erklärt; Vielleicht macht das die Lektüre für einige etwas zu trocken. Außerdem webt Huxley in die Organisationsform des "Zen-Staates" Pala noch einige westliche Ideen ein, die nicht immer wirklich mit der Kultur des Ostens harmonieren. Aber immerhin, es gibt bereits einen Staat (in der realen Welt), dessen Herrscher sich die Mehrung des "Brutto-Glücks-Produktes" (Statt des Bruttoinlandsproduktes) zum Ziel gesetzt hat. Ich rede vom Königreich Bhutan, dass sich solchen Zielen verschrieben hat.

Am Ende bleibt natürlich alles reine Theorie. Ein Staat kann seinen Bürgern das Glück nicht als Bürgerpflicht auferelegen. Zur spirituellen Erkenntnis kommt man stets aus eigenem Antrieb. Eine utopische Gesellschaft könnte vermutlich erst dann gelingen, wenn es eine kritische Masse von Menschen gäbe, die sich ein neues Lebensziel jenseits des Materialismus gesteckt haben.
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am 5. April 2005
Dies ist der letzte Roman von Aldous Huxley, ca. 30 Jahre nach "Brave New World" erschienen.
Auch in diesem Roman handelt es sich vordergründig um eine positive Gesellschaftsutopie, die auf einer fiktiven Insel namens Pala, irgendwo im pazifischen Archipel gelegen, spielt. Auf dieser Insel herrschen archaische, ja urkommunistische Zustände ohne Armee, Polizei. Die Insel könnte reich sein, aber... das Staatsoberhaupt namens "Rani" und ihr beratender Stab weigern sich, die überaus reichlich vorkommenden Ölvorkommen an multiglobale Ölfördergesellschaften zur Ausbeutung zu verpachten/verkaufen. Hiermit sind vordergründig alle einverstanden. Hintergründig jedoch hat die "Rani" und ihr Sohn Prinz Murugan bereits Kontakte zu verschiedenen Käufern geknüpft - schließlich will man ja den Fortschritt nicht aufhalten!
Zu dieser Zeit schleust einer der Hauptinteressenten, Lord Aldehyde, einen als Reporter getarnten Spion namens Farnaby auf Pala ein.
Interessant dabei ist allein schon der Name Aldehyde. Aldehyde sind eine Sammelbezeichnung für eine Klasse organischer Verbindungen, die für die Herstellung von Kunststoff von großer Bedeutung sind. So gelingt es problemlos und preiswert, Ethylen auf katalytischem Weg partiell zu AcetALDEHYDE zu oxidieren. Etyhlen wiederum fällt in großen Mengen bei der Destilation von Erdöl an. Den meisten dürfte Polyethylen ein Begriff sein; dieser taucht meistens als Aufdruck auf Plastiktüten von Warenhandelsketten in Verbindung mit einem Hinweis auf die Umweltfreundlichkeit dieses Produktes auf.
Der Name der Insel bezieht sich auf ein bengalisches (Westindien) Herrschergeschlecht des 8. - 12. Jahrhunderts nach Christi. Einen weiteren Hinweis auf diesen Ursprung geben teils die Inhalte der auf Pala vorherrschenden Religion sowie die Namen, die stark an indische Schreibweisen erinnern. In der Pala-Dynastie wurde letztmalig der Mahayana-Buddismus Staatsreligion. Ziel des Buddhismus ist es, über Reinkarnationen irgendwann das Nirvana, das Nichts, zu erreichen also de facto aufzuhören zu existieren. Im Mahayana-Buddhismus hingegen verzichtet er darauf, im Nirvana zu verschwinden, sondern bleibt um das Leiden anderer auf sich zu nehmen und um ALLEN Wesen zu helfen. Er wird auch als "Der Erleuchtete, der den wahren Pfad gefunden hat" bezeichnet. Auch hier eine Analogie zu der Gesellschaftsform auf Pala, in der es keine Herrscherklasse in unserem Sinne sondern nur Ratgeber gibt sowie als Hinweis darauf, dass für die Palaner "IHRE" Gesellschaftsform die einzig wahre und richtige ist.
Das Kontemplative auf Pala ist auch stark vertreten durch den Vogel Myna; eine Art fliegender "ermahnender Zeigefinger", der "Gib acht! Hier - und Jetzt - DU" sagt. Diese Sentenz, so alleine betrachtet, ergibt wenig Sinn. Dieser erschließt sich dem Leser erst nach weiterer Lektüre und wird später ausführlich in einem Dialog erklärt.
Übrigens sind Mynas eine Unterart der Beos, die nur auf Sumatra oder Sri Lanka vorkommen, also auch wieder ein Lebewesen, dass nicht weltweit verbreitet ist und nur lokal und selten vorkommt. Der Enggano-Hill-Myna kommt sogar weltweit nur auf einer einzigen Insel namens Enggano, südlich von Sumatra, vor.
Anspielungen auf den Buddhismus findet man in "Das Eiland" überall, manchmal mehr, manchmal weniger plakativ. Ich erinnere nur an die im Garten stehende riesige kunstvoll gefertigte Schnitzerei. Übrigens auch hier wieder eine Anspielung. Kunstvolle Handarbeiten und hier speziell Holzschnitzereien werden im Laufe des Buches häufig beschrieben. Enggano, Heimat des Enggano-Hill-Myna, ist bzw. war berühmt für ihre ausserordentliche Schnitzkunst sowie die auf hohen Pfählen gebauten Rundhütten. Auch diese kommen in Huxleys Roman vor.
Fazit: Auch ohne alle Anspielungen erkennen zu können ist Huxley mit diesem Roman eine hervorragende Vision gelungen. Bis zum ernüchternden Finale bleibt man in seiner Vision gefangen und hofft mit dem im Laufe des Romans vom Zukunftsgläubigen zum Palaner geläuterten Farnaby auf einen glücklichen Ausgang.
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am 8. Juni 2011
Ich bin ein Fan von Aldous Huxley. Deshalb habe ich dieses Buch gelesen.

Wie man es beurteilt hängt jedoch davon ab, was man sich von dessen Lektüre verspricht. Ich kann all die Leser gut verstehen, die diese Geschichte ziemlich fad oder gar langweilig finden. In der Tat kommt zu keinem Zeitpunkt richtig Spannung auf.
Auch die Art wie die Bewohner Palas ihre Lebensweise erklären wirkt oft recht "verkopft" und daher unrealistisch. Wer also einfach nur mitreißende Unterhaltungsliteratur sucht sollte sich ein anderes Buch kaufen...

Macht man aber die im Buch beschriebene Utopie zur Grundlage einer Bewertung, dann fällt mein Urteil schon deutlich besser aus! Offensichtlich wollte Huxley seiner Dystopie der "schönen neuen Welt" eine Alternative gegenüberstellen. Dass dann bei der Schilderung einer Welt des kollektiven "Friede, Freude, Eierkuchen" keine nervenzerfetzende Spannung aufkommen kann, liegt in der Natur der Sache. Immerhin war er doch noch so realistisch, diese heile Welt ganz am Ende des Buches an ihrer Wehrlosigkeit scheitern zu lassen. Denn nicht nur der paradiesische Endzustand der utopischen Weltordnung muss funktionieren können, auch der Weg dorthin muss die Bedingung der Machbarkeit erfüllen. Und das bedeutet eben Durchsetzungsfähigkeit gegenüber anderen Gesellschaftsmodellen oder zumindest eine gewisse Wehrhaftigkeit zum Zwecke der Selbsterhaltung.
Huxleys Utopie erhält daher von mir die volle Punktzahl!

Es bleibt jedoch der Makel der Langeweile! Wer statt einer philosophischen Abhandlung für Interessierte einen Roman für die breite Masse schreiben will, der braucht den Lesespaß wie der Koch das Salz für die Suppe. Sorry Aldous, die Suppe schmeckt nicht! Deswegen insgesamt nur 3 von 5 Sternen.

Ein Schmankerl gibt es dann aber doch zu entdecken: Will Farnabys Pilztrip gegen Ende der Geschichte. Dinge, die sich mit Worten nicht beschreiben lassen, eben doch mit Worten auszudrücken oder zumindest verstehbar zu umschreiben, ist eine Stärke Huxleys. Danke Aldous, für die Gelegenheit sich zu erinnern! (!!!)
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am 15. Dezember 2014
Huxleys utopischer Roman Eiland ist für meine Begriffe einer der lesenswertesten, lohnenswertesten, aber auch voraussetunzgsreichsten Romane, die mir untergekommen sind. Obwohl unübersehbar in den sechziger Jahren geschrieben, besitzt das Buch immer noch große Relevanz und Faszinationskraft. Es ist aber nicht als bloße Unterhaltungslektüre zu empfehlen, wenngleich es für Leser mit religiösem und philosophischem oder vielleicht auf gesellschaftlich-politischem Interesse neben all den Anregung auch deutlichen Unterhaltungswert besitzen wird; in Fragen Schule, Ausbildung und Arbeitsgesellschaft lohnt ein Blick auf dieses Werk Huxleys. Es ist zumindest in abendländischen Kontext denkbar, ein ganzes Seminar oder eine ganze Lektüreeinheit (Oberstufe) mit zahlreichen Referaten darum herum aufzubauen, sei es, dass es um das Verständnis speziell dieses Werkes geht, sei es, dass es um Utopien geht, sei es, dass dieses Buch als der verbindender Punkt für eine Schau auf indische Religionen dient. Ich selbst sehe es vor allem als ein Werk, welches die Bedeutung und das Leben von Achtsamkeit illustriert und versucht, dafür Rahmenumstände zu schaffen. Es kann m.E. als eine für den westlichen Kulturkreis frühe „Werbeschrift“ für Achtsamkeit gelten und mag seinen Teil auf dem Weg zur Verbreitung dieser Thematik im Abendland geleistet haben.

Als „normaler“ Leser sollte man allerdings vorneweg für sich akzeptieren, dass der Roman nicht so viel Handlung besitzt, wie man bei einem Buch vergleichbarer Dicke erwarten könnte, sondern dass das Faszinierende vielmehr in der Ausmalung dieser Welt im Vergleich zu der westlichen besteht sowie in der Erklärung ihrer Genese. Der Hauptcharakter Will dient dabei trotz einer gewissen Entwicklung und Beispielhaftigkeit für das Aufräumen mit dem persönlichen, im Menschen zumeist unterschwelligen Grauen vor allem als Leinwand, um den Staat und die Insel von Pala zu inspizieren und abzubilden. Dazu gelangt er an verschiedene Stellen, die im Leben eines Menschen bedeutsam sein könnten: unter anderem zu der Schule, an einen Ort für Erwachseneninitiation, zum Heim der Familie, er begegnet Säuglingen, und er begegnet dem Tod. Man könnte auch aus anderer Perspektive sagen, er beschäftigt sich mit Themen wie dem Familien- und Erziehungswesen, mit dem Gesundheitswesen, mit der Wirtschaft, mit dem Regierungssystem, mit der Religion bei Übergangsriten und mit der Alltagsreligiösität und mit der Frage, wie zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren. Es wird fast „der ganzer Kreis der Schöpfung ausgeschritten“. An allen diesen Ort bzw. bei allen diesen Gelegenheiten wird Will in Gespräche mit Leuten verwickelt, die ihm die verschieden Themen auseinandersetzen, und mit denen er darüber diskutieren kann. Man muss Huxley dabei mit etwas Nachsicht begegnen, dass wirklich alle Charaktere sehr kluge Dinge zu bemerken haben, und so z.B. sogar die junge Krankenschwester schon solche Dialoge mit Will führt wie auch die Weisesten der Insel.

Zweitens sollte man es akzeptieren, dass Pala ein Aufguss ausgerechnet indischer Ideen ist und eine verklärte Version eine asiatische Landes zeigt, wenngleich glaubhaft entworfen. Pala hält allein dem Westen ein Kontrastprogramm vor und zeigt Indien bzw. Asien maximal, wie sich dort Bekanntes besser leben ließe – man denke an die in Indien zwar verbotenen, aber nach wie vor wirksamen Kasten. Pala erhebt den Anspruch, das Beste von Westen und Osten zu verbinden, aber das läuft im Wesentlichen auf einerseits Elemente der westlichen Wissenschaft und wenige übernommene technologische Dinge hinaus und andererseits auf geistige „Dinge“ des Ostens. Die religiöse Dimension des Westens kommt nur in den Diskussionen und allenfalls als Negativfolie zum Tragen, bis auf den letzten Seiten an einer kurzen Stelle das Östliche das „wahre Christentum“, nämlich die Liebe aufzeigt. Das mag und wird bestimmt an der Persönlichkeit des späten Huxley liegen, aber auch als in dem Geist der Zeit begründet verstanden werden. Mit Hinblick auf den Veröffentlichungszeitpunkt dieses Buch könnte übrigens ein Vergleich zu den Hippie-Kommunen lohnenswert sein.

Bei der Lektüre des Buches ist festzustellen, dass es sehr komplex ist, und dass Huxley hier gegen Ende seines Lebens offenbar seinen religionshistorischen Wissensschatz ausschüttet. Manch einer findet es ohne Hintergrundwissen als lesbar – aber man verpasst vieles –, manch einer kann ohne Hintergrundwissen gar nichts damit anfangen. Bei meiner eigenen Lektüre ahnte ich, und die Erfahrungen meines Buchclubs zeigen mir, dass man einige Dinge vorher wissen sollte bzw. in einem Seminar etwa folgende Referatsthemen vergeben sollte. Hier der Großteil davon:

1) Grundkenntnisse in Sachen Wiedergeburtenkreislauf und Erlösung: mindestens hinduistisches moksha (syn.: mukti) und buddhistisches Nirvana, ein Seitenblick auf das Satori des Zen lohnt.

2) Nachlesen, was Yoga bedeutet, und was für verschiedene Arten des Yoga es gibt – Yoga ist definitiv mehr als ein westlicher Volkssport, sondern soll eigentlich zu moksha führen! Ein Seitenblick auf die Erörterung des Yoga in der Bhagavadgita ist lohnenswert.

3) Dies ist ein Buch über das Glück, und wie man es findet oder nicht findet. Ein Blick auf verschiedene Glückskonzepte mag dazu zumindest weiterführend lohnen; in den letzten Jahren sind dazu einige gute Bücher erschienen. Es sollte aber zumindest ein Blick auf Aristoteles geworfen werden, denn man könnte auch behaupten, dies sei ein eudämonistisches Buch. Ein Blick auf Aristoteles und die Frage des gelungenen Lebens tut Not.
Obgleich nicht expressis verbis genannt, ist – mit der Glücksfrage verwandt – dieses Buch aber auch und besonders ein Buch über Lebensziele und den Widerstreit der Lebensziele, wie sie in Indien thematisiert werden, sich aber bei genauerer Betrachtung auch im Westen wiederfinden:
- kama (vgl. z.B. die Science-Fiction-Lektüre Prinzen, Kap.10, oder die ursprüngliche Intention des Will)
- artha (vgl. z.B. den Versandhaus-Katalog des Prinzen oder die Frage des königlichen Fahrzeugs)
- dharma (Ebene1: z.B. die Blumen des Kindes im Tempel. Ebene2: die Religiösität der Rani oder das Bebuttern des Lingams durch den alten Radscha)
- moksha: kaum zu übersetzen, aber vorsichtig wiedergebbar mit Befreiung.

4) Grundkenntnisse in den Strömungen und Grundbegriffen des Hinduismus und Buddhismus:
a) Die gefühlte „Erlösungs-“ bzw. Befreiungsbedürftigkeit im Hinduismus und Buddhismus. Ein Blick auf die Ausfahrten des (zu dem Zeitpunkt noch zukünftigen) Buddha und seine sich anschließende Suche mögen hier genügen, da der Buddhismus letztlich aus dem älteren Hinduismus hervorgeht und die hinduistischen Fragen dieser Zeit zu beantworten sucht.
Hierbei Klärung der Begriffes samsara und Leiden: Von besonders der ersten, kaleidoskopartigen Schilderung der Erfahrungen Wills in den ersten Absätzen, bis hin zu besonders dem kaleidoskopartigen Erlebnis im letzten Kapitel unter Einfluss der moksha-Medizin und den Geschehnissen auf der Ebene Alltagsrealität (Klammerstellung!) schwingt die ganze Zeit ungenannt die Idee des samsara im Hintergrund und wird im Abschlusskapitel noch einmal, ebenfalls nicht als solche benannt, ausgebreitet. Der Begriff des Ur-Grauens ist in diesem Zusammenhang zu beachten.
b) Advaita-Vedanta: Verschmelzung von atman und brahman.
c) Welche sogenannten Fahrzeuge gibt es im Buddhismus, und worin liegen die Hauptunterschiede? Für die Kapitel 11 und 15 besonders zu beachten ist das arhat-Ideal versus das bodhisattva-Ideal.
d) Hinduistische (und buddhistische) Alltagsreligösität: Der Tempelbesuch (dies braucht man, um die zwei Tempelszenen zu verstehen).
e) Welche bekannten hinduistischen Götter und wesentlichen buddhas bzw. bodhisattvas gibt es? (Shiva taucht immer wieder auf, daneben wird z.B. der Buddha Amithaba in Kapitel 11 erwähnt.)
f) bhakti. Ein Seitenblick auf den Buddhismus des Reinen Landes lohnt.
g) Was sind die furchterregenden Gottheiten im Hinduismus (z.B. Bhairava, vgl. ), und was leisten sie?
h) Einige Reden des Buddha sollte man kennen, um so etwa die Sterblichkeit in dem Stück Ödipus In Pala zu verstehen (Kap.14).
i) Ein Blick auf indische Theaterstücke erklärt (neben maithuna) die Sinnlichkeit der Sprache im Ödipus-Stück. Hier ließe sich die Shakuntala lesen.
j) Nachdem Eiland auch alle menschlichen Lebensstadien abarbeitet, lohnt es sich (auch wenn sie nicht ausdrücklich thematisiert werden), die indischen vier Lebensstadien im Hinterkopf zu haben. Diese sind ein Versuch, die obigen vier Lebensziele idealtypisch in einem menschlichen Leben unterzubringen. Nochmaliger Verweis auf Aristoteles und das gelungene Leben.
k) Hinduistischer und mit einen Seitenblick auch buddhistischer Tantrismus: rechtshändiger versus linkshändiger Pfad, Anschirren der Sinnlichkeit (kama) im Interesse von moksha. Was ist und bedeutet eine Gottheit, die in sexueller Vereinigung und Umschlingung dargestellt wird (einige solche Bilder sollte man kennen!)? Hier besteht eine große Gefahr, es aus westlicher Sicht einfach nur für Sex und die Freuden von Sex zu halten, was ein großer Fehlgriff wäre. Dringend zu klären sind die Begriffe maithuna, sowie (als Hintergrundwissen) shakti. Es sollte einem auch klar werden, was Shaktismus ist.
l) Die Sinnlichkeit in Indien: 1) kama-sutra: Was ist ein Sumatra grundsätzlich, und für wen wurde es geschrieben? (eigentlich gibt es sogar mehrere kamasutra-s) 2) Ein Blick auf die erotischen Tempelfriese Indiens lohnt, am berühmtesten sind die von Khajuraho.
m) Für die Thematik des Sterbens sollte man sich grob der Inhalte des tibetischen Totenbuches bewusst sein.
n) Die naga-s (Schlangen) Indiens müssen kurz betrachtet werden. Man sollte einmal ein Bild es von der Schlage beschirmten Buddhas gesehen haben. Auch wenn Vishnu kein Gott dieses Buches ist, so ist das Bild des auf der Schlange ruhenden Gottes Vishnu ein in Indien derart allgemein bekanntes Bild, dass ein blick hierauf als Deutungshintergrund zu diesem Buch sinnvoll ist.
o) Am Rande ist ein Blick auf das eben nicht thematisierte Kastenwesen wünschenswert.

5) Da es um eine göttliche Absolutheit gilt, die erlangt werden soll, muss ein Blick auf die westliche Mystik geworden werden, d.h. Meister Eckhart. Dies gilt, weil es erstens zum Verständnis des Absoluten hilft (vgl. die Einnahme der moksha-Medizin u.a. in Kapitel 15 oder die Meditation im Meditationszimmer vor dem Landschaftsbild des 11. Kapitels), und weil es zweitens die im Hinblick auf die westliche Religiösität offengelassene Leere etwas zu füllen, bzw. auszubalancieren hilft.

6) Wer waren die Quäker?

7) Gelegentlich schneidet das Buch die Frage, wie man Dinge anzieht, z.B. einmal in Kapitel 7. Ein Blick auf das modern verstärkt bearbeitet Prinzip Law of atraction (Esther Hicks) mag hierfür einen Verstehenshintergrund liefern.

8) Ganz besonders aber ist dies auch ein Buch über die Achtsamkeit (in der deutschen Übersetzung heißt es oft Gewahrsein), vom ersten Erscheinen eines Mynas bis hin bis zum letzten Kapitel unter dem Einfluss der Behandlung Wills durch Susila und dem Weiterrufen der Mynas auf der letzten Seite (Klammerstellung!). Diese Thematik wird derzeit von vielen Autoren und ihren Neuerscheinungen bearbeitet wird. Um davon einen Begriff bekommen, ist besonders das Buch »Jetzt« von Eckhart Tolle zu empfehlen, sowie seine jüngere Erweiterung »Eine neue Erde«, was im Hinblick auf die hier besprochene Utopie eine pikante Note hat. Am Rande sei angedeutet, dass Tolle auch den persönlichen Schmerzkörper des Menschen und seinen Umgang damit bespricht, was trotz der Unterschiede einen schönen Vergleich zu der Behandlung und Wandlung Wills liefern kann, geht es doch in beiden Fällen um Achtsamkeit. Auch Tolles Deutung von Jesus bzw. Christentum verdient, neben die Huxleys gehalten zu werden.

9) Ein Vergleich zur Theo- und Anthroposophie mögen interessante „Ausbauthemen“ für ein Seminar sein, sind aber für den einzelnen Leser verzichtbar.

10) Andere Utopien sollten bekannt sein, mindestens die Thomas Morus verfasste. Ein Vergleich mit der im Ethik-Unterricht bzw. in soziologischen/philosophischen Seminaren gerne besprochenen Utopia (1516) von Morus aus wäre ergiebig. Dasselbe gilt mit größter Offensichtlichkeit von der von Huxley selbst in jungen Jahren verfassten Dystopie (Negativ-Utopie), Schöne neue Welt (Brave New World, 1932). In diesem Zusammenhang mag man sich die Frage stellen, warum Huxleys Island als eine Utopie des 20. Jdh.s im Alltagsleben seiner Bewohner so wenig technologisiert ist. Fernseher etwa mögen der Achtsamkeit entgegenstehen, aber Motorräder etwas hätten ohne besonderen Konsumtrend öffentlich zur Verfügung stehen können. Ist es der Versuch höchstmöglicher Einfachheit?

11) Auf einige christliche Heilige wird Bezug genommen. Maria Dolores / Mater dolosa sollte grob bekannt sein.

12) Der spätere Huxley suchte nach der göttlichen Wirklichkeit hinter allem und betrachtete dazu die verschiedenen religiösen Traditionen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (12'2014) sind mir noch nicht so viele Werke Huxleys bekannt, aber mir scheint, Huxleys Philosophia perennis sei doch gut neben Eiland zu legen oder ist zumindest eine weiterführende Lektüre. Es könnte sich um ein Verhältnis ähnlich der Art Theorie und Praxis handeln, dies ist abzuklopfen.

Generell ist es wünschenswert, einige Bücher parat liegen haben, d.h. einen Handapparat:
1) Die Namen in Eiland sind sprechende Namen! Ein Nachschlagewerk der Religion und der Philosophie für alle Namen in Eiland sind empfehlenswert.
2) Selbige Nachschlagewerke für alle indischen (zumeist Sanskrit-)Begriffe. Diese Worte nicht nachzuschlagen risse weite Lücken in das Verständnis des Buches!
3) Es braucht ein Buch über den Hinduismus, z.B. Axel Michaels »Der Hinduismus«.
4) Ein Buch über die Grundzüge des Buddhismus und seine wichtigsten Begriffe.
5) Nötig ist ein bebildertes Buch über Tantrismus, ein einfaches Werk ist »Die Welt des Tantra« von Mookerjee/Khanna
6) Für die indische Bilderwelt der Tempel empfiehlt sich ein Bildband, z.B. »Hinduistisches Indien« von Henri Stierlin.
7) Ein Werk über indische und tibetische Ikonographie ist wünschenswert, um zunächst grundsätzlich Götter zu sehen und dann aber auch die Vereinigung von Gott und Shakti zu sehen.
In vielerlei Hinsicht ist das von John Bowker herausgegebene »Oxford-Lexikon der Weltreligionen« hilfreich.

Für die detailreiche, glaubwürdige Ausgestaltung von Eiland, die hier deutlich geworden sein sollte, gebe ich die volle Punktzahl. Leichte Einschränkungen sind zu verkraften, aber ein reißerischer Roman lässt sich mit dieser Thematik auch nicht verfassen, darum kein Abzug. Insgesamt ein faszinierendes Buch, das zum Weiterdenken und Diskutieren anregt, vielleicht gar zum Weiterlesen. Bei mir selbst steht jetzt die Philosophia perennis auf dem Programm. Für alle, die das Konzept der Achtsamkeit fasziniert hat, ist auch Tolles Jetzt ist eine gute, wenngleich völlig anders geartete Anschlusslektüre.

Ich wünsche allen Lesern von Huxleys Eiland ein freudiges und inspiriertes Lesen und Weiterlesen.

E.W. 2014
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am 8. Januar 2000
Wer Aldous Huxleys „Schöne neue Welt" gelesen hat, wird in diesem Roman dessen Spiegelbild entdecken! Es ist die Geschichte eines englischen Reporters, der auf einer fast autarken, tropischen Insel strandet, auf welcher eine alternative Lebensphilosophie gelebt wird. Die Welt die Huxley erschafft scheint perfekt und paradiesgleich. Doch am Ende ist auch dieses Paradies verloren! Anders als in seinem früheren Roman, der seiner Kategorisierung noch gerecht wurde, erscheint mir dieses Buch eher wie eine wissenschaftliche Abhandlung einer perfekten Mikrosozietät. Trotzdem ist es beinahe ähnlich fesselnd und anklagend. Wer genug hat von den typisch negativen Utopien, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen. Aber auch für Andere ein Leckerbissen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 14. September 1999
Der letzte Roman des Autors Aldous Huxley: eine faszinierende Utopie - und der Beweis, daß sie nicht existieren kann, wird mitgeliefert. Es ist ein Meisterwerk: eine abgeschiedene Insel (doch nicht abgeschieden genug), ein schiffbrüchiger Spion, Korruption. Es ist ein Buch, welches Fragen aufwirft: Können Menschen wirklich so ausgeglichen sein, so vernünftig? (Wahrscheinlich schon, es hängt wohl von der Umgebung ab.) Hat das Werk eine positive oder eine negative Einstellung zum Leben? Warum setzen wir das Ganze nicht einfach um? (Ist dies der Grund, weswegen Huxley so wütend auf die Menschheit ist?) Sind die Menschen Palas nicht ZU bemüht um ihr Glück und Wohlbefinden? Es gibt so viele Fragen, die hier gestellt werden können, das Buch wirft mehr auf, als beantwortet werden können - gerade das macht es so wertvoll. Huxley kombiniert hier umfassende gesellschaftliche Veränderungen mit persönlicher Entwicklung und Freude. Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, welche das Beste der menschlichen Natur verkörpert, ohne diese menschliche Natur zu verändern - und gerade dies macht den Roman so realistisch und wertvoll. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 25. November 2009
Huxleys Meisterwerk.

Eine Utopie, mit der jeder etwas anfangen kann. Leider haben wir sie nicht, aber es sind so viele praktische Anregungen zum Weiterdenken drin, dass jeder etwas daraus in sein Leben integrieren kann.
(Unendlich klug, weise und auf höchstem intellektuellen Niveau geschrieben. Und humorvoll! So gut kennt Huxley die menschliche Psyche. Und sieht dennoch das Potential für die utopische palanesische Gesellschaft. Ich sehe es auch.

Wer Huxley-Neuling ist, sollte nicht mit Eiland beginnen. Lesen Sie erst ein früheres Buch, einen Gesellschaftroman und dann auch "Die Pforten der Wahrnehmung". Zumindest denke ich so, aber das ist nur mein Tip. Dieses unendlich kostbare Buch kann man immer wieder lesen und nutzen daraus ziehen. Man kann auch darüber streiten, diskutieren... wir sollten es öfter tun.
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