Kundenrezensionen


5 Rezensionen
5 Sterne:
 (5)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

30 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Psychoanalyse... Unfähig zu trauern, und damit verbunden..., 26. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Unfähigkeit zu trauern: Grundlagen kollektiven Verhaltens (Taschenbuch)
... eine deutsche Art zu lieben. So lautet der erste Teil dieses Buches. Warum gebe ich fünf Sterne?

1. weil mir das Buch inhaltlich äußerst wertvoll erscheint. Es trägt zum Verständnis des menschlichen Verhaltens bei, indem es auf psychoanalytische Weise untersucht, wie wir Unangenehmes und Unverstandenes leugnen, bekämpfen und unterdrücken und wie das alles Ressentiments schafft, die sich kraft der Identifikation mit einer Führer-Gott-Vater-Figur und durch aggressive Projektion auf Feindbilder ("Sündenböcke") im Außen entladen. Dadurch verschwindet vorübergehend Aggression aus dem Binnenraum - Beispiel Nazizeit, wo die Entmenschlichung der Opfer ungeahnte Ausmaße annahm, um mithilfe einer Rationalisierungsstrategie namens "Moral" das Gewissen aus dem Spiel zu lassen.

"Unter dem Diktat der Verleugnung ist der Kommunismus nichts als eine Irrlehre für uns geblieben wie einst der Mohammedanismus oder der Protestantismus; uns als Rechtgläubige braucht das nicht zu interessieren, es genügt, wenn wir verabscheuen." (S. 70)

2. weil der Stil nicht anklagend (wenn auch durchaus nicht optimistisch!) wirkt, sondern im Gegenteil Mut macht, den eigenen Scharfsinn zu kultivieren und Toleranz zu üben, indem der Kreis von Triebbedürfnis-Reflexion-Mitgefühl zustande kommt. Und weil wesentliche Begriffe wie Kultureignung, kritisches Ich, Sozialisation, Identifikation mit dem Aggressor, das Zusammenspiel von Affekt-Verstand-Wille-Handlung etc. unter anderem auch mit Anleihen an Freud (Zeitgemäßes über Krieg und Tod) und Nietzsche (Menschliches, Allzumenschliches), auch Le Bon (Psychologie der Massen) gut erläutert werden.

"Es geht nicht um Anklage, sondern um Einsicht; diese nämlich, dass hohe Fachbildung, langes Studium etwa, nicht davor schützten, den Erlebnisverzerrungen bis hin zur wahnhaften Wirklichkeitsentstellung zu verfallen. Das Entscheidende bleibt für jede Einzelperson, wie Ich-fremd, wie unzugänglich für kritische Selbstbeobachtung während der Sozialanpassung die eigenen unterdrückten Triebanteile geblieben sind." (S. 273)

3. weil für mich persönlich einige Lektionen dabei waren, die ich nicht nur großartig formuliert fand, sondern auch wirklich gut durchdacht. Und weil vieles, was die beiden Autoren hier schreiben, auch heute noch gültig ist.

"Je weniger Toleranzerfahrung, desto weniger Wissen um die Wirklichkeit, desto mehr Wirklichkeitsvermeidung auch durch Idealisierung..." (S. 274)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ableitung Freudscher Konstrukte bei der Erklärung von geglücktem oder fehllaufendem Erwachsenwerden im Nachkriegsdeutschland..., 16. Februar 2011
Von 
Shaun - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Unfähigkeit zu trauern: Grundlagen kollektiven Verhaltens (Taschenbuch)
Das am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt forschende und lehrende Ehepaar Mitscherlich hat 1967 aus einzeln erschienenen Aufsätzen diesen Klassiker der Sozialpsychologie veröffentlicht. Ausgehend von der Psychoanalyse deutscher Erwachsener und ihrem Erleben der Hitlerdiktatur wie auch der Nachkriegsjahre unter Adenauer wird der interessante Versuch eines Transfers auf die gesamtdeutsche psychische Befindlichkeit unternommen, wie schon der Untertitel "Grundlagen kollektiven Verhaltens" suggeriert.

Im für mich wichtigsten ersten Teil "Die Unfähigkeit zu trauern - womit zusammenhängt: eine deutsche Art zu lieben" wird der Frage nachgegangen, wie es eigentlich zu dieser ausgeprägten Abwehrhaltung und Verdrängung der Nazizeit im öffentlichen wie auch privaten Bewusstsein Nachkriegsdeutschlands kommen konnte. Ähnlich wie man in der Hitlerzeit alle Ich-Ideale auf den Führer geworfen hatte und darin hoch-lebte, musste doch eigentlich eine fruchtbare Trauerarbeit einsetzen, sobald dieses Ich-Ideal durch Hitlers Selbstmord, das Gewahrwerden der Nazi-Greuel und den verlorenen Krieg abhanden gekommen war. Stattdessen setzte aber aus dieser narzisstischen Kränkung heraus eine riesige Verdrängung ein, und Hitler war plötzlich an allem Schuld, was man doch vorher selbst mitgetragen hatte.

Das Buch hatte eine enorme Wirkung für die weitere Aufarbeitung unserer dunklen Vergangenheit. Es war bei seinem Erscheinen kontrovers diskutiert, viele empörten sich über die beiden Analytiker und fühlten sich geschulmeistert. Dabei geht das Buch aber in den Folgekapiteln vom Massenphänomen wieder auf den Einzelnen zurück und beschreibt wichtige Mechanismen in der psychischen Entwicklung des Kindes zum Erwachsenen: Wie baut sich Moral auf, wie entstehen Vorurteile und Ressentiments, gibt es noch Autoritätsvorbilder in der entfremdenden kapitalistischen Konsumgesellschaft, die dem Heranwachsenden zur Identifikation dienen können? Wie entsteht praktizierte Toleranz Andersdenkenden gegenüber?

Ein wunderbares und wichtiges, aufklärerisches Buch, zwar nicht einfach zu lesen, aber hervorragend in der Ableitung Freudscher Konstrukte bei der Erklärung von geglücktem oder fehllaufendem Erwachsenwerden. (16.02.11)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach gigantisch!!!, 24. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Unfähigkeit zu trauern: Grundlagen kollektiven Verhaltens (Taschenbuch)
Alexander und Margarete Mitscherlich haben ein Meisterwerk geschrieben.

Im ersten Teil des Buches befassen sie sich mit der deutschen Nachkriegsgeschichte: der Ablösung vom Idol und der Flucht ins Selbstmitleid, ohne zu reflektieren, dass der Zerstörungswut der Alliierten noch größere Zerstörungswut der Nazis vorging.

Im zweiten und dritten des Buches behandeln sie einzelne Themen (Tabus, Vorurteile, Moral) im Allgemeinen. Die Hinweise auf Hitler oder Stalin treten eher in den Hintergrund. Im vierten Teil befassen sie sich mit der Pubertät und den verschiedenen wichtigen Rollen der Eltern und der Gesellschaft bei der Entwicklung junger Menschen. Anschließend gehen sie dann auf die Toleranz, das soziale und persönliche Ich sowie die politische Autorität über.

Das Buch ist fast eine Offenbarung. Hier geht es nicht darum, auf die Deutschen mit dem Finger zu zeigen, sondern sich mit der Realität auseinander zu setzen. Jede Kultur hat in dieser Hinsicht Arbeit nachzuholen. In meiner Kultur hatten wir auch ein Idol (Tito) und wir müssen uns auch weiterhin mit dem Jugoslawienkrieg auseinandersetzen.

Weiterhin kann man so viele Parallelen in der Gegenwart finden. Wir Menschen fallen eben sehr schnell in das Schema des Selbstmitleids, ohne zu reflektieren, welches eigene Verhalten den Ereignissen vorging. Ein Beispiel: Die Amerikaner stöhnen immer laut auf, wenn ein Amerikaner ums Leben kommt, ohne zu reflektieren, welche Rolle sie bei der Zerstörung anderer Gebiete gespielt haben. "Wir dürfen, ihr nicht" ist das Motto. Ich könnte so viele Beispiele aufzählen.

Weiterhin leben wir in einer schnellen Welt, überfüllt mit Überstunden und Zeitknappheit. Wichtige Themen des Lebens bleiben auf der Strecke, somit auch die Auseinandersetzung mit Problemen der heutigen Jugend. Das Kaufen der "richtigen" Markenkleidung, um zu signalisieren, dass man dazugehört, löst nicht die inneren Konflikte der Jugendlichen auf. Und wenn man sich mit diesen inneren Konflikten nicht befasst, werden sie eines Tages äußere Konflikte.

Was ich auch noch am Buch liebe, ist die Sprache. Ich musste den Satz teilweise zweimal lesen, um die volle Kraft der Aussage zu verdauen, weil sie schneidet wie ein Skalpell. Einfach nur großartig!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens, 17. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Unfähigkeit zu trauern: Grundlagen kollektiven Verhaltens (Taschenbuch)
sehr interessant und lehrreich für mich. konnte ich mir dankbarerweise einiges an bisher für mich unerklärlichem verhalten, speziell bei männern, erklären, hätte ich auch früher lesen können...........
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Immer noch gültig., 12. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Unfähigkeit zu trauern: Grundlagen kollektiven Verhaltens (Taschenbuch)
Das Buch beschreibt eine Situation in der Vergangenheit. Leider trifft diese Gesellschaftsanalyse immer noch zu.

Es ist heute noch aufschlußreich. Allerdings sollte man nicht erwarten, die Wahrheit hier zu finden. Aber es ist ein sehr wichtiger Beitrag dazu.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Die Unfähigkeit zu trauern: Grundlagen kollektiven Verhaltens
Die Unfähigkeit zu trauern: Grundlagen kollektiven Verhaltens von Margarete Mitscherlich (Taschenbuch - September 2007)
EUR 12,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen