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49 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Eine frühe Vorahnung der 70er Jahre,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
George Orwell's "1984" war eine düstere Zukunftsvision. Jenes von Konrad Lorenz ist dieses in gewisser Weise auch. Bedenkt man, daß "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" im Jahre 1973 veröffentlicht wurde, bewies Konrad Lorenz schon viel Gespür viel den einen oder anderen Verfall in unserer Gesellschaft. Lorenz zeichnet auf, daß der Mensch nicht viel anders als das Tier ist, wenn es in anonymen Trabantenstädten lebt und aufwächst. Agression ist eine Folge, oder auch Abgestumpftheit gegenüber dem, was um uns geschieht. Gelungen umschreibt er in einem Kapitel auch, wie divers sich der Land- und der Stadtmensch in der identischen Situation verhalten. Leider behielt Konrad Lorenz bereits Anfang der 70er Jahre recht, wenn man heute eine gewisse Verrohung der Gesellschaft konstatieren muß. Man könnte Konrad Lorenz zunächst konservativ nennen, aber das ist er nicht. Er ist nicht einmal ein Moralapostel, der sich auf einen religiösen GLauben stützen würde. Nein, anhand vieler Schilderungen, die durchaus seiner ethologischen Tierforschungentspringen, zeigt er auf, daß der Mensch mit all seiner Intelligenz zwar Populationen und Natur zerstören kann, aber die menschliche Intelligenz auch mit gewissen Quantitäten behaftet ist. Die Natur hat eigene Regularien, die bestens funktionierten, bis der Mensch zu enorm eingriff. Darum ist jenes Buch des Konrad Lorenz eine Mahnung.Ich bedaure beim Lesen des Buches nur, daß es nicht für jeden Leser geeignet ist. Lorenz verfügt über einen Anspruch, aber auch über einen enormen Wortschatz lateinischer oder griechischer Erklärungen. Dies, leider, macht dieses Buch leider dadurch nicht jedermann zugänglich. Doch eines wird in allen Schriften des Konrad Lorenz klar: er war seelisch gesund in seinem Herzen. Seine Tierliebe bereits in jungen Jahren machte in zu einem Forscher, der Tiere nicht vermenschlicht, sondern Assoziationen zu Menschen entdeckt. Gerne erinnere ich mich beispielsweise an seine Umschreibung in "Das Jahr der Graugans", daß die Ganter sich absolut unvernünftig aufführen, wenn sie balzen. Unnötige Flüge für wenige Meter, die jede vernünftige Graugans lieber schreitet, vergleicht er mit dem "Jüngling", der mit Motorrad oder durchdrehenden Reifen imponieren will. "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" ist ein Buch für Menschen, die hinterfragen. Es ist aber noch geeigneter für Menschen, die übersättigt sind von Kommerz oder einfältigen Lebenszielen, die einem durch einen gewissen Trott anerzogen oder aufgebürdet wurden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
35 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Es geht nicht um Eislutscher!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
Der Titel „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" lässt schon einiges über den Inhalt erahnen und das Gefühl der Endzeitstimmung kommt wohl zu recht auf. In den 70er-Jahren, mit der ständigen bewussten Bedrohung durch Kernwaffen, war „Das Ende" wohl ziemlich nahe. Heute spüren wir die atomare Bedrohung nicht mehr so stark, obwohl sie an sich immer noch und sogar noch mehr da ist.Wenn man das Buch aufmacht und hineinliest, fällt einem das zugleich beruhigende „optimistische Vorwort" auf. Wie auf einem Schlag ist es nicht mehr das Gefühl der Offenbarung des Untergangs, sondern ein Funken Hoffnung, wenn das erste Wort im Text „Optimistisches" lautet. Genauso ist der Charakter des Vorworts, es hat eine beruhigende und Zuversicht schaffende Wirkung. Der letzte Absatz des Vorworts drückt das bildlich aus: „Es wäre überheblich, zu glauben, dass das, was man selbst sicher weiß, nicht auch den meisten Menschen verständlich gemacht werden kann. Alles, was in diesem Buch steht, ist viel leichter zu verstehen als z.B. Integral- und Differentialrechnung, die jeder Oberschüler lernen muss. Jede Gefahr verliert viel von ihrer Schrecklichkeit, wenn ihre Ursachen erkannt sind. So glaube und hoffe ich, dass dieses Büchlein ein wenig beitragen kann zur Verminderung der die Menschheit bedrohenden Gefahren." (Seite 8 f.) Inhaltsverzeichnis: Optimistisches Vorwort 7 Das Inhaltsverzeichnis zeigt bereits die breite Auswahl an Themen, die Konrad Lorenz in diesem Buch behandelt und sie zu acht Todsünden der zivilisierten Menschheit zusammenfasst. Es sind eben keine acht Todsünden, die von Gott als solche vorgegeben sind, sondern Todsünden, die der „zivilisierte" Mensch begeht ohne sich dessen wirklich und ausreichend bewusst zu sein. Konrad Lorenz ist in seinem Element als Biologe, wenn er im ersten Kapitel über die Struktureigenschaften und Funktionsstörungen lebender Systeme schreibt. Obwohl das Thema nicht einfach ist, versucht Lorenz es so einfach wie möglich darzustellen. „Die Ethologie behandelt also das tierische und menschliche Verhalten als die Funktion eines Systems, das seine Existenz wie seine besondere Form einem historischen Werdegang verdankt, der sich in der Stammesgeschichte, in der Entwicklung des Individuums und, beim Menschen, in der Kulturgeschichte abgespielt hat. Die echt kausale Frage, warum ein bestimmtes System so und nicht anders beschaffen sei, kann seine legitime Antwort nur in der natürlichen Erklärung dieses Werdegangs finden." (Seite 11). Dieses Zitat ist einerseits eine zentrale Aussage des 1. Kapitels und stellt andererseits eine der wesentlichen Grundlagen für das Verständnis der im Buch beschrieben Probleme dar. Konrad Lorenz behandelt in diesem Kapitel u.a. auch noch das Thema „Regelkreis" und stellt die entscheidende stabilisierende Funktion des „negativen Feedbacks" dar. Ich wage es nicht, die gesamte Funktionalität eines Regelkreises hier in einem Satz darzustellen, aber es sei davor gewarnt, „negatives Feedback" aus einem Regelkreis zu entfernen, weil das System dann nur zu leicht außer Kontrolle geraten kann und wird. Wenn man den Fuchs der Hasen frisst als negatives Feedback für das System Hasen sieht, dann kann man sich ausmahlen, was passiert, wenn der Fuchs „ausfällt" und die Hasen sich unendlich vermehren. Im 2. Kapitel, Überbevölkerung, geht Konrad Lorenz an ein zentrales Problem der zivilisierten Menschheit heran, das zugleich die erste Todsünde der zivilisierten Menschheit ist. „Die maßlose Vermehrung der Menschen als erstes zu besprechen, empfiehlt sich schon deshalb, weil so manche der später behandelten Erscheinungen ihre Folge sind." (Seite 19). Eine Folge dieser Überbevölkerung, besonders in Städten ist das Phänomen „not to get involved". Man möchte sich nicht einmischen und möchte nicht betroffen sein, somit kann es schon passieren, dass jemand verprügelt oder vergewaltigt wird ohne dass die Passanten eingreifen. Der Alltag zeigt dieses Problem nur zu oft auf. Konrad Lorenz geht davon aus, dass der Mensch für das massenhafte Zusammenleben auf engem Raum nicht geschaffen ist. Im 3. Kapitel, Verwüstung des Lebensraums, zweite Todsünde, behandelt Lorenz den Irrglauben, dass die Natur unerschöpflich sei. Mittlerweile haben wir Europäer schon ein wenig dazugelernt, aber die Menschheit verwüstet den Lebensraum Tag für Tag weiter. Auch bei uns wird mit der Natur in Wahrheit noch immer sorglos umgegangen. Im 4. Kapitel, Der Wettlauf mit sich selbst, wäre ein typischer positiver Regelkreis. Im gegenseitigen Wettbewerb der Menschen, Organisationen und Nationen geht es um schneller, höher, stärken und jedenfalls um mehr bzw. sogar viel mehr. Die Menschen leiden unter der Beanspruchung unter dem Stress. Doch das System fordert weiterhin mehr und noch viel mehr. Im 5. Kapitel, Wärmetod des Gefühls, wird es sehr persönlich. „Schon in grauer Vorzeit haben die Weisen der Menschheit ganz richtig erkannt, dass es für den Menschen keineswegs gut ist, wenn er in seinem instinktiven Streben nach Lustgewinn und Unlustvermeidung allzu erfolgreich ist. Schon in alten Zeiten haben es die Menschen hochentwickelter Kulturen verstanden, alle unlustbringenden Reizsituationen zu vermeiden, was zu einer gefährlichen, wahrscheinlich sogar oft zum Untergang einer Kultur führenden Verweichlichung führen kann. Seit altersher haben die Menschen herausgefunden, dass man die Wirkung lustbringender Situationen durch besonders schlaue Zusammenstellung der Reize steigern und durch deren ständigen Wechsel vor der Abstumpfung durch Gewöhnung bewahren kann, und diese Erfindung, die in jeder höheren Kultur gemacht wurde, führt zum Laster, das indessen kaum jemals ebenso kulturvernichtend wirkt wie die Verweichlichung." Wir kennen das aus unserem Alltag, dass wir nicht jeden Tag unsere Lieblingsspeise essen können, ohne uns davon „satt zu essen". Wenn alles immer da ist und zur Selbstverständlichkeit wird, dann kann das schon zum Problem werden. Wie viele Menschen suchen heute nach dem „Kick", wenn sie zu Drogen greifen oder an Gummiseilen hängend von Brücken springen, einfach um wieder einmal was Besonderes zu spüren, zu neudeutsch ein besonderes „Feeling" zu haben. Im 6. Kapitel, Genetischer Verfall, beschreibt Lorenz die Probleme, die aus mangelnden Selektionsbedingungen entstehen können bzw. aus dem Glauben an den Behaviorismus entstehen können. „In einer österreichischen Zeitung las man jüngst [Anm. 1972!] die Schlagzeile: Siebzehnjähriger wird aus Angst vor den Eltern zum Mörder. Der Bursche hatte nämlich seine zehnjährige Schwester vergewaltigt und, als sie drohte, es den Eltern zu sagen, erwürgt. Die Eltern mögen in komplexer Verkettung der Wirkungen daran wenigstens teilweise Schuld getragen haben, ganz sicher aber nicht dadurch, dass sie dem Jungen zu viel Angst einflößten." (Seite 57) Im 7. Kapitel, Abreißen der Tradition, beschreibt Lorenz die Probleme, die daraus entstehen, dass die Jugend die alte Generation einfach ablehnt. Nur durch Tradition war es der Menschheit möglich, sich so schnell und so schnell so „hoch" zu entwickeln. „Die Methode jedoch, mit welcher unter dem vielen Angebotenen das Festzuhaltende ausgewählt wird, ist offenbar in Art- und Kulturentwicklung dieselbe, nämlich Auswahl nach gründlicher Erprobung." (Seite 68) Im 8. Kapitel, Indoktrinierbarkeit, geht es unter anderem um die Gleichschaltung großer Menschenmassen durch die Mode. Aber nicht nur die Massenmenschen sind leicht indoktrinierbar auch Wissenschafter sind es, wie Lorenz in diesem Kapitel ebenso nachweist. „Die gefährliche modische Indoktrinierbarkeit der Wissenschaft, die der Menschheit die letzte Stütze zu rauben droht, hätte nie zustande kommen können, wenn nicht die in den ersten vier Kapiteln besprochenen Kulturkrankheiten ihr den Weg gebahnt hätten. Die Überbevölkerung mit ihrer unvermeidlichen Entindividualisierung und Uniformierung, die Naturentfremdung mit dem Verlust der Fähigkeit zur Ehrfurcht, der kommerzielle Wettlauf der Menschheit mit sich selbst, der in utilitaristischer Denkungsart das Mittel zum Selbstzweck macht und das ursprüngliche Ziel vergessen lässt, und nicht zuletzt die allgemeine Verflachung des Gefühls, sie alle finden in den die Wissenschaften betreffenden Dehumanisationserscheinungen ihren Niederschlag, sie sind deren Ursache und nicht deren Folge." (Seite 105) Im 9. Kapitel, Die Kernwaffen, fasst sich Lorenz kurz, er handelt das Thema auf nur einer Seite ab. Obwohl es damals wohl die am Stärksten spürbare Bedrohung war, verweist er darauf, dass sie von den acht Bedrohungen am leichtesten Vermeidbar sei. „Man braucht sie nur nicht herzustellen oder nicht abzuwerfen." (Seite 106). Am Ende seines Buches steht die Zusammenfassung, die noch einmal die einzelnen Probleme darstellt und insbesonders auf die Zusammenhänge verweist. Wie für eine wissenschaftliche Arbeit üblich steht ganz am Ende das Literaturverzeichnis. *** Mein Fazit *** Auch wenn das Buch schon 30 Jahre alt ist und die Welt sich scheinbar so viel verändert hat, so ist der Inhalt der acht Todsünden der zivilisierten Menschheit noch immer hochaktuell. Das Buch ist mit 110 Seiten, sehr dichtem Inhalt, gut lesbar und der Preis von ¤ 7,90 stellt kein finanzielles Hindernis dar. Somit kann ich das Buch allen Lesern voll und ganz empfehlen, ob sie nun Wissenschafter oder „normale" Menschen sind. Das Buch ist trotz des schwierigen Inhalts leicht lesbar und wohl ebenso leicht verständlich. Wir sollten die acht Todsünden ernst nehmen, auch wenn vermutlich noch ein paar dazugekommen sind. Der einzelne Mensch kann die Todsünden zwar nicht wegschaffen, aber er kann durch ein entsprechendes Bewusstsein besser damit umgehen und sich und andere vor den Gefahren besser schützen. Ich bin im Besitz der ungekürzten Taschenbuchausgabe, die bei Piper bereits in der 20. Auflage, Juli 2003 erschienen ist. Somit scheinen das Buch doch schon einige Menschen gekauft und gelesen zu haben, aber anscheinend immer noch zu wenige. Ich wollte in meinem Beitrag nicht alle einzelnen Inhalte aufdecken (was ja auch nicht nötig ist), um die Spannung beim Nachlesen erhalten zu können. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Welch großartiger Wissenschaftler und Mensch!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
Welch faszinierendes Buch, welch faszinierender Mensch und großer Wissenschaftler, würdig mehr als nur eines Nobelpreises! Mit diesem Eindruck legte ich - selbst als Wissenschaftler tätig - dieses Buch nach dem Lesen zur Seite. Faszinierend ist besonders an Konrad Zacharias Lorenz, wie sehr er zeit seines Lebens hinzugelernt hat; wie sehr er schließlich gegen Indoktrinierung inner- und außerhalb der Wissenschaft resistent wurde. Es ist zu bedauern, daß seine kurzfristige Zugehörigkeit zur NSDAP (die er, wie anderes, rasch als Fehler erkannte - er lehnte den Nationalsozialismus und seine Taten, wie auch in diesem Buch deutlich wird, dann entschieden ab) auch heute noch angeführt wird, um Lorenz zu verunglimpfen und seine Lebensleistung zu schmälern. Es wird aber auch an diesem Buch nachvollziehbar, worin eine solch emotionale wie irrationale Ablehnung wurzeln könnte: Lorenz sprach und schrieb in heute völlig unüblich gewordener Klarheit. Das tut manchmal weh, zumal, wenn man sich selbst von der Wahrheit getroffen fühlen muß. Gerade diese Klarheit der Sprache zeichnet Lorenz aber als wirklich großen Wissenschaftler aus, der - das beweist seine Größe - geradezu einübte, sich widerlegen zu lassen: " ... und es ist, wie ich einmal sagte, eine zwar schmerzhafte, aber jung und gesund erhaltende Turnübung, täglich, gewissermaßen als Frühsport, eine Lieblingshypothese über Bord zu werfen." Nur wer klar formuliert, kann auch klar widerlegt werden. Das sind wir heute nicht mehr gewöhnt. Zwei Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches im Jahre 1971, also 1973, äußerte Lorenz bereits vorsichtigen Optimismus, einige seiner 8 Todsünden würden vielleicht überwunden. Wir sind aber vielleicht weiter denn je davon entfernt.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Spannendes und kritisches Werk!,
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
Konrad Lorentz ist wohl den Meisten ein Begriff. Der Wissenschaftler hat schon einige Bücher geschrieben, doch selten ein so provokantes wie dieses.Denn er greift hier die gesamte zivilisierte Menschheit an. Doch sein Ziel ist nicht die Diffamierung der Zivilisation, er will helfen. Er will den Menschen helfen sich ihrer "Sünden" bewußt zu werden. Er will ihnen helfen diese zu sehen und daran zu arbeiten, dass sie bekämpft werden. Dies macht Lorentz auf eine sehr aggressive Art. Er verzichtet vollkommen auf die heute so moderne "political correctness" und sagt frei heraus, was er denkt. Alles in allem ist das Werk hochinteressant und spannend. Lorentz deckt scharfsinnig die Sünden der Menschheit auf. Hier liegt allerdings das einzig negativ anzumerkende: Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Unbestreitbar wichtiges Werk - oft "zu" abstrakt / wissenschaftlich,
Von Dimitri Banick "aka Ceylon1979" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
Eins muss man diesem Büchlein zugute halten: Trotz seiner mittlerweile über 35-jährigen "Reife" hat es kaum an Aktualität eingebüßt. Dies liegt an der abstrakten und abstrahierenden Betrachtungsweise der behandelten Punkte - die 8 (modernen) Todsünden.In meiner Ausgabe von 2004 gibt es ein kurzes Vorwort des Autors, in welchem er darauf hinweist, dass seine Meinung einige Punkte betreffend sich leicht geändert hat und -, dass die Analyse einiger Momente bisweilen überholt ist. Dies sind aber wirklich vernachlässigbare Nivellierungen. Der Leser dieses Buches sollte des Weiteren über einen wissenschaftlich angehauchten, erweiterten Wortschatz verfügen, da der Autor viele Begriffe vor allem aus der Ethologie verwendet. Appetenz, Atorie, persistierende etc. sind einige solcher Ausdrücke. (Alle drei Wörter wurden beim Schreiben in Word markiert ;-) Die einzelnen Punkte sind sehr gut herausgearbeitet worden und werden jedem Leser einleuchtend erscheinen. (Mein Tipp: mit der straffen Zusammenfassung der Punkte, also mit Kapitel X zu beginnen.) An dieser Stelle muss ich jedoch auch anmerken, dass einige Kapitel ziemlich schwer (zu lesen), zäh und derart abstrakt sind, dass das Verständnis hinterherhinkt, selbst wenn man einige Abschnitte mehrmals liest. Mir kam es manchmal so vor als würde man eine bestimmte Formel auswendig gelernt haben und kennen und doch nichts damit anfangen können, weil man nicht weiß WIE sie einzusetzen ist. Ferner bin ich der Überzeugung, dass dieses Buch nicht als ein belletristisches gesehen und gelesen werden sollte. Es ist eher ein Sachbuch. Einen Stift sollte man deshalb parat haben, um sich Notizen zu machen etc. Ein weiterer negativer Aspekt ist die Anführung mancher Forscher, wobei nur der Vorname oder nur der Nachname erwähnt werden. Hierbei sollte man an "Text" wirklich nicht sparen. Einige Aspekte und Aussagen sind aber von unschätzbarer Aussagekraft und erzeugen häufige Aha-Erlebnisse. Oft ist aber einfach die spitzfindige Formulierung einer allen bekannten Weisheit wirklich bemerkenswert, dass man unweigerlich mit dem Kopf nickt und dem Autor nonverbal zustimmt! Ein Beispiel: "Die heutzutage in ständigem Wachsen begriffene Unlust-Intoleranz verwandelt die naturgewollten Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens in eine künstlich planierte Ebene, aus den großartigen Wellenbergen und -tälern macht sie eine kaum merkbare Vibration, aus Licht und Schatten ein einförmiges Grau. Kurz, sie erzeugt tödliche Langeweile." Ich bin mir sicher, dass ich mir einzelne Passagen und Kapitel immer wieder neu ins Gedächtnis rufen werde. Doch ist der Text stellenweise so zäh - siehe zitierte Stelle oben (was die Metapher angeht!), dass man nur ungern eins der lichtlosen, sprachlich versierten und doch fuchsteufelswild abstrakten Täler durchschreitet. Licht und Schatten - so gut der Autor es auch meinte. Deswegen 3*. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Die Rache der Evolution,
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Gebundene Ausgabe)
Ein bemerkenswertes Buch, nicht einfach zu lesen; typisch Lorenz; erstklassige Analyse menschlichen Verhaltens-über einiges ließesich streiten aber im positiven Sinne; beeindruckende Vergleiche von menschlichen und tierischen Reaktionen auf die Umwelt; eindrucksvolles mahnendes Werk ohne erhobenen Zeigefinger und pseudowissenschaftlicher Arroganz; ein Muss für jeden der sich nicht als Krone der Schöpfung sieht... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Ein MUSS für jede Bibliothek,
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Gebundene Ausgabe)
Ein wundervolles Buch , zu einem Super Preis, was will man mehr. Die Lieferzeit erfolgte prompt. Ich bin sehr zufrieden
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
aktuell wie nie zuvor,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Gebundene Ausgabe)
Wenn man bedenkt , wann dieses Buch geschrieben wurde, ist die Aktualität der Themen geradezu unglaublich.
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10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Man darf nicht einmal die Worte "minderwertig" und "vollwertig", auf Menschen angewendet, gebrauchen...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
Dieses Buch hat meine sehr positive Meinung von Konrad Lorenz, die ich von seinen anderen Büchern her hatte, erschüttert. Ich wußte schon vorher, dass Lorenz irgendwie mit den Nazis zu tun hatte, aber aufgrund des Spruches oben, habe ich mich näher kundig gemacht.Offenbar hat Lorenz, der ein begeisterter Nazi war, an einer rassenkundlichen Studie an Posener deutsch-polnischen Mischlingen und Polen ehrenamtlich mitgearbeitet. Ziel der Studie war es, die im Reichsgau Wartheland lebenden Menschen auf ihre erbbiologische Eignung hin zu untersuchen. Ortsansässige, die aufgrund einer psychologischen Begutachtung als asozial oder erbbiologisch minderwertig galten, sollten in Konzentrationslager überführt werden. Ich bin wahrlich kein Freund der Political Correctness, aber bei aller Liebe, mit der Vorgeschichte sollte man Sprüche wie diesen hier lieber lassen: S.108: [Es ist nicht auszuschließen, dass viele Infantilismen, die große Anteile der heutigen "rebellierenden" Jugend zu sozialen Parasiten machen, möglicherweise genetisch bedingt sind.] Ja, er setzt "rebellierend" in Anführungszeichen, "sozialer Parasit" hingegen nicht. Lorenz reflektiert überhaupt nicht, für jemanden der Kulturkritik üben will, ist das zu wenig. Seine Analysen der Menschheitsprobleme sind oft oberflächlich. Die Kritik an der "hasserfüllten" 68er-Generation ist angesichts der Hass- und Gewaltorgien die Lorenz Generation entfesselt hat schlicht lächerlich. Manches ist einfach Stuss: S.38: [Die Luxusbildungen [...] werden den westlichen Ländern, vor allem den USA, früher oder später dadurch zum Verderben werden, dass ihre Bevölkerung gegen die weniger verwöhnte und gesündere der östlichen Länder nicht mehr konkurrenzfähig sein wird.] Die östlichen Länder verwöhnten doch ihre Bevölkerung nicht deshalb nicht, um sie gesund und fit zu halten, sondern weil ihr Wirtschaftssystem nicht mehr hergab. Sobald die Konkurrenzfähigkeit erreicht gewesen wäre, hätte auch im Osten jeder seinen Swimmingpool und Flachbildschirm gekriegt. Von den 8 großen Problemen der Menschheit sind laut Lorenz die Atomwaffen das geringste, weil man hier weiß, was man dagegen machen kann. Einfach keine Atomwaffen bauen. Ein sehr seltsames Argument, denn selbstverständlich wissen wir genau, was man gegen Überbevölkerung (keine Kinder kriegen), Umweltschäden (nachhaltiges Wirtschaften), Technologiewettlauf (nichts neues Erfinden), usw. machen kann. Nur müssten wir dazu unsere Eigeninteressen dem Gesamtwohl der Menschheit unterordnen und das wollen wir nicht. Lorenz vergleicht die schönen Häuser in den alten Innenstädten mit den häßlichen Betonklötzen heutiger Tage, ohne zu berücksichtigen, dass die Betonburgen von heute das sind, was früher die Elendsviertel waren und die waren auch nicht hübscher. Seine Analyse der Menschheitsprobleme ist schlicht und einfach flach. Er zählt die üblichen Probleme, wie Überbevölkerung und Naturzerstörung auf, dazu dass, was ihm nicht passt, die frechen 68er und die verweichlichte Jugend von heute und mischt das ganze mit Humangenetik und Verhaltensforschung. Ein neuer origineller Ansatz - und den hatte ich mir von dem Buch versprochen - kommt dabei nicht heraus. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
WARUM der Mensch das tut, sagt Lorenz aber nicht.,
Von Jana Schmidt (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist hochinteressant und trotz seines Alters immer noch hochaktuell. Aber auch Konrad Lorenz erklärt leider nicht, WARUM der Mensch das tut, was er tut. Der Mensch entwickelt gefährliche Technologien wie Atombomben und Nervengase. Jeder weiß, dass dies schlimm ist und der Mensch das nicht zum Leben braucht. Also warum macht der Mensch dann so etwas? Warum gibt es die Überbevölkerung - warum weicht hier der Mensch so sehr von seiner Umwelt ab? Lorenz hat mit seinen Analysen als Verhaltensforscher durchaus recht. Aber die wichtigste Frage, WARUM?, das kann er nicht beantworten. Deshalb ziehe ich zwei Sterne ab. Wer z.B. nach den Ursachen der menschlichen Abartigkeiten forschen will, der sollte einen Blick in das Buch "Der Anfang war das Ende" werfen. HIeraus erfahren wir, warum der Mensch diese selbstgeschaffenen Probleme nicht beseitigen kann, obwohl er sie sieht. Ein erkrankter Geschlechtstrieb, der Fellverlust und ein explosionsartig angewachsenes Gehirn sind die Folgen der menschlichen Fehlentwicklung. Welche Ursache das hat? - Das herauszufinden überlasse ich dem Leser des o.g. Werkes. Denn denken muss man auch noch selbst.
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Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit von Konrad Lorenz (Taschenbuch - Oktober 1996)
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