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5.0 von 5 Sternen "Wie eine große Muschel/ rauscht der Himmel nachts." Ein Dichter von seltener Schönheit, 10. Mai 2012
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Sternenreuse. Gedichte 1925 - 1947. (Broschiert)
"Dass ich kam im Schattenwind,
weiß davon das Haus?
Birnen duften mürb im Spind
alten Sommer aus.
Wo der Flegel sausend drosch,
fliegt das Korn zuhauf.
Wo am Bett das Öl erlosch,
liegt das Laken auf."

Dreckige Erde unter den Schuhen, eine Art von Wehmut in der kühlen Luft, über brachigen Feldern und Hainen, vielleicht so etwas wie eine Zigarette, eine Pfeife, eine kleine Wärmequelle, ein kleines Licht in einer nasskalten, brettharten, wunderlich-moorigen Landschaft, kurz vor der Dämmerung. So sieht es in Peter Huchels Gedichtdebüt aus. Karg beschworene, klare Ausblicke auf Natur, Steinmauern, Seen und Wälder - und darin die Dinge, in denen sich das Leben bewegt und staut.

"Duft aus vielen alten Jahren
neigt sich hier ins Wasser sacht.
Wenn wir still hinunter fahren,
weht durch uns der Trunk der Nacht.

Die vergrünten Sterne schweben
triefend unterm Runder vor.
Und der Wind wiegt unser Leben,
wie er Weide wiegt und Rohr."

Peter Huchel, erst Zeitschriftenredakteur in der DDR, dann, nach seiner Zwangskündigung und Zwangsausreise, wie Ingeborg Bachmann und Paul Celan ein ungebundener, freier Schriftsteller, Reisender und Intellektueller, gehört unzweifelhaft zu den eigenwilligsten, aber auch zu den schönsten deutschen Dichtern des zwanzigsten Jahrhunderts; er, der sich konsequent fern der Launen und Moden hielt, hat uns mit seiner Dichtung als einer der ersten deutschen Autoren der Moderne bewiesen, dass das eigene, dass aus sich selbstgehende, poetischer und exemplarischer sein kann, als alles Abstraktionen, unter denen wir das Allgemein und Verbindliche zu versammeln suchen, jede Metapher, die die Vergleiche bescheinigt haben will.

"Damals ging noch am Abend der Wind
mit starken Schultern rüttelnd ums Haus.
Das Laub der Linde sprach mit dem Kind,
das Gras sandte seine Seele aus."

Die Sternenreuse war nicht die erste Sammlung von Gedichten, die in der BRD von Huchel erschien (1967); vorher war schon die wesentlich jüngere Gedichtsammlung Chausseen Chausseen erschienen, 1963; jedoch gefallen mir persönlich die frühen, oft ein wenig meditativen Gedichte besser

Die Gedichte dieses zweiten Bandes stammten, wie schon im Titel vermerkt, aus mehr als zwanzig Jahren, in die auch der zweite Weltkrieg fiel, der mit dem Gedichtzyklus "Die Rückkehr" stark in den Band eingeflossen ist. Vor allem dies Gedicht, und Gedichte aus Kindheit und Jugend, mit Idyllen und Betrachtungen in der sind der Inhalt der fast zu 100% gereimten Zeilen; Naturbeobachtungen, Momente, eingefangen, tropfende Erscheinungen der Welt.

"Oktober, und die letzte Honigbirne
hat nun zum Fallen ihr Gewicht,
die Mücke im Altweiberzwirne
schmeckt noch wie Blut das letzte Licht,
das langsam saugt das Grün des Ahorns aus,
als ob der Baum von Spinnen stürbe,
mit Blättern, zackig wie die Fledermaus,
gesiedet von der Sonne mürbe."

Peter Huchels frühe Gedichte sind von seltener Schönheit - erzählend, voll an trübem Licht und aufleuchtenden Schattenbildern von Wahrheiten, Beschreibungen, Philosophien. Als hätten die märkischen Landschaften sich in Wörter auf büttene Seiten gelegt, während eine alte Kerzenlicht- und Waldwindstimme dazu erzählt und sie alle wie ihre Kinder mit den Geschichten in den schwarzen Schlaf wiegt. Raue Schönheit, Tiefe unter den trüben Oberflächen.

"Ihr Fische, wo seid ihr
mit schimmernden Flossen?
Wer hat den Nebel,
das Eis beschossen.

Ein Regen aus Pfeilen,
ins Eis gesplittert,
so steht das Schilf
und klirrt und zittert."
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Die Sternenreuse. Gedichte 1925 - 1947.
Die Sternenreuse. Gedichte 1925 - 1947. von Peter Huchel (Broschiert - Mai 1996)
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