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am 19. Mai 2014
Über Schuld oder Unschuld, Recht oder Unrecht werde ich hier nicht urteilen, auch nicht über Steuerangelegenheiten, Steuerhinterziehung und kriminelle, finanzielle Machenschaften. Urteilen werde ich aber über das Buch "Alles auf Rot", eine Biographie (quasi) über Uli Hoeneß, geschrieben von Juan Moreno.

Juan Moreno zeigt gerade in diesem Buch seinen grandiosen, wortverliebten Schreibstil. Er schreibt so philosophisch und wortgewandt, so gekonnt, dass die Gefahr besteht, dass jedes eigene Wort von mir hier wie aus dem Deutschunterricht der 1. Klasse klingt. Deshalb lasse ich Herrn Moreno hier auch selbst zu Wort kommen. Aber erstmal ich ;)

Seine Aufgabe war sicherlich alles andere als leicht und ich glaube auch, dass er dieses Buch eventuell gar nicht so gern geschrieben hat. Das Thema Uli Hoeneß ist so heiß, wie es wohl heißer momentan nicht sein könnte. Da muss man sich als Journalist/Reporter/Autor schon wirklich ganz genau überlegen, welche Worte man nun wählt. Und ein kleines bisschen merkt man dem Buch auch an, dass es für Moreno eine brenzlige Angelegenheit war. Er schreibt sich aus meiner Sicht das ganze Buch lang quasi "warm", zum fulminanten Ende hin, nämlich dem "Fall" Uli Hoeneß. Und damit ist nicht die Akte Uli Hoeneß gemeint, sondern sein Fall nach unten, sein Untergang, sein Fallen, sein Scheitern. Und auch im letzten Kapitel verliert Juan Moreno niemals die Contenance, was sicherlich bei so einem Thema eine Meisterleistung ist, aber er gönnt sich das eine oder andere zynische, bissige, ironische Wort, kleine, unterschwellige Anschuldigungen. Sie seien ihm vergönnt. Denn ich kann mir den tiefen Seufzer direkt vorstellen, den er tat, als er mit der Lektüre fertig war ...

Aufgegliedert hat Herr Moreno die "Akte Hoeneß" ziemlich gut in Einleitung - Ehrgeiz - Glück - Geld - Wille - Aufstieg - Macht - Fall - Resümee. Trotzdem ist er in den Jahren oft ziemlich hin- und her gesprungen, da wusste man nicht so recht, auf was er jetzt eigentlich genau hinaus will. Wenn er ein Kapitel mit der Jetzt-Zeit begann, berichtete er plötzlich von Vorfällen in den 70er Jahren. Und das eigentlich mit steter Regelmäßigkeit in jedem Kapitel. Das war ein bisschen ein "Schreiben um den heißen Brei". Trotzdem hat er sich bemüht, den Mensch Hoeneß so authentisch wie nur irgendwie möglich darzustellen.

Dass Hoeneß vom Ehrgeiz zerfressen ist, dass er ständig nur auf der Straße der Sieger fahren will, dass er überhaupt nur eins will, nämlich gewinnen und dass Geld für ihn das Wichtigste ist (nicht zum Ausgeben, sondern zum Zocken), das dürften mittlerweile viele Menschen verstanden haben. Dass er am Ende gefallen ist und nun ins Gefängnis muss, verstehen vermutlich auch alle Menschen, nur Uli Hoeneß selbst vielleicht nicht zu 100 %. Denn er sah sich auch als Wohltäter, der er ja auch unbestritten war, er hat auf die Hilfe aus der Politik gehofft und darauf, dass sich "schon alles regeln wird", wie es sich immer hat regeln lassen. Aber dieses Mal nicht ...

Uli Hoeneß ist ein Narzisst, wie er im besten psychologischen Buche beschrieben wird. Und deshalb bereitet es mehr oder weniger auch Vergnügen, zu lesen, wie Uli Hoeneß wirklich tickt und was Gewinnen und Macht für ihn wirklich bedeuten. Das können sich "normale" Menschen gar nicht vorstellen. Aber wir lieben eben doch eher die Verrückten oder sagen wir so: sind von ihnen fasziniert. Und so ein Verrückter ist sicherlich auch Uli Hoeneß. Er ist sich selbst seiner Schuldigkeit wohl nicht bis zur Gänze bewusst. Aber genau das zeichnet ja einen Narzissten aus.

Und schön hat er ihn beschrieben, der Herr Moreno, z.B. so: "Unbändiger, nie enden wollender Ehrgeiz, der wie ein Monolith zwischen all seinen anderen Wesenszügen herausragt, Intelligenz, Leistungswille, Furchtlosigkeit, Härte, Kreativität, Risikobereitschaft, Geradlinigkeit, Sentimentalität, Effizienz, Großzügigkeit, Humor - das alles gehört zu Uli Hoeneß."

Eine ebenso gelungene Wortschöpfung ist: "Man könnte Hoeneß' öffentliches Bild mithilfe dreier Dostojewski-Romanen umschreiben: Der Spieler. Schuld und Sühne. Der Idiot." (Beim letzten Buchtitel hat sich Juan Moreno aber richtig was getraut ;) !)

Und die Biographie strotzt nur so vor genialen Wort-Kreationen. Herr Moreno musste sein schreibendes Talent sicherlich ziemlich strapazieren, um eine Biographie hinzukriegen, die einen einflussreichen, erfolgreichen, aber auch getriebenen, süchtigen und am Ende gefallenen Mann beschreibt. Es ist ihm gelungen! Bravo!

Uli Hoeneß wird durch das Buch denjenigen, die ihn eh nicht leiden können, sicherlich nicht sympathischer. Die, die ihn mögen, halten sowieso zu ihm. "Alles auf Rot" zeigt einen Uli Hoeneß, der besessen ist von Zuwendung, Anerkennung, vom Erfolg, vom Zocken und vom Geld. Aber das Buch zeigt auch den anderen Uli Hoeneß, den Wohltäter, den Großzügigen, den Spender, den Helfenden. Ein Mann der Extreme eben ... Ein Zocker, ein unruhiger Geist, der mit Sicherheit nach seinem Gefängnisaufenthalt wieder kommen wird ... Schauen wir mal, als was und wie. Ich meine, dass sich ein echter Narzisst nicht die Flügel stutzen lässt. Das heißt: Man wird ihm nicht die Flügel stutzen können, weil er sich wehren wird. Wie er sich immer gewehrt hat. Wie er eben ist: Unangepasst und selbstgerecht. Er wird ein Sieger-Typ bleiben und kann sich an seinem eigenen Credo messen: "Sieger haben Ziele, Verlierer Ausreden!"
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am 4. Juni 2014
Das Buch ist zweifelsfrei unterhaltsam geschrieben, kann die Grundeinstellung des Autors gegenüber Uli Hoeneß, trotz gegenteiliger Ankündigung, aber nie wirklich verbergen. Eigentlich erfährt man nichts Interessantes - einige Geschichten aus dem ersten Teil des Buches werden sogar fast wortwörtlich in den zweiten übernommen und hier nochmals unnötig aufgewärmt.

Dass Juan Moreno sich auf Seite 6 von "Alles auf Rot" dazu hinreißen lässt, sein Buch vier ihm offensichtlich nahestehenden Menschen zu widmen und von Letztgenannter hofft, ihre ersten gesprochenen Worte würden nicht ausgerechnet Uli Hoeneß sein, ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten.
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