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Erlebte Menschlichkeit: Erinnerungen (Küngs Memoiren, Band 3)
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am 7. Oktober 2013
Mehr als 2.000 autobiographische Buchseiten in 3 Bänden eines Lebens, das ein normaler Mensch in vergleichbarer Intensität und Fülle niemals bewältigen könnte. Der nunmehr 85-jährige Theologe, Gelehrte, Weltreisende und mutige Kirchenkritiker Hans Küng erinnert sich in seinem letzten Buch (er wird kein weiteres mehr schreiben) "Erlebte Menschlichkeit" an für ihn sehr bewegende Situationen seines Lebens. Er nimmt den Leser mit in ferne Länder und lässt ihn teilhaben an den Begegnungen mit großen Persönlichkeiten, vor allem aber wird das atemberaubende Arbeitspensum des Schweizer Theologen dokumentiert, wozu eine außergewöhnliche körperliche und geistige Naturkraft nötig ist. Innerhalb der römisch-katholischen Kirche ist Hans Küng einer der bedeutendsten Freiheitskämpfer unserer Zeit, der seinen langjährigen Kollegen und Inquisitions-Theologen Joseph Ratzinger bis heute zu Recht bekämpft. Man staunt über das Detail-Gedächtnis von Hans Küng -- jeder vergleichbar ältere Mensch muss vor Neid erblassen. Die Kräfte lassen naturgemäß nach, diesem Faktum sollte der in Tübingen lebende Kosmopolit vertrauensvoll ins Auge schauen. Die Ausführungen über die Selbstbestimmung des Lebens und die schon geplanten Details für die noch in der Ferne liegenden Trauerfeierlichkeiten machen ein wenig betroffen. Der berühmte Geiger Yehudi Menuhin (1916 - 1999) war mit Hans Küng befreundet; er schickte nur 5 Tage vor seinem Tod einen seiner letzten Briefe nach Tübingen. Für das "WELTETHOS-Buch" hatte Menuhin ein wunderschönes, sehr langes Gebet verfasst.Eine Passage daraus möge Hans Küng jetzt in seinem 9. Lebensjahrzehnt besonderer Trost und Zuspruch sein:"Hilf mir, ein guter Treuhänder des Körpers zu sein, den Du mir geschenkt hast. Mit keinem Leben kann ich so verfahren, wie ich will, nicht einmal mit meinem eigenen, denn es ist wie ein Gegenstand,der mir in meine zeitliche Verwahrung gegeben ist, um ihn zurückzugeben in den Zyklus der Erde im bestmöglichen Zustand für ein anderes Leben, das weitergeht. Deshalb: Dein Wille geschehe".
Hans Küng bleibt wie wir alle ein Suchender auf dem Weg zur göttlichen Urheimat. Mögen ihm die Worte des ersten Benediktinermönchs, der als Gregor der Große (540 - 604) in die Geschichte der Päpste eingegangen ist, als wichtiger spiritueller Impuls dienen: "Habitare secum!" (Bei sich selbst zu Hause sein).
"Das Leben geht weiter -- aber wie?" Diese Frage bewegt Hans Küng bis heute.
Eine bereichernde Autobiographie eines fast rastlos arbeitenden Menschen.

Roland R. Ropers
Etymosoph & Publizist
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 12. Januar 2015
Der 85-jährige Theologe, Gelehrte, Weltreisende und Kirchenkritiker Hans Küng erinnert sich in seinem letzten Buch (er hat nicht vor ein weiteres zu schreiben) "Erlebte Menschlichkeit" an für ihn sehr bewegende Situationen seines Lebens.
In 12 großen Kapiteln nimmt uns Hans Küng mit in ferne Länder, an 344 Orten und lässt uns teilhaben an den Begegnungen mit großen Persönlichkeiten. Vor allem aber wird sein atemberaubendes Arbeitspensum dokumentiert, wozu eine außergewöhnliche körperliche und geistige Kraft nötig ist.
Innerhalb der römisch-katholischen Kirche ist Hans Küng einer der bedeutendsten Freiheitskämpfer unserer Zeit, der seinen langjährigen Kollegen Joseph Ratzinger bis heute bekämpft.
Hans Küng legt Rechenschaft ab. Natürlich kreisen alle drei Bände um den Wendepunkt schlechthin im Leben von Hans Küng: den Entzug seiner katholischen Lehrerlaubnis durch Rom. In diesem Band sind vor allem die 25 Jahre enthalten, in denen ihm Papst Johannes Paul II jede Antwort schuldig geblieben ist. „Ob ich mich nicht auf einen Kampf mit dem Drachen eingelassen habe, den ich nie und nimmer gewinnen kann?“ (Seite 22)
Er erzählt auch, wie er schließlich zu seinem zweiten großen Thema, der Versöhnung der Weltreligionen, kam. „Zu neuen Ufern“, „Vorstöße in Neuland“, „Mein amerikanisches Jahrzehnt“, „Das Projekt Weltethos“ - diese Kapitelüberschriften deuten an, wie sich die Stellung des Theologieprofessors nach seiner Verurteilung durch Rom verändert hat. Küng, obwohl persönlich getroffen, ging nicht, wie manche erwartet hatten, reuig in sich. Er zog sich auch nicht zurück. Im Gegenteil: Sein Tätigkeitsfeld vervielfältigte sich. Aus dem einsamen „Ketzer“ in Tübingen - dem neuen Wittenberg, wie mancher Römer denken mochte - wurde ein theologischer Weltbürger, ein „global Player“ der Religionsvermittlung.
Und wenn heute Papst Franziskus 15 Krankheiten der Kurie benennt, unter anderem: Rivalität und Rachsucht, geistige Versteinerung, Terror des Geschwafels, spirituelles Alzheimer oder die Krankheit sich für unsterblich, unangreifbar oder unersetzlich zu halten, dann mag das für Küng eine durchaus befriedigende Bestätigung seiner Aussagen seit 30 Jahren sein.
Andererseits stoßen wir aber immer wieder auf heftige Abrechnungen mit theologischen und kirchenpolitischen Gegnern. Diese Wiederholungen seines bekannten, durchaus berechtigten Anliegens, mögen manchen Leser ermüden. Auch das extrem eingestreute Eigenlob werden ihm manche genauso übel nehmen wie seine unnötigen Fouls und das Nachtreten. Küng, zweifellos einer der bedeutendsten, produktivsten und einflussreichsten katholische Theologe des 20. Jahrhunderts hätte derartige Angriffe eigentlich nicht nötig.

Hans Küng analysiert und argumentiert sehr präzise und umfassend. Sein Schreibstil hilft dem Leser, die dadurch anfallende große Fülle an Informationen ordnen zu können. Und trotz den Erkenntnissen, zu denen er fast zwingend kommen muss, ist und bleibt er ein katholischer Theologe.

Hans Küng bleibt ein Suchender auf dem Weg zur göttlichen Urheimat. Ob er sie finden wird? Kein Enden also, erst recht kein Verenden, sondern ein Vollenden, so sagt er. "Das Leben geht weiter -- aber wie?" Diese Frage bewegt Hans Küng bis heute.

Eine bereichernde Autobiographie eines fast rastlos arbeitenden Menschen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. November 2013
Auch der nach den ersten beiden Bänden mit allergrößter Spannung erwartete dritte Band seiner Erinnerungen mit dem Titel „Erlebte Menschlichkeit“, nach Küngs eigenem Bekunden vermutlich sein letztes Buch, hat mich, wie viele seiner Bücher in den vergangenen Jahrzehnten, sehr begeistert.
Welch ein ermutigender Lebensbogen wird einmal in diesem 700 Seiten umfassenden Band mehr deutlich! Welch immer neu erstrittene und gegen alle unjesuanisch-katholische Enge und Starre verteidigte Offenheit und Weite! Welche faszinierende Detailfülle! Welche unanfechtbare Fachkompetenz! Welche Anerkennung in aller Welt! Und, gerade am Ende des Buches, welch berührende Menschlichkeit angesichts der zunehmend erfahrenen Einschränkungen dieses reichen und weiten Lebens!
Ich jedenfalls bin froh, als nach wie vor begeisterter Religionslehrer vor allem im Oberstufenbereich eines Gymnasiums, angesichts einer nach dem hoffnungsvollen Zweiten Vaticanum so traurig erstarrten Kirche an diesen Erinnerungen teilnehmen zu dürfen! Sie ermutigen gegen alle resignativen Tendenzen, in je neuer Orientierung am Ursprung und Kern unseres Glaubens, an Jesus von Nazareth, und in bleibender Auseinandersetzung mit den Fragen und dem Wissen unserer Zeit die Sache Jesu jungen Menschen mit Begeisterung weiter nahe zu bringen.
Allen Küng-Gegnern zum Trotz: Hans Küng und seine – das meine ich positiv – „mit allen Wassern gewaschene“ und gerade dadurch überzeugende Theologie sind ein Glücksfall!
Ad multos annos, verehrter Herr Küng!
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am 2. Januar 2015
Hans Küng war es vergönnt, seine von Anfang an auf drei Bände angelegten Memoiren zum Abschluss zu bringen. Was vor mehr als zehn Jahren mit Band 1 (Erkämpfte Freiheit; 2002) begann, fand mit Band 2 (Umstrittene Wahrheit; 2007) seine Fortsetzung, um nunmehr mit Band 3 (Erlebte Menschlichkeit; 2013) seinen Abschluss zu finden.

In diesen Memoiren zieht Hans Küng nicht nur eine Bilanz seines Lebens, er legt auch öffentlich Rechenschaft über ein erstaunlich dichtes Programm an Terminen, Vorlesungen, Reisen und zuvorderst Begegnungen.

Natürlich kreisen alle drei Bände um den Wendepunkt schlechthin im Leben von Hans Küng: den Entzug seiner katholischen Lehrerlaubnis durch Rom. So problematisch dies auch für den katholischen Theologieprofessor Hans Küng war, im Rückblick betrachtet, war es wahrscheinlich der Moment, der ihn anspornte, nun erst recht für Reform in der katholischen Kirche aber mehr und mehr auch für den Dialog zwischen den Religionen zu kämpfen. Jedenfalls legt Hans Küng ein bewundernswertes Zeugnis, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und mit dem nötigen Grundvertrauen statt sich des vermeintlich vorzeitigen Karriereendes zu grämen, einen neuen Anfang zu wagen. Natürlich hatte Hans Küng dabei auch viele Freunde und Unterstützer, vor allem im Zusammenhang mit der Stiftung Weltethos. Seine Erinnerungen zeigen aber sehr schön, dass es letztlich sein unbefangener und unbeirrter Reformwille im Geiste des Vatikanums II war, der ihn immer wieder und immer weiter antrieb. So ist es Hans Küng gelungen, seinem Anliegen eine Resonanz zu verschaffen, die innerhalb der katholischen Kirche zumindest schwieriger zu erreichen gewesen wäre.

Warum Hans Küng trotz der erlittenen Massregelung Mitglied der katholischen Kirche geblieben ist, wird letztlich nur er selbst sich vollverständlich erklären können. In vielen Punkten weicht er in der Tat von Grundlehren der katholischen Kirche ab und wenn er (ob er sich dessen bewusst ist?) mit Thomas Hobbes das Fundament seines Glaubens darin sieht, dass "Jesus der Christus ist", so schafft er Raum für mannigfache Inkulturationen anderer (d.h. nicht katholischer) Traditionen und Weltanschauungen. So sehr mich auch das Leben und Werk von Hans Küng fasziniert, hier verstehe ich die Amtsautorität der katholischen Kirche, die ein Interesse hat und mE immer haben muss, dass ihre Lehre von Personen vermittelt wird, die diese mittragen. Natürlich darf dies nicht bedeuten, dass der innerkirchliche Dialog unterbleibt und insbesondere auch nicht der kritische. Es muss aber eine Grenze geben, an dem die eigene Identität aufgegeben würde. Ob Hans Küng diese Grenze überschritten hat, kann ich als nicht theologisch ausgebildeter Katholik nicht beurteilen.

Dass Hans Küng auch ausserhalb der katholischen Kirche so wirkmächtig werden konnte, ist sein bleibendes Verdienst und natürlich steht sein Werk als bleibende Herausforderung für die katholische Kirche, ob es nicht doch besser gewesen wäre, gemeinsam mit diesen großen Denker die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern. Die im dritten Band von Hans Küng berichtete Begegnung mit Papst Benedikt XVI (seinem großen Antipoden Joseph Ratzinger) belegt ebenso eindrücklich, wie der spätere kurze Briefwechsel mit dessen Nachfolger Franziskus, dass die Gräben nicht unüberbrückbar sind.

Wer alle drei Bände dieser Memoiren liest, dürfte ein ziemlich umfassendes Verständnis der Positionen von Hans Küng gewinnen. Zwar bietet er durchweg keine wissenschaftlichen Begründungen - diese finden sich ja auch in den vielen Fachpublikationen, die er im Laufe seines langen Lebens veröffentlicht hat. Zu allen seinen Veröffentlichungen erfährt der Leser jedoch, was deren Kernaussagen sind. Zudem bieten die Memoiren durch detaillierte (und hier und dort vielleicht zur sehr ins einzelne gehende) Erfahrungsberichte einen einzigartigen Einblick in das Miterleben der kirchlichen und weltpolitischen Zeitgeschichte durch einen eng vernetzten und hochgebildeten Bürger des 20. bzw. beginnenden 21. Jahrhunderts.

Von allen drei Bänden war Band 1 für mich der mit Abstand am spannendsten zu lesende. Bei Band 2 störte mich ein wenig der Eindruck eines eitlen Hans Küng und so war ich positiv überrascht, als ich in Band 3 (S. 623 ff) las, dass er sich selbst mit diesem - ihm offensichtlich allzu bekannten - Vorwurf auseinandersetze und sich als jemand charakterisiert, der von seiner Erziehung her "die Bejahung des eigenen Wertes, der eigenen Fähigkeiten, aber auch der eigenen Grenzen mitbekommen" hat.
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Der letzte Band seiner Autobiografie und, wie er sagt, seine allerletzten geschriebenen Zeilen, liegen uns jetzt auf ganzen 600 Seiten vor!

Hans Küng, 1928 in bescheidenen Verhältnissen in der Schweiz groß geworden, zählt zu den wichtigsten Vordenkern der reformierten Katholiken und wurde zum internationalen Bestsellerautor. Dieser 3. Band der Biografie beginnt 1980, als ihm der Papst Johannes Paul II. die Lehrerlaubnis entzogen hatte. Denn Küng zweifelte an vielem und vor allem an der Unfehlbarkeit des Papstes! Auch die Missstände der Kirche sprach Küng stets offen an: "Es brodelt in der Kirche schon seit langem. Am deutlichsten zeigt sich das an der jahrzehntelangen Vertuschung sexueller Übergriffe von Klerikern gegen Kinder", sagte er 2011. Seit dem 2. vatikanischen Konzil habe die Kirche zehntausende von Priestern verloren, hunderte von Gemeinden haben keinen Pfarrer mehr, Männer- und Frauenorden sterben aus, denn es fehlt der Nachwuchs. Sogar die Kirchen leeren sich von Jahr zu Jahr mehr, die Menschen werden vom Glauben abtrünnig.

Auf 600 Seiten beschreibt Küng sein Engagement und seinen Kampf für eine neue Kirche. Er erzählt auch, wie er schließlich zu seinem zweiten großen Thema, der Versöhnung der Weltreligionen, kam und dafür rund 350 Orte besucht hatte. Zum ersten Male gibt er auch persönliche Details über sich preis. Seine Feindschaft mit seinem ehemaligen Weggefährten Ratzinger zum Beispiel und seine Ohnmacht, als dieser Papst geworden ist. Er habe bereits sein Grab gekauft und werde wegen einer Makuladegeneration keine weiteren Bücher mehr schreiben. Das klingt nach Lebensende und Depression, und nicht nach Glück und erfülltem Leben! Wo ist hier Gott, wo ist sein Glaube an die Herrlichkeit? Sein Leben ist hier und jetzt und nicht in einer fernen Auferstehung, die er sich vielleicht heute recht trostreich in bunten Farben ausmalt. Nein, er hat seine Mission auf Erden gefunden, Gott hat ihm den Weg gezeigt und er ist ihn gegangen. Eine Makula-Degeneration ist kein billet simple in das Reich der Blinden, sondern eher eine Einladung, doch mal eine Universitäts-Augenklinik aufzusuchen!

Sein Buch ist ein echter "Küng", nur die letzten 2,3 Jahre scheint er mehr und mehr an sich selbst zu zweifeln. Ich möchte Küng so in Erinnerung behalten, wie ich ihn kennenlernte: als einen streitbaren, gelehrten Reformer der Kirche!

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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 14. Januar 2014
Küng: streitbar und umstritten
Wer Küngs 3. Memoirenband liest, kennt den ganzen Küng. zumal er immer wieder auf Aussagen in den früheren Bänden verweist. Dem Entzug der Missio canonica verdankt er seine weltweite Berühmtheit. Durch ihn gewann er zeitlichen und geistigen Freiraum als fakultätsunabhängiger Professor für Ökumenische Theologie und Direktor des für ihn geschaffenen Instituts für ökumenische Forschung.
Lesenswert sind die Abschnitte über den Islam, das Judentum, die Welt der Ozeanier, Afrikaner und Indios, über die Religionen Indiens und Chinas. Auch viele theologische Aussagen sind in ihrer Klarheit bewundernswert, z.B. auf S. 235 seine Erklärung des Begriffes ‚Dreifaltigkeit‘.
In seinen späten Jahren entwickelte er die Idee des ‚Weltethos‘, eine alle Menschen der Welt verbindende und letztlich zum endgültig Frieden führende Idee. Hier überschätzt er wohl seine Wirkung. Der ewige Friede, eine sich im Wesentlichen einige Menschheit bleibt wohl eine Utopie.
Umstritten bleibt Küng bei den Aussagen über die derzeitige Kath. Kirche, die letzten Päpste, über ihm geboten erscheinende Reformen. Eine breite Öffentlichkeit sähe gern u.a. die Aufhebung des Zölibats, die Frauen-Ordination und die Interkommunion. Zweifellos bedient er hier den Mainstream, jeder, der eine andere Meinung vertritt, wird als geistig zurück geblieben abgekanzelt. Auf Ratzinger bezieht er das Schiller Zitat: „Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken“, das er aber im Hinblick auf Ratzinger mit einem Fragezeichen versieht. Ein Zitat aus Schillers Demitrius-Fragment sollte nachdenklich machen:: „Was ist Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen‘gen nur gewesen.“ Sehr fraglich, ob diejenige, die Küng begeistert zustimmen, sich auch für die Stellungnahmen der anderen Seite interessiert haben. Nur wer beide Seiten kennt, sollte urteilen.
Seine Angriffe auf Päpste, auf anders Denkende sind arrogant und töricht. Beleidigend ist es, Papst Johann Paul II geistige Unzulänglichkeit vorzuwerfen. Unsinnig ist es auch, Benedikts Pontifikat als von ‚Pleiten, Pech und Pannen‘ geprägt zu bezeichnen. Wenn er dem Papst Unfehlbarkeit abspricht, sollte er sie für sich selbst nicht in Anspruch nehmen. Letztlich steht hinter vielen Kontroversen ein unterschiedliches Bibelverständnis und daraus folgernd eine unterschiedliche Exegese. Das Neue Testament ist eine schwierige Mischung von Berichten realem Geschehens und legendär eingekleideter Verkündigung. Für Christen ist es Gottes Wort. Bei religiösen Fragen geht es immer um Glauben, um Transzendenz. Alle Aussagen bleiben letztlich Hypothesen. Sich einfach dem Zeitgeschmack anzupassen, ist der Kirche nicht möglich. Wer kein Verhältnis zur Kirche hat, wird das allerdings kaum verstehen.
Küng bezeichnet seine abweichenden Auffassungen als Paradigmenwechsel der Kirche. Wie es in der Wissenschaft Paradigmenwechsel gab, man denke nur an die die Ablösung des geozentrischen zum heliozentrischen System, so gibt es auch Paradigmenwechsel in der Kirche. Einer der Auslöser eines solchen Wechsels war Luther. Küng sieht sich nun als einen weiteren Auslöser eines Wendepunkts. Er übersieht, erst die Geschichte spricht das Urteil, ob eine andere Meinung ein Irrweg oder ein nötiger Paradigmenwechsel war.
Nach Küng verantworten die letzten beiden Päpste massenhafte Austritte aus der katholischen Kirche. Das ist nachweislich falsch. Auch die Protestanten haben Kirchenaustritte zu beklagen, und zwar in größerer Zahl, wie man im Internet leicht überprüfen kann. So traten 2000 186 557 Protestanten und 129 013 Katholiken aus ihren Kirchen aus Nur 2010 überwog die Zahl bei den Katholiken. Küng selbst erklärt in einem Artikel seines Buches ‚Was bleibt‘, dass 81% der Bevölkerung nach ihrem Gewissen, aber nur 1% nach den Weisungen der Kirche Entscheidungen treffen.
Ungelöste Fragen der Kirche sind nicht Auslöser der Glaubenskrise, sondern die seit dem Zeitalter der Aufklärung steigende Schwierigkeit, das zu glauben, was sich der wissenschaftlichen Erkenntnis entzieht. Nicht Aussagen der Päpste, sondern die allgemeine Säkularisierung der Gesellschaft erschweren vielen eine religiöse Ausrichtung des Lebens. Wenn Küng dann zu allem Überfluss wegen des Konkordats mit dem NS-Staat die Kirche in NS Nähe rückt, zeugt das nur von seinen mangelhaften Geschichtskenntnissen. Gegenüber Diktaturen gibt es leider nur die Möglichkeit, zwischen zwei Übeln das geringere zu wählen. Küng überschätzt sich erheblich. Es ist schon absurd, wenn er vor einem Konklave einen Brief an die Kardinäle schreibt, um ihnen zu erklären, was sie zu beachten haben. Genauso absurd ist ein Brief an 5 000 Bischöfe in der Welt. Er braucht sich über ausbleibende Antworten nicht zu wundern. Letztlich ist auch er nichts anderes als ein sehr kluger Wissenschaftler, aber davon gibt es viele. Selbst Rahner hatte sich von ihm distanziert.
Dass Kardinäle sich vor einem Konklave eidlich zum Schweigen verpflichten, dürfte ihm bekannt sein. Deshalb ist seine Bekanntgabe des Abstimmungs-Ergebnisses des Konklaves im Jahre 2005 ein On dit, das man als seriöser Wissenschaftler nicht weitergibt. Die entwürdigende Herabsetzung anders Denkender, die Überschätzung der eigenen Person, die maßlose Eitelkeit schaden seinem Ruf und mindern den Wert seines Buches erheblich.
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2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Oktober 2013
Super, lehrreich, spannend, korrekt. Noch einmal benennt Küng die Hintergründe seines Schaffens, diagnostiziert die Ära Johannes-Paul II und überflügelt dessen Epoche samt Benedikt. Ein wirklicher katholischer Kirchenlehrer!
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. November 2013
Hans Küng analysiert und argumentiert sehr präzise und umfassend. Sein Schreibstil hilft dem Leser, die dadurch anfallende grosse Fülle an Informationen ordnen zu können. Und trotz den Erkenntnissen, zu denen er fast zwingend kommen muss, ist und bleibt er ein katholischer Theologe.
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0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. November 2013
Seit meinen "jungen" Jahren ist Hans Küng für mich ein grosses Vorbild, ein Mensch, der es versteht, vorauszudenken und Menschen in aller Welt aufs tiefste zu motivieren. Ich lebe seit vielen Jahren in Montreal, Kanada, und habe mir das Buch von Amazon.de bestellt. Hans Küng's letztes Werk ist wie alle zuvor eine hervorragende Anregung zum Mitdenken und Mitfühlen. Es verstärkt unser Verständnis für diesen grossen Menschen, der für Gerechtigkeit kämpft, weil er sich bewusst ist, dass Veränderungen innerhalb der katholischen Kirche eintreten müssen ... und wer weiss, Papst Franziskus könnte gerade dieses fehlende Puzzlestück ins Leben rufen.
Wunderbares Buch!
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0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Dezember 2013
Danke Herr Professor!
Habe auch vor kurzem das Interview mit Anna Will im TV gesehen! Was Sie in all den Jahren mit ihren Reisen, Vorträgen, Büchern, Vorlesungen und Kontakten+ dem Weltethos geleistet haben... das sind 10 Menschenleben "normal"!

Alles Gute für die Gesundheit! Duften klaren Kopf weiterhin. Mein Onkel hat über 15 Jahre mit Parkinson im Alter gelebt und hatte bis zum Schluss ein super funktionierendes Gehirn. Makuladegeneration sehr oft überprüfen lassen, kann von der NICHT- Operablen, plötzlich wieder zur Operierbaren wechseln.. (nass auf trocken...oder anders rum??.. weiß nicht mehr WAS nicht operierbar war..). Mein Schwager hatte die Diagnose NICHT- Operierbar und plötzlich sogar nach ein paar Jahren erst, war es DOCH operierbar und "gedreht".

Nun werde ich natürlich weiter in ihren anderen Büchern der letzte Jahre schmökern!

Allen Lesern ein spannendes, einfühlsames + intelligentes Erlebnis!
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