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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Vom Menschen abgesehen sind alle Geschöpfe unsterblich, da sie den Tod nicht kennen" (Jorge Luis Borges)
"In der Londoner Nationalgalerie hängt ein eigenartiges Gemälde: 'Die Gesandten' von Hans Holbein dem Jüngeren. Auf den ersten Blick ist es ein Doppelporträt zweier Diplomaten. Auf den zweiten Blick erkennt man eine rätselhafte, lang gezogene Struktur in der unteren Bildhälfte. Sie liegt da wie selbstverständlich. Und dennoch scheint sie...
Vor 8 Monaten von Heike G. veröffentlicht

versus
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein sehr persönliches Buch zur Religionsphilosophie
Am Anfang erzählt der Autor Tobias Hürter seine persönliche Errettungsgeschichte, um daran anknüpfend bekannte Denkpositionen der Religionen und der Philosophie zu diskutieren. Bedingt durch den biographischen Anlaß überrascht es nicht, daß er den Schwerpunkt in die Beschreibung seiner eigenen Weltanschauung legt. Er verläßt...
Vor 10 Monaten von Benedictu veröffentlicht


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Vom Menschen abgesehen sind alle Geschöpfe unsterblich, da sie den Tod nicht kennen" (Jorge Luis Borges), 28. Dezember 2013
Von 
Heike G. (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tod ist ein Philosoph: Wie mich ein Sturz vom Berg auf den Sinn des Lebens brachte (Gebundene Ausgabe)
"In der Londoner Nationalgalerie hängt ein eigenartiges Gemälde: 'Die Gesandten' von Hans Holbein dem Jüngeren. Auf den ersten Blick ist es ein Doppelporträt zweier Diplomaten. Auf den zweiten Blick erkennt man eine rätselhafte, lang gezogene Struktur in der unteren Bildhälfte. Sie liegt da wie selbstverständlich. Und dennoch scheint sie nicht ins Bild zu passen. Sie sprengt die Harmonie der zwei Gentlemen und ihrer Insignien. Was ist das Ding? Es offenbart sich nur, wenn man sich dem Bild von rechts außen nähert. Wenn man so nah dran ist, dass man das Gemälde aus einem spitzen Winkel von 27 Grad betrachtet, erkennt man einen Totenschädel.", berichtet Tobias Hürter. Er ist beeindruckt von diesem Bild, da es den Tod genau so zeigt wie er ist: mittendrin als Teil des Bildes, aber zugleich ein Fremdkörper. Erst beim Perspektivenwechsel aus extremem Winkel gibt er sich zu erkennen und verzerrt dabei zugleich den Rest des Lebens bis ins Unkenntliche.

Der Mensch fürchtet den Tod, obwohl er doch das Selbstverständlichste ist, sozusagen "Routine im Lauf der Welt". Vielleicht wegen seiner schweren Greifbarkeit, diesem Nichts, was sich "hinter ihm" verbirgt. "Eine Lösung des Paradoxes der Sterblichkeit bestünde darin, beide Perspektiven zusammenzuführen.", sinniert Hürter. Diese durchaus nicht leicht zu nennende Aufgabe versucht er in seinem "Plädoyer des Todes" zu bewerkstelligen. Anlass gab ihm eine ganz persönliche Grenzerfahrung mit dem schwarzen Kapuzenmann, der seine Sense bereits ziemlich nah über dem 40-Jährigen schwang. Sein "Beinahetod" zwang ihn zur Auseinandersetzung mit den großen Grundfragen der Menschheit: "Wer bin ich? Was bleibt von mir? Was ist mir wirklich wichtig?" In dreizehn Kapiteln sinniert er über das Wesen des Todes, über die Seele, die Angst vor dem Sterben, über ausgetretene und neue Wege zur Unsterblichkeit. Entstanden ist ein klares, gut lesbaren, aber dennoch tiefsinniges Buch, "das ohne Mystizismen und ohne Jargon auskommt; in dem philosophiert, argumentiert, begründet und das heißt: langsam gedacht wird. Schritt für Schritt auf den Grund der Dinge zu."

Viele Namen tauchen auf: sei es nun Baruch Spinoza, John Locke, Sigmund Freud, Goethe, Sokrates und Platon. Aber auch dem ersten Kaiser von China und den Ansichten der Transhumanisten wird Raum gegeben. Sie alle haben sich bereits mit dem Fundament unseres Daseins auseinandergesetzt. Jeder auf seine Weise, meist nie im Konsens. Offenbar gibt es keine einfache Wahrheit über unsere Identität. Zu schwer greifbar ist die Materie, zu differenziert in ihrer Wahrnehmung, beeinflusst zudem durch persönliche, gesellschaftliche und religiöse Einflüsse. Doch auch wenn viele Dinge nur angekratzt werden können, tut dies der Qualität des Textes, der sich eher als "lautes Denken in Schriftform" versteht, keinen Abbruch. "Der Tod ist ein Philosoph" offenbart sich als Buch, das Anstöße und Spielräume gibt und zum (Um)Denken anregt. Denn genau wie bei Hohlbein gilt: "Wer die Perspektive nicht wechselt, wer dort verharrt, wo er ist, wer nicht suchend umherwandert, der kann nicht alles erkennen. Um den Tod zu erkennen, muss man an den Rand gehen. Um das Leben zu erkennen, muss man in die Mitte." Denn der "bessere Weg ist, den Gedanken an den Tod als heilsamen Schrecken zu nehmen: als freundliche Mahnung, sich darauf zu konzentrieren, worauf es wirklich ankommt, statt sich im Unwesentlichen zu verlieren. Der Schrecken ist am wirksamsten, wenn wir uns weit weg vom Tod wähnen. Wenn wir kräftig und tatendurstig sind. Dann können wir nicht nur erkennen, worauf es wirklich ankommt, wir können es auch tun. Der Tod ist der Maßstab, ob etwas wirklich sinnvoll ist oder wir uns nur einreden, dass es sinnvoll sei. Eine Angst, die uns daran erinnert, hat Sinn."
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ein Mann der zwei mal Geburtstag feiert, 28. Oktober 2013
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tod ist ein Philosoph: Wie mich ein Sturz vom Berg auf den Sinn des Lebens brachte (Gebundene Ausgabe)
Hoch hinauf auf den Berg ist Tobias Hürter mit zwei Freunden geklettert. In wenigen Sekunden ist er abgestürzt und während des Falls hat er mit seinem Tod Bekanntschaft geschlossen.

Was der glücklich wieder genesende Mathematiker hier in seinem Sachbuch nun unternimmt, ist der Versuch den Tod zu erklären. Dabei holt er sich Rat bei Philosophen und lässt eigene Erfahrungen und Begegnungen mit einfließen. So wird sein Buch zur spannenden Fährtensuche nach Körper, Seele, Geist und vor allem immer mehr auch nach dem was nach dem Tod kommt.

Christ ist Hürter wohl nicht, aber bei diesem endlichen Thema kommt er am Christentum nicht vorbei. Er zeigt wie das Christentum sich für seine Sichtweise einst Anleihen bei Philosophen geholt hat. Spannend bleibt aber die Frage: Was kommt nach dem Tod?

Als Christ habe ich meinen Glauben der mir auch in dieser schweren Frage weiterhilft, egal mit wessen Hilfe er sich zu dem entwickelt hat, was er heute ist. Es freut mich, dass der Autor zum Ende seines Buches hin, immer wieder bei den Religionen landet und richtig feststellt: "Im Christentum bleibt die Identität des Menschen nach dem Tod erhalten."

Von meinem christlichen Standpunkt aus kann ich Hürters Schluss nur als spärlich einstufen und allein deshalb entziehe ich ihm einen Amazonstern. Das Sachbuch an sich ist eine gut lesbare Hilfe um sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen, an ihm wird sich niemand vorbeischleichen können.

Tobias Hürter hat noch einmal Glück gehabt. Seine Familie hat ihn wieder und seine Mutter hat noch im Krankenhaus beschlossen: "Ab jetzt feiern wir zweimal im Jahr deinen Geburtstag."

Vor einigen Wochen ist dieses Buch erschienen:

Die Begründung der Welt: Wie wir finden, wonach wir suchen

An dieses Buch eines jungen christlichen Philosophen habe ich beim Lesen hin und wieder gedacht. Beide sollten zu so einem wichtigen Thema wie den Tod mal ein Dialogbuch schreiben. Das wäre sicher ein spannendes Leseereignis!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Ich bin dankbar, leben zu dürfen.“, 29. Oktober 2013
Von 
Mag Sarah Krampl "sarahkrampl" (Villach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tod ist ein Philosoph: Wie mich ein Sturz vom Berg auf den Sinn des Lebens brachte (Gebundene Ausgabe)
Nach einem glimpflich ausgegangenen Sturz vom Berg, wo Hürter dem Tod in die Augen sah und dann doch überlebte, ist seine Hauptaussage in diesem Buch, dass das Leben schön ist, und wir dieses Leben lebenswert machen sollten, gerade weil man sterblich ist. Als Philosoph und Mathematiker stellt Hürter einige Überlegungen vor, die andere Philosophen im Laufe der Jahrhunderte angestellt haben. Von Sokrates und Platon über Michel de Montaigne bis Heidegger und Mark Johnston kommen viele zu Wort, die sich mit dem Thema der Sterblichkeit intensiv auseinander gesetzt haben. Die Stärke dieser Abhandlung liegt in der sachlich- klaren Darlegung von Tobias Hürter, der einige der Gedanken der Philosophen auf den Punkt bringt. Manchmal ist der Punkt zwar etwas vorschnell gesetzt, nichtsdestotrotz ein sehr lesenswertes Buch.

Hürter bemüht hier über das Thema Tod hinaus auch die großen philosophischen Strömungen die als Versuch entstanden sind, den Menschen und dessen Weltbild zu beschreiben. Dualismus, Materialismus, Idealismus werden herangezogen um auf das Leib-Seele Problem einzugehen, auf die intellektuelle Herausforderung, zu einer „richtigen“ Weltanschauung zu gelangen. Meinungen, Weltbilder, Weltanschauungen, Religionen und wissenschaftliche Erklärungen gibt es viele über das Thema der Sterblichkeit bzw. Unsterblichkeit. Indem Hürter unterschiedliche Aspekte, Vor- und Nachteile, modifizierte, veränderte Weltanschauungen präsentiert, zeigt dies die Problematik auf, mit dem größten, weil uns alle betreffenden Thema des Todes, der Sterblichkeit des Menschen, zu einem für alle angemessenen Schluss zu gelangen. Ob der Tod aus dem Leben verbannt wird, indem der Mensch sich entweder als Unsterblich sieht, oder den Tod einfach aus seinem Bewusstsein löscht oder ob der Tod als Teil des Lebens angenommen wird und der Mensch sich jeden Tag dessen bewusst ist, dass er sterben wird oder ob man dem Tod Gleichgültigkeit entgegen bringt, sind alles Fragen, die in diesem Buch bearbeitet werden mit dem Versuch, die sinnvollste Einstellung auszuwählen. Hürter hat diejenige ausgewählt, die ihn dazu bringt, den Tod nicht mehr aus seinem Bewusstsein zu verbannen, sondern durch bewusste Annahme seiner Sterblichkeit den Wert des Lebens zu erkennen und dementsprechend seine Ziele auf sinnvolle, wertvolle Aufgaben zu richten und keine Zeit für unwichtige Dinge zu vergeuden.

Besonders gefallen an den Gedankengängen von Tobias Hürter hat mir sein doch wissenschaftlicher Ton, sein Bemühen allem Aberglauben zu entsagen und das Thema realistisch zu betrachten. Er versteift sich nicht auf eine einzige Sicht und versucht den Leser auch nicht von seiner eigenen Meinung zu überzeugen, sondern spielt sozusagen mit den unterschiedlichen Sichtweisen mit großem Wissen aus Philosophie und zum Teil auch aus den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Er bleibt sozusagen am Boden der Realität und der Erfahrung und ihm ist bewusst, dass alles, was man über den Tod und über das, was über den Tod hinausgeht sagt, einfach nur Spekulation ist. Deshalb setzt er sich eher damit auseinander, was der Mensch ist und welche Probleme dadurch auftauchen, dass man ihn zu fassen versucht, seiner Seele, seiner Identität, seinem Körper. Es ist nicht einfach so, dass ein Mensch stirbt, sondern man muss sich auch fragen, was dabei stirbt oder für jene, die an ein ewiges Leben glauben, was dabei nach dem physischen Tod erhalten bleibt und was sich durch den Tod verändert.

Hier noch ein paar Textstellen aus dem Buch:

In einer Stadt von der Größe meiner Heimatstadt München sterben täglich ungefähr 40 Menschen. Doch man sieht so gut wie nichts davon. Man lebt, als würde nicht gestorben. Klar, jeder weiß, dass jeder sterben muss. Aber doch nicht ich! Nicht jetzt! „Es gibt wohl kaum eine Erfahrung, die den Menschen in seiner Existenz so sehr berührt, wie die Erfahrung der Endlichkeit“, sagt der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann.

Die Nonnen des Klarissenordens schliefen bis vor wenigen Jahrzehnten in den Särgen, in denen sie dann auch ihre letzte Ruhe fanden, und es gehörte zum Ritus ihrer Ordenweihe, ihr Totentuch über ihnen zu entfalten. Noch zu Zeiten unserer Urgroßeltern wurden Tote tagelang aufgebahrt.

Grenzsituationen reißen uns aus dem gedankenlosen Zutrauen in die eigene Kraft und setzen uns mit unverschleierter Gewalt dem Schmerz und der Ohnmacht aus. Damit beginnt die Philosophie, sagt Jaspers. In Grenzsituationen erfahren wir „die Unzuverlässigkeit allen Weltseins“, sagt er, „Wir werden wir selbst in einer Verwandlung unseres Seinsbewusstseins“. Um Bewusstsein geht es, nicht um Wissen. Natürlich wusste ich, dass ich sterblich und fehlbar bin. Aber Wissen und Erleben sind zweierlei.

Der Tod ist nun mal beides, selbstverständlich und unfassbar.

Das Paradox der Sterblichkeit ist der Fluch, den der Segen unseres Intellekts mit sich bringt […]Die Spannung, die es erzeugt, sei die Energiequelle, die unsere Zivilisation befeuert.

Wo ich bin, kann es nicht völlig leer sein. Leider scheitere ich kurz vor dem absoluten Nichts an mir selbst.

Am weitesten trieb es der irische Bischof George Berkeley mit seinem „Esse est percipi“ – sein ist wahrgenommen werden. Erstaunlicherweise geben ihm viele Physiker von heute Recht. Nach der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik werden Objekte erst dann wirklich, wenn jemand sie beobachtet.

Aus der Lukrez-Hume’schen Perspektive ist der Tod das Selbstverständlichste der Welt. Aus der Goethe-Freud’schen Perspektive wirkt er ungeheuerlich. Beide haben aus ihrer Sicht Recht.

Und so glauben viele aufgeklärte Menschen, dass mit dem Tod alles aus ist: Mit dem Gehirn endet das Bewusstsein und mit ihm der Mensch. Sie lösen das Problem auf radikal negative Weise: Was wir nicht kennen, kann nicht sein.

Die Epikureer waren keine Idioten. Sie waren die ersten Denker, die sich gründlich mit den menschlichen Emotionen beschäftigten. Gefühlsregungen waren für sie nicht nur dumpfe Wallungen der Körpersäfte, wie später für den griechischen Arzt Galen und seine Anhänger. Ihre große Einsicht war, dass die Menschen sich dieser Antriebe nicht immer bewusst sind. Um der Angst vor dem Tod zu entkommen, führen sie Kriege, schreiben Bücher, erklimmen Berge. Und sie legen sich ganz andere Erklärungen für ihr Tun zurecht, zum Beispiel Machtstreben oder Forschergeist. Die Epikureer entdeckten unter dieser mentalen Schutzschicht das Unbewusste, 22 Jahrhunderte vor Sigmund Freud.

Viele heutige Philosophen glauben, dass die Qualia, also die qualitativen Aspekte sinnlichen Erlebens, ein Alleinstellungsmerkmal der Seele sind. Sokrates jedoch würde die Qualia, all diesen sinnlichen Kram, samt den Bedürfnissen und Begierden, dem Körper zurechnen. Die Seele dagegen ist das reine Denken. Worüber denkt die Seele nach?

Der Verstand blickt in das Reich der Ideen wie das Auge in die physische Welt. Begreifen statt greifen.

Die Seele verhalte sich zum Körper wie die Harmonie zu einer Harfe, behauptet Simmias. Aber Harmonie ist zerstörbar, nämlich indem man das Instrument verstimmt oder kaputt schlägt. Dann ist es vorbei mit den harmonischen Klängen. Die Harmonie hängt also vom Instrument ab. Ebenso hänge die Seele vom Köper ab.

Als die immaterielle Seele unter Philosophen allmählich aus der Mode geriet, mussten sie sich andere Kriterien für personale Identität einfallen lassen. Die erste Idee war, das Gedächtnis als Seelenersatz zu nehmen.

Kurzum: keine Kontinuität der Person ohne Kontinuität des Gedächtnisses.
Der englische Empirist John Locke, ein Zeitgenosse von Leibniz, durchdachte diese Idee weiter. Seine kurze Antwort auf die Frage, was eine Person ausmache, lautet: „ein denkendes intelligentes Wesen, das Verstand und Reflexion besitzt und sich selbst als sich selbst betrachten kann, als dasselbe denkende Ding, zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten“. Noch kürzer gesagt: Eine Person ist ein beständiges Bewusstsein ihrer selbst.

Das ist die vielleicht natürlichste Lösung des personalen Identitätsproblems: Eine Person ist ein Körper. Christine bleibt Christine, weil jeden Morgen in ihrem Bett dasselbe Gebilde aus Fleisch, Knochen und Blut aufwacht. Das ist die Sicht des Menschen, die offenbar auch die frühen Christen hatten. Sie setzten den Menschen gleich mit seinem Köper, zumindest lassen sich einige ihrer Schriften so deuten.
Ihr Chefideologe Paulus rang mit der Frage der personalen Identität Jesu, als er über dessen Auferstehung schrieb. Er legte größten Wert darauf, dass die leibliche Kontinuität zwischen dem gekreuzigten Jesus und dem auferstandenen Jesus gewahrt blieb.

Nehmen wir also an, ein Mensch sei gleich seinem Körper. Von einem Tag auf den anderen bereitet das keine Schwierigkeiten. Ich bin heute Morgen mit demselben Körper aufgewacht, mit dem ich Abends zuvor eingeschlafen bin, und dieser selbe Körper wird wahrscheinlich auch nächste Woche noch unbestritten der Meinige sein. Aber in zehn Jahren? In diesem Zeitraum wechselt der Körper so gut wie alle Zellen aus. Ist es noch derselbe Körper? Aber ja doch, antworten die meisten Menschen, und dagegen ist nichts zu sagen, außer dass es keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Entscheidung ist, es so zu sehen. Man kann es auch so sehen, dass der Körper ausgewechselt ist.

Aber ein klares Kriterium für die Identität einer Person ist nicht in Sicht. Der britische Philosoph Derek Parfit hat besonders gründlich darüber nachgedacht, was eine Person ist. Er hat die abstrusesten Szenarien von Gedächtnisverlusten, Gehirntransplantationen und Teletransportern durchdacht und kommt zu dem Schluss: Personale Identität ist keine Frage von ganz oder gar nicht. Sie hat Abstufungen, ähnlich wie die Identität einer Nation. War das Deutschland von 1815 dasselbe wie das Deutschland von 2013? Es gibt kein einfaches Ja oder Nein.

Beispielsweise folgert er aus seiner Vorstellung der personalen Identität, dass es oft rational ist, entgegen seinem eigenen Interesse zu handeln. Die Degradierung des Selbst mag dem gesunden Menschenverstand widersprechen, aber sie ist auch eine Befreiung vom Egoismus. „Die Wahrheit unterscheidet sich sehr von dem, was wir zu glauben geneigt sind“, erklärt Parfit.

Das Altern ist in den Augen der Transhumanisten eine Krankheit: weit verbreitet, bisher zu 100 Prozent tödlich, aber heilbar. Zur Prophylaxe schluckt Ray Kurzweil täglich 250 Nahrungsergänzungsmittel und trinkt literweise grünen Tee. Das verspricht kein lustiges Leben, aber vielleicht ein etwas längeres. Der englische Biologe Aubrey de Grey hat ein Programm namens SENS (Strategies for Engineered Negligible Senescence) gegen das Altern initiiert, mit dem er Menschen die Option auf unbegrenzte Lebenszeit öffnen will, vorrangig mit Methoden der regenerativen Medizin. Der erste Mensch, der ein Alter von über 1000 Jahren erreichen werde, sei bereits geboren, behauptet de Grey.

„Millionen sehnen sich nach Unsterblichkeit und wissen nicht, was sie an einem regnerischen Sonntagnachmittag anfangen sollen“, schrieb die britische Schriftstellerin Susan Ertz.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Urphilosophischer Zustand", 6. Januar 2014
Von 
Thomas Lawall (Sinsheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tod ist ein Philosoph: Wie mich ein Sturz vom Berg auf den Sinn des Lebens brachte (Gebundene Ausgabe)
"Einmal noch" dachte sich Tobias Hürter am frühen Morgen des 1. November 2011, als er mit zwei erfahrenen Münchner Bergsteigern aufbrach. Eigentlich wollte er nach den zahlreichen Gipfelbesteigungen der zurückliegenden Monate keine größeren Touren mehr unternehmen, doch das schöne Herbstwetter motivierte zu einer weiteren Tour. Zudem brauchte man einen "Seilträger" für die Klettertour auf die Westliche Marienbergspitze.

In den Tiroler Alpen angekommen, ging es von einem Parkplatz in Richtung Mieninger Kette auf die vom Touristenschwarm eher gemiedene Strecke zum Nordwestgrat der Marienbergspitze. Eine Seilsicherung schien nicht notwendig zu sein, doch in etwa 2500 Meter auf einem schmalen Felsgrat geschah es. Ein größerer Felsbrocken des porösen Kalkgesteins löste sich, der Autor verlor das Gleichgewicht und stürzte in die Nordflanke der Marienbergspitze.

Schon beim ersten Aufschlag brach der Oberarm, doch es sollte nicht der letzte Bruch sein. Insgesamt 37 Meter ging es in die Tiefe, bis der Sturz im Auslauf einer "Schuttreiße" ein mehr oder weniger glückliches Ende fand. Sechs Sekunden freier Fall sollten das Leben von Tobias Hürter für immer prägen.

Erstaunlicherweise hatte er während des Sturzes nicht die geringste Angst, was der Rezensent insofern bestätigen kann, als er dereinst bei einer Tour am Schesaplana auf einem vereisten Schneebrett ebenfalls stürzte, in die Tiefe raste und sich kurz vor einer fast senkrecht abfallenden Passage an einem Felsblock mit dem linken Arm festhalten konnte. Angst hatte ich im Angesicht des Todes ebenfalls nicht die geringste.

Tobias Hürter empfand den Sturz im Nachhinein als "urphilosophischen Zustand", auch wenn während des Unfalls "nichts Bemerkenswertes" in ihm geschehen sei, "weder spirituell noch intellektuell". Er war schlicht ein Beobachter, bei klarem Verstand, weshalb er offen war für eine Erkenntnis, die er "bisher in einem gut umzäunten Gehege gehalten hatte": Sterblich zu sein.

Was der Autor nach den Beschreibungen des Unglücks und dessen körperlichen Folgen an weitergehenden Gedanken formuliert, ist für mich eine der interessantesten Auseinandersetzungen mit dem Unvermeidlichen. Bevor der Autor jedoch seine ganz persönlichen An- und Einsichten schildert, zeichnet er einen geschichtlichen Überblick, den allgemeinen Umgang mit dem Tod betreffend. Kirche und große Philosophen entwickelten eine ganze Reihe von hochinteressanten Ansätzen, dessen Vertreter grob in zwei Lager unterteilt werden können.

Während Sokrates, Platon und (späteres) Christentum von einer Seele sprechen, die, von der sterblichen Hülle befreit, für immer weiterexistiert, sehen Epikur, Lukrez und die moderne Naturwissenschaft die Seele als untrennbar mit der Körperlichkeit verbunden und in gegenseitiger Abhängigkeit. Im Gegensatz zum Dualismus, der Körper und Seele als grundsätzlich verschiedene Bestandteile begreift, sehen die Anhänger des Physikalismus, zu welchen sich der Autor zählt (der Rezensent ebenso) die Seele schlicht als eine "Körperfunktion".

Tobias Hürter ist sich für ein ausführliches Für und Wider nicht zu fein, bleibt am Ende jedoch bei seinen Positionen und weiß diese nüchtern und sachlich zu belegen. Stellvertretend für zahllose Erwägungen ist für mich seine sehr zentrale These, eine "rein abstrakte Existenz für keinen erstrebenswerten Zustand" zu halten. "Eine unverkörperte Seele lebt nicht mehr. Sie erlebt nichts mehr. Sie erkennt nichts mehr."

Was daraus folgt, ist ein anderer Umgang mit dem Leben. Denn danach kommt nichts mehr. Ein schwerer Unfall kann diesen Effekt verstärken. Man war der absoluten "Deadline" sehr nahe. Das weitere Leben wird Tag für Tag zum Geschenk. Aus dieser Einsicht heraus wirkt für Tobias Hürter "nichts belebender, als der Gedanke an den Tod". Denn dann ist es wirklich vorbei.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen „Ich bin sicher: Es tut jedem gut, sich schon zu Lebzeiten näher an den Tod heranzuwagen.", 18. Dezember 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Tod ist ein Philosoph: Wie mich ein Sturz vom Berg auf den Sinn des Lebens brachte (Gebundene Ausgabe)
Tobias Hürter ist ein Mathematiker und Philosoph, der in den letzten Jahren mit einigen sehr verständlichen naturwissenschaftlichen Büchern auf sich aufmerksam gemacht hat.

Als er im Jahr 2011 auf einer Bergtour abstürzt hat er Glück, und bleibt nach 37 Metern auf einem Vorsprung liegen. Eine Szene, die man aus vielen Filmen kennt und die er über Stunden zwischen Leben und Tod erfahrne hat und nach seiner schlussendlichen Rettung nicht mehr vergessen hat.

Er, der sozusagen unfreiwillig mitten in seinem noch jungen Leben dem Tod ins Auge geblickt hat, beginnt das, was ihm in diesen bangen Stunden durch den Kopf und das Herz ging, aufzuschreiben. Es ist eine lange und tiefsinnige, wegen seiner sprachlichen Leichtigkeit aber immer gut verständliche Reise in die Welt der Philosophen und Religionen. Eine ehrliche und unsentimentale Auseinandersetzung eines Naturwissenschaftlers und Philosophen mit der eigenen Sterblichkeit und dem Tod. Denn von einem ist Tobias Hürter spätestens nach seinen Sturz überzeugt:
„Ich hin sicher: Es tut jedem gut, sich schon zu Lebzeiten näher an den Tod heranzuwagen. Und ich bin auch sicher: Es ist nicht nötig, dafür vom Berg zu fallen. Vielleicht genügt es sogar, ein Buch zu lesen.“

Und, wie der Rezensent hinzufügen möchte, sich seine eigenen Gedanken zu machen und ggf. darüber mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein sehr persönliches Buch zur Religionsphilosophie, 1. November 2013
Von 
Benedictu - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tod ist ein Philosoph: Wie mich ein Sturz vom Berg auf den Sinn des Lebens brachte (Gebundene Ausgabe)
Am Anfang erzählt der Autor Tobias Hürter seine persönliche Errettungsgeschichte, um daran anknüpfend bekannte Denkpositionen der Religionen und der Philosophie zu diskutieren. Bedingt durch den biographischen Anlaß überrascht es nicht, daß er den Schwerpunkt in die Beschreibung seiner eigenen Weltanschauung legt. Er verläßt sich dabei allerdings vielleicht ein bißchen zu sehr darauf, daß das, was er sich so denkt, für den Leser schon interessant genug sein wird und vernachlässigt die Genauigkeit in der Erörterung der philosophischen und theologischen Sachlage. Im folgenden dazu einige mehr oder weniger irritierende Beispiele:

HAL
Der Autor erzählt auf S. 80 von der Todesangst der künstlichen Intelligenz namens HAL im Science-Fiction-Klassiker Odyssee im Weltraum 2001, um dann unvermittelt zu extrapolieren, daß schon heutige Haushaltsroboter Gefühle zeigen, wenn mit sinkendem Akkustand ihr Hunger auf Strom steige und sie zum Aufladen an die Steckdose führen. Er versteigt sich in die Aussage, daß es so aussähe, daß auch Roboter und Computer, gebaut aus Siliziumchips, fühlen könnten und ein paar Seiten später, daß auch ein Thermostat etwas erlebe, wenn die Temperatur sich ändere. Das Buch ist nicht so unausgegoren wie diese Passagen, aber die möchte man tatsächlich glatt einschwärzen.

HEIDEGGER
Der Autor kann sich auf S. 107 des Bekenntnisses nicht enthalten, daß ihm Heidegger wegen seiner "verschwurbelten Sprache" und seiner "Nähe zum Nationalsozialismus" wenig sympathisch ist. Das wirkt inkonsistent, kommt er doch immer wieder auf Heidegger zu sprechen und zitiert ihn sogar noch wörtlich im Finale seiner letzten Textseite.

GANZTOD
Die christliche Ganztodhypothese besagt, daß es nach dem Tod vorerst keinen Himmel gibt, sondern daß mit dem Tod erst einmal alles aus ist und es erst am Jüngsten Tag weitergeht (wenn überhaupt ;-). Die zeitgenössische evangelische Theologie vertritt mehrheitlich diese These vom sogenannten Ganztod des Menschen, wie man z.B. vom Wiener Professor für Systematische Theologie Ulrich Körtner erfahren kann. Es wirkt extrem uninformiert, wenn bei dieser Sachlage Hürter auf S. 123 meint, die Zeugen Jehovas, als ihre Vertreter nennen zu müssen, die größere lutherische Fraktion aber unerwähnt läßt.

GEIST
Ein reiner Geist, ein rein geistiges Wesen könne nicht existieren, meint der Autor auf S. 127, weil es sich und andere nicht erkennen könne. Da hat der Autor ja schon recht, daß sich Menschen Geistwesen kaum vorstelen können. Wenn er es aber so darstellt, als ob es denkunmöglich wäre, daß solche Geister einander nicht erkennen können, weil sie ja keine Sensorik, also keine Sinnesorgane besäßen, dann regen sich doch mit Blick auf die Informatik einige Zweifel. Stellt man sich nämlich in einem Gedankenexperiment nur einmal zwei Avatare vor, die virtuell auf Rechnern im Internet existieren, dann bräuchten die, um miteinander zu kommunizieren erstens sowieso keine Sensorik für die Außenwelt und zweitens könnten sie doch jede Botschaft zwischen ihnen beiden zweifelsfrei identifizieren. Sie müßten nämlich einfach mit der gegenwärtigen Technik der asymmetrischen Verschlüsselung von Botschaften aus dem Datenstrom die für sie vom anderen bestimmten Botschaften herausfiltern. Sie würden sich also rein kommunikativ gegenseitig erkennen. Diese Analogiebetrachtung beweist natürlich noch nichts, läßt aber doch vermuten, daß es mit dem denknotwendigen Ausschluß von Möglichkeiten nicht ganz so einfach ist, wie es sich der Autor vorstellt.

KANT
Hürter hat Philosophie (und Mathematik) studiert. Da darf man erwarten, daß er Immanuel Kants Position (S. 146) mit besonderer Klarheit wiedergibt, zumal sie die Basis ist für die Thesen des emeritierten Philosophen Mark Johnston, auf dessen Thesen Hürters Buch sich am Ende zuspitzt. Hürter schreibt: "Der große Königsberger Transzendentalphilosoph sah rationale Gründe, auf ein Weiterleben zu hoffen. Tugend und Glückseligkeit zusammen bilden für Kant das »höchste Gut«, nach dem wir als rationale Wesen notwendigerweise streben müssen. Doch diese moralische Vollkommenheit können wir im irdischen Leben nicht erreichen, schließlich sind wir keine Heiligen. Da das Streben nach dem höchsten Gut aber moralisch gefordert ist, rnüssen wir annehmen, dass unsere Existenz als rationale Wesen ins Unendliche fortdauere. Die Unsterblichkeit der Seele ist daher ein Postulat der praktischen Vernunft«. Das gute Leben und der Tod hingen untrennbar zusammen."
Die Pointe bei Kant liegt aber gerade darin, daß das Streben nach Tugend und das Streben nach Glückseligkeit in dieser Welt nicht notwendig miteinander vereinbar sind. D.h., daß der böse Mensch widersinnigerweise glückseliger werden könnte als der gute, der u.a. auch wegen seiner guten Taten auf die Glückseligkeit verzichtet. Es sei denn, es gäbe einen Ausgleich in einem späteren Leben. Das muß es also geben, so postuliert Kant, wenn sich das Gute in diesem Leben Bahn brechen können soll. Daß der Autor diesen schönen Gedanken Kants nicht in der erwarteten Form ausgeführt hat, ist schade.

UNSTERBLICHKEIT
Die Leere und Sinnlosigkeit eines ewigen Lebens ist von vielen Schriftstellern behandelt worden. Einige Beispiele führt der Autor an. Und natürlich erheitert die britische Schriftstellerin Susan Ertz mit ihrer witzigen Absage an die Ewigkeit, wenn sie schreibt: „Millionen sehnen sich nach Unsterblichkeit und wissen nicht, was sie an einem regnerischen Sonntagnachmittag anfangen sollen“. Allerdings verfehlt dieser Witz gerade das Kantsche Postulat, daß es das Weiterleben vor allem dafür braucht, daß ein Mensch aufrechten Hauptes gut sein kann, weil der Tod als Schlußpunkt den Ausgleich der Glückseligkeit zwischen den Guten und den Bösen ja verhindern würde. Außerdem stellt das Wegpostulieren oder Wegwünschen eines Schlußpunktes noch lange kein Sehnen nach Ewigkeit dar. Zweifellos dürfte eine Gesellschaft mit unsterblichen Individuen, wie sie z.B. Jorge Luis Borges in "Der Unsterbliche" Das Aleph: Erzählungen 1944 - 1952 imaginiert, statisch und gelähmt sein, aber die literarischen Beispiele überzeugen trotzdem nicht ganz. Welchen Punkt genau sie verfehlen, läßt sich vielleicht mit folgendem Gedankenexperiment zeigen: Wenn wißbegierige Menschen gefragt würden, ob sie ganz persönlich das Schicksal der Menschheit bis zum Ende unseres Sonnensystems, also bis zum Untergang der Menschheit oder ihrem Aufbruch in ein anderes und auch die etwaige Transformation des biologischen Substrates ihres Bewußtseins mitverfolgen würden, wenn sie die Wahl bekämen, so dürfte man womöglich überrascht sein, wieviele Wissenschaftler und Philosophen allein aus Neugier mit ja optieren würden.

FAZIT
Hürters Buch ist auf alle Fälle lesenswert, vor allem, weil es zu eigenen Gedanken anregt, weniger deshalb, weil es der Autor mit dem, was über seine persönlichen Bekenntnisse hinausgeht, sonderlich genau genommen hätte. Dem Autor kommt aber das Verdienst zu, herausgestellt und in Erinnerung gerufen zu haben, daß der Leib-Seele-Dualismus kein ursprünglicher Bestandteil der christlichen Lehre ist. Dafür zitiert er sogar aus Joseph Ratzingers Benedikt XVI. Einführung in das Christentum. Seine Literaturhinweise und Quellenangaben sind vielleicht etwas sparsam geraten. Ein Stichwort- oder Namensverzeichnis fehlt leider ganz.
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