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19
4,7 von 5 Sternen
Die kurzen und die langen Jahre: Roman
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. März 2014
Simon und Sylvie lernten sich im Jahr 1974 über zwei Todesfälle kennen: Simons Vater wurde eines Tages ermordet und zu gleicher Zeit auch Sylvies Mann Konrad. Wie konnte es dazu kommen? Der Lösung wird man zum Ende hin näher kommen.

Simon lebt in Konstanz und Sylvie in Lindau am Bodensee. Simon ist gerade 22 Jahre alt, Sylvie ist acht Jahre älter. Er verliebt sich sehr in diese ältere Gefährtin, die ihm eine echte Gefährtin nicht sein will!

Die beiden bleiben die ganze Zeit im Mittelpunkt der Geschichte. Sie fühlen sich auf subtile Weise von einander angezogen.

Der Bogen der Geschichte aber ist weit gespannt von 1964 bis zum Jahr 2014. Er bietet zahlreiche unerwartete Überraschungen.

Als Klavierstimmer schlägt sich Simon durchs Leben und hilft zwischendrin in einer Musikalienhandlung aus. Dort trifft er seinen guten Freund Manni, der eine Band hat. Auch Knut gehört zu der Clique und Anke und ihre Schwester. Man lebt und feiert zusammen und freut sich der gegenseitigen Zuneigung. Freundschaften entstehen, und Liebesbeziehungen bringen Freude oder auch Trauer.
Insgesamt ist es eine freudvolle Jugend mit allen Spielarten, die das Alter so mit sich bringt.

Simon wartet und sehnt sich nach Sylvie, und sie bleibt ihm eng verbunden; doch wirklich nahe kommen sie sich vor allem in ihren Briefen. Hier öffnet Sylvie ihr Herz, und Simon wartet sehnsüchtig auf diese Briefe.

Mit feiner Ironie und in sanften Farben malt Thommie Bayer das Leben in den Siebzigern in Deutschland. Die Jahre brachten politischen Aufruhr und die RAF, die mit ihrer Killermentalität die Republik erschütterte. Das sind die äußeren Umstände, in denen die Handlung angesiedelt ist. Im Inneren geht es um das alte Lied von Liebe, Treue, Abschied und Schmerz.

Spannend, einfühlsam und gelegentlich melancholisch berichtet Thommie Bayer von der Beziehung der beiden Hauptprotagonisten. Sie umkreisen sich und verlieren sich, nähern sich erneut und bleiben doch in einer sicheren Distanz zu einander. Dass sich hinter allem Geschehen noch ein Kriminalfall verbirgt, dass Kindergeburten und unerwartete Todesfälle eine geheime Dramatik entfalten, gibt der ganzen Geschichte einen besonderen Anstrich.

Thommie Bayer schreibt einen sanften Stil, hinter dem man diese Dramatik zunächst nicht vermutet. Es ist eine gelungene Geschichte: abenteuerlich, anspruchsvoll und faszinierend. Man sollte sich diesen Autor merken!
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 28. Mai 2014
Thommie Bayers Bücher zu lesen , ist immer wieder ein Genuss . Wie er in seiner Biografie schreibt, hat er nach langen Jahren des Stillstand, " die Courage und die Leidenschaft gefunden ",wieder mit dem Schreiben anzufangen und ich bin froh darüber, denn sprachlich so schöne Romane findet man selten.

Die Liebe ist auch in diesem Roman sein Thema , doch es handelt sich nicht um eine alltägliche Liebe, sondern um eine Liebe, die "unter die Haut geht ", wie es die beiden Hauptprotagonisten beschreiben. Eine Seelenverwandtschaft, die sich in Briefen offenbart, im alltäglichen Leben aber einseitig bleibt.

Simon und Sylvie lernen sich unter tragischen Umständen kennen. Simons Vater, zu dem er schon lange kein Verhältnis mehr hatte, wird ermordet vor seiner Hütte aufgefunden, neben ihm sein Liebhaber, der gleichzeitig auch Silvies Mann war. Sylvie kommt mit der Tatsache, dass ihr Mann homosexuell war, noch weniger klar als Simon mit der seines Vaters und es entsteht eine Brieffreundschaft, die bei Simon nach einigen Treffen mit Sylvie, zu einer unerwiderten Liebe wird. Nur in Briefen kommen sie sich nahe, spüren sich zueinander hingezogen und vertrauen sich Dinge an, die sie sonst niemandem erzählen würden. Simon ist Sylvies Anker, ein Mensch , dem sie vertrauen kann, der ihr in jeder Situation hilft. Sylvie ist für Simon die Frau, mit der es keine andere Frau aufnehmen kann, die für ihn aber immer unerreichbar bleiben wird, was seine Fantasien von einer Beziehung angeht. Im wahren Leben schlafen und binden sie sich an andere Partner und werden doch eigentlich nie wirklich glücklich.
Ihre Leben verlaufen wellenförmig, wie das Leben nun einmal ist, mit vielen Tiefen, aber auch immer wieder mit Höhen und nach langer Schreibpause, die Jahrzehnte dauert, meldet sich Sylvie wieder und überrascht Simon mit einem Geständnis.

Thommie Bayer zu lesen, ist wie ein Kurzurlaub. Hier sitzt jeder Satz und die Sätze sind teilweise wie gemalt. Man lässt sie auf der Zunge zergehen und sie hinterlassen einen wohligen Geschmack, den man immer wieder erleben möchte. Die Figuren seiner Romane sind fassbar, gut gezeichnet und man folgt ihnen sehr gerne.
Häufig haben ich beim Lesen dieses Buches gedacht, ob vielleicht autobiographische Züge in diesem Buch sind, denn das Einfühlungsvermögen, das der Autor in seine Geschichte einbringt, ist schon verblüffend.
Thommie Bayer lässt seinen Roman über einen langen Zeitraum laufen , nämlich von 1964 - 2014. Dies hat bei mir viele nostalgische Gefühle hervorgerufen, da ich selbst in dieser Zeit jung war. Die RAF, die genannten Musikgruppen und auch die Demo gegen Mittelstreckenraketen in Hamburg ( bei der ich selbst dabei war ), fielen in meine Zeit und so konnte ich mich in viele Situationen gut hineinverdenken und hatte das Gefühl in die Vergangenheit zu blicken.

Thommie Bayer schreibt in seiner Biografie, dass er hofft, dass ihm das Glück und seine Leser treu bleiben. Ich habe da gar keine Bedenken, wenn er weiterhin so schöne Bücher schreibt.

Mehr als empfehlenswert !!!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Juli 2014
Thommie Bayer schafft es immer wieder, mich mit seinen Büchern in den Bann zu ziehen – diesmal ist es eine Geschichte zweier Menschen, deren gegenseitige Liebe unerfüllt bleibt, die sich jedoch näher stehen als manches Paar das von sich behaupten kann.

Schon die Umstände, unter denen sich Sylvie und Simon kennenlernen, sind ungewöhnlich. Sylvie verliert ihren Mann, Simon seinen Vater – ein Doppelmord und keiner wusste um die Homosexualität der beiden Männer. Doch ist das Buch kein Krimi, in dem es einen Mörder zu finden gibt, und auch keine schnulzige Liebesgeschichte, sondern eine gefühlvolle Darstellung der Beziehung zwischen Simon und Sylvie über einen Zeitraum von 50 Jahren. Die beiden lernen sich kennen im Jahre 1964, als Telefone noch Wählscheiben hatten und Briefeschreiben nichts Ungewöhnliches war. Ich möchte diese Reise in die Vergangenheit, da sie bei mir nostalgische Gefühle geweckt hat und ich bei der einen oder anderen Beschreibung von Alltäglichkeiten schmunzeln musste. Für Simon ist es Liebe, was ihn mit Sylvie verbindet, für Sylvie eine Seelenverwandtschaft, die vor allem in ihren emotionalen und sehr offenen Briefen zum Ausdruck kommt. Doch die Liebe bleibt sexuell unerfüllt, die Seelenverwandtschaft ist dafür umso tiefer. Und auch der eine oder andere Schicksalsschlag, an dem die Beziehung zu scheitern droht, kann das Band nicht zerstören - und das über 50 Jahre hinweg bis ins Jahr 2014.

Die Wege der beiden laufen mal parallel, mal kreuzen sie sich, sie gehen mal auseinander und finden wieder zusammen. Nicht immer ist der Kontakt sehr eng, doch wenn sie sich sehen oder schreiben, ist die altbekannte Verbundenheit sofort wieder da.

Die beiden sind wirklich sehr gut ausgearbeitete Charaktere, auch wenn ich ihr Handeln und Tun oft nicht verstehen oder nachvollziehen konnte. Aber sie sind in sich schlüssig und authentisch, Menschen, die ich mir so wirklich auch vorstellen kann – mit Stärken und Schwächen, mit Höhen und Tiefen. Ihre Beziehung zueinander finde ich sehr tragisch, und ich habe mit den beiden gelitten. Nicht nur, dass sie nicht zueinander finden können und der Kontakt im Laufe der Jahre abzubrechen droht, flüchtet sich zwar jeder in andere Beziehungen, doch die glücklichen Jahre sind nur kurz und das Schicksal meint es nicht gut. Das Ende hat mich überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet und lässt mich auf der einen Seite hoffnungsvoll, gleichzeitig aber auch deprimiert zurück.

Das Buch lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen, die Sprache ist zwar einfach, dennoch sind die Sätze oft wie gemalt und für mein Empfinden poetisch. Immer wieder musste ich innehalten, weil Gedanken so treffend auf den Punkt gebracht sind, dabei mit einfachen Worten so viel Wahres gesagt wird. Ich mag den Schreibstil von Thommie Bayer, in dem ich mich wohl fühle und in den ich so richtig reinfallen kann.

Zwar ist „Die kurzen und die langen Jahre“ nur ein kurzes Buch, dennoch eines, das fesselt und das ich nicht beiseitelegen konnte. Gerade die zweite Hälfte war spannend und auch überraschend, bietet Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Es ist ein Buch, dass sich zwar schnell lesen lässt, doch auch eines, das bei mir noch lange nachhallt und über das ich immer noch nachdenke.

Mein Fazit
Ein gefühlvoller Roman über zwei Menschen, deren körperliche Liebe zwar unerfüllt bleibt, deren Seelenverwandtschaft jedoch alle Schicksalsschläge übersteht – und das über einen Zeitraum von 50 Jahren. Eine ungewöhnliche Geschichte, in die ich mich aber wunderbar habe reinfallen lassen können, mit authentischen Charakteren und einem wiedermal angenehmen und sehr treffendem Schreibstil.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. März 2014
Die beiden Protagonisten des neuen Thommie Bayer Romans "Die kurzen und die langen Jahre" (2014) lernen sich so einfach und so ungewöhnlich kennen, wie schon viele der Thommie Bayer Figuren. Wie Magnete (diese Methapher wird im Roman selbst verwendet) ziehen sie einander an: Simon und Sylvie.
Der Roman beginnt - ein Stilkennzeichen von Bayer - mit einer Einleitung, die die Gedanken die die Geschichte tragen werden in verschlüsselter Form vorwegnehmen - und dadurch nur noch mehr Spannung aufbauen.
Die Liebe von Simon und Sylvie ist wie die von Michael und Erin (aus dem letzten Thommie Bayer Roman "Vier Arten, die Liebe zu vergessen") sexuell unerfüllt. Doch gerade die Frage nach der wirklichen Liebe (die keiner Körperlichkeit bedarf), die Bayer in diesen beiden Romanen aufwirft, ist es, die den Leser nachdenken lässt.
So begibt man sich mit Sylvie und Simon auf eine 50jährige Reise, wobei die ersten (beiden) Jahre die lang erzählten und emotional bindenden sind und die letzten (über vier) Jahrzehnte die verstörenden.
Thommie Bayer macht es den beiden nicht einfach - sie durchleben alle Höhen und Tiefen - und sind sich dabei die wichtigsten und nahesten Menschen.
Das Erstaunliche dabei - sie kommunizieren am besten durch ihre Briefe, die so offen, so treffend und so ehrlich beschreiben, was sie fühlen. Man gewinnt den Eindruck, dass ihnen diese Briefe weh tun und dass sie ihnen doch den einzigen Halt geben - ihr Schicksal zu meistern.
Und so ist auch das Ende hoffnungsvoll und deprimierend zugleich - ein echter Thommie Bayer, der es wieder schafft auf der Grenzlinie zwischen diesen beiden Gefühlen zu wandeln und den Leser so aufzuwühlen - bis zum nächsten Mal.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Mai 2014
Liebesroman aus der Sicht eines Mannes überwiegend 70er- und 80er Jahre, reflektiert durch die Briefe der Frau.Gut gelungener Spannungsbogen. Kleine Krimi-Nebenhandlung. Eintauchen in das Lebensgefühl der 70er. Spannung entsteht überwiegend durch die hervorragende psychologische Charakterisierung der Protagonisten. Insgesamt sehr lesenswert
Vom gleichen Autor habe ich Auch "Aprilwetter" in guter Erinnerung.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Juni 2014
Zur Handlung muss ich nicht mehr viel sagen, die ist in den anderen Rezensionen bereits ausreichend beschrieben.
Thommie Bayer gelingt es, in diesem Buch in einer wunderbar leichten, unangestrengten Sprache die zwei Protagonisten über Jahrzehnte hinweg farbenreich und mit schönen Tupfern des jeweiligen Zeitkolorit zu verfolgen. Als Leser begleitet man die beiden voller Empathie.
Wie der Autor das Kunststück vollbracht hat, jemandem wie mir, der dem Genre "Briefroman" ansonsten mit abrundtiefer Langeweile gegenübersteht, doch die großzügig über das Buch verteilten Briefe der beiden jeweils gespannt erwarten zu lassen, ist mir ein Rätsel.
Fazit: Gute Dramaturgie, lebensvolle Zeichung der Figuren, feine Balance aus Spannung und Leichtigkeit. Ein Roman wie ein Aquarell. Lesen!
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 10. März 2014
Thommie Bayer hat einen neuen Roman geschrieben. Wer bereits andere von ihm kennt, wird nicht verwundert sein, er schreibt wieder über die Liebe, ein, wie er selbst sagt, weltbewegendes Thema. Er schildert sie in vielen Facetten. Brillant erzählt Thommie Bayer vom ungestümen Begehren und der alles in den Schatten stellenden Liebe seines Protagonisten zu Sylvie, die ihn wie einen kleinen Bruder liebt, innig, voller Vertrauen – aber platonisch. So bleibt Simons große Liebe unerfüllt, andere Partnerinnen müssen diese Lücke schließen - mehr schlecht als recht. Neben der Liebe schlängelt sich wie ein alles verbindender roter Faden die Musik durch die Handlung und Simons Leben, Melodien, die man kennt und sofort im Ohr hat.

Die Geschichte wird von Simon rückblickend aus der Gegenwart in der Ich-Form erzählt. Dabei spielt der Briefwechsel mit Sylvie eine bedeutende Rolle. Durch Sylvies Briefe werden sowohl der weibliche Aspekt als auch eine Art Außensicht auf Simon dargestellt. Im immer sporadischer werdenden Blick auf einzelne Jahre nimmt man am Leben der Hauptfiguren teil, lernt sie kennen, versteht ihr Handeln mal mehr oder mal weniger und bekommt ein Gespür für die Zeit, als Telefone noch Wahlscheiben hatten und das Schreiben von Briefen Normalität war und kann die Entwicklung der Personen und ihrem Umfeld bis in die Gegenwart verfolgen.

Wer bei diesem Roman eine herkömmliche seichte Liebesgeschichte erhofft, wird wohl enttäuscht werden. Auch einen Krimi hat der Leser trotz des Mordfalles nicht zu erwarten. „Die kurzen und die langen Jahre“ ist ein sehr gefühlvoller Roman über eine unerwiderte Liebe und das sich selbst Fremdsein in „Ersatzpartnerschaften“. Der Schreibstil Thommie Bayers ist beeindruckend, gefällig und sehr angenehm zu lesen. Mit 202 Seiten verteilt auf 50 Jahre Handlung ist dieser Roman eher kurz, hält aber einiges Potential zum Nachdenken und sich selbst Erkennen bereit. Ich empfehle ihn sehr gern weiter.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. März 2014
...Gnade dem, der das Musikerleben liebt und auch vom Einfluss weiblicher Anziehungskraft auf sein Leben ein Lied zu singen vermag: er wird Thommie Bayers neustes Werk wohl kaum aus der Hand legen können, bevor die letzte Seite aufgeschlagen ist.

Einmal mehr widmet sich Bayer den unterschiedlichsten Nuancen einer sehr einzigartigen Beziehung zwischen einem ungleichen Pärchen, welches sich sukzessive aus den Augen verliert und nach Jahren wieder aufeinander aufmerksam wird. Dass sich die Lebenslinien beider Protagonisten erstmals durch einen Doppelmord, der sie gleichermaßen betrifft, kreuzen, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Umso intensiver lässt Bayer seinen Erzähler einen Rückblick auf dessen bisheriges Leben wagen, in welchem sich der Leser mehr als einmal wiederfinden, weinen und lachen kann. Es ist die allzu menschliche Geschichte von der ersten großen Liebe, von Leidenschaft, von zerbrochenen Lebensentwürfen, von Schmerz und Eifersucht, von Verrat am Freund, von Verlust, Tod und Angst, aber auch von einer unzerstörbaren Hoffnung und der Einsicht, dass es nie zu spät ist, sich, allen Tiefschlägen und Enttäuschungen zum Trotz, erneut auf dem Weg zu machen, der Liebe zu begegnen.

Bayers neustes Buch hat den Biss, die Leidenschaft und die Energie seiner frühen Werke, Chapeau!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 20. Oktober 2014
"Es gibt Anblicke, von denen ich nicht weiß, ob sie mir gut- oder wehtun,
ob ich hinsehen darf oder den Blick abwenden soll, und irgendwann habe ich den Blick abgewandt
und bin beschäftigt damit, mir selbst zu erklären, dass das eben Gesehene kein Zeichen war,
keine Botschaft an mich, sondern einfach das Leben, an dem jeder zumindest mal vorbeikommt,
falls er, wie ich, nicht mehr daran beteiligt ist." (S.7)

Simon Stiller und Sylvie Spengler lernen sich am Tatort kennen. Er (der Ich-Erzähler) ist 22 Jahre alt und der Sohn des einen Ermordeten. Sie ist 8 Jahre älter und die Ehefrau des zweiten Opfers. Die zwei Männer waren ein Liebespaar.
Für Simon macht das Sinn. Jetzt kann er nachvollziehen, wieso die Ehe seiner Eltern so war, wie er sie im hintersten Winkel seines Erinnerungsvermögens gespeichert hat. Für Sylvie bricht eine Welt zusammen. Sie, die attraktive, rassige Rothaarige, "Traum eines jeden Mannes", trieb ihren Ehemann in die Arme eines Schwulen.
Die beiden ungleichen Hinterbliebenen freunden sich an, sie schreiben einander Briefe, verlieren sich aus den Augen und treffen doch irgendwann auch wieder aufeinander. Jeder trauert auf seine Weise, jeder versucht, sein Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Und doch kämpft jeder gegen seinen eigenen Fluch, der ihn wie ein Schatten verfolgt.

Der Roman Thommie Bayers spannt einen Bogen über 50 Jahre, und das auf etwas mehr als 200 Seiten. Er spielt zwischen 1964 und 2014, kurze und lange Jahre, je nachdem, was passiert, je nachdem, wie intensiv Begegnungen und gemeinsame Geschichten sich gestalten. Thommie Bayer versteht sich auf die leisen Töne. Es sind seine Herztöne, die er in Worte kleidet. Als Autor legt er Wert auf den Hinweis, daß Autobiografisches keinen Eingang in seine Bücher findet. Doch die Geschöpfe seiner Fantasie sind ihm sehr nahe, auch wenn sie im Verlauf des schriftstellerischen Schöpfungsakts gelegentlich einer unvorhergesehenen Eigendynamik anheimfallen. Ihre Interaktionen und Alleingänge sind psychologisch ausbalanciert, nachvollziehbar und jederzeit plausibel. Und so kommt es schließlich, wie es kommen muß:
"Als ich dann in einer E-Mail, die ich schon hatte wegknipsen wollen, weil ich sie für Spam hielt,
den Betreff 'Von Sylvie' las, passte das zu dem gedämpften Knall des Tabs in der Spülmaschine,
zur frühlingshaften Wärme, die durch die geöffneten Fenster hereinströmte,
den vereinzelten nächtlichen Geräuschen von draußen,
es war, als tippe mir jemand auf die Schulter, und zwar der richtige Mensch.
Der, auf den ich gewartet hatte." (S.201)

Ich hatte das Vergnügen, die Person Thommie Bayer während einer Lesung zu studieren, und ich habe festgestellt: Person und Bild (oder Text) sind kongruent. Also freue ich mich schon jetzt auf sein neues Buch, das der sympathische Autor für das Frühjahr 2015 angekündigt hat.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 100 REZENSENTam 29. August 2014
Viele Romane langweilen mich auf den ersten 150 Seiten mit einem Aufbau vielfältiger Charaktere, die dann auf den restlichen 50 Seiten noch verwirrender um einen rätselhaften Ausgang streiten.

Anders Thommie Bayer.

Er bringt Spannung pur und das Ungewöhnliche schnell zum furiosen Start. Der Vater des Erzählers wurde ermordet und zum Schrecken seiner selbst und der Partnerin des zweiten Ermordeten, müssen diese erfahren, dass der Vater bzw. Ehemann schwul waren.

Zwei von Eltern und dem Leben Verlassene kämpfen sich durch die 70er bis ins Heute, ihre Liebesgeschichte ist anders, tiefer, kürzer, länger, atemberaubender, intensiver als Vieles aus diesem Bereich, den man zu kennen glaubt. Der Roman gräbt die Schichten körperlicher und seelischer Liebe tief um, er versucht jenes Unbegreifliche zu fassen, das die Verbindungen zweier Menschen zum Liebevollen, Guten hin wendet.

Höchst spannend bis zum Ende sind es vor allem die Briefe der beiden, die bestechend schön einander mitteilen, die richtiggehend bezaubern, die erhellen, warum Liebe nicht planbar oder berechenbar ist: Liebe, egal ob man zusammen lebt oder nicht, ist eine der möglichen Spuren des Menschlichen, die zwei Personen tiefer in die jeweiligen Seelen blicken und offenbaren lässt, was wirklich zählt.

Das große Glück in der Liebe besteht darin, Ruhe in einem anderen Herzen zu finden. (Julie Lespinasse)
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