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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur von jemandem, der das Scheitern seines Lebenstraumes sich nicht eingesteht?
Es treibt ihn noch einmal um, was aus seiner Kirche wird.
Der "lamentable Zustand" der Kirche unter Papst Ratzinger, der sich immer klarer gegen das ökumenische Konzil stellt, lässt ihn leiden. Warum dann nicht Austritt wie Eugen Drewermann oder Gotthold Hasenhüttl? Das kommt für Küng nicht in Frage, wenn er an die andere Kirche, die...
Veröffentlicht am 23. Juni 2011 von Gerhard Brouwer

versus
8 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ist Küng noch zu retten?
Der Titel der Rezension klingt genauso provokant, wie der Titel des Buches. Aber wo ist der Küng aus Büchern wie "Credo. Das apostolische Glaubensbekenntnis.", in denen er neue Ansätze erläutert und erklärt.

Das Buch ist ein buntes Gekleckse fundierter und richtiger Argumente für eine Erneuerung der römisch-katholischen...
Veröffentlicht am 13. Dezember 2011 von CF


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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur von jemandem, der das Scheitern seines Lebenstraumes sich nicht eingesteht?, 23. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Gebundene Ausgabe)
Es treibt ihn noch einmal um, was aus seiner Kirche wird.
Der "lamentable Zustand" der Kirche unter Papst Ratzinger, der sich immer klarer gegen das ökumenische Konzil stellt, lässt ihn leiden. Warum dann nicht Austritt wie Eugen Drewermann oder Gotthold Hasenhüttl? Das kommt für Küng nicht in Frage, wenn er an die andere Kirche, die Gemeinschaft von Gläubigen und Engagierten denkt.

Küng beschreibt, wie das römische Papsttum sich schrittweise immer mehr Macht sicherte. Es gab dann das 10. Jahrhundert, das "finstere Jahrhundert" mit Intrigen und Kämpfen, Morden und Gewalttaten unter Beteiligung von Päpsten und Gegenpäpsten. Es folgte die Durchsetzung des päpstlichen Macht- und Wahrheitsmonopols, alles wenn nötig mit Gewalt (Inquisition, Verbrennungen, Kriegen, Kreuzzügen). Nach Reformen gab es dann wieder Zeiten der Dekadenz, die von der Reformation im 16. Jh. beendet wurde. Die römische Reformverweigerung führte dann zur Spaltung der Kirche.

Die Sexual- und Frauenfeindlichkeit, die sich in der Kirchengeschichte im Westen bis hin zum Zölibatsgesetz durchgesetzt hat, ist keine Glaubenswahrheit und gehört wieder abgeschafft.

Luthers Forderungen "allein die Schrift", "allein Christus", "allein die Gnade" ernstgenommen hätten die Kirchenspaltung verhindert. Nicht der Reformator Luther, sondern das reformfeindliche Rom tragen Hauptverantwortung für die Spaltung.

Die Wissenschaftsfeindlichkeit der katholischen Kirche, die sich etwa zeigte im Inquisitionsprozess gegen Galileo Galilei, wurde nur halbherzig revidiert, so wurde noch 1950 in einer Enzyklika des Papstes Pius XII. von den Irrtümern des Charles Darwin geschrieben.
Das Fortschrittsdenken, das sich gegen Religionskriege, Hexenverbrennungen, Teufels-, Dämonen- und Zauberglaube wandte, die Bibelwissenschaft, die selbst die Heilige Schrift einer historisch-kritischen Analyse unterzog, führte zu religiöser Toleranz. Aber die römisch-katholische Fortschrittsfeindlichkeit ist noch nicht definitiv überwunden, wie sich in der Ablehnung der Antibabypille oder der künstlichen Befruchtung zeigte.

Die Demokratiefreindlichkeit der katholische Kirche brachte sie ins kulturelle Ghetto; erst seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil darf offen ausgesprochen werden, dass "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" ein urchristliches Fundament besitzen. Erst Johannes XXIII. und mit ihm das Zweite Vatikanische Konzil sprachen sich eindeutig für Demokratie und Menschenrechte aus.
Die jungen christlichen Kirchen in anderen Kontinenten wie etwa die chinesische dürfen nicht gegängelt werden, es muss ihnen eine angemessene Autonomie gelassen werden.
Hans Küng berichtet über Schlaglichter der Päpste des 20. Jh.. Pius XII. war kein heiliger Papst, Johannes XXIII. hat die Kirche wiederbelebt, vor allem mit dem 2. Vatikanischen Konzil.
Mit Johannes Paul II., dem Papst aus Polen, dem ersten nichtitalienischen Papst seit dem 16. Jh., kam dann der Verrat am Konzil.

An der Basis ging jedoch die konziliare und ökumenische Bewegung weiter.

Wie soll der Petrusdienst, das Papsttum, ausgeführt werden? Nicht als Gewalt und Macht, sondern wie im Neuen Testament als Dienstprimat, als Seelsorge- oder Pastoralprimat! Küng fordert evangelische Demut, evangelische Einfachheit, evangelische Brüderlichkeit und evangelische Freiheit.
Was kann man tun um zu ändern? Neben Austritt, Verweigern der Kirchensteuer, Konvertieren, Nichteintritt kommt für Küng in Frage das reformerische Engagement: nicht schweigen, selber handeln, gemeinsam vorgehen. Druck ausüben, nicht aufgeben.

Ist die Kirche noch zu retten? Küng hofft es.
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96 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen EINE STERBENSKRANKE KIRCHE?, 12. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Gebundene Ausgabe)
In einer Startauflage von 50.000 Exemplaren ist das sicherlich aufrüttelndste Buch aus der Feder von Hans Küng, einem der weltweit bedeutendsten Theologen und Ökumeniker unserer Zeit, der am 19. März seinen 83. Geburtstag feiert, erschienen. In einem Alter, wo viele Menschen schon fast 20 Jahre ihren Ruhestand genießen, hat Hans Küng als verantwortungsvoller Christ in einer einzig-artigen kirchenhistorischen Systemanalyse ein römisch geprägtes Glaubens- und Herrschaftssystem durchleuchtet und als Buch herausgebracht, das er eigentlich nicht schreiben wollte. Seine Agenda ist ausgefüllt mit vielen wichtigen Projekten, die ihm mehr Freude machen würden, als die Agonie der römisch-katholischen Kirche zu beschreiben.

Hans Küng benutzt in seiner mit enormer Sorgfalt dokumentierten Anamnese einer absolutistisch herrschenden päpstlichen Monarchie in seinen anschaulich formulierten Kapiteln Überschriften wie: "'Von der winterlichen zur kranken Kirche'", '"Fieberschübe'", "'Sieben Reaktionen auf die Kirchenkrankheit'", '"Sterbehilfe oder Reanimation'", "'Wie die offene Wunde heilen?"', "'Virus: kirchliche Wissenschaftsfeindlichkeit'", "'Virus: kirchliche Fortschrittsfeindlichkeit'," '"Virus: kirchliche Demokratiefeindlichkeit'", "'Virus: römisch-katholische Restaurationsbegeisterung"', '"Index der Volksverdummung"', '"Wunder- und Heiligeninflation"', "'Leitbild zur Sanierung der Kirchenleitung"', "'Osteoporose des kirchlichen Systems?"', "'Zwangstherapie erforderlich?'".

In der Einleitung zu seinem Spät-Meisterwerk schreibt Hans Küng:

"'Die Skandale um Sexualmissbrauch im katholischen Klerus sind nur das jüngste Symptom. Sie haben einen solchen Umfang angenommen, dass in jeder anderen Organisation eine intensive Erforschung der Gründe für eine derartige Tragödie eingesetzt hätte. Nicht so in der römischen Kurie und im katholischen Episkopat. Zuerst gestanden sie ihre eigene Mitverantwortung für die systematische Vertuschung dieser Fälle nicht ein. Dann zeigten sie ' von wenigen Ausnahmen abgesehen ' auch kein großes Interesse daran, die tieferen historischen und systemischen Gründe für eine derartig verheerende Fehlentwicklung herauszufinden. Die bedauerliche Uneinsichtigkeit und Reformunwilligkeit der gegen-wärtigen Kirchenleitung zwingt mich dazu, die historische Wahrheit von den christlichen Ursprüngen her gegen all die gängigen Vergesslichkeiten, Verschleierungen und Vertuschungen offen darzustellen... Das Papsttum soll nicht abgeschafft werden, sondern im Sinne eines biblisch orientierten Petrusdienstes erneuert werden. Abgeschafft werden aber soll das mittelalterliche römische Herrschaftssystem.... Meine Fundamentalkritik am römischen System wiegt schwer, und ich muss sie selbstverständlich Punkt für Punkt begründen. Nach bestem Wissen und Gewissen werde ich mich deshalb in diesem Buch um eine ehrliche Diagnose wie um wirksame Therapievorschläge bemühen. Oft eine bittere Medizin, zweifellos, aber eine solche braucht die Kirche, wenn sie überhaupt genesen soll... Von Rom aus wird man erfahrungsgemäß alles tun, um ein derart unbequemes Buch, wenn schon nicht zu verurteilen, so doch möglichst zu ver-schweigen...'"

Hans Küng wird mit diesem Buch erneut zu einer kirchenhistorisch bedeutenden Persönlichkeit, für die jeder nach christlicher Wahrheit Suchende aus tiefstem Herzen dankbar sein muss. Er besitzt einen heroischen Kämpfermut wie einstmals Martin Luther, von dessen Erbe sich leider viele evangelische Kirchenfürsten entfremdet haben und sich inzwischen auf Anbiederungskurs in Richtung Vatikan bewegen. Lutherisch erzogene Bischöfe lassen sich von Papst Benedikt XVI. demütigen, der ihnen ihren Status 'Kirche' aberkannt hat. Und dennoch huldigen sie dem oberbayerischen Glaubensdiktator und lassen sich von seiner Ökumene-Scheinheiligkeit blenden.

Hans Küng beschreibt die tiefste Vertrauenskrise in der katholischen Kirche seit der Reformation, und er nennt die wesentlichen Fakten:

"'Im Zentrum der Krise steht JOSEPH RATZINGER, der gegenwärtige Papst, der zwar aus dem Land der Reformation stammt, aber seit 3 Jahrzehnten im päpstlichen Rom lebt und die Krise verschärft, statt sie zu beheben. Als Papst Benedikt XVI. hat er die große Chance verpasst, das Zweite Vatikanische Konzil mit seinen zukunftsweisenden Impulsen auch im Vatikan zum Kompass der katholischen Kirche zu machen und ihre Reformen mutig voranzutreiben. Im Gegenteil: immer wieder relativiert er die Konzilstexte und interpretiert sie gegen den Geist der Konzilsväter nach rückwärts. Ja, er stellt sich sogar ausdrücklich gegen das Ökumenische Konzil, das nach der christlichen Tradition die oberste Autorität in der katholischen Kirche darstellt:

' Papst Benedikt XVI. hat außerhalb der katholischen Kirche illegal ordinierte Bischöfe der traditionalistischen PIUS-Bruderschaft, die das Konzil in zentralen Punkten ablehnen, ohne Vorbedingungen in die Kirche aufgenommen.
' Er fördert mit allen Mitteln die mittelalterliche Tridentinische Messe und feiert selber die Eucharistiefeier gelegentlich auf Latein mit dem Rücken zum Volk.
' Er schürt ein tiefes Misstrauen gegenüber den evangelischen Kirchen.
' Er hat durch Ernennung antikonziliarer Chefbeamter (Staats-sekretariat, Liturgiekongregation, Bischofskongregation u.a.) und reaktionärer Bischöfe in aller Welt die konzilsfeindlichen Kräfte in der Kirche gestärkt.
' Die modernen Massenmedien (Fernsehen, Internet, YouTube) werden systematisch, professionell für die eigenen Interessen ein-gesetzt. Schaut man auf die großen Massenveranstaltungen, gerade bei Papstreisen, könnte man meinen, es stünde in dieser Kirche alles zum Besten. Aber entscheidend ist die Frage: was ist hier Fassade und was Substanz? Vor Ort sieht es jedenfalls anders aus".

Hans Küng betitelt das 7. Großkapitel seines Buches: 'Das römische System spaltet die eine Christenheit' und schreibt dazu u.a. Folgendes:

' "Über die Jahrhunderte hat sich die Spaltung von Ost- und Westkirche abgezeichnet durch eine wachsende gegenseitige Entfremdung. Diese wurde immer mehr vorangetrieben durch die immer weitere Entfaltung der päpstlichen Autorität, die für die östliche Christenheit im völligen Widerspruch stand zur altkirchlichen, zu ihrer eigenen Tradition.
' Die kulturell-religiösen Unterschiede hätten keineswegs zur Spaltung führen müssen. Für diese sind primär jenes bedrohliche Anwachsen der päpstlichen Macht verantwortlich.
' Eine papstzentrierte Einheitskirche ist bis heute für den ganzen Osten eine inakzeptable Neuerung. Nie hat man dort je päpstliche Decreta und Responsa erbeten. Auch nie für Klöster um die Verleihung einer päpstlichen 'Exemtion' nachgefragt. Weiter nie sich vom Papst ernannte Bischöfe aufdrängen lassen. Und erst recht nie eine absolute und direkte Autorität des römischen Bischofs über alle Bischöfe und Gläubige anerkannt... Aber unermüdlich versuchte Rom mit allen Mitteln seines kanonischen Rechts, seiner Politik und Theologie die alte Kirchenverfassung zu überspielen, den römischen Rechtsprimat über alle Kirchen auch im Osten zu etablieren und eine zentralistische, ganz auf Rom und Papst zugeschnittene Kirchenverfassung durchzusetzen".

Der katholische Priester und Theologe Hans Küng ist wie vor 2.000 Jahren Jesus Christus ein Fels in der Brandung. Er hat sich nicht von der verführerischen Intelligenz des römischen Glaubensimperiums korrumpieren lassen. Sein Buch ist das beredte Zeugnis eines wahrhaftigen Christen, dem jeder nach Gott suchende Mensch vertrauen kann. Dieses Buch gehört auf die Bestsellerlisten ' es wird den Vatikan erneut auf den Prüfstand stellen.

Roland R. Ropers
Religionsphilosoph & Publizist
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ist die Kirche noch zu retten?, 8. April 2012
Von 
Hermann Bahr (Hinterbrühl, Bezirk Mödling, Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Gebundene Ausgabe)
Hans Küng weiß wovon er spricht und er geht mit der derzeitigen Kirchenführung hart und schonungslos ins Gericht. Die Diagnose ist ausführlich und gründlich, da kommt die Therapie etwas zu kurz. Was er vorschlägt, ist für reformorientierte Christen nicht wirklich neu und einleuchtend. Die Sorge, die sich im Titel ausdrückt, erscheint echt und berechtigt.

Das Buch ist - für ein theologisches Werk - sehr gut und flüssig geschrieben und relativ leicht zu lesen. Konservative werden mit der Lektüre sicher keine Freude haben, Fortschrittlichen kann es ohne Einschränkung empfohlen werden.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kirchentherapie, 26. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Gebundene Ausgabe)
Alle meine Erwartungen wurden erfüllt. Ein Hoffnungsschimmer zu den Möglichkeiten einer Therapie für die totkranke Kirche, um zur Wahrheit zurückzukehren. Möge der Geist Gottes die dringend nötige Hilfe mit Macht walten lassen.
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23 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Salz der Erde, 5. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Gebundene Ausgabe)
"Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz dumm wird, womit soll man's salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten." (Matth. 5, 13)

Und nun ist dieser Fall tatsächlich eingetreten: das Salz ist dumm geworden und erkennt die Zeichen der Zeit nicht. Derweil sich das gemeine Kirchenvolk redlich abmüht und immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, vom eigenen Klerus.

Jeder Organismus wird geboren, erlebt seine Blüte, seine Kulmination, seine Dekadenz und zum Schluss sein Ende. Das gilt genauso für Organisationen, wie Staaten oder Firmen - oder eben auch Religionen.
"Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt", bemerkte einst Jean Paul Sartre.

Hans Küng begleitet schon jahrzehntelang als Insider und kritischer Geist "seine" katholische Kirche - und leidet mit ihr, weil sie sich nach seiner Diagnose inzwischen in ihrer akuten Dekadenzphase befindet, von "Fieberschüben geschüttelt", reformunwillig und blind für das, was notwendigerweise zu tun wäre, um zu überleben - und deren Ende dann nur noch eine Frage der Zeit ist. Er nimmt da kein Blatt vor den Mund, beschreibt drastisch ihren gegenwärtigen Zustand. Dumm, wenn das Salz dumm geworden ist - und der Fisch dann vom Kopf her stinkt; da kann sich das gemeine Kirchenvolk noch so abrackern. Die sicheren Zeichen für den bevorstehenden Zerfall sind unübersehbar.

Der Leser erfährt in diesem Buch viele interessante Einzelheiten aus dem kirchlichen Innenleben sowie der Kirchengeschichte, in der es vor Intrigen, Machtkämpfen, Mord, Totschlag und Dokumentenfälschungen nur so wimmelt, und die ihm als Außenseiter normalerweise verborgen bleiben müssen. Hans Küng macht Vorschläge für eine Therapie des todkranken Patienten Kirche, aber er bleibt bis zuletzt sehr skeptisch, ob sie bei den klerikalen Entscheidungsträgern je auf fruchtbaren Boden fallen würden.

So sehr der Autor einen unverstellten Blick auf die offenkundigen Defizite der katholischen Kirche bei seiner kritischen Betrachtung der katholischen Kirche zugrunde legt, bleibt er am Ende doch Gefangener seines Glaubens: als überzeugtem Theologen kann man ihm nicht auch noch abverlangen, seinen Glauben in Frage stellen, der ja die eigentliche Ursache und der Kern des ganzen Übels ist. Über seinen Glauben hat er sich ja bereits an anderer Stelle geäußert.
Dieser Glauben baut nicht zuletzt auf einem wortwörtlichen Verständnis der Bibeltexte auf. Wenn da aber von der Geburt Jesu berichtet wird, bei der seine Mutter Jungfrau geblieben sei, ist dies ein überdeutlicher Hinweis darauf, dass es sich dabei nicht um einen biologischen Vorgang gehandelt haben kann, sondern um eine Symbolik handeln muss: die Geburt der Idee der Nächstenliebe, personifiziert im Glauben an eine Figur namens Jesus Christus. Personifiziert deswegen, weil vor zwei Jahrtausenden das gemeine Volk aus Analphabeten bestand und mit abstrakten Begriffen nichts anfangen konnte.

Der Stoff, aus dem die Religionen sind, ist die Moral - die Religionen haben ja die Moral in die Welt gebracht, sie institutionalisiert - das ist ihre große historische Leistung. Die Moral wurde aber inzwischen auch an die Grenzen ihrer Möglichkeiten herangeführt: solange Moral nur eine Frage des Glaubens bleibt und damit jedweder Beliebigkeit ausgesetzt ist, wird sie immer von allen möglichen Gruppierungen auf jeweils ihre Art vereinnahmt werden. Dadurch sind Konflikte jedweder Art vorprogrammiert, und die können bis zum buchstäblich "letzten Gefecht" vorangetrieben werden. 1962, bei der Kubakrise, wäre dieser Prozess beinahe an sein Ende gekommen, wenn nicht ein paar beherzte Leute eingegriffen hätten. Es gab da nur noch zwei Gruppierungen, Ost und West. Und jede Gruppe war zu 100 Prozent davon überzeugt: WIR sind die Guten, IHR seid die Bösen! Ergo müssen wir Euch, die Bösen, mit Stumpf & Stiel ausrotten, endgültig, ein- für allemal. Dazu benötigen wir den mindestens 150-fachen atomaren Overkill, damit bei dieser Strafaktion auch ja nichts schiefgeht!

Keine der bis dahin weltweit oder lokal agierenden Religionen hatte bei diesem hochmoralisch begründeten Geschäft ein Wörtchen mitzureden - außer, sie segneten vielleicht noch die Waffen - und es darf bis heute bezweifelt werden, ob irgendein Religionsvertreter die Konsequenzen dieser "Endlösung der Moralfrage" je gesehen oder gar bedacht hätte...

Bezogen auf den Buchtitel, müsste also die Frage lauten:
Kann oder soll man mit archaischen Moralvorstellungen versuchen, Probleme der modernen Industriegesellschaft zu lösen? Oder, noch konkreter: ließen sich wirklich beispielsweise die Straßenverkehrsregeln mitsamt allen Verkehrsschildern durch die 10 Gebote ersetzen? Sowohl in Rom wie in Kairo oder Dschiddah stehen ja Verkehrsampeln, und es gibt auch in jedem dieser Länder eine Straßenverkehrsordnung...

Und genau deswegen, weil so etwas nicht geht - die Zeit ist darüber hingegangen - sind die Kirchen (und genauso die Moscheen) nicht mehr zu retten: sie beharren ja weiterhin auf ihrem antiquierten Moralverständnis.

Über kurz oder lang werden die Zeiten des Glaubens und damit der antiken Religionen Christentum, Islam und auch Judaismus endgültig vorbei sein - und Gottvater, Jesus Christus und der Heilige Geist werden damit ihren ägyptischen, griechischen und römischen Vorbildern in den Olymp folgen....
Hans Küng spricht da nicht von einer theoretischen Möglichkeit, sondern von einer real existierenden Entwicklung, die längst im fortgeschrittenen Stadium angekommen sei. Für den Islam gibt es übrigens eine ganz ähnlich lautende Analyse ("Der Untergang des Islam" von Hamed-Abdel Samad) - wie die Bilder sich gleichen! Kirchen und Moscheen werden aber trotzdem übrig bleiben - als wertvolles Kulturerbe.

Selbst wenn inzwischen die Bibeltexte, auf denen das christliche Glaubensgebäude ruht, zunehmend als Metaphorik interpretiert werden, hinter der sich die eigentlichen Glaubensvisionen verbergen: diese Visionen erweisen sich als ebenso widersinnig wie die vordergründigen Geschichten, die wir vielleicht noch kennen aus dem Religionsunterricht. Die christlichen Glaubensvisionen sprechen ja vom "ewigen" Leben im "neuen Jerusalem" im "Himmel", wo nur "die Gerechten" herrschen und zuvor "das Böse" in einem beispiellosen Inferno in die "ewige Verdammnis" verbannt wurde und dort auf ewig schmoren soll, also abgeschafft sein wird. Dass in diesem Szenario auch noch alle ehemals Lebenden wieder erscheinen sollen, ist dabei eher nebensächlich.

Diese Vision ihrer Metaphorik entkleidet, hieße im Klartext: dieser Glauben läuft darauf hinaus, die Erkenntnis der Moral wieder abzuschaffen (die Moral kann ja nur existieren, wenn es gut und böse gibt - sowohl tatsächlich, wie auch im Bewusstsein der Menschen!), weil sie schon in Urzeiten als "Sünde" und damit als falsche Entwicklung bewertet wurde. In einer fiktiven Welt, in der es kein "Böses" mehr gäbe, entfiele damit die grundsätzliche Bewertungsgrundlage für alle Dinge und Vorgänge, alles wäre ja unipolar nur noch "gut". Selbst die Wahrnehmungsmöglichkeiten für "Böses" müssten in dieser Fiktion entfallen. Je mehr dieser Widersinn von den Menschen erkannt wird, umso mehr werden sich die Menschen fragen: warum eigentlich sollte ich einen derartigen Widersinn glauben?
Anders ausgedrückt: die Kirchen haben oft ihre Dogmen - irrtümlich ("die Erde ist eine Scheibe"), aber meist bewusst als "einzig wahre" Wahrheit verkauft - beinahe so, als wenn einige wenige klerikale Schlaumeier diesen fundamentalen Glaubenswidersinn schon längst erkannt haben und sie sich voller Angst gegen seine Entdeckung mit Hilfe ihrer Dogmen sträubten; die Wissenschaft hat dagegen Wahrheiten gefunden - und genau deswegen befinden sich inzwischen alle Religionen in der Krise.

Wir leben ja inzwischen immer mehr in einer Welt des Wissens, und die hat seit ca. 200 Jahren unser Leben mehr umgekrempelt als alle Religionen zusammen in den Jahrtausenden zuvor - irreversibel. Diese Welt ist einfach fundierter und zuverlässiger als die vorangegangene Glaubenswelt - Wissen beruht ja im Gegensatz zum Glauben nicht auf subjektiven Beliebigkeiten (die ausgerechnet Papst Benedikt so beklagt hat!) sondern auf handfesten Beweisen, und die sind an der Wirklichkeit (und damit an der Wahrheit) orientiert und damit auch nicht beliebig manipulierbar.

Das Erbe der Religionen - die Moral - sollten wir allerdings pfleglich behandeln und weiterentwickeln. Die Religionen haben ihr Deutungshoheits - Monopol längst an die Wissenschaft abgegeben. Die wäre nun ihrerseits gefordert, über ihre Abteilung "Sozialwissenschaften" möglichst schnell objektive Erkenntnisse über Wesen und Charakter der Moral zu gewinnen und zu verbreiten, schon allein deshalb, um das offenkundige Kompetenzvakuum auszufüllen, welches die Religionen hier hinterlassen haben. So könnten derartig begründete Moralstandards es schaffen, weltweit anerkannt zu werden. Hans Küng hatte ja weitsichtig dazu bereits einen Anlauf genommen mit seinem "Projekt Weltethos". Immerhin hat auch die Wissenschaft da einiges gutzumachen: es waren diesmal nicht die Kirchen, die den Bau der Atombombe befahlen! Den Makel, dass die Wissenschaft diese Entwicklung nicht verhindert hat, wird sie allerdings nie wieder loswerden.

Nur glaubensbasierte Moralstandards würden da allerdings zu kurz greifen und an ihren alten Übeln der Beliebigkeit kranken müssen. Nur - es wäre hochgradig unfair, ausgerechnet dies Hans Küng zum Vorwurf machen zu wollen.

Dieses Buch geht weit über eine oberflächliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustands der katholischen Kirche hinaus.

Allein schon deswegen: unbedingt lesenswert!

PS. Sehr wahrscheinlich wird es keine Reform dieser Kirche geben: mit ihrer Gründung beruft sie sich ja auf eine "göttliche Offenbarung" - eine Floskel, die hundertprozentige Vollkommenheit suggerieren soll - und die kann ja nicht durch eine noch größere Vollkommenheit ersetzt werden. Im Klartext: hier ist die Reformunwilligkeitsfalle bereits zugeschnappt - Reformen ausgeschlossen, von Anfang an und für alle Zeiten! So wird diese Kirche austrocknen, und Hans Küngs Skepsis wird sich bestätigen. Ansonsten wird es vielleicht noch eine Reihe Splitterguppen geben - und das war's dann...
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28 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Küng ist ein Geschenk Gottes an die Kirche, 20. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Gebundene Ausgabe)
Noch wird Küng innerhalb der amtlichen katholischen Kirche lieber totgeschwiegen. Aus Sicht der Amtskirche legt er zu treffsicher die Probleme offen. Was die Amtlichen lediglich hinter vorgehaltener Hand tuscheln, spricht Küng offen an. Damit macht man sich in der Amtskirche nicht beliebt. Darauf legt der Verfasser auch keinen Wert. Der möglicherweise größte katholische Theologe unserer Zeit ist zu gelehrt, zu erfahren und zu gläubig, sich in irgendeiner Weise korrumpieren zu lassen. Für ihn steht fest: Jesus Christus hat nicht diese heutige Kirche gewollt. Welche dann? Küng gibt Antworten auf die Frage: Ist die Kirche noch zu retten? Er analysiert die Krankheiten der Kirche und beschreibt überzeugende Therapiemöglichkeiten. Seine Vision einer Genesung macht allen Hoffnung, die der katholischen Kirche noch nicht den Rücken gekehrt haben und weiterhin geduldig auf das baldige Einwirken des Heiligen Geistes warten.
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5.0 von 5 Sternen Eine herbe aber liebevolle Kritik, 26. November 2013
Von 
Otmar Armbrust "Philtheol" (Lambsheim, Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Taschenbuch)
Wie von Hans Küng nicht anders zu erwarten, ist das Buch von Hans Küng ehrlich und legt viele Wunden der Kirche offen. Was besondedrs ins Auge sticht, sind die Lösungsversuche, die vorgeschlagen werden.
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5.0 von 5 Sternen Ist die Kirche noch zu retten, 30. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Taschenbuch)
Dieses Buch über die Schandtaten der kath Kirche verdient höchstes Lob. Es beschreibt die Verlogenheit der sogenannten Christenheit ,deren Handeln nichts mit Jesus und den Christen des 1.Jahrhunderts zu tun hat.An den Händen der Kirchen,evangelische nicht ausgenommen, klebt viel Blut.Sie sind Schuld ,dass so viele Menschen mit Gott nichts mehr zu tun haben wollen.Anders als Küng folgere ich: Diese Kirche ist nicht mehr zu retten und dem Untergang geweiht.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Nachdenken!, 24. Januar 2013
Von 
Joachim Woerner "Buchprüfer" (Mainz Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
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Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Taschenbuch)
Das beste Buch, das je zu diesem Thema geschrieben wurde!
Der bekannte Vatikan-Kritiker zieht noch ein letztes Mal alle Register, weil er offensichtlich fühlte, daß jetzt die letzte Chance seiner katholischen Kirche gegeben ist, um doch noch die Zukunft zu meistern. Denn das Jahr 2017 rückt näher, an dem die protestantischen Kirchen und Religionsgemeinschaften in aller Welt ihr 500. Reformationsfest feiern.
Ihre Vorbereitungen laufen bereits auf vollen Touren. Dabei brauchen sie niemanden anzugreifen, sondern nur an ihre Vergangenheit zu erinnern, die vergleichsweise frei von Inquisition, Anmaßungen und Kardinalfehlern oder Gott-Spielereien ist.
Das Reformationsfestjahr wird ohne Tricks oder Medienrummel einen natürlichen Sog auf die Masse der enttäuschten katholischen Gläubigen und die nachwachsende Jugend ausüben, daß schon nach weiteren 5 Jahren der Katholizismus den Point of no Return überschrittenn haben dürfte. Denn die Massen und ihre Politiker sehnen sich nach einer gemeinsamen ökumenischen Flagge und Glaubensform - nicht zuletzt wegen der Aktivitäten anderer großer organisierter Religionsgemeinschaften.
Um eine nächste Milliarde Erdbewohner noch mit allzeit genug Lebensmitteln, Süßwasser, Elektrizität u. a. m. zu versorgen, kann die Menschheit sich nicht über Glaubensfragen zerstreiten, zumal keiner der vielen Bibel-Autoren voraussah, daß unser Bevölkerungszustand schon vor über hundert Jahren eingetreten wäre,wenn es keine Kriege und Epedemien gegeben hätte!
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9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kompliment Herr Küng, 3. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Gebundene Ausgabe)
Herr Küng ist ein guter Diagnostiker und seine Therapievorschläge sind exzellent. Wenn aber die Compliance des Patienten nicht einmal ausreichend ist, wird er wohl schwerlich genesen. Wem dieses Buch gefallen hat, dem empfehle ich unbedingt "Der Papst und der menschliche Körper" von Claudia Bignion zu lesen.
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Ist die Kirche noch zu retten?
Ist die Kirche noch zu retten? von Hans Küng (Gebundene Ausgabe - 10. März 2011)
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