Kundenrezensionen


3 Rezensionen
5 Sterne:
 (1)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ehrlichs Bevölkerungsbombe, zeitgemäß neu geladen, 19. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Countdown: Hat die Erde eine Zukunft? (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch von Alan Weismann steht voll in der Tradition von Paul R. Ehrlich, der 1968 in seinem Beststeller Die Bevölkerungsbombe schon für das damals kommende Jahrzehnt eine weltweite Hungerkatastrophe vorhersagte und sich dabei gründlich irrte, zumindest im Zeithorizont, den Weisman nun irgendwann in das laufende Jahrhundert verlegt. Der bekannteste Gegner derartiger pessimistischer Ansichten ist und war Julian Lincoln Simon (1932-1998), der meinte, die Grenzen von Wachstum und Rohstoffen seien nicht naturgegeben, sondern könnten durch den technischen Fortschritt nahezu beliebig gedehnt und erweitert werden. Solange sich die Weltwirtschaft - insgesamt gesehen - im Aufschwung befindet, haben bisher die Zahlen den Optimisten recht gegeben.

1980 schloß Simon mit Ehrlich eine öffentliche Wette ab, auf die auch Weisman hier in seinem Buch eingeht: Simon forderte Ehrlich auf, ihm fünf Metallmengen zu nennen, die, wie von Ehrlich und anderen angenommen, in absehbarer Zeit verknappt würden und damit auch deutliche Preissteigerung zu erwarten hätten. Ehrlich wählte Chrom, Kupfer, Nickel, Zinn und Wolfram in einem Zeitrahmen von zehn Jahren. Nach zehn Jahren war aber der Gesamtpreis all dieser Metalle gefallen, und Ehrlich hatte die Wette verloren. Ehrlich hätte auch verloren, wenn er auf Benzin, Nahrungsmittel, Zucker, Kaffee, Baumwolle, Wolle oder Phosphate gewettet hätte, denn alle diese Güter waren im Zeitraum 1980 bis 1990 inflationsbereinigt billiger geworden. Hätte Ehrlich die Wette aber auch verloren, wenn der Zeitrahmen der Wette sich anstatt über nur 10 Jahre, auf 30 oder 60 Jahre erstreckt hätte? Die Entdeckung neuer Kupferlagerstätten z. B. erreichte 1996 ihren Gipfel. Von 2003 bis 2006 vervierfachte sich der Kupferpreis auf dem Weltmarkt. Da Kupfer wieder aufbereitet werden kann, ist der hohe Kupferpreis weltweit ein Anreiz für Diebe geworden, die Rohre, Bleche und Drähte stehlen. Es ist deshalb stets eine längerfristige Sichtweise notwendig. Für all diese Rohstoffe gilt die grundsätzliche Feststellung von Jevons und Hubbert, daß endliche Vorräte bei exponentiellem Wirtschaftswachstum an ihre Grenzen stoßen und nach Überschreitung des Fördergipfels einen raschen Preisanstieg aufweisen, auch wenn das ein Julian Simon zu seinen Lebzeiten nicht mehr erfahren mußte. Mit den steigenden Preisen werden auch Lagerstätten von Kupfererz und anderen Erzen und Mineralien abbauwürdig werden, die es bisher noch nicht waren. Die Entscheidung, ob es tatsächlich zum Abbau dieser ärmeren Lagerstätten kommt, wird von den Energiekosten des Abbaus abhängt. Die Energiekosten waren stets der schrittbegrenzende Hauptfaktor aller Entwicklung und bleiben es auch in Zukunft.

Von 1965 bis 2000 versechsfachte sich in Indien der Ertrag der Weizenernte. Die revolutionären Methoden, wie sie durch Borlaug in der Weizenzüchtung entwickelt worden sind, wurden auf die Züchtung neuer Reissorten und anderer Nutzpflanzen übertragen. Die Denkkraft des Genies, der schöpferische Geist hatte wieder einmal den Ausweg gefunden, den er nach Meinung eines Julian Simon immer finden wird. Man könnte auch wirklich von ganzem Herzen wünschen, Julian Simon möge stets recht behalten und nicht Ehrlich und Alan Weisman. Allein, auch diese Medaille hat zwei Seiten: Die Ertragssteigerungen ermöglichten in zahlreichen Ländern eine Bevölkerungszunahme, die früher durch die von Ehrlich erwarteten Hungersnöte auf niedrigerem Niveau gebremst worden wäre. Es ist ja nicht so, daß nur die Sorten sich verändert hätten und bei gleichbleibenden oder gar geringen Anforderung an Wasser, Düngung usw. die Erträge gestiegen sind, nein, es hat sich weit mehr verändert. Die Grüne Revolution brachte u.a. auch Veränderungen in der Bewässerung, Düngung, Bodenbearbeitung und im Transportwesen mit sich und damit Abhängigkeiten von fossiler Energie für die Düngemittelherstellung, den Transport usw. An Ende hat die weit höhere Menschenzahl einen weit höheren Energiebedarf, als das etwa in Indien vor 1965 der Fall gewesen war. Damit wird auch das letzte kleine Dorf in den Kreislauf der Industriegesellschaft hineingerissen. Um den erneut drohenden katastrophalen Entwicklungen auszuweichen, wäre eine zweite Etappe der Grünen Revolution notwendig, wie sie durch die Anwendung der Biotechnologie und Gentechnik inzwischen möglich wäre. Im Gegensatz zu 1965 stehen dem aber sich ausbreitende Vorurteile und Dummheit immer stärker entgegen.

Die klarste, aber auch pessimistischste Theorie über den Zusammenhang zwischen Energie, Bevölkerungszahl und dem Schicksal der Industriegesellschaft formulierte 1996 der Elektroingenieur Richard C. Duncan. Er befürchtete 2005, daß die moderne industrielle Zivilisation bereits ab 2012 in die Phase eines steilen Absturzes eintritt, durch den die Bevölkerungszahl der Erde schon ab 2030 auf 2 Milliarden verringert wird. Seine Ängste sind nicht aus der Luft gegriffen und stützen sich auf namhafte Vordenker. Henry Adams (1838-1918) hatte bereits 1893 die Befürchtung geäußert, daß der Hunger nach Elektroenergie die Welt letztendlich und gesetzmäßig ins Chaos stützen wird, als Vollendung einer einmaligen Beschleunigung der Evolution und der menschlichen Geschichte, die in einer Katastrophe mündet.
Andere Mitglieder der Schule der amerikanischen Technokraten, bei der auch der Erdöl-Prognostiker Hubbert ein und aus ging, kamen zu dem Schluß, daß das Schicksal der Industriegesellschaft durch die Pro-Kopf-Erzeugung an Energie bestimmt wird. Seit 1945 stieg diese Erzeugung exponentiell an, ermöglicht insbesondere durch weltweit steigende Fördermengen an Erdöl und Erdgas. Seit 1979 konnte diese Pro-Kopf-Erzeugung nicht mehr nennenswert gesteigert werden und ist sogar seit 2004 leicht rückläufig. Seit 2009 schafft es die Energieindustrie nicht mehr, den steigenden Bedarf zu decken und die Netze auszubauen. Immer häufiger kommt es zu großen Strom- und Netzausfälle, wie sich durch die internationalen Statistiken solcher Ausfälle tatsächlich belegen läßt.

Elektroenergie ist das Blut der industriellen Zivilisation. Fließt es nicht mehr oder unregelmäßig, dann brechen die Stromnetze zusammen und alles hinterher. Gewagte politische Entscheidungen, wie die Abschaltung von Kraftwerken, können die Versorgungssicherheit zusätzlich untergraben und erhöhen selbstverständlich die Energiekosten. Zur Katastrophe im Schlepptau von Revolutionen und Bürgerkrieg kommt es auch dadurch, weil immer mehr Menschen die steigenden Energiepreise und die in ihrer Folgen steigenden Nahrungsmittelpreise nicht mehr bezahlen können. Wie es scheint, ist diese Entwicklung heute, 2013, in den ärmsten Regionen der Welt bereits in vollem Gange. Eine Gesellschaft, die nicht mehr in der Lage ist, die weit vorausschauende Unterhaltung der elektrischen Energienetze zu finanzieren oder politisch durchzusetzen - ein sich wahrscheinlich bis 2030 immer mehr ausbreitender Zustand - beschleunigt hingegen ihren eigenen Untergang.

Weisman weiß: In engem Zusammenhang mit der Pro-Kopf-Produktion an Energie steht die Pro-Kopf-Produktion an Lebensmitteln. Seit 1990 hat sich die Ertragssteigerung bei Getreide abgeschwächt, ab 2007 kam es zu einem starken Anstieg der Lebensmittelpreise, von dem alle Länder mehr oder weniger betroffen sind. Je teurer Energie wird, desto größer die Versuchung, aus ursprünglich als Lebensmitteln angebauten Pflanzen Energie zu gewinnen. Mais, Zuckerrohr und pflanzliche Öle lassen sich als Lebensmittel und Viehfutter verwenden oder zu Treibstoff umwandeln. Letztere Verwendung trägt mit Sicherheit dazu bei, die Lebensmittelpreise in die Höhe zu treiben. - Seit 1990 können im Fischfang auf freier See keine Zuwachsraten mehr erreicht werden.

Das hier besprochene Buch ist kein wissenschaftliches Sachbuch, das mit Statistiken und Analysen glänzt, sondern anekdotisch geschrieben. Es ist aber dadurch sehr anschaulich und liest sich sehr flüssig. Weisman kennt den sehr raschen Geburtenabfall bis unter 2 Kinder pro Frau, der sich gegenwärtig in fast allen Schwellenländern vollzieht oder schon vollzogen hat. Dennoch geht er von einer Bevölkerungsprojektion der Erde von 11 Milliarden in diesem Jahrhundert aus und nicht von den maximal 9 Milliarden um 2050 (und folgender Verringerung) der UN-Projektionen. Schlecht informiert an diesem Punkt?

Den Ausweg sieht Weisman im Frauenstudium als eine Methode der Empfängnisverhütung. Hier mag ein Übesetzungsproblem vorliegen: "Student" im Englischen meint Schüler und Studenten, also Bildung schlechthin. Wenn dann aber die intelligenteren Frauen die wenigsten Kinder haben, hat das nicht auch Folgen für die folgende Generation? Siehe Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft und The Ingenuity Gap: Facing the Economic, Environmental, and Other Challenges of an Increasingly Complex and Unpredictable Future (Vintage).

Am Schluß fehlt bedauerlicherweise ein Personen-, Orts- und Sachregister, kombiniert mit den Quellenangaben.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bildung und Gleichberechtigung für Frauen überall auf der Welt als Lösung der Bevölkerungsexplosion, 7. Oktober 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Countdown: Hat die Erde eine Zukunft? (Gebundene Ausgabe)
Die massive Bevölkerungsexplosion der Menschheit stellt unser aller Zukunft vor ernste Probleme. Wenn die Menschheit weiter so wächst, wird der Titel des letzten Buches von Alan Weisman sicher in Erfüllung gehen: „Die Welt ohne uns“.

Während Stephen Emmott in seinem zeitgleich mit „Countdown“ erschienenen Buch “Zehn Milliarden“ den dramatischen Anstieg der Weltbevölkerung noch in diesem Jahrhundert, beschreibt, der die Welt an den Abgrund und darüber hinaus führen wird und aus dem auch alle möglichen neuen und alternativen Energien und Technologien nicht weiterführen werden und dann resigniert zynisch zusammenfasst;
„Wenn wir eine globale Katastrophe verhindern wollen, müssen wir irgendetwas Radikales tun – und ich meine wirklich tun. Aber ich glaube nicht, dass wir das machen werden. Ich glaube, wir sind nicht mehr zu retten.“ – geht Alan Weismann in seinem Buch tiefer. Über zwanzig Länder, teilweise auch die mit dem extremsten Bevölkerungswachstum hat er bereist und sich auf die Suche gemacht nach deren aktiver Steuerung des Zuwachses von Menschen

Die Beispiele, die Weisman aus den verschiedensten Regionen der Erde aufführt sind unterschiedlich überzeugend und viele strapazieren unser herkömmliches Verständnis von persönlicher Freiheit doch arg. Denn mit welchem Recht kann irgendjemand einer Frau irgendwo vorschreiben, nur ein oder zwei Kinder zu bekommen?

Die Lösung sieht er in Bildung und Gleichberechtigung für Frauen überall auf der Welt. In jedem Land, in dem dieses Ziel schon erreicht wurde, sanken die Geburtenraten. Doch ob die Zeit ausreicht für diesen Turnaround?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fazinierender Bericht mit realistischen Lösungsansätzen, 9. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Countdown: Hat die Erde eine Zukunft? (Gebundene Ausgabe)
Alan Weisman's Buch ist nicht einfach am Schreibtisch entstanden, sondern kommt als hochinteressante Reisebeschreibung daher. Auch wenn man einige der daraus abgeleiteten Thesen aus anderen Quellen schon kennen sollte, gibt seine persönliche Recherche auf dieser faszinierenden Tour durch mehr als 20 Länder ihm allein dadurch große Glaubwürdigkeit.

Die Frage aus dem Untertitel ist rhetorisch, denn die Erde wird den Einfluss der viel zu vielen Menschen sicherlich überstehen, allerdings – und das kann kaum besser dargestellt werden als in diesem jeweils vor Ort recherchierten Bericht – wird unsere Umwelt im Vergleich zu heute dann irreparabel geschädigt sein (z. B. durch dann ausgestorbene Arten). Es wird klar, dass das ungebremste Bevölkerungswachstum unsere Lebensgrundlagen bedroht, und wenn noch nicht unsere, dann die unserer Kinder. Der Klimawandel ist nur eine der Folgen dieser Entwicklung.

Zum ersten Mal hat die Menschheit ein gemeinsames Problem, noch dazu eines, deren Lösung im besten Fall einige Generationen dauern wird und dessen schierer Umfang und Komplexität schwer zu begreifen und schwer zu vermitteln ist. Zum Glück schreibt Alan Weisman leicht lesbar und erschlägt den Leser nicht mit Theorie.

Weisman beschreibt aber nicht nur die vielen Facetten des Problems, sondern auch realistische Lösungsansätze, die meisten davon unabhängig von der jeweiligen Politik, die (zumindest in den Demokratien) viel kurzfristiger denken und handeln muss (in Legislaturperioden). Ausnahmen wie die ein-Kind-Politik Chinas sind nicht auf andere Länder übertragbar. Klar ist der Einfluss der Bildung, vor allem der Mädchen und Frauen, aber auch die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln. Bei allen Hindernissen sind die Probleme lösbar. Insofern ist das Buch auch ein Appell zum Handeln.

Ein kleines Manko liegt im schieren Umfang des Buches, das mit den Anhängen fast 600 Seiten stark ist, und dem Leser viel Geduld und Zeit abverlangt. Das ist es aber wert! Bleibt nur zu wünschen, dass sich nicht allzuviele potenzielle Leser davon abschrecken lassen. Der Appell muss auch gehört werden. Volle Punktzahl!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Countdown: Hat die Erde eine Zukunft?
Countdown: Hat die Erde eine Zukunft? von Alan Weisman (Gebundene Ausgabe - 1. Oktober 2013)
EUR 24,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen