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136 von 157 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Realität oder Fiktion?
Schirach ist Anwalt und angeblich sind die Fälle, die er in der vorliegenden Sammlung von Stories beschreibt, wahr. Ich bin geneigt, das für einen Trick zu halten. Aber ich mag mich täuschen, und schließlich ist es egal. Denn die klare, knappe Sprache, die häufig kurzen Sätze, in denen neutral und mitleidlos die Lebensumstände der...
Veröffentlicht am 6. September 2009 von Jupiter

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr Literat als Anwalt
Eigentlich dachte ich bei der Beschreibung des Autors als Promianwalt (z.B. Schabowski) und Verteidiger von Unterweltgrößen bekommt man viel interessantes über reale Fälle zu lesen. Dem Autor geht es jedoch in der Hauptsache um die literarische Darstellung von Lebensschicksalen, als das er den LeserIn bei seiner Anwaltstätigkeit über die...
Veröffentlicht am 7. Mai 2010 von Thomas R.


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136 von 157 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Realität oder Fiktion?, 6. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Schirach ist Anwalt und angeblich sind die Fälle, die er in der vorliegenden Sammlung von Stories beschreibt, wahr. Ich bin geneigt, das für einen Trick zu halten. Aber ich mag mich täuschen, und schließlich ist es egal. Denn die klare, knappe Sprache, die häufig kurzen Sätze, in denen neutral und mitleidlos die Lebensumstände der "Verbrecher" beschrieben werden, sprechen für sich. Vielleicht konnte sich Herr von Schirach diese Schicksale nicht ausdenken, vielleicht musste er es auch nicht. Auch das ist gleichgültig. Sie werden zu Literatur, indem sie notiert, gedruckt und gelesen werden. Und gelobt. Und das zu recht. Schirachs Sprache ist intensiv und elegant gleichzeitig, sie besitzt eine Sogkraft, der man sich nicht entziehen kann. Dazu kommt: Was der Autor hier offeriert ist nicht wenig, er bietet seinen Lesern einen Blick in das Leben von "Verbrechern". (Weil sie dem Leser nicht als solche erscheinen, stehen hier die Anführungszeichen.) Vielleicht ist es für viele Leser ein zusätzlicher Anreiz, dass es hier vorgeblich (?) um wahre Begebenheiten geht. Aber ich möchte noch einmal betonen: es ist nur ein stilistischer Unterschied. Oder sollte ich mich täuschen? Denn eines kann Schirach mit seinem Erzählansatz nicht, nämlich in den Verstand seiner Protagonisten eindringen. Schirach beschreibt Fakten, keine Gedanken. Wer zu den Fakten noch die Gedanken der "Verbrecher" kennen will, der muss sich doch wieder auf die bekennende Fiktion verweisen lassen, auf Jan Costin Wagner, der in "Nachtfahrt" einen Mörder auf dem Weg zu seiner Tat begleitet und in "Das Schweigen" von den Jahren nach der schändlichen Tat berichtet, oder auf Sabine Alt, die in "Weras Talent" einer Professorin beim Morden über die Schulter sieht und In "Vergiss Paris" die missglückende Rehabilitation einer bereits Verurteilten begleitet. Diese Stoffe sind Fiktion, darum dürfen die Autoren über die Gedanken ihrer Figuren verfügen. Schirach tut dies nicht, er hält sich an die Fakten. Und die Gedanken der "Verbrecher" entstehen im Kopf des Lesers. Das ist geschickt und es ist allemal Literatur!
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107 von 124 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faszination und Eitelkeit, 2. Dezember 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Vorbemerkung: Die Stories des Berliner Strafverteidigers Ferdinand von Schirach habe ich an einem längeren Leseabend regelrecht "verschlungen". Ich war einerseits begeistert; andererseits aber blieb ein mir zunächst unverständliches Mißbehagen zurück. Also las ich "Verbrechen" nach ein paar Tagen noch einmal. Jetzt verstehe ich, warum ich nicht ungeteilt loben mag...

Der Autor versammelt elf Geschichten, die allesamt eins gemeinsam haben: Die Protagonisten geraten mit den Gesetzen in Konflikt. Zum Beispiel der Arzt im Ruhestand, den ein in jungen Jahren geleisteter Eid zu einer entsetzlichen Tat treibt; die beiden aggressiven Glatzköpfe, die in der Person eines eher unscheinbar wirkenden Herrn an den Falschen geraten; die Schelmengeschichte mit den 9 libanesischen Brüdern; oder - für mich die beste, weil anrührendste Geschichte ("Der Äthiopier") - der Bankräuber, für den die Schöffen zusammenlegen, um ihm ein Flugticket zu schenken... Die spannenden Stories sind in einer an amerikanischen Vorbildern geschulten souveränen, glasklaren,kunstvoll schlicht gehaltenen Sprache gehalten, die man einem Juristen kaum zutrauen würde, wenn man nicht wüßte, daß auch ein Goethe, ein Storm, ein Kafka usw. Juristen waren. Ob die Geschichten "wahr" sind, wie es der Waschzettel suggerieren möchte? Nein, natürlich nicht; allenfalls einige bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Versatzstücke mögen aus realen Prozessen stammen. Abgesehen davon, daß von Schirach seine Approbation als Anwalt aufs Spiel setzen würde - nicht zufällig stellt er seinem Buch ein bestimmtes Motto von Werner K. Heisenberg voran ("Die Wirklichkeit, von der wir sprechen können, ist nie die Wirklichkeit an sich").

Was mir weniger gefällt? Der gar nicht so heimliche "Held" der meisten Geschichten ist - Ferdinand von Schirach selbst, als kenntnisreicher, gewitzter, cleverer, belehrender, eben: großartiger und damit erfolgreicher, aber auch eitler Anwalt seiner Mandanten agierend. Sein Plädoyer für ein "abwägendes Schuldstrafrecht" hätte er wohl besser an anderer Stelle gehalten. Hier stört es, mich jedenfals, nur - bis hin zur in diesen Textpassagen eher juristisch-ausschweifenden Sprache.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Täter können auch gleichzeitig Opfer werden, 25. August 2009
Von 
Kerstin Junglen (Flörsheim/Main, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Soeben habe ich Ferdinand von Schirachs Buch "Verbrechen" beendet und ich muss sagen, ich habe lange nichts mehr so Beeindruckendes lesen dürfen.

Von Schirach ist Strafverteidiger und schildert in seinem Buch 11 aussergewöhnliche Fälle, die er vertreten hat. In kurzen, knappen aber sehr markanten, einprägenden und auf den Punkt gebrachten Sätzen erzählt er in kurz gehaltenen Kapiteln diese Fälle, die den Leser doch sehr nachdenklich zurücklassen.

Kern aller Fälle ist die Frage, ob der Täter auch gleichzeitig Opfer sein kann oder ist. Ob es nun der gutsituierte Arzt ist, der nach 40 Jahren seine Ehefrau umbringt, der nicht näher genannte Mann, der sich gegen zwei Skinheads verteidigt, die nur tot davonkommen oder der Mann, der Banken überfällt, um wieder zu seiner Familie in ein fernes Land zurückkehren zu können.

Alle diese Täter sind für mich als Leserin auch Opfer, denn sie taten dies, um sich zu verteidigen, um ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen, um nicht mehr leiden zu müssen.

Interessant waren auch die jeweilig geschilderten Gerichtsverhandlungen und was aus den einzelnen Personen geworden ist, wie ihr Lebensweg weiterging.

Fazit: Absolut empfehlenswert für interessierte Leser von aussergewöhnlichen Rechtsfällen und kurzem, unschnörkeligem Sprach- und Schreibstil.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Top - unbedingt hören ... und sich dann zur Lektüre das Buch beschaffen, 1. Mai 2012
Burghart Klaußner - ja, schon aus dem Fernsehen bekannt - Ferdinand von Schirach, mh genau, schon in der Bestseller-Liste aufgefallen. Dass sich dahinter wirklich die perfekte Symbiose von Story und Stimme verbirgt, wird schon in den ersten Minuten der CD klar. Ich höre ausschließlich im Auto und bin manchmal gar nicht ausgestiegen, um die Geschichten zu Ende zu hören. Für mich eines der besten Hörbücher! Spannende Kurzgeschichten - fesselnd vorgetragen! Viel Spaß allen "Verbrechen"-Hörern.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr Literat als Anwalt, 7. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich dachte ich bei der Beschreibung des Autors als Promianwalt (z.B. Schabowski) und Verteidiger von Unterweltgrößen bekommt man viel interessantes über reale Fälle zu lesen. Dem Autor geht es jedoch in der Hauptsache um die literarische Darstellung von Lebensschicksalen, als das er den LeserIn bei seiner Anwaltstätigkeit über die Schulter schauen lässt. Obwohl die Plots manchmal nicht schlecht sind, finde ich seine Kurzgeschichten nicht wirklich herausragend. Wirklich interessant finde ich die Geschichten, wo ein Bezug zu seiner Anwaltstätigkeit besteht. So erfährt man in "Tanatas Fuschale" einiges über die Berliner Bandenwelt, "Summertime" ist eine traurige Liebesgeschichte, "Notwehr" - da möchte man irgendwie schon reagieren können, wie der am Ende doch nicht so sympathische Held und "Der Äthopier" hat ein wirklich sehr emotionales Lebensschicksal und zumindest werden in diesen vier Erzählungen keine Frauen zerstückelt, was bei den restlichen schon vorkommen kann. Ob man wirklich einen zweiten literarischen Berliner Anwalt nach Bernhard Schlink braucht?
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Scripted Reality für Feuilleton-Leser, 28. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Kindle Edition)
Auch wenn es gemein ist: Das offensichtliche Kokettieren mit dem Wahrheitsgehalt der Geschichten erinnert mich an RTL-2-Dokus oder Scripted-Reality-Formate im TV. Die zeigen auch das echte Leben. So in etwa.

Die "Verbrechen"-Storys könnten trotzdem schön&gut sein. Wenn da nicht der große Anspruch vorangestellt wäre: "Die meisten Dinge sind kompliziert, und mit der Schuld ist es so eine Sache." Sehe ich absolut genauso. Umso mehr ärgert es mich, wenn die Fälle oder die Schuld dann doch meist platt und einseitig dargestellt werden.

Zum Beispiel die "Fähner"-Geschichte über den alten, integren Arzt, der seine biestige Ehefrau getötet hat. Sicher, dieses Eheleben war die Hölle und ich bin ganz bei dem Arzt, wenn er am Ende seine Erlösung findet. Aber: Auch wenn die Ehefrau ein garstiges Monster war – dass sich der Arzt über Jahrzehnte hinweg von ihr distanziert hat (= aus dem Haus gehen, wenn sie noch schläft; heimkommen erst spätabends), dürfte auch nicht gerade zum Gelingen oder Genesen der Ehe beigetragen haben. Tja, mit der Schuld ist es eben so eine Sache. Und: Dass sich der gute Mann so sehr den hehren Werten verpflichtet fühlt, dass er das Ehe-Versprechen partout nicht mit einer Scheidung brechen will, das macht ihn einerseits sympathisch. Andererseits … er begeht einen Mord. Das ist ja in gewisser Weise auch ein Verstoß gegen die hehren Werte. Ein etwas größerer als eine Scheidung.

Oder die "Igel"-Geschichte über das Husarenstück des cleveren Libanesen-Jungen, der seinen hochkriminellen Bruder vor Gericht raushaut. Erstmal sehr lustig! Aber auch hier komme ich anschließend ins Grübeln. Der kriminelle Bruder hat einen Laden überfallen, den Besitzer mit einer Waffe bedroht. Dass das für das Opfer womöglich nicht so lustig war, wird hier mit keinem Wort erwähnt. Im Gegenteil, in der letzten Volte des Husarenstücks wird der Ladenbesitzer sogar noch öffentlich vorgeführt. Wäre das tatsächlich ein realer Fall, wäre das richtig fies.

Nun gut. Wenn der Autor einfach nur – übrigens sehr gut geschriebene – Unterhaltung bieten will, dann passt das. Ganz wunderbar sogar. Aber wer zu Beginn seines Buches einen so hohen, gewissenhaften Anspruch postuliert, der muss sich daran messen lassen.

Das Ergebnis reicht für zwei Sterne.

Aber bitte, das ist lediglich meine Meinung. Das mit der Schuld ist so eine Sache. Das mit dem Geschmack eben auch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr interessant, 2. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Ferdinand von Schirach, bekannter Strafverteidiger aus Berlin, erzählt in seinem literarischen Werk 11 (angeblich) wahre Stories aus seinem Berufsleben.
Der Erzählstil ist klar und durch knappe, häufig kurze Sätze gekennzeichnet. Die Stories lesen sich wirklich sehr angenehm. Ferdinand von Schirach verfällt in kein Juristendeutsch oder in hochtrabende Sätzen. Er beschreibt ohne jegliches Mitleid die Lebensumstände der Verbrecher, die einem oft nicht als Verbrecher erscheinen.
Zu den Stories selbst möchte ich nichts verraten, jeder soll sich einfach darauf einlassen. Aber ich muss sagen, dass mich die letzte Geschichte 'Der Äthiopier' am meisten berührt hat.
Ein wirklich interessantes Buch'
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nichts als die Wahrheit......, 25. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Ferdinand von Schirach ist Schriftsteller, kein Sachbuchautor. Meine niederrheinische Uroßmutter, die sehr skeptisch gegenüber allen Selbstdarstellern war, hätte nach der Lektüre wohl gesagt: "Da iss ja alles nix von wahr!". So ist es. Keiner der Fälle wird sich so abgespielt haben, denn sie sind derart spektakulär, dass man irgendwann einmal von ihnen gelesen hätte. Die Palette reicht dabei vom schizophrenen jugendlichen Schafsripper aus gutem Hause über den namenlosen Mafia-Killer als Notwehr-Täter bis zum messerschwingenden Kannibalen-Studenten, dem Industriellen, der ungestraft eine Escort-Studentin mit einem Lampenfuß erschlagen darf und dem braven Provinz-Hausarzt, der nach 40 Jahren Ehemartyrium mit minimalsten juristischen Konsequenzen zur Axt greift. Damit es politisch korrekt bleibt, gibt es ein paar Multi-Kulti-Krimis dazu, abgemischt mit Rotlicht- und Milieustudien. Die einen oder anderen Figuren in diesem kriminalistischen Panoptikum einschließlich dummer und lebenskluger Ermittler, schnöseliger Staatsanwälte, am Wasser gebauter Schöffinnen und Richterinnen sowie zynischer Ermittlungsrichter und abgezockter Wirtschaftsjuristen mögen dem hauptsächlich auf Promi-Parkett wandelnden Strafverteidiger in abgewandelter Form schon einmal begegnet sein. Real verteidigt hat er diese monströse Truppe zwischen der schwäbischen Provinz, Nordfriesland und Berlin sicher nicht. Es sind erfundene Geschichten mit kleinen Streiflichtern auf den Justizalltag in Deutschland, unterfüttert mit persönlichen Obsessionen psychischer und sexueller Art des Autors. Ein wenig Küchen-Psychologie und Herzschmerz für Lieschen Müller gibt es gratis dazu.

Geschrieben ist das alles sehr geschmeidig, in einer scheinheilig simplen,teilweise kitschigen, teilweise pseudonaiven Sprache, die in ihren schwächsten Momenten an BILD, gelegentlich an Hedwig Courths-Mahler und in ihren besten Momenten an Agatha Christie oder Henning Mankell erinnert. Ich glaube, Ferdinand von Schirach ist ein sehr eigenwilliger Moralist, ein Exzentriker und sehr, sehr eitel. Ob er das deutsche Justizsystem mit seinen selbstherrlichen Richtern, erfolgsverbohrten angeblich "objektiven" Staatsanwälten und seinen ebenso angeblich unabhängigen Gutachtern wirklich für so redlich und demokratisch-ehrenwert hält, wie er in streckenweise lachhaftem Naivsprech vorzugeben meint, bleibt zweifelhaft. Zudem trägt er einen berühmt-berüchtigten Namen, was seinen Erfolg beschleunigt haben mag, auch international. Dass er sich als extrem misogyn präsentiert, mag den Erfolg vor allem bei männlichen Lesern enorm gepusht haben. Leicht verdauliche Boulevardliteratur für Männer gibt es ja sehr begrenzt auf dem Buchmarkt, hier fand ein Autor seine Lücke.

Die meisten haben das Buch wohl gekauft, um Gruselstorys aus dem Nähkästchen der Justiz zu lesen. Dass sie einem hinterfotzigen smarten Geschichtenerzähler auf dem fliegenden Teppich auf den Leim gegangen sind und der Autor, erzählerisch mäßig begabt, dadurch reich wurde, geschenkt. Besser als der schreibende Richter Bernhard Schlink schreibt er auch nicht. Allerdings möchte man dem Autor Ferdinand von Schirach doch ein Gebot aus dem literarischen Dekalog Reich-Ranitzkis mit auf den Weg geben: "Du sollst dein Publikum nicht verarschen." Amüsieren tut er, aber verarschen halt auch. Gelangt hat es für den Zweck als ablenkende Lektüre während einer Bahnreise allemal. Nach zwei Stunden war ich leider schon durch. Trotz Schmunzeln bei der Lektüre, nur 3 Punkte.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus dem Leben eines Strafverteidigers, 12. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Taschenbuch)
Erst jetzt habe ich Ferdinand von Schirachs hochgelobten Debütband gelesen. Meine Eindrücke hierbei waren durchaus widersprüchlich.

Auf den ersten Blick hielt ich die elf Kurzgeschichten für wahre literarische Meisterwerke, perfekt komponiert, in einer lakonischen Sprache eindringlich, schnörkellos und unprätentiös erzählt. Jede Geschichte ein Menschenschickal, komprimiert auf wenige Seiten, wie es nur ein Autor ersten Ranges vermag.

Auf den zweiten Blick dann eine gewisse Ernüchterung: Der Autor, von Beruf Rechtsanwalt und Strafverteidiger, hat im Grunde nichts anderes getan als die interessantesten Fälle aus seinem Berufsalltag zu erzählen. Jeder, der beruflich mit Straftaten befasst ist, ob als Kriminalbeamter, Staatsanwalt, Richter, Strafverteidiger oder Gerichtsgutachter, könnte vermutlich ähnliches berichten. Auch stieß mich eine gewisse Brutalität ab, die wahrscheinlich hart, realistisch und unsentimental sein soll und doch manchmal einfach nur aufgesetzt und sensationslüstern wirkt: "Bereits der erste Schlag, der ihre Schädeldecke spaltete, war tödlich. Die Axt drang mit abgesplitterten Knochenstücken weiter bis in das Gehirn, die Scheide teilte ihr Gesicht." (Aus der Erzählung "Fähner"). "Wagner lag in seinem Bett, seine Oberschenkel waren mit einer Schraubzwinge zusammengepresst, in der linken Kniescheibe steckten zwei, in der rechten drei Zimmermannsnägel. Eine Garotte lag um seinen Hals, seine Zunge hing aus dem Mund. Wagner hatte sich vor seinem Tod eingenässt." (Aus der Erzählung "Tanatas Teeschale"). "Die Ärzte operierten ihn vierzehnmal. Daumen, Zeige- und Ringfinger der linken Hand wurden entfernt. Die linken Zehen wurden im Grundgelenk abgenommen, ebenso der rechte Vorderfuß und Teile des rechten Rückfußes. Es blieb nur ein deformierter Klumpen übrig, kaum belastbar." (Aus der Erzählung "Das Cello"). Und so weiter.

Der dritte Blick dann ließ mich differenzierter urteilen: Die Geschichten sind nicht schlecht geschrieben, überwiegend sogar ziemlich gekonnt. Dass den Geschichten meistens die Pointe fehlt, die überraschende Wendung, mit denen eine Kurzgeschichte oft zu enden pflegt, liegt schlicht daran, dass es Geschichten sind, "die das Leben schrieb". Und vor allem gibt der Autor interessante Einblicke in die Praxis der Strafrechtspflege. Anders als die meisten Drehbuchautoren und Journalisten weiß er, wovon er schreibt, wenn er von Strafverfahren berichtet. So kann der Leser erfahren, dass ein Strafverteidiger zwar einseitig die Interessen seines Mandanten wahren muss, aber weder selbst lügen noch seinen Mandanten zum Lügen anstiften darf. Dass die Staatsanwaltschaft keine Prozesspartei ist, die einen Fall "gewinnen" will, sondern als Behörde be- und entlastendes gleichermaßen ermitteln und zur Sprache bringen muss. Dass die Tätigkeit von Kriminalbeamten meistens langweiliges Abarbeiten von Spuren und Zeugenbefragungen ist und dass die einfachste Erklärung meistens auch die wahrscheinlichste ist. Das alles weiß der Praktiker. Aber für interessierte Laien ist die literarisch durchaus gut gemachte Aufarbeitung von realen Strafverfahren zweifellos interessant. Das überragende Meisterwerk, das viele in diesem Buch sehen, ist es jedoch nicht.

Ein schöner Satz freilich, der jedem ans Herz gelegt werden sollte, der sich mit Strafsachen befasst, und insbesondere auch jedem "Bild"-Leser, der sich über vermeintlich zu lasche Urteile aufregt, findet sich im Vorwort: "Die meisten Dinge sind kompliziert, und mit der Schuld ist es so eine Sache." Dieses Zitat aus dem Munde eines Onkels des Autors, selbst ein ehemaliger Richter, fasst wie in einem Brennglas die Quintessenz der Strafrechtspflege zusammen, zumindestens, wenn sie sich ihre Menschlichkeit bewahrt. Am Schluss des Vorworts erfahren wir, dass dieser Onkel Selbstmord begangen hat. "Von solchen Menschen und ihren Geschichten handelt das Buch." Das ist nicht das Schlechteste, was ein literarisch tätiger Jurist leisten kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Flott und morbid., 25. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Taschenbuch)
Schirach gab in Interviews kund, dass die Geschichten zwar der Wahrheit entsprechen, aber natürlich nicht so, wie man sie abgedruckt vorfindet. Er hätte Personen etc. so durcheinandergewürfelt, dass wahrscheinlich nicht mal die Beteiligten sie erkennen könnten. Gut, kann man glauben oder bleiben lassen, denn es ist nicht von Belang. Der Mann hat ein Buch voller Geschichten aus dem Ärmel geschüttelt, die allerhand Gefühlsregungen beim Leser hervorzaubern. Man ist fassungslos, entsetzt, anegeekelt, am Ende traurig und glücklich zugleich.
Aber geht es darum nicht bei Büchern? Sollen sie uns nicht in unseren Emotionen ansprechen, uns packen? Hier liegt ja schließlich kein Reisebericht von Tante Else vor, die ihre letzte Kaffeefahrt nach Malmö beschreibt. Auch keine Dokumentation, "Das Innenleben der kirgisischen Blattameise" oder sowas. Es handelt sich um Geschichten, die so oder ähnlich passiert sind, bzw. passiert sein KÖNNTEN.
Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich das Buch sehr genossen habe. Schirach kommt auf den Punkt, seine Sprache ist klar und direkt, die Sätze treffen - meist - den "positiven Nerv" des Lesers. Die Geschichten sind, wahr oder nicht, originell, anders, mitreißend.

Negativ fiel mir nicht vieles auf. Joachim Kroll wird in einer Geschichte kurz erwähnt, da allerdings schlecht recherchiert (Er hat nicht mindestens acht Menschen gegessen, sondern nachweislich einen teilweise. Was auch schon schlimm genug ist). Jedoch hat sein Auftauchen kein Gewicht für die Geschichte an sich, von daher also kein Beinbruch. Einen klaren Stern Abzug gibt es aber für das Lektorat. Man hätte Schirach ruhig sagen können, dass zuviele "Als"-Sätze am Beginn eines Absatzes nerven können.

Ansonsten bin ich mir aber sicher, dass ich mir den Folgeband zulegen werde. Wenn man dieses Buch von Schirach objektiv und im Kontext betrachtet, hat er nämlich einigen hochgelobten Literaten voraus, dass er sehr gut Geschichten erzählen kann.

Und was kann bei Büchern dieser Couleur wichtiger sein?
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Verbrechen: Stories
Verbrechen: Stories von Ferdinand von Schirach (Gebundene Ausgabe - 19. August 2009)
EUR 16,95
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