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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Künstlerische Intuition und Neurowissenschaft, 27. Juni 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Prousts Madeleine: Hirnforschung für Kreative (Gebundene Ausgabe)
Gute Bücher über die moderne Hirnforschung sind selten. Vor allem solche, die lesbar und unterhaltsam sind und gelegentlich dem Leser etwas Erleuchtung ermöglichen.

Zwischen zwei Flügen in einer Flughafenbücherei sah ich dieses neue Buch von Jonah Lehrer, welches eigentlich der Vorgänger seines weltweit beachteten "How We Decide" (2009) ist. Lehrers Debut von 2007 folgt der zentralen These, dass viele Entdeckungen der modernen Neurowissenschaften eigentlich nur Wiederentdeckungen von Einsichten großer Künstler sind. Und so erfährt der neugierige Leser anhand einiger Schlüsselwerke bekannter Künstler viele spannende neue Einblicke in das Wesen des Gefühls, in die Biologie der Freiheit, in die Lügen von gestern, in das gespaltene Bewusstsein der Moderne, in die Grenzen des Lichts, in den Duft einer Idee etc.

Wenn auch nicht so praxisnah wie "Wie wir entscheiden" bietet Prousts Madeleine wirklich atemberaubende Unterhaltung!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Idee lag in der Luft, 27. April 2010
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Prousts Madeleine: Hirnforschung für Kreative (Gebundene Ausgabe)
Da die Evolution ihre Programme nicht jeder Mode anpasst, sind auch Baupläne, Arbeitsweise und Verdrahtung des Gehirns relativ stabil. Aufmerksamen Beobachtern war es also schon vor dem Auftauchen der Neurologen möglich, gültige Aussagen über das menschliche Gehirn zu machen. Und weil es unter Poeten und Künstlern ganz besonders scharfe Beobachter gibt, kam der Redakteur des amerikanischen Magazins Wired, Jonah Lehrer, auf die Idee, die Geheimnisse des Gehirns durch Künstler erfahrbar zu machen. Ich wunderte mich schon lange, warum diese Idee nicht schon vorher aufgenommen wurde und bin nun froh, dass der junge Jonah Lehrer sie umsetzte. Denn er versteht nicht nur einiges von Kunst, sondern kann zudem eine Promotion in Neurowissenschaften vorweisen, sogar beim Nobelpreisträger Eric Kandel. Und dass er die Kunst des Schreibens beherrscht, weiß jeder regelmäßige Leser von Wired.

Die acht Personen, deren Werke und Biographien Jonah Lehrer genauer studierte, sind eine gute Wahl. Wäre auch Goethe noch dabei gewesen, wäre sie sogar perfekt, hat der Weimarer Dichterfürst die Bedeutung des Unbewussten doch schon vor zweihundert Jahre auf den Punkt gebracht, wenn er Mephisto im Faust sagen lässt: "Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben." Die nicht immer einfach verständliche Sprache der Neurowissenschaftler übersetzen Schriftsteller, Maler, Komponisten und ein Spitzenkoch in Metaphern, die auch Leser verstehen, die mit wissenschaftlichen Terminologien wenig anzufangen wissen. Und wurden viele Thesen dieser Künstler bis vor kurzem belächelt oder in Zweifel gezogen, belegt Jonah Lehrer eindrücklich, dass sie Recht hatten.

Das Wesen des Gefühls ergründete Walt Whitman in seinem einzigen Gedichtband "Grashalme". Auslöser für dieses geradezu unglaubliche Werk waren ein Sklavenmarkt in New Orleans und der Amerikanische Bürgerkrieg. Denn Whitman wurde klar, dass unsere Gefühle zwar immateriell sind, aber im Leiblichen beginnen. Bereits in diesem ersten Kapitel wird die Vorgehensweise des Autors ersichtlich. Er recherchiert akribisch, was Person und Werk beeinflusst, um dann eine Brücke zu den Neurowissenschaften zu schlagen. George Eliot, die Verfasserin von "Middlemarch" wurde von Jonah Lehrer ausgewählt, weil sie die Biologie der Freiheit in Worte fasste, als Liebeskummer ihren Glauben an den Positivismus erschütterte. August Escoffier, Erfinder des Kalbsfonds, Autor vom Guide Culinaire und Chefkoch in den Hotels von César Ritz, ist der Geschmackskünstler. Bei ihm lernen wir also, wie unser Gehirn Wohlgeschmack definiert und Duftnoten erkennt. Marcel Proust, der inzwischen von vielen Gedächtnisforschern zitiert wird, beschreibt wie kein anderer die Methode der Erinnerung. Im Kapitel, das Proust gewidmet ist, erfahren wir aber auch, warum wir Lüge und Wahrheit nicht so leicht definieren können und was es mit der Intuition auf sich hat. Paul Cézanne führt uns mit seinem Werk in die Vorgänge des Sehens ein. Igor Strawinski wird von Jonah Lehrer auch als Beatnik bezeichnet, der die Ursprünge der Musik verstand, unbewusst Platon widersprach und aus Geräuschwellen Kunst macht, Gertrude Stein kann mit ihrem Leben und Werk dazu dienen, die Struktur der Sprache besser zu verstehen. Und Virginia Woolf nimmt moderne Erkenntnisse über das gespaltene Bewusstsein der Moderne vorweg.

Mein Fazit: Das Gehirn und die menschliche Natur mit Verweisen auf große Künstler zu erklären, drängte sich schon lange auf. Der promovierte Neurowissenschaftler und Redakteur des Tech-Magazins Wired, Jonah Lehrer, ist der ideal Mann, um diese Idee umzusetzen. Denn er bringt das notwendige Wissen mit, hat unglaublich sorgfältig recherchiert und kann schreiben. Unter den vielen Büchern, die Erkenntnisse der modernen Neurowissenschaften einem breiten Publikum zugänglich machen wollen, gehört dieses zu meinen grossen Favoriten. Spannend, unterhaltsam, lehrreich.
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Prousts Madeleine: Hirnforschung für Kreative
Prousts Madeleine: Hirnforschung für Kreative von Jonah Lehrer (Gebundene Ausgabe - 1. März 2010)
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