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5.0 von 5 Sternen Realistisch und bedrückend
„Könnte die gegenwärtige explosionsartige Zunahme des Artensterbens […] den Schluß nahelegen, daß die Zeit eines gewissen dominanten Säugers nun zu Ende geht? Hat, erdgeschichtlich gesehen, wieder einmal die Stunde geschlagen?“

Zugegeben, mit dieser Frage weit hinten aus dem Buch von Alan Weisman zu beginnen, ist...
Vor 6 Monaten von Heiko Urbanzyk veröffentlicht

versus
170 von 190 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hab's mir anders vorgestellt
Gedankenspiele à la "Was wäre wenn ..." haben mich von jeher interessiert - vom ganz kleinen Detail (z. B. was wäre wenn ich 10 Minuten später über die Straßenkreuzung gehe) bis hin zu so großen und umfassenden Fragen wie die, die sich der Autor als Thema des Buches gewählt hat - Was wäre wenn morgen alle Menschen...
Veröffentlicht am 29. April 2008 von Frühlingslied


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170 von 190 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hab's mir anders vorgestellt, 29. April 2008
Von 
Frühlingslied (Im Kastanienbaum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde (Gebundene Ausgabe)
Gedankenspiele à la "Was wäre wenn ..." haben mich von jeher interessiert - vom ganz kleinen Detail (z. B. was wäre wenn ich 10 Minuten später über die Straßenkreuzung gehe) bis hin zu so großen und umfassenden Fragen wie die, die sich der Autor als Thema des Buches gewählt hat - Was wäre wenn morgen alle Menschen verschwunden sind?
Man macht sich natürlich seine eigenen Gedanken darüber: Wie lange würden die Häuser stehen, was würde aus unseren Haustieren werden, wie schnell könnte der Grad der Umweltverschmutzung rückgängig gemacht werden usw. Zunächst scheint das Buch auch in diese Richtung zu gehen, mit der Beschreibung, wie ein Haus in sich zusammenfällt oder was mit der New Yorker U-Bahn geschähe. Für meinen Geschmack etwas zu detailreich geschildert - man muss ja nun nicht jede einzelne Schraube unter die Lupe nehmen. Aber okay, dachte ich, vermutlich gibt es nicht sooo viel zu betrachten und irgendwie muss der Mann ja die über 360 Seiten gefüllt haben. Leider kippte das Verhältnis dann ziemlich stark um. Was zunächst zu viel war, wurde plötzlich viel zu wenig, so dass ich mich wirklich nach einigen Seiten fragen musste, was das jetzt noch mit dem Thema zu tun hat. Klar, um ein Verständnis für ein Zukunftsszenario zu bekommen, muss man einen Blick in den Ist-Zustand werfen und kommt dabei nicht um Physik oder Chemie herum. Z. B. warum Plastik fast unzerstörbar ist, welche Halbwertzeit diverse radioaktive Stoffe haben, wie das Leben im Wasser in diversen Korallenriffs aussieht, welche chemischen oder physikalischen Vorgänge bei der Produktion von XYZ ablaufen usw. Ohne diese Beleuchtung verstünde man wohl nur die Hälfte von dem Bild der Zukunft. Auch hier hatte der Autor wieder eine Menge Wörter aufgetürmt um wenig zu sagen. Und jedes Mal wenn es dann an den entscheidenden Punkt kam - Unterrichtsstunde beendet, jetzt wird das Zukunftsszenario aufgebaut - war ich völlig enttäuscht darüber, dass das eigentliche Thema in wenigen Zeilen lieblos hingeklatscht wurde wie ein Rührei in die Pfanne. Peng, da liegt es. Und nun? Sprung zum nächsten Thema, seitenweise Palaber, nächstes Ei hinklatschen, neues Thema.
Okay, nach der Hälfte des Buches dachte ich: Dass ich irgendwie völlig andere Vorstellungen von so einem Buch habe, ist ja nicht die Schuld des Autors. Ich hatte mir mehr etwas wie ein Bild aus Worten vorgestellt: Morgen sind alle Menschen weg, unsere Pflanzen in den Wohnungen werden wohl vertrocknen, nach wenigen Tagen werden die wilden Tiere freimütiger in den Städten herumstreunern und nach Essbarem suchen, nach x Tagen fällt die Notversorgung in Kraft-, Gas- und Wasserwerken aus - dadurch wird es zu Explosionen oder was auch immer kommen, nach x Wochen geschieht dies, nach x Jahren das usw. Eigentlich so ähnlich wie es in dem Zeitstrahl ganz vorn und ganz hinten knapp dargestellt wird. Aber Pustekuchen. Mit erhobenem Zeigefinger schimpft der Autor über die Menschen und was sie alles anrichten. An vielen Stellen war ich doch sehr erschrocken, weil mir teilweise das Ausmaß nicht so bewusst war. Aber dass der Mensch sich zu viel einbildet und zu rücksichtslos ist, wissen wir ja nicht erst seit gestern. Somit empfand ich das doch ein wenig als fehl am Platze. Und irgendwie frage ich mich jetzt, wo ich das Buch beendet habe, was ich eigentlich gelesen habe. Da waren eine Menge Worte, aber einen richtigen Kern hatte das ganze eher nicht bzw. hätte man diesen wohl in einem etwas umfangreicheren Zeitungsartikel unterbringen können. Na ja, und wie viele hier beanstandet haben, muss ich deshalb auch sagen, dass das eigentliche Thema irgendwie verfehlt wurde. Vielleicht 15 % des gesamten Buches drehen sich um "Was wäre wenn ...". Deshalb ist es für micht enttäuschend gewesen.
Ich gebe trotzdem 3 Sterne weil ich zugegebenermaßen ein paar Dinge dazu gelernt habe bzw. Themen entdeckt habe, mit denen es sich näher zu beschäftigen lohnt, z. B. der fast unberührte Waldstreifen in Weißrussland bzw. Polen oder die verlassene unterirdische Stadt, die in den Stein eingearbeitet wurde. Davon hatte ich noch nie gehört und die Beschreibungen haben mein Interesse geweckt.
Aber sonst ist dieses Buch wie ein Croissant: Es sieht nach viel aus und man bekommt beim Hinschauen Appetit, aber eigentlich ist nur eine Menge Luft drin.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Realistisch und bedrückend, 2. Januar 2015
„Könnte die gegenwärtige explosionsartige Zunahme des Artensterbens […] den Schluß nahelegen, daß die Zeit eines gewissen dominanten Säugers nun zu Ende geht? Hat, erdgeschichtlich gesehen, wieder einmal die Stunde geschlagen?“

Zugegeben, mit dieser Frage weit hinten aus dem Buch von Alan Weisman zu beginnen, ist gewagt und greift zudem nur einen winzigen Ausschnitt der Fragen, Tatsachenberichte und Theorien Weismans auf. Aber sie zeigt schon, wo der Hase in „Die Welt ohne uns“ lang läuft.

Doch damit zum Anfang der Geschichte. Der Journalist Alan Weisman hatte einst im „Discover Magazine“ einen Artikel darüber verfaßt, wie lebendig das Ökosystem im nuklearverseuchten und menschenleeren Tschernobyl wieder geworden ist; also einen Tatsachenbericht und keine Fiktion. Als seine Chefin ihn später fragte, ob sich ein solcher Artikel nicht für die Annahme erstellen ließe, der ganze Planet Erde sei unbewohnt, war der Grundstein gelegt für dieses 379seitige Buch.

Ich wurde von einem Freund gefragt, ob es sich überhaupt lohne, ein solches Phantasiebuch zu lesen. Das hatte ich mich vor dem Griff zum Buch auch gefragt, aber schnell festgestellt, daß es hier nicht um Phantasien oder Science-Fiction geht. Ganz im Gegenteil. Der rote Faden dieses Buches ist die Frage, wie die Erde aussieht, wenn die Menschheit von heute auf morgen von ihr verschwände. Dabei ist für Weisman nicht von Bedeutung wie oder warum die Menschen weg sind. Es geht nur darum, daß sie überhaupt weg sind und welche Hinterlassenschaften sich wie auf den künftig menschenleeren Planeten auswirken. Um dies zu klären, hat Weisman eine Unmenge an Biologen, Physikern, Astronomen, Chemikern, Architekten, Technikern usw. befragt. Seine Dankliste an Institute und Personen und die Literaturliste sind echt endlos lang. Von wegen Phantasiebuch!

Die Ansatzpunkte sind unterschiedlich und so vielfältig, daß sich im Rahmen einer Buchbesprechung nur wenige nennen lassen.

Unsere Häuser und Städte. Was bleibt von ihnen, wenn sie plötzlich nicht mehr täglich vor dem Zugriff der Natur, vor Tieren, Pilzen, Unkräutern usw. geschützt werden? Weisman befragt Fachleute, die erläutern, wie schnell die Substanz eines Hauses zerfällt, wenn es nicht mehr bewohnt und gewartet wird. Vom Zerfall der Dächer, vom Übergang zum Lebensraum für Tiere und Pflanzen bis hin zum völligen Zerfall und Überwuchern mit den neu entstehenden Urwäldern werden alle Möglichkeiten durchgespielt. Es geht aber nicht nur um Häuser. Es geht um Brücken, um antike Tempel, die Pyramiden, um U-Bahnschächte in New York und Moskau, um chemische Anlagen, um Staudämme, um Kernkraftwerke um den Eurotunnel usw. Für eine Vielzahl dieser menschlichen Konstrukte befragt Weisman z.B. die Ingenieure oder Wartungsmannschaften, was wann den Geist aufgibt und worin die Folgen bestehen? U-Bahn-Systeme werden zum Beispiel ohne menschliche Wartung nach zwei Tagen überflutet und unbrauchbar sein. Der Eurotunnel von Calais nach Dover hingegen könnte (eventuell teilüberflutet) Jahrmillionen überdauern, während die Cheops-Pyramide nach einer Million Jahren abgetragen sein könnte. Weisman hat übrigens hierbei nicht nur das Glück, auf Fachleute bzw. Wissenschaftler und Theorien zurückgreifen zu können. Er findet auch praktische Beispiele, indem er zum Beispiel eine Geisterstadt im Grenzstreifen des geteilten Zypern begutachtet (die Stadt Varoscha), in der hervorragend verbildlicht wird, wie schnell sich die Natur ein künstliches Touristenzentrum zurückerobert, das seit Jahrzehnten von keinem Menschen mehr betreten wurde.

Was wir noch hinterlassen. Da wären zum Beispiel Zehntausende von Atomsprengköpfen, deren Mäntel in etwa 5.000 Jahren verrosten und das strahlende Innenleben somit freisetzen. Erst nach etwa 250.000 Jahren wird sich der Strahlungspegel an die natürliche Hintergrundstrahlung der Erde angleichen und bis dahin eine Gefahr für alles verbliebene Leben darstellen. Da wären auch derzeit etwas über 440 Atomkraftwerke auf der Erde, die noch über Jahrtausende die Erde verseuchen werden, wenn sie schmelzen und abbrennen, weil kein Mensch mehr zu Verhinderung von Kernschmelzen da wäre. Nukleare Wolken, nuklearer Regen. Da wäre panzerbrechende Uranmunition, deren Uran 238, ob mit oder ohne Mensch, länger strahlen wird, als die Erde überhaupt existieren wird. Denn die sich aufblähende Sonne wird sich in etwa 6,5 Milliarden Jahren nach und nach als roter Feuerball die Planeten unseres Sonnensystems einverleiben. Da wäre der Plastikmüll in den Meeren, der nach vorsichtigen Schätzungen etwa eine Fläche von der Größe Afrikas bedeckt (25 Millionen Quadratkilometer) und schon längst zum festen Bestandteil der Nahrungskette von Meerestieren gehört. Und dies natürlich nicht im positiven Sinne.

Was nach uns kommt. Hier stellt Alan Weisman ebenfalls verschiedene Theorien und Herangehensweisen vor. Die von ihm offensichtlich bevorzugte und auch naheliegendste Variante ist der Blick auf die Erde, bevor sich der Mensch entwickelte. Ganz vereinfacht geht es um die Zeit der Urwälder, Dinosaurier und noch früher sogar um die Zeit, als es Leben nur im Meer und in Form von Einzellern gab. Hier führt Weisman an unterschiedlichen Stellen und in unterschiedlichen Schritten seine Leser wie durch ein erdgeschichtliches Museum. Das ist echter Unterricht über die vormenschliche Erde bzw. ihre Entstehung. Total Klasse! Doch auch die Wissenschaft über die Zeit vor der menschlichen Geschichtsschreibung ist natürlich nur Theorie. Einmal mehr schafft es Weisman auch hier, noch in der Gegenwart wirkliche Entsprechungen zu finden. Zum Beispiel wiederholt sich laut Weisman die Evolution des Menschen derzeit im Chambura Gorge in Uganda, wo Affen zur Nahrungssuche ihre Schlucht verlassen und im Umland auf Ausschau nach Feinden erstmalig auf zwei Beinen stehen. Würde hier etwa nach dem Verschwinden des Menschen die Evolution erneut ihren Lauf Richtung homo sapiens nehmen? (Wenn man die „Out of Africa“-Theorie überhaupt für zutreffend hält; jüngst in Zweifel gezogen wurde diese unter anderem durch den Fund des „Hobbit“ auf der Insel Flores, die zu Indonesien gehört; auch Knochenfunde unter einer alten Klosteranlage in Georgien lassen an der Theorie zweifeln, alles menschliche Leben stamme aus Ostafrika.) Ein weiteres Beispiel ist die Puszcza Bialowieska: Das letzte Stück europäischer Urwald, das durch eine glückliche Verkettung von Umständen bis heute gehalten hat und uns zeigt, wie ganz Europa aussah, bevor es vom Menschen gerodet wurde. Auch eine demilitarisierte (aber verminte) und unbewohnte Zone zwischen Nord- und Südkorea dient Weisman zur Veranschaulichung, wie eine Welt ohne Menschen aussehen könnte.

Zum Abschluß des Buches läßt sich Weisman dennoch dazu hinreißen, darüber zu spekulieren und Fachleute zu befragen, wie es denn passieren könnte, daß der Mensch diesen Planeten nicht mehr bewohnt. Durch Seuchen bzw. Krankheiten? Könnte sein, auch wenn die von ihm befragten Wissenschaftler beteuern, daß jede noch so gemeine und in Labors erzeugt Krankheit immer einen Teil der Menschheit übrig lassen würde. Das würde auch gelten, wenn z.B. HIV eines Tages mutieren sollte und durch Atemluft übertragbar würde. Durch Atomkriege? Könnte sein, aber auch hier würden Menschen überleben und eventuell im Zuge einer beschleunigten Selektion ihren „Frieden“ mit den neuen Lebensumständen schließen (diese Rückschlüsse zieht Weisman aus dem regen Tierleben, das rund um den zerstörten Reaktor von Tschernobyl wieder herrscht). Durch außer Kontrolle geratene medizinische Roboter im Menschen (Nanotechnologie)?

Ganz kurios wird es, als Weisman noch die Transhumanisten anführt, deren Bestreben es ist, daß der Mensch eines Tages seinen leiblichen Körper samt Bedürfnissen und damit verbundener Umweltzerstörung hinter sich läßt und seinen Geist in Computer einspeist. Geradezu geisteskrank werden dann die Vorstellungen der „Bewegung für das freiwillige Aussterben der Menschheit“ oder der „Kirche der Euthanasie“ mit ihren vier religiösen Säulen Abtreibung, Selbstmord, Sodomie und Kannibalismus.

Schon realistischer ist das Beispiel des Aussterbens und Verschwindens der Maya-Kultur. Im Rahmen dieser schlüssigen Erläuterungen und Darstellung der Entwicklung der Maya-Kultur wird darauf verwiesen, daß das menschliche Leben nur ein Ausschnitt dessen ist, was wir Erdgeschichte nennen. Könnte der Mensch nur eine kurze Episode auf diesem Planeten sein? Massensterben hat es auf der Erde schon immer gegeben. Dominante Lebensformen verschwinden im Strudel der Zeit, weil die Entwicklung andere Wege einschlägt. Betrifft dies auch den Menschen?

„Könnte die gegenwärtige explosionsartige Zunahme des Artensterbens […] den Schluß nahelegen, daß die Zeit eines gewissen dominanten Säugers nun zu Ende geht? Hat, erdgeschichtlich gesehen, wieder einmal die Stunde geschlagen?“ Das eingangs erwähnte Zitat schließt somit den Kreislauf dieser Buchbesprechung.

„Die Welt ohne uns“ ist mehr als ein kühnes Gedankenexperiment und ein Zukunftsentwurf (wie der „Spiegel“ und die FAZ einst urteilten). Den stets gedankenschweren Menschen läßt Alan Weisman ratlos oder zumindest mit gemischten Gefühlen zurück. Zu groß ist die Wut, die einen packt, wenn in unzähligen Beispielen beschrieben wird, wie der Mensch auf immer und ewig diesen Planeten verpestet hat. Zu bedeutungslos erscheinen einem das eigene Leben und das, was man vielleicht weitergibt, angesichts der von Weisman dargestellten großen Zusammenhänge der Weltgeschichte und angesichts der Vergänglichkeit dessen, was wir uns aufbauen. Und welche Freude soll der Gedanke machen, daß auch ohne Mensch das Leben weitergeht, selbst wenn die Karten der Evolution unter nuklearen Wolken und in bleiverseuchten Böden neu gemischt werden? Oder hat Weisman gar Recht, wenn er die Rettung der Erde in einer weltweiten Zwangsgeburtenrate von einem Kind pro Frau durchspielt (im Jahre 2075 hätte sich die Weltbevölkerung dadurch halbiert und wäre im Jahr 2100 sogar wieder auf dem Niveau des 19. Jahrhunderts, was langsam wieder zu ökologisch verträglichen Verhältnissen führen würde)?

Weismans Aha-Effekt liegt in der traurigen Gewißheit der wissenschaftlichen Untermauerung seiner Erkenntnisse. Laßt Euch davon faszinieren, seht Euer Leben einfach mal aus einem neuen Blickwinkel! Ein Blickwinkel, der dem Menschen seine Illusion nimmt, er sei das A und O dieser Welt. Es geht auch ohne uns.

Die „Reise über eine unbevölkerte Erde“ ist jede gelesene Seite wert.
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69 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannende Science Fiction, 2. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde (Gebundene Ausgabe)
Was wäre wenn...

... die Menschheit von heute auf morgen von der Erde verschwünde, spurlos sozusagen?

Das könnte der Auftakt eines spannenden SF-Romans sein, bei dem ein paar einzelne Protagonisten über eine verwaiste Erde laufen. Der amerikanische Journalist Alan Weisman hat auf eine solche Geschichte verzichtet und liefert hier "nur" den Rahmen: Was wäre also mit den Spuren der Menschheit, ihren Bauwerken und anderen Hinterlassenschaften? Wie lange würden unsere Bauwerke stehen, unsere Städte erkennbar bleiben? Was würde aus unseren Haustieren? Was aus unseren Industrieanlagen?

Das führt zu der Frage, wie stark der Mensch die Erde bereits verändert hat - und Alan Weisman ist auf viel Überraschendes gestoßen. Die Vorstellung, die Menschheit hätte in vorindustrieller Zeit "im Einklang" mit einer weitgehend unberührten Natur gelebt, weist er deutlich als irrig auf. New Yorks U-Bahn stünde wohl schon nach wenigen Tagen unter Wasser, und bald würden einbrechende Straßenzüge neuen Flussläufen weichen. Einige unterirdische Anlagen wie einige vorgeschichtlichen Dörfer in der heutigen Türkei könnten dagegen die Jahrtausende überstehen. Ratten und andere auf Menschen (und ihre Abfälle) angewiesene Tiere würden wohl zu den Verlieren gehören, andere - besonders die Vögel - in einer menschenfreien Welt so aufblühen wie die neu aufschießenden Wälder.

Weisman geht die Zukunft aus der Sicht vieler Wissenschaftler an, vieler Erkenntnisse, und im Laufe des Buches wird deutlich, dass seine Spekulation teils ziemlich unsicher ist. Manches widerspricht sich (einmal ist der Mais eine überzüchtete Form einer Naturpflanze, die binnen weniger Jahre ohne Kultivierung verschwinden würde, laut anderer Stelle würde sich Mais wohl über weite Flächen ausbreiten). Das wäre an sich nicht schlimm, würde er durchgehend klar zwischen Fakten, gesicherten und allgemein geteilten Vermutungen und eher spekulativen Einzelmeinungen unterscheiden. Dass er es nicht tut, macht das Buch leichter lebsbar, mindert aber deutlich seinen "Bildungswert".

Vieles könnte und würde wohl auch anders kommen - dem genaueren Leser fällt das wohl auch auf. Weismans Buch ist, im besten Sinne, Science Fiction - das sich aber an gut recherchierten einzelnen Entwicklungen und Aspekten entlanghangelt, ohne ein überzeugendes "Gesamtbild" abzugeben. Das wäre noch spekulativer, aber vermutlich auch spannender zu lesen.

Wer immer sich für postapokalyptische SF interessiert, hat hier eine Fundgrube von Anregungen. Den "allgemeinen Leser" dürfte das komplette Fehlen an Illustrationen stören, dafür ist das Buch gut zu lesen und ungewöhnlich in seiner Art. Wer sich vertieft mit dem bisherigen und künftigen Einfluss des Menschen auf die Erde auseinandersetzen will, sollte dagegen zu anderen Büchern greifen - dieses ist zu ungenau und zu spekulativ.

Kurzum: Spannende und ungewöhnliche Unterhaltung, selbst wenn man mit dem Autoren nicht immer einer Meinung ist.
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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Welt mit uns..., 31. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde (Gebundene Ausgabe)
...wäre der passendere Titel für dieses Buch gewesen. In der Tat, das "Gedankenexperiment" einer von jetzt auf gleich verschwundenen Menschheit ist ungemein faszinierend. Das Buch beginnt denn auch vielversprechend mit der Beschreibung des wahrscheinlich rasanten Verfalls einer modernen Großstadt wie New York. Allerdings verwandeln sich die folgenden Kapitel zunehmend zu einer reinen Beschreibung des Ist-Zustandes, d.h. der vielfältigen Schädigungen, die der Mensch der Umwelt zufügt. All das hat man aber schon häufig an anderer Stelle gelesen, und oftmals ausführlicher. Leider spielt Weisman sein "was wäre wenn"-Szenario auch nicht konsequent durch, sondern betrachtet die verschiedenen menschlichen Eingriffe in die Natur als isolierte Phänomene. Angesichts dessen, was einer plötzlich entvölkerten Erde durch den von Weisman beschriebenen fast gleichzeitigen Ausfall aller 441 Kernkraftwerke bevorstünde, erübrigen sich letztlich alle weiteren Gedankenspiele.
Fazit: auf die Taschenbuchausgabe warten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Detaillierte Reise in eine wieder sehr naturverbundene, menschenleere Zukunft, 30. November 2014
Eine Goldgrube an Ideen für durch Science Fiction- und Weltuntergansszenarien affektierte Leser, die die verschiedensten Aspekte des Zahnes der Zeit nach einem fiktionalen Aussterben der Menschen beschreibt.
Die Erläuterung beginnt mit den unmittelbaren Folgewirkungen nach Tag X, wobei eingehende Zimmerpflanzen und mit Wasser vollaufende Bergwerke und Infrastrukturen wie U-Bahnen zu den ersten Begleiterscheinungen zählen, bevor den Notstromaggregaten in sämtlichen, für die Aufrechterhaltung einer westlichen Industriegesellschaft notwendigen Anlagen, der Treibstoff ausgeht und sich alle bisher regulierten Prozesse verselbstständigen. Nachdem sämtliche hochreaktiven und gefährlichen Vorgänge ein spektakuläres Ende gefunden haben, beginnt ein steter Zerfall von, im Vergleich zu den aus Naturmaterialien errichteten Bauwerken der Antike und des Mittelalters, verhältnismäßig minderwertig konstruierter Infrastruktur. Hält doch selbst Stahlbeton nicht, was der Name eigentlich impliziert. Einer der entscheidenden Faktoren hierbei ist das Eindringen des Wassers nach Verrottung der Dächer, durch die sich die Demontagegeschwindigkeit wesentlich erhöht. Gleichzeitig zum langsamen Schwinden und Verfallen aller zivilisatorischen Errungenschaften trät die Natur auf den Plan und erobert sowohl einst ihr entrungene Gebiete zurück als auch gleichzeitig bei einem Voranschreiten des Verfalls tatkräftig mitzuwirken. Hierbei sind sowohl Pflanzen dank ihres für bereits angeschlagene Gebäude verheerenden Gewichts bei Bewuchs und der immensen Kraft ihrer Wurzeln, als auch Mikroorganismen und in geringem Ausmaß, Tiere selbst beteiligt. Im weitesten Sinn die Beschreibung einer späten Rache der Lebewesen, die sich vor der Auslöschung ihrer Art durch den Menschen retten konnten und nun voller Inbrunst helfen, die letzten Belege seiner Existenz vom Antlitz der Erde tilgen. Und in verhältnismäßig kurzer Zeit noch dazu, nach ein paar hundert bis paar tausend Jahren ist nicht mehr das Geringste übrig von den grandiosen Bauwerken der einstigen Krone der Schöpfung.
Auch die Langzeitgrüße der Menschen an die Zukunft in Form von Industrieanlagen und Atomkraftwerken werden erläutert und der Aspekt hochgradig gefährlicher Auswirkungen von Fehlfunktionen und daraus resultierenden, massenhaften GAUs in gigantischen Industriekomplexen zählt zu einer der bemerkenswertesten Ideen des Werks. Wo ein trotz menschlicher Wartung und Kontrolle eingetretener Unfall wie schon so oft in der Industriegeschichte verheerende Auswirkungen hatte, würde ein Ausbleiben sämtlicher Instandhaltungsmaßnahmen innerhalb eines kurzen Zeitraums zur weitläufigen Verseuchung der Umwelt führen. Selbst gesicherte und in gut geschützten Lagen erreichtet Endlagerstätten, Depots und mit hochwertigen Baustoffen errichtete Systeme würden dem Voranschreiten der Jahre Tribut zollen und irgendwann beschädigt, verrostet und damit zu Zeitbomben werden.
Was stört, ist die fehlende sichtbare Unterscheidung von Fiktion, belegten Fakten und bisher unbestätigten Vermutungen, wodurch man bei der Beurteilung des Lehrwerts des Buches leider hart mit dem Autor ins Gericht gehen muss. So fällt es schwer zu erkennen, wobei es sich um die Fantasie Weismans oder um historisch belegte und am Beispiel untergegangener Hochkulturen beobachtete Tatsachen handelt. Andere Autoren lösen dies, indem sie als solche deutlich gekennzeichnete, fiktive Kurzgeschichten einbauen, um Thesen zu veranschaulichen, oder indem bei einzelnen Gedanken und Abschnitten mittels Fußnote auf Quellen verwiesen wird.
Leider werden die verschiedenen Aspekte zwar einzeln erläutert, aber nicht am Ende zu einem einheitlichen Bild der jeweiligen Degenerationsstufen unter Einbezug aller Aspekte zusammengefügt, was einen besseren und anschaulicheren Überblick hätte vermitteln können.
Daneben ist der extreme Hang zur minutiösen Erläuterung mitunter langatmig und auch im Verhältnis zu den eigentlich titelgebenden Buchinhalt übergewichtet. Denn der Weg in den Untergang in all seinen Stadien wurde schon vielfach fiktional und auch unter Einbeziehung realer Faktoren erläutert. Die Beschreibung der genauen Situation nach dem endgültigen Niedergang in ferner Zukunft, die eigentlich dem Leser suggerierte Erwartung auf die genauen Lebenswelten von Tieren und Pflanzen und andere Auswirkungen fallen durch den Rost und nehmen auf knapp 400 Seiten kaum ein Achtel ein. Was schade ist, da es aufgrund der mangelnden Differenzierung zwischen Utopie und Realität keinen Unterschied gemacht hätte, noch mehr der, von der einschlägigen Leseklientel erhofften Zukunftsszenarien auszubreiten und diese vor allem detaillierter und unter Einbeziehung von Fakten auf besser fußendem Fundament darzustellen. So wird leider in einem ansonsten feinen Werk viel Potential verschenkt, dem eine Gewichtung zugunsten weniger unnötiger Detailfülle und mehr versprochenem Inhalt sehr gut getan hätte.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen faszinierend - und seltsam!, 15. Dezember 2009
Von 
Stefan Erlemann (Witten) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
"Die Welt ohne uns" ist der Versuch des amerikanischen Journalisten Alan Weisman, aufzuzeigen, was ohne den Menschen, seine Gegenwart, seine permanente Aktivität im Laufe der Zeit auf Erden übrig bleibt. Und es ist gleichzeitig eine Bestandsaufnahme der Umweltzerstörungen und Veränderungen, der Inanspruchnahme und Vernichtung der natürlichen Ordnung, die die Evolution ohne ein bewusst eingreifendes Wesen hat entstehen lassen.

Zu Beginn versucht Weisman jeden einzelnen Menschen mit in sein Gedankenexperiment einzubinden, indem er sich des Hauses, der Wohnung oder des Gebäudekomplexes annimmt, den der Leser und Hörer bewohnt. Wie lange bleibt ein Haus stehen, wie lange braucht die Natur, brauchen Wasser und natürliche Erosion, um daraus einen Haufen Schutt werden zu lassen?
In diesen Momenten offenbart Weisman ein herausragendes Talent, in meist einfachen Worten klar zu machen, dass nichts, was der Mensch gebaut hat, von Dauer ist. Jedenfalls fast nichts. Nach vielen Kapiteln, unzähligen Beispielen und Szenarien erläutert der Autor, was fast für die Ewigkeit von der Menschheit aus der Natur herausgelöst wurde. Die durch ungeheuer aufwendige Prozesse angereicherten Uran-Isotope, die der Mensch für Waffen, Kernkraftwerke und Forschung aus Millionen Tonnen Gestein herausgelöst hat, überdauern sogar den Fortbestand des Planeten selber und geben noch nach Milliarden Jahren ein strahlendes Zeugnis des Wirkens den Menschen ab.

Immer dann, wenn Weisman konkret belegt, wie sich Dinge, Bauwerke und Errungenschaften verändern werden, wenn der Mensch von einem zum anderen Tag nicht mehr zur Stelle ist, um zu erhalten, zu warten, zu korrigieren und zu reparieren, lauscht man fasziniert, ist schockiert und gleichzeitig nachhaltig beeindruckt. Ob es die gewaltige Stadtlandschaft New Yorks ist oder der von Weisman als die größte Leistung der Menschheit klassifizierte Panama-Kanal, riesige Brücken, gewaltige Ölraffinerien, Tunnelsysteme, Deiche und Dämme, Mauern, Salzkavernen oder die Portraits der US-Präsidenten in Mount Rushmore - Weisman hat mit immensem Fleiß Wissen gesammelt, Fachleute befragt und wissenschaftlich fundiert analysiert und minutiös aufgelistet, welcher Werkstoff wann, welche synthetische Verbindung wie und welche technischen Errungenschaften der Menschheit nach wie langer Zeit nicht mehr als solche zu erkennen sind und spurlos von der Erdoberfläche verschwunden sein werden. Er spannt dabei einen Zeitbogen von wenigen Tagen bis Jahrmilliarden.

Besonders elegant ist die Verankerung all dieser Szenarien in der Vergangenheit. Eine oft sehr ausführliche - manchmal fast langatmige - Schilderung der Bedingungen vor unserer Zeit dient Weisman als Basis, die Bedingungen zu formulieren, die nach uns herrschen könnten. Leider geraten einige dieser Beispiele zum Selbstzweck. Sie scheinen mehr der Kritik am jetzigen Zustand zu dienen denn dem virtuellen Projekt "Welt ohne uns". So ist es zwar leidlich interessant zu erfahren, wie sich der Panama-Kanal nach Jahren und Jahrzehnten in seine Bestandteile auflöst und schlicht aufhört zu existieren, doch die Dreiviertelstunde, die sich Weisman mit jedem Damm, jeder Pumpe und noch dem kleinsten Detail auseinandersetzt, ist überflüssig, langweilig und übergenau - das wollte man eigentlich so genau nicht wissen.

Auch die hämische, zynische, oft unangebrachte Kritik, die Weisman einfließen lässt, ist oft überzogen und dem Titel nicht angemessen. Hier wird Gesellschaftskritik geübt und nicht darüber nachgedacht, wie die Welt ohne uns aussehen wird.
Dies gipfelt im ultimativen Lösungsvorschlag des Amerikaners. Er postuliert, dass eine Geburtenkontrolle ähnlich der, die in China seit Jahrzehnten Realität ist, nämlich die "eine Frau ein Kind-These", alle Probleme beseitigen wird, die heute unser Weiterleben gefährden. Nach wenigen Jahrzehnten lebten dann nur noch knapp über eine Milliarde Menschen auf der Erde und das Paradies wäre nicht mehr weit. Bei aller Prägnanz dieses Vorschlags, - und Weisman wird fast zum Prediger dieser Utopie -: Dass die schiere Zahl der Menschen das eigentliche Problem ist und nicht der dem Luxus und dem uneingeschränkten Konsum geschuldeten Naturverbrauchs, ist zumindest fragwürdig. Aus einem ideologischen und psychologischen Problem eines der Quantität zu machen, mutet doch zu einfach an, um ernst genommen zu werden.

Doch abseits dieser mahnenden Worte schafft es Weisman auf sehr prägnante Weise, den Zuhörer wachzurütteln, ihm vor Augen zu führen, wie kurzlebig die Errungenschaften der menschlichen Gesellschaft sind und wie sehr sie - im wahrsten Sinne des Wortes - auf Sand gebaut sind. Er mahnt, rüttelt wach, macht nachdenklich und fasziniert darüber hinaus mit einer solchen Fülle an Fakten, dass man dieses Hörbuch mit Sicherheit mehrmals hören muss, um vieles erst richtig zu erfassen.

Dank eines sehr gut aufgelegten Sprechers Stephan Schad, der mit Verve, klarer Aussprache und sympathisch sonorer Stimme diesen in Teilen doch sehr schwierigen Text vorträgt, sind die zweihundertsechsundachtzig Minuten fast durchweg ein großes Hörvergnügen und jedem wissenschaftlich Interessierten zu empfehlen. Und selbst wenn man der politischen Botschaft Weismans nicht uneingeschränkt zustimmen kann oder will, ist er doch ein ausgezeichneter Journalist, der ein faszinierendes Gedankenexperiment fast bis zum Exzess analysiert und für den Leser und Hörer gekonnt aufbereitet hat.

Stefan Erlemann
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21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Origineller Umschlag, wenig dahinter, schlecht gemacht, 2. Februar 2009
Wenn man sich für die langfristigen Verpflichtungen interessiert, die das Betreiben von Kernkraftwerken und großchemischen Anlagen mit sich bringt, ist das Buch eine lohnende Lektüre: Sobald man ein solches Teil - warum auch immer - sich selbst überläßt, wirdŽs sehr schnell sehr brenzlig. Das wird anschaulich geschildert und war für mich halbwegs das Highlight des Buches. Daher die zwei Sterne, mit gutem Willen.
Ansonsten bin ich aber enttäuscht. Wenn schon der Autor permanent Details im Stil einer Schülerzeitungsreportage ausbreitet (dass der eine oder andere Forscher dicke schwarze Augenbrauen hat oder für sein Alter noch recht jugendlich aussieht - wen interessiert das??!), warum greift da nicht ein Lektor ein?
Möglich, dass das die amerikanische Art zu schreiben ist, eine deutsche Ausgabe hätte bearbeitet werden müssen und übrigens auch nicht lieb- und ahnungslos - vermutlich in Rekordzeit - runterübersetzt werden dürfen. Sowohl sprachlich als auch sachlich sind so viele Klopse drin, dass es einem das Lesen schon auf den ersten Seiten gründlich verleidet. Beispiele gefällig? Da gibt es Teiche voller "Dosenschildkröten" (Wahnsinn! Mit Öffner??), die "Gattung Arabica" (gemeint ist die Art Coffea arabica) und "Exfolianten" (was hätten Sie geraten? ehemalige große Bücher? falsch: gemeint sind Schmirgelstoffe in Peelingcremes, englisch exfoliants...) und vieles mehr. Hübsch auch der aufgeregte Bericht über einen Flug, bei dem die Cessna "eine Schräglage von 30 Grad bekommt" - Autor soll mal froh sein, dass der Pilot die Kurve so flog, sonst wäre Autor nämlich samt seinem angefangenen Buchprojekt runtergefallen. Was menschlich bedauerlich, für die Bücherlandschaft aber kein großer Schaden gewesen wäre.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Enthüllt erschreckende Wahrheiten !, 6. Juni 2012
Ich weiß nicht, warum ich in den anderen Rezensionen sowas wie "hab es mir anders vorgestellt" lesen muss und was diejenigen, damit meinen! Also meinen Vorstellungen entsprach das Buch sehr genau und übertraf sie auch noch.
Natürlich muss man erst mal einen Blick in die Gegenwart und in die Vergangenheit werfen, um sagen zu können, was in der Zukunft geschehen könnte und um die richtigen Schlussfolgerungen ziehen zu können. Viele Aspekte, auf die man so gar nicht kommt, werden angesprochen und der Einfluss des Menschen auf die gesamte Welt ist schon erschreckend und regt zum nachdenken an.
Ich kann dieses Buch nur jeden empfehlen, der sich ein Bild von einer Welt nach uns machen möchte. Wie die Erde sich vom Menschen erholt, wenn dieser plötzlich verschwinden würde. Und ich kann nur sagen: Lest nicht so viele Rezensionen, sondern macht euch selbst ein Bild von dem Buch! Es lohnt sich! "Die Welt ohne uns" ist intelligent geschrieben und es spricht viele Bereiche aus Chemie, Physik, Ingeneurtechnik, Architektur, Biologie und Geologie an. Es macht einfach nur Spaß es zu lesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen guter titel und gute idee, aber nur mäßige umsetzung., 25. Dezember 2010
Von 
Jürgen Sieber "zeppe" (mimberg, bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
den titel fand ich prima.
die idee über dieses thema ein buch zu schreiben, auch.
fing also voller erwartung an zu lesen.
konnte den ersten 30 bis 40 seiten auch noch aufmerksam folgen.
doch dann ließ meine aufnahmefähigkeit sehr stark nach.
mein interesse auch.
ich dachte es lag an mir,
und las immer weiter und weiter.
quälte mich förmlich durch die seiten.
merkte aber dann irgendwann, daß mich alles nicht mehr wirklich interessierte.

zuviel trockene informationen.
zuviel fachwissen. zuviel abschweife.
vielleicht doch zuviel sachbuch.
irgendwie eine art themaverfehlung, dachte ich mir.
ich habe es mir wirklich anders vorgestellt.
legte dann das buch nach über 100 gelesenen seiten bei seite.
und dort liegt es nun.
eigentlich schade.
werde es irgendwann noch einmal versuchen.
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41 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Idee schlecht umgesetzt, 9. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde (Gebundene Ausgabe)
seit Stephen Kings "The Stand" fasziniert diese Idee: Was wäre, wenn plötzlich die Menschheit verschwindet. Chronologisch lässt sich absehen, wann alle Maachiben ausfallen, Dächer undicht werden, die Natur die Städte wieder erobert und irgendwann die Erosion die menschlichen Bauten wegradiert.
Das hat der Autor aber gerade nicht getan. Er springt wild hin und her zwischen U-Bahn-Schächten in New York und Nogales in Mexiko, pickt hiermal ein Detail heraus, lässt da mal einen Wissenschaftler zu Wort kommen. Kaum hat er aber das Thema angestoßen, wechselt er schon zum nächsten, ohne alle Konsequenzen weiter auszuführen. Leider ist dadurch die Argumentationskette total konfus, ohne Gliederung, weder chronologisch noch thematisch. Ich habe das Buch mir mit immer größerem Ärger aufgezwungen. Wer einen halbwegs logischen Aufbau bevorzugt, sollte sich hiervon fernhalten.
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Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde
Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde von Alan Weisman (Gebundene Ausgabe - Oktober 2007)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,88
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