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am 18. September 2005
In sehr kompetenter und verständlicher Form nimmt sich Hans Küng des Themas "Naturwissenschaft und Religion" an; unter dem erkenntnisleitenden Schwerpunkt "Der Anfang aller Dinge."
Die Kapitel:
A. Eine vereinheitlichte Theorie für alles?
B. Gott als Anfang?
C. Weltschöpfung oder Evolution?
D. Leben im Kosmos?
E. Der Anfang der Menschheit
Epilog: Das Ende aller Dinge
Der interessierte Leser findet nicht nur eine inhaltlich sehr reichhaltige und aktuelle, aber gleichzeitig gut leserliche Zusammenfassung aktueller naturwissenschaftlicher Erkenntnisse (z.B. Kosmologie, Hirnforschung, Anthropogenese), sondern auch deren theologische Reflexion und Diskusion. Dabei geht Küng von einem Komplementaritätsmodell aus, in welchem Wissenschaft und Religion/Theologie jeweils eigenständige Zugänge zu der EINEN Wirklichkeit zugestanden werden, bei gleichzeitiger Anerkennung der Notwendigkeit einer wechselseitigen Bezogenheit und Auslegung.
Küng plädiert für die Theologie für einen rational verantwortbaren Glauben, der sich an der konkreten Lebenserfahrung bewähren muss, ohne jedoch dem Leser seine Meinung aufdrängen zu wollen.
Immer verständlich argumentierend, neue Erkenntnisse vermittelnd und durchaus Aha-Effekte auslösend, ist Küng ein Buch gelungen, das ein Muss ist für jeden kritischen und offenen Theologen und Naturwissenschaftler, der an den großen Fragen nach dem Woher und Warum interessiert ist.
22 Kommentare|90 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Dezember 2005
"Wird die Religion von der modernen Wissenschaft verdrängt?" Unausgesprochen steht diese Frage im Zentrum von Hans Küngs Buch. Um sie zu beantworten, unternimmt er eine Prüfung des aktuellen Forschungsstandes der Naturwissenschaften, wobei er sich auf die Bereiche von besonderer theologisch-philosophischer Tragweite konzentriert.

Im Einzelnen handelt es sich dabei um die Suche nach der "Weltformel" (einer Vereinigung von Relativitätstheorie und Quantentheorie), die Erforschung des Urknalls, die Entwicklungsgeschichte des Lebens und die moderne Hirnforschung.

Küngs Vorgehen läuft überall darauf hinaus, die aktuellen Grenzen der Wissenschaft abzustecken und für die Religion einen außerhalb dieser Markierung liegenden Platz zu reklamieren. Die Suche nach einer Weltformel, so führt er aus, sei bislang ebenso gescheitert wie alle Anstrengungen, das Geheimnis des Urknalls zu lüften, in der Entwicklung des Lebens ein Ziel zu entdecken oder das Leib-Seele Problem zu lösen. Da die Wissenschaft schon bei WISSENSFRAGEN an ihre Grenzen stoße, sei sie erst recht nicht in der Lage, die menschlichen SINNFRAGEN zu beantworten (Wozu leben wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Warum gibt es Schuld und Leid?).

Versuche von Theologen und Naturwissenschaftlern, im Gebiet des jeweils anderen zu wildern, müssten in einer Sackgasse enden. Die Religion habe seit den Zeiten Galileis noch jede Schlacht gegen den wissenschaftlichen Fortschritt verloren und die Wissenschaft sich regelmäßig blamiert, wenn sie sich zur Ersatzreligion aufwarf. Statt gegenseitiger Konkurrenz propagiert Küng ein Modell der Komplementarität und der konstruktiven Interaktion.
Nachdem die Wissenschaft das Ihrige gesagt habe, bleibe immer noch Raum für ein rational verantwortbares Grundvertrauen in die Existenz Gottes und einer durch ihn verbürgten sinnvollen Weltordnung. Selbst im Falle eines Irrtums habe man letztlich nichts zu verlieren, da es sich mit dieser Einstellung viel froher, zuversichtlicher und erfüllter leben lasse.

Es wäre kleinlich, Küngs Ausführungen in ihren Details zu kritisieren. Einzelne technische Ungenauigkeiten, auf die es bei einem Theologen nicht ankommt, ausgenommen, scheint das von ihm ausgebreitete Bild des naturwissenschaftlichen Diskussionsstandes korrekt zu sein.

Der Mangel des Buches liegt allenfalls in seiner Oberflächlichkeit. Küng begnügt sich damit, die behandelten Wissensgebiete nur stichwortartig anzureißen. In hohem Tempo hetzt er von einem Gesichtspunkt zum nächsten, ohne jemals lange genug zu verweilen, um ein systematisches und in die Tiefe gehendes Bild zu entwerfen. So kommt es, daß sich die Erörterung der Quantentheorie auf einige knappe Bemerkungen zur Heisenbergschen Unschärferelation beschränkt, die Gödelschen Unvollständigkeitssätze so dürftig erläutert werden, daß kaum ein Leser, der mit ihnen nicht schon vertraut ist, ihre Begründung verstehen kann, über die Evolution des Menschen wenig mehr zu erfahren ist, als daß sie in Afrika erfolgte, und die naturphilosophischen Entwürfe Whiteheads und Teilhard de Chardins auf zwei oder drei vage umschriebene Ideen reduziert werden. Der von Küng häufig zitierte Ian Barbour ist in seiner Zusammenfassung des naturwissenschaftlichen Wissenstandes ("Wissenschaft und Glaube", Göttingen 2003) wesentlich detaillierter und aufschlußreicher.

Noch schwerer wiegt Küngs Nachlässigkeit in philosophischen Grundsatzfragen. Zwar ist sein Versuch, Religion und Wissenschaft anhand der jeweiligen Ausrichtung auf Wissens- bzw. Sinnprobleme abzugrenzen, durchaus überzeugend, doch wird die Eigenart der Religion von ihm so beiläufig skizziert, daß der Leser weder etwas über ihre Unterschiede zu anderen Formen der Sinnstiftung erfährt, noch über ihr normatives Potential.

Warum kann ein aufgeklärter Mensch den Sinn seines Lebens nicht auch ohne Religion finden? Küng ist dieses Thema keinen einzigen Satz wert. Braucht die Moral eine religiöse Grundlage? Küng antwortet mit vagen Andeutungen über das dem Menschen biologisch vorgegebene Urethos. Man staunt über die Plattheit des Gedankens, denn die moderne Biologie hat auch die angeborene Bereitschaft des Menschen zu Aggression und Gewaltanwendung offengelegt. Doch zur Vertiefung bleibt Küng kein Raum. Für den Komplex "Weltethos und Religionen" hat er gerade einmal vier Seiten übrig.

Bei einem Autor, der bereits mehrere ihr Thema umfassend abdeckende Bücher vorlegte ("Existiert Gott?", "Das Judentum, "Das Christentum", "Der Islam"), erstaunt diese Kurzatmigkeit. Vielleicht hatte Küng ja einfach keine Lust mehr, die nötige Mühe für eine lange und gründliche Abhandlung aufzuwenden.
44 Kommentare|62 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 31. März 2013
Die große Bandbreite der Bewertungen zeigt, wie kontrovers man über das Thema "Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Glaube" diskutieren kann. Kein Wunder, sind doch die Vorstellungen über diese Bereiche menschlicher Geistestätigkeit höchst unterschiedlich. Um möglichen Entäuschungen vorzubeugen, hier einige Warnungen:
Das Buch sollte NICHT lesen, wer
- eine tiefschürfende Betrachtung aller bisher bekannten erkenntnistheoretischen und methphysischen Ansätze dazu erwartet,
- der Auffassung ist, dass die modernen Theorien der Physik bzw. deren "Lücken", Hinweise für die Existenz Gottes geben können,
- der Auffassung ist, dass es metaphysisch-theologische Konstruktionen gibt, mit deren Hilfe man die Naturwissenschaften in unüberwindbare Schranken weisen kann,
- glaubt, dass die höchst spekulative Urknalltheorie einem Schöpfungsakt nahe komme und andererseits glaubt, dass die Evolutionstheorie eine höchst spekulative Theorie ist.

Lesenwert ist dieses Buch für alle, die den Mut haben, sich den Herausforderungen der naturwissenschaftlichen Erkenntnis zu stellen und anerkennen, dass sich dadurch auch der Glaube ändert wird, die aber dennoch nicht an diesem zweifeln.
22 Kommentare|6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Mai 2014
Zum Inhalt des Buches wurde von den anderen Rezensenten schon viel gesagt. Mein Eindruck: So ein Buch entsteht, wenn ein Fachmann (hier: Theologe) sich nicht auf sein Fachgebiet beschränken kann und sich hemmungslos auf fremde Fachgebiete begibt (Überheblichkeit oder Naivität?). Dabei kommt nichts Fundiertes heraus. Küng hat sich völlig übernommen und hastet unsauber durch die herangezogenen naturwissenschaftlichen Disziplinen. So weiß ich z.B. nicht, geben Küngs Ausführungen den momentanen Stand der Wissenschaften wieder oder sind sie nach seinem Geschmack ausgewählt? Unter sauberem Arbeiten verstehe ich etwas anderes. Im Schnelldurchgang Theologie und Naturwissenschaften (weiter) zusammenzubringen, geht halt nicht. Für mich ist das Buch ein Durcheinander. Nach all dem "Aufwand" von Küng ist sein theologisches Fazit fast peinlich: vor dem Urknall muß es noch etwas gegeben haben (Gott) und nach dem Tod muß auch noch etwas sein (Gott). Für gläubige Menschen nichts Neues.
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am 15. April 2009
Der Autor hat viel gelesen und geht auf viele naturwissenschaftliche Themen ein. So findet der Leser zu bestimmten Themen, etwa zu den "Grenzen der Hirnforschung", mitunter interessante Zitate und Gedanken und kann sich so einen ersten Überblick verschaffen. Für den Leser, der tiefer dringen will, verhindert dies schon die zu große Anzahl der behandelten Themen, und er wird mit der jeweiligen Originalliteratur besser bedient. Deshalb will die vorliegende Rezension auf einen inhaltlichen Überblick verzichten und stattdessen einige Schwächen des Buches nennen und belegen.

Die Unkorrektheit und die Oberflächlichkeit des anscheinend schnell hinuntergeschriebenen Buches zeigen sich schon in naturwissenschaftlichen Fragen. So heißt es z. B. zu den notwendigen Eigenschaften eines lebenermöglichenden Planeten: "Zugleich sollte er möglichst beschützt sein vom Einschlag großer Gesteinsbrocken (der große, schwere Jupiter auf der äußersten Planetenbahn hält sie von unserer Erde fern)". Aber natürlich ist Jupiter nicht auf der äußersten Planetenbahn, und der Schutz der Erde vor Himmelskörpern ist keineswegs sicher, wenn auch vermutlich nur noch wenige Planetoiden auf chaosfähigen Bahnen verblieben sind. Schon der Stil spottet einer nüchternen Wissenschaftssprache: "Das riesige System der Galaxien ... dehnt sich in alle Richtungen mit rasender Schnelligkeit exponentiell aus." Gravierender ist schon, daß Küng Galilei eine "unwiderlegbare Bestätigung des kopernikanischen Modells" zuspricht. Jeder halbwegs mit der Materie Vertraute weiß, daß Galilei keine stringenten Beweise, sondern nur Plausibilitätsargumente vorlegen konnte. Sobald Wissenschaftsgeschichte und Kirchengeschichte sich berühren, schwadroniert der Autor, seiner Voreingenommenheit völlig freien Lauf lassend. So heißt es z. B., historisch fast völlig widerlegbar: "Selbst Rom konnte den Kollaps des mittelalterlichen Weltgebäudes mit seiner Erdscheibe zwischen Himmel oben und Hölle unten, konnte die Entzauberung der Natur und die Überwindung des mittelalterlichen Teufels-, Dämonen-, Hexen- und Zauberglaubens nicht aufhalten". Auf die Wiedergabe weiterer Tiraden gegen die römisch-katholische Kirche sei hier verzichtet. In diesem Zusammenhang fehlt dem Autor sogar auch jede Hemmung, ganze Nationen herabzuwürdigen: "Italien und Spanien, unter der Knute der Inquisition, blieben daher bis ins 20. Jh. ohne nennenswerten naturwissenschaftlichen Nachwuchs".

Wie Küng von seiner vermeintlich hohen Warte in großen Schritten durch die Wissenschaft wandert, wird auch an seinen apodiktischen Thesen zur Evolution deutlich. Nach dem "Lebensprinzip der Natur" habe diese sich "nach rein kausal-mechanistischen Gesetzen ohne alle vorgesetzten Zwecke und Ziele entwickelt", eines "schöpferischen Eingriffs von außen nicht" bedürfend. Für ihn ist "die Entstehung des Lebens ... trotz aller noch ungeklärter Fragen ein physikalisch-chemisch verständliches Geschehen" und darf "Darwins Evolutionstheorie ... als geradezu physikalisch begründet und experimentell nachgeprüft angesehen werden". Der berühmte Neodarwinist Ernst Mayr bezeichnete es dagegen als einen "der fundamentalsten Unterschiede zwischen Biologie und den exakten Naturwissenschaften", "daß Theorien in der Biologie auf Konzepten beruhen, während sie in den physikalischen Wissenschaften auf Naturgesetzen fußen", und er betont: "Tatsächlich steht die Evolutionsbiologie als Wissenschaft in vielerlei Hinsicht den Geisteswissenschaften näher als den Naturwissenschaften."

Küng unterscheidet nicht deutlich zwischen Naturwissenschaft und weltanschaulicher Deutung, so daß seine Aussagen oft in geradezu unredlicher Manier in der Schwebe bleiben, ohne klares Ja oder Nein. Was will er uns etwa sagen, wenn er "den Naturwissenschaftlern" empfiehlt, "Gott zumindest als Hypothese in Betracht zu ziehen"? Auf der gleichen Linie liegt sein unbestreitbares Sympathisieren mit den Thesen Teilhard de Chardins, so mit der Idee Gottes als "Motor der Evolution", für den gelte: "Gott ist für ihn nicht nur Ursprung und Ziel der Schöpfung. Er ist selber in Evolution, macht diese Evolution mit...". Bei aller Kritik an Teilhards System: Eine Evolution "ohne alle vorgesetzten Zwecke und Ziele" (siehe oben) kann man ihm gerade nicht unterstellen. Aber Küng sieht sich mit ihm in gleicher Opferrolle, durften doch beide ihre Thesen nicht im Namen der Kirche verbreiten.

Von den Fundamenten des christlichen Glaubens hat sich der Autor nämlich relativistisch vollends verabschiedet, so z. B. von der Gottessohnschaft und Auferstehung Jesu und von der Dreifaltigkeit Gottes: "Ich glaube nicht an die späteren legendarischen Ausgestaltungen der neutestamentlichen Auferstehungsbotschaft, wohl aber an ihren ursprünglichen Kern: Daß dieser Jesus von Nazaret nicht ins Nichts, sondern in Gott hinein gestorben ist." Es geht ihm lediglich um "jenes Urgeheimnis der Wirklichkeit, das Juden, Christen, Muslime und Gläubige anderer Religionen mit dem viel mißverstandenen, viel mißbrauchten Namen 'Gott' bezeichnen". Beim Sprechen über Gott würde "der Mensch mehr personale oder apersonale Begriffe oder Metaphern brauchen"; dies hinge "ab vom Kontext". Weiter heißt es: "Und wenn auch Jesus Christus für Christen als das Licht das entscheidende Kriterium für christliches Handeln ist, so kommen Christen doch nicht darum herum zu sehen, daß es auch andere Lichter gibt." Und auf Fragen nach einem Gottesglauben, "der mit Gott durch Gebete kommunizieren kann, andererseits nach einer Unsterblichkeit der Seele" lautet seine Antwort: "Auf solche Fragen läßt sich schwerlich einfach mit Ja oder Nein antworten, ...". Die "Wundererzählungen" der Bibel seien "unbekümmerte volkstümliche Erzählungen, die glaubendes Staunen hervorrufen sollen". Angeblich habe sich "die Theologie freilich von der unmittelbaren Erschaffung der ganzen Welt durch Gott zurückgezogen" und betreibe die Kirche eine "Rückzugsstrategie". Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Was bleibt, drückt z. B. folgender Satz aus: "Mein Gott-Vertrauen als qualifiziertes, radikales Grundvertrauen vermag mir die Bedingung der Möglichkeit der fraglichen Wirklichkeit anzugeben." Mit Küng darf der Leser lediglich "als Christ wie viele Menschen auch in anderen Religionen auf ein Sterben nicht in ein Nichts hinein" hoffen.

Wesentlich ist, daß Küng auch einer evolutionistischen Entstehung von Geist und Ethos das Wort redet, ohne die Tiefgründigkeit dieser Fragen überhaupt sichtbar werden zu lassen. So heißt es lapidar, "daß der menschliche Geist nicht vom Himmel fiel, sondern ein Evolutionsprodukt darstellt" und "heute gelebtes Welt-Ethos im Raum ... letztlich auf einem biologisch-evolutiv vorgegebenen, in der Zeit erprobten Ur-Ethos" basiere. "Auch Theologen sollten nicht bestreiten, daß das ethische Verhalten des Menschen in seiner biologischen Natur verankert ist". Von Jesus ließe sich "lernen, was einer Ellbogengesellschaft von Egoisten so sehr fehlt: Rücksicht zu nehmen und zu teilen, vergeben zu können und zu bereuen, Schonung und Verzicht zu üben und Hilfestellung zu geben"; und Küng stimmt Manfred Eigen in der Forderung zu, die Ethik "sollte sich eher an den Bedürfnissen der Menschheit als am Verhalten der Materie orientieren". Diese Gemeinplätze holen aber das neutestamentliche Liebesgebot gegenüber Gott und dem Nächsten, ja sogar gegenüber dem Feind, niemals ein und gehen über ein rein immanentistisches und hedonistisches Glücksstreben nicht hinaus.
Überhaupt soll das Buch ja "im Kontext des Projekts Weltethos seinen Platz haben". Und wie sich Küng theoretisch für eine "autonome Moral" ausspricht, so verfährt er dann auch in konkreten Fragen. Ganz im sogenannten Mainstream bleibt er mit seiner wohlfeilen Warnung vor "apokalyptische[n] Visionen, die durchaus Wirklichkeit werden können, wenn sich die Menschheit nicht energisch zu mehr Abwehr- und Reformmaßnahmen auf allen Gebieten - vom Klimaschutz bis zur Geburtenregelung - aufrafft". "Der Mensch - verantwortlich für den gigantischen technologischen Fortschritt, aber auch für noch nie dagewesene Umweltzerstörung, Bevölkerungsexplosion, AIDS ..." wird von Küng anderenorts auf Kondome verwiesen, und Papst Johannes Pauls II. wird mit der ironischen Bemerkung geschmäht, daß er "über Geburtenregelung und Frauenordination ebenso unfehlbar falsch urteilte wie seine Vorgänger über Astronomie und Heliozentrik ...". Daß man sich jetzt schon mehr um Überalterung, Bevölkerungsimplosion und Unfruchtbarkeit sorgen sollte, ist Küng offenbar entgangen. Daß es große ethische Gemeinsamkeiten in allen Kulturen gab, ist keine Entdeckung Küngs (siehe z. B. C. S. Lewis: Die Abschaffung des Menschen, Ersterscheinen in Englisch: Oxford 1943). Daß man dann aber gegen eine allen Kulturen gemeinsame Maxime durch das Plädoyer für den dem Suizid mit der Giftspritze assistierenden Arzt verstößt, blieb allerdings ihm (anderenorts) vorbehalten.

Peinlich wird das Buch, wenn Küngs "hochgemute Selbsteinschätzung" (Leo Scheffczyk) durchklingt, z. B. mit der Frage: "Darf ich mir diese Bemerkung als Ehrendoktor der Universität Cambridge gestatten?" Es heißt: "Auch dieses Buch möchte in bescheidenem Ausmaß Licht vermitteln - ... Licht, wie es in demütigem Selbstbewußtsein eine aufgeklärte Philosophie und Theologie heute den Menschen zu vermitteln vermag". Küng erklärt, mit seinem Buch "in konzentrierter Form" zu dem zum Denken "in großen Zusammenhängen" nötigen "philosophisch-theologischen Basiswissen" zu verhelfen". Er erklärt, daß "Intellektuelle Integrität ... wichtiger" sei "als dogmatische Konformität, als kirchliche oder säkulare 'Correctness' " und empfiehlt "uns Menschen ... etwas intellektuelle Bescheidenheit ..., freilich auch keine falsche Scheu vor einer Entscheidung".

Der Autor stellt sich ebenso als naturwissenschaftliche Autorität dar. Sein Verständnis für Einstein klingt so: "Nur wer sein Leben ähnlichen Zielen hingegeben hat, besitzt eine lebendige Vorstellung davon, was diese Menschen beseelt und ihnen die Kraft gegeben hat, trotz unzähliger Mißerfolge dem Ziel treu zu bleiben". Küng möchte "nicht nur für gerade modische Naturwissenschaftsthemen weiteres Wissen anhäufen", verrät aber nicht, wo er das geleistet hätte. Er sah schon früh voraus, was Hawking später einmal verlauten lassen würde ("Wenn man sich wie ich schon in den 1970er Jahren eingehend mit den Ergebnissen der Wissenschaftstheorie beschäftigt hat, wird man über Hawkings Wende nicht erstaunt sein") und beurteilt mit Autorität physikalische Fachfragen ("Und doch halte selbstverständlich auch ich als informierter Theologe das physikalische Standardmodell für wohlbegründet ...", "Dabei halte auch ich es für möglich, daß sich unser reales Raum-Zeit-Gefüge sehr beträchtlich über unseren menschlichen Horizont hinaus ausdehnt".)
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TOP 1000 REZENSENTam 20. April 2015
Gewiss handelt es sich beim Buch um einen intelligenten Text über die naturwissenschaftliche Darstellung der Welt im Zusammenhang zu einer Möglichkeit der Existenz Gottes. Allerdings ist das auch schon alles. Geschickt weist der Autor hin auf die Unzumutbarkeit und Unzulänglichkeit der Aussagen atheistischer Naturwissenschaftler, dass es keinen Gott gäbe, dass ein Gott aus der Sicht von deren (vermeintlich) naturwissenschaftlicher Perspektive als verzichtbar anzusehen sei. Darin hat der Autor recht. Denn es kann keine Naturwissenschaft geben, welche in der Lage wäre, die Existenz eines transzendenten Gottes beweisbar, argumentativ oder zwingend zu widerlegen. Diese Tatsache liegt im Umstand, dass der Gottesbegriff jenseits der rational untersuchbaren Fassbarkeit steht. Und darin liegt kein Problem, ausser eingefleischte atheistische Fundamentalisten müssen ihn fanatisch produzieren.
Selbst aber wenn der Verfasser hinweist auf die faktische Irrelevanz der atheistischen Dogmen, so vermag er in keiner Weise in die Tiefe des Zusammenhanges zwischen Gott und Sein vorzudringen, um das Wechselverhältnis zwischen der Entstehung der Welt durch die Evolution und dem Schöpferwirken Gottes zu erhellen. Das Einzige, was er nach vielen Sachverhalten, Bestandsaufnahmen, historischen Exkursen, naturwissenschaftlichen Analysen tut, ist es darauf hinzuweisen, dass sich Gott als Schöpfer der Welt und die Evolution als Entwicklungsmodus der Welt nicht widersprechen. Weiters vermag er stimmig darzustellen, dass die geschichtlich-evolutionären Vorgänge in der Natur bis hin zum Menschen niemals den religiösen Prinzipien zuwiderliefen, sondern mit dem Wirken Gottes kompatibel seien. Aber wiederum: darin erschöpft sich schon auch wieder die Arbeit des Buches.
Es gibt kein Durchdringen in das Sein an sich, in die Welt der belebten und unbelebten Materie, in welcher sich ja das geschöpfliche Sein verkörpert. Wie sind die Zusammenhänge zwischen einzelnen Lebensformen in der Sicht der Religion zu deuten? Wenn schon die Evolution die Art ist, mit welcher Gott die Welt gestaltet, so stellt sich als Folge die Frage nach den Beziehungen der mannigfaltigen Lebewesen zueinander bis hin zu den Beziehungen zwischen organischen zu den anorganischen Phänomenen. Die Frage nach dem Leben und was Leben ist, wird vom Autor nicht mal annähernd ernsthaft thematisiert, geschweige denn erläutert und in einen hilfreichen Kontext gebracht.
Dieses Werk ist von daher ein Plädoyer für die Vereinbarkeit zwischen Evolution und Gott, aber keine ernstzunehmende Darstellung und Erklärung für die tiefen Zusammenhänge der Welt und der Dinge in existenzieller, wie religiöser Schau in einer einheitlichen Symbiose.
Leider gibt dieses Buch keine Antwort auf die Frage der konkreten Stellung des (auch einzelnen) Menschen zur Welt, zum Sein und den Dingen in Zusammenhang mit Gott, weil es die Phänomene und Dinge der Welt in keinen Zusammenhang gestellt hat zu Gott und dem einzelnen Menschen.
Da reicht es nicht, nur vom Anfang aller Dinge zu reden.
Für einen Religionsdenker, welcher den Anspruch stellt, wegweisend für das Leben und den Menschen zu sein, ist das ziemlich unverantwortlich.
Ich möchte exemplarisch im Detail hinweisen auf die ungenügend, plump und oberflächlich gestellten Formulierungen in den schnell hingeschmissenen Sätzen, aufgrund derer man schließen kann auf unzureichend durchdachte Thematik des jeweiligen Bereiches:
"Will man wissen, was alles ist, muß man wissen, wie alles geworden ist." (Hans Küng: Der Anfang aller Dinge; Seite 16)
Wie bitte undurchdacht muss ein fachlich versierter Theologe und Existenz-Denker sein, um den viel zu überfordernden Satz zu sagen: "Will man wissen, was alles ist,..."; "...muss man wissen, wie alles geworden ist."
Welch eine Anmaßung und Selbstüberbewertung muss gegeben sein im Selbst, dass man es wagt, einen Grundsatz auszusprechen, wissen zu wollen, was Alles ist, um zu wissen, wie dieses Alles geworden ist.
Es gibt kein vergleichbares Beispiel in der Geschichte der Menschheit, wo die Idee ausgesprochen wurde, Alles wissen zu wollen. Denn der Begriff "Alles" beinhaltet strenggenommen nicht nur die Dimensionen des Daseins und der Welt bis zu deren Grenzen, sondern auch die Dimensionen über die Grenzen hinaus, also in den Bereich der Unendlichkeit, bzw. der Ewigkeit. Der Begriff "Alles" ist nämlich kein Begriff für das wahrnehmbare Sein der Welt an sich, da er zumindest im ideellen Sinn dieses wahrnehmbare Sein zur Potenz der Ewigkeit hin weit überschreitet. Wenn aber der Begriff "Alles" strenggenommen nicht ins Korsett der wahrnehmbaren Dimension gezwängt werden kann, da er diesen eingeschränkten Bereich überschreitet, so ist er genaugenommen auch nicht ergründbar. Der Begriff Alles kann als Begriff nicht hergenommen werden, um als Kriterium für das Ergründen der Wirklichkeit herangezogen werden zu können, weil er unergründbar ist. Der Begriff "Alles" ist ein abstrakter, unbestimmter, allgemeiner Begriff von etwas, das stets weiter steht, als wir selbst, wie der Schatten, welchen wir nie zu erwischen vermögen, so sehr wir uns auch bemühen, diesem näher zu kommen. Nur das Ewige vermag den Begriff "Alles" zu umfassen, weil es mit ihm verbunden ist. Ewigkeit aber ist wahrlich nicht die Domäne des Sterblichen, außer im Modus des Glaubens an eine übernatürliche Wirklichkeit jenseits der zeitlichen und räumlichen Begrenztheit des Seins. Glaube aber wiederum gehört nicht der Kategorie der Wissenschaft an, da er ideell diese überschreitet und weit hinausgeht über den Rahmen der naturwissenschaftlichen Beweisbarkeit. Die Grenze der Naturwissenschaftlichkeit besteht im Rahmen der Beweisbarkeit, welche sie sich selbst gestellt hat. Also kann die Naturwissenschaft nicht herangehen, um den ideellen Begriff des "Alles" zu untersuchen, sondern der Dinge, die (eben gerade) da sind, die evident sind, die erforschbar sind, weil sie gegeben sind und sich präsentieren.
Gewiss ist es möglich Einzelbereiche, Prinzipien, Gesetze, Vorgänge, Bewegungen, Prozesse, Entwicklungen der Welt zu erforschen und daraus Schlüsse zu ziehen. Weiters ist es möglich aus diesen Schlüssen weitere Folgerungen und Modelle über das grobe Gesamte zu tätigen. Dieses Gesamte aber ist in keiner Weise als "Alles" zu verstehen, sondern als eine vorläufige Theorie über das Sein aus der Perspektive des Menschen bis zur Grenze der Wahrnehmbarkeit.
Und da geht ein professioneller Lebenskenner heran, um in einem beispiellos großprotzigen Großsatz im Anbeginn seines Werkes die (irreale) Behauptung aufzustellen:
"Will man wissen, was alles ist, muß man wissen, wie alles geworden ist."
Allein dieser maßlos selbstüberschätzende Anspruch im rein ontologischen Sinn, der Wissenschaft einen solchen Auftrag zuzugestehen, enttarnt den Autor als einen Blender, welcher nicht in der Lage war, ordentlich, demütig, bescheiden und objektiv über das Sein und die Evolution im Zusammenhang zum Glauben zu präferieren.
Denn die Betrachtung des Seins mit allen seinen Wundern in einer demütigen und dankbaren Weise, bedingt im Menschen einen inneren Blick auf das Dasein an sich, wie es ist. Schaut der Einzelne staunend auf das glühende Abendrot, oder den überm Himmel sich ergießenden Regenbogen, so gewahrt er darin seine Beheimatung in der wunderbaren Wirklichkeit seines Seins, wie er es erlebt. Da ist es unwichtig, ob die Erde rund oder flach ist, denn sie ist so, wie sie der Einzelne wahrnimmt, als der Grund, auf dem er steht und nicht strauchelt.
Und hier in diesem Moment der staunenden Dankbarkeit, in der der Einzelne erlebt, wie er durch das Zeichen des Regenbogens beschenkt und eingeladen ist von der Welt, in der er steht, da gewahrt er seine Wirklichkeit als seine Welt, seine unmittelbare Umgebung als seine unmittelbare Welt. Und er fragt nicht nach dem "Alles" als naturwissenschaftlicher Disziplin, um dieses unmöglich zu ergründende und erreichbare Alles anzutasten. Er begnügt sich mit dem Hier und Jetzt, es ist ihm genug, weil er sich hier in der unmittelbaren Existenz beheimatet und geborgen weiß, neben all den Angefochtenheiten, welche es ebenfalls gibt. In diese genügsame Bescheidenheit gehört selbstverständlich auch das Überschreiten seines räumlichen Horizontes, um seine Lebensbedürfnisse zu stillen. Diese natürliche Eigenschaft des Menschen auch zu reisen, und sich seinen irdischen Lebensraum zu erweitern ist sowohl harmonisch, als auch organisch eingegliedert in die irdischen Voraussetzungen und Möglichkeiten seiner Erkundungen und Wanderungen. Jedoch handelt es sich dabei nicht um eine rationale oder wissenschaftliche Erweiterung des Lebens in unerreichbare Dimensionen jenseits des Diesseits.
Offenbar scheint das Problem der Betrachtungsweise des Autors darin zu liegen, die Dimensionen des Glaubens und der Naturwissenschaft miteinander zu vermengen. Diese Verkennung der beiden zueinander inkohärent stehenden Disziplinen ist bereits Hoimar von Ditfurth widerfahren, bei dem sich Vorstellungen von Gott und der jenseitigen Welt zu vermischen begannen mit illusionär-selbstüberschätzenden Vorstellungen einer Höher-Entwicklung des Menschen in unsterbliche Sphären des Lebens. Beiden Autoren scheint es nicht klar zu sein, dass die Quintessenz der naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise des Seins darin besteht, stets in den Kategorien der berechenbaren, messbaren, registrierbaren und daher begrenzt endlichen Erkenntnisse sich bewegen zu können, ohne die Dimensionen jenseitiger, übernatürlicher, zeit- und raumloser Bereiche anzutasten.
Und da macht ein Autor, der das Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Glaube behandelt, den naturwissenschaftlich unsinnigen Satz:
"Will man wissen, was alles ist, muß man wissen, wie alles geworden ist."
Wobei der Satz sogar in seiner schlussfolgernden Aussage nicht stimmt.
Denn strenggenommen bedarf das Sein keiner Untersuchung seiner Entstehung, um zu wissen, was es ist. Das Sein versteht sich nämlich aus sich selbst. Würde es das nicht tun, so wäre es in sich absurd. Alles was ist, versteht sich aus sich selbst, da es ist und sich in sich selbst genügt. Das ist auch theologisch begründbar, weil Gott das Sein des Seienden so ausstattet, dass es in sich und aus sich genügt. Denn wenn es sich nicht selbst genügen würde und sich aus sich selbst nicht verstehen könnte, so wäre es nicht fähig, um zu existieren, zu leben und überleben.
So meine ich, dass dieses Werk schon im Ansatz Zeichen des Scheiterns trägt.
Es benützt nicht die richtigen Parameter, besitzt nicht die richtigen Voraussetzungen der Daseinsbetrachtung, erkennt nicht die richtigen Fragestellungen und verliert sich im gescheit klingenden Getratsche.

Mladen Kosar
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am 23. April 2015
Kauf für Schule. Meinung von Prof. Dr. H.K.
Ich teile seine Meinung weniger, aber dies ist jedem selbst überlassen. Schwer zu verstehen durch viele Fachbegriffe.
Versand ging flott.
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am 22. November 2010
Das Buch ist von Hans Küng in fünf Kapitel gegliedert, die sich zunächst mit verschiedenen naturwissenschaftlichen Theorien befassen, im Einzelnen sind das die folgenden Bereiche:
* Die Suche nach einer vereinheitlichten Theorie für alles
* Die Urknall-Theorie
* Die Evolutionstheorie
* Der Ursprung des Lebens
* Die Stammesgeschichte des Menschen
In den einzelnen Kapiteln werden zunächst die verschiedenen naturwissenschaftlichen Fragen kurz erläutert, gegen Ende der Kapitel unternimmt Hans Küng den Versuch einer theologischen Deutung mit der Ziel einer Überwindung der Gegensätze zwischen Naturwissenschaft und Religion.
Es gibt bei diesem Buch zwei Parallelen zu seinem bekannten Buch "Existiert Gott".
Zum Einem sind auch hier die Abschnitte, die sich nicht mit Theologie befassen, das Beste in diesem Buch, durch seine Darstellungen der naturwissenschaftlichen Fragen erhält man erhält einen kurzen allgemein verständlichen Einblick in die Aussagen der oben erwähnten Theorien.
Andererseits verwendet Küng wieder einen Gottesbegriff, der aus seinen wohlbekannten inhaltlosen rhetorischen Floskeln besteht, womit er sich jeder ernsthaften Auseinandersetzung mit den durch die Naturwissenschaften aufgeworfenen Fragen entzieht.
Um einen Eindruck davon zu gewinnen, seien hier Beispiele wiedergegeben:
Häufig werden Gott von Küng gleichzeitig widersprüchliche Eigenschaften zugeschrieben wie " Gott ist zugleich weltimmanent und welttranszendent" oder " Gott ist das Unendliche im Endlichen, das Absolute im Relativen, Gott ist der weltzugewandte-weltabgewandte Lenker der Welt"
In absurden Gegensatz dazu besteht ein eine anderes Verfahren von Küng in der Negation jeglicher möglichen Eigenschaften Gottes wie z.B. in der folgenden Aussage: " Gott ist weder innerirdisch, überirdisch noch außerirdisch" (aber aus dieser totalen Verneinung ergibt sich laut Küng aber wieder eine "Synthese", die in der Formulierung "Gott ist in diesem Universum und dieses Universum ist Gott" besteht, hiermit haben wir es wieder mal mit "Dialektik" zu tun )
Ein Gottesbegriff, mit dem man jede mögliche Eigenschaft verbinden kann, oder der andererseits aber durch keine Eigenschaft voll zu charakterisieren ist, hat natürlich durch seine völlige Beliebigkeit den Vorteil, dass er mit jeder nur möglichen neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnis problemlos zu vereinbaren ist.
Weil man das Buch auch als erste Informationsquelle über den Inhalt wichtiger naturwissenschaftlicher Theorien verwenden kann, gibt es als Bewertung zwei Punkte, zum Verhältnis von Religion und Naturwissenschaften liefert es aber keine neuen Erkenntnisse, in dieser Hinsicht ist es ein vollkommen überflüssiges Buch.
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am 3. Januar 2006
Hans Küng lebt von seiner medialen Präsenz. Nur so kann er Bücher verkaufen, für die ein unbekannterer Theologe kaum einen Verlag finden würde.

Diese Medienpräsenz treibt oft seltsame Blüten. So wird immer wieder behauptet, auch von seriösen Medien, Küng sei Lehrer von Papst Benedikt XVI gewesen. Das ist krottenfalsch! Josef Ratzinger war seit 1958 (mit 31 Jahren) Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Philosophisch-theologischen Hochschule Freising. Küng war von 1957 bis 1959 Seelsorger an der Hofkirche in Luzern und von 1959 bis 1960 Wissenschaftlicher Assistent an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Münster/Westfalen (damals war Ratzinger schon seit einem Jahr Professor). Danach kam er nach Tübingen. Als Professor in Tübingen machte er sich später für Ratzinger stark und holte ihn an den Neckar. Der heutige Papst war vor seiner Professur in Tübingen Professor in Bonn (1959-1963) und Münster (1963-1966). Ein Lehrer-Schüler-Verhältnis hat nie bestanden (und Küng hat das auch nie behauptet).

Dass Küng den Medien sehr offen, manchmal sogar offen-fordernd gegenüber steht, kann man in Peter Seewalds Benedikt-Biografie eindrucksvoll nachlesen. Dass Küng wegen dem nun erschienen Buch "Der Anfang aller Dinge" vom Papst eingeladen worden sein soll, ist äußerst zweifelhaft. Die beiden kennen sich aus ihrer Tübinger Zeit gut und Küng forderte schon lange ein Gespräch mit dem Papst. Nachdem es mit JP II nicht geklappt hat, wurde er jetzt eben von Benedikt empfangen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Küng fühlt sich gebauchpinselt und der Papst ist plötzlich gar nicht mehr so schlimm.

Große wissenschaftliche Leistungen vollbringt Küng in seinem Werk nicht - allein schon deshalb ist es undenkbar, dass der Papst den emeritierten Professor wegen seines neuen Buches empfangen hat. Küng fasst in seinem Buch lediglich zusammen - wirklich neue Erkenntnisse gibt es nicht. Es ist eine Stimme mehr im Konzert der Diskussion zwischen Theologen und Physikern über die naturwissenschaftlichen Möglichkeiten einer Existenz Gottes. Alles schon einmal gehabt - nur fundierter.

Gottesbeweise oder die Annäherungen an die Beweise für eine Existenz Gottes beschäftigen Physiker und Theologen schon seit geraumer Zeit. Immer mehr stellt man fest, dass die Brücke zur Theologie durchaus in der Mathematik und der Physik liegen könnte. Die Quantenphysik mit ihren Unschärfen bietet ein Ansatzpunkt zur gemeinsamen Diskussion. Dass gerade hier Küng auch seltsam unscharf bleibt, ist enttäuschend. Gerade da, wo es interessant ist, zoomt der Meister der Theologie weg. Weshalb?

Wer sich wirklich ernsthaft mit der Materie beschäftigen will, braucht Küng nicht zu lesen. Empfehlenswert sind die Bücher des Theologen und Elementarphysikers John Polkinghorne, der Meister beider Disziplinen ist und in der Physik nicht nur aus der Sekundärliteratur schöpft. Seine Bücher "An Gott glauben im Zeitalter der Naturwissenschaften" und "Theologie und Naturwissenschaften" sind äußerst lesenswert - und leider vergriffen. In Kürze soll sein Buch "Quantenheorie" herauskommen. Vielleicht erfährt es ja so viel Zuspruch wie Küngs Werk. Kompetenter ist Polkinghorne allemal - nur leider nicht Liebling der Medien wie Hans Küng.
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am 21. Februar 2007
Das Buch gibt sicherlich nicht die großen Antworten, aber es ist absolut lesenswert. Ich habe viele interessante Fakten und Gedanken darin finden können, die ich in dieser Klarheit in noch keinem anderen Buch gefunden habe.

Dem Autor eines "populärwissenschaftlichen" Buches ist der Spagat zwischen Wissenschaft und Dogma gut gelungen. Auch wenn das Buch nicht die Antwort geben kann die mancher Leser gerne darin lesen würden. Dr. Küng gibt aber auf jeden Fall genug Hinweise und Quellen um dieses Buch als Ausgangsbasis für einen langen Diskurs zum Thema zu benutzen.
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