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am 27. Juni 2007
Dieses Zitat aus Stefan Zweigs Essay "Die Monotonisierung der Welt" gilt auch in unserer Zeit fort. Wer glaubt, die indischen und chinesischen Volkswirtschaften könnten uns nicht gefährlich werden, unterschätzt schlichtweg die Macht von mehr als zwei Milliarden Menschen. Der Machtwechsel wird sich nicht schon morgen vollziehen, doch kommen wird er. Seit Jahren ist eine schleichende wirtschaftliche Machtzunahme in Asien festzustellen, bemerkt wird sie jedoch von den meisten erst, wenn Unternehmen dem Preisdruck nachgeben müssen und ihre Fabriken verlagern oder schließen. Das ist eine der Kernaussagen von "Weltkrieg um Wohlstand". Von Beginn des 20. Jahrhunderts angefangen, beschreibt der Autor anschaulich die Verlagerung der wirtschaftlichen Machtzentren von Europa hin zu Amerika und nun den Beginn der Machtübernahme durch China und Indien. Treffend sind die Beobachtungen über den Zustand der westlichen Volkswirtschaften, ebenso wird auf die enorme Umweltverschmutzung, die krassen sozialen Gegensätze in China und Indien sowie ihre potentielle Wirkung auf die ganze Region eingegangen. Man mag sich um einige Aussagen des Buches streiten können. An den grundlegenden und fundamentalen Tatsachen die Gabor Steingart vermittelt, wird man jedoch nicht vorbeikommen können.
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am 1. Oktober 2006
Die Europäer als Abschiedsgesellschaften die ihre beste Zeit hinter sich haben und nur noch versuchen so viel Wohlstand wie möglich so lange zu halten, die Asiaten als Zukunfstgesellschaften die voller Optimismus besseren Zeiten und mehr Wohlstand entgegenstreben. Das zumindest ist eine der Thesen die Spiegel-Redakteur Gabor Steingart in seinem sehr unterhaltsam geschriebenen neuen Buch "Weltkrieg um Wohlstand" vertritt.

Wenn es das Ziel ist, das Problembewußtsein zu schärfen, klar zu machen dass ein "weiter so" keine wirkliche Option für Europa ist, wenn das Buch als Weckruf gedacht ist, dann geht das von Art und Inhalt her ok. Steingart kann mit Sicherheit ein wesentlich breiteres Publikum erreichen als jeder Ökonomieprofessor.

Jedoch wirken Steingarts Ausführungen manchmal recht schrill und überzogen, durchsetzt mit einer Menge Kriegsvokabular. Ein naiv-wehrloses Europa das im Glauben an die reine Lehre der Marktwirtschaft und die Vorteile der Globalisierung gegen ein unfair spielendes China mit siner "gelenkten" Marktwirtschaft den kürzeren zu ziehen droht? Würde man einen einen Blick auf europäische Subvenstionspolitik - besonders im Agrarbereich - werfen wäre das Bild schnell ruiniert. Das tut Steingart nicht.

Die Asiaten in den "Angreiferstaaten" sieht er vor allem als Produzenten die uns Westlern die Jobs streitig machen. Auf ihre Rolle als Konsumenten, das Entstehen neuer Abnehmermärkte, geht er nicht ein.

Das Buch wird Widerspruch provozieren und mit etwas Glück - hoffentlich - eine öffentliche Debatte entfachen.
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am 24. September 2006
so heißt ein Buch vom Ökonomen Paul Krugman, veröffentlicht 1996. Darin zeigt er, dass die Analogie zwischen internationalem Handel und Krieg jeglicher Grundlage entbehrt.

Herr Steingart reiht sich ein in eine Reihe illustrer Autoren, die vom globalen Krieg um Wohlstand erzählen. Meistens verbunden mit einer Anleitung, wie man sich zu wehren hat. Fertig ist der Bestseller. Die inländischen Probleme erklären sich mit Hilfe der internationalen Analyse. Stilisiert formuliert sieht die Argumentationskette folgendermaßen aus:

„Unternehmen verlagern ihre Produktion massenhaft ins Ausland. D.h. Kapital und Technologie wandern von den Hochlohnländern des Westens in den Süden. Dieser Kapitalabfluss und die folgenden Billigimporte zerstören bei uns gut bezahlte Industriejobs und führen zu Arbeitslosigkeit. Außerdem sinken die Löhne. Kurzum, das sich frei bewegende Kapital ist der große Gewinner, der einfache Arbeitnehmer hat das Nachsehen.“

Das ist die Welt in den Augen Herr Steingarts und leider auch vieler anderer Menschen. Nur leider hat das mit der Realität nicht viel zu tun. Warum nicht?

These 1: Es fließen große Menge Direktinvestitionen in Niedriglohnländer.

Das ist schlicht falsch. Direktinvestitionen finden hauptsächlich zur Markterschließung zwischen den Industrieländern statt, nicht zur Produkionsverlagerung. Zugenommen haben die ausländischen Direktinvestitionen nur bis zum Jahr 2000. Danach sind sie wieder gesunken und zwar soweit, dass Deutschland im Jahr 2003 nur 0,6% seiner gesamten Investitionen im Ausland tätigte. Der niedrigste Wert seit 1970.

These 2: Kapital fließt ab, Billigimporte überschwemmen das Land.

Es gibt eine volkswirtschaftliche Identität die immer gilt:

Ersparnisse - Investitionen = Ausfuhren – Einfuhren

Das ist keine graue ökonomische Theorie, sondern buchhalterische Notwendigkeit. Wenn also ein Land mehr spart als es investiert, dann übersteigen seine Ausfuhren auch die Einfuhren. Das Szenario Kapitalabfluss + massenhafte Billigimporte kann es gar nicht geben!

These 3: Arbeitsplätze gehen verloren. Wenn überhaupt, dann nur in sehr geringem Ausmaß. Produktion im Ausland bedeutet gleichzeitig Nachfrage nach unseren Produkten, sowie billigere Importe. Der Nettoeffekt von Auslandsinvestitionen ist nicht einfach zu ermitteln. Die einfache Arithmetik, dass ein zusätzlicher Arbeitsplatz in Land B einen Arbeitsplatz weniger in Land A bedeutet, stimmt nicht.

These 4: Die Löhne sinken, Kapitaleinkommen steigen. Die Verteilung des Volkseinkommen blieb über die letzten 30 Jahre annähernd konstant. 1970 entfielen 68% auf die Lohneinkommen heute sind es 67,4%, allerdings gab es einen bemerkenswerten Rückgang in den letzten 2 Jahren. Der ist aber nicht so einfach auf die Weltwirtschaft zurückzuführen.

These 5: Deutschland verliert Industriearbeitsplätze. Richtig, aber zum überwiegenden Teil liegt das nicht an zunehmender internationaler Verflechtung, sondern am technologischen Fortschritt und am veränderten Nachfrageverhalten der Konsumenten. Wir geben einen immer geringeren Teil unseres Einkommens für Industriewaren aus. Hauptsächlich weil diese relativ zu Dienstleistungen billiger geworden sind. ( Übrigens auch ein Grund für die zunehmenden Unterschiede der Löhne)

Soviel zum ökonomischen Gehalt des Buches. Ärgerlich ist zudem die völlig überzogene Rhetorik: Angreifer, Weltkrieg, Abwehrbündnis, Europa als wirtschaftspolitischer Pazifist. Hier soll offenbar ordentlich Stimmung gemacht werden, bzw. die dahinter liegende Geschichte knackig verkauft werden. So schürt man Angst beim Leser und lässt diesen im Glauben, dass die ganze Weltwirtschaft nichts anderes als ein riesiges, blutiges Schlachtfeld wäre. Nur wer sich behauptet überlebt, die anderen werden untergehen.

Jedoch gibt es keinen Grund anzunehmen, dass dieses Mal etwas anders als in den letzten 200 Jahren sein sollte: Vom wirtschaftlichen Aufstieg einer Nation profitieren andere Länder. Schade, dass ein Mensch der so gewand und anschaulich zu schreiben versteht, nicht mehr Zeit darauf verwandt hat, die ökonomische Logik seiner Argumentation zu überprüfen
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am 26. März 2008
Auf den ersten Blick hin thematisiert das Buch, was wir ohnehin wissen.
Es gibt auf- und es gibt absteigende Nationen/Regionen.
Dass wir zu den letzteren gehören wird erst aus einer philosophischen Perspektive
aus tröstlich.
Auf den zweiten Blick ist das Buch noch viel interessanter.
Wir erfahren - ein Umstand, der mit historisch noch zu wenig beleuchtet erscheint -
dass die Kolonisierung im ökonomischen Sinn ein Fiasko war und mit der politischen
Ausweitung der Hemisphäre ein tatsächlicher Abstieg der Kolonialmächte verbunden
war; wir erfahren auch, dass das China Mao Tse Tungs im Gegensatz zur Sowjetunion
und ihren Satelliten, welche alle einen kleinen Boom erlebten, keinerlei realen
Fortschritt erlebt hat. Wir können auch die Geschichte Indiens verstehen: den
britischen Kolonialismus. der die Entwicklung des Landes blockierte, was zur Folge
hatte, dass sich das befreite Land stattdessen der damals noch nicht in der
Stagnation versunkenen Sowjetunion zuwandte - was die Entwicklung des Landes für
weitere Jahrzehnte verhinderte.
Es sind solche Analysen, welche den Wert des Buches ausmachen, welche einen nüchsternen
Blick auf die nahem Geschichte und die Gegenwart erlauben.
Interessant auch die Anmerkungen über Ricardo für die Freunde der politischen Ökonomie.
Weniger überzeugend erscheint die Abqualifizierung von Marx, denn die methode des
Buches, welche die wahrheit der Geschichte, ihre Substanz in den ökonomischen Prozessen
entdeckt, ist in einem guten Sinne marxistisch.
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am 22. November 2006
Die Entwicklung und Auswirkungen der Globalisierung auf unsere Gesellschaft

„Weltkrieg um Wohlstand“ wurde in einer Zeit veröffentlicht, in der Angst und Ungewissheit mit dem Wort Globalisierung verbunden werden. Dieses Buch, mal zu recht und mal zu unrecht, probiert dem schwammigen Begriff der Globalisierung durch Fakten, Vermutungen, zumal auch falschen, und häufigen Übertreibungen Substanz zu verleihen.

Gabor Steingarts Buch beginnt mit den Ursprüngen der Globalisierung, auch unter dem historischen Begriff des Imperialismus bekannt. Der Vorsprung des Westens in Wissenschaft und Technologie, die erst die Überlegenheit und somit auch die Ausbeutung der Kolonien ermöglicht hat, wird dargestellt. Zum anderen werden auch die erodierenden Kräfte solche einer ausbeuterischen Globalisierung des Einflussbereichs des Westens zufrieden stellend dargestellt, die Rückschlüsse auf Niedergang von Nationen und Aufstieg andere zu lassen.

Im weiteren Kapitel bezieht sich der Autor auf Amerika, dem Grund des amerikanischen Jahrhunderts und seinem möglichen Ende. Dieser wird mit politischen (z.B. Weltkriege) wirtschaftlichen (z.B. Weltwirtschaftskrise, Wirtschaftspolitik) und psychologischen (z.B. Pioniergeist) Entwicklungen zumeist zutreffend begründet und erklärt.

Im nächsten Kapital wird der Aufstieg der so genannten „Angreiferstaaten“ dokumentiert.

Zusammenfassend kann man einen erfolgreichen komprimierten ersten Teil des Buches, der sich mit der Entwicklung des Weltgeschehens in Hinblick auf die Globalisierung befasst, erkennen.

Im Hauptteil des Buches werden die „Methoden, mit denen die Angreiferstaaten die Globalisierung zu ihren Gunsten gestalten, und deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft genannt und mit Fakten untermauert.

Stichworte seien hier Protektionismus, Lohndumping, moderne Piraterie und Wettbewerb um Intelligenz.

Insbesondere hier weißt das Buch aufgrund seiner Art, der Übertreibungen und Zuspitzungen, Schwächen auf. Viele Zusammenhänge erscheinen nicht einleuchtend oder pessimistisch.

So ist zum Beispiel von einer erhöhten Kriegsgefahr die Rede, die aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs vorhanden ist? Ist jedoch nicht die umgekehrte Überlegung (Armut erhöht das Unbehagen) sinnvoll?

Im letzten Teil des Buchs erörtert der Autor mögliche Handlungsszenarien des Westens um im „Weltkrieg um Wohlstand“ nicht als Verlierer dar zu stehen.

Abgesehen von sinnvoller Ideen und Ansätzen sowohl auf nationaler (Umgestaltung des Steuersystems, sprich die Finanzierung durch indirekte Steuern) als auch auf europäischer (Kräftebündlung der EU, und Homogenisierung gewisser Normen) Ebene, erscheinen andere Gedankengänge, insbesondere die Freihandelszone mit den Vereinigten Staaten, als nicht sinnvoll. Die Freihandelszone mit den Vereinigten Staaten von Amerika sollte man als protektionistisches Mittel verstehen! Hat aber nicht gerade die liberale Haltung Aufschwung und Wohlstand ermöglicht? Und was würde die Weltgemeinschaft auf solch ein Vorhaben antworten. Würden sich die „Angreiferstaaten“ nicht politisch diskriminiert fühlen? Und was würde Russland und die südamerikanische Länder darauf antworten?

Den politischen Folgen solch eines einseitigen Clubs wird keine Beachtung geschenkt.

Wie im dem vorhergehenden Kapital treten frequentiert Unklarheiten und pessimistisches Aussichten auf. Die Vorteile der Globalisierung, insbesondere der Aufstieg Chinas und Indiens und deren positive Wirkung auf unsere Gesellschaft (Deutschland als Exportweltmeister) werden nicht gewürdigt.

Somit erscheint das Buch sehr einseitig und pessimistisch, was wohl möglich die Intention des Buches ist.

Deshalb drei Sterne!
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am 26. Oktober 2006
Gabor Steingart ist ein blütenreiner Journalist, mit allen Vor- und Nachteilen. Diese spürt man zwiefelsohne in seinem neuesten Buch, das spannend und interessant geschrieben wurde, dem aber oft der Tiefgang und die Präzision fehlt.

Das erste Drittel des Buches ist eine Art Schnellkurs durch die Weltgeschichte der Politik und der Wirtschaft. Dabei geht Steingart nie auf die kompletten Hintergrundsgeschichten ein sondern reißt ein Thema kurz an, liefert aus seiner Sicht 2-3 prägende Argumente, und galoppiert schnell wieder weiter zum nächsten Reißerthema. Dabei macht er, wie ich finde, einen entscheidenden Fehler: Er sucht immer nur nach Punkten, die seine Thesen unterstreichen, ignoriert aber andere, wesentliche Aspekte. Die Kürze der vielen Bereiche möchte ich ihm nicht vorwerfen, sie machen das Buch leicht und interessant lesbar, vorallem bei Bereichen die einen selber nicht so brennend interessieren oder die man schon auswendig kennt.

Das zweite Drittel gehört einzig und allein der "Bedrohungsanalyse" aus Fernost. Es sind spannend erzählte Dinge, die in diesem Kapitel alle einen Sinn machen, aber es ist auch nicht viel neues dabei.

Das schwächste Drittel des Buches ist das letzte. Allesamt Themen, die schon hundert Mal aufgeschrieben wurden, werden hier einfach ein wenig anders zusammengesetzt, ohne das was Neues dabei herauskommt. Man hat das Gefühl, Steingart hat sich einfach ein paar Textbausteine aus seinem letzten Buch herauskopiert, damit er nicht allzuviel Arbeit damit hatte. Schade.

Fazit: Entgegen manch anderem Buch, welches sich des Themas der Weltwirtschaft annimmt, können dieses Buch auch politisch oder gesellschaftlich interessierte Menschen gut und flüssig lesen. Steingart verzichtet auf die Fachsprache der Volkswirtschaft, um bildlich auf dessen Probleme hinzuweisen. Liest man z.B. ein Buch von Professor Sinn (egal ob man dessen Meinungen teilt oder nicht), verliert man oft die Lust, weiter am Ball zu bleiben da dieser doch tief in die Kiste der VWL greift. Steingart ist Journalist, man merkt dem Buch das "reißerische" an, allerdings beschleicht einem dabei immer das Gefühl, nicht über alle Zusammenhänge kompetent und ausführlich informiert zu werden.
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Der Volkswirt und Politikwissenschaftler Gabor Steingart arbeitet seit 1990 für den Spiegel, u.a. als Ressortleiter Wirtschaft. Seit 2001 ist er Leiter des Hauptstadtbüros.

Vor ein paar Jahren erschien sein Bestseller "Deutschland " Abstieg eines Superstars".

Das Cover des Buches macht rein optisch den Eindruck als glühe die Welt Lava rot. Das ist sicher nicht nur ein Einfall des Graphikers, sondern das Buch zeigt relativ drastisch Bedrohungsszenarien, in denen sich die Welt, insbesondere die westliche Welt befindet. Der selbstverständliche Reichtum ist Schnee von Gestern und die Vorherrschaft von Amerika und Europa geht mit Sicherheit zu Ende. Die Sowjetunion sah zunächst keiner gehen, die Asiaten hörte kaum jemand kommen.

"Weltkrieg um Wohlstand", wobei Weltkrieg sicher mehr als Methaper gemeint ist, da steht der noch so genannte "Ferne Osten" im Zentrum. Besonders von zwei Ländern ist die Rede, nämlich China und Indien. Der Autor bezeichnet diese beiden Länder als brutale "Angreiferstaaten". Die "Angreiferstaaten und die Abschiedsgesellschaft spiegeln sich ineinander".

Es gibt eine Welt vor dem Markteintritt Chinas und es gibt eine danach. Der Westen war seit 150 Jahren eine in sich geschlossene Welt. Mit dem Beginn der Industrialisierung waren die westlichen Länder unter sich, die übrige Welt wurde von England, Frankreich, Belgien, Deutschland und Italien entweder in Kolonien unterjocht oder von der Welt abgeschlossen. Zuletzt waren in der westlichen Welt mit Amerika rund 450 Millionen Menschen in Beschäftigungsverhältnissen. Seit Mitte der siebziger Jahre kamen mit China, Indien und anderen asiatischen Staaten, 1,5 Milliarden Menschen dazu, die auch nach Arbeit greifen, jedoch zu ganz anderen Bedingungen. Das hat die Weltarbeitsmärkte grundlegend verändert. Der Aufstieg der beiden asiatischen Giganten, China und Indien, ist die wichtigste Entwicklung der Gegenwart. Der Autor fordert mit Nachdruck:" Die weltpolitische Aufgabe der kommenden Jahrzehnte wird darin bestehen, den Aufstieg Chinas statt als globale Machtverteilung, als moderaten Prozess zu gestalten". Und dazu gehört es als oberstes Anliegen, China in die Regelsysteme des Westens hineinzubringen. Vor allem hat sich China an die Einhaltung des "Copyright" zu halten. Eine politische Antwort auf diese Globalisierung ist nötig, die Zuschauerrolle kann nicht die Antwort sein. Die fünf Dollar pro Tag Arbeiter treten hier in unübersehbarer Überzahl gegen die 15 Dollar pro Stunde Arbeiter an. Es handelt sich hier nicht um eine Wiederkehr des Japansyndroms, denn allein bei China reden wir über eine drei bis vierfache Größe Europas, hinzu kommt Indien. Steingart fordert eine mitleidlose Bedrohungsanalyse, damit der Westen reagieren kann. "Die asiatischen Angreiferstaaten meiden Feld der ideologischen Auseinandersetzung, sie führen mit dem Westen keine Debatten über Gleichheit und Gerechtigkeit, sie stoßen keinen Drohungen aus. Sie sind lautlose Gegner". Im Moment muss China die Regeln des Westens in irgendeiner Form akzeptieren. In absehbarer Zeit wird das nicht mehr der Fall sein. "Dann fangen die Lektionen für den Westen an".

Wie soll man also reagieren? Freihandelspolitik ist sicher der verkehrte Weg, deshalb empfiehlt der Autor eine Kontrolle der Handelsströme, eine Handelspolitik nach dem Muster "negotiated trade". China greift strategisch an, mit einer unterbewerteten Währung, einer gelenkten Marktwirtschaft und einem riesigen Exportförderungsprogramm. Doch das Land hat auch enorme ökologische Probleme, so dass ein stetes dahingleiten mit billigen Preisen auf die Dauer sicher nicht gut gehen kann. Anders bei Indien, das zwar 1947 dem Mittelalter näher war als dem Industriezeitalter, zwischenzeitlich enorm aufgeholt hat und auf Grund seiner demographischen Struktur als wahrer Konkurrent für China bisher unterschätzt wurde. Die Inder sind Experten in Sachen Software und so befindet sich der wichtigste "Rohstoff des Landes in den Köpfen seiner noch jungen Bevölkerung".

Die demographischen Strukturen sind ein Teil des Sozialtrakts und deshalb gibt die mitleidlose Globalisierung kein Geld für den deutschen Sozialstaat aus. Darin liegt die Gefahr für die Arbeitsplätze. Reformen sind dringend notwendig, denn wenn wir es nicht schaffen den Sozialstaat anders zu finanzieren als über die Arbeit, dann werden die bei uns produzierten Waren an der Verkaufsfront keine Chance mehr haben.

Gabor Steingart fordert verlässliche Rahmenbedingungen auf den Weltarbeitsmärkten. Und was bei Umweltschutz möglich war, das muss auch hier möglich sein. Wer den "Handelskrieg" verhindern will muss frühzeitig Strategien für eine Gegenwehr durch eingehende Analyse herausfinden. Es muss möglich sein, den heute "Dritt Welt Staaten", die vornehmlich im unteren Lohnbereich attackieren, Verpflichtungen aufzuerlegen. Steingart reflektiert auch über die Empfehlungen, dass Europäer und Amerikaner durch Gründung einer europäisch-amerikanischen Freihandelszone wieder dichter zueinander rücken. Eine "Megafusion" der Märkte könnte eher in Fernost entstehen, deshalb kann eine Freihandelszone den Aufstieg der Asiaten nicht verhindern.

Ein fesselndes Buch, weil der Autor mit großer Präzision und Schonungslosigkeit, mit einer extrem somnambulen Klarsichtigkeit, die Geschichte, den Ist-Zustand und die Zukunftsszenarien analysiert. Das Buch hat eine unglaubliche Sogkraft, man sollte es sich nicht entgehen lassen.
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am 10. Januar 2007
Es ist ein - aus meiner Sicht - notwendiger und gelungener Einstieg in ein sicherlich komplexes Thema. Solche Themen zu vermitteln ist, wie wir jeden Tag sehen, für die meisten Menschen (inklusive Politker) nicht leicht.

Das Ziel des Buches kenne ich nicht, aber es hat mich betroffen gemacht. Ich finde die angerissenen Ideen gut. Besonders die mit der neutralen Umlegung der Lohnnebenkosten auf die Mehrwertsteuer um damit auch die Chinesischen Produkte zu erfassen (kann sofort gemacht werden) und ganz besonders die mit der "Wertegemeinschaft". Wollen wir wirklich Produkte kaufen, die zu solch unmenschlichen Bedingungen hergestellt werden, nur um einen dritten TV, DVD player o.ä. zu besitzen (aber gleichzeitig arbeitslos in Deutschland werden, von der Perspektivlosigkeit für unsere Kinder ganz abgesehen)? Aus meiner Sicht einfach und verständlich hingeführt!

Was mir fehlt ist die "Zusammenfassung" am Ende in denen nochmal die wesentlichen 5 Aktiväten als "to do" zusammenhängend auf 2 Seiten beschrieben werden (deshalb auch nur 4 Sterne).

Wenn man den Autor als Pessimist bezeichnet (und damit selbst zum Pessimist wird) hilft das Deutschland gar nicht: Ist es nicht besser nur eine 80% Lösung zu erreichen als ein 100% Lösung nie - und ist dass nicht das Problem in Deutschland? Wenn das Buch dazu beiträgt, Problembewusstsein zu schaffen und Aktivitäten auszulösen, dann ist es das beste Buch überhaupt!
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am 14. Oktober 2006
Gabor Steingart ist ein talentierter Journalist, der im Nebenfach auch zwei oder drei Vorlesungen in VWL gehört hat -und genauso schreibt er auch:

Spannend, gut zu lesen, eine schöne Story, nur stimmen tut's eben nicht.

Steingart unterlaufen so ziemlich allen typischen Laiendenkfehler:

Weder verteilt sich Produktion ausschließlich nach dem Lohn für unqualifizierte Arbeit, noch führen rationale Länder Wirtschaftskriege noch ist die Weltwirtschaft ein Nullsummenspiel, bei dem einer nur reicher werden könnte, wenn die anderen ärmer werden.

Sind die Argumente schon falsch, scheinen die Zahlen mehr oder weniger frei erfunden: Quellennachweise gibt es entweder gar nicht oder die Quellen sind nicht seriös. Gerne interpretiert Steingart in Statistiken auch Hypothesen hinein, die dise beim besten Willen nicht hergeben-Hauptsache, die Story passt.

Steingart spielt mit hysterischen Laienängsten, und untermauert sie mit neoliberalem Tremolo, das wohl den persönlichen Ueberzeugungen des erklärten Angela-Merkel-Fans entspricht. Damit wird sich das Buch gut verkaufen, denn es greift Gefühle und Ressentiments auf, die viele Menschen teilen, insbesondere an den Stammtischen der Besitzenden. Wer hingegen wirklich etwas über das Funktionieren der Weltwirtschaft erfahren will, der sollte seine Nerven schonen und besser zu einem Buch von Paul Krugman greifen.
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am 10. Mai 2008
Dieses Buch gibt in angenehm lesbarer Form Einblick, warum der deutsche Mittelstand immer weniger in der Tasche hat und immer mehr Menschen unverhofft in den sozialen Abstieg geraten.

Die globalen Kausalitäten, denen sich Deutschland nicht verschließen kann, erzwingen von uns die Bereitschaft, uns anzupassen. Wer dieses Buch unvoreingenommen ließt, versteht die Zusammenhänge, die uns unsere einzig an Machterhalt interessierten Politiker verschweigen.

Machen Sie sich ein Bild, wie wir die Zukunft gestalten können und alle Bevölkerungsschichten statt des jetzigen, schleichendes Verfalls wieder eine Chance haben, von der Globalisierung zu profitieren.
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