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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rundumschlag, 12. Mai 2003
Einer der großen Denker des vergangenen 20. Jahrhunderts ist in diesem Buch aus allen Winkeln, allen möglichen Perspektiven beleuchtet. Denn um die Philosophie eines Herrn Jaspers zu verstehen, genügt nicht das einfache lesen von Zweitquellen, ist dies auch manchmal einfacher. Um Karl Jaspers richtig zu verstehen muss man sein Leben, seinen Werdegang, seine privaten Gedanken kennen- und nicht zuletzt sein philosophisches Meisterwerk.
In "Was ist der Mensch?" ist der anspruchsvolle Spagat zwischen spannender Biographie und spannender Philosophie klar gelungen, d.h. der Leser gewinnt einen Einblick in Jaspers gesamtes Leben- ja, sogar die Themen, welche behandelt werden reichen von Geburt, über Bewusstsein, hin zum unvermeidbaren Tod!
Im Klartext: Philosophiebegeisterte und -einsteiger zugleich werden an diesem Band ihre helle Freude finden, denn zwischen den Originaltexten Jaspers befinden sich immer wieder praktische Zusammenfassungen seiner Aussageintension.
Über die Biographie, eine Einführung in die Philosophie, bis hin zu den wichtigsten Themen jener ist das Buch komplett, vollständig und abgerundet.
Zudem schreibt Jaspers eigenwillig, ABER sehr verständlich und klar, bis auf wenige Sätze und Phrasen, die es näher zu durchdenken gilt. Ohnehin ist der Anspruch HINTER den Werken äußerst hoch, denn ausgehend von der Annahme, dass der Leser gewillt ist selbst zu denken und zu ein wenig zu philosophieren, entfaltet sich Jaspers Lebenswerk auf rund 400 Seiten schönstem Papier aus dem Verlag Piper, welchen ich immer wieder gerne empfehle, da er eine gewisse Ebene, einen gewissen Anspruch aufrecht zu erhalten gesucht.
5 Sterne für den vollen Philosophieein- und -durchblick!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wer kein Geheimnis mehr kennt, sucht nicht mehr." ( Karl Jaspers), 2. April 2008
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Der Philosoph und Psychiater Karls Jaspers( 1883-1969) entwarf vor allem von S. Kierkegaard beeinflusst seine Philosophie der Existenz. Wie dem vorliegenden Buch zu entnehmen ist, zielt diese vor allem auf Existenzerhellung, die in Grenzsituationen des Lebens wie Schuld, Kampf, Leid und Tod möglich wird. Angesichts dieser Situationen leuchtet der Sinn unseres Daseins auf: Gelassenheit, Verantwortung, Liebe und Glück.
In : " Was ist der Mensch? ", Untertitel: Philosophisches Denken für alle, zeichnet Karl Jaspers zunächst ein feinfühliges Selbstportrait, dem sich eine kurze Beschreibung seines Weges zur Philosophie anschließt.
Anschließend beantwortet der Philosoph die Frage, was Philosophie eigentlich ist, thematisiert die Wechselbeziehung zwischen Philosophie und Wissenschaft, geht auf die Ursprünge der Philosophie ein und unterscheidet hier zwischen historischen Anfängen und den Quellen aus denen der Antrieb zum Philosophieren kommt.
Es ist unmöglich auf alle Texte Jaspers und alle Kommentare Hans Saners, des Herausgebers dieses Buches einzugehen, weil dies den Rahmen der Rezension sprengen würde. Leider!
Mit großem Interesse habe ich Jaspers Betrachtungen zur philosophischen Lebensführung gelesen. Er sieht zwei Wege: zum einen den der meditativen Besinnung, zum anderen den der Kommunikation. Selbstreflektion, transzendierende Besinnung und Besinnung auf das, was gegenwärtig zu tun ansteht, lehrt die Macht des Gedankens.
Denken selbst ist für den Philosophen der Beginn des Menschseins. Jaspers verdeutlicht, dass Philosophieren an die Grenzen der Verstandeserkenntnis drängt, um sich zu entzünden. Er konstatiert, dass derjenige, der meint alles zu durchschauen nicht mehr philosophiert, weil derjenige, der kein Geheimnis mehr kennt, nicht mehr sucht.
Nicht unerwähnt lässt Jaspers, dass die Philosophie keine Lehre im Sinne von Vorschriften ist unter die die Einzelfälle des täglichen Lebens subsumiert werden können. Diesen Satz sollte man rot anstreichen, denn sein Inhalt wird oft vergessen, was nicht selten zu unergiebigen, pseudointellektuellen Diskussionen führt.
Bevor Jaspers die Grenzsituationen, die ich in meiner Rezension eingangs erwähne, näher beleuchtet, definiert er die Begriffe Grenze und Situation.
Grenzsituation sind für ihn immer seiende, unwandelbare Situationen, die mit dem Dasein selbst gegeben sind. Die einzelnen Grenzsituationen werden im Anschluss daran näher beleuchtet und versucht den Sinn dieser Situationen zu erhellen.
Alle Wege des philosophischen Lebens und des Denkens führen an diese Grenzen, an denen die Möglichkeiten des Menschen aufleuchten, die mehr als bloßes Dasein sind.
Als Kern aller erfüllenden Möglichkeiten sieht Jaspers die " Existenz ". Er definiert in der Folge, was man unter ihr zu verstehen hat und kommt zum Ergebnis, dass Existenz nur in Kommunikation von Existenzen stattfindet. Jaspers verquickt die Philosophie der Grenzsituationen mit der Philosophie der Kommunikation und zeigt u. a. die Wechselwirkung, zwischen Einsamkeit und Kommunikation, aber auch zwischen der Liebe und Kommunikation. Ich möchte in diesem Zusammenhang einige Sätze zitieren, die viel über das einfühlsame, reflektierte Denken Jaspers aussagen: " Ohne existentielle Kommunikation ist alle Liebe fragwürdig. Wenn auch die Liebe nicht begründet, so ist sie doch keine Liebe, die nicht in Kommunikation sich bewährt. Wo Kommunikation endgültig abbricht, hört Liebe auf, weil sie Täuschung war; wo sie aber wirklich war, kann die Kommunikation nicht aufhören, sondern muss ihre Gestalt verwandeln. Kommunikation ist die von der Liebe erfüllte Bewegung im Zeitdasein, welche auf das Einswerden zu gehen scheint, aber im Einsgewordensein aufhören muss. Das Zweisein lässt die Liebe nicht zur Ruhe kommen."( S. 187)
Für Jaspers ist die Philosophie der Existenz eine Philosophie der Freiheit und zwar Freiheit im Aneignen der Grenzsituationen aber auch im Prozess der Kommunikation,
Weiter beleuchtet Jaspers, ob eine philosophische Ethik möglich sei und bejaht dieses. Für die Lüge gilt: " Du sollst dich nie selbst belügen" und " Du sollst niemals Menschen belügen, mit denen Du in Kommunikation verbunden bist ". Saner verdeutlich, dass diese Sicht
letztlich in eine Doppelmoral führt, weil sie die " Binnenmoral" der Intimität von der relativen Außenmoral der Gesellschaft abspaltet.

Jaspers lotet in der Folge den Handlungsbegriff aus und befasst sich mit ethischen Sätzen und Rechtssätzen um schließlich das absolute Bewusstsein als Liebe und Phantasie als Spiel sowie als Gelassenheit zu beschreiben.
Es ist unmöglich im Rahmen der Rezension diesen Themen komplex breit gefächert zu erläutern. Ein Sinn der Lebens ist für Jaspers, wie eingangs bereits erwähnt die Liebe, als " die unbegreiflichste, weil grundloseste und selbstverständlichste Wirklichkeit des absoluten Bewusstseins."( S. 216)
Sie ist für ihn unendlich, hellsichtig, bedeutet Aufschwung und gegenwärtige Befriedigung und ist als erfüllte Gegenwart nur Gipfel und Augenblick, sie ist als Wiederholung Treue, ist Selbstwerden und Selbsthingabe. Jaspers hält fest: "Wo ich mich wahrhaft ganz, ohne Rückhalt, gebe, finde ich mich selbst. Wo ich mich auf mich selber wende und Reserven festhalte, werde ich lieblos und verliere mich. Die Liebe hat ihre Tiefe im Verhältnis von Existenz zu Existenz."( S.217)
Diese Liebe, wie auch die Phantasie, das Spiel und die Gelassenheit zu leben sind der Sinn unseres Daseins.
Im Buch wird des Weiteren Jaspers mythisches Denken abgehandelt und die Frage nach der Transzendenz ausgelotet, die ich an dieser Stelle nur erwähnen möchte, weil kpoac sie vermutlich ausführlich abhandeln wird.
Der ethische Anspruch von Jaspers Philosophie hat bei ihm zur politischen Kritik geführt. Er wandte sich aufgrund dessen gegen totalitäre Systeme und gegen die freiheitsgefährdende Atompolitik der Weltmächte.
Mit großem Interesse habe ich Jaspers Betrachtungen zu den Schuldbegriffen zum Ende des Buches gelesen.
Er untergliedert in kriminelle, politische, moralische und metaphysische Schuld. Durch diese Unterscheidung wird der Sinn von Vorwürfen geklärt. Jaspers macht dabei u. a . klar, dass beispielsweise politische Schuld zwar Haftung aller Staatsbürger für die Folgen staatlicher Handlungen beinhaltet, jedoch nicht kriminelle und moralische Schuld des einzelnen Staatsbürgers in Bezug auf Verbrechen , die im Namen des Staates begangen werden. Durch die Differenzierung des Schuldbegriffes möchte der Philosoph vor " Flachheit des Schuldgeredes" bewahren.
Er zeigt , wann politische Schuld zur moralischen wird und hält fest, dass dort, wo Macht sich nicht begrenzt Gewalt und Terror herrscht und am Ende die Vernichtung von Dasein und Seele.
Deshalb müssen Bindungen gelten, damit Gewalt und Terror nicht durchbrechen, weil Bindung letztlich Verzicht auf Willkür bedeutet. Dennoch wird immer ein Rest von Gewalt bleiben, dessen muss man sich bewusst werden.
Jaspers resümiert in diesem Zusammenhang: " Es ist eine Täuschung, dass das Recht als solches sich zuverlässig durchsetze. Wie auch Wahrheit, und nicht nur die Unwahrheit einen Advokaten braucht, so braucht Recht Macht, die schon die Macht des Rechts selber ist."( S.367)

Ein interessantes Buch, das folgende Fragen klug beantwortet: Was ist der Mensch? Was ist Philosophie? Was bedeutet Transzendenz und was vermag die Philosophie in dieser Welt?

Empfehlenswert! Hoffentlich wird es bald wieder neu aufgelegt!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Definitiv eine gute Einführung, 23. Juli 2004
Ich kann mich meinen Vorgängern wirklich anschließen, da dieses Werk das beinhaltet, was nicht nur für den einzelnen, sondern die gesammte Menschheit wichtig ist, nämlich die Vernunft und den Willen zur Wahrheit.
In "Was ist der Mensch?" finden sich umfassende und gutgewählte Beispiele aus seinem Werk. Nicht nur als Philosoph, sondern auch als Philanthrop soll er gesehen werden. Mich faszinierte Jaspers Einstellung nach dem alleszerstörenden Faschismus, da er zwar ebenfalls die Nachkriegsgesellschaft mit ihren hinfälligen Moralvorstellungen kritisierte, nicht aber dem allgemeinen Nihilismus verfallen ist, wie es andere Existenzphilosophen taten.
"Was ist der Mensch?" bietet eine fabelhaften Überblick über Jaspers' Leben und die Dinge, die ihn prägten, wie die vom kaiserlichen Elitarismus geprägte Schule, der er als Rebell gegenüberstand, bis hin zum passiven Widerstand gegen das Hitlerregime.
Ich möchte nicht alles verraten, da ich Interessierten nicht die Freude nehmen will. Das Buch ist auf jeden Fall den Kauf Wert
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Gnothi seauton - Erkenne dich selbst" (Homer, Ilias 21, 461), 2. April 2008
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Was ist der Mensch? (Gebundene Ausgabe)
"Vor allem aber werden wir durch die Größe der Welt, die die Philosophie betrachtet, selber zu etwas Größerem gemacht und zu jener Einheit mit der Welt fähig werden, die das größte Gut ist, das man in ihr finden kann". (Bertrand Russell)

Dieses Russell Zitat aus den "Probleme[n] der Philosophie" besticht in der Gesamtsicht auf Jaspers. Das hier zu besprechende Buch: "Was ist der Mensch?" ist ein Lesebuch über Jaspers und sein Werk, liebevoll und bestens zusammengestellt und je Kapitelanfang zusammenfassend kommentiert von Hans Saner. So beginnt dieses Lesebuch mit einem Selbstporträt, mit dem Suchen und Finden des Menschen Jaspers aus der Familie heraus in seine persönliche und berufliche Perspektive, von der Jurisprudenz über die Medizin zur Psychiatrie und von dort in den Hafen der Einheit der Welt. Seiner Philosophie. Dieser ist er von klein an verpflichtet, verpflichtet im Sinne der Wahrheit: "Wahrheit, deren Richtigkeit ich beweisen kann, besteht ohne mich selber. [...] Wahrheit, aus der ich lebe, ist nur dadurch, dass ich mit ihr identisch werde". Mit dieser Maxime aus dem Elterhaus besteht Jaspers (1883-1969) sein Leben als Schüler, als Student, als Arzt, als Professor, als Mann einer jüdischen Frau über alle Wirren des Lebens und des Krieges. Zuversicht und Glaube sind tragfähige Begleiter, die niemals seinen Mut in der Sache und zu sich selbst in Frage stellten. Sein Weltbild ist eines der Liebe in universaler Kommunikation. "Was sich nicht in Kommunikation verwirklicht, ist noch nicht, [...] ist ohne genügenden Grund. Die Wahrheit beginnt zu zweien". Die Forderung: "sie rückhaltlos wagen" (121).

"Da der Mensch ein denkendes Wesen ist, muss die Wahrheit irgendwann an ihn gelangen. Wenn der Augenschein dagegen steht, trauen wir diesem Augenblick nicht. Mag er übermächtig im Augenblick sein, am Ende trügt er" (393). Mit diesem unverwüstlichen Optimismus entlässt uns Saner / Jaspers aus seiner Gedankenwelt, in der er uns Lesern erklärt was Philosophie ist, Was der Mensch ist. Wir lernen über Transzendenz, Gott und philosophischen Glauben und letztendlich über das Vermögen der Philosophie in dieser unserer Welt. Wer so wie Jaspers der Wahrheit verpflichtet ist, ist es letztendlich auch der Vernunft. Bei Kant lesen wir, "[d]aß, um ein moralisch guter Mensch zu werden, es nicht genug sei, den Keim des Guten, der in unserer Gattung liegt, sich bloß ungehindert entwickeln zu lassen, sondern auch eine in uns befindliche entgegenwirkende Ursache des Bösen zu bekämpfen sei, das haben unter allen alten Moralisten vornehmlich die Stoiker durch ihr Losungswort T u g e n d, welches sowohl im griechischen wie im lateinischen Muth und Tapferkeit bezeichnet [...] zu erkennen gegeben" und Jaspers zeigt in den Belangen zur Wahrheit genau diese stoische Tugend.

Im umfangreichsten Teil geht er der Frage nach dem Menschen, seinen Möglichkeiten und Grenzen nach. Seine Ansicht von der Grenzsituation als geschichtlicher Bestimmtheit von Existenz erläutert er bravourös an Hand von einzelnen Grenzsituationen wie Tod, Leid, Kampf und Schuld. Immer wieder geht es um die Existenz, verstanden nicht als Sosein, sondern als Seinkönnen. Sosein, welches zeitlos und ewig ist im Gegensatz zur Existenz, welche mit Zeitbezug Gültigkeit hat. Sein ist das Vollkommene; Existenz ist im Fluss, also werdend. Kongruenz der Sichtweise findet man bei Platon, bei Cicero wie bei Russell. Für Jaspers gilt im Besonderen, dass das Fragmentarische, das Unvollendbare die Überlegungen zu den Möglichkeiten und Grenzen des Menschen definiert. Für Saner ist diese Philosophie der Existenz wesentlich eine Philosophie der Freiheit: "Freiheit im Aneignen der Grenzsituationen und im Prozess der Kommunikation" (188).

Die Ausführungen zur Transzendenz sind in jeder Hinsicht eine Bereicherung für die aktuelle Diskussion um Vernunft und Religion, von Meinen, Glauben, Wissen (vgl. Kant, Kritik der reinen Vernunft). Vom mythischen Denken zum philosophischen Glauben, über die Fragen nach dem einen Gott, dem persönlichen Gott und dem Mensch gewordenen Gott. Über Schweigen als Vollendung der Sprache und über Gott, der den "Menschen mit der größten persönlichen Unabhängigkeit im Ringen mit diesem Gott entstehen" ließ (262) und gegen die Menschenvergötterung als Irrtum. Die Fragen nach dem Christentum und dem Offenbarungsglauben muten in Antworten an, Vorläufer von Drewermann 2008 zu sein. Für Jaspers galt als "[d]as Verbindende [ist] die von Vernunft durchglühte biblische Religion, die niemand für sich allein hat" (273).

Die Frage nach dem Vermögen der Philosophie zeigt Zeitbezug in den Aussagen, sei es von der Schuldfrage bis zur Notstandsgesetzgebung, von der Achsenzeit, der Demokratie bis zum Problem des Weltfriedens, hier lässt Jaspers Originalität erkennen wie auch dauerhafte Einsichten für den Leser. Hannah Arendt nannte ihn nicht unwidersprochen den würdigen Nachfolger Kants, einen wirklichen Existentialisten und auch der Rezensent sieht ihn als "Mensch in der der Revolte" (Camus), "in der der Mensch sein eigenes Sein forderte"(88) doch sich dem Werden völlig unterwarf. " Der Mensch gewinnt noch nicht die Gewissheit, sondern den Willen zur Gewissheit, [...]", so Camus (90)

Philosophie beschäftigt sich mit den Dingen, die Jenseits der Erkenntnis liegen. Die Ursprünglichkeit ist die Voraussetzung allen Begründens. So begann Thales mit der Philosophie. Sobald Erkenntnis erlangt war in einem Gebiet, wurde es freigelassen aus dem Schoß der Philosophie in die Eigenständigkeit. Es entstanden Mathematik, Naturwissenschaften, Kunst, Musik u. a. Erkenntnistheorie und Logik gelten noch heute als angestammte Gebiete der Philosophie wie das Streben an sich, jenseits der Physik, Wahres im Transzendenten zu erkennen. Die Aufgabe der Philosophie wird zunehmend ein Kommunikationsprozess sein, ein interdisziplinärer Schmelztiegel zur Erweiterung des Wissens, der Erkenntnis und des ethischen Handels in und mit diesen ohne die Fragen der Metaphysik und Religion außer Acht zu lassen. Im Sinne Russells ist auch Jaspers Empfehlung, Philosophie so zu betrachten, steht doch auch er für die Einheit des Ichs mit der Welt als Ganzes. Sein lebenslanges Streben gilt einer Weltphilosophie, die alle Menschen im Kantschen Sinne zum ewigen Frieden anleitet in der Fähigkeit, eins zu werden mit der Welt.

"Unser Zeitalter ist das der Simplifikationen. Die Schlagworte, die alles erklärenden Universaltheorien, die groben Antithesen haben Erfolg" (327). Wie wahr scheint diese Aussage angesichts der immer flacher werden Diskussionen und der zunehmend bildhaften Meinungsbildung ohne Tiefgang. So ist denn das vorliegende Jaspers-Lesebuch eine motivierende Hilfe bei der eigenen Erkenntnis von der Welt, vom Denken, vom menschlichen Sein und von der modernen Gesellschaft wie vom Ich (Selbst) in ihr. Ein Wesensmerkmal von Jaspers ist, fertige Antworten zu verweigern. "Wer nicht mehr staunt, fragt nicht mehr. Wer kein Geheimnis mehr kennt, sucht nicht mehr" (123). Vielmehr fordert er auf, sich die "volle Offenheit für das an den Grenzen des Wissens sich unwißbar Zeigende" (Ibid) zu erhalten, auch wenn das Erkennen an dieser Grenze aufhört, so ist es unverantwortlich, auf das Denken zu verzichten. Deshalb lässt er in seinen Werken den Leser an seinem Fragen und Suchen nach Antworten als Denkprozess teilhaben.

Karl Jaspers, ein Zirkel vom Selbstporträt zur Weltphilosophie. Das ist der Mensch! "Wo es ihm wirklich ernst wird, da ist sein Wagnis und Schicksal, woraufhin und wodurch er leben will". Die Weisheit der Aufforderung am Tempel des Apollon in Delphi zeitigt ungeahnte Ewigkeit; die ewige Gegenwart im Fluss der Dinge. Erkenne dich selbst! Werde, der du bist!
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Was ist der Mensch? von Hans Saner (Gebundene Ausgabe - 2000)
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