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am 10. September 1999
Was dem Leser als erstes auffällt, wenn er das Buch in den Händen hält, sind die Autoren. Frutero und Lucentini, die beiden bekannten italienischen Autoren, die mit "Der rätselhafte Sinn des Lebens" ein Bravourstück abgeliefert haben, zusammen mit Charles Dickens ? Aber dieses Rätsel klärt sich auf und ist ein Geniestreich der beiden Autoren ! Charles Dickens schrieb bis zu seinem plötzlichen Tod am 9. Juni 1870 sechs Folgen von "Das Geheimnis des Edwin Drood". Der vielleicht faszinierendste und meistdiskutierteste Kriminalfall in der Litearaturgeschichte, da durch den Tod des Autors der Ausgang der fein konstruierten Geschichte vollkommen im Dunkeln blieb. Fruttero und Lucentini rufen also in ihrem Roman zum Kongreß des "Internationalen Forums zur Vervollständigung unvollendeter Werke in Musik und Literatur" auf und alle berühmten Detektive der Literatur, unter anderem Sherlock Holmes, Peter Marlow und Pater Brown, um nur einige zu nennen, treten an, um diesen letzten großen Fall zu lösen. Ein großartiges Buch, da Fruttero und Lucentini es unterlassen haben, die Geschichte einfach nur weiterzuschreiben. Statt dessen lassen sie die Literaturdetektive die gegebenen Indizien überprüfen, um so den Fall zu lösen. Jeder nach seiner Manier. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 3. November 2003
Die Idee, um einen Roman einen weiteren Roman mit allen größen der (fiktiven) Kriminalgeschichte zu schreiben, ist per se schon genial. Es mit der feinen Klinge eines Charles Dickens aufzunehmen beweist die Klasse der beiden Autoren - sehr empfehlenswert!
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"Vollständigkeit ist alles. Ein internationales Symposion über die Vervollständigung unvollendeter oder fragmentarischer Werke in Musik und Literatur." So lautet das Motto dieses vielversprechenden Kongresses, der von den Autoren Fruttero und Lucentini erdacht wurde und mit sehr imposanten Teilnehmern ausgestattet ist. Es handelt sich bei den erlesenen Experten, die nun das Mysterium des unvollendeten Romans von Charles Dickens ergründen sollen, um bekannte, aber zugleich auch höchst fiktive Figuren aus der Kriminalgeschichte. Dabei sind u.a. Sherlock Holmes,Kommissar Maigret,Bucket,Hercule Poirot und sogar die hartnäckige Spürnase Cuff mit der Vorliebe für schöne Rosen aus Wilkie Collins berühmtem Moonstone-Fall. Warum sollte diese Gruppe nun hinter das Geheimnis des Edwin Drood kommen, wo so viele versagt haben und nicht weniger als zweihundert verschiedene Lösungen für das Rätsel kursieren? Nun, in diesem Fall mag es den geneigten Leser wahrscheinlich nicht überraschen, dass hinter den methodisch ausgeklügelten Bedingungen des Kongresses und der guten Organisation ausgerechnet Japaner stecken. Wer nun nicht von dem herrlich ironischen Eingangskapitel dieses Romanwerkes eingefangen wurde, der wird wenig Freude an dem Werk haben. Alle anderen folgen den elitären Teilnehmern, die in der heiligen Stadt Rom eine edle Mission erfüllen, auch wenn das Ergebnis dieser aufwändigen Lesung des Romanfragments kein wirklicher Knüller ist.

Das Romanfragment von Charles Dickens, welches er wegen seines eigenen höchst hinderlichen Todesfall nicht beenden konnte, wird hier in 22 Kapiteln präsentiert, die durch Berichte über den Kongressverlauf mit einigen Anmerkungen des Autorenduos der Gegenwart unterbro-chen werden. Nachdem der Freund und Rivale von Charles Dickens, Wilkie Collins, mit seinem Moonstone-Roman begeisterte, der von T.S. Elliot sogar als den "ersten, längsten und besten der englischen Kriminalromane" bezeichnete, wollte wohl auch der große Meister seinem jüngeren Kollege nicht nachstehen. Im Umkreis einer Kathedrale im sonst so ruhigen Dörfchen Cloisterham, nahe London, spielt sich das Drama um den jungen Edwin Drood ab, der an einem Weihnachtsabend plötzlich verschwand. Wurde er gar ermordet? Drood, wohnte bei seinem Onkel John Jasper, welcher dem Opium verfallen ist und dunkle Phantasien nährt. Außer der höchst eigenen Art der Boshaftigkeit, hatte dieser Onkel auch ein Motiv der Eifersucht, welches der Leser erfährt und ihn in der Tat verdächtig macht. Außerdem ist da noch das neue Zwillingspaar, welches noch nicht lange zum Bekanntenkreis gehört. Neville und seine Schwester Helena sind aus Ceylon gekommen. Der temperamentvolle Ned verwickelt sich beinahe sogleich mit Ed in einen Streit. Neville findet Drood verwöhnt und seinem guten Schicksal gegenüber zuwenig dankbar gesinnt. Außerdem verliebt er sich in die liebliche Rosa, die ebenfalls Waise ist und mit Edwin Drood verlobt ist. Das Verlöbnis ist von besonderer Art, wie man so schön sagt. Was bedeutet, dass die beiden auf Wunsch ihrer verblichenen Eltern miteinander verbunden sind. Doch die Verlobten fühlen sich mit dem Eheversprechen nicht gerade so wohl. Zum Glück gibt es einen verständnisvollen Vormund. Doch Rosa hat noch etwas anderes, was ihr auf der Seele liegt. Sie fürchtet sich vor dem fast hypnotischen Einfluss von Mr. Jasper, der ihr Klavierstunden gibt. Kann sie sich der gefährlichen Lage entziehen, wenn die zarten Bande zu Drood zerschnitten sind? Und dann gibt es da den unheimlichen Friedhof, wo der schräge Durdles sein Regiment hat. Warum möchte Jasper ausgerechnet bei dem Galgenvogel in die Lehre gehen? Was bedeutet die zufällige Begegnung Edwins mit der Opiumverkäuferin aus London, kurz vor seinem Verschwinden?
Außer den üblichen Verdächtigen ist das Universum des Dickens Roman mit den üblichen skurrilen Figuren ausgestattet. Da ist einmal der selbstgefällige und absolut lächerliche Bürgermeister Mr. Sapsea, oder auch die Schulleiterin Miss Twinkleton, die ein Doppelleben zu führen scheint. Natürlich darf ein frecher Junge nicht fehlen und so wirft der Gossenjunge Vize munter mit Steinen. Außerdem gibt es nach Verschwinden des Edwin Drood einen Fremden in Cloisterham, der sich selbst als Dick Datchery vorstellt und verdächtig viele Fragen nach den neusten Ereignissen in dem sonst so stillen Ort stellt. Wer ist dieser Datchery und wäre er wohl der Ermittler im Gesamtwerk geworden?
Während die Kongressteilnehmer nach Beendigung der Lektüre verschiedene Thesen zur Lösung des Rätsels aufstellen, gehen manche Ermittlungen in eine ganz andere Richtung. Der Todesfall des Charles Dickens erscheint im Anbetracht des besprochenen Stoffes nämlich auf einmal eine ganz neue Bedeutung. Steht das D in dem zugegeben sehr durchdachtem Romanwerk von Fruttero und Lucentini am Ende gar nicht für DROOD, sondern für eine andere Person? Nun, das muss der Leser dieses intelligenten Rätsels selbst entscheiden.
Dem Autorenduo ist es auf jeden Fall gelungen, eine Satire ganz eigener Art zu kreieren. Allerdings zieht der Text aus Dickens Roman den Leser so sehr in Bann, dass es manchmal fast Mühe bereitet, sich mit den durchaus geistreichen, aber weniger genialen Gedanken des fiktiven Expertenteam des eigenartigen Konzils zu beschäftigen. Auch wenn sie den hochinteressanten Anleihen des Werkes bei Shakespeare nachgehen. Es ist wirklich sehr bedauerlich, dass Charles Dickens einen letzten Roman nicht mehr fertig stellen konnte. Dieser ansprechende und etwas eigenwillige Versuch, sich dem Werk zu nähern, ist aber auf jeden Fall zu würdigen.
Für den respektvollen Umgang mit Dickens Werk schuldet der Leser aber nicht nur dem Auto-renduo Fruttero und Lucentini Dank, sondern auch dem Übersetzer Burkhart Kroeber, der in einem Nachwort zu Recht Gehör findet.
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am 16. Juni 1999
Selten hat mich ein Buch so gefesselt. Das Treffen der Meisterdetektive der Kriminalromangeschichte bringt die Lösung für einen Fall, der unaufklärbar erschien. Wie immer beim Autorengespann Fruttero und Luccentini überzeugt nicht nur die Logik der Handlung, sondern besonders die wunderbare Sprache, die das Buch zum Erlebnis für Sprachgenießer macht. Dank an den Übersetzer!
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