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Kundenrezensionen

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am 20. Oktober 2005
Spenglers Werk ist zweifelsohne bedeutsam. Hier haben wir es mit einem - vielleich sogar DEM - Klassiker der Anti-Moderne zu tun. Man muss Spenglers anti-demokratische Gesinnung und teils recht bornierten Konservativismus nicht teilen, um nicht scharf- und tiefsinniges in seinem Werk zu finden. Manche seiner Beobachtungen, zum Beispiel über das Phänomen der Kinderlosigkeit in spät-zivilisierten Gesellschaften, lesen sich hoch aktuell und beeindrucken besonders in Anbetracht der fast huntert Jahre, die seit Erscheinen des Buches vergangen sind. Bei den gerade in Deutschland stark ausgeprägten Vorbehalten dem Werk gegenüber stellt sich die Frage: wer hat das Buch überhaupt ganz gelesen? Gewiss ist Spengler methodisch manchmal dunkel, aber nichts desto Trotz ist der Grundgedanke seiner Kritik der Moderne - denn darauf läuft es über weite Strecken hinaus - die Auseinandersetzung wert. In Zeiten, die sich ideologisch immer weniger selbst in Frage stellen, muss das Niveau eines Spenglers erst einmal wieder erreicht werden. An alle, die sich überlegen das Buch zu kaufen: Spengler setzt viel historisches Wissen voraus, manchmal mehr, als selbst sehr gebildete Laien mitbringen.
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Die Weltgeschichte als Geschichte des stetigen Fortschritts: Aus der finsteren Barbarei der Vorzeit, über schmerzliche Kriege und lange Lernprozesse hat sich die Menschheit eine sichere Zivilisation erarbeitet und geht weiterhin einer glänzenden Zukunft entgegen, so die weit verbreitete Ansicht. Gegen solchen Fortschrittsoptimismus erhob Oswald Spengler wortgewaltig Einspruch. In seiner über 1000-seitigen Geschichtsphilosophie "Der Untergang des Abendlandes" (1918) legte er eine Art Lebenszyklustheorie der Hochkulturen vor: Alle Kulturen der Welt ähneln sich demnach in bestimmten Phasen; das ist ihre Homologie - ein Begriff, den Spengler der Biologie entlehnte. Der Clou dieses Verfahrens, für das er von den Fachwissenschaftlern stark kritisiert wurde: Es ließen sich Aussagen darüber machen, wie sich die Kultur des Abendlandes weiter entwickeln würde. Spengler kam zu dem niederschmetternden Ergebnis, das dem Buch den Titel gegeben hat: Die Zeit des Abendlandes sei so gut wie abgelaufen, mit der modernen Zivilisation sei es in die letzte Phase des Verfalls eingetreten. Eine spannende These, die viel Staub aufwirbelte. Spenglers von Goethe und Nietzsche beeinflusstes Werk ist eines der wirkmächtigsten des 20. Jahrhunderts. Auch heute noch werden hin und wieder ähnliche Thesen geäußert, etwa von Samuel Huntington ("Kampf der Kulturen").
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am 7. Oktober 2010
Oswald Sprengler analysiert das Wesen einer Kultur oder auch einer Kulturepoche sehr eindrucksvoll. Das Ganze ist sehr philosophisch gehalten und erfordert eine Menge Aufmerksamkeit sowie Interesse an der Thematik. Leider ist dieses Werk in der heutigen historischen Betrachtungsweise kaum noch gefragt. Dazu muss einfach gesagt werden, dass sich Sprenglers Werk nicht einfach so lesen lässt, sondern man eher von einem Studium sprechen muss. Die wirkliche Auseiandersetzung mit dieser Materie erfordert viel Kraft und den Willen dazu außerdem eine Menge Zeit. Es ist keine Bettlektüre, da man bei eintretender Müdigkeit schnell den Faden verliert und den philosophischen Gedankengängen nicht folgen kann. Dennoch ist dieses Werk für den gewissenhaften Historiker eine Pflichtlektüre ebenso für Soziologen.
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am 17. Februar 2007
"Das ist der Untergang des Abendlandes" pflegte meine Oma zu sagen, wenn im Fernsehen Berichte über die "Achtundsechziger" - die heutige Politikergeneration - erschienen. Der Titel von Spenglers Buch ist zu einem geflügelten Wort geworden, das den Bekanntheitsgrad seines Werkes bei weitem übertrifft. Schade eigentlich, dass Spengler heute überwiegend negativ beurteilt wird. Er hat den Versuch einer umfassenden vergleichenden Geschichtsbetrachtung unternommen, allein dieser Selbstanspruch macht ihn schon lesenswert. So oder so, historische Analysen sind immer relativ und Ansichtssache. Woran jedoch der Wert eines Historikers gemessen werden kann, ist seine Fähigkeit, auf Grund seiner Betrachtungen der Vergangenheit eine zutreffende Analyse der Gegenwart und eine Prognose für die Zukunft erstellen zu können. Und dies kann Spengler brillant. Generationen von Kritikern und Abschriftstellern haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Schwächen seiner morphologischen Betrachtungsweise herauszustellen. Doch letzten Endes können sie nicht an der Tatsache vorbei, dass Spengler in seiner Vorhersage Recht behalten hat. Die von ihm so genannte "Fellachenkultur" als Zukunftsbild der aufgeklärten Gesellschaft ist tatsächlich eingetroffen - und wir sind Teil von ihr. Vielleicht ist dies der Grund, warum Spengler immer wieder angegriffen wird? Aus der Vielzahl historischer Werke ist "Der Untergang des Abendlandes" wie ein Fels, dem auch der schmutzige Wind politisch verzerrter Urteile nichts anhaben kann. Absolut lesenswert und eine gute Alternative zur Bundeszentrale für politische Bildung.
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am 5. Februar 2011
Der Autor war bereits nach dem Ersten Weltkrieg in aller Munde wegen diesem Buch. Das Werk soll, wie der Untertitel besagt, eine Morphologie der Weltgeschichte sein. Geschichte ist für Spengler eine Erscheinung des Lebens und habe wie alles Lebendige typische Formen, und die Formen könnten wieder untereinander verglichen werden, was dann zu Feststellungen gleichlaufender Gesetzlichkeiten führe, so dass man schließlich auf dieser Grundlage vom Vergangenen her Voraussagen machen könne über das Kommende. Spengler unterscheidet acht große Kulturgestalten, wovon besonders seine Darstellung der antiken Kultur als einer Erscheinungsform des appollinischen Seelentums, der abendländischen Kultur als einer Erscheinungsform des faustischen und der arabischen Kultur als einer Erscheinungsform des magischen Seelentums interessieren.
Immer sind ihm die Kulturen lebendige Organismen, die aufblühen, welken und sterben und auf die man sogar die Begriffe Frühling, Sommer, Herbst und Winter anwenden könne. Diese biologische Einstellung bringt es mit sich, dass Spengler das Christentum nicht als gewachsene Kultur betrachten kann. Es wird wie auch andere Ideologien aufgeteilt auf die lebendigen Träger, die es erst ermöglichen. So umfasst z. B, die arabische Kultur Judentum, Urchristentum, Kirchenväter, Neuplatonismus und Islam. Die Prophezeiung des Unterganges des Abendlandes stützt Spengler nun auf einen Vergleich unserer heutigen Kultur mit bereits untergegangenen Kulturen. Die dort zu beobachtenden Verfallserscheinungen seien auch in der abendländischen Kultur schon da: Überwiegen des Rationalismus und der Technik - bei allen Kulturen stehe die Technik am Ende- Entstehung der Großstädte, des Kosmopolitismus, der Demokratie, der Humanitätsidee, des Pazifismus, der Menschenrechte und der Bruderliebe.
Spenglers Werk gliedert sich ein in die große Reihe moderner Geschichtsphilosophien, die über Lessing, Herder, Hegel, Marx bis Toynbee und Jaspers reichen. Bei Spengler sind aber die einzelnen Kulturerscheinungen nicht mehr wie bei Hegel sinnvoll in einem Absoluten aufgehoben, er stellt auch nicht wie Marx alles gesellschaftlich-geschichtliche Leben unter ein einziges Gesetz, noch hegt er den allerdings auch schon sehr verdünnten »philosophischen Glauben« an den Menschen, der bei Jaspers immer noch ein Ganzes zusammenhält. Spengler, der Mathematiker, verfällt in das andere Extrem: er sieht nur noch das fließende Leben, entwirft mutige Analogien.
Ist schon der Analogieschluss überhaupt mit Vorsicht zu gebrauchen und ist es äußerst fraglich, ob die Betrachtung der Kulturen nach biologischen Gesichtspunkten nicht mit unzureichenden Kategorien arbeitet, so steigert sich bei Spengler die Unsicherheit seiner Thesen noch besonders durch die von ihm beliebte, höchst persönliche, ja willkürliche, mystisch-genialische Sicherheit, mit der er seine Schau hinstellt. Und doch nahm er für sein Werk wissenschaftliche Exaktheit in Anspruch.
Die Einzelforschung hat jedoch eine Menge seiner Sätze widerlegt, und heute steht ihm in Toynbees »Gang der Weltgeschichte« ein Werk gegenüber, das wirklich auf exakter Forschung beruht. Spengler hat trotzdem großen Eindruck gemacht; teils weil er manches sehr gut gesehen hat, teils weil sein Kulturpessimismus der allgemeinen Zeitstimmung begegnete, teils auch weil seine schriftstellerische Vitalität von großer Suggestivkraft war. Der allgemeine philosophische Untergrund der Spenglerschen Weltanschauung ist ein brutaler Biologismus. Das Leben, das die geschichtlichen Prozesse hervorbringt, ist nicht mehr wie bei Hegel die Idee oder bei Bergson ein élan vital, sondern eine Vitalität im Sinne von Brutalität. »Es handelt sich in der Geschichte um das Leben und immer nur um das Leben, die Rasse, den Triumph des Willens zur Macht, und nicht um den Sieg von Wahrheiten, Erfindungen oder Geld. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht: sie hat immer dem stärkeren, volleren, seiner selbst gewisseren Leben Recht gegeben, Recht auf das Dasein, gleichviel ob es vor dem Wachsein recht war, und sie hat immer die Wahrheit und die Gerechtigkeit der Macht, der Rasse geopfert und die Menschen und Völker zum Tode verurteilt, denen die Wahrheit wichtiger war als Taten und Gerechtigkeit wesentlicher als Macht«.
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am 7. Januar 2016
Die Originalausgabe des Buches ist fast genau 100 Jahre alt und gerade heute ist so aktuell wie nie zuvor.
So gesehen könnte man den Autor als einen Propheten beschreiben, der genau das vorhergesehen hat, was heute passiert.
Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, daß große Politiker Europas von einer Deutschen Kanzlerin sagen, daß sie mit ihrer Politik ganz Europa in ein Chaos gestürzt hat?
Ganz sicher wird Frau Merkel als eine Politikerin in die Geschichte eingehen, die großen Einfluß auf die Geschichte Europas ausgeübt hat.
Meist sind es ja gerade die Politiker, die ein Land oder die Welt in ein Chaos gestürzt haben, die man noch Jahrhunderte später kannte.
Durch das unbegrenzte Einlassen von Flüchtlingen, die völlig unkontrolliert und unregistriert ins Land strömen, kommen natürlich auch Gewalttäter, Terroristen und sonstige Verbrecher nach Europa.
Dass die Polizei überfordert ist, spricht sich unter denen schnell herum und so sind bandenmäßige Überfälle zunächst auf Frauen, dann auf
Geschäfte und sicher auch Banken früher oder später an der Tagesordnung.
Was will die Polizei auch ausrichten gegen 200 gewaltbereite Nordafrikaner, die einen Mediamarkt stürmen?
Deutschland und Europa wird, wie Oswald Spengler schon vor 100 Jahren vorausgesehen hat, im Chaos versinken.
Die Menschen werden sich nicht mehr trauen zur Arbeit zu gehen, wenn gerade hier die in den letzten Jahrzehnten so propagierten Frauenarbeitsplätze nicht mehr sicher sind wie etwa Busfahrerinnen, Taxifahrerinnen, Mitarbeiterinnen bei Sozialämtern und Arbeitsagenturen, Polizistinnen.
Einzig sicher sein werden noch Politikerinnen, die scharf bewacht werden.
Deutschland importiert mit solchen Immigranten auch die Verhältnisse der Länder aus denen sie kommen.
Letztlich auch den Bürgerkrieg!
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am 1. Juli 2012
... er wird nur angestrengt totgeschwiegen. Wir haben allen Grund, ihn zu fürchten, weil er grimmige Einsichten wachruft, die wir lieber vergessen hätten. Mit blindem Eifer bauen wir an einer idealen Welt, die höchsten moralischen Standards genügen soll. Leider zählen aber nicht Wünsche und Vorstellungen, sondern ausschließlich Tatsachen, so Spengler. Während andere Kulturen den unerbittlichen Lauf der Welt als das Tatsächliche hinnehmen und seine Auftriebskräfte nutzen, gerät der Westen im Glauben, er sei am Ende der Geschichte, auf abschüssiges Gelände. In Spenglers leicht verständlichem Essay "Der Mensch und die Technik" heißt das so: "Statt das technische Wissen geheim zu halten, den größten Schatz, den die "weißen" Völker besaßen, wurde es auf allen Hochschulen, in Wort und Schrift prahlerisch aller Welt dargeboten, und man war stolz auf die Bewunderung von Indern und Japanern. ... Es beginnt statt des Exports ausschließlich von Produkten der Export von Geheimnissen, von Verfahren, Methoden, Ingenieuren und Organisatoren. Selbst Erfinder wandern aus. Der Sozialismus, der sie in sein Joch spannen möchte, vertreibt sie." Der "Untergang des Abendlandes" gehört zu den Schlüsselwerken des 20. Jahrhunderts. Wer es gelesen hat, wird es nie wieder vergessen.
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am 21. März 2016
Den Spengler nehme ich mir eigentlich seit Jahrzehnten jedes Jahr, vornehmlich in den starken Jahreszeiten (Mittwinter oder Hochsommer), zur Brust. Meist lande ich beim zweiten Teil, lese ein wenig von hier nach da, und bin glücklich!!

Meine Leseerfahrung zu Spengler ist mir noch von keinem Leser vergleichbar geschildert worden. Normalerweise fehlt mir aber die Originalität, um allzu idiosynkatisch zu reagieren. Komisch! Manchmal denke ich, den hat ja keiner mehr seit den zwanziger Jahren unvoreingenommen zur Hand genommen!

Anders als meine Vorredner und die üblichen Wertungen empfinde ich das Buch als heiter, lebenszugewandt und optimistisch. Dass nichts bleibt wissen wir ja nun wirklich mitlerweile alle. Da singt man am besten mit Hannes Wader:

"So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt, dass nichts bleibt,
wie es war."

Wenn schon aber nichts bleibt, dann ist der Ansatz von Spengler pure Menschenliebe, Epikuräer ohne die Strenge Epikurs!

Nun aber zum eigentlichen Kern: Das Buch ist, gerade im zweiten Teil, hochpoetisch, fast lyrisch, mit wundervollen Sprachbildern und Metaphern überreich ausgestattet, ein Bilderbuch, Herodot in Goethes Sprache und Nietzsches Originalität. Und Spenglers Sensibilitäten sind oft neu, d.h. sie ermöglichen es uns, etwas mit neuen Augen zu sehen, was noch kein Mensch zuvor geschaut hat.

Rundheraus: Der eine geniale Wurf der Jugend, zur vollen Reife gelangt um 1920 wärend der Arbeit am Band zwei. Danach aber leider nur Schweigen und politischer Unfug!

Na gut, manchmal klingt dann auch mal eine Passage aus dem Untergang wie Rudolf Steiner, aber es gibt ja nun wirklich Schlimmeres ...! Na ja, es gibt auch einiges an inhaltlichen Detailfehlern für den geübten Erbsenfinder, aber spielt das bei diesen hunderten von echten Innovationen irgendeine Rolle? Es bleibt die ungeheure Fundgrube!

Hier der Anfang des zweiten Bandes als kleines Textbeispiel:

"Betrachte die Blumen am Abend, wenn in der sinkenden Sonne eine nach der anderen sich schließt: etwas unheimliches dringt dann auf dich ein, ein Gefühl von rätselhafter Angst vor diesem blinden, traumhaften, der Erde verbundenen Dasein. Der stumme Wald, die schweigenden Wiesen, jener Busch und diese Ranke regen sich nicht. Der Wind ist es, der mit ihnen spielt. Nur die kleine Mücke ist frei; sie tanzt noch im Abendlichte; sie bewegt sich, wohin sie will.
Eine Pflanze ist nichts für sich. Sie bildet einen Teil der Landschaft, in der ein Zufall sie Wurzeln zu fassen zwang. Die Dämmerung, die Kühle und das Schließen aller Blüten - das ist nicht Ursache und Wirkung, nicht Gefahr und Entschluß, sondern ein einheitlicher Naturvorgang, der sich neben, mit und in der Pflanze vollzieht. Es steht der einzelnen nicht frei, für sich zu warten, zu wollen oder zu wählen.
Ein Tier aber kann wählen. Es ist aus der Verbundenheit der ganzen übrigen Welt gelöst. Jener Mückenschwarm, der noch am Wege tanzt, ein einsamer Vogel, der durch den Abend fliegt, ein Fuchs, der ein Nest beschleicht - sie sind kleine Welten für sich in einer anderen großen.
(...)
Verbundenheit und Freiheit: das ist der tiefste und letzte Grundzug in allem, was wir als pflanzenhaftes und tierhaftes Dasein unterscheiden. Doch nur die Pflanze ist ganz, was sie ist. Im Wesen eines Tieres liegt etwas Zwiespältiges. Eine Pflanze ist nur Pflanze, ein Tier ist Pflanze und noch etwas außerdem. Eine Herde, die sich zitternd vor einer Gefahr zusammendrängt, ein Kind, das weinend seine Mutter umklammert, ein verzweifelter Mensch, der sich in seinen Gott hineindrängen möchte, sie wollen alle aus dem Dasein in Freiheit zurück in jenes verbundene, pflanzenhafte, aus dem sie zur Einsamkeit entlassen sind."
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am 27. Juli 2006
Ein alter Schinken aus der Weltkriegszeit verkündet den Untergang seiner eigenen Kultur, wird anfangs bejubelt, später belächelt und bald darauf zum philosophischen Sondermüll erklärt. Schwarzmalerei. Analogie-Naivität. Herrisches Vokabular. Die Kunst des Totsagens kann so einfach sein.
Dennoch empfehle ich dieses Buch als Genußmittel.

Wer auf der Suche nach einer Geschichtsphilosophie ist und sich vor allem für die Wahrheit interessiert, tut gut daran, sich über die Unzulänglichkeiten Spenglers zu beklagen und es dabei zu belassen; wer jedoch eine weitere Quelle der Inspiration aufstöbern will, sollte seine Wünschelrute bei Seite legen und hier mit beiden Händen schöpfen.
Der vielbeschworene Kulturpessimismus kann dem Autor nur von Leuten vorgeworfen werden, die von seinem Werk lediglich den Titel kennen. Spenglers Empfinden für epochale Mentalitäten, Weltbilder und Zeitgeister zeugt von einem tiefen Verständnis des Fremden und gerät zeitweilig sogar zur Schwärmerei, auf jeden Fall aber sollte diese Arbeit als ungeheure Pionierleistung gewürdigt werden.

Spengler erzählt die "Geschichte der Wahrheit" und meint damit die gelebte Wahrheit innerhalb verschiedener Kulturen. Die ganze Erfahrung des In-der-Welt-Seins, die Innerlichkeit mit der man Religion und das Wissen um die Welt erlebt, die jeweilige Mentalität mit ihren emotionalen und kognitiven Fesseln, all das bezeichnet Spengler mit dem schönen Wort "Seele". Eine kulturgebundene Seele kann der Vergangenheit angehören und dennoch "wahr" sein, in dem Sinne wie auch die moderne Mathematik lehrt, daß durchaus mehrere in sich stimmige Axiom-Systeme unabhängig voneinander existieren können. Der ehemalige Mathematiklehrer Spengler betont dementsprechend die Bedeutung - nicht etwa der Mathematik - sondern des mathemathischen Denkens als ein Paradebeispiel für grundsätzliche kulturelle Unterschiede.

Spengler unterscheidet acht große Kulturkreise - etwa die apollinische, magische oder faustische Kultur - und findet deren authentischen Ausdruck unter anderem in Architektur & Kunst, Literatur & Sprache, Philosophie & Wissenschaft und interessanterweise auch im Geschichtsdenken. Als Kulturphilosoph entwirft der Autor erhellende, zum Teil strahlende Interpretationen menschlichen Wirkens. Selbstbewußt bewegt sich Spengler auch auf dünnem Eis, und mitunter möchte man meinen, er versuche übers Wasser zu laufen.
Die Kritiker haben es leicht.
Aber es handelt sich hier um eines der letzten großen Gemälde der Geschichtsphilosophie und solcher Art Kunstwerke ist nicht mit "wahr oder falsch" beizukommen. Für den einen oder anderen besitzt ein kühner Gedanke, der sich als falsch herausstellt, durchaus seine Berechtigung.
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am 1. Februar 2009
Spengler versucht zu beweisen dass alle grossen menschlichen Zivilisationen ein ähnliches Entwicklungsschema aufweisen.
Grundlage ist die Idee dass eine Zivilisation einen Prozess durchlebt, ähnlich dem Lebensprozess eines Menschen.
Geburt - Wachstum - Produktivität - Senilität - Tod.
Die Idee dieses Prozesses ist nicht neu, aber Spengler hat es soweit ich weiss zum ersten mal in dieser fundierten Form und mit zahlreichen
zusätzlichen Basis-Überlegungen auf Papier gebracht.

Grundlage für die Überlegungen bieten die Zivilisationen der Griechen / Römer / Chinesen / Inder und unsere "faustische" Zivilisation.
Dabei versucht Spengler anhand der Mathematik/Kunst/Spiritualität/Religion/Kunst etc etc einen Vergleich zwischen den verschiedenen Kulturen zu ziehen.
Dabei wird klar dass unserer faustischen Kultur grundsätzlich andere Werten und Betrachtungsweisen innewohnen als beispielsweise der indischen,chinesischen oder griechischen.
Dies ist noch nicht verwunderlich, verwunderlich ist dass trotz all der Verschiedenheit jeder Kultur/Zivilisation ein gewisser "Lebensplan" zugrunde liegt.
So etwas wie eine biologische Uhr die tickt.
Nach Spengler durchleben wir in der faustischen Zivilisation gerade die letzte Phase, und bis ins Jahr 2200 wird unsere Kultur in dieser Form untergegangen sein.

Wohlgemerkt: Spengler ist kein Untergangs-Prophet.
Sein Werk würde ich als geschichts-philosophisch betrachten.
Und auch wenn es bereits 90 Jahre alt ist so sind die Betrachtungen und Schlüsse in keinster Weise veraltet.
Im Gegenteil: es wird klar wie stark das Schicksal einer Zivilisation vom Grund-Denken eines Menschenschlages bestimmt wird.
Einem Grund-Denken dass sich in dunkler Vorzeit gebildet hat, vor Jahrtausenden, und weiterbesteht ohne dass dieser Zusammenhang in der Zivilsation wirklich zum Ausdruck käme, respektive ohne dass sich die einzelnen Teile einer Kultur, der einzelne Mensch, darüber im klaren wären.

Insofern ist Spenglers Werk ein Aufklärungswerk und jedem zu empfehlen der sich Gedanken über unsere Zivilisation macht.
Es ist interdisziplinär und wirkt in folgenden Disziplinen: Meta-Mathematik / Geschichte / Philosophie / Soziologie / Ahnenkunde / Psychologie / Zukunftsforschung / Kunstgeschichte etc.

Kantianer aufgepasst, Spengler ist ein Goethianer.
Er versucht zu erkennen, nicht zu verlogifizieren.

Das Buch kann vom Laien verstanden werden.
Spengler bleibt in der Sprache klar und bemüht sich um Verständlichkeit.
Ein Studium der Geschichte wäre natürlich vorteilhaft, aber rudimentäres Wissen über die Gesamt-Zusammenhänge genügen auch.

Kein leichtfertiges Werk.
Zu Empfehlen?
Auf jeden Fall.
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