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41 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dostojewskis Meisterwerk,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne (Taschenbuch)
"Schuld und Sühne" ist meines Erachtens Dostojewskis Meisterwerk. Die Geschichte des Studenten Rodion Raschkolnikow, der eine alte Wucherin und ihre Schwester tötet, weil er sich zu den "Auserwählten" zählt, denen solche Taten erlaubt seien und der mit dieser Tat nicht fertig wird und durch den Einfluss der Prostituierten Sonja Marmeladowa dazu gebracht wird, seine Tat durch Strafe zu sühnen, ist zu recht Weltliteratur. Rodion Raschkolnikows Einfluss ist in vielen Werken der Gegenwart, etwa Camus: "Der Fremde" zu spüren. Literaten wie Stefan Zweig ("Drei Meister") oder Thmas Mann ("Russische Anthologie") haben sich mit Dostojewski, seinem Leben und Werk auseinandergesetzt. Der Aufbau-Verlag zitiert Thomas Mann: "Ist Tolstoi der Michelangelo des Ostns, so darf man Dostojewski den Dante dieser Sphäre nennen. Er war in der Hölle - zweifelt man daran, nachdem mn den herzzermalmenen Traum gelesen, en Rodion Rasklnikow träumt, bevor er die alte Pfandleihrin erschlägt?"Dieses äußerst spannende Werk dient aber auch als hervorragende Einführung in das Gesamtwerk Dostojewskis. Die vorliegende Ausgabe enthält 707 Seiten, es ist also das mit Abstand "kürzeste" der fünf Romane des Autors. Es dokumentiert auch deutlich seine Wandlung vom Sozialisten (vgl. seinen Erstlingroman: "Arme Leute") zum gläubigen Christen. In späteren Werken, etwa den "Brüdern Karamasow", nähert er sich schließlich den russischen Slawisten Aleksej Stanovic Chomjakow (1804-60) an. Seine Polemik insbesondere gegenüber dem "Westler" Turgenjew wurde insbesondere in den "Dämonen" rigoros ausgetragen. Diese - für mich bedauernswerten - Züge der späteren Intoleranz sind in diesem Werk glücklicherweise nicht vorhanden. Deutlich wird jedoch schon hier, dass Dostojewski sein Leben lang ein "Suchender" gewesen ist, immer nach Erlösung ringend (er litt an schwerer Epilepsie und Angstzuständen). Auf diesen Sachverhalt hat Stefan Zweig als einer der Ersten dankenswerterweise hingewiesen. Und ein Suchender ist auch Raschkolnikow - der am Ende durch den Glauben zu Erlösung findet - wie Dostojewski am Ende (man vergleiche seine fulminante Rede zur Enthüllung des Puschkin-Denkmals am 8. Juni 1880, ein halbes Jahr vor seinem Tode)auch. Mich hat Dostojewskis Werk und "Schuld und Sühne" schon immer (ich las es als Zwanzigjähriger) fasziniert und ich konnte diesm Buch immer wieder neue Aspekte gewinnen. Insbesondere der psychologische Falkenblick, mit dem er in seinem Werk immer aufs Neue Grundfragen der menschlichen Existenz erörtert und - insbesndere in "Schuld und Sühne" die menschlichen Abgründe fast diabolisch "erspürt" (man vergleiche etwa die meisterhaften drei Dialoge zwischen Raschkolnikow und dem Unterscuhungsrichter Porfiri, die zu den besten psychologischen Gesprächen der Weltliteratur gehören), ist meines Erachtens unvergleichlich. Wenn man mich fragte, welche Werke ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, so gehörte Dostojewskis "Schuld und Sühne" sicherlich dazu. Allerdings vermisse ich an der vorliegenden Ausgabe des Aufbau-Verlages ein Namensregister. Auch das Nachwort ist - im Vergleich zu anderen deutschen Ausgaben, etwa des Piper- oder des Insel-Verlages, sehr dünn geraten. Insofern kann ich Literaturinteressierten nur zu den genannten Ausgaben oder der DTV-Dünndruckausgabe raten, jedoch nicht zu der - meines Erachtens lieblos editierten - vorliegenden Ausgabe Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
spannende Mischung aus Kriminalroman und Psychographie,
Von Stephan Kleiber "buchtippse.de" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne: Roman in sechs Teilen mit einem Epilog (Gebundene Ausgabe)
°Schuld und Sühne - oder 'Verbrechen und Strafe', wie er im Original heißt - ist ein wirklich großartiger Roman. Dostojewsik zeichnet darin einerseits eine durchweg spannende Kriminalgeschichte und gleichzeitig eine fesselnde psychologische Darstellung der Hauptfigur Rodion Raskolnikow. Raskolnikow ist Student in St. Petersburg und lebt in sehr armen Verhältnissen. Dabei hegt er eine Theorie, nach der die 'Großen der Geschichte' schon immer geltendes Recht brachen, um ihre höheren Ideale und Ideen umzusetzen, was seiner Meinung nach ihr Handeln legitimiert. So kommt es, dass Raskolnikow eine alte Pfandleiherin und ihre Schwester tötet, um mit dem Geld sein Studium zu finanzieren - hier also die Schuld bzw. das Verbrechen. Sein Gewissen lässt ihm jedoch keine Ruhe und bringt ihn an den Rand des Wahnsinns. Alle um ihn herum denken, er wäre psychisch krank geworden - eine Folge übermäßigen Studierens. Nur einer verdächtigt ihn der Tat, kann ihm jedoch nichts beweisen. Um sein Gewissen zu erleichtern und mit sich ins Reine zu kommen folgt er dem Rat seiner Freundin, sich zu stellen. Seine Strafe verbüßt er daraufhin lange Jahre im Arbeitslager, hält jedoch weiterhin an seiner Theorie des legitimen Rechtsbruchs für höhere Ziele fest. Obwohl ich eigentlich kein Romanleser bin, fand ich das Buch von Anfang an faszinierend. Dostojewski beschreibt nicht nur die Hauptfigur und deren Gedankengänge sehr ausführlich. Als Leser bekommt man ebenso detaillierte Einblicke in das Leben zur damaligen Zeit und die anderen Figuren. Gleichzeitig ringt man im Lauf der Geschichte mit sich selbst, sieht man doch das offensichtliche Unrecht der Tat und fühlt dabei andererseits Raskolnikows rationale Begründungen, Zerrissenheit und Gewissensbisse. Nicht umsonst zählt 'Schuld und Sühne' zu den wichtigsten Werken der Weltliteratur. ~ Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Exzellentes Buch.,
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne: Roman (Taschenbuch)
Dostojewski liefert hier eine spannende und psychologisch perfekt konstruierte Geschichte über einen vermeintlich perfekten Mörder, der vor der Polizei und, viel wichtiger, vor seinem eigenen Gewissen auf der Flucht ist. Der Held, Rodion Raskolnikow, ein verarmter Student, hat eine alte Frau ermordet, um an ihr Geld - sie ist Wucherin - heranzukommen. Er hat die Tat perfekt geplant und sich eine wohldurchdachte Rechtfertigung ausgedacht, um sein Gewissen zu beruhigen. Aber es funktioniert nicht alles wie geplant...Die Geschichte ist packend, der Held gehört zu den lebendigsten Figuren, die die Literatur zu bieten hat und sein Innenleben ist beklemmend gut geschildert. Darüber hinaus ist das Setting - St. Petersburg - großartig und sehr atmosphärisch beschrieben. Dieses Buch gehört zur Weltliteratur, es läßt einen nicht mehr los. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein außerordentlicher Einblick in die Psyche eines Menschen!,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne: Roman (Taschenbuch)
Mit diesem Buch gelingt es Dostojewski, dem Leser einen tiefen Einblick in die Psyche eines anderen Menschen zu gewähren. Durch seine detaillierte Beschreibung der äußeren Lebensumstände, Beobachtungen und Gedankengänge der Hauptfigur, kann man die Entwicklung derselben nicht nur nachvollziehen, sondern sogar "erleben". Gerade dadurch, dass diese Entwicklung sehr extrem ist und schließlich nicht nur zu mehreren Morden, sondern auch in dem Wunsch zur Sühne sowie tief empfundener Liebe führt, gewinnt dieses Buch an Tiefe und Spannung. Dostojewski schafft es, trotz dieser extremen Entwicklung, dem Leser diesen Menschen näher zu bringen, ja sogar ihn zu verstehen. Diese Art den Leser die inneren Prozesse eines anderen Menschen erlebbar zu machen, habe ich bisher sonst nur bei Hermann Hesse gefunden.Des Weiteren merkt man diesem Buch sein Alter kaum an, da die Sprache des Buches nicht antiquiert wirkt. Lediglich die Fülle an russischen Namen und Spitznamen macht es dem Leser nicht leicht die Personen zuzuordnen, weswegen ich empfehlen würde das Buch ohne große Unterbrechungen durchzulesen oder sich Namensnotizen zu machen. Für mich ist diese Buch eine große Bereicherung gewesen. Ich habe es genossen, mit diesem Buch eine geistige Reise in die Psyche eines Menschen zu machen, welche fast das gesamte Spektrum der menschlichen Gefühle umfasste. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Klassiker und spannender Krimi,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne. Roman in sechs Teilen mit einem Epilog (Gebundene Ausgabe)
Rodion Raskolnikov glaubt, dass ein Genie sich über die weltlichen Gesetze erheben darf. Um seine Theorie zu beweisen, begeht er einen Mord an einer alten Frau. Der Roman handelt vom Umgang Rodions mit seiner Schuld angesichts der Sünde, die er begangen hat und angesichts der Verfolgung durch die Polizei. Am Ende seiner Odyssee findet er Erlösung in einer Beziehung zu der Prostituierten Sonja. Der Roman, der in einer sehr guten und sehr gut lesbaren Übersetzung vorliegt, gilt als Dostojewskis Hauptwerk. Ohne Zweifel zählt er zu den wichtigsten Werken der Weltliteratur und Episoden, wie z.B. der "Pferdetraum" sind zu eigenständigen Epigrammen der Literatur geworden. Dostojewski versteht es meisterhaft, ein komplexes und anspruchsvolles Thema (Schuld und deren Sühne vor Gott und der Welt) in einem spannenden "Kriminal"roman zu behandeln und darzustellen. Fazit: Der Roman ist ein MUSS ... und macht dabei noch Spaß!
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bester Kriminalroman aller Zeiten!,
Von Gaerry04 "G.aerry" (Nürnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne: Roman in sechs Teilen mit einem Epilog (Gebundene Ausgabe)
Schauplatz des Romans ist Sankt Petersburg um 1860. Es geht um die Geschichte des bitterarmen, aber überdurchschnittlich begabten Studenten der Juristerei -- Rodion Romanowitsch Raskolnikow, kurz Raskolnikow. Die Mischung aus Armut und Überlegenheitsdünkel (er vergleicht sich selbst mit Napoleon Bonnaparte) spaltet ihn zunehmend von der Gesellschaft ab, was eigentlich der Urgrund allen Übels ist und gleichzeitig auch eine Spirale mit starkem psychischen Abwärtstrieb. Außerdem muss er tatenlos mit ansehen, wie seine Schwester von einem alten Lüstling bedrängt wird, der sie zur Heirat nötigen will (die Familie ist seit dem Tod des Vaters nämlich völlig verarmt und lebt weit unter den früheren Verhältnissen). Unter dem starken Eindruck eines von ihm zufällig belauschten Wirtshausgesprächs entwickelt er eine Theorie der "außergewöhnlichen" Menschen, die im Sinne des allgemein-menschlichen Fortschritts natürliche Vorrechte genießen sollten. Diese Vorrechte, sollen sie vor den übrigen Menschen, dem allgemeinen Pöbel (Läuse, wie er sie zu bezeichnen pflegt). auszeichnen Er selbst, jung und talentiert, doch mit Armut geschlagen, sieht sich als solchermaßen Privilegierter. Diese gehegte Wahnvorstellung wird ihm allmählich im Verborgenen zur Lebensmaxime.In starkem Kontrast zu diesem inneren Selbstanspruch stehen freilich die bedrückenden äußeren Umstände. Seine Kleidung ist völlig zerlumpt und er haust in einem Zimmer von sargähnlicher Enge, in dem er sich nicht einmal vollends aufzurichten vermag. Die finanziell prekäre Situation zwingt Raskolnikow, sich an eine alte wucherische Pfandleiherin zu wenden. Jene ist eine geizige und herzlose Alte, die nur dafür lebt, ein immer größeres Vermögen zusammenzuraffen (wiederum ein Aspekt, in dem sich die tiefe christliche Überzeugung des Autors widerspiegelt). Für Raskolnikow ist sie der Inbegriff einer oben genannte "Laus", eines wertlosen Menschen, über dessen Leben die wirklich großen Menschen rücksichtslos hinweggehen dürfen, da sich jener nur parasitär von der Gesellschaft ernähr ohne selbst etwas zu schaffen.. Von dieser Weltanschauung getrieben, drängt sich ihm der Entschluss zum Mord immer mehr auf. Motiv für das Verbrechen ist dabei letztlich eine perverse Art der Selbstfindung, wie er später seiner Geliebten Sonja Mermeladowna gesteht, einem jungen Mädchen, welches sich auf Grund von Geldnöten ihrer Familie prostituiert. Unter einem Vorwand besucht er die Alte erneut, erschlägt sie genauso wie ihre zufällig erscheinende, geistig zurückgebliebene Schwester mit einer Axt und raubt ihre Wertsachen. Nur mit großem Glück kann er unentdeckt aus dem vierten Stock des Wohnhauses entkommen, wobei seine nervliche Anspannung fast in Wahnsinn mündet. So fällt er nach gelungener Tat in einen mehrtägigen fiebrigen Dämmerzustand, ein Delirium, das die innere Abscheu vor der eigenen Tat widerspiegelt. Immer mehr zeigt sich, dass er seiner eigenen Theorie nicht gewachsen ist. Er ist nicht der Mensch ohne Gewissen, der er zu sein glaubte. Außerdem hat ihn seine Tat verändert. Wenngleich Raskolnikow ein scheinbar perfektes Verbrechen gelungen ist, empfindet er als Doppelmörder die gesellschaftliche Abspaltung innerlich nun umso schmerzhafter. Nach der Mordtat findet er keine Ruhe mehr, selbst seine eigene Mutter verwirft er und gerät mit ihr in Streit. So dauert es nicht lange und er wird von einem Ermittlungsrichter als Schuldiger erkannt, obwohl jener Raskolnikows Täterschaft nicht zu beweisen vermag. Beiden, Täter wie Ermittler, ist dies bewusst, auch wenn es nicht offen ausgesprochen wird. Stattdessen steigert sich das intellektuelle Gefecht zwischen den Widersachern zu einem subtilen psychologischen Spiel, welches Raskolnikow, wiewohl er nach äußerlichem Stand der Untersuchungen beruhigt sein könnte, immer mehr in die Enge treibt. Die gläubige, sich für Ihre Familie selbst aufopfernde Prostituierte Sonja, welche er kennen und lieben lernt, rät ihm schließlich, sich zu stellen um für seine Sünden zu "bezahlen". In der Haft in einem sibirischen Arbeitslager folgt die Wandlung Raskolnikows zum Christen. Fazit: Ein tiefer Einblick in die menschliche Psyche, noch lange bevor die Freudschen Thesen der Psychoanalyse überhaupt Fuß gefasst hatten. Noch dazu einer der spannendsten Kriminalromane aller Zeiten, in dem das Motiv aus dutzenden Blickwinkeln plausibel betrachtet wird. Absoluter Pluspunkt dieser Ausgabe das hardcover und den recht fairen Preis! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schöne Ausgabe, Tolles Buch!,
Von Gaerry04 "G.aerry" (Nürnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne: Roman (Taschenbuch)
Schauplatz des Romans ist Sankt Petersburg um 1860. Es geht um die Geschichte des bitterarmen, aber überdurchschnittlich begabten Studenten der Juristerei -- Rodion Romanowitsch Raskolnikow, kurz Raskolnikow. Die Mischung aus Armut und Überlegenheitsdünkel (er vergleicht sich selbst mit Napoleon Bonnaparte) spaltet ihn zunehmend von der Gesellschaft ab, was eigentlich der Urgrund allen Übels ist und gleichzeitig auch eine Spirale mit starkem psychischen Abwärtstrieb. Außerdem muss er tatenlos mit ansehen, wie seine Schwester von einem alten Lüstling bedrängt wird, der sie zur Heirat nötigen will (die Familie ist seit dem Tod des Vaters nämlich völlig verarmt und lebt weit unter den früheren Verhältnissen). Unter dem starken Eindruck eines von ihm zufällig belauschten Wirtshausgesprächs entwickelt er eine Theorie der "außergewöhnlichen" Menschen, die im Sinne des allgemein-menschlichen Fortschritts natürliche Vorrechte genießen sollten. Diese Vorrechte, sollen sie vor den übrigen Menschen, dem allgemeinen Pöbel (Läuse, wie er sie zu bezeichnen pflegt). auszeichnen Er selbst, jung und talentiert, doch mit Armut geschlagen, sieht sich als solchermaßen Privilegierter. Diese gehegte Wahnvorstellung wird ihm allmählich im Verborgenen zur Lebensmaxime.In starkem Kontrast zu diesem inneren Selbstanspruch stehen freilich die bedrückenden äußeren Umstände. Seine Kleidung ist völlig zerlumpt und er haust in einem Zimmer von sargähnlicher Enge, in dem er sich nicht einmal vollends aufzurichten vermag. Die finanziell prekäre Situation zwingt Raskolnikow, sich an eine alte wucherische Pfandleiherin zu wenden. Jene ist eine geizige und herzlose Alte, die nur dafür lebt, ein immer größeres Vermögen zusammenzuraffen (wiederum ein Aspekt, in dem sich die tiefe christliche Überzeugung des Autors widerspiegelt). Für Raskolnikow ist sie der Inbegriff einer oben genannte "Laus", eines wertlosen Menschen, über dessen Leben die wirklich großen Menschen rücksichtslos hinweggehen dürfen, da sich jener nur parasitär von der Gesellschaft ernähr ohne selbst etwas zu schaffen.. Von dieser Weltanschauung getrieben, drängt sich ihm der Entschluss zum Mord immer mehr auf. Motiv für das Verbrechen ist dabei letztlich eine perverse Art der Selbstfindung, wie er später seiner Geliebten Sonja Mermeladowna gesteht, einem jungen Mädchen, welches sich auf Grund von Geldnöten ihrer Familie prostituiert. Unter einem Vorwand besucht er die Alte erneut, erschlägt sie genauso wie ihre zufällig erscheinende, geistig zurückgebliebene Schwester mit einer Axt und raubt ihre Wertsachen. Nur mit großem Glück kann er unentdeckt aus dem vierten Stock des Wohnhauses entkommen, wobei seine nervliche Anspannung fast in Wahnsinn mündet. So fällt er nach gelungener Tat in einen mehrtägigen fiebrigen Dämmerzustand, ein Delirium, das die innere Abscheu vor der eigenen Tat widerspiegelt. Immer mehr zeigt sich, dass er seiner eigenen Theorie nicht gewachsen ist. Er ist nicht der Mensch ohne Gewissen, der er zu sein glaubte. Außerdem hat ihn seine Tat verändert. Wenngleich Raskolnikow ein scheinbar perfektes Verbrechen gelungen ist, empfindet er als Doppelmörder die gesellschaftliche Abspaltung innerlich nun umso schmerzhafter. Nach der Mordtat findet er keine Ruhe mehr, selbst seine eigene Mutter verwirft er und gerät mit ihr in Streit. So dauert es nicht lange und er wird von einem Ermittlungsrichter als Schuldiger erkannt, obwohl jener Raskolnikows Täterschaft nicht zu beweisen vermag. Beiden, Täter wie Ermittler, ist dies bewusst, auch wenn es nicht offen ausgesprochen wird. Stattdessen steigert sich das intellektuelle Gefecht zwischen den Widersachern zu einem subtilen psychologischen Spiel, welches Raskolnikow, wiewohl er nach äußerlichem Stand der Untersuchungen beruhigt sein könnte, immer mehr in die Enge treibt. Die gläubige, sich für Ihre Familie selbst aufopfernde Prostituierte Sonja, welche er kennen und lieben lernt, rät ihm schließlich, sich zu stellen um für seine Sünden zu "bezahlen". In der Haft in einem sibirischen Arbeitslager folgt die Wandlung Raskolnikows zum Christen. Fazit: Ein tiefer Einblick in die menschliche Psyche, noch lange bevor die Freudschen Thesen der Psychoanalyse überhaupt Fuß gefasst hatten. Noch dazu einer der spannendsten Kriminalromane aller Zeiten, in dem das Motiv aus dutzenden Blickwinkeln plausibel betrachtet wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ist es recht, etwas schlechtes zu tun, um etwas gutes zu erreichen?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne: Rodion Raskolnikoff. Roman (Taschenbuch)
Für Raskolnikov ist die Antwort auf diese Frage klar: ja. Er, ein mittelloser, aber hochbegabter Student, eingepfercht in der düsteren, "sargartigen" Enge seines Zimmers, entwickelt eine wahnwitzige Genietheorie. Da er sich selbst, nach dieser Theorie, für ein Genie hält, gibt er sich selbst die Erlaubnis, seine Pfandleiherin, die "nur" eine Laus wäre, zu ermorden. Mit dem Geld, welches er ihr rauben will, könnte er sein Studium fortsetzen - doch dem geneigten Leser wird schnell klar, dass es ihm im Grunde um viel mehr geht, hauptsächlich um Selbstbestätigung. Trotz sämtlicher Zweifel macht er sich mit einer Axt auf den Weg zu der "Alten", mit der Absicht, sie zu töten. Doch der Mord, den er vorher einige Male im Kopf "vorgeplant" hat, verläuft anders als er denkt; nur mit Mühe kann er unbemerkt entkommen. Raskolnikov hat also, könnte man meinen, das perfekte Verbrechen begangen. Doch ausgerechnet das eigene Gewissen macht ihm einen Strich durch die Rechnung... Das besondere an diesem gar nicht verstaubten Klassiker ist meiner Meinung nach seine Vielschichtigkeit. Der erste Teil, in dem Raskolnikov den folgenschweren Doppelmord begeht, ist unglaublich spannend; teilweise ist mir beim Lesen fast das Herz stehen geblieben. Die folgenden Teile, in denen Raskolnikov im Fieberwahn liegt, lesen sich auch sehr... verzerrt, als wäre man selbst in einem Delirium gefangen. In den restlichen Teilen dagegen wird man förmlich überschwemmt mit klugen Gedanken und Fragen philosophischer Natur, die sich der ein oder andere sicher schon einmal selbst gestellt hat. Nach dem Genuss dieses Buches muss ich wirklich sagen, dass kein anderes Buch mich jemals so sehr zum nachdenken angeregt hat, wie "Schuld und Sühne". Meiner Meinung nach sollte jeder dieses Buch (mindestens!) einmal gelesen haben, denn es wühlt Fragen auf, die im Grunde die ganze Menschheit und ihr Verhältnis zueinander betreffen.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Meilenstein der Weltliteratur.,
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne: Roman (Taschenbuch)
Wer bereits in den Genuss von Dostojewskij's Romanen gekommen ist, der wird wissen, was für ein Genius dieser Mann ist bzw. war. Wer ihn nicht kennt, könnte mit „Schuld und Sühne", einer der wohl besten Romane Dostojewskijs, durchaus einen Anfang wagen. Er wurde im Jahre 1866 fertiggeschrieben und gilt nicht umsonst als einer der größten psychologischen Kriminalromane der Weltliteratur.Die Kernthematik des Buches kreist um das Thema des Verbrechens. Sankt Petersburg um 1860. Der junge und vollkommen verwahrloste Jura-Student Rodion Raskolnikow muss sein Studium aufgrund von Geldnot aufgeben. Kurz darauf begeht er einen fatalen Doppelmord: Eigentlich wollte er einzig eine alte, ihm verhasste Pfandleiherin töten, doch deren Schwester kreuzt unerwartet auf, sodass er gezwungen ist, auch sie zu töten. Zwar glaubt Raskolnikow, richtig gehandelt zu haben, da er meint, das Geld der alten Pfandleiherin könne vielen anderen, in erster Linie armen Menschen, Unterhalt bieten, doch schon nach einer gewissen Zeit plagen ihn schreckliche Schuldgefühle. Im Laufe des Buches wird seine Sehnsucht nach Sühne, nach Erlösung unermesslich groß. Er quält sich, wird schwerkrank und versinkt tagtäglich in ein fieberhaftes Delirium. Seine Mutter, seine Schwester und viele gute Freunde, die ihm zur Seite stehen, können ihm nicht helfen. Erst die Liebe zu der Prostituierten Sonja Marmeladowa schenkt ihm neuen Lebensmut und langsam aber sicher schafft er es, seiner so ersehnten Sühne näher zu kommen. Das Ende soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Besonders eindrucksvoll ist Dostojewskij die Symbiose aus psychologischem Feingefühl und kriminalistischer Verschrobenheit gelungen. Der Leser ist demnach an zweierlei Dingen interessiert: Wird Raskolnikow als Täter ausfindig gemacht? Und: Wie geht er mit den schmerzhaften Schuldgefühlen um? Überdies ist Raskolnikow zwar ein verwirrter und wenig kontaktfreudiger Mann, aber dennoch eine faszinierende und interessante Figur. Er ist kein Unmensch, sondern ein unglücklicher, determinierter Mann, welcher gleichzeitig ein durchaus intelligenter Zeitgenosse sein kann. Raskolnikow unterscheidet zwei Menschengattungen, nämlich die gewöhnlichen Menschen, welche das „Material" darstellen und sich durch die Zeugung weiterer Menschen auszeichnen, und die außergewöhnlichen Menschen, welche das Gesetz zugunsten einer neuen Idee übertreten dürfen; sie bewegen die Welt, sie sind „Zerstörer". Vor dem Mord sah er sich selbst in der Rolle des außergewöhnlichen Menschen, doch im Laufe der Zeit muss er auf bittere Art und Weise realisieren, dass dieser Gedanke fatal war. Raskolnikow erfährt nach dem Mord eine Wandlung vom revolutionären, fast schon nihilistischen Sozialisten zum gläubigen Christen und überdenkt seine bisherige Weltanschauung komplett. Gibt es Gott? Wie kann ich von der Schuld loskommen? Wo ist mein Platz in der Gesellschaft? Diese und andere Fragen plagen den Protagonisten, in den man sich schon fast beängstigend gut hineinversetzen kann, denn Dostojewskij gestattet dem Leser einen höchst detaillierten Einblick in das wirre Innenleben des Raskolnikow. In der Hinsicht muss ich mir offen eingestehen, dass ich noch nie ein nur annähernd vergleichbar gutes Buch gelesen habe. Die Nähe, welche man zum Protagonisten hat, ist einfach unglaublich. Und eigentlich sind die knapp 750 Seiten relativ handlungsarm - der Großteil setzt sich aus den Gedanken und Gefühlen Raskolnikows zusammen. Der Roman ist einer der einzigartigsten, der mir je unter die Augen gekommen ist. Er behandelt psychologische, philosophische, religiöse und gesellschaftskritische Themenkreise. Die Figuren sind grandios umschrieben, die Atmosphäre sehr bedrückend. Untere Gesellschaftsschichten werden in ihrem ganzen Elend beschrieben; ihr Alltag wird bestimmt von Krankheit, Armut, Hunger, Kriminalität, Alkoholismus, Gewalt und Prostitution. Der Leser nimmt an diesem bitteren Leben teil und sieht sich -genau wie Raskolnikow- ständig mit der Frage konfrontiert: Rechtfertigt die Armut vieler Menschen den Mord an einem einzigen, wohlhabenden Menschen? Unser Moralkodex würde das verneinen, doch wenn Sie erst einmal anfangen zu lesen, so werden Sie Zeuge einer merkwürdigen, eigenen Ungewissheit. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Jahre her...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne: Roman in sechs Teilen mit einem Epilog (Gebundene Ausgabe)
...ist es als ich dieses Buch gelesen habe, aber es ist bis heute und viele viele viele Bücher nachher das bedeutenste Buch welches ich je gelesen habe.Die Inhaltsangabe würde keine DIN A4 Seite füllen, der Sachverhalt (Krimi) ist auch über 800 Seiten nebensächlich, aber ich habe selten einen Roman gelesen in dem die menschliche Psyche so fein seziert wird und Stückchen für Stückchen freigelegt wird. Dieses Buch findet innen statt. Diese Buch war "schuld", das ich angefangen russisch zu lernen, da diese sprache mehr adjektive hat und zu meiner "Sühne" wollte ich einmal im Original lesen (leider noch nicht geschafft). In guter psychischer Verfassung absolut lesenswert!! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Schuld und Sühne: Roman in sechs Teilen mit einem Epilog von Fjodor M. Dostojewskij (Gebundene Ausgabe - 15. Januar 2006)
Gebraucht & neu ab: EUR 7,96
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