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5.0 von 5 Sternen Hinweis
Zu den Qualitäten von Baudelaires Werk wurde bereits von meinen Vorgängern und in unzähligen anderen Publikationen ausreichend Stellung genommen. Sie dürften außer Frage stehen. Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass es sich bei der Insel-Taschenbuch-Ausgabe mit der ISBN 3-458-318208, um die Übersetzung von CARLO SCHMID...
Veröffentlicht am 1. Juli 2007 von Lev Zturep

versus
26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen geschändetes meisterwerk
ich bin eigentlich froh, die zweisprachige ausgabe gekauft zu haben. ich spreche zwar nicht fliessend französisch, doch es reicht allemal, um mir an der unsäglichen übersetzung von monika fahrenbach-wachendorff die krätze zu ärgern! natürlich gibt es bei jeder übersetzung reibungsverluste, aber die willkürliche, in fast jedem vers...
Veröffentlicht am 15. Januar 2007 von Richard Kempkens


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39 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hinweis, 1. Juli 2007
Zu den Qualitäten von Baudelaires Werk wurde bereits von meinen Vorgängern und in unzähligen anderen Publikationen ausreichend Stellung genommen. Sie dürften außer Frage stehen. Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass es sich bei der Insel-Taschenbuch-Ausgabe mit der ISBN 3-458-318208, um die Übersetzung von CARLO SCHMID (fertiggestellt 1941) handelt. Die oben angegebene Perlentaucher-Notiz mit der darin enthaltenen Kritik betrifft dagegen die Kalkreuth'sche Übersetzung, also mithin ein anderes Buch. Bislang konnte ich zwar nur bei einer Handvoll der Gedichte eingehend Original und (drei mir vorliegende) Übersetzungen vergleichen. Doch immerhin schnitt dabei - in meinen Augen - diese Übertragung von Herrn Schmid, indem sie sich inhaltlich dicht am Original hält, ohne zu sehr an Fluss und Lesbarkeit einzubüßen, stets am besten ab. Der Wert dieser Ausgabe wäre nur noch durch Beifügung des französischen Originals und ggf. eines fachlichen Kommentars o.ä. zu steigern. Doch auch so verdienen Baudelaire und Schmid an sich schon die volle Anzahl Sterne.

>>Nachtrag: Inzwischen habe ich nochmal nachgeschaut und festgestellt, dass es vom Insel-Verlag noch eine ganze Reihe weiterer Ausgaben der "Blumen des Bösen" gibt: u.a. eine sehr aufwendige, in zwei Bänden inklusive der "Der Spleen von Paris" (ISBN 3-458-161724) mit Übertragungen durch Sigmar Löffler, Fernand Nohr und Dieter Tauchmann, sowie eine Hardcover- (von 1986 ISBN 3-458-145362, ebenfalls Carlo Schmid) und eine Jubiläumsausgabe (ISBN 3-458-342710) - letztere offenbar mit besagter (und kritisierter) Übertragung durch Wolf von Kalckreuth. Leider wird bei Amazon nicht zwischen den einzelnen Büchern differenziert. Die verschiedenen Ausgaben aus dem Hause Insel werden schlicht über einen Kamm geschoren und erscheinen hier also mit denselben offiziellen und Kundenrezensionen. Nicht eben sehr hilfreich für den suchenden Laien. Wer sich daher verläßlich informieren will, sollte dazu lieber die Internet-Seiten der Deutschen Nationalbibliothek aufsuchen.
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen geschändetes meisterwerk, 15. Januar 2007
Von 
ich bin eigentlich froh, die zweisprachige ausgabe gekauft zu haben. ich spreche zwar nicht fliessend französisch, doch es reicht allemal, um mir an der unsäglichen übersetzung von monika fahrenbach-wachendorff die krätze zu ärgern! natürlich gibt es bei jeder übersetzung reibungsverluste, aber die willkürliche, in fast jedem vers vorkommende auslassung von einem oder zwei begriffen, nur um das versmass zu erhalten: das ist schlechter stil! ich schlage nach dem zufallsprinzip auf: "viens, mon beau chat, sur mon coeur amoureux" liest sich auf deutsch: "komm an mein herz, mein schönes katzentier" katzentier!? und was ist mit "amoureux"? macht es mich zum pedanten, dass ich hier ein adjektiv vermisse?

die fulminanten worte des meisters selbst bedürfen nicht meiner empfehlung. wer auch nur mässig französisch versteht und nicht 100% auf die übersetzung angewiesen ist, sollte zugreifen! schade nur, dass ein so entscheidendes werk keinem begabteren deutschen nachdichter anvertraut wurde. es hinterlässt bei mir einen bangen zweifel an den vielen übersetzten büchern, die ich bisher gelesen und genossen habe, speziell den gedichten. und ich frage mich, ob manche klassiker der weltliteratur, die auf mich einen mässigen eindruck gemacht haben, in wirklichkeit schlampigen und bornierten herausgebern zum opfer gefallen sind. reclam, j'accuse!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hörspielkunst auf hohem Niveau!, 2. August 2012
Von 
callisto (Freiburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die künstlichen Paradiese: 1 CD (Audio CD)
"Der gesunde Verstand sagt uns, daß die Dinge der Erde nur sehr wenig Realität besitzen und daß es Wirklichkeit einzig in den Träumen gibt. Um das natürliche wie das künstliche Glück zu verdauen, braucht es zunächst einmal den Mut, es hinunterzuschlucken..."

Der französische Schriststeller Charles-Pierre Baudelaire ist wohl einer der größten französischen Lyriker und einer der wichtigsten Wegbereiter der europäischen literarischen Moderne. Eigentlich kennt man ihn vor allem wegen seiner Gedichte. Kaum einer würde erwarten, dass dieser Dichter 1860 einen Assay "Les paradis artificiels, opium et haschisch" Dt. "Die künstlichen Paradiese" veröffentlichte, ein Plädoyer für den verantwortungsvollen Umgang mit Haschisch und anderen Drogen. Der Text behandelt neben dem Wunsch des Menschen nach Ausnahmezuständen, die zeitlose Neugier auf Rausch und Drogen, das Nachdenken über Fragen von Bewusstseinsveränderung auch die Frage, welche Dosierung die Richtige ist, wie sich die Rauschzustände äußern und was man dabei fühlt. Er stützte sich dabei auf eigene Erfahrungen mit diesen Drogen, die damals, neben Absinth, bei den verfemten Dichtern hoch im Kurs standen. Politisch korrekt auch gleich am Schluss noch die Warnung über potentielle psychische Abhängigkeit. Ein durchaus moderner Sachtext über Gebrauch, Anwenden und Risiken des Haschisch. Aber ein wirklich ungewöhnlicher Stoff für ein Hörspiel.
150 Jahre später produzierte Kai Grehn für RB/HR/RBB/SR 2011 dieses 80 minütige Hörspiel aus diesem Assay. Ein ungewöhnliches, experimentelles Hörspiel, das 2012 mit dem deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie "besonderer Wagemut" ausgezeichnet wurde. Kai Grehn lud dabei 12 Bands ein, sich von Baudelaire Gedicht "Berauschet euch" inspirieren zu lassen. Die 12 mitwirkenden Bands (alva noto, Anne Clark, Gevorg Dabaghyan, Matt Elliott, The Original Kocani Orkestar, Mariahilff, Nouvelle Vague, Helmut Oehring, Sandow, Tarwater, Tuxedomoon, Ulver) schrieben inspiriert durch Pierre Baudelaire Gedicht "Berauschet Euch" einige richtige Ohrwürmer.
Das Hörspiel wartet mit drei hervorragenden Sprechern auf:
Alexander Fehling - bekannt durch Rollen in Inglourious Basterds und Goethe!
Jule Böwe - Theater- und Filmschauspielerin der Berliner Schaubühne.
Jeanne Moreau ' die grand Dame des französischen Kinos.

Schon die Katogorie "besonderer Wagemut", in dem das Hörspiel ausgezeichnet wurde, zeigt, was der Hörer zu erwarten hat. Dieses Hörspiel ist keine seichte Unterhaltung, auf dieses Hörspiel muss man sich einlassen und man sollte in der richtigen Stimmung für diesen Stoff sein. Wenn alle Randbedingungen stimmen, wenn alles vorbereitet ist, man Ruhe und Muße hat, wenn alles kurzum so ist, wie Baudelaire es für einen Haschischtrip empfiehlt, dann kann man dieses Hörspiel genießen und wird feststellen, dass ein Assay neben Ernsten auch durchaus lustige Seiten hat, und dass vor allem dieser Assay, obwohl bereits 150 Jahre alt, erstaunlich aktuell und modern ist. Die Musik ist sehr gut auf die jeweils behandelten Themen abgestimmt und verschafft dem Hörer immer kleine Verschnaufpausen, wenn der Text anfängt anstrengend zu werden.
Hörspielkunst auf hohem Niveau!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen Begehren, Vermeintlichkeit und Vergeblichkeit, Zwischen Trunk und Sinn und Dunkelheit, 8. Mai 2012
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Blumen des Bösen (Gebundene Ausgabe)
"Mir ist, als hätte ein Jahrtausend ich geschaut.
Nie barg ein Schrank, darin der Akten Flut gestaut,
Wo Liebesbriefe sich, Urkunden, Blätter schichten,
Mit Haaren, die verpackt in Scheine, mit Gedichten,
Mehr Heimlichkeiten als mein Hirn, mein müdes, kennt.
Es ist ein Königsgrab, ein Riesenmonument;
Nicht eine Massengruft bedeckt so viele Leichen."

Vorweg: Wem diese Rezension zu umfangreich ist, der findet eine Kurzfassung im ersten Kommentar, wo ich auch auf die Problematik der Übersetzungen eingehe.

Die Blumen des Bösen, die "les fleurs du mal", werden, übergreifend, von nahezu allen westlich-europäischen Ländern als der Beginn der modernen Dichtung angesehen; von Arthur Rimbaud bis Paul Celan reicht die Spanne der von diesem Werk inspirierten und beeinflussten; Gedichte wie "Der Albatros" und "Die Katze", "Das schöne Schiff" oder "An eine rothaarige Bettlerin" gehören zum Kanon des Allgemeinwissens in Puncto Lyrik und die kunstvoll finstren, ornamentenen Wendungen und Reime des Werkes haben, inhärent, Worte wie "Poetisch" und "Lyrisch" auf ewig für sich eingenommen und geprägt. Und bei aller Kritik, die sich mit der Zeit gegen jedes Werk aufbauen wird - die Blumen des Bösen waren mehr als nur der Schritt in eine neue Art von Dichtung. Sie waren auch der erste Versuch mit intellektueller Erfassung weltlichen Fragen in Reimen nahezukommen - eine Tradition unter der beinah die ganze bedeutende, moderne Lyrik steht.

"Zwei Krieger stürzen aufeinander; ihre Klingen
Durchstieben rings die Luft mit Funken und mit Blut.
Dies Spiel, dies Klirren ist das lärmerfüllte Ringen
Der Jugend, die verzehrt von wilder Liebesglut."

Wenn man heute davon spricht, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, bedeutet das meistens, dass man nicht bei Gelegenheit kein Blatt vor dem Mund nimmt, sondern immer und prinzipiell.
Charles Baudelaire, Dandy und Dichter, opiumsüchtig und in Frankreich neben eigenen Werken auch berühmt für die Entdeckung und Übertragung der Werke Edgar Allen Poes, lehrt einem in diesem Werk hier, was es wirklich heißt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen - es heißt nämlich die Akzente richtig zu setzten, das Gefühl der Offenheit zu vertiefen und zu verschleiern, es nicht zu beantragen und trotzdem subtil, allumfassend aufzutun, in seiner Nacktheit, seiner Dunkelheit, seiner Boshaftigkeit und seiner Schönheit. Denn der Reiz aller Dinge, das weiß Baudelaire, ist oft zwischen den Krallen des Seins und den Händen des Scheins in einer Art von Vermeintlichkeit gefangen.

"Denn klarer kann sich, Herr, kein Zeugnis offenbaren,
Das unserm innern Wert je eine Stimme leiht,
Als dieser glühnde Schrei, der rollt von Jahr zu Jahren
Und sterbend untergeht am Rand der Ewigkeit."

Das Leben, für beinahe jeden Dichter heute der Dreh- und Angelpunkt seines Werkes, das Ding für das es Metaphern, Bilder und Sinn zu finden gilt, für das Gebilde selbst und für all seine Stellvertreter, durch die hindurch man das Leben aus dem Augenwinkel oder exemplarisch wahrnehmen und spüren kann - Baudelaire besingt es hier in vier Zeilen, er wirft es hin und her zwischen Eindrücken und Feststellungen.

"Unendlichkeit seh fahl ich durch die Fenster strahlen,
Und meine Seele, die es schwindelt, füllt mit Neid
Das wesenlose Nichts in seiner Einsamkeit.
O! niemals mehr sein als Geschöpfe und als Zahlen."

Die Blumen des Bösen mögen oft als Gesänge des Unmuts, der Lüsternheit und der Verkommenheit angesehen werden. Doch das erklärt nur den einen Teil ihres Titels. Und auch wenn der Teil mit den Blumen sich weniger gut (Im Gegensatz zum Bösen) aus dem Französischen übertragen lässt - wer sich in die erst wirr und trunken anmutenden Verse einliest, wird schnell herausfinden, dass sie sich eigentlich im Zentrum des Sturms befinden, da wo es am ruhigsten ist. Klagen, Sehnsucht und Angst, oft treten sie zu uns im Fell der Wut und der Begierde, dem Hass und der Flucht nach vorn. Baudelaire versteht es dieses schwierige, psychologische Erbe zu erzählen - natürlich mit Vorliebe auch durch das Erotische, so in diesen Zeilen, in denen er auf die Zweischneidigkeit der Weiblichkeit hinweist:

"Ihr magres Schlüsselbein umschmiegen leichte Spitzen,
Gleich einem üppigen Bach, der sich am Felsen reibt,
Und sittsam bergen sie vor possenhaften Witzen
Den unheilvollen Reiz, der tief verborgen bleibt."

Die Blumen des Bösen sind ein Gedichtband, der wegweisend war und auch heute noch wunderschöne Wendungen an Reimen und Eindrücken zu bieten weiß und auch immer noch lehrreich ist für die Begegnung mit der psychologischen Tiefe von Leben und vom Bösen. Zweifelsohne ist es schwierig in diesem dunklen Meer zu baden, ohne sich zu fragen, warum es immer wieder ins Abgründige umschlägt. Aber dass ist die Eigenschaft des Meeres: Es ist weit, groß, schön und immer abgründig, je mehr, desto weiter man sich hinauswagt; und darin schwimmen heißt stets bis zum Hals über dem Abgrund zu schweben.

"Und es erschrak mein Herz, manch Armen zu beneiden,
der glühnden Eifers stürzt zum Abgrund des Gerichts,
Und der, von seinem Blut berauscht, die grimmsten Leiden
dem Tode vorzieht und die Hölle selbst dem Nichts."
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen großes lyrisches Ereignis, 21. September 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
Baudelaires "Blumen des Bösen" gehören neben Villons "lasterhaften Balladen" und dem Chansonwerk von Georges Brassens zu den größten lyrischen Ereignissen der französischen Literaturgeschichte.
Was Eleganz der Sprache und des Versmaßes angeht, stehen die Sonette (die bevorzugte Form Baudelaires) auch heute noch einzig da. Sogar in der übersetzung funkeln diese Verse voller Esprit und lyrischem Ausdrucksvermögen in einer Weise, dass man oft schwer sagen kann, ob das das Werk des Übersetzers oder Baudelaires selber ist. Daneben beeindruckt die thematische Vielfalt, in der Baudelaire die Liebe und das Elend des 19. Jahrhundertst bedichtet.
Immerhin hat der Mann ja auch einiges erlebt.
Bildung und Belesenheit des Autors verwundern bei seinem Lebensweg eher. Die Gedichte stecken dennoch voller Anspielungen auf die griechisch-römische Mythologie, ohne dass man jetzt ein Kenner derselben sein müsste, um sie zu verstehen.
Vorstechende Merkmale des Werks sind weiterhin die Rebellion gegen Religion und religiöse Zwänge der Kirche, das Hadern mit dem Tod und Sehnen nach Erlösung zugleich sowie das ewige Unterwegssein als Sinnbild des Lebens und Leidens.
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23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ausgaben vergleichen! Ärger sparen!, 22. Oktober 2007
Es wurde schon angedeutet, dass je nachdem welche Ausgabe von "Die Blumen des Bösen" man erwischt, die Freude am Lesen des Gedichtbandes sehr differenzieren kann. Die Übersetzung scheinen hier von Ausgabe zu Ausgabe sehr unterschiedlich. Deshalb einen kurzen Abriss:

Vorneweg: Die Übersetzung von CARLO SCHMID (ISBN 3-458-318208) scheint hier noch eine der gelungeren zu sein, zumindest laut einem meiner Vorrezensenten.

Ich habe die Übersetzung von von Monika Fahrenbach-Wachendorff erwischt (reklam, deutsch/französisch, ISBN-10: 3150099730 bzw. ISBN-13: 978-3150099735). Leider! Denn ich muss sagen, dass diese Übersetzung eine echte Zumutung ist. Der Sinn wird durch die teils sehr freien und weit von Baudelaires Ursprungs-Text entfernten Interpretationen Fahrenbach-Wachendorffs sehr entstellt. Zu großen Teilen auch nur um den End-Reim und das Versmaß zu erhalten, die Prägnanz von Baudelaires Sprache geht verloren durch umständliche und ungeschickte Formulierungen im Deutsch von Fahrenbach-Wachendorff. Diese zweisprachige Reklam-Ausgabe ist nicht zu empfehlen, einziger Lichtblick ist der mitabgedruckte Original-Text.
(Bei Reklam ist anscheinend noch eine rein deutsche Überstzung des Bandes erschienen, die hier in den Kritiken anscheinend ganz gut wegkommt. Ob es sich hierbei um den Abdruck desselben Übersetungsdebakels von Fahrenbach-Wachendorff handelt ist mir nicht persönlich bekannt. Nach Recherche auf der Reklam-Homepage konnte ich aber feststellen das es mit dieser fehlerhaften Übersetzung drei Ausgaben des Reklam-Verlages gibt: erstens ISBN 978-3-15-059973-0, zweitens: ISBN 978-3-15-005076-7 (aha, das eben erwähnte einsprachige Reklam-Heft) und drittens: ISBN 978-3-15-009973-5, das oben erwähnte zweisprachige Exemplar. Fazit: Reklam und Baudelaire-Übersetzung gehen aus Käufersicht zusammen wohl nicht klar).

Ebenfalls schlecht ist eine andere zweisprchige Ausgabe in der Übersetzung von Friedhelm Kemp (dtv-Verlag, ISBN-13: 9783423123495, bzw. ISBN-10: 3423123494). Ähnlich wie bei Fahrenbach-Wachendorff ist Kemps Sprache im vergleich zum Originaltext sinnentleert und überträgt nichts vom Reiz des Originals ins Deutsche. Stellenweise wird frei dazuerfunden oder einfach nur schlecht übersetzt. Auch dies, nicht zu gebrauchen.

Anscheinend ebenfalls weiter weg vom Original-Text übersetzt, ist die Übersetzung von Wolf Graf von Kalckreuth (siehe perlentaucher.de-Kritik), in den Händen gehalten habe ich diese Ausgabe aber noch nicht persönlich.

Ebenfalls keine Kritik kann ich mir über die Ausgabe aus dem Patmos-Verlag erlauben (ISBN-13: 978-3491961333). Sie sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Fazit: Abschließend scheint es, dass zweisprachige Ausgaben von "Die Blumen des Bösen" inklusiver einer annehmbaren Übersetzung noch Mangelware am Buchmarkt sind.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lyrik in ihrer schönsten Form, 24. Juli 1999
Von Ein Kunde
"Ich vergleiche diese seltsamen Blumen mit den seltsamen Versen, die ein taktvoller Marquis de Sade schriebe, wenn er die Sprache der Engel beherrschte." (Paul Verlaine) Baudelaires 'Fleurs du Mal' wurde 1857 das erste Mal in Paris veröffentlicht -wenn auch nur die ersten 100 Gedichte davon- und schon bald darauf wurden die Verleger und der Dichter wegen Verletzung der Moral und der guten Sitten vor Gericht gezogen und zu Geldstrafen verurteilt. Baudelaire selbst sagte über sein Werk:"Dieses verfluchte Buch (auf das ich sehr stolz bin) muß wohl recht dunkel sein, recht unverständlich!Ich werde lange darunter zu leiden haben, daß ich das Böse mit einigem Talent darzustellen wagte." -Wie recht er damit hatte! Ein wundervolles Werk mit noch wundervolleren Gedichten, die mit ihren Metaphern und ihrer Symbolik den Geschmack eines blutigen Pfirsichs im Munde des Lesers hinterlassen.Ein Dichter, der seine Kunst verstand. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein Eldorado ist's, vom Schicksal vorbestimmt, 25. April 2007
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
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Baudelaire (1821-1867) ist einer der größten französischen Lyriker, ebenso Wegbereiter der lyrischen Moderne. Einfluss übte er auf Verlaine, Rimbaud, Mallarme, George und insbesondere Valery. "... Absicht, ein großer Dichter, doch weder [...], noch Hugo, noch Musset zu werden" so sagte Valery und gibt hier bereits Harold Bloom Recht, der die Frage der Vorgänger bestens analysierte. Baudelaire vermiet es zeitlebens, seinen Vorsatz zu benennen, Hugo zu überflügeln und selbst an die Spitze zu kommen, um ewig zu werden. Und doch waren sie da, diese Zeilen, "ein Vers, der sich an tausend andere ficht." (von Hofmannsthal) Wer das Ozeanische (Romain Rolland), die Empfindung der Ewigkeit, austrocknen lässt als Dichter, wird an Land geschwemmt, wer aber bis zum Hals im Wort steckt, dem schlägt die Stunde der wirklichen Geburt, ihm entsteht der dichterische Neubeginn, aus der empfundenen Hoffnungslosigkeit entsteht ein Metaleben, in dem Liebe und Tod um ihre Beute kämpfen. So ist Baudelaire.

Baudelaire hat mit Lesern gerechnet, die die Lyrik vor Schwierigkeiten stellt. Und so widmet er sich einleitend in diesen "Les Fleur du mal" an seine Leser, denen Willenskraft und Vernunft nicht das zu geben vermögen, was sinnliche Genüsse versprechen. Seine Leser sind mit dem Spleen vertraut, der allem Normalen den Garaus macht. Baudelaire wollte letztendlich verstanden werden, und so beginnt er betont freizügig vom "sündigen Begehren" zu sprechen und Reue als "holden Zeitvertreib" zu definieren. "Es ist Überdruss!" so widmet er sich dem Leser und bindet ihn gleichsam in seine Lyrik. Er schließt sein Eröffnungsgedicht: "Mein Leser, Heuchler du, - mein Bruder, - meinesgleichen!"

Und nun folgen 131 Gedichte, aufgeteilt in Spleen und Ideal, Bilder aus Paris, Der Wein, Blumen des Bösen, Aufruhr und Der Tod.

Ein Massenerfolg lyrischer Poesie ist nach Baudelaire in dieser Menge nicht mehr vorgekommen. Selbst Hugos Lyrik fand nicht diese Resonanz, vielleicht noch das "Buch der Lieder" von Heine. Und darum sind die Blumen des Bösen ein Mach(t)werk, etwas, was hilft im Gegenpart, das Gute zu erkennen. Diese negative Dialektik kann man bei Baudelaire finden, da wo 1902 bereits Stefan George mit der ersten Übersetzung das schier Unfassbare ins Deutsche brachte. Und doch scheint es nur unfassbar in der bürgerlichen Meinung, das baudelairesche Schocken ist eben der direkte Weg, Beachtung zu finden. Seine Erlebnisse in Paris bestimmten Rilkes Malte, seine Sucht ("ich wurde von der Pfeife geraucht"), sein Spiel und er findet im Gedicht die Lösung. "Das Spiel" will nach Walter Benjamin, von keiner gesicherten Position wissen. Das Spiel, im Gegensatz zur Arbeit, macht mit dem vergangenen Leben kurzen Prozess. Und Spleen, Benjamin sagt, es sei der Staudamm gegen den Pessimismus. Baudelaire kann in der Tat kein Pessimist sein, ist er doch nur der Gegenwart verschrieben, sein Tabu, wenn er eines hat, gilt der Zukunft. Er war nicht wie Verlaine, "der in die Devotion (Anm. Frömmigkeit) flüchtete" (Benjamin), noch hatte er die Jugendkraft des lyrischen Elans eines Rimbauds (ausdrücklich empfehle ich seine Dichtung, siehe Rez.).

"Ihr Menschen, ich bin schön! ein Traum in Stein gehauen; [...] doch in dem Dichter ruft sie eine Liebe wach", so berichtet CB über Schönheit und sucht am Ende den Blick, das Auge als Spiegel "aller Schönheit Quelle." Doch sieht er die Erwartung, die dem Menschen entgegendrängt als leer, denn den Augen ist der Glanz verloren, ein Reiz hat sie noch umfangen, im Banne seiner Augen hat sich Sexus vom Eros losgesagt, seine Verse der seligen Sehnsucht wechseln zur klassischen Liebe, mit einer Aura gesättigt und allen fernen Blicken nah:

"So bete ich dich an wie nachts den Sternenreigen,
O Schrein der Traurigkeit, o du mein tiefes Schweigen,
Und liebe dich je mehr, je ferner du von mir:
Je mehr es mir so scheint, du meiner Nächte Zier,
Als wollte mir zum Hohn die Räume du noch weiten,
Die meinen Arm getrennt von blauen Ewigkeiten."

Baudelaire ist blicklosen Augen verfallen und begibt sich ohne Illusionen in ihren Machtbereich. Diesem einen Werk hat Baudelaire all seine Kraft gewidmet, sein produktives Vermögen liegt hier, unbeirrbar in seiner Poesie, die er in der Absicht, "eine Schablone zu kreieren", verfasst hat - als Kondition eines jeden zukünftigen Lyrikers. Zerbrochen am Ende, das Gesetz seiner Poesie, "als ein Gestirn ohne Atmosphäre". (Nietzsche), wo "Polster tief wie Gräber sind", wo die letzte Reise "laut verkündet, ein Eldorado ist's, vom Schicksal vorbestimmt; / erkennt zu spät, dass nur ein Fels im Meere schwimmt."
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen spleen et idéal, 4. Dezember 2003
Von 
M. Heine (Rostock) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Der große französische Dichter des second empire wird uns hier in einer wunderbaren Übertragung angeboten. Alle Gedichte der Fleurs du mal, einschließlich der Unveröffentlichten und jenen, für die der Dichter und der Verleger wegen Verstoßes gegen Moral und Sitte verurteilt wurden, sind enthalten.
Baudelaire ist kein Mensch der Sachverhalte einfach ausgrdückt, seine Sprache ist vielmehr mehrschichtig, und dieses Phänomen versucht der Übersetzter auch beizubehalten, so lässt sich ein Gedicht auf den ersten Blick nicht immer leicht verstehen, jedoch bei jedem neuerlichen Lesen tuen sich neue Facetten auf. Ein Reichtum an Motiven und Begebenheiten droht den Leser zu verschlingen. Diese Lyriksammlung stellt einen Schatz fürs Lebens dar, aus dem man immer wieder darben kann, ohne jedoch etwas zum zweiten Male zu fühlen.
Schade ist nur, das der ungeübte und mit der Materie nicht vertraute Leser sofort ohne jede Einleitung den Sprachgewalten ausgeliefert wird, hier wäre eine schöne Einführung eines Fachmannes sehr hilfreich und schön gewesen.
Wie immer bleibt zu sagen, im Original ist eh alles besser, aber wenn man aufs deutsche zurückgreifen muss, dann doch bitte diese Übersetzung.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Faszination der Medusenschönheit, 30. August 2005
Von 
Werner Fletcher (Delbrück Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
Es ist das Grausige und Nekrotische, also das scheinbare Gegenteil vordergründiger Schönheit, das die seltsam makabre Anmut dieses wundervollen Straußes, den Baudelaire uns hier so kunstvoll gesteckt hat, erst richtig aufblühen läßt. Und es ist der in der Wonne und in der Liebe integrierte Schmerz, der als unverzichtbarer Bestandteil jeder tiefen Empfindung erst die große Synthese hervorzurufen vermag, die menschlichem Fühlen und Denken echte Tiefe verleiht, noch dazu besprenkelt mit den ebenfalls unerläßlichen Essenzen aus dem Flakon der Verderbtheit. Baudelaires teilweise herrlichen Blumen entfalten sich also unter dem Hauch der Verwesung, es entströmt ihnen ein die Sinne erregendes Gift. Des Dichters Schönheitsideal ist das der Medusa, und wie ein gewissermaßen botanisches, floristisch arrangiertes Medusenhaupt erblüht uns dieser Blumenstrauß des Bösen.
Die, die Charles Baudelaire geprägt oder zumindest doch beeinflußt haben, waren E.TH.A. Hoffmann, Maturin, Edgar Allan Poe vor allem, Petrus Borel, der Marquis de Sade; Delacroix, was die Malerei betrifft, oder unter anderen auch Richard Wagner, was die Musik angeht. Durch die intensive Beschäftigung mit diesen Geistesgrößen hat Baudelaire das Gift schon früh in sich hinein gesogen, das später einmal seine Blumen des Bösen düngen sollte. Der Geist des Perversen schwebt über ihm von Jugend an und folgt ihm unerbittlich wie ein Schatten, was seiner Genialität natürlich keinen Abbruch tut. Seine Schwäche besteht vielleicht einzig und allein darin, daß er seiner Begabung kaum anders Ausdruck verliehen hat, als auf eine defätistische Art und Weise. Den Geschlechtsakt zum Beispiel verglich er einmal mit der Folter oder mit einem chirurgischen Eingriff, und Wollust konnte es für ihn nur geben im Bewußtsein, Böses zu tun. Er schwelgt in blasphemischen Worten, in antiklerikaler Hetzrede, obwohl er sich bewußt sein mußte, daß seine Blasphemien und Lästerungen doch lediglich diejenigen treffen können, die sich durch die Besudelung ihrer Überzeugungen bzw. ihres Glaubens verletzt fühlen, aber niemals den Gegenstand seiner Lästerungen selbst, ganz unabhängig davon, ob dieser nun überhaupt existieren mag oder nicht.
Ein beeindruckendes Dokument menschlicher Geistesgeschichte und ein Exempel überragender Dichtkunst sind sie schon, die Blumen des Bösen, doch scheint es mir fraglich, ob sie allesamt dem Verwelkungsprozeß in der unerbittlich davon rinnenden Zeit werden trotzen können.
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Die Blumen des Bösen
Die Blumen des Bösen von Charles Baudelaire (Gebundene Ausgabe - 1. Juni 2004)
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