summersale2015 Hier klicken Jetzt Mitglied werden lagercrantz Cloud Drive Photos Learn More beautysale Siemens UHD TVs Shop Kindle Shop Kindle Sparpaket Autorip SummerSale

Kundenrezensionen

54
4,4 von 5 Sternen
Krieg und Frieden
Format: Gebundene AusgabeÄndern
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

57 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. September 2005
Krieg und Frieden war sicher die umfangreichste Literatur, die ich bisher in meinen 31 Lebensjahren genossen habe, jedoch mit Nichten, die langwierigste. Dem Autor gelingt es auf 1600 Seiten in packender Art und Weise, das Denken und Handeln des russischen Volkes zu Zeiten der napoleonischen Kriege in den Jahren 1805 bis 1812 darzustellen.
In künstlerischer Vollendung gelingt es Tolstoi in den kriegerischen und friedlichen Epochen dieser Zeit zu wandeln.
Dabei gibt er uns nicht nur einen genauen Einblick in das durchaus zwiespältige Verhältnis Napoleons zu Russland wie zum Zaren Alexander I, sondern nimmt sich ebenfalls die Zeit, uns gleich noch die Geschichte dreier russischer Großfamilien zu erzählen, deren Leben stark vom Kriege geprägt wird. Geschickt weiß er seinen roten Faden zu spinnen und mit Hilfe seines ach so menschlichen Helden, deren Schicksale miteinander zu verknüpfen. Mit seiner Detailverliebtheit, welche so scheint mir, den großen Literaten dieser Welt durchaus zu Eigen ist, gelingt es ihm, die Motive und Absichten seiner Darsteller zu hinterfragen und für uns als Leser transparent zu machen.
Dank des hilfreichen Personenregisters m Ende des Buches gerät der Leser nie in Verlegenheit, einer gewissen Verwirrung anheim zu fallen, was die Vielzahl seiner Protagonisten betrifft.
Bemerkenswert, wenn auch vielleicht teilweise streitbar, sind seine immer wieder intelligent eingefügten Bemerkungen und Schlussfolgerungen zu den Ursachen der Konfrontationen und deren Folgen auf die weitere Entwicklung Europas in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, sowie dem Handeln einzelner historischer Persönlichkeiten in ihrer Zeit.
Dieses Buch ist sicher nicht für jemanden geeignet, der leichtverdauliche Kost zum Einschlafen sucht, sondern eher für den interessierten Leser, der damit seiner Liebhaberei frönen möchte. Ganz klares Fazit: DAUMEN HOCH!
55 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. März 2009
Wer sich an dieses Buch herantraut, braucht viel, viel Zeit. Nahezu 1.700 Seiten sind zu lesen. Dazu geht es um eine Handlung in einer Epoche, von der man nicht unbedingt viel weiß. Verfolgt werden drei Familien aus dem Russischen Adel zwischen 1805 und 1812, in einem Epilog wird noch auf das Jahr 1820 und den Beginn des Dekabristenaufstands eingegangen, außerdem enthält er einen geschichtsphilosophischen Essay. Man sieht die einzelnen Familienmitglieder in der Gesellschaft Moskaus und St. Petersburgs, auf Bällen, Festen, in der Familie. Und man sieht sie während der beiden Kriege, die Russland gegen die französische Armee führte. Immer wieder gibt es Ausschweifungen - Militärgeschichte, Politik usw. Und so ist denn dieses Stück Literatur, zu dessen Verfassen Tolstoi fünf Jahre benötigte, mehr als ein Roman. Es ist ein Zeitbild, das Bild einer Generation, eines Landes, eines Volkes. Ich habe bewusst die Übersetzung dieses Buches gelesen, die Werner Bergengruen gemacht hat. Ich wusste, dass er ein brillanter Autor war. Es kann sein, dass Bergengruen dem Roman durch seine Übersetzung seinen Stempel aufgedrückt hat. Wenn es so war - na und? Dieses Buch ist eines der genialsten historischen Werke, das ich je gelesen habe.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. September 2011
Tolstois "Krieg und Frieden" ist einfach grandios. Es hat mich so in seinen Bann gezogen, dass ich es manchmal nicht ausgehalten habe weiter zu lesen, andererseits nicht aufhören konnte. Einzelne sehr ausführliche Stellen, wie z. B. die Schlachtenbeschreibungen, habe ich teilweise überflogen. Die detebe-Klassiker-Ausgabe ist allerdings eine Frechheit. Ich habe mich für sie entschieden, weil sie 4-bändig ist, sodass die Einzelbücher nicht zu schwer sind und auch gemütlich im Bett gelesen werden können. Aber ich bin noch nie einem derart schludrig herausgegebenen Buch begegnet. Die Ausgabe wimmelt nur so von Grammatik-, Ausdrucks-, Übersetzungs- und Druckfehlern. Dass trotz alledem das Buch faszinierend bleibt, spricht für das geniale Werk. Unbedingt eine andere Ausgabe/Übersetzung suchen und viel Zeit einplanen!- Es lohnt sich.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
220 von 247 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. September 2001
Krieg und Frieden ist eines der größten und bedeutendsten Werke der Weltliteratur. Daran ist nicht zu rütteln und es wurden bereits genügend Rezensionen über Tolstoi's großartiges erzählerisches Talent, die Dreidimensionalität seiner Personen sowie das gewaltige Ausmaß dieses Werks geschrieben. Ich schließe mich allen diesen Punkten bedingungslos an.
Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass ich von dieser Diogenes Ausgabe sehr enttäuscht bin. Ich wählte sie ursprünglich deshalb aus, weil sie in vier Bände unterteilt ist, was das Lesen einfacher macht, weil man nicht immer einen großen Wälzer mit sich herumschleppen muss. Doch musste ich zu meinem Bedauern feststellen, dass die Übersetzung mittelmäßig ist (es gibt allerhand grammatikalische Fehler) und die Typographie selbst sehr zu wünschen übrig lässt. Fast auf jeder Seite befinden sich Rechtschreib- b.z.w. Tippfehler, die beim Lesen störend wirken. Es sieht so aus, als ob die Bücher ohne Korrekturen gedruckt worden sind.
Ich hätte mir das von einem renommierten Verlag wie Diogenes nicht gedacht und bin wirklich enttäuscht. Es zeugt nicht gerade von Respekt für den großen Autor, sein Werk auf diese schlampige Weise herauszugeben.
55 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. September 2004
Ich verschlinge historische Romane und hab mich nach einigem Zögern nun auch an dieses Werk getraut. Ich hab eigentlich erwartet, dass der Roman eine gewisse geschichtliche Vorkenntnis erfordert, aber das erwies sich als Irrglaube. Durch Tolstois ausführliche Beschreibungen von z.B. Napoleon oder Kutusow erlangt der Leser nicht nur Kenntnis von den historischen Ereignissen sondern auch von den entsprechenden Hintergründen. Neben diesen geschichtl. Schilderungen bietet dieses Werk eine Vielzahl von unterschiedl Personen, die zwar zunächst etwas verwirren aber ein gelungenes Bild der damaligen Gesellschaft entwerfen. Tolstois Werk fesselt den Leser durch Themen wie Liebe, Leid, Tod und Familie.
Man kann "Krieg und Frieden" eigentlich in 3 Abschnitte teilen. Im 1. Drittel möchte man aufgeben, im 2. Drittel gewöhnt man sich an die Figuren und im 3. Drittel möchte man das buch kaum noch aus der Hand legen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Tolstoi gelingt es sehr gut, das beginnende 19. Jahrhundert einzufangen, wie es in Russland wohl wirklich gewesen ist.
Trotz des Umfanges kann man es zügig lesen (ich brauchte etwa 6 Wochen dazu), da es mehrere Geschichten erzählt und die Schicksale der Personen, von denen es erzählt, geschickt miteinander verknüpft. Da Tolstoi nie zu lange, aber immer lange genug bei einer Person verweilt, fügen sich die Einzelschicksale schön aneinander, ohne aus dem Tritt (oder Gedächtnis)zu geraten.
Es wird nie langweilig, da viele liebevolle Details erzählt werden, z.B. die Person des knorrigen alten Fürsten Bolkonskij oder die liebevoll geschilderte Szene, in der der junge Fürst Andrej Natascha kennenlernt, genauso, wie die tragische Figur seiner Schwester, der jungen Fürstin Marja Bolkonskaja per se. Auch der nicht minder tragische Pierre mit seinen immer nur halb ausgeführten Taten bei gleichzeitiger Sehnsucht, ein "ganzer Mann" zu sein, dabei nicht wissend, wie man diesen definiert, gibt dem Buch seinen einzigartigen Reiz.
Das Buch hat eigentlich keine wirklichen Helden, es zeigt, dass Anpassungsfähigkeit an sich dramatisch verändernde Situationen im Leben das eigentliche Heldentum ist, ein Heldentum, das jeder leben kann, auch der Leser.
Es gelingt Tolstoi darüberhinaus, Sympathie für seine Zeit zu entfachen, ohne diese Zeit zu "schminken" oder zu romantisieren.
Das verhindert schon der alte kauzige General Kutusow, der die Erkenntnis über die grausame Realität und Unsinnigkeit des Krieges an sich verkörpert.
Zusammenfassend: Die geschichtlichen Ereignisse um die Zeit des Großen Vaterländischen Krieges (nicht den von Stalin) verwoben mit den fiktiven aber deshalb nicht weniger historisch korrekt gezeichneten Familien Kuragin, Bolkonskij, Besuchow, Drubezkoj Karagin und Rostow aus der Sicht eines Mannes mit russischer Seele.
Man lernt in diesem Buch mehr über den Unsinn von Krieg an sich, als in den besten Geschichtsbüchern.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
48 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Es ist ein Epos. Es ist schwere, anspruchsvolle Literatur. Es ist ein Meisterwerk. Und es ist mein neues Lieblingsbuch.
Krieg und Frieden - das lässt schon auf Inhalt schließen. Wir befinden uns am Beginn des 19.Jahrhunderts, zur Zeit des napoleonischen Frankreichs. Wir befinden uns im Russland unter Zar Alexander I. Wir befinden uns in einer Zeit, die von Intrigen, Bünden, Hoffnungen und Enttäuschungen - und eben von Krieg und Frieden beherrscht wird.

Und eindrucksvoll schildert Tolstoi dieses Auf und Ab, diese antagonistischen Phasen am Schicksal seiner Protagonisten. Die Familien Bolkonskij, Rostow und Pierre, der uneheliche Sohn eines einflussreichen Grafen, bestimmen die Handlung, sind gleichzeitig ihr Opfer und Zeugen der historischen Ereignisse. Liebevoll gestaltet Tolstoi seine Figuren aus - und nicht nur die Hauptcharaktere, sondern auch jeder noch so kleine Charkater, der ins Geschehen eingreift, hat sein Gesicht, seine Mimik und Gestik, seine Eigenarten, seine guten und schlechten Seiten. So verleiht der Autor seinen Figuren eine solche Lebendigkeit, dass man nach Ende des Buches das Gefühl hat, lieben Freunden Adieu zu sagen. Liebe, Hass, Freund- und Feindschaft, Verrat, Lüge, Hoffnung - alle nur möglichen Gefühle und Empfindungen machen unsere Charaktere durch, und das so intensiv, dass dem Leser das Herz schwer wird.

Diese fiktiven Charaktere sind nun den historischen Figuren dieser Zeit beigestellt. Napoleon, Zar Alexander, der Militär Kutusow und all die anderen kleinen oder größeren Rädchen im Räderwerk der Geschichte bekommen Gestalt. Kutusow schläft während einer Besprechung ein, Napoleon quält während der Schlacht von Borodino eine Erkältung, und Zar Alexander fühlt sich von den Ehererbietungen peinlich berührt.

Besonders interessant gestaltet Tolstoi die Schlachtszenene aus - allen voran die drei Schlachten von Schöngraben, Austerlitz und Borodino. So erleben wir die Schlacht meist aus den Blickwinkeln der kleinen Leute, nur selten stellt Tolstoi den Leser an die Seite der "Großen". Für ihn sind auch Menschen wie Napoleon oder Kutusow nicht mehr als Rädchen in der Geschichte. Nicht sie bestimmen die Geschichte, sondern die Geschichte bestimmt sie.

Und vielleicht liegt darin auch der für mich einzige negative Aspekt der Geschichte. Für mich prägen durch aus historische Personen ihre Zeit. Gut, da bin ich mit Tolstoi nicht einer Meinung. Das ganze wäre auch weitgehend unproblematisch, wenn Tolstoi bei alldem noch eine gewisse Neutralität wahren muss. Aber vielleicht ist das von ihm als Russen seiner Zeit auch zuviel verlangt. Dennoch rollte ich ab und an mit den Augen, wenn aus Napoleon nach und nach der Leibhaftige selbst wird, dem nicht die einzige gute Eigenschaft zugeschrieben wird - und im Gegenzug aus Zar Alexander der Erlöser des russischen Volkes wird. Spätestens, wenn die Figur des Pierre Besuchow durch ein Zahlenspiel aus dem Namen "L'empereur Napoleon" die Zahl "666" also die des Teufels, erreichnet, wird das Ganze für mich bizarr und etwas überzogen. man kann über historische Figuren sagen und denken, was man will - aber ihnen alles Menschliche abzusprechen, stößt für mich doch an die Grenze der Geschichtsverfälschung. Wie gesagt, ohne den kleinen Korsen in Schutz nehmen zu wollen - hier wird im mehr Schmutz zugeschoben, als er verdient.

Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt an diesem Werk, denn ansonsten bemüht sich Tolstoi sehr um völkerfreundliche Neutralität. Gerade die einfachen Soldaten scheint er auf allen Seiten sehr ins Herz zu schließen. Sie, die sie nur Teil des Großen Ganzen sind, können nicht anders, als sich dem zu fügen (was er im Übrigen auch von seinen historischen Persönlichkeiten behauptet - fragt sich, ob es damit getan ist, Zar Alexander jegliches Verständnis für den Krieg und Napoleon jegliches militärisches Können abzusprechen) und das größtenteils garnicht wollen. So vergisst Tolstoi (fast) nie, uns den Menschen hinter all dem sehen zu lassen.

Ich lege dieses Buch jedem ans Herz, der sich mit der Zeit Napoleons ein wenig besser auskennt, mehr über sie erfahren möchte und sich nicht vor den 1600 Seiten erschreckt. Liebevoll gezeichnete Charkatere, epischer Erzählstil, der lebendig und anspruchsvoll zugleich ist, eine (fast) fehlerlose historische Darstellung, die das Wissen bereichert und diese aufregende Zeit wieder auferstehen lässt - all das macht Tolstois "Krieg und Frieden" zu meinem persönlichen Highlight. Daher dennoch 5 Sterne!!!
44 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
44 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Dezember 2003
Lew Tolstois Werk Krieg und Frieden ist, so sagen Literaturwissenschaftler, kein Roman im üblichen Sinne. Dafür enthalte er zu viel Geschichtsphilosophie und zu viel Militärgeschichte. Dafür fehle ihm ein roter Faden, ein erzählender Charakter, eine stringente Handlung. Seinem Umfang nach (1600 Seiten) wäre er dieser Kategorie aber sicher zuzuordnen. Obwohl das monumentale Werk trotzdem in Vielem einem Roman ähnelt, so ist es doch mehr als ein solcher.
Das Buch ist ein Porträt des russischen Adels am Anfang des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt zwischen 1805 und 1820. Vor dem Hintergrund der Napoleonischen Eroberungsfeldzüge, insbesondere seines Einmarsches in Russland im Jahre 1812, beschreibt Tolstoi das Leben einer Reihe von Familien und Einzelpersonen dieser Schicht zwischen ihrem Alltag und den Anforderungen, die dieser Alltag und dieser Krieg, die das Leben selbst an sie stellt. Tolstoi blickt dabei auf die geschichtliche Entwicklung wie auf einen mal schneller, mal langsamer dahinfließenden Strom, in dem hier und da die Köpfe seiner Hauptfiguren auftauchen. Eine Zeitlang verweilt sein Blick bei dem einen, dann wieder schwenkt er zum anderen. Einige versuchen, gegen den Strom zu schwimmen, andere gehen darin auch unter. Einige verliert man aus dem Blickfeld. Dazwischen reflektiert Tolstoi über den Strom, das heißt die Geschichte, als solchen und darüber, wie man ihn beschreiben und interpretieren sollte. Das mag für einen Roman vielleicht untypisch sein, aber es ist sehr reizvoll.
Tolstoi ist ein sehr genauer Beobachter und schildert das Leben der Petersburger Gesellschaft, des Moskauer Adels, des Landadels und der Offiziere detailgetreu und in vielen Facetten. Selbst wenn die Handlung teilweise kaum fortschreitet, ja, wenn eine solche gar nicht zu erkennen ist, so folgt man den Hauptdarstellern doch mit Interesse und Aufmerksamkeit durch ihr Leben. Tolstois Sympathie gilt dabei den Menschen, die sich durch Natürlichkeit, Geradlinigkeit und Menschlichkeit auszeichnen, seine Verachtung und sein Spott gelten den Intriganten, den Karrieristen und denjenigen, die sich andauernd verstellen und die Fahne nach dem Wind hängen. Zur ersten Gruppe gehören auch die so genannten einfachen Menschen, die Bauern. Obgleich ihnen Tolstoi wegen ihrer Einfachheit und Natürlichkeit wesentlich mehr Zuneigung entgegenbringt als dem verdorbenen Adel, so neigt er doch nicht zu einer Idealisierung der Unterschicht. Er geißelt ihre Einfalt, ihre Dummheit und ihren Aberglauben. Und auch die Aufrechten, die der Adelsschicht angehören, sind keine übermenschlichen Heldengestalten. Es sind Menschen, die sich auf ihrer Suche nach Glück oder nach einem anderen Sinn des Lebens fortdauernd irren, die Fehler machen und die Schwächen haben: Ruhmsucht, Eifersucht und Härte gegen diejenigen, die sie am meisten lieben.
Wenn Tolstois Blick von den Einzelpersonen abstrahiert, wenn er über den geschichtlichen Prozess als Ganzen nachdenkt, dann fällt vor allem seine Kritik der zeitgenössischen Historiographie, insbesondere der Militärgeschichtsschreibung ins Auge. Gegen die Fixierung auf die großen Feldherren und Monarchen, insbesondere Napoleon und Alexander I., und auf militärstrategische Überlegungen, setzt er eine Militärgeschichtsschreibung, die den Krieg aus der Sicht der Offiziere und einfachen Soldaten beschreibt. Das ist kein Sandkastenspiel vom Feldherrenhügel aus, sondern eine grausame Schlächterei. Manch eine Schlacht habe sich ganz anders zugetragen, als uns die Geschichtsschreiber weismachen wollen, so Tolstoi. Man könne den Feldzug Napoleons gegen Russland und seinen Rückzug nicht verstehen, wenn man nur die Memoiren der Heeführer zur Erklärung heranziehe. Diese würden sich aus Eitelkeit und Ruhmsucht Entwicklungen anrechnen, die sich auch ohne ihr Handeln eingestellt hätten. Der russische Heeführer Kutusow gilt Tolstoi als einer der wenigen, der erkannt habe, wie wenig sich die geschichtliche Entwicklung von Einzelnen beeinflussen lasse und dessen Kriegführung deshalb einzig und allein auf zwei Prinzipien aufgebaut gewesen sei: Zeit und Geduld. Kutusosow wird damit nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch im Geiste zum Gegenspieler Napoleons, der in seiner Selbstüberschätzung tatsächlich geglaubt habe, die Weltgeschichte zu lenken. Nicht weniger wichtig ist für Tolstoi, dass Kutusow seine Soldaten schont, wo er kann, während Napoleon sie um seines eigenen Ruhmes willen gnadenlos verheizt. Voll Bitternis beklagt Tolstoi deshalb, wie Kutusow nach der Vertreibung Napoleons aus Russland von seinem Amt als Oberkommandierender entfernt wird, während Napoleon trotz seiner zahllosen Verbrechen noch immer als Großer gelte.
Napoleons gibt es jedoch auf russischer Seite genauso, wie auch bei den Österreichern und bei den Deutschen. Tolstois Herz schlägt nicht allein für die Russen, es schlägt für die Menschen, seien sie Russen, Franzosen oder Deutsche. Der Krieg verändert die Menschen nicht, er zwingt sie aber in Situationen, in denen sie sich zwischen Menschlichkeit und Grausamkeit, zwischen dem Guten und dem Bösen, entscheiden mmüssen. Wenn die Vertreibung Napoleons aus Russland und schließlich von der Macht überhaupt auch auf immer ein Verdienst des russischen Volkes bleibe, das diesen Sieg errungen habe, so ändere dies doch nichts daran, dass der Krieg ein unerhört grausames und sinnloses Morden sei, dem viele gute und wertvolle Menschen zum Opfer fielen.
Wer Krieg und Frieden liest, der wird auf unterhaltsame Weise etwas erfahren über den russischen Adel, den Vaterländischen Krieg von 1812 und den Charakter des russischen Volkes, wenn es so etwas geben sollte. Er wird aber auch viel über das Leben als solches erfahren, darüber, wie eng Gut und Böse beieinander liegen und darüber, dass es nicht den einen, einzig richtigen Weg zu einem glücklichen Leben gibt.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Februar 2011
Rezension
Tolstoi
Krieg und Frieden
albatros-verlag

Ich wage hier den Versuch, dieses Epos, dieses Werk zu rezensieren. Es kann nur ein Anriss, ein Appetithappen sein, bestenfalls. Der interessierte Leser sollte sich selbst ein Bild zeichnen.

Meine Begegnung/Annäherung an das Werk Krieg und Frieden verlief in Wellen:

Als erstes sah ich die gleichnamige Verfilmung auf ARTE/ZDF und das Buch war auf meiner Wunschliste. (Die Filmreihe wurde zudem Ende 2010 wiederholt!)

Anfang Januar 2010 begann ich zu lesen, nachdem ich, immer wieder erschüttert von der Mächtigkeit; sprich also der Seitenanzahl des Werkes, einen Anfang nahm. Und heute wurde ich fertig!

Die Verfilmung immer im Hinterkopf, las ich die große Ähnlichkeit. Die erwähnte Verfilmung war dicht dran. Die Gesichter im Buch hatten eines dadurch.

Das Werk beginnt sofort und man befindet sich in bester Gesellschaft. Tolstoi führt einen in die russische Gesellschaft des frühen 19 Jhd. ein.
Er beginnt die Person darzustellen, teils mit ihren Gefühlen und Überlegungen.

Der Ablauf spielt also in den adligen Häusern der Zeit, teils fiktiv, teils real. Prägend und höfisch zu dieser Zeit, die Konversation in französisch. Hier für mich ein Problem, da ich der (französischen) Sprache nicht mächtig bin. Also las ich über die Wörter und Sätze hinweg.
Trotzdem erschloss sich mir der Sinn der Geschichte.

Das Zeitgeschehen ließe sich mit einigen Änderungen durchaus in unsere, ach so moderne Zeit übertragen. Es gibt Passagen im Buch, die mich ernsthaft an den späteren Kommunismus der Sowjetunion erinnern!

Vielleicht ist es nur nicht mehr so en vogue französisch zu parlieren.

Die wichtigsten Charakteren tauchen des öfteren auf, es gibt also Figuren, die in Vordergrund stehen, dabei können es auch Personen sein, die in der Epoche versterben, aber sie bilden den Hauptfaden. Dazu kommen Personen, die eine Schlüsselrolle spielen, zu einem gewissen Zeitpunkt, dann ihren Part erfüllen und im Strudel der Seiten einfach verschwinden.
Es sind verschiedene Stationen, in verschiedenen Zeiten. So kommen auch einfache Leute wie Bauern und gemeine Soldaten zu Wort, die meist für die Hauptpersonen sogar richtungsweisend sind (Platon!).

Es herrschen Intrigen, Freundschaften, Feindschaften vor. Dann herrscht Milde, Religiosität und Stärke.

Neben diversen Fiktionen scheint auch das Reale durch. In Gestalt des Namen Napoleon.
Hier vermischt sich die Fiktion mit dem Realhistorischen.

Nebenbei kommt Tolstoi immer mit Vergleichen, die absolut in sich schlüssig sind (Vergleich einer Situation, eines Tieres mit der Gesamtheit Mensch).

Dabei schlägt er auch gelegentlich in Theorien um. So die Schlacht um Borodino. Zu dieser Schlacht gibt es sogar eine Skizze. Hieraus folgere ich, dass dieses Zeitgeschehen imposant wichtig war. Zum einen für die Menschen der Zeit ein russisches "Verdun".

Die eigentlich Geschichte endet abrupt. Tolstoi schiebt jedoch noch ein Epilog hinterher. So erfährt man den Werdegang von verschiedenen Hauptpersonen bis zu ihrem wirklichen Tod. Hier das Ganze sehr komprimiert, wo vorher fast ganze Kapitel für einen einzigen Gedanken dienten

Technische Daten:

15 Teile

und

1 Epilog = 1599 Seiten

eine Beschreibung der wichtigsten Hauptpersonen
Anmerkungen zu Sachverhalten, Personen
Zeittafel zum Leben Tolstoi
Literaturverzeichnis
Nachwort

1645 Seiten insgesamt

Lange Schrieb, kurzer Sinn:

Es ist ein Werk, was einen Zeitlebens beschäftigen wird. Das Buch ist nicht für heitere kurze Momente, dafür geht es zu tief!
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. September 2008
Dieses Buch hat mir wirklich einiges abverlangt. Und dabei habe ich schon viele Bücher dieser Größenordnung und einige noch dickere gelesen. Aber "Krieg und Frieden" hätte mich fast in die Knie gezwungen :-). Um die 250 Personen, die alle mal mehr mal weniger behandelt werden, viele wirklich wichtige Fragen, die Tolstoi zu klären versucht, Familien- und Mílitärgeschichten, die sich abwechseln'das alles wird dem Leser hier geboten. Und auch wenn ich desöfteren kurz vor der Verzweiflung stand, weil viele Seiten lang mal kaum etwas passiert, zumindest nichts was die Geschichte in irgendeiner Form vorantreibt, hat man doch eigentlich immer das Gefühl etwas ganz Großes zu lesen, was ja auch der Fall ist. Tolstoi gehört ohne Frage zu den größten Erzählern mit einer wunderbaren Sprache. Er lässt uns minutiös teilhaben an dem Leben des Adels in Russland von 1805 bis 1812 (und etwas darüber hinaus, rechnet man den Epilog mit). Vor allem aber am Leben von Andrej Bolkonski und Pierre Besuchow, zwei recht unterschiedliche Menschen, die beide im Laufe dieses Werkes nach dem Sinn des Lebens suchen. Zum einen wird man Zeuge des Alltagsleben eben genannter Kreise, da erlebt man seitenlange Beschreibungen der allabendlich irgendwo stattfindenden Gesellschaften, man geht auf die Jagd, man erlebt Duelle und Aufstände. Die ganz besonderen Momente erlebt man aber, wenn Tolstoi das Innenleben der einzelnen Protagonisten in den Fokus rückt. Da macht das Lesen wirklich Spass, da man Bekanntschaft mit so vielen, völlig verschieden denkenden Menschen macht, sie in Extremsituationen erlebt und dabei ist, wenn sie schwere Entscheidungen zu treffen haben. Das ist ganz große Literatur und lässt einen auch über sich selbst nachdenken. Diese Passagen werden immer wieder von ausführlichen Kriegsberichten, zum Beispiel von der Schlacht von Borodino, unterbrochen bzw. von ihnen ergänzt. Teilweise zu ausführlich, wie ich finde. Vielmehr kann ich inhaltlich nicht von mir geben, man täte sonst vielen Stellen Unrecht, die man weglassen müsste, da die Rezension sonst den Rahmen sprengen würde.
Uneingeschränkt kann ich dieses Buch allerdings nicht empfehlen. Es ist nun mal sehr dick und Tolstoi wiederholt sich wirklich auch mal desöfteren, denn die einzelen Teeparties unterschieden sich eben kaum voneinander, das weiss ja auch jeder, der Proust wenigstens ansatzweise gelesen hat. Daher kann ich den Vorwurf, dieses Buch sei einfach zu dick, nicht wirklich von der Hand weisen. Wer meint dies durchaus ab zu können, dem wird ein Panorama an Zeitgeschichte mit bis ins Kleinste gehenden Beschreibungen vom "friedlichen", wie eben auch vom "kriegerischen" Leben geboten. Dazu noch ein bisschen Sozialkritik und vielen Fragen, die natürlich auch heute noch wichtig sind. Sollte man allerdings noch nichts von Leo Tolstoi gelesen haben, dann würde ich eher zu Anna Karenina greifen, das ist nicht so dick und gefiel mir auch deutlich besser.
22 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Krieg und Frieden
Krieg und Frieden von Leo Tolstoi (Gebundene Ausgabe - 1. Oktober 2007)
EUR 9,95

Krieg und Frieden (dtv Kassettenausgaben)
Krieg und Frieden (dtv Kassettenausgaben) von Lew Tolstoi (Taschenbuch - 1. Dezember 2011)
EUR 29,90

Krieg und Frieden. 4 Bände
Krieg und Frieden. 4 Bände von Leo N Tolstoi (Broschiert - Dezember 2007)
EUR 24,90