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am 4. April 2008
Nur wenige haben sich im deutschen Sprachraum so um die jüdische Witz- und Sprachkultur verdient gemacht wie Salcia Landmann (1911-2002). Geboren in einer galizischen Kleinstadt unweit von Lemberg, übersiedelte sie zu Beginn des Ersten Weltkriegs mit ihrer Familie in die Schweiz. Später studierte sie Philosophie in Berlin und Basel und publizierte viel über jüdische Kultur und jiddische Sprache. "Der Jüdische Witz" ist wohl ihr bekanntestes Werk. Als dessen erste Auflage 1960 erschien, griff Salcia Landmann zu einem Trick: Unter das Ende des Vorworts setzte sie ihre Adresse. Und siehe da, fast aus aller Welt wurden neue jüdische Witze eingesandt, meist von ehemaligen Bewohnern der alten "Witzzentralen" wie Wien, Budapest, Czernowitz oder Berlin. Ûber 200 Seiten einer Nachlese wurden deshalb 1977 gesondert veröffentlicht. Die vorliegende Ausgabe enthält eine Auswahl von über 3.000 Witzen, ergänzt um ein neues Vorwort von Salcia Landmanns Sohn Valentin.

Salcia Landmanns Einleitung zur eigentlichen Witzsammlung demonstriert eindrucksvoll, wie vor allem die osteuropäischen Juden (auch im Gegensatz zu ihren sephardischen und orientalischen Glaubensgenossen) die humoristischen Steilvorlagen von Tora und Talmud aufnahmen und verwerteten. Ursprünglich zumeist in jiddischer Sprache erzählt, erlebte der jüdische Witz zwischen der allgemeinen Judenemanzipation Mitte des 19. Jahrhunderts und dem Ende des Ersten Weltkriegs seine grösste Zeit. Stoff zum Lachen gab es reichlich: dumpfen Militarismus, offenen und versteckten Antisemitismus oder die Spannung zwischen den aufgeklärten, traditionsentfremdeten Juden Deutschlands und den talmudgebildeten, doch oft verarmten Ostjuden. Gerne auch reiben sich die Witze an tatsächlich oder vermeintlich typisch jüdischen Eigenschaften wie Chuzpe, Hypochondrie oder Geiz. Anders als der Kalauer ist der jüdische Witz jedoch niemals Witz um des schnellen Lachers Willen, niemals billige Zote oder bösartiger Spott. Typisch sind Dialogsituationen, in denen Konflikte und Probleme durch Wortwitz oder skurrile Logik und Argumentation aufgelöst werden. Bevorzugte Schauplätze sind dabei das Kaffeehaus, das Zugabteil oder die Börse, weniger jedoch Sportplätze oder einfache Bierschenken. Der Beginn der Hitlerzeit brachte noch einmal eine kurze Blüte des jüdischen Witzes hervor, doch bald hatten Europas Juden nichts mehr zu lachen. Auch der osteuropäische Kommunismus und die Gründung des Staates Israel läuteten noch einmal ein kurzfristiges Aufleben der Witzproduktion ein. Häufig wird behauptet, der jüdische Witz sei über lange Zeit die beste Waffe der Juden gewesen. Hier sind Zweifel erlaubt, diente der Witz meist nicht der verbalen Verteidigung und schon gar nicht dem Angriff, sondern hatte eher die Funktion der Selbstversicherung in einer potenziell oder tatsächlich feindlichen Umwelt. Erstaunlich ist auch - und das zeugt von Grösse, dass in einigen Witzen die Gojim, die Nichtjuden, sogar als Situationsgewinner dastehen.

Lebt der jüdische Witz heute weiter? Wohl eher nein. Was kraftvoll weiterlebt, sind Bonmots und Blödeleien zumeist angelsächsischer jüdischer Humoristen und Komödianten wie Jerry Seinfeld, Woody Allen, Sacha Baron Cohen und Sarah Silverman. Spuren jüdischen Humors finden sich auch bei René Goscinny, Sohn nach Frankreich eingewanderter polnischer Juden. Doch auch wenn all dieser Humor nahe am Mainstream ist oder diesen sogar verkörpert, mit dem klassischen jüdischen Witz, seiner Kürze, Schärfe und Melancholie hat er nicht mehr viel gemein. Was ironischerweise den Niedergang des jüdischen Witzes voran getrieben hat, war die Gründung und Konsolidierung des Staates Israel. Wer auf sein Militär vertrauen kann, muss nicht mehr mit der humoristischen Wasserpistole auf seine Gegner zielen. Nicht dass die israelische Gesellschaft humorlos wäre, aber Israels Juden leben in einem fast normalen Staat, und die Witzproduktion reibt sich, je länger dieser Staat exisitiert, an hohen Steuern oder faulen Beamten. Auch die Geschichten des sympathischen Budapesters Ephraim Kishon mögen zwar eine augenzwinkernde Werbung für den Staat Israel sein, ihnen fehlt jedoch zumeist der Biss und die Hintergründigkeit des jüdischen Witzes. Ähnliches wie für Israel gilt auch für den jüdischen Witz in den Vereinigten Staaten.

Wer die Möglichkeit hat, die Originalausgabe aus dem Walter-Verlag oder eine der vielen älteren Taschenbuchausgaben antiquarisch zu erwerben, sollte dies um der längeren Einleitung und auch um des Geleitworts von Carlo Schmid willen tun. Salcia Landmanns Witzsammlungen sollten in keiner gut sortierten Hausbibliothek des Humors fehlen. Nur wenig andere Bücher dürften einen derart entspannten und spassreichen Zugang zur jüdischen Kultur und Geschichte ermöglichen.
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am 14. November 2010
Der Witz ist ein hartes Mittel, ein Verhältnis zur Wirklichkeit auszudrücken. Seine Funktion ist es in vielen Fällen, bloszulegen, der Lächerlichkeit, gar der Verächtlickeit preiszugeben, Normen und Hemmschewellen zu unterlaufen, Ordnungen subversiv umzukehren, und oft will der Witz einfach verletzen. Die Witze in der vorliegenden Sammlung sind jedoch mehrheitlich von anderer Natur: In ihnen leuchtet das Ringen des jüdischen Menschen mit der Welt und ihrer Bedingtheit auf. Dort reibt sich die Gesetzlichkeit des jüdischen Glaubens an den Gesetzmässigkeiten der umgebenden Gesellschaft, dort prallt talmudische Gelehrsamkeit auf Realitätssinn, schlaumeierischer Umgang mit bitterer Armut trumpft gegen Reichtum auf, und die dumpfen Zumutungen des Militärs werden konterkariert. Da ist aber auch das Leid unter Hitler und Stalin, das seinen Ausdruck in bitterschwarzem Humor findet. Den meisten Witzen ist gemeinsam, was Carlo Schmid treffend in seinem sehr lesenswerten (und in späteren Ausgaben leider nicht mehr enthaltenen) Vorwort zur Auflage aus dem Jahr 1988 schreibt: "Der jüdische Witz ist heiter hingenommene Trauer über die Antinomien und Aporien des Daseins."

Zur Form des Buches: Die Witze sind in thematischen Gruppen zusammengefasst. Dort, wo ein Witz auf Hintergrundwissen basiert, das einem Leser nicht geläufig ist, wird dieses knapp und immer ausreichend mit wenigen Worten skizziert. Das Glossar im Anhang listet die wichtigsten Begriffe auf, ohne die man sich mit vielen Witzen schwer tun dürfte. Die ausführliche Einführung von Salcia Landmann zum Witz an und für sich sowie zu den thematischen Gruppen (nach denen das Buch geordnet ist) verdient besondere Erwähnung.

Zum Schluss ein (fast willkürlich gewähltes) Beispiel aus dem Kapitel mit Schnorrer-Witzen: (Es war im Osten Sitte, dass die ansässigen jüdischen Bürger durchreisende arme Leute, denen sie am Freitagabend beim Gebet in der Schul begegneten, zu der festlichen Mahlzeit einluden) Ein Jude lädt einen Schnorrer ein. Als sie zusammen die Synagoge verlassen, heftet sich ein schweigender Jüngling an ihre Fersen, betritt mit ihnen zusammen das Haus, setzt sich an die Festtafel und isst. Der Hausherr schweigt verwundert. Nach dem Essen fragt er den Gast, ob er den Jüngling kenne?
Der Schnorrer: "Aber natürlich! Das ist mein Schwiegersohn. Er ist bei mir auf Köst." (Vertraglich zugesicherte Zeit des Unerhalts des jungverheirateten Paars durch den Vater der Braut.)
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am 11. Mai 2016
Ich hatte das Buch vor 30 Jahren oder mehr verborgt - und nie zurück bekommen. Ich kann den "Dieb" verstehen. Denn der jüdische Witz ist durch seine feine Dialektik, herrliche Selbstironie und mitunter schwarzen Humor überwältigend. Selbst Witze, die ich schon gefühlte hundert Mal gelesen habe , höre ich nach gewisser Zeit wie zum ersten Mal.
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am 4. Juli 2014
Das ideale Buch fürs Klo (positiv gemeint!)

Die Witze sind echt lustig und nebenbei erfährt man auch viel über das Judentum selbst. Viele Witze würde man ja ohne spezifisches Wissen gar nicht verstehen, in diesem Fall wird immer auch der Hintergrund erklärt.

Lustig und interessant!
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Als Salcia Landmann dieses Buch erscheinen ließ. durfte sie noch davon träumen.dass auch in Israel jiddisch gesprochen werde. Das ist leider ein wirklichkeitsfremder Traum geblieben, ganz zu schweigen davon, dass jemals in Israel eine jiddische Zeitung zu lesen gewesen wäre, wie sie im vergangenen Jahrhundert in den USA erschien, verfasst von Isaak Bashevis Singer, einem polnisch-US-amerikanischen jiddischen Schriftsteller., der u.a. für seine ( in hebräischen Lettern von rechts nach links geschriebenen Zeitungsartikel) als erster und bislang einziger jiddischer Schriftsteller im Jahr 1978 den Nobelpreis für Literatur.erhielt.. Selbst wenn in Israel aus dem Osten kommende Einwanderer neben Russisch auch noch Jiddisch verstehen oder gar selbst noch sprechen, ist es geradezu märchenhaft unwirklich , dass Landmann einen großen Teil ihrer Witze in Israel unter jiddisch Sprechenden spielen ließ. Aber was kann das dem Leser schaden, wenn schönste Anekdoten schärfste Pointen und auch manchem durchaus schon bekannte Witze als jiddische vorgestellt werden und wenn auf diese Weise das weltweit beste deutschsprachige Witze-Buch zu lesen ist.
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am 16. Juni 2014
Das Standardwerk über den jüdischen Witz! Absolut lesenswert! Mit einem philosophisch-wissenschaftlichen Vorwort der Autorin, woraus man (z.B. historische) Dinge erfährt, die auch einem sehr belesenen Menschen soweit noch nicht bekannt bzw. bewusst sind.

Und dann die Witze, feinsäuberlich in viele übersichtliche Kategorien eingeordnet. Da ist kein einziger platter Witz dabei (bei rund 800 Seiten Gesamtumfang!), alle Witze haben unheimlichen Tiefgang und das ausgelöste Lachen erschüttert die Welt.

Unbdingt die gebundene Ausgabe kaufen, nur die wird dem hohen Wert dieses Buches gerecht. Auch nach vielen Jahren wird man bei gegebenem Anlass wieder hineinschauen und verschiedene Witze nachlesen wollen, ohne dass einem evtl. einzlene Seiten entgegenfliegen.
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am 14. Februar 2014
Die Sammlung dieser jüdischen Witze, stellt einen tiefen Einblick in die jüdische Kultur dar. Im Jahr 1970 schenkte mir mein Bruder die Taschenbuchausgabe Der jüdische Witz und es waren wenig Bücher die ich öfter in den Händen hielt um darin zu lesen. Einige Jahre später schenkte mir meine Gattin die größere und gebundene Ausgabe und ich war zum wiederholten Male fasziniert. Dieses neue und vorerst letzte Buch schenkte ich einer Lehrerin zu ihrem 65 Geburtstag, hoffentlich hat sie es auch zum lesen in die Hand genommen, zum verstauben viel zu schade!
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am 6. August 2015
Wenn man diese Art von Humor und Witz liebt, dann hat man das richtige Buch gewählt. Es ist keine Lesebuch, sondern ein Nachschlagwerk. Wahrscheinlich kann man jahrelang darin schmökern und immer wieder zufrieden lächeln.
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am 24. Januar 2016
Der hintergründige Witz der einzelnen Kurzgeschichten macht das Buch zu einer lesenswerten Lektüre.,machen das Buch zu einer lesenswerten Lektüre,machen das.
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am 22. November 2001
dieses Buch ist eine Anschaffung auf Lebenszeit! Man kann immer wieder mal nach ihm greifen, eine eite aufschlagen und wird jedesmal etwas neues zum lauten Lachen oder leisem Schmunzeln finden.
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