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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Mut zur Lektüre lohnt sich - auch für philosophisch interessierte Laien
Es ist hier nicht der Ort, sich mit diesem für die Philosophie des 20. Jahrhunderts so grundlegenden Werk inhaltlich auseinanderzusetzen. Statt dessen möchte ich all jene zur Lektüre ermuntern, die diese noch als zu große intellektuelle Herausforderung empfinden. Mich selbst hat dies 20 Jahre abgehalten. Die von mir gelesene Ausgabe war die 17...
Vor 9 Monaten von Majomie veröffentlicht

versus
30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einband eine Frechheit!
Die Rezension bezieht sich nicht auf den Inhalt des Werkes. Der ist viel zu komplex für eine Rezension, allerdings ist Sein und Zeit sicherlich kein Unsinn (wie andere Rezensenten meinen).
Diese Auflage gibt den Text des alten Leineneinbandes unverändert wieder, bietet also keinerlei Vorteil dazu. Im Gegenteil, schon nach wenigen Wochen intensiver...
Veröffentlicht am 13. März 2013 von Styphalidus


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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einband eine Frechheit!, 13. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
Die Rezension bezieht sich nicht auf den Inhalt des Werkes. Der ist viel zu komplex für eine Rezension, allerdings ist Sein und Zeit sicherlich kein Unsinn (wie andere Rezensenten meinen).
Diese Auflage gibt den Text des alten Leineneinbandes unverändert wieder, bietet also keinerlei Vorteil dazu. Im Gegenteil, schon nach wenigen Wochen intensiver Lektüre reißen Seiten raus! Mitlerweile habe ich mir die Ausgabe von 2001 gebraucht zugelegt, da dieser Band unbenutzbar ist.
Der Verlag scheint nicht damit gerechnet zu haben, dass das Buch tatsächlich gelesen wird, anders kann man sich die billige Bindung nicht erklären!
Fazit: Lesen Sie Sein und Zeit, entweder an der Uni bei einem kundigen Dozenten oder mit einer Einführung (beispielsweise Luckner), aber Finger weg von dieser Ausgabe!
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Mut zur Lektüre lohnt sich - auch für philosophisch interessierte Laien, 12. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
Es ist hier nicht der Ort, sich mit diesem für die Philosophie des 20. Jahrhunderts so grundlegenden Werk inhaltlich auseinanderzusetzen. Statt dessen möchte ich all jene zur Lektüre ermuntern, die diese noch als zu große intellektuelle Herausforderung empfinden. Mich selbst hat dies 20 Jahre abgehalten. Die von mir gelesene Ausgabe war die 17. Auflage von 1993. Seitdem stand das Werk in meinem Bücherregal ohne dass ich mich hinreichend vorbereitet fühlte.

Nach der Lektüre kann ich nun sagen, dass meine Ehrfurcht wenngleich nicht unbegründet doch ein wenig zu groß war. Sicherlich, ohne ein gewisses Grundverständnis des Heideggerschen Denkens geht es nicht. Das lässt sich aber leicht anhand gängiger Einführungen in die Philosophiegeschichte aneignen. Auch die sicher nicht ganz einfache Sprache Heideggers sollte nicht von einer Lektüre abhalten. Diese kann sogar positiv als Zwang zur langsamen (entschleunigten) Lektüre helfen, noch tiefer zum Kern der Analyse vorzudringen und diese nachdenkend zu verstehen.

Ist erst einmal die Spur der Argumentation aufgenommen, fällt es gar nicht so schwer, ihr weiter zu folgen. Die immer wieder eingestreuten Zusammenfassungen bereits früher gewonnener Erkenntnisse helfen den Faden zu behalten, auch wenn man nicht die Zeit findet, das Werk an einem Stück zu lesen.

Zum Schluss möchte ich doch eine inhaltliche Beobachtung ansprechen. Der Rückgang auf die "Alltäglichkeit" und das "Man" nährt zuweilen den Verdacht, hier sei die Theorie an das allgemein Offenbare herangetragen worden und nicht erst aus dem philosophischen Nachdenken gewonnen. Vielleicht hat Heidegger aber auch recht mit seinem Vorwurf an die ontologische Überlieferung vor allem seit Aristoteles, sie habe die falsche Weggabelung genommen und sei deshalb zu destruieren, damit neu angefangen werden kann, über den Sinn von Sein nachzudenken. Wie dem auch sei, auf Heideggers neuem Weg finden sich viele sehr anregende Gedanken. Besonders hervorheben möchte ich hier die §§ 54 ff über den Ruf des Gewissens - das ist einfach genial durchdacht.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen " Ohne den Menschen wäre das Sein stumm: es wäre da, aber es wäre nicht das Wahre ", 6. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
" Lernt mich gut Lesen ", mit dieser Bitte wandte sich Friedrich Nietzsche an seine Leser, in der Hoffnung, den Menschen von seiner Eile und Hektik zu befreien und ihn stattdessen für eine " Goldschmiedekunst des bedächtigen Lesens ", zu sensibilisieren, die es vermag, ein Bewusstsein für das langsame Reifen einer Erkenntnis zu schaffen. Früchte benötigen viel Zeit um zu wachsen und wer zu ungeduldig für diesen Prozess ist und sich daher gar nicht erst die Mühe zum Sähen machen will, der wird natürlich gar nicht in den Genuss bestimmter Perlen kommen und womöglich den ganzen Ablauf, aus Verbitterung, noch als fragwürdig deklarieren. Nietzsches Appell sollte man sich daher im Hinterkopf behalten, um nicht nur den Eingang zu Sein und Zeit zu finden, sondern diesen auch versteht zu übertreten. Als Begrüßungsgeschenk erwartet uns eine Existentialanalyse, die aufgrund der verschraubten Begriffsterminologien, zunächst vielleicht äußerst ungewöhnlich daherkommt, allerdings nicht wegen ihrer vermeintlichen Tiefgründigkeit, sondern vielmehr hinsichtlich, der unkonventionell anmutenden Trivialität, die es vermag, die unwissentlich ausgeführten Interaktionen mit der Lebenswelt, die wir verlernt haben wahrzunehmen, wieder ins Bewusstsein zu rufen.

Doch Heidegger beginnt zunächst mit jener berühmten Frage, nach dem Sinn von Sein, von der er meint, sie hätte in der heutigen, durch Seinsverlassenheit geprägten Zeit, ihre Bedeutung verloren und sieht sich als ein Wiederentdecker, der das Erbe Platons weiterzuführen vermag. Dem Philosophen zufolge, habe die Tradition, das Sein fehlerhaft, wie etwas Seiendes aufgefasst, doch der bloße Charakter der Vorhandenheit, der Substanz, offenbare noch keine Verständnisbezüge. Schließlich führe die Erkenntnis, dass der Mensch ist, noch nicht zu dem Wissen was der Mensch ist. Man habe zeitlebens, den wesentlichen Bezug zur Zeit vergessen, die jedoch den essentiellen Boden, in Form eines Verständnishorizontes darstellt, auf dessen Grundlage, die Dinge untereinander erst sinnhafte Beziehungen ausbilden können. Heidegger wollte ähnlich wie Nietzsche, dem menschlichen Leben, dass durch die Wissenschaft nur noch unter seinem objektivierenden und theoretischen Gesichtspunkt betrachtet wurde, das Gefühl für seine Eigentümlichkeit und Besonderheit wieder zurückgeben. Mithilfe seiner neuen Ontologie, die die Zeit berücksichtigt, versucht er das Wesen des Menschen, von seinem gegenständlichen Status zu entkleiden und stattdessen eine existentielle Betrachtungsweise dagegenzustellen, die den Bezug zur Lebenswelt wiederherstellt. Es gilt aufzuzeigen, dass der Mensch sich nicht als ein Ding unter Dingen vorfindet, dass in der Welt, den Charakter eines abgeschlossenen Ganzes darstellt, sondern ein zu füllendes Gefäß, dass sich voller Möglichkeiten in eine offene Zukunft entwerfen und verwirklichen kann. Sartre wird daraus später, den für den Existentialismus auszeichnenden Satz " Die Existenz geht der Essenz voraus " herausfiltern.

Doch in welchem Zustand, wird uns der Sinn des Seins eigentlich fraglich ?. Es ist die Grundstimmung der Angst, die Heidegger, von Kierkegaard übernommen, sie aber von ihrem theologischen Fundament entkleidet hatte, um sie dem Menschen stattdessen als ein Mittel aufzuzeigen, dass die Welt als ein nacktes " Das " betrachten lässt. Das aufkommende, unbestimmte Gefühl der Angst, vermag den Menschen aus seiner festgelebten Welt herausfallen zu lassen und ihm stattdessen einen distanzierten Blick, auf seine einstigen Vertrautheitsbezüge zu offenbaren. Heidegger erblickte im Gefühl der Angst das Bewusstsein für die eigene Freiheit und legte damit ein Fundament, welches Sartre später veranlasste es weiterzuentwickeln, indem er die Angst mit dem Nichts identifizierte ( Siehe " Das Sein und das Nichts ) . Doch um in den besagten Modus zu gelangen, der uns veranlasst, die Welt nach ihrem Sinn zu befragen, müssen wir zunächst in Heideggers Fundamentalontologie eintauchen und uns die menschliche Verfassung des in-der-Welt-Seins ansehen.

Von Husserls Phänomenologie geprägt, zeigt Heidegger nun die unterschiedlichen Lebenseinstellungen auf und beginnt bei einem Zustand, in dem wir uns immer schon vorfinden, nämlich dem In-Sein. Heidegger möchte auf die Gleichzeitigkeit des Wechselverhältnisses zwischen Bewusstsein und Lebenswelt aufmerksam machen, um den in der philosophischen Tradition vorherrschenden Disput, zwischen Realismus und Idealismus endgültig beizulegen. Was folgt, sind die bekannten Bindestrichwörter, die die Welt in ihrem Zusammenhang, jedoch ohne in subjektive oder objektive Beschreibungen zu verfallen, beschreiben soll. Heidegger geht es gerade um den retrospektiven Versuch, mittels Begriffen wie Mit-sein-mit-anderen, oder In-der-Welt-Sein einzelne Elemente, als ein Ganzes zu betrachten und damit die Zusammenhänge in der menschlichen Lebenswelt zu verstehen. Für diesen Prozess des Verstehens, bedient er sich eines hermeneutischen Zuganges, um das Dasein zu analysieren und zu interpretieren. Angeregt durch Wilhelm Diltheyes Lebensphilosophie, verfährt er nach der Devise " Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir " und setzt Sein mit Verstehen gleich. Phänomenologie und Hermeneutik verbindend, gelingt ihm so eine neue Beschreibung der Welt, die durch ihre sinnhaften Bezüge, den Menschen und die Dinge innerhalb verschiedener Zusammenhänge einordnet. So fungiere das Werkzeug z.b. zum Hausbau und das Haus wiederum als Wohnsitz für den Menschen. Auf diese Weise bilde sich die Welt, als Bedeutung gebender Hintergrund ab, auf dessen Grundlage Sinnzusammenhänge erst möglich werden.

Der Mensch ist jedoch nicht nur ein verstehendes, sondern auch ein sorgendes Lebewesen, zu dessen bestimmender Seinsverfassung auch das Bewusstsein, des eigenen Zeitbezuges gehört, wodurch die Möglichkeit, sich und seine Handlungen in eine ominöse Zukunft auszurichten, ermöglicht werden kann. Oder existentialistisch ausgedrückt " Wir müssen unser Leben führen ". Doch gerade dieses Müssen bereitet dem Menschen Angst und weist ihn auf seine zufällige Faktizität hin. Er versucht sich daher in selbstgeschaffenen Strukturen einzuleben, die es ihm ermöglichen, seine abgrundartige Umgebung vergessen und dafür in entlastenden und verantwortungsabgebenden Institutionen, Schutz suchen zu lassen. Heidegger zufolge, führe genau diese Tendenz, zu einem Leben in der Seinsverfassung der " Uneigentlichkeit ", die uns als ursprüngliche Gestalt in jeder Situation auszeichnet, da wir uns immer in vereinnahmenden Interaktionen vorfinden. Ähnlich wie Nietzsche oder Rousseau, sah auch Heidegger in der Gesellschaft, die Möglichkeit vor der eigenen Individualität und Eigenverantwortung zu flüchten und dafür in das allgemeine " Man " unterzutauchen. Wie man das eben so macht.

Der Moment in dem diese Strukturen zerbrechen und wir unser eigenes Selbst entdecken können, entsteht durch den schon erläuterten Zustand der Angst, der uns die Augen für unser " Möglichsein " zu öffnen und das eigene Selbst aus dem " Man " zu befreien vermag. Als Schlüsselerlebnis stellt die Angst, als Gewissheit der eigenen Zeitlichkeit, auch den Anfangspunkt für ein selbstgewähltes, eigentliches Leben dar. Wer sich der eigenen Zeit bewusst wird, der erkennt sich und seine Existenz, als ein fortlaufend abschließendes Ereignis, welches durch den Tod vollendet wird und damit als gelebtes Dasein aufhört zu sein. Der Mensch, der sein Leben zu zeitigen hat, wie Heidegger sagt, unterscheidet sich gerade durch sein Maß an Spontanität und Eigenengagement, von der bloßen Vorhandenheit eines Seienden, dass seine Zeit nicht auszufüllen hat. Aufgrund des menschlichen Verlangens nach Sicherheit und Festigkeit, erscheinen Religionen, Institutionen und Moralvorstellungen, als Versuche in selbstgeschaffenen Strukturen, sich in zeitlose, beharrende Objekte zu verwandeln, um die Gewissheit des " Sein zum Tode " zu verdrängen.

Der Sinn des Seins stellt die Zeit dar, wie Heidegger schon zu Beginn erläutert, doch diese vermag von sich aus keinen Sinn zu geben. Es ist der Mensch, der versteht dem Sein einen Sinn aufzuerlegen, um diesen durch die Geschichte fortlaufend " ereignen " zu lassen. Diese Erkenntnis, einer " seynsgeschichtlichen " Wahrheit, wird Heidegger nach Sein und Zeit, zu einer Neuausrichtung bewegen, die ihn den Schwerpunkt verstärkt auf das Ereignis legen lässt.
" Sein und Zeit " , das auf den ersten Blick überaus theoretisch und verschraubt daherkommen mag, stellt sich bei genauem Lesen, als ein überaus praktisches und lebensorientiertes Buch dar, für dessen Verständnis wir jedoch unsere ganze bisherige Lebensbetrachtung umstellen müssen. Zuvörderst sollte man sich allerdings mit Husserl, Hegel, Kierkegaard, aber auch mit Nietzsche und Kant beschäftigt haben, um das gewisse Gefühl für Zeit, Sinn und Verstehen auszubilden. Doch wie heißt es so schön " Gut Ding will Weile haben "
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mangelhafte Verarbeitung, 26. Juni 2013
Von 
Jon Richter (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
Ich kann mich dem Vorredner Styphalidus nur anschließen. Auch ich beziehe mich nur auf die äußere Form des Buches. Diese ist wirklich schlecht. Nach nur wenigen Wochen Lektüre fielen die ersten Seiten raus. Da sind die teilweise viel älteren und viel öfter gelesenen Ausgaben in der Bibliothek deutlich robuster. Hier muss der Verlag stark nachbessern! Ich würde sogar dazu raten, lieber eine ältere Ausgabe zu suchen als diese hier.
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20 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker jenseits der Kontroversen, 29. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
Eine Rezension, die sich nicht selbst Beschränkungen auferlegt, erscheint mir bei einem Buch wie "Sein und Zeit" eher nicht ratsam. Dazu ist es zu reich und zu dicht. Man kann Heidegger sicher nicht mehr abtun, genausowenig wie man es noch mit Nietzsche und Marx kann. Er war auf eine kolossale Art fruchtbar; hat keine Schule hervorgebracht, doch Schüler und zwar - vielleicht eines der stärksten Argumente für ihn - selbstständig denkende Schüler.
Man sollte Heidegger auch nicht als den Weisen von Todtnauberg betrachten und "Sein und Zeit" als eine Art Bibel, daraus wird nichts Rechtes. Man gelangt auf diese Art wahrscheinlich nur zu einem Jargon.
Heidegger ist, bei aller Polarisierung die ihn noch immer umgibt, in erster Linie ein Philosoph der Auseinandersetzung. Die Philosophiegeschichte belegt dies, am schmerzhaftesten und vielleicht tiefsten am Beispiel von Levinas, der Heidegger in fast allem widerspricht und ihm doch folgt.
Für wen ist das Buch? Sicherlich für viele, aber in jedem Fall für Menschen, die auf der Suche nach einer Ethik sind. In dieser Hinsicht ist "Sein und Zeit" sehr fruchtbar, vor allem durch die markant-seltsame Abwesenheit des Ethischen.
Hier fallen wir (ironischerweise, denn Heidegger selbst hat hier entschieden Irrelevanz postuliert) ins Biographische. Die Frage, inwieweit Heidegger ein Faschist war, stellt sich noch immer, wenn auch mit verstreichender Zeit die Verbissenheit des Diskurses weicht. (Sicher, Heidegger war fasciniert von Führung, von Schicksal, vom Archaisch-Mystischen). Doch erscheint er immer mehr vor allem als Typus eines Deutschen, der zunehmend historisch wird.

Man mag das Buch unter dem Aspekt der (fehlenden-warum?) Ethik lesen und exemplarisch die Verortung des Gewissens bedenken. Das Gewissen ist bei Heidegger ein Ruf, der das Dasein aus der Herrschaft des Man entfernt und seiner eigensten Möglichkeit zuführt. Diese besteht im Sein-zum-Tode und ist so vor allem das Ende der Möglichkeiten. So weit, so fundamental.
Das "Gewissen" bei Heidegger (und eng verschwistert die "Schuld") ist für eine aufmerksame Lektüre in mindestens drei Hinsichten interessant.
1. Es besetzt eine wichtige, beinahe zentrale Position in der philosophischen Architektur. Die Heideggersche Fundamentalanalyse geht kleinschrittig genug vor, um Konstistenz und logische Stringenz von sich zu beanspruchen. Das Gedankengebäude ist robust genug, um gegen einen Einsturz gefeit zu sein, erweist sich aber ebenso als porös, wenn man hartnäckig und kritisch genug fragt. Geht man von einem von anderen ethischen Grudsätzen getragenen Gewissensbegriff an das Werk heran, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zu dessen Beleuchtung und Dekonstruktion.
2. Es fällt auf, dass das Gewissen nur vor das eigene Sein ruft, dass der Mitmensch also gar nicht wichtig erscheint. Die anderen Menschen sind nichts als ein dumpfes Mit-Sein, das das eigene Sein zwar solidarisch stützt, strenggenommen aber beinahe Dingcharackter hat und unnötig ist. Der Andere ist bei Heidegger nicht ausgezeichnet wie bei Sartre oder mehr noch bei Levinas, aber er bereitet die Notwendigkeit vor, den Anderen ins Zentrum des Philosophierens zu bringen. Bei Heidegger haben die zentralen ethischen Begriffe wie Gewissen, Schuld, Sorge, Verantwortung mit unseren Mitmenschen eher nichts zu tun sondern schmoren als Existentialien im eigenen Dasein.
3. Es gibt keine Brücke zwischen den fundamentalen Existentialien und den konkreten Entscheidungen, die getroffen werden. Das Konkrete gerät rasch in den Ruch des "Vulgären". Einer Philosophie, die sich der Konkretisierung verschliesst und dies auch noch als eine Stärke ausgibt, fehlt allerdings ein wesentliches Element und hat wenig Resistenz gegenüber Instrumentalisierungen. Die spätere ins Mystische drehende, tendentiell reaktionäre Verherrlichung des bäurisch-Archaischen macht das dann nur schlimmer.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schonungslose Zerlegung und Deutung des geistlosen Daseins, 12. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
Als Sonderdruck des "Jahrbuchs für Philosophie und phänomenologische Forschung" erschienen anno 1927 die ersten zwei Sechstel einer groß geplanten Seinsdeutung, in der die Zeit als Sinnfindungsmittel des Seins oder anders gesagt, als "möglicher Horizont eines jeden Seinsverständnisses" besehen worden war. "Sein und Zeit" von Martin Heidegger (1889 - 1976) darf, obwohl es Fragment blieb, als das wichtigste philosophische Buch der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erachtet werden; die übrigen vier vorgesehenen Sechstel wurden nie fertig.
Heidegger sucht den Sinn des Seins. Bewogen von Plato (der in "Sophistes" bekannte, er habe einst geglaubt, den Namen 'seiend' oder das mit ihm Benannte zu verstehen, sei jetzt aber in Verlegenheit geraten) untersucht Heidegger zunächst die wichtigsten Schriften zu der Seinsfrage der Philosophen vor ihm. Er bemerkt, dass keiner zu einer grundsätzlichen Klarheit gekommen sei. Sein sei der allgemeinste Begriff, jedoch eben so der dunkelste (§ 1).
Um das an sich unfassbare Sein näher angehen zu können, setzt Heidegger ein paar Worte fest: Das Seiende des namens 'Mensch' fasst Heidegger terminologisch als 'Dasein'. Das Dasein sei dadurch ausgezeichnet, dass es diesem Seienden in seinem Sein um das Sein selbst gehe. Dies "Sein selbst" nennt er die 'Existenz' (§ 4) und dessen Analyse die 'Existentialontologie' (weswegen Heidegger als "Existenzialist" kategorisiert worden ist).
Dieser Name 'Dasein' ist - so vertraut er einem jeden deutschen Sprecher klingen mag - nicht ohne Abgründigkeit. Zunächst ist formal zu sagen, das das 'Dasein' ein substantivierter Infinitiv ist, der allso ein Geschehen benennt, und kein eigenständiges Seiendes. Dann kommt hinzu, dass das 'Dasein' an die Stelle des 'Subjekts' der Altvorderen tritt, ohne mit diesem deckungsgleich zu sein. Menschen oder der Mensch schlechthin wurden seit klassischer Zeit stets lateinisch als 'Subjekt' (oder hellenisch als 'Hypokeimenon') geführt, sprich: "das zu Grunde Liegende, das Unterworfene". Dies unklare Unterworfensein minimalisiert Heidegger als 'Geworfenheit'. Der Mensch ist in sein Dasein geworfen, ohne dass er als das zu Grunde Liegende seines Seins klar ist. Aber auch, wenn der Mensch sein Dasein erlebt und empfindet, deutet er sich nicht als das "Dasein"; eher wäre er ein "da Seiendes" oder ein "Daseiendes", nicht jedoch "das Dasein" schlechthin. Heidegger plausibilisiert diese Gleichsetzung an keiner Stelle.
Statt dessen interpretiert er das Dasein auf die Zeitlichkeit als "Sorge" (§ 57) im "Sein zum Tode". Die Zeitlichkeit sei der ontologische Sinn der Sorge (§ 65). Dazu holt er weit aus und bemerkt zunächst das 'In-der-Welt-Sein' (§ 12) und stolpert über das Problem des "Welterkennens" (§ 13). Der traditionell seinsspalterischen Setzung des Menschen als "Subjekt" und der ihn umgebenden Dinge als "Objekte" folgt Heidegger ja nicht, sodass er nicht fragen muss, wie ein Subjekt ein Objekt erkennen könne, sondern er sagt: "Erkennen ist eine Seinsart des In-der-Welt-Seins.", ohne das Erkennen etwa wie einen technischen Vorgang zu erklären. Das weist zwar in die richtige Richtung zu dem von ihm angestrebten Ideal der Seinsganzheit (§ 46 ff), lässt jedoch leider ununtersucht und ungenannt, was der Name 'Welt' nennt respective der Leser zu dem Namen hinzudenken solle: die "Schöpfung" oder die "Gesammtheit des Seienden" oder die je eigene "Erlebniswelt" eines jeden Menschen oder die "Menschheit"? Das Dasein lege das Sein aus, indem es das Sein verstehe (§ 32). Gut. Wenn die 'Welt' also die "ausgelegte Erlebniswelt des Daseins" nennt, wieso ist dann sozusagen schon abgemacht, dass seine auslegende Deutung des Sterbens der Anderen als "Tod" im Kern zutreffend sei und zudem "eine ontologische Umgrenzung der Daseinsmöglichkeit ermöglichen" könne? Wenn der Tod nun nicht zwingend als "eigenste, unbezügliche, unüberholbare, gewisse Möglichkeit begriffen werden muss" (§ 52), sondern ein über das sinnliche Vernehmen nur suggerierter, auf Körper ohne Geist gestützter Deutungsirrtum wäre, dann könnte er zwar als subjektive Umgrenzung des Daseins empfunden werden, jedoch nicht als ontologisch wissenschaftliche Umgrenzung dienen. Dass der ehemalige Theologie-Student Martin Heidegger diese Denkmöglichheit gänzlich ununtersucht ließ, ist eben so zu seinen großen Rätseln zu zählen, wie die Auslassung jedweder Untersuchung des Unbewussten, das "Verstehen und Auslegung" (§ 32) trägt und gestaltet.
Statt eine ewige Seinsganzheit plausibel anzuvisieren und überzeugend zu erreichen, in welcher dem ungetrösteten Dasein der Trost einer Überwindung seines Irrtumes des Todes in Aussicht gestellt wird, erschöpft sich Heidegger darin, die trostlose Seinsniedrigkeit des Daseins in dessen alltäglichem, geistlos besorgtem 'Gerede' (§ 35) und der Uneigentlichkeit des 'man' (§ 27) ohne jede Freundschaft oder Liebe auszuführen. Diese Daseins-Analyse ist der Maßen deutlich erniedrigend, dass man Heidegger später "präfaschistische Tendenzen" vorwarf. Solche ideologischen Politisierungsversuche seitens uneigentlicher Philosophen zielen aber an der Sache vorbei; das Problem des Werkes "Sein und Zeit" ist die Unerschlossenheit des Geistes, der die Seinsganzheit ohne Tod zu gewähren vermag. Dazu wäre vielleicht hilfreich gewesen, die Uneigentlichkeit des Daseins nicht als ein Verhängnis darzustellen, sondern als zu berichtigen durchaus mögliche Folge eines zwar apriorischen, weil phylogenetisch vorgegebenen, jedoch zu überwindenden Geistvermeidungsbestrebens zu beleuchten.
Das wichtige Thema 'Sein', viele interessante Ansätze und eine spannende Kost bietet "Sein und Zeit" durchaus. Aber am Ende bleibt der Nachgeschmack einer rätselhaften Hoffnungslosigkeit.
An dieser Stelle möge ein kurzer Buchvergleich gestattet sein: Wer nach "Sein und Zeit" das Buch "Ein Kurs in Wundern" durcharbeitet, wird bemerken, dass dem 'Dasein' und dem 'man' dort das 'Ego' entspricht, das allen Fehl trägt wie das 'man'. Diesem aber wird als wunderbare Alternative der Christus eröffnet, zu dem durch Vergebung der Bedingungen des Heidegger'schen Daseins hin zu entkommen ist. Hier ist der heilende Geist der Liebe, die bei Heidegger nicht zu finden war.
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45 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf dem Weg zur Antwort auf die fundamentale Lebensfrage, 29. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
"Die konkrete Ausarbeitung der Frage nach dem Sinn von >Sein< ist die Absicht der (...) Abhandlung. Die Interpretation der Zeit als des möglichen Horizontes eines jeden Seinsverständnisses überhaupt ihr vorläufiges Ziel." (Heidegger; Sein und Zeit)
Martin Heidegger gehört zu den bedeutendsten, einflußreichsten Philosophen, ja Denkern überhaupt in diesem Jahrhundert, und wir können mit Bestimmtheit sagen: Die Philosophie dieses Jahrhunderts würde ohne ihn anders aussehen, und nach ihm läßt sich zumindest die europäische Philosophie nicht mehr ohne ihn verstehen, hatte er doch Einfluß auf Sartre, Foucault. Gadamer, Habermas und viele andere, herausragende Geister nach ihm. Seine Wirkung und sein Einfluß erstrecken sich weit über die Philosophie hinaus auf die Theologie, Psychologie und Literaturwissenschaft - um nur einige Bereiche zu nennen.
Sein Hauptwerk, das epochemachende „Sein und Zeit" ist dabei sicherlich seine berühmteste und einflußreichste Schrift, welche - wie der Titel schon nahelegt - die Thematik des Zusammenhangs von Sein und Zeit als zentrale in sich trägt - wobei die konkrete Ausarbeitung der Frage nach dem Sinn von Sein die Absicht des Werkes ist, welche vollkommen neu gestellt werden soll, ohne auf die traditionellen „Gedankensystembauten" vorhergehender Epochen wesentlich zurückzugreifen. Damit beansprucht es, eine Fundamentalontologie zu sein. Ausgangspunkt ist dabei der Mensch und dessen Weise zu sein, zu welcher Seinsverständnis wesentlich gehört, und dem es in seinem Sein stets um dieses als das je eigene Sein geht. Das Gesamtwerk „Sein und Zeit" ist hierbei mehrteilig: Die ersten beiden Teile finden sich in dem vorliegenden Band 1 mit dem Titel „Sein und Zeit", und tragen, unter dem vielversprechenden Titel: „Erster Teil: Die Interpretation des Daseins auf die Zeitlichkeit und die Explikation der Zeit als des transzendentalen Horizontes der Frage nach dem Sein." die Überschriften: „Die vorbereitende Fundamentalanalyse des Daseins" und „Dasein und Zeitlichkeit". Der dritte Abschnitt des ersten Teils namens „Zeit und Sein" sowie der zweite Teil als solcher mit dem Titel „Zweiter Teil: Grundzüge einer phänomenologischen Destruktion der Geschichte der Ontologie am Leitfaden der Problematik der Temporalität" wurden von Heidegger jedoch so nie geschrieben - soweit wir bis jetzt wissen (seine Schriften sind bis dato noch nicht vollständig veröffentlicht). Dennoch ist „Sein und Zeit" ein in sich geschlossenes Werk höchster denkerische Brillanz, welches auf eine Art und Weise zu faszinieren vermag wie kein anderes - vor allem vielleicht auch aufgrund der in ihm beschriebenen Analysen der Zeit, des Seins an sich, der Angst und des Todes. Es ist eine eigenständige und in sich gefaßte Lehre vom Sein, von den Ordnungs-, Begriffs- und Wesensbestimmungen des Seienden in einer eigens von Heidegger hierfür entwickelten Terminologie und Sprache. All dies macht es zu einer „Schatztruhe" des Wissens, der Weisheit und der Erkenntnis von Sein - eine faszinierende Reise in die phantastische Gedankenwelt eines genialen Menschen.
[Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.] (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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32 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hartes Brot kauen wird belohnt!, 18. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
Heideggers Hauptwerk Sein und Zeit ist zweifellos eines der grossen Werke der Metaphysik und Existenzialphilosophie.
Als Schüler Husserls und in enger Bindung an die Freiburger Schule ist er der Phänomenologie, aber auch der Hermeneutik
(Kunst der Auslegung;Verstehenslehre) zuzuordnen, um die Richtung seines Denkens kurz zu verorten.

Es stellt sich darin die Frage nach dem Sein als die Fundamentalfrage, eine ontologische Fragestellung (d.h. nach einem allem zugrundeliegenden äußeren Zusammenhang). Mittels Destruktion bringt er dabei die Begriffe hin zum Wort, das als solches nicht mehr zu hinterfragen ist. Die daraus resultierende Sprache erscheint als schwierig, da die Alltagsbegriffe durch andere, weniger bedeutungslastige ersetzt werden. Die Begrifflichkeiten werden einerseits als analytische Begriffe gebraucht, andererseits sind sie Phänomen.
Er sucht dabei nach dem allem innewohnenenden Kausalzusammenhang - der transzendentalen Bedingung.
Das zweiteilige Werk ist meiner Meinung nach ohne philosophische Grundlagen nur unter Zurhilfenahme von Sekundärliteratur empfehlenswert.
Es enthält jedoch eine Reihe von Antworten, die den eigenen Horizont meiner Meinung nach wachsen lassen und ich empfehle es jedem, den die Frage nach dem Sein beschäftigt.
Wie heißt es doch bei Gadamer, den Heidegger zeitlebens wie kein anderer beeinflußte: "Wer die Gegenwart verstehen will, muss Bücher lesen, die 2000 Jahre alt sind."
Sein und Zeit wird wohl auch, wenn es 2000 Jahre alt ist, noch Antworten für zukünftige Generationen bereit halten.
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20 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oa Mordsgaudi, 26. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
Um es vorweg zu sagen: Heidegger ist derjenige unter den Philosophen, den ich immer am meisten mochte. Wenn es einen gibt, der die Möglichkeiten des menschlichen Verstandes bis zum Ende ausgelotet hat, so ist es er - und "Sein und Zeit" ist das Meisterwerk. Weiter als auf 400 Seiten liebevoll das Wesen des Seins im Sein des gezeitigten Jetzt zu untersuchen und daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass das Sein im Jetzt anwesend ist, kann man wohl nicht gehen. Nach Heidegger sehen alle Philosophen nur aus wie katholische Sonntagsschuljungens im Vergleich zum größten Schläger am Ort. Und: Heidegger ist witzig - wer es vermag, das komödiantische Element im Ergebnis vierzigjährigen Schaffens an der Obergrenze des menschlichen Verstandes zu erkennen und herzhaft darüber zu lachen, dass der Verstand nach allen Irrungen und Wirrungen doch wieder nur an seinen Ausgangspunkt zurückkehrt, der kann erkennen, dass eigentlich das Sein und das Leben an sich doch eine Mordsgaudi ist, die genossen werden sollte, statt sich grüblerisch in ihr zu verlieren. In diesem Sinne - Danke, Martin!
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77 von 135 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Sein und Zeit" - tiefe Erkenntnis oder Unsinn tieferer Art?, 17. April 2006
Von 
r567 (Reichenbach, Sachsen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
Heideggers Seinsmystik, sein Kreisen um Grundkategorien wie Zeitlichkeit, Dasein ("Geworfenheit des Daseins"), Angst vor dem Nichts, Wahrheit, Sprache etc. hat bekanntlich viele Leser fasziniert. Heideggers Leistung besteht aber meines Erachtens tatsächlich vor allem darin, eine eigene Begriffswelt kreiert zu haben, eine Art quasi-religiösen Wortzauber, mit dem nach Belieben, teilweise unter Beiseiteschieben der Logik, jongliert wird, begleitet vom Bemühen, Aufklärung, Wissenschaften und Vernunft zu denunzieren.

Bestenfalls lässt sich den Heideggerschen Ausführungen eine Art subjektive Zivilisationskritik entnehmen. Statt aber hier einzelne Aspekte kritisch - mit ernsthaften Argumenten - zu diskutieren, präsentiert Heidegger "tiefe" Einsichten in das "Wesen" der Dinge, die sich um Ergebnisse realwissenschaftlicher Forschung nicht kümmern müssen. Der Wortaufwand, den er hierzu treibt, hat seine Wirkung nicht verfehlt und konnte seine Verehrer (unter ihnen auch Universitätsprofessoren wie z.B. Hans-Georg Gadamer!) über den insgesamt äußerst dürftigen Gehalt seiner "Hermeneutik des Daseins" hinwegtäuschen.

Analysiert man nämlich Heideggers Sätze, muss man meistens feststellen, dass diese entweder (1) Leerformeln oder (2) triviale Aussagen enthalten (allerdings eben in einer für viele wohlklingenden Rhetorik, worin ihm tatsächlich unübertreffliche Meisterschaft zugestanden werden muss) oder (3) einfach falsch sind oder schließlich (4) hinreichend unklar und verschwommen formuliert sind, so dass man natürlich immer behaupten kann, sie enthielten ihre "eigene Wahrheit", die sich empirischer Prüfung nicht aussetzen muss.

"Sein und Zeit" hat eine wahre Flut von Interpretationsliteratur hervorgebracht und gilt bei vielen Philosophen als bahnbrechendes, wenn nicht gar größtes Werk dieser Art im 20. Jahrhundert. Wie war ein solches Urteil möglich? Vielleicht, weil es für viele Zeitgenossen einfach eine Freude, eine Art intellektuelles Vergnügen ist, aus Heideggers Denkweise, seinen Begriffsschöpfungen, die ihm für das "Sagen des Seins" angemessen schienen, tiefschürfende Erkenntnisse herauszudestillieren, wobei dann leider allzuoft das kritische Denken auf der Strecke bleibt.

Hans Alberts "Kritik der reinen Hermeneutik" (Tübingen 1994) enthält eine überzeugende Analyse der Heideggerschen Philosophie: "Die Illusion tieferer Erkenntnis, die er bei seinen Anhängern erweckt hat, beruhte auf Illusionen, die er sich selbst durch sein fahrlässiges Denken verschafft hatte, durch die Art und Weise, wie er sich an der wissenschaftlichen Forschung und an jeder Art rationaler Argumentation vorbei in eine Sackgasse manövriert hat. In diese Sackgasse scheinen ihm heute eine ganze Reihe von Philosophen - vor allem in den romanischen Ländern - folgen zu wollen, die sich auch in rhetorischer Hinsicht an ihn anzulehnen versuchen. Sie sehen offenbar nicht, daß seine Entwicklung ihn vom philosophischen Denken über die Begriffsdichtung in die Wortmusik geführt hat. Die Attraktivität, deren sich der Meßkircher Denker heute erfreut, ist ein Indiz dafür, daß in der Philosophie und in verwandten Disziplinen schwaches Denken oft größeren Erfolg verspricht als eine rationale Erkenntnispraxis, die sich kritischer Prüfung aussetzt." (Albert, aaO., S. 32)

"Nicht die Entdeckung, die Klärung oder die Lösung wichtiger Probleme haben wir ihm zu verdanken. Er war aber zum Beispiel ein Virtuose des effektvollen Gebrauchs von Worten, der Erfinder einer Imponierprosa (Johannes Gross), die kaum zu überbieten sein dürfte ... Heidegger hat einen sehr wirksamen Beitrag zu einer Art des Denkens geleistet, das sich der Aufklärung entgegenstellt. Er hat einen Ausbruchsversuch aus der Vernunft unternommen, aus dem vernünftigen Denken in das, was er für wesentliches Denken hielt, einen Auszug aus dem Argument, der ins Leere mündete, gewissermaßen ins Nichts, das ihn so sehr beschäftigt hat. Und er hat andere dazu verleitet, ihm zu folgen und ebenfalls der philosophischen Falschmünzerei zu huldigen, die er vorgeführt hat." (Albert, aaO., Anhang: Heidegger als Denker, S. 264 f.)
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Sein und Zeit
Sein und Zeit von Martin Heidegger (Gebundene Ausgabe - 1. September 2006)
EUR 29,95
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