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Ein amerikanischer Geschichtslehrer möchte seiner Klasse zeigen, wie die Nazis ein ganzes Volk beherrschen konnten. Dazu erfindet er ein paar Schlagworte - Macht durch Disziplin!, Macht durch Gemeinschaft!, Macht durch Handeln! - und eine Bewegung mit eigenem Gruß: Die Welle.
Doch was als Experiment, als Learning by Doing gedacht war, läuft bald aus dem Ruder. Die „Welle" gewinnt an der Highschool ungeahnte Popularität, der Druck auf die, die der Welle nicht angehören, wird immer stärker. Ihre Mitglieder definieren sich mehr und mehr nur noch durch die Organisation, durch die „Welle". Ein Schüler, der bisher am Rande stand, ziemlich unten in der Hierarchie, ernennt sich zum „Leibwächter" des Geschichtslehrers und ist plötzlich bei allen angesehen. Ihren Lehrer verehren mittlerweile alle als ihren „Führer". Diejenigen, die sich weigern, der Welle beizutreten, werden ausgegrenzt. Freundschaften werden aufgekündigt, weil der Freund/die Freundin nicht der Welle angehört.
Was als Experiment begann, endet als bedrohliche Wirklichkeit. Nur mit Mühe kann der Geschichtslehrer das Experiment wieder abblasen. Ein Beispiel, wie eine Massenbewegung entsteht und alle in ihren Bann zieht. Ein Beispiel wie faszinierend eine Bewegung sein kann, wie sie zum Selbstläufer wird, selbst heute, selbst in den USA. Faschismus ist nicht Vergangenheit.
Die Welle ist mittlerweile an vielen Schulen Standardlektüre geworden.
Aber ich muss auch einige kritische Worte dazu verlieren. Denn hier wird, anders als vielfach behauptet, nicht die Entstehung einer faschistischen Organisation geschildert. Sondern die einer Massenbewegung, einer Organisation, die ihren Mitgliedern das Denken abnimmt. Und das kann eine Kirche, Sekte, politische Partei, Jugendgruppe oder vieles mehr sein. Dass ist zwar bedrohlich, aber nicht unbedingt faschistisch sein.
War die Entstehung der Sozialdemokratie im neunzehnten Jahrhundert faschistisch? Wohl kaum, aber sie folgte dem gleichen Muster. Ist die katholische Kirche faschistisch? Man muss sie nicht mögen, aber sie mit den Nazis gleichzusetzen, wäre doch sehr stark vereinfachend.
Auch die zahlreichen maoistischen Gruppen und Grüppchen, die in den Siebzigern wie hundert Blumen aus der deutschen Studentenbewegung sprossen, funktionierten wie die Welle. Sie verboten ihre Mitgliedern das Denken, die Freundschaft mit Nicht-Mitgliedern, waren intolerant und fanatisch. Waren sie faschistisch? Das wäre in meinen Augen eine arge Verharmlosung der Nazis. Denn diese folgten zwar auch den Prinzipien der Massenbewegung und doch waren sie noch weit brutaler, als all die anderen Gruppen, die davor oder danach einer „Welle" folgten.
So sollte man das Buch sehr kritisch lesen. Aber das ist bei Büchern - und nicht nur bei Büchern - immer angesagt. Sonst folgt man auch nur einer neuen „Welle".
(C) Hans Peter Roentgen
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am 15. November 2015
Ein amerikanischer Geschichtslehrer möchte seiner Klasse zeigen, wie die Nazis ein ganzes Volk beherrschen konnten. Dazu erfindet er ein paar Schlagworte - Macht durch Disziplin!, Macht durch Gemeinschaft!, Macht durch Handeln! - und eine Bewegung mit eigenem Gruß: Die Welle.
Doch was als Experiment, als Learning by Doing gedacht war, läuft bald aus dem Ruder. Die „Welle" gewinnt an der Highschool ungeahnte Popularität, der Druck auf die, die der Welle nicht angehören, wird immer stärker. Ihre Mitglieder definieren sich mehr und mehr nur noch durch die Organisation, durch die „Welle". Ein Schüler, der bisher am Rande stand, ziemlich unten in der Hierarchie, ernennt sich zum „Leibwächter" des Geschichtslehrers und ist plötzlich bei allen angesehen. Ihren Lehrer verehren mittlerweile alle als ihren „Führer". Diejenigen, die sich weigern, der Welle beizutreten, werden ausgegrenzt. Freundschaften werden aufgekündigt, weil der Freund/die Freundin nicht der Welle angehört.
Was als Experiment begann, endet als bedrohliche Wirklichkeit. Nur mit Mühe kann der Geschichtslehrer das Experiment wieder abblasen. Ein Beispiel, wie eine Massenbewegung entsteht und alle in ihren Bann zieht. Ein Beispiel wie faszinierend eine Bewegung sein kann, wie sie zum Selbstläufer wird, selbst heute, selbst in den USA. Faschismus ist nicht Vergangenheit.
Die Welle ist mittlerweile an vielen Schulen Standardlektüre geworden.
Aber ich muss auch einige kritische Worte dazu verlieren. Denn hier wird, anders als vielfach behauptet, nicht die Entstehung einer faschistischen Organisation geschildert. Sondern die einer Massenbewegung, einer Organisation, die ihren Mitgliedern das Denken abnimmt. Und das kann eine Kirche, Sekte, politische Partei, Jugendgruppe oder vieles mehr sein. Dass ist zwar bedrohlich, aber nicht unbedingt faschistisch sein.
War die Entstehung der Sozialdemokratie im neunzehnten Jahrhundert faschistisch? Wohl kaum, aber sie folgte dem gleichen Muster. Ist die katholische Kirche faschistisch? Man muss sie nicht mögen, aber sie mit den Nazis gleichzusetzen, wäre doch sehr stark vereinfachend.
Auch die zahlreichen maoistischen Gruppen und Grüppchen, die in den Siebzigern wie hundert Blumen aus der deutschen Studentenbewegung sprossen, funktionierten wie die Welle. Sie verboten ihre Mitgliedern das Denken, die Freundschaft mit Nicht-Mitgliedern, waren intolerant und fanatisch. Waren sie faschistisch? Das wäre in meinen Augen eine arge Verharmlosung der Nazis. Denn diese folgten zwar auch den Prinzipien der Massenbewegung und doch waren sie noch weit brutaler, als all die anderen Gruppen, die davor oder danach einer „Welle" folgten.
So sollte man das Buch sehr kritisch lesen. Aber das ist bei Büchern - und nicht nur bei Büchern - immer angesagt. Sonst folgt man auch nur einer neuen „Welle".
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am 12. Dezember 2006
Als wir in der 10. Klasse die Weltkriege und NS-Zeit behandelten, gab es, ganz wie in der Klasse des Romans hier, einige, die sich fragten: "Wie kam es dazu?" und "Wieso haben so viele einfach mit gemacht?" Ich gehörte nicht zu den Schülern, die das fragten. Aber wohl auch nur deshalb, weil ich zuvor "Die Welle" gelesen hatte und somit zumindest eine Ahnung hatte, was da vor sich ging.

"Die Welle" beschreibt die wahren Ereignisse an einer amerikanischen Schule. Es fängt harmlos an, indem auch sie die NS-Zeit durch nehmen und ein Experiment wagt, bei dem jeder einer Gruppe zugeteilt wird und jeder bestimmte Rechte hat (oder sie ihm verwehrt werden). Schnell breitet sich das Experiment auf die ganze Schule aus und scheint zu eskalieren.

Ein Ruf: "Stop! Das war nur ein Spiel! Und jetzt sage ich: dass es vorbei ist." hätte nichts genützt. Also muss der Lehrer einen anderen Weg finden, dieses Experiment sinnvoll zu beenden. Seine Lösung ist so einfach wie genial und ich persönlich war trotzdem überrascht.

Ein großartiges Buch für den, der mehr erfahren möchten, warum so viele Hitler (scheinbar) willenlos und ohne Fragen gefolgt sind. Bei weitem nicht nur ein Roman für Jugendliche.
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am 4. März 2016
"Die Welle" - ein Buch, was mich seit meiner Schulzeit fasziniert und begleitet..
Als ich dieses Mal anfing mit dem Lesen, war es, als hätte ich es gerade erst beendet, denn irgendwie konnte ich mich ganz genau an die ersten Zeilen des Buches erinnern, obwohl es schon mindestens 13 Jahre her sein muss, seit ich es in der Schule lesen musste..
"Die Welle" ist ein Experiment, was irgendwann (eigentlich schon ziemlich am Anfang) aus den Fugen gerät, was aber auch zeigt, wie schnell beeinflussbar der Mensch ist..
Ich bin sicher, so ein Experiment, würde überall machbar sein - es gibt immer Menschen, die charakterschwach sind..
Morton Rhue hat mit diesem Buch den Nagel auf dem Kopf getroffen und ich kann dieses Buch wirklich jedem nur empfehlen!
..und als Schullektüre finde ich es mal ganz toll! Endlich mal ein Buch, was wirklich Sinn und Tiefgang hat!
Mehr als 5 Sterne wert!!!

©2013
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am 1. Februar 2010
Ich kannte bisher weder den Film, noch das Buch. Per Zufall fiel es mir übers Wochenende in die Hand und ich habe es an zwei Abenden durchgelesen. Zum reinen Inhalt wurde hier bereits genug informiert, daher gehe ich direkt zur Wertung über.

Für die Themenwahl vergebe ich den ersten Punkt; sie ist spannend und ich finde es positiv, dass der US-Autor sich - anders als z.B. Daniel Goldhagen - nicht damit begnügt, "die Deutschen" an sich als Problem zu sehen, sondern nach allgemein-psychologischen Erklärungen dafür sucht, wie eine hochzivilisierte Gesellschaft mit demokratischen Strukturen einen solchen Rückfall in die Barbarei zulassen konnte, wie er zwischen 1933 und 1945 stattfand.

Einen zweiten Punkt vergebe ich dafür, dass die Geschichte so einfach und klar geschrieben ist, dass sie ein breites Publikum erreichen kann. Das Buch überfordert weder in Bezug auf Länge, Stil, noch inhaltliche Aussagekraft. Seine Botschaften sind klar und simpel:

"Macht durch Disziplin"
Umgekehrschluss: Sei kritisch gegenüber Disziplin, denn sie gewährt Macht.

"Macht durch Gemeinschaft"
Umkehrschlüsse:
Sei kritisch gegenüber Gruppen, denn sie können sich zu gefährlichen Seilschaften wandeln. Definiere Dein Selbstbewusstsein nicht über die sozialen Kontakte, die Du pflegst, sondern über Deine natürliche Menschenwürde und Deine persönlichen, positiven Seiten oder Leistungen. Bewahre Dir einen gesunden Individualismus.

"Macht durch Handeln"
Umkehrschluss: Gebrauch Deinen eigenen Verstand und triff eigene Entscheidungen.

Einen dritten Punkt vergebe ich dafür, dass die Geschichte nicht nur die (unrealistisch) rasch verlaufende Verführung der Schüler, sondern auch die nicht minder erschreckende Wirkung auf den Lehrer schildert, der u.a. dazu übergeht, andere Klassen gegenüber seiner eigenen abzuwerten.

Den vierten Punkt habe ich abgezogen, weil gleich zu Beginn von 10 Millionen Juden die Rede ist, die angeblich alle in Deutschland ermordet wurden. Mit der Zahl hätte ich noch irgendwie leben können, auch wenn sie sich am oberen Rand der aktuellen Opferschätzungen bewegt - immerhin ist das Werk inzwischen 30 Jahre alt und am Prinzip ändert sich dadurch ja nichts. Aber dass das Buch suggeriert, die Juden seien allesamt auf deutschem Grund und Boden ermordet worden, ist nun wirklich daneben.

Das, was die Shoah ausmacht - INDUSTRIELLE VERNICHTUNG von mehreren MILLIONEN Juden - geschah in eigens dafür errichteten Lägern wie Ausschwitz, Treblinka, Sobibor. Die standen aber bekanntlich eben nicht im deutschen Kernland, sondern im vom Deutschen Reich besetzten Polen. Ca. 200.000 Juden wurden von Deutschland aus dorthin deportiert. Sinn und Zweck der Deportation unterlagen strenger Geheimhaltung. Für die Durchführung waren SS-Einheiten zuständig.

So, wie der Autor es darstellt, entsteht der Eindruck, rund 40 Millionen Deutsche im Kernland hätten exakt gewusst, dass Millionen von Juden zum Vergasen in besagte Läger transportiert werden. Dem ist nicht so. Der jüdische Autor Raul Hilberg schildert in seinem Standardwerk Die Vernichtung der europäischen Juden, teilweise hätten nicht einmal die Betroffenen selbst geahnt, was ihnen hinter der Rampe blüht.

Der Autor macht es sich hier erheblich zu einfach. Ich will das nicht weiter vertiefen.

Den fünften Punktabzug gab es dafür, dass der Autor zwar eindrucksvoll darstellt, wie rasch junge Menschen sich mit faschistoiden Methoden verführen lassen, aber leider völlig offen lässt, was wir mit diesem Wissen nun anfangen. Sein Werk zeigt - wie das Milgram- bzw. das Stanford-Gefängnis-Experiment - gefährliche Schwachpunkte der menschlichen Psyche auf: Verführbarkeit, Gruppenkonformität, gefährliche Instinkthaftigkeit, die unter einer vergleichsweise dünnen Zivilisationsdecke schlummert.

In jedem von uns steckt also ein kleiner Nazi. Und jetzt?
Wo bleiben die Lösungsansätze?

Ich hätte mir ein weiteres, abschliessendes Kapitel gewünscht, in dem die nächste Geschichtsstunde präsentiert wird. Eine Geschichtsstunde, in der alle Schüler u.a. üben, wie man sich soziale Kompetenz und ein gesundes Selbstbewusstsein aneignet. Spätestens hier hätte der Autor auch einen wunderbaren Bogen zur Gegenwart schlagen können. Wo liegen heute die Gefahren von Totalitarismus und Diktatur? Doch der Leser bleibt ebenso im Regen stehen, wie die Schüler nach der letzten "Wellen"-Vollversammlung.

Das Buch präsentiert sich insgesamt mit einem - vor allem zu seiner Entstehungszeit - interessanten Erklärungsansatz, einer einfachen Struktur, einem schülerhaft schlichten Schreibstil, einer sträflich zu kurz greifenden (und daher ungewollt verharmlosenden) Sicht auf Nazideutschland und einer leider nur durch eigene Umkehrschlüsse (s.o.) herausinterpretierbaren Botschaft, wovor man sich wappnen sollte, um der Faszination des Bösen künftig individuell widerstehen zu können.

Kein grosses Werk, aber brauchbarer Durchschnitt.
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am 13. Dezember 2015
Ich habe das Buch bestellt und aus irgendeinem Grund kam es nicht an. Irgendwas scheint mit der Post bei mir nicht zu stimmen, denn das Problem hatte ich kurz danach noch einmal. Naja... ich habe den Verkäufer kontaktiert und mir wurde der Kaufbetrag inkl. Versand sofort zurück überwiesen! Vielen Dank!
Frühere Bestellungen beim Verkäufer sind immer sehr schnell angekommen!

Nun zum Buch:
Ein zeitloses Buch, welches aktuell ist wie zuvor oder auch wie nie zuvor.
Toll sind die Bilder und das Interview am Ende des Buches.
Sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene geeignet und schnell gelesen.
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am 14. November 2014
Inhalt:
Habe mir selbst das Buch für die Schule gekauft und muss wirklich sagen,dass ich es sogar mag.es hat eine spannende Geschichte und ist gut aufgebaut.

Äußerliches:
Das buch wirkt für ein Taschenbuch relativ stabil,ist gut zu lesen,und genau das selbe wie man es in jedem Buchladen kaufen kann.Nur eben zu einem unschlagbar günstigen Preis.Sofern man Amazon Prime hat,kommt das Buch auch noch gratis nach Hause,und falls nicht,bezahlt man einfach noch den Versand,der jedoch sowieso nicht ins Gewicht fällt.

Alles in allem: Gutes Buch,gut verarbeitet,günstig TOP!
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HALL OF FAMEam 22. Juni 2006
°
"Die Welle" von Morton Rhue basiert auf einem Experiment, das 1968 ein Lehrer mit seinen Schülern an einer amerikanischen Highschool durchgeführt hat. Grund dafür war die Überzeugung der Schüler, dass eine Dynamik mit Führerkult wie im Dritten Reich sich bei ihnen hätte niemals entwickeln können. Daraufhin gründet der Lehrer eine Jugendbewegung - eben "Die Welle" - welche Erfolg durch Disziplin, klare Regeln und Verhaltensnormen verspricht. Der Erfolg des Projekts führt schnell zur Gruppenspaltung mit einer Mitgliedermehrheit und einer kleinen, bald diskriminierten Minderheit von Nicht-Mitgliedern. Während einer Vollversammlung werden dann die Parallelen zum Dritten Reich aufgezeigt und die Schüler erschrecken über ihr eigenes Verhalten. Ein spannender, leicht verständlicher Roman, der in seiner Aussage weitreichend ist. Besonders empfehlenswert ist das Buch für Leute, die sich sicher sind, dass sie niemals so gehandelt hätten wie im Dritten Reich oder die glauben, dass nur manche Menschen sich derart manipulieren lassen. Ein weiteres Buch passt hier vielleicht gut dazu - "Das Milgram Experiment" (ISBN 3499174790): darin wird besonders das Thema Obrigkeitsgehorsam trotz Gewissenskonflikt dargestellt, ebenso basierend auf einem realen Experiment.

~
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am 5. März 2008
Es ist unbestritten wichtig, sich bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus zu fragen, wie es soweit kommen konnte.
Die Idee, selbstgerechtes "Mir könnte das nicht passieren!"-Denken mal auszuhebeln, ist da sehr gut - denn seinerzeit "passierte" das vielen Millionen Menschen, und zwar nicht nur in Deutschland. Hitler und seine Ideologie fanden weltweit Befürworter.

Das Buch "Die Welle" wirbelte in den 70ern viel Staub auf. Allerdings ist dieser inzwischen wieder recht dick auf diesem Werk gelandet. Die ansich gute Idee, Schüler - ohne, daß sie es merken - in den Sog von Gruppenzwang, Ausgrenzung Anderer und elitärem Denken geraten zu lassen mit Gründung einer eigenen Organisation, einem eigenen Emblem und festen ethischen Werten verflacht aber leider recht schnell in allzu Offensichtlichem.
"Richtig" und "Falsch" werden, um so richtig deutlich zu sein in der Botschaft, von Anfang an festgemauert und der mahnende Zeigefinger hebt sich auf jeder Seite. Die kritische Schülerin ist aus nur ihr bekannten Gründen von Anfang an kritisch und die Welle-begeisterten Experimentler unglaublich fix im gefährlichen Fahrwasser.
Der stete Hinweis auf den Deutschen Faschismus verwirrt mich zunehmend. Es wäre (zumindest in der heutigen Zeit) ehrlicher, man würde die drohende Gefahr nicht ausschließlich auf die Zeit zwischen 1933-45 fokussieren, werden doch auch in der "Welle" Entwicklungen beschrieben, die man in jeder Sportmanschaft latent antreffen kann: "WIR sind die Besten, die Kings, die einzig Wahren! Und der Andere ist der Feind!"

WOOO nun die Grenzüberschreitung stattgefunden haben soll, die vom alltäglichen Ausgrenzungsverhalten in Holocoust-Nähe rutscht - es tut mir leid, das war mir in der "Welle" absolut nicht plausibel!
Ein Teenager-Pärchen zankt sich? ER reagiert ungewohnt heftig? Auweia! Und ein Junge wird verprügelt, von dem der Leser und die nunmehr aufgeschreckten Jugendlichen eher nebenbei erfahren, daß er Jude ist? Na sag mal an...

Dabei kommt es doch ansonsten NIIIIEEE vor, daß Schüler von anderen Schülern verdroschen werden und Pärchen sich streiten... Und feste Gruppierungen (Politik, Sport, Musikbands, Eliteschulen etc.) reagieren normalerweise absolut relaxt und nie geballt-abwehrend auf Kritiken von außen oder gar auf Konkurrenz...

Zumindest scheint der Ort des Welle-Geschehens, jene USA-Schule, von jeher so ein Ort von Friede-Freude-Eierkuchen gewesen zu sein, bar jeder Gruppierung bzw. jeden Gruppendenkens...

In diesem Buch wird dann das Welle-Experiment als real-fiktives Aha-Erlebnis behauptet und Hitler als immer noch im Hintergrunde brodelnde Gefahr, so ein bissel wie das böse Sumpfmonster, das vielleicht noch nicht ganz tot ist und zwecks Eroberung der Weltherrschaft einst wieder hervordrängen könnte... Botschaft: Wenn wir alle ganz doll aufpassen, nur dann, kann nie wieder sowas wie in Deutschland geschehen.

Nicht EINMAL wird der Blick auf aktuell vorhandene, täglich zu erlebende Ursprungsquellen gelenkt: Verdroschen wird im Buch also (geschichtsträchtig) ein Jude, und das Grauen liegt offen vor uns. - Gab es an dieser Schule eigentlich Schwarze? Indios? Puertoricaner? Hat man an jener Schule schon mal was vom Ku-Klux-Klan gehört? Vom Vietnam-Krieg? Von der Christianisierung des schwarzen Kontinentes und der Ureinwohner des einst von Columbus entdeckten Landes?

Und in der heutigen Rezeption: Woran erinnert einen denn nur die Formulierung "Achse des Bösen"?

Ein Sprichwort, daß ich sehr mag, lautet: "Das Gegenteil von Gut ist nicht Böse, sondern Gut gemeint!" - Das trifft für mich auf die "Welle" zu. Das Böse hat braune Hemden an und lebte so in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, und fatalerweise fielen viele naive Leute darauf hinein. Und auch heute sind wir latent in Gefahr. Aber ein engagierter Lehrer kann einen dann mal irritieren, und morgen... spielen wir was Anderes.

Nie, absolut nie, wird das wahre Hier und Heute hinterfragt. Der Blick wird nur in die Großeltern-Genration gelenkt und wie sehr wir dafür anfällig "wären".

Wie wenig dieses Verhalten in den Siebzigern bereits ausgestorben war und wie anfällig (oder bereits angefallen) wir heute immer noch (und nicht "schon wieder") SIND, wird bequemerweise ausgeblendet.

Für die ansich gute Idee hätte ich gerne mehr Sterne vergeben. Aber das Buch macht es dem Leser allzueinfach, sich "richtig" zu positionieren. Es erzeugt Selbstgerechte und keine kritischen Nachdenker, schon gar keine sich-selbst-Hinterfrager. Auch in den Rezensionen liest mal allzuoft die Frage, wie man denn selbst DAMALS gewesen WÄRE.

Und das hilft uns im Alltag absolut nicht weiter. Um solche Diktaturen zu bekämpfen, müssen wir uns damit auseinandersetzen, wie wir SIND.
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am 8. April 2004
Ja, ein weiteres von unzähligen Romanen zum Thema Hitler. Allerdings ist es wirklich mal was anderes, weil es in der heutigen Zeit spielt. Und es ist ja auch eine wahre Geschichte, was das Ganze noch interessanter macht, wie ich finde.
So entschließt sich der Geschichtslehrer Ben Ross, ein Experiment mit seinen Schülern des Geschichtskurses zu machen. Denn die können sich einfach nicht vorstellen, wie die Menschen sich auf damals auf Hitler haben einlassen können und warum sie nichts dagegen unternommen haben.
Ben Ross erfindet also Die Welle, und bald ist die ganze Schule an diesem Projekt beteiligt. Aus stillen Schülern werden Kommandeure und nur wenige merken, was dort wirklich mit ihnen geschieht. Ross denkt sich Grundsätze aus, und es gibt dann sogar einen speziellen Gruß. Es werden immer neue Mitglieder dazugeholt und wer nicht mitmachen will, der wird verprügelt.
Die Auswirkungen sind echt drastisch.
Ich finde die Aufmachung und Gestaltung des Buches schön, weil jedes Kapitel mit einem Bild beginnt und wichtige Stellen sind hervorgehoben.
Außerdem ist das Nachwort auch interessant, da es aus einem Interview mit dem Lehrer besteht, der dieses Experiment gemacht hat.
Dieses Buch ist nicht nur etwas für Leute, die sich mit dem 2. Weltkrieg beschäftigen, sondern auch für diejenigen, die es einfach interessant finden, zu entdecken, wie leicht sich Menschen manipulieren lassen.
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